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April 1945: Die Suchtrupps sowjetischer und angloamerikanischer Geheimdienste erhielten den Auftrag, Hitler lebendig oder tot aufzufinden. Das gelang ihnen nicht. Die "Zeugen" der Geschehnisse vom 30.04.1945 verstrickten sich in Widersprüche, widersprachen einander und auch sich selbst. Keiner der Verhörten aus Hitlers Umfeld konnte unter Eid beschwören, dass es Hitlers Leiche war, die vor dem Notausgang des Führerbunkers verbrannt wurde. Zahlreiche Indizien sprechen für eine raffiniert eingefädelte Flucht Hitlers, über welche selbst engste Paladine getäuscht wurden. Mit Hilfe ganz weniger Mitverschwörer scheint Hitler die Flucht vor der Verantwortung gelungen zu sein.
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Seitenzahl: 527
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Pro Agnitio
Vorwort des Herausgebers
Fluchtdrehbücher
Indizien, Wahrscheinlichkeit, mögliche Abläufe
Fluchtdrehbuch Nr. 1
Flucht mit erheblichem Sicherheitsabstand (Herbst 1944)
Fluchtdrehbuch Nr. 2
Flucht mit Sicherheitsabstand (02.04.1945)
Weitere Fluchtdrehbücher und Voraussetzungen ihrer Wahrscheinlichkeit
Fluchtdrehbuch Nr. 3
Flucht mit Zeitpuffer (22.04.1945)
Anhaltspunkte für eine Flucht zwischen dem 22.04. und dem 01.05.1945
Fluchtdrehbuch Nr. 4: Flucht mit kleinem Zeitpuffer (Flucht am 27./28.04.1945)
Fluchtdrehbuch Nr. 5
Flucht am 29.04.1945
Fluchtdrehbuch Nr. 6
Flucht in letzter Minute: Flucht am 30.04.1945
Fluchtdrehbuch Nr. 7
Flucht fünf Minuten nach Zwölf (Flucht am 01.05.1945)
30.04.1945 – Schlüsseltermin für die Fluchtverschleierung
Nachwort
Abkürzungsverzeichnis
SS-Dienstgrade
Personenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Quellen und Anmerkungen
Durch ihre Unglaubwürdigkeit entzieht sich
die Wahrheit dem Erkanntwerden.
Heraklit von Ephesos, um 500 vor Christus
In der gedruckten Literatur und im Weltnetz kursieren seit langem zahlreiche Vermutungen und Behauptungen über eine Flucht Adolf Hitlers aus Deutschland und es werden dazu verschiedene angebliche Fluchttermine angeführt. Damit hat sich die Wissenschaft bisher nicht wirklich tiefgründig beschäftigt, all das wurde in das Reich der Märchen und Spekulationen verortet und allein die offizielle Version, die von den Nationalsozialisten am 30.04.1945 herausgegeben wurde, „Der Führer ist tot!“, wurde übernommen und bis heute in Stein gemeißelt als der Wahrheit letzter Schluss von Historikern und Journalisten verkauft. Allzu Widersprüchliches und gewisse Merkwürdigkeiten wurden von den meisten Historikern und sonstigen Buchautoren, die sich mit Hitlers Tod befassten, geflissentlich übersehen oder einfach en passant wegerklärt. Alles andere hätte die Darstellungen gestört und man hätte sich bei den widersprüchlichen Aussagen der Zeugen viel zu viel Arbeit machen müssen, um die Wahrheit hinter der Fassade aufzudecken. Weshalb auch, die „Akte Hitler“ war ja abgeschlossen.
Der us-amerikanische Untersuchungsrichter Captain Musmanno und der britische Historiker und Geheimdienstoffizier Major Trevor-Roper haben mit ihren Büchern (Trevor-Roper 19471, 19552; Musmanno3 1950) diesbezüglich die Linie vorgegeben.
So basiert die bekannte „offizielle“ Darstellung von Hitlers Tod zum einen auf den äußerst widersprüchlichen Aussagen einer Gruppe von engsten Mitarbeitern Hitlers (denen ihr Eid auf den Führer und die Gefolgschaftstreue verboten, Aussagen zu tätigen, die ihm, tot oder lebendig, hätten schaden können) von denen aber tatsächlich keiner beschwören konnte, Hitler tot gesehen zu haben, und zum anderen auf einem gefälschten „Beweisstück“ (Kieferteil) und einem weiteren, eindeutig falschen, Beweisstück (Schädelteil), angeblich von Hitlers Körper.
Wie die in Band I und Band II der Reihe „Beweise oder Vermutungen?“4 vorgestellten Untersuchungen zu Hitlers Tod im Führerbunker ergeben haben, wurde Hitlers Leiche niemals gefunden. So hat der sowjetische General Boltin in den 60er Jahren (also lange nach Stalins Tod, der angeblich verantwortlich dafür gewesen sein soll, dass nur aus politischen Gründen behauptet worden sei, Hitler sei geflohen), geäußert, dass „Hitlers Leiche bis heute noch nicht gefunden“ wurde. Dass die Leiche nicht gefunden wurde, kann von uns dahingehend ergänzt werden, dass ebenso auch kein echtes Leichenteil Hitlers (Kieferknochen, Schädelknochen) gefunden wurde, auf dessen Existenz sich diejenigen berufen, die Hitlers angeblichen Tod am 30.04.1945 im Führerbunker durch sonst weiter nichts beweisen können. Aber auch die, welche behaupten, die Leichen von Hitler und Eva Braun seien restlos verbrannt worden, liegen falsch.
Da es also vermutlich gelang, Hitler vor den Russen in Sicherheit zu bringen, können wir eine der folgenden drei Darstellungen als der Wahrheit nahe kommend betrachten:
Erstens: Hitler tötete sich außerhalb von Berlin und ließ seine Leiche von Begleitern anonym bestatten, um zu vermeiden, dass diese als Trophäe von den Russen nach Moskau gebracht werden konnte.
Zweitens: Hitler lebte noch einige Jahre versteckt als Privatmann (vielleicht mit Eva Braun) ohne weitere politische Ambitionen im Ausland, weit weg von Deutschland, vermutlich in Südamerika, bis er unbehelligt verstarb.
Drittens: Hitler lebte nach seiner Flucht aus Deutschland und aus Europa versteckt, vermutlich in Südamerika, militärische und politische Vorbereitungen treffend, auf eine Chance wartend, Revanche zu nehmen an seinen alliierten Gegnern, bis er erfolglos verstarb.
Für alle drei Vermutungen sprach die Tatsache, dass Hitlers echte Leiche nie gefunden wurde und dass die „Zeugen“ nachweislich die Unwahrheit über die wirklichen Geschehnisse und Abläufe am 30.04.1945 aussagten. Für die dritte Vermutung sprachen zusätzlich:
Hitlers Sendungsbewusstsein, von der Vorsehung ausersehen worden zu sein, eine Mission zu erfüllen.
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Hitlers Glaube, ähnlich wie Napoleon nach einem verlorenem Krieg und einer Abdankung überraschend zurückkehren und die Macht wieder an sich reißen zu können, aber im Gegensatz zu Napoleon, im zweiten Anlauf zu siegen.
Die Tatsache, dass er für den Fall der sich bereits 1943 abzeichnenden Niederlage einen Plan für eine Absetzbewegung in sicheres Gebiet und für ein Widererstarken des Nationalsozialismus vom Ausland aus, entwickelt hatte. Jedenfalls würden dafür angebliche Äusserungen seines späteren Platzhalters (Abwesenheitsvertreters) Dönitz schon 1943 vor Seekadetten geäussert, sprechen.
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Und schließlich auch noch Hitlers Wissen von den geheimen Waffen.
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Aufgrund dessen hat Hitler dann mit Hilfe auf immer verschwiegener Beauftragter seinen Abtritt von der Bühne der Weltgeschichte inszeniert. Dies geschah nach Meinung eines britischen Autors in Form eines „gut durchdachten forensischen Betrugs“.
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Schon im Mai 1945 wusste der Sowjetdiktator Stalin, bei dem die genauen Untersuchungsergebnisse seiner diversen Geheimdienste zusammenliefen, dass ihm sein Rivale im Ringen, Diktator über Europa zu werden, entkommen war. Deshalb ließ er am 09.06.1945 Marschall Schukow, den sowjetischen Oberkommandierenden in Deutschland, auf einer internationalen Pressekonferenz in Berlin erklären: „Die Umstände sind sehr geheimnisvoll. Wir haben Hitlers Leiche nicht identifiziert, ich kann nichts über sein Schicksal sagen. Er könnte im allerletzten Augenblick Berlin im Flugzeug verlassen haben.“9 Und auf den Konferenzen der Alliierten betonte Stalin, Hitlers Überreste seien nicht gefunden worden, deshalb glaube er, dass Hitler nach Spanien oder nach Südamerika geflohen sei.
Auch auf Seiten der Westalliierten herrschte völlige Unklarheit bezüglich Hitlers Schicksal. So bemerkte der Stellvertreter des amerikanischen Hauptanklägers im Nürnberger Prozess, Thomas J. Dodd: „Niemand kann sagen, dass er tot ist.“10 Auch britische Experten konnten keinen definitiven Beweis für Hitlers Tod erbringen. In deren Bericht, vom britischen Hauptquartier freigegeben, wurde festgestellt, dass: „… dem zufolge alles verfügbare Beweismaterial andeute (Hervorhebung durch den Herausgeber), dass Hitler und Eva Braun Selbstmord begangen haben und dass ihre Leichen am 30. April d.J. im Garten der Reichskanzlei verbrannt worden sind.“11
Dass Hitler geflohen ist, das wird auch daran deutlich, dass das FBI nach 1945 Informationen über Hitlers Schicksal sammelte und zahlreichen Spuren nachging, um ihn aufzuspüren. Dies wurde aus Hunderten 2014 freigegebenen Dokumenten des FBI bekannt. Diese Dokumente enthalten Hinweise darauf, dass sich Hitler nach Kriegsende unter anderem in Argentinien und Brasilien aufgehalten habe.12
Da Hitlers Tod am 30.04.1945 der Welt durch einige Gefolgsleute des geflohenen Diktators nur vorgespiegelt wurde, wie wir bereits in Band I und Band II der Reihe „Beweise oder Vermutungen“ bewiesen haben, muss Hitler rechtzeitig geflohen sein. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass bestimmte Termine dafür zu früh waren, andere eigentlich viel zu spät. Deshalb war es notwendig, eine ganze Reihe von möglichen Fluchtterminen auf welche es Hinweise in der Literatur und im Internet gibt, kritisch unter die Lupe zu nehmen.
Wir haben uns dazu entschlossen, die von einem großen us-amerikanischen Auslandsgeheimdienst (CIA) angewandte Methode13 der „Drehbücher“ zu nutzen. Die „Agency“ hatte Anfang der 50er Jahre mit sogenannten „Drehbüchern“ mögliche Fluchtvarianten und Schicksalswege zum Beispiel auch des als vermisst geltenden Sekretärs Hitlers, Martin Bormann, geprüft. Wir werden diese Methode nun ebenfalls anwenden, um die Wahrscheinlichkeit einer Flucht Hitlers aus dem Führerbunker zu prüfen. Die Gemeinsamkeit aller Drehbücher besteht in der Annahme, dass Hitler (mit oder ohne Eva Braun) Deutschland (lange vor, während oder nach dem Selbstmord/der Ermordung eines Hitlerdarstellers) mit Hilfe von wenigen Getreuen verlassen hat.
In der Literatur werden zahlreiche angebliche Fluchttermine Hitlers erwähnt. Wir haben für sieben der Termine je ein Fluchtdrehbuch geschrieben, um die Wahrscheinlichkeit zu überprüfen. Für alle Fluchtdrehbücher war eine wesentliche Annahme, dass Hitler durch einen Doppelgänger während der gesamten Zeit von dem jeweils angenommenen Fluchttermin (also im Extremfall durchgehend vom September 1944 an) oder zeitweilig einige Tage oder gar nur Stunden bis zum 30.04.1945 (als der Doppelgänger starb und verbrannt wurde) vertreten worden ist.
Welche Rolle Doppelgänger in der Politik spielen und wie wichtig sie gerade für Diktatoren sind, haben wir bereits in Band I und II der Schriftenreihe sehr ausführlich dargestellt. Auch Hitler soll mehrere Doppelgänger/Doubles gehabt haben, wie einige Zeugen behaupteten. So berichtete zum Beispiel Pauline Köhler, eine Hausangestellte von Hitlers Berghof, sie habe mindestens drei Doppelgänger von Hitler gesehen. Einer der Doppelgänger Hitlers wurde jedenfalls am 02.05.1945 mit einem Einschuss in der Stirn außerhalb des Bunkers von Vizeadmiral Voß entdeckt und den Russen fälschlicherweise als Hitler präsentiert.14 Einen starken Verdacht haben wir bezüglich der Person Julius Schreck als Hitlerdarsteller. Dieser war Hitlers erster Cheffahrer, bevor Kempka diese Funktion übernahm. Schreck, im Range eines SS-Brigadeführers (Generalmajor), stand Hitler persönlich sehr nahe und er sah Hitler ziemlich ähnlich. Er war in der NSDAP seit 1921, wie Hitler. Er organisierte und leitete für Hitler in den 20er Jahren den Vorläufer der SS. Er wurde gelegentlich als Ersatzdarsteller für Hitler eingesetzt. Dann starb er im Mai 1936 „plötzlich und unerwartet“, angeblich bei einem Verkehrsunfall15, bzw. nach anderer Quelle an einem Zahnabszess bzw. nach wiederum anderer Quelle an einer Hirnhautentzündung.16 Die überlieferten, doch sehr unterschiedlichen Todesursachen deuten schon auf eine Verschleierung hin. Vermutlich wurde Schreck ab 1936 als Totaldoppelgänger in der Reserve gehalten. Es kann und muss also vom Einsatz mindestens eines Hitlerdoppelgängers ausgegangen werden.
Das Gemeinsame aller Drehbücher ist die Annahme, dass es Hitler gelungen sei, sich selbst lebend oder als Leiche dem Zugriff der Russen zu entziehen. Ob Eva Braun, bzw. ab dem 29.04.1945, Eva Hitler, im Bunker starb oder Hitler auf der Flucht begleitete, wird in den Drehbüchern unterschiedlich, sowohl hinsichtlich der einen, als auch hinsichtlich der anderen Möglichkeit dargestellt.
Was konkrete Abläufe betrifft, die vermutlichen Mitverschwörer und sonstigen Mitwisser, die Identität und Herkunft der Leichen, die vor dem Bunker verbrannt worden sind und die möglichen Wege, auf denen Hitler den Führerbunker, die Reichskanzlei und schließlich Berlin verlassen haben könnte, so war es bei jedem neuen Drehbuch, dem wir uns zuwandten, notwendig, die Karten neu zu mischen, also Personen anders zuzuordnen, Zeitabläufe anders zu interpretieren, Ereignisse und Aussagen neu zu bewerten.
Es liegt also in der Natur der Sache, dass bei einem solchen Experiment (alternative Drehbücher als vermutete Abläufe) außer der Hauptperson, die natürlich immer gleich ist, verschiedene Personen, abhängig von der jeweiligen zeitlichen Situation und anderen Umständen, in das Drehbuch hineingeschrieben werden mussten. Wir prüfen hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit von Hitlers Flucht zu jedem angeblichen Fluchttermin neben der Reife der materiell-technischen und personellen Faktoren auch die Gefährdungslage für Hitlers Freiheit, Leib und Leben, welche ja Entscheidungs- und Handlungsdruck auf ihn ausübte, und jeweils eine Reihe von Indizien, die darauf hinweisen, dass Hitlers Abwesenheit vertuscht werden sollte oder welche gegenteilig dazu gerade seine angebliche Anwesenheit unterstreichen sollen.
Flucht mit erheblichem Sicherheitsabstand
(Herbst 1944)
Annahme: Adolf Hitler floh bereits wenige Wochen nach dem Stauffenberg-Attentat vom 20.07.1944 und steuerte aus dem Ausland einen Platzhalter (Doppelgänger), der am 30.04.1945 freiwillig aus dem Leben schied oder ermordet wurde.
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Hitler, auf den insgesamt 42 Attentate geplant oder gar durchgeführt worden sein sollen17, hatte durch die Gestapo und durch seine Kriminalleibwache, den Reichssicherheitsdienst (RSD), erfahren, dass erneut ein Attentat auf ihn geplant war, diesmal durch die Wehrmacht und dass es im Führerhauptquartier Wolfsschanze während einer Lagebesprechung erfolgen sollte.
Hitler hatte bereits früher schon von anderen versuchten Attentaten auf ihn erfahren, wann und wo die Attentäter zuschlagen wollten, wie zum Beispiel vor dem bekannten Elser-Attentat im Bürgerbräukeller in München.18 Er hatte die unbeschadet überstandenen Attentate immer als Beweis dafür betrachtet, dass ihm die Vorsehung zur Seite stehe.
Die Erkenntnisse seiner Geheimdienste über aufgedeckte Attentatsversuche nutzte Hitler, um seinen Nimbus als von der Vorsehung Begünstigter auszubauen. Er ließ seine Umgebung in dem Glauben, er habe vorausgeahnt, was passieren würde. General Guderian sagte einmal: Hitler habe „einen raubtierhaften Instinkt für Gefahren, die ihm persönlich drohten“ gehabt.19 Deshalb glauben wir, dass der Autor Brokdorf20 der Wahrheit ziemlich nahe kam, als er schrieb: Bormann, von Hitler informiert, habe gewusst, dass Stauffenberg mit einer Bombe kommen würde und habe deshalb an diesem Tage einen Doppelgänger zur Lagebesprechung gehen lassen. Dafür sprach auch, dass Bormann selbst, der manchmal bei den Lagebesprechungen anwesend war, jedenfalls an diesem Tag nicht an der Lagebesprechung teilnahm.
Am 19.07.1944 hatte Hitler durch den RSD-Chef Rattenhuber erfahren, die Gestapo habe gemeldet, dass auf den Führer anlässlich einer Lagebesprechung (Lage) erneut ein Attentatsversuch erfolgen solle. Um dem Mythos, von der Vorsehung auserwählt worden zu sein und immer geschützt zu werden, einen weiteren Beweis hinzuzufügen, hat Hitler am gleichen Tag seiner Sekretärin Schroeder mitgeteilt, dass er wieder so ein merkwürdiges Gefühl habe, dass man ein Attentat auf ihn vorhabe.21 Er wusste allerdings nicht genau, an welchem Tag und zu welcher Lage es passieren würde. Am 20.07.1944 erwartete er den Besuch des italienischen Faschistenführers Benito Mussolini. Da er sich darauf vorbereiten wollte und noch etwas Ruhe benötigte, schickte er den Doppelgänger, wie sporadisch immer einmal wieder, zur Lage. Der Doppelgänger, einer von insgesamt sechs ausgewählten Männern, die ungefähr in Hitlers Alter waren und ihm im Idealfall entweder täuschend ähnlich sahen, seine Stimme nachmachen konnten, wie auch seine Gestik, oder aber die so zurecht gemacht werden konnten, dass sie als Hitler auftreten konnten, gehörte zu letzteren. Er war ein einfacher Mitarbeiter der Adjutantur im Unterführerrang der SS, war aber direkt Bormann unterstellt. Dieser Mann hatte Hitlers Größe, konnte so sprechen wie Hitler und hatte die leicht basedowschen Augen Hitlers. Normalerweise trug er, aus Gründen der Täuschung, eine Augenklappe, die er aber absetzte, wenn er als Hitler auftrat. Er hatte kurzgeschnittene dunkle Haare wie Hitler. Er trug im Einsatz ein angeklebtes „Hitlerbärtchen“. Wenn er nicht als „Hitler“ unterwegs war, trug er eine blonde Perücke.
Die Lagebesprechung am 20.07.1944 war wegen des bevorstehenden Besuches durch Mussolini eine halbe Stunde vorverlegt worden. Sie begann um 12:30 Uhr.22 Als der Zeitzünder der Bombe, die Oberst Graf Schenck zu Stauffenberg, bevor er die Lagebaracke verliess, in seiner Aktentasche unter dem schweren Tisch, etwa zwei Meter von dem Doppelgänger Hitlers entfernt, zurückgelassen hatte, diese um 12:42 Uhr23 auslöste, gab es Tote und Verletzte. Der Doppelgänger aber stand so günstig, dass er zwar zahlreiche kleinere Verletzungen erlitt, ansonsten aber unverschämtes Glück hatte. Wie sich zeigte, hatte er eine Gehirnerschütterung, Verletzungen beider Trommelfelle, eine Gehörgangreizung, Brandwunden am Bein und Hautabschürfungen, Blutergüsse am rechten Ellenbogen und an der linken Hand. Die rechte Hand war verstaucht. Durch einen herab gefallenen Balken erlitt er eine Quetschung im Rücken.24 Sein Gesicht war rußverschmiert und hatte rote Flecken.25 Er blutete im Gesicht und an den Beinen. Sein rechter Arm hing schlaff herunter.26 10027 bis 200 Holzsplitter steckten allein in den Beinen.28 Das Gesicht wies leichte Schnittwunden auf, auf der Stirn hatte er eine Schramme.29 Größere Verletzungen hatte er aber nicht.30
Nach der Explosion rappelten sich die weniger schwer Verletzten auf, so auch „Hitler“ und Keitel. Generalfeldmarschall Keitel stützte den Doppelgänger, von dem er annahm, es sei Hitler, und führte ihn aus der zerstörten Baracke. Beide torkelten mit geschwärzten Gesichtern wie Schlafwandler in Richtung Führerbunker.31 Hitlers SS-Adjutant Günsche kam dazu und stützte den angeblichen Hitler auf der anderen Seite. Im Speiseraum des Bunkers setzten sie den Doppelgänger, den sie für den Führer hielten, in einen Sessel und riefen nach einem Arzt. Der echte Hitler, der die Detonation gehört hatte und dem klar war, dass diese vom angekündigten Attentat herrührte, wusste natürlich in dem Moment nicht, wie das Schicksal des Doppelgängers war. Er rief Bormann und Rattenhuber zu sich. Sie erhielten Instruktionen, falls der Doppelgänger tot sei, so sei dessen Leiche entkleidet aller Uniformteile und aller Utensilien (angeklebtes Bärtchen), die auf Hitler hinwiesen, sofort und unauffällig zu beseitigen. Falls er verwundet sei, dann müsse er umgehend in ein Lazarett gebracht werden und sei von anderen Verletzten zu isolieren. Er habe dann wieder zu sein, was er eigentlich war: ein untergeordneter Angehöriger der Adjutantur, der bei dem Attentat verletzt worden war. In diesem Falle einer Verletzung wolle Hitler selbst sich dem Personal als der Verletzte, aber überlebende Führer präsentieren, dem die Vorsehung erneut geholfen hatte. Sollte er völlig unverletzt sein, so solle er sofort wieder in seine Unterkunft gehen, nach vorheriger Beseitigung aller Hinweise auf seine Rolle als Hitlerdarsteller.
Die Einweisung erfolgte im Eiltempo.
Bormann stand bereit, als Keitel und Günsche etwa 12:54 Uhr mit dem Doppelgänger in den Speiseraum torkelten. Er empfahl Keitel, sich umgehend in ärztliche Behandlung zu begeben und Günsche, die Bergung und Rettung der Verletzten zu organisieren.
Als Keitel und Günsche sich entfernt hatten, wurde der Doppelgänger in einen Nebenraum gebracht und von Bormann veranlasst, sich umzuziehen. Die total zerfetzte Hose, die „wie ein Baströckchen“ aussah, wurde sofort von Bormann zu Hitler gebracht, der sie anzog. Man schminkte Hitler so, als habe er gerade diese Verletzungen erlitten, die der Doppelgänger hatte, allerdings nur die äußerlich sichtbaren. Hitler legte eine Armschlinge um seinen rechten Arm, der beim Doppelgänger verstaucht war. Rattenhuber versengte ihm mit einem Streichholz eine Strähne des Haares am Hinterkopf. Hitler fuhr sich durch die Harre und verunstaltete seine Frisur absichtlich. Dann begab er sich in den Speiseraum und setzte sich auf den Stuhl, auf dem vorher der verletzte Doppelgänger von Keitel und Günsche abgesetzt worden war.
Das alles hatte sich ziemlich schnell abgespielt. Als der Chefdiener Linge eintraf, fand er Hitler im Sessel sitzend. „Ruhig lächelnd sagte er: ‚Linge, jemand hat versucht, mich umzubringen.’“32 Und weiter: „Ja, Linge, ich bin nur durch ein Wunder gerettet worden. Die Vorsehung hat mich dem deutschen Volk erhalten.“33
Zur selben Zeit wurde der Doppelgänger von Hitlers zweitem Chirurgen34 Begleitarzt Dr. Hanskarl von Hasselbach, der zunächst gesucht werden musste, untersucht und medizinisch versorgt. Er erhielt Verbände und eine Schlinge für den rechten Arm, da das Ellbogengelenk geprellt war. Für Dr. von Hasselbach gab es gar keine Frage, dass er es mit Hitler zu tun hatte. Selbst wenn ihm „Hitler“ (der Doppelgänger) in Details anders erschienen wäre, dann hätte sich ihm das durch die außergewöhnliche Situation und einen verständlichen Schock erklärt. Als Dr. von Hasselbach mit der Versorgung des Patienten fertig war, wurde er von Rattenhuber aufgefordert, den Bunker zu verlassen und sich sofort um andere Verletzte zu kümmern.
Dann traf Dr. Morell ein, hörte das Herz des echten Hitler im kleinen Speiseraum ab und gab ihm eine Injektion. Er dokumentierte in seinen tagebuchartigen Notizen, dass Hitlers Puls erstaunlich ruhig gewesen sei: „20.7. ... Attentat mit Sprengmine auf den Führer“.35 Hitler ist fast unverletzt davon gekommen. Sein Blutdruck wie immer!“36
Nun begab sich der echte Hitler in den kleinen Vorraum des Bunkers, wo er sofort von Adjutanten und Ordonnanzen umringt wurde, die ihn bedauerten, dass er verletzt worden war, ihn beglückwünschten, dass er davon gekommen war, ihm ihre Treue bekundeten und die noch unbekannten Attentäter schon einmal verbal vernichteten.
Etwa 13:30 Uhr kamen die Sekretärinnen Frau Christian und Frau Junge dazu. Hitler hatte noch immer die zerschlissene Hose an. Diese habe, in schmale Streifen gerissen, ausgesehen wie ein Baströckchen, seine Haare hätten zu Berge gestanden und sein rechter Arm sei wohl geprellt oder ausgekugelt gewesen, vermutete Frau Junge, da er die rechte Hand zwischen die Knöpfe seines Uniformrockes geschoben hatte.37
Lächelnd begrüßte Hitler die Sekretärinnen mit der Linken: „Na, meine Damen, das ist noch mal gut gegangen. Wieder ein Beweis, dass das Schicksal mich für meine Mission ausersehen hat, sonst wäre ich jetzt nicht mehr am Leben.“38 Und er betonte wiederholt, die Vorsehung habe ihn gerettet und dem deutschen Volk erhalten.39
Nicht viel später erinnerte der Chefdiener Hitler daran, dass dieser doch Besuch erwarte: „Mein Führer, ich glaube, Sie müssen eine andere Hose anziehen, in einer Stunde kommt der Duce.“40 Mussolinis Ankunft war für 14:30 Uhr geplant. Hitler nickte zustimmend. „Er verabschiedete sich und ging aufgerichtet und straff wie lange nicht, in sein Zimmer.“41
Nachdem er sich umgezogen hatte empfing Hitler Frau Schroeder, die ihm zum Mittagessen Gesellschaft leistete. Frau Schroeder berichtete später, sich dabei zeitlich um eine Stunde falsch erinnernd: „Wider Erwarten wurde ich gegen 3 Uhr nachmittags zum Chef gerufen. Als ich sein Bunkerzimmer betrat, erhob sich Hitler etwas mühsam und gab mir die Hand. Er sah überraschend frisch aus und erzählte von dem Attentat …“42 Hitler wirkte frisch und entspannt.43 Er sagte zu Frau Schröder, damit erneut mit der Vorsehung kokettierend, unter deren Schutz er sich wähnte: „Aber habe ich es nicht die ganze Zeit über geahnt, daß so etwas kommen werde? Ich habe es Ihnen ja gestern noch gesagt, erinnern Sie sich?“44 Dann ließ er von einem Diener seine zerfetzte Uniform holen, die er ihr zeigte. Die Hose war durch die Splitter des Dielenbodens „von oben bis unten in Fäden und Fetzen aufgelöst …“ Bald darauf45) verabschiedete sich Hitler von ihr und fuhr zum „Bahnhof Görlitz“46 , wo Mussolini bald darauf eintraf.
Frau Schroeder hatte ihn zuvor noch gefragt, ob er denn, so verletzt wie er sei, den Empfang Mussolinis nicht lieber verschieben wolle. Hitler antwortete, er müsse den Termin wahrnehmen, weil in der Welt sonst Lügen über seinen Zustand verbreitet werden würden.47
Der Führersonderzug mit Mussolini traf mit halbstündiger Verspätung ein.48 „Äußerlich war wenig davon zu merken, daß Hitler gerade einem Anschlag auf sein Leben entgangen war. Er begrüßte Mussolini mit der linken Hand, weil er Schwierigkeiten hatte, den verletzten rechten Arm zu heben.“49 Auf der Fahrt vom Bahnhof zum FHQ erzählte Hitler Mussolini, was geschehen war. „ ...so monoton, daß man fast denken konnte, er selbst sei gar nicht an der Sache beteiligt gewesen.“50
Hitler begab sich mit Mussolini, begleitet nur von einem deutschen Dolmetscher, in die zerstörte Lagebaracke und informierte ihn über die Geschehnisse. „Er zeigte ihm das angesengte Haar an seinem Hinterkopf.“51 Wenn er bedenke, wie viele es erwischt habe, dann sei dieses Wunder ein weiterer Hinweis, dass er vom Schicksal ausersehen sei, alles zum Guten zu führen. Danach begab er sich mit seinem Gast in seinen Bunker, wo Tee serviert wurde. Hitler ließ Mussolini seine zerfetzte Hose zeigen und wies erneut daraufhin, dass die Vorsehung ihn auserkoren habe, um zu siegen. „Das war ein Zeichen des Himmels.“52
Gegen 18:00 Uhr trafen alle Sekretärinnen zum Nachmittagstee ein, der immer um diese Zeit stattfand.53 Nun nutzte Hitler erneut die Gelegenheit, um aus der Tatsache hinweisend, dass er das Attentat, bei dem elf Personen verletzt und fünf getötet wurden, überlebt hatte, einen weiteren Beweis dafür zu konstruieren, dass die Vorsehung ihn gerettet habe, weil er seinen (göttlichen) Auftrag erfüllen müsse. Und später sagte er: „Ich kann mich absolut auf meine Ahnungen verlassen. Schon auf dem Berghof hatte ich so ein unruhig merkwürdiges Gefühl, ich musste einfach weg. Ich weiß jetzt auch, dass man schon auf dem Obersalzberg ein Attentat vorbereitet hatte. Es sollten mir neue Ausrüstungen gezeigt werden und dabei sollte einem der Soldaten ohne sein Wissen ein Sprengkörper in den Tornister gepackt werden.“54
Kurz vor Mitternacht begab sich Hitler mit seinem ganzen Gefolge hinüber zum „Teehaus“, das ein Anbau an das Kasino war. Dort war ein Funkwagen aus Königsberg für die Übertragung bereit gestellt worden. Hitler hielt eine kurze Rundfunkrede an das Volk, um zu beweisen, dass er unversehrt geblieben war und die Verschwörer ihr Ziel nicht erreicht hatten. Erneut bemühte er die Vorsehung, die ihm beigestanden habe, weil er das deutsche Volk schlussendlich noch zum Siege führen müsse.55 Danach begaben sich alle zurück zum Bunker. Hitler ließ Dr. Morell kommen, um sich erneut untersuchen zu lassen. Die Sekretärinnen verließen Hitler bevor Morell eintraf.56 Dr. Morell befand erneut, Hitlers Gesundheitszustand sei befriedigend und sein Puls normal.57
Der Doppelgänger hatte größeren gesundheitlichen Schaden erlitten, als es zunächst den Anschein hatte. Die Kopfverletzung machte ihm zu schaffen, auf dem rechten Ohr war er taub und seine Augen wichen immer wieder nach rechts ab.58 Hitler dagegen besuchte, den rechten Arm in einer Schlinge und ohne größere Anzeichen gesundheitlicher Probleme, Verletzte des Attentates im nahegelegenen Lazarett, um auch ihnen gegenüber wieder seine Auserwähltheit durch die Vorsehung zu unterstreichen.59
Am nächsten Tag hatte der Doppelgänger solche Ohrenschmerzen, dass Dr. Morell den HNO-Spezialisten Prof. Dr. von Eicken aus Berlin konsultieren wollte, der Jahre zuvor bei Hitler eine Kehlkopfoperation durchgeführt hatte. Da dieser sich in Süddeutschland befand, hat Dr. Brandt am 22.07.1944 aus dem nächsten Feldlazarett (Reservelazarett Lotzen) den diensthabenden Oberstabsarzt Dr. Erwin Giesing60 in das FHQ befohlen. Giesing stellte fest, dass der Mann, den er für Hitler hielt, ein gerissenes Trommelfell hatte und ein verletztes Innenohr.61 Am 25.07.1944 traf dann auch Professor von Eicken, aus Berlin kommend, im FHQ ein62, der dann Anfang September noch einmal in das FHQ gerufen wurde.63 Er hatte den Doppelgänger bereits im Juli als seinen ehemaligen Patienten Hitler akzeptiert.
Dr. Giesing, der Hitler vorher noch nie aus der Nähe gesehen hat, behandelte von nun an mehrere Wochen lang „Hitler“.
***
Nach den Geschehnissen vom 20.07.1944 war Hitler klar geworden, dass er damit rechnen musste, dass ein erneutes Attentat auch einmal tödlich für ihn enden könnte. Zudem war ihm bereits seit 1943 klar, dass der Krieg verloren war. Die aktuelle militärische Situation war ein zunehmender Galopp in die Niederlage an allen Fronten. Am 30.07.1944 verlor die deutsche Wehrmacht eine entscheidende Panzerschlacht in der Normandie. Befehlsführende Generale rieten dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) dringend, Frankreich zu räumen.64 Im Laufe des Monats August zeigte sich immer stärker, dass der Feind sich den Grenzen des Reiches auch von Westen aus näherte. Am 15.08.1944 landeten die Alliierten auch in Südfrankreich. Paris wurde am 25.08.1944 befreit.65
Nach dem Erststart am 08.09.1944 hatte Hitlers Wunderwaffe „V2“, von deren massenhaftem Einsatz er sich so viel erhoffte, seine Hoffnungen enttäuscht. Anstelle eines massiven Einsatzes von gleichzeitig 5.000 V2-Marschflugkörpern konnten innerhalb von zehn Tagen nur 25 Exemplare gestartet werden.66
Und auch die Frontlage verschlechterte sich weiter. Am 16.09.1944 überschritten die Amerikaner die Reichsgrenze bei Aachen.67 Ende September 1944 waren drei Bündnispartner, Finnland, Rumänien und Bulgarien aus der gemeinsamen Front herausgefallen.68 Das alles veranlasste Hitler, darüber nachzudenken, sich abzusetzen und die weiteren Ereignisse aus dem Hintergrund zu beobachten und mit zu gestalten.
Schon vor dem Attentat, und danach so oft es bei dessen gesundheitlichem Zustand ging, ließ Hitler von Bormann den Doppelgänger einsetzen, denn er hatte gemerkt, dass dieser die anderen Personen sehr gut täuschen konnte. Nie kam ein Zweifel an dessen Echtheit auf. Vermutlich trugen dazu die Verletzungen und die gesundheitlichen Schädigungen nach dem Attentat bei. Falls jemandem eine Veränderung auffiel, so schrieb er diese vermutlich stillschweigend dem veränderten Gesundheitszustand des Führers zu.
Hitler informierte nun den Doppelgänger darüber, dass dieser ab nun seine Rolle voll übernehmen müsse und dass er notfalls, im Falle einer Niederlage, bevor die Alliierten ihn festnehmen würden, selbst seinem Leben ein Ende setzen müsse. Letzteres unterstrich er mit dem drastischen Hinweis, dass die Russen ihn foltern und ihm die Eier umdrehen würden, bis ihm die Augen aus den Höhlen treten würden. Diese Informationen versetzten den Doppelgänger in einen Schockzustand, in dessen Folge er am 12., am 14. und am 16. September plötzliche Schwindelanfälle, und Herzattacken erlitt.69 Das passte nun überhaupt nicht zu Hitlers Plan. Er musste, bevor er verschwand, seinen Doppelgänger soweit gesundheitlich stabilisieren lassen, dass dieser seine Rolle tatsächlich erfolgreich würde spielen können.
Hitler, der immer vermieden hatte, sich richtig untersuchen oder gar röntgen zu lassen, gab dem Doppelgänger die Weisung, einem entsprechenden Drängen von Dr. Giesing, seinen Kopf röntgen zu lassen, nachzugeben. Am 19.09.1944 wurde in einem Militärlazarett in Rastenburg der Kopf des Doppelgängers geröntgt.70
In diesen Tagen nutzte Hitler auch eine sich ihm bietende Gelegenheit, den Ärztestreit, um seine Begleitärzte, die ihn zu gut kannten und möglicherweise hätten erkennen können, dass er sich durch einen Doppelgänger vertreten ließ, loszuwerden.71 Als Ersatz für die Begleitärzte kam der SS-Obersturmbannführer Dr. Stumpfegger als neuer Begleitarzt. Dieser kannte den echten Hitler nicht persönlich. Damit war schon ein Problem der Geheimhaltung seiner Flucht gelöst. Seinen Leibarzt Dr. Morell hatte Hitler schon mehrfach mit dem Doppelgänger konfrontiert. Morell hatte dem Doppelgänger, wie sonst dem echten Hitler, eine Injektion verabreicht, den Blutdruck gemessen und wie sonst immer mit dem Mann, den er als seinen Patienten Hitler betrachtete, ein paar Worte gewechselt, und, wie erwartet, nichts gemerkt. Seine Kurzsichtigkeit, er benötigte eine sehr starke Brille, trug sicher dazu bei, wie auch eine mögliche Störung des Gesichtssinnes, die er aber immer verschwiegen hatte. Das heißt, Morell erkannte den Führer wahrscheinlich nur an dessen typischer Bekleidung. Ab dem 27.09.1944 wurde kein anderer Arzt mehr zu Hitler vorgelassen, außer Dr. Morell.72 Hitler hatte durch die Entfernung der Ärzte aus seinem Umfeld eine wichtige Voraussetzung geschaffen dafür, dass nicht etwa durch diese Ärzte erkannt werden würde, dass, sobald er selbst sich in Sicherheit gebracht haben würde, nicht mehr der echte Hitler im FHQ auftrat.
Ein EKG vom 24.09.1944 ergab, dass sich der Gesundheitszustand des angeblichen Hitler radikal verschlechtert hatte (verkalkte Herzkranzgefäße und krankhafte Veränderungen einer Herzkammer).73 Ab dem 26.09.1944 ging es dem Doppelgänger so schlecht, dass er sein Bett nicht mehr verlassen konnte.74 So verzögerte sich Hitlers geplante Flucht, denn er konnte natürlich erst starten, wenn der Doppelgänger seine Aufgaben übernommen hatte und allseits als der Führer betrachtet werden würde. Dazu musste dieser aber einigermaßen gesund sein.
***
Anfang Oktober verliess der Doppelgänger sein Bett. Hitler entschied sich dazu, von nun an aus dem Hintergrund, aus sicherer Entfernung und aus einem sicheren Refugium heraus zu führen. Er besprach das mit Bormann und Rattenhuber und instruierte gemeinsam mit Bormann den Doppelgänger über seine zukünftige Verhaltensweise und alles, was von ihm zu beachten war bei seinem dauerhaften Einsatz als Führerdarsteller. Mittels eines monatlich erscheinenden Instrukteurs werde er die wichtigsten Entscheidungen dem Doppelgänger im Beisein Bormanns überbringen und erläutern lassen.
Hitler bereitete noch eine wichtige Maßnahme vor, die, aufgrund seiner überlegenen militärstrategischen Denkweise, ja geradezu militärischen Genialität, wie er meinte, nur er allein planen konnte: einen Gegenschlag an der Westfront, welcher die Westalliierten davon überzeugen sollte, dass die deutsche Wehrmacht noch immer kampfstark und bestens geeignet sei, gemeinsam mit den Westmächten gegen die Russen zu marschieren. Den im September ausgearbeiteten Plan und den Befehl zur Ardennenoffensive unterzeichnete er mit dem Datum: 10.11.1944.75
Nur wenige Tage später, am 08.10.1944, bestieg Hitler nachts einen vor dem Führerbunker vorgefahrenen Geländewagen und erreichte, selbst vom Fahrer unerkannt mit wenigen Leibwächtern den Flugplatz des Führerhauptquartiers bei Rastenburg. Von dort aus ließ er sich zunächst nach Spanien fliegen, wo er mit falscher Identität im deutschen Generalkonsulat lebte, die Geschehnisse verfolgte und wie besprochen einmal im Monat einen Beauftragten nach Deutschland fliegen ließ, der Bormann und den Hitlerdarsteller direkt briefte, damit der Gegner nicht durch das Abhören von Fernsprechverbindungen oder das Abfangen von Funksprüchen an Informationen gelangte, an die er auf keinen Fall gelangen durfte. Dies geschah letztmalig am 14.04.1945. Erst nachdem Hitler Bormann durch den Instrukteur an diesem Tag letzte Anweisungen für das endgültige Schicksal des Doppelgängers hatte zukommen lassen, ließ er sich von Spanien aus nach Argentinien fliegen, da er erkannt hatte, dass in Deutschland der Zusammenbruch kurz bevor stand.
***
Der neue Begleitarzt Dr. Stumpfegger hatte seine Aufgabe am 09.10.194476 übernommen, also erst, als der echte Hitler bereits nicht mehr im FHQ Wolfsschanze weilte. Das war perfekt, da dieser Hitler nicht kannte und den Doppelgänger natürlich für den echten Hitler hielt.
Der Doppelgänger machte öfter mit der Schäferhündin Hitlers und dem neuen Begleitarzt Spaziergänge innerhalb der Anlagen des Führerhauptquartiers. Die beiden Männer schienen sich gut zu verstehen.
Der Doppelgänger selbst lief dann sogar für einige Wochen zur Höchstform auf. Es war durchaus eine Leistung, als militärischer Laie, der noch weniger Kompetenz besaß als Hitler selbst, die Ardennenoffensive zu führen, deren fatalen Ausgang auch der echte Hitler nicht hätte vermeiden können. Obwohl es mit ihm von Woche zu Woche weiter bergab ging, und zwar sowohl physisch, als auch psychisch, vermochte es der Platzhalter Hitlers, seine Aufgabe bis etwa zum 22.04.1945, als erste Zweifel an seiner Echtheit auftraten (Himmler, Fegelein), die aber nicht laut geäußert wurden erfolgreich zu spielen.
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Was spricht dafür, dass Hitler bereits im Herbst 1944 geflohen ist?
Dafür sprechen 1. die Gefährdungslage für Hitlers Freiheit, Leib und Leben (persönliche Gefährdung); 2. die Gefahr, dass Hitler sein Ziel auch nicht in einem „zweiten Anlauf“ erreichen könnte; 3. die Tatsache, dass die Faktoren für eine erfolgreiche Flucht reif waren; und 4. eine Reihe von Indizien, die deutlich darauf hinwiesen, dass der echte Hitler nicht mehr anwesend war.
1. Faktoren der persönlichen Gefährdung Hitlers
Natürlich hat Hitler damit rechnen müssen, dass sein Leben in dem Masse, wie die sich schon lange abzeichnende Niederlage näher kam, in mehrfacher Hinsicht gefährdet war:
durch weitere Attentate (allein in der 2. Hälfte 1943 waren sechs Anschläge auf Hitlers Leben vorbereitet worden
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) oder durch eine Entführung
78
;
durch eine denkbare Meuterei von Einheiten in seiner Umgebung (in Berlin war das ja gerade erst erfolgt, als die Verschwörer um Stauffenberg versuchten, durch Wehrmachtseinheiten Gebäude wichtiger Institutionen besetzen zu lassen;
durch einen Einzeltäter aus seiner direkten Umgebung (Hitler sagte vor den Gauleitern am 04.08.1944: „... ich Ihnen versichere, daß ich während der vergangenen achtzehn Monate fest davon überzeugt gewesen bin, eines Tages von jemandem aus meiner unmittelbaren Umgebung erschossen zu werden.“
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oder durch einen Putsch innerhalb der Führung (solche Versuche kamen nur ein halbes Jahr später tatsächlich: Himmler, Göring);
2. Die Gefahr, dass Hitler am Ende seine ihm nach einer erfolgreichen Flucht in ein sicheres Ausland vorschwebende Revanche, die Verfolgung des „Planes B“ zur Revision der absehbar eintretenden Kriegsresultate nicht würde erfolgreich realisieren können
3. Der Reifegrad der materiell-technischen und personellen Faktoren Wenn man die Reife der Faktoren für eine erfolgreiche Flucht überprüft, stellt man fest, dass im Frühherbst 1944 im FHQ Wolfsschanze alle Bedingungen für eine Flucht günstig waren. Der materiell-technische Faktor bot einen freien Fluchtweg zu Lande, in der Luft und über das Wasser). Hitler hätte verkleidet mit einem Flugzeug oder in einem geschlossenen Abteil eines Sonderzuges direkt vom Bahnhof des FHQ Wolfsschanze nach Berlin fahren können oder weiter nach Wien, um von einem dieser Orte aus mit einem Flugzeug, Deutschland zu verlassen. Er hätte eben so gut mit einem Kurierzug nach Danzig oder nach Hamburg gelangen können, um von dort aus mit einem U-Boot nach Südamerika zu gelangen.
Führer für diese Fluchtmittel (Piloten und U-Boot-Kommandanten) standen zur Ausführung von Sonderaktionen ausreichend zur Verfügung.
Der Sicherheitsfaktor war optimal gegeben. Durch das Zurücklassen von mindestens einem Doppelgänger, der geführt wurde durch Bormann (an dem vorbei schon seit Jahren niemand zu Hitler gelangte), war die scheinbare Kontinuität im Tagesablauf im FHQ gewährleistet. Der personelle Faktor, das heißt, Begleiter für Hitler auf seiner Flucht war ebenfalls kein Problem. Dafür wurden Personen ausgewählt, die Hitler für absolut zuverlässig hielt und die entweder keine Verwandten in Deutschland besaßen oder dennoch bereit waren als fanatische Nationalsozialisten eventuell für viele Jahre im fernen Ausland im Untergrund zu leben, in der Hoffnung irgendwann, nach einer erfolgreichen Revanche; für ihre Treue belohnt zu werden.
4. Indizien, die auf Hitlers Abwesenheit ab dieser Zeit hinweisen Es gibt eine Reihe von Indizien dafür, dass sich Hitler tatsächlich schon im Frühherbst 1944 in Sicherheit gebracht hat:
Die Tatsache, dass in dem Zeitraum unmittelbar nach dem Attentat und Hitlers Auftritt vor dem Personal (Adjutanten, Ordonnanzen, Sekretärinnen) nur eine halbe Stunde später, offensichtlich parallele Ereignisse statt gefunden haben müssen. Wenn der echte Hitler Opfer des Attentates gewesen wäre, dann wäre er, gestützt von Keitel und Günsche, die ebenfalls torkelten, nicht vor 12:54 Uhr im kleinen Speisesaal eingetroffen. Dort hätte der Arzt, der erst einmal gesucht werden musste, mindestens 30 Minuten für die Erstversorgung des Verletzten benötigt. Immerhin waren zum Beispiel mehr als 100 Holzsplitter (nach Chefdiener Linge mehr als 200) zu entfernen. 13:24 Uhr hätte Hitler dann frühestens den RF SS Himmler empfangen und instruieren können, der eine „halbe Stunde nach dem Anschlag“ in der „Wolfsschanze“ eintraf und die Ermittlungen aufnahm.
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Nun wird das Gespräch nicht nur ein, zwei Minuten gedauert haben. Hitler hat Himmler zunächst das Geschehene dargestellt, ihm dann seine Vermutungen zu den Tätern (Organisation Todt? Oberst Stauffenberg?
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) geäußert haben und ihn schließlich mit konkreten Befehlen versehen und zum Handeln aufgefordert haben. Dafür kann man sicher 20 Minuten veranschlagen. Nun wäre es also mindestens schon 13:44 Uhr gewesen. Nach Kershaw begannen die Ermittlungen um 14:00 Uhr.
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Als die Sekretärinnen Christian und Junge Hitler um 13:30 Uhr im Bunker antrafen, stand er aber schon dort und zwar noch immer in der zerschlissenen Hose.
Da der Verletzte aber von Dr. von Hasselbach bereits eine ärztliche Erstversorgung erfahren hatte, ist anzunehmen, dass auch die unzähligen Splitter aus seinen Beinen entfernt worden sind. Dazu musste er die Hose ausziehen. Und die hätte der echte Hitler garantiert nicht wieder angezogen, um sich darin zu zeigen, wenn er wirklich verletzt worden wäre. Deshalb zeigt sich an der Tatsache, dass er sie noch immer trug, dass es sich nicht um den Verletzten in Hitleruniform gehandelt hat, der zum Zeitpunkt der Explosion in der Lagebaracke gewesen war, sondern um den unverletzten Führer, den Schauspieler, der einen Doppelgänger in die Lagebesprechung geschickt hatte und nun seinen Zuschauern etwas vorspielte. Das konnte Hitler. Auch der US-Bankier Sidney Warburg sprach von Hitler als „der beste Schauspieler, den ich in den fünf Weltteilen kennengelernt habe.“83
Die Tatsache, dass es noch am Tage des Attentates einen schauspielerischen Fehler Hitlers gab, der darauf hindeutete, dass er bei der Lage von einem Doppelgänger vertreten worden war.
Hitler, der in den Folgewochen, bis zu seinem Fluchttermin im Wechsel mit dem körperlich geschwächten (nun auch noch verletzten) und äußerlich herunter gekommenen Doppelgänger auftrat, um seine Umgebung allmählich an den Doppelgänger zu gewöhnen, und sich deshalb dem Gesundheitszustand des Doppelgängers schauspielerisch anpasste, hatte sich noch nicht völlig in diese neue Rolle eingespielt. Wie die Sekretärin Junge nämlich berichtete, hatte der sich auf Anregung seines Chefdieners Linge hin, doch wegen des bevorstehenden Besuches durch Mussolini die vom Attentat zerschlissene Hose zu wechseln, „aufgerichtet und straff wie lange nicht (Hervorhebung durch den Herausgeber), in sein Zimmer“ begeben.84 Nun muss man dazu wissen, dass der Professor Dr. med. Carl von Eicken, HNO-Spezialist aus Berlin, der im Juli offensichtlich den Doppelgänger untersucht und behandelt hatte, berichtete, dass Hitler “eine Störung des Gleichgewichtssinnes als Folge des Attentates“ erlitten habe.85
Die Tatsache, dass nach der Rede, die „Hitler“ am 24.02.1945, anlässlich des 25. Jahrestages der Verkündung des NSDAP-Parteiprogramms hielt, einige Gauleiter, die ihn lange nicht gesehen hatten, der Auffassung waren, dass das nicht der Hitler sei, den sie kannten.
Die Tatsache, dass das FBI auch vermutete, dass Hitler bereits im Frühherbst 1944 Deutschland verlassen habe. Die Autoren des Buches „Hitler starb in Argentinien“ legen jedenfalls u.a. ein FBI-Dokument vor, aus dem eine geplante Flucht Hitlers nach Argentinien durch einen Nonstop-Flug oder per U-Boot im September 1944 vermutet wurde.
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Dass Hitler erstaunlicherweise trotz aller seiner Verletzungen im Gegensatz zu allen in der Lagebaracke zum Zeitpunkt des Attentates Anwesenden, die ebenfalls mindestens eine schwere Gehirnerschütterung und Schädigungen des Gehörs hatten und sich deshalb alle in das Lazarett oder in ihre Betten gelegt hatten, dies eben nicht tat.
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Die Tatsache, dass „Hitler“ in den folgenden Wochen und Monaten nach dem Attentat nicht nur ungesünder aussah, als vor dem Attentat, sondern dass er auch ungesünder lebte: eine offensichtliche Verhaltensänderung.
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Die Tatsache, dass Hitlers Gespräche während der Arbeitspausen im Führerhauptquartier (Tischgespräche), zumeist reine Monologe, nach dem Attentat vom 20.07.1944 nur noch selten stattgefunden haben.
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Die Tatsache, dass der Rittmeister Boldt (O I, beim Chef Generalstab Guderian und zuletzt bei General Krebs) Hitler Anfang Februar 1945 als Greis, wie er notierte, kennen lernte.
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„Das ist nicht mehr der kraftstrotzende und energiegeladene Hitler ...“ war sein innerlich gefundenes Fazit zu der Begegnung.
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Die Tatsache, dass die Ärzte, welche in den folgenden Monaten Hitler untersucht hatten, mit dem Doppelgänger konfrontiert worden waren und dass die Röntgenaufnahmen, die angeblich von Hitlers Kopf vorliegen, von dem Doppelgänger stammten. Es war der Doppelgänger, welcher nach dem 20.07.1945 und in den Monaten nach der Flucht Hitlers mehrfach, auch von externen Ärzten, untersucht und behandelt.
Die Tatsache, dass Dr. Giesing, der den Doppelgänger behandelte, im Glauben, es sei Hitler, feststellte und sich darüber wunderte, dass der „Hitler“ bei der Konstitution (rechte Schulter und Arm nicht so muskulös, wie ihm nachgesagt wurde) die Paraden und Aufmärsche so mit erhobenem rechten Arm durchhalten konnte.
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Hitlers Begleitärzte Dr. Brandt und Dr. von Hasselbach wurden von Hitler Wochen nach dem Attentat entlassen. Diese Zeugen, die ihn bereits seit mehr als zehn Jahren kannten, waren also erst einmal kaltgestellt und aus der Nähe des Doppelgängers entfernt worden.
Hitlers Leibarzt Dr. Morell hat, wie bereits dargelegt, aufgrund seiner Kurzsichtigkeit entweder den Personentausch nicht bemerkt oder lieber geschwiegen, da seine Anstellung bei Hitler (ob dieser nun echt war oder nicht) eine Geldmaschine93 für ihn bedeutete.
Professor Dr. med. Carl von Eicken, HNO-Spezialist aus Berlin, behandelte im Juli 1944 den Doppelgänger. Er kannte Hitler zwar schon länger, war 1939 Hitler anlässlich einer Untersuchung oder Behandlung letztmalig begegnet und dann erst fünf Jahre später, eben nach dem Attentat. Als er dann im September 1944 erneut in das FHQ Wolfsschanze kam, war der Doppelgänger schon längst von ihm als Hitler akzeptiert worden, und natürlich erst recht bei den Folgebehandlungen.94
Der HNO-Spezialist Dr. Giesing, Oberstabsarzt in einem Lazarett in der Nähe des FHQ Wolfsschanze, wurde am 20.07.1944 in das FHQ gerufen, um den Doppelgänger zu behandeln, dessen Trommelfelle wegen der Explosion der Stauffenberg-Bombe geplatzt waren.95 Der Mann kannte Hitler vorher nicht persönlich.
Hitlers Zahnarzt Professor Blaschke, der seit dem 14.10.1944 in der Wolfsschanze anwesend war, behandelte am 10.11.1944, in dem Glauben, es sei Hitler, assistiert von seiner zahnärztlichen Helferin, Fräulein Heusermann, den Doppelgänger.96 Schließlich ist es kein Problem und man muss wahrscheinlich auch kein exzellenter Schauspieler sein, um sich angekleidet wie Hitler, Frisur und Bart wie Hitler und zumindest eine Ähnlichkeit mit Hitler, wortlos auf den Behandlungsstuhl zu setzen, den Mund zu öffnen und sich behandeln zu lassen von Personal, das einen seit Wochen oder Monaten erstmals wieder sah. Unter Aufsicht der Gestapo, welche für die Doppelgänger zuständig war, wurden die Zähne dieses Mannes möglicherweise schon seit Jahren von Zahnärzten, bei denen als KZ-Insassen die Geheimhaltung gewährleistet war, immer auf den neuesten Stand, das heißt auf Übereinstimmung mit dem Zahnstatus des echten Hitler, gebracht.
Am 19.09.1944 ließ sich der Darsteller Hitlers auf Drängen der Ärzte (durch den Darsteller abgesprochen mit Bormann und Hitler) in ein Lazarett in Rastenburg fahren und dort röntgen.97 Das hatte der echte Hitler für sich selbst stets abgelehnt. Nicht einmal seinem Leibarzt Prof. Dr. Morell war es jemals gelungen, Hitler dazu zu überreden. Das spricht für die Vermutung, dass es beabsichtigt war, dass es Röntgenaufnahmen des Doppelgängers, die als Aufnahmen von Hitlers Kopf galten, gab.
Was sprach dagegen, dass Hitler bereits im Herbst 1944 geflohen ist?
Obwohl die Bedingungen für eine Flucht Hitlers zu diesem Zeitpunkt noch geradezu ideal gewesen wären, glauben wir aber dennoch, dass sie damals nicht erfolgte. Was spricht alles gegen eine so frühzeitige Flucht?
ERSTENS: Eine so frühzeitige Flucht, die ja für Hitler damit verbunden war, Wichtiges praktisch aus der Hand zu geben (selbst wenn er aus der Ferne führte),
passte nicht zu Hitlers Misstrauen bezüglich der Fähigkeiten anderer,
passte nicht zu seinem Geheimhaltungsgebaren und
passte nicht zu seinen Hoffnungen (basierend auf seinem Glauben an die Vorsehung), dass sich das Blatt (trotz der Niederlagen seit 1943) doch noch wenden könne, sowie auch nicht zu seinem Ego, eben nicht feige geflohen zu sein, sondern dem Feind bis zuletzt an der Spitze der Verteidiger des Reiches entgegen getreten zu sein.
ZWEITENS: Auch die Gefahr der Aufdeckung seiner Flucht wäre ungleich größer gewesen, wenn über viele Monate ein Doppelgänger hätte die Rolle Hitlers spielen müssen. Dieser hätte für länger als ein halbes Jahr alle Personen, die mit Hitler zu tun hatten (Adjutanten, Diener, Leibwächter, Generale, Ärzte, Sekretärinnen), täuschen müssen, was wohl kaum erfolgreich möglich gewesen wäre.
DRITTENS: Wenn ein Doppelgänger Hitlers Platz so frühzeitig eingenommen hätte, dann hätte Hitler auch seine engsten Kampfgefährten (Göring, Goebbels, Himmler) nicht darin eingeweiht. Deren Verhalten bewies aber auf jeden Fall, dass sie die ganze Zeit, zumindest bis zum 20.04.1945, fest davon überzeugt waren, es mit Hitler im Bunker zu tun zu haben. Wenn dem nicht so gewesen wäre, dann hätten sie sich sicher selbst viel früher in Sicherheit gebracht. Dass in dem Falle einer von ihnen versucht hätte, die ganze Macht an sich zu reißen, ist weniger wahrscheinlich, da sie sich gegenseitig blockierten.
VIERTENS: Hitler war so sehr überzeugt von einer Wende des Krieges, die entweder zustande kommen würde aus einer Entzweiung der Alliierten, die aufgrund der entgegengesetzten gesellschaftlichen Systeme entstehen musste, oder aufgrund der Einsatzbereitschaft von Wunderwaffen, die er sich erhoffte, dass er nicht vor der Zeit aufgegeben hätte. Die folgenden Worte von Friedrich dem Großen lagen Hitler am Herzen und er benutzte sie öfter: „Wer das letzte Bataillon in die Schlacht wirft, wird Sieger sein!“98 Und dieses letzte Bataillon waren für ihn die Wunderwaffen.
FÜNFTENS: Da alle bekannten hochrangigen Gefolgsleute von Hitler auch danach noch in Deutschland waren, hätte Hitler allein mit wenigen unbekannten Leibwächtern, ohne Vertraute im Ausland leben müssen. Das ist schlichtweg undenkbar, weil das Ziel seiner Flucht, einen Gegenschlag vorzubereiten (obwohl Hitler meist als ein Ein-Mann-Unternehmen agierte), ohne fähige Mitarbeiter höherer Ränge nicht erreichbar gewesen wäre.
SECHSTENS: Wenn Hitler wirklich im Herbst 1944 geflohen wäre, dann hätte der Doppelgänger auch Eva Braun, die in München bzw. in Berchtesgaden lebte, später aber wieder nach Berlin kam und ab dem 15.04.1945 in Hitlers Bunkerwohnung lebte, die ganze Zeit erfolgreich täuschen müssen.
SIEBENTENS: Hitlers Reaktion und Wut auf Göring, wegen der Unfähigkeit der Luftwaffe hätte kaum von einem Doppelgänger so gespielt werden können. Anfang 1945 wütete Hitler und drohte Göring während einer Lage zum einfachen Soldaten zu degradieren und an der Ostfront bei der Infanterie einzusetzen. Er behandelte ihn wie einen Schuljungen.99
ACHTENS: Der Doppelgänger, der über so viele Monate Hitlers Rolle gespielt haben müsste, hätte ihm, auch in militärischen Fragen und in Fragen der Interna der NSDAP und der SS, wenigstens etwas das Wasser reichen müssen. Der von Bormann geführte Doppelgänger war aber, genau wie sein „Führungsoffizier“ Bormann, reichlich unmilitärisch.
NEUNTENS: Der einzige als Doppelgänger mit diesem Niveau als Hitlerdarsteller hätte nur Hitlers langjähriger Begleiter und Cheffahrer, SS-Brigadeführer Julius Schreck, sein können. Dieser ihm ziemlich ähnlich sehende Mann, der von Anfang an an Hitlers Seite war und den Vorläufer der SS für Hitler aufgebaut hatte, war aber angeblich schon 1936 gestorben und hatte ein Staatsbegräbnis erhalten.100
Fazit: Von allen denkbaren Fluchtszenarien ist eine Flucht Hitlers schon im zweiten Halbjahr 1944 am unwahrscheinlichsten.
Flucht mit Sicherheitsabstand (02.04.1945)
Annahme: Hitler floh bereits Wochen vor seinem angeblichen Suizid aus Deutschland.
Dieses Drehbuch basiert auf der Basis von Informationen, die von unverdächtigen Zeitzeugen aus dem Raum Arnstadt – Gotha – Ohrdruf stammen, die zur DDR-Zeit gegenüber der „Historischen Kommission der SED-Kreisleitung Arnstadt“, gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) und nach der Wende, gegenüber Forschern und Buchautoren erklärten, dass Hitler am 27./28.03.1945 zu einer „Führertagung“, im FHQ „Burg“ im Raum „Olga“ im Jonastal bei Ohrdruf anwesend gewesen sei.101
Danach soll er am 02.04.1945, also nur wenige Tage, bevor die Truppen von General Patton den Raum besetzten, zurückgeflogen sein nach Berlin. Wir unterstellen, dass Hitler diese günstige Gelegenheit, bereits aus dem Bunker und aus Berlin heraus zu sein, zu einer Flucht genutzt hat.
Es ist verbürgt, dass Anfang April 1945 eine Ju 290 A6 den Flugplatz Hörching bei Linz verliess und in Barcelona landete.102
***
Ende März 1945 fand die letzte Führertagung Hitlers und zugleich erste und einzige im neuen FHQ „Burg“ statt. Dazu sei das FHQ wenige Tage vorher in Betrieb genommen worden. Der Zeuge A. B. Freier schrieb: „Vom 22. März bis 2. April wurde das FHQ im Objekt ‚Burg’ benutzt. Zur gleichen Zeit war Hitler und der gesamte Stab im Objekt.103 Und ein weiterer Zeuge, ein gewisser Mühlheim berichtete ebenfalls, dass Hitler Ende März im FHQ gewesen sei.104
Dass Hitler bereits Tage vor der Tagung anwesend war, ist zu bezweifeln, aber an der Tagung am 27. und 28.03.1945 ), sollen nach Zeugenaussagen neben Hitler auch Göring, Bormann, Himmler, Speer, Sauckel, Keitel, Jodl, Kammler und andere Nazigrößen teilgenommen haben.105 Der Zeuge Peter Fritsch nannte folgende Namen: Hitler, Himmler, Sauckel, Darre, Ribbentrop, Speer.106
Hitler legte fest, dass diese Führertagung selbst und ganz besonders seine Teilnahme daran geheim zu halten sei, weil ansonsten durch Spione der Feind informiert und sowohl auf das ihm bis dahin noch unbekannte neue FHQ, als auch auf das geheime Rüstungsprojekt (A-Waffe und deren Fernträger) im Jonastal aufmerksam geworden wäre.107
In der zweiten Märzhälfte hatte General Burgdorf angeregt, dass Hitler sich zur Hebung der Kampfmoral an der Ostfront zeigen solle.108 Hitler zögerte zunächst, dann entschied er sich, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er ließ zur Täuschung an dem selben Tag, an welchem er sich zur Führersondertagung in das FHQ in Thüringen begab, seinen Doppelgänger einen Frontbesuch machen. Es war geplant, den Führerbesuch an der Ostfront propagandistisch groß auszuwerten und die Bevölkerung unter der Überschrift „Der Führer persönlich an der Oderfront!“ zu informieren und damit zugleich die Alliierten zu täuschen. Rundfunkreporter, Zeitungsredakteure, Fotografen und ein Kameramann waren anwesend und lieferten die Bilder und Texte zum angeblichen Führerbesuch an der Front. Das gelang so gut, dass auch heute noch Historiker und Buchautoren entweder glauben, Hitler wäre am 27.04.1945 an der Ostfront gewesen oder versuchen, Angaben über den Frontbesuch am 27.04.1945 in Dokumenten oder Erinnerungen als einen terminlichen Fehler darzustellen.
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Am Vormittag des 27.03.1945, gegen 11:00 Uhr verließen sechs große Geländewagen die Reichskanzlei in Richtung Frankfurt an der Oder.109
Zur gleichen Zeit verließen zwei Limousinen die Tiefgarage der Reichskanzlei durch einen Tunnel, der gerade breit genug war, um die Wagen passieren zu lassen. Auf diese Weise gelangte Hitler mit seiner Begleitung ungesehen zum Flugplatz Tempelhof, direkt in die unterirdischen Hangars, wo seine Maschine bereit stand.110
Am frühen Nachmittag des 27.04.1945 landeten vier Flugzeuge auf dem „Eichsfeld“ bei Bittstädt, in der Nähe von Arnstadt (Thüringen), deren Insassen in PKW mit verhängten Scheiben (typisch für Hitlers Reisen in den letzten Jahren), in Richtung Truppenübungsplatz fuhren. Das sagten die Zeuginnen Weinschenk und Witzmann aus.111
Um 14:00 Uhr begann dann die letzte Führertagung. Gegenstand der Tagung waren die Einsatzbereitschaft und die Einsatzmöglichkeiten einer neuen Wunderwaffe, der Atombombe.112
Nach den Vorträgen der Wissenschaftler über den Stand bei der A-Waffenherstellung und den Berichten der militärischen Experten, war Hitler klar, dass diese Wunderwaffe nicht vor dem Durchbruch der Sowjets nach Berlin fertiggestellt werden würde, und dass seine Hoffnungen auf den Einsatz der Atombombe sich nicht erfüllen würden, da der Träger nicht rechtzeitig fertig werden würde und man für den Einsatz anderer Wunderwaffen wohl noch einige Monate benötigen werde. Diese Zeit stand aber nach der Frontlage nicht mehr zur Verfügung. Hinzu kam der Widerstand einiger hoher Amtsträger, angeführt durch den RM Speer, gegen Hitlers Erwägung, wenigstens die wenigen fertigen Atombomben gegen die Westfront einzusetzen, um ein deutliches Zeichen zu setzen und den Amerikanern einen Waffenstillstand schmackhaft zu machen, weil Speer und andere befürchteten, dass diese vereinzelten Atomschläge die Bevölkerung in Mitleidenschaft ziehen würden, wie der Zeuge Freier berichtete113, aber den Alliierten nicht wirklich einen entscheidenden Schlag versetzen, dafür aber ihre Rache anfeuern würde. Im Gegenteil sei es wichtig, das Vorhandensein dieser Waffen unbedingt vor den Alliierten zu verheimlichen, weil das bei der absehbaren Niederlage zuungunsten des Reiches ausgenutzt werden würde.
Die Tatsachen, dass die Waffen nicht in ausreichender, militärisch relevanter Art, einsatzbereit waren, dass nach dem Verlust der Anlage „Riese“ in Niederschlesien und dem direkt bevorstehenden Verlust des FHQ „Burg“ in Thüringen dann schon zwei der vier wichtigen Zentren zum Bau der Wunderwaffen verloren waren und dass der Widerstand aus den eigenen Reihen so groß war, veranlassten Hitler, den Plan, sich rechtzeitig abzusetzen, nun zu realisieren. Die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs, aus Deutschland herauszukommen, war zu dem Zeitpunkt ungleich höher als später, zumal er sich bereits außerhalb Berlins befand.
In Vieraugengesprächen erklärte Hitler ausgewählten Paladinen, dass er aus sicherer Entfernung (aber nicht vom Berghof aus, weil der Feind das Objekt kannte) das Reich führen müsse und wieder in die Hauptstadt zurückkehren werde, sobald sich das Blatt gewendet habe. Er ließ den Gestapochef Müller und einige für seine Begleitung wichtige Personen aus Berlin kommen. Nach Müllers Eintreffen wurde dieser instruiert, dass nun der bereits Mitte des Monats besprochene Plan B zu realisieren sei und er seine dementsprechenden Aufgaben im Führerbunker (Absicherung der Selbsttötung bzw. Tötung des Doppelgängers rechtzeitig, bevor die Russen die Reichskanzlei erobern würden und Überwachung der Spurenbeseitigung und der Täuschungsaktionen, zu übernehmen habe.
Am 02.04.1945 flogen die Tage zuvor gelandeten Maschinen wieder ab. Hitlers Maschine um mit ihm und einigen ausgewählten Personen angeblich ebenfalls nach Berlin zu fliegen114, tatsächlich aber auf dem Flugplatz Hörsching bei Linz zu landen. Bormann, Müller und die Adjutanten Hitlers flogen zur gleichen Zeit mit klaren Anweisungen für das weitere Vorgehen zurück nach Berlin. Der RF SS Heinrich Himmler flog weiter nach Ungarn, um die SS-Divisionen von Sepp Dietrich auf Hitlers Befehl wegen angeblich mangelnder Kampfbereitschaft ihre Armbänder (Divisionsauszeichnungen) abnehmen zu lassen. RM Albert Speer flog nach Berlin. Reichsmarschall Hermann Göring flog in einer weiteren Maschine zurück nach „Karinhall“ in der Schorfheide. In Berlin übernahm von da ab der Doppelgänger Hitlers Rolle.
Was sprach dafür, dass Hitler am 02.04.1945 aus Deutschland floh?
Dafür sprachen erstens die Gefährdungslage für Hitlers Freiheit, Leib und Leben (persönliche Gefährdung); zweitens die Tatsache, dass die Faktoren für eine erfolgreiche Flucht reif waren; und drittens eine Reihe von Indizien, die deutlich darauf hinwiesen, dass der echte Hitler nicht mehr anwesend war und dass seine Abwesenheit von Berlin sowohl zur Zeit der Führertagung in Thüringen, als auch danach generell vertuscht werden sollte.
Zu erstens: Die Faktoren der persönlichen Gefährdung Hitlers hatten sich Anfang 1945 noch weiter verschlechtert. Es bestand durch weitere Attentate oder durch eine Entführung.115 durch eine denkbare Meuterei von Einheiten in seiner Umgebung; durch einen Einzeltäter aus seinem direkten Umfeld (Selbst sein Fast-Freund Speer wollte ihn im Februar 1945 vergiften!)116 oder durch einen Putsch innerhalb der Führung (solche Versuche kamen nur drei Wochen später (Himmler, Göring); die Gefahr eines Aufstandes der Berliner Bevölkerung117 und die Gefahr, dass er am Ende seine ihm vorschwebende Revanche, die Verfolgung des „Planes B“ zur Revision der absehbar eintretenden Kriegsresultate nach einer Flucht ins sichere Ausland, nicht würde erfolgreich realisieren können.
Zu zweitens: Die materiell-technischen und personellen Faktoren sowie der Sicherheitsfaktor für eine Flucht waren reif. Besser hätten sie gar nicht sein können. Es gab einen freien Fluchtweg in der Luft, um Deutschland zu verlassen und danach über bzw. unter Wasser sogar Europa zu verlassen. Flugzeuge und Piloten standen ausreichend zur Verfügung.
Auch der Sicherheitsfaktor war optimal. Durch das Zurücklassen von mindestens einem Doppelgänger, der geführt wurde durch Bormann und in der Endphase auch durch Müller (an dem vorbei schon seit Jahren niemand zu Hitler gelangte), war die scheinbare Kontinuität im Tagesablauf im FHQ gewährleistet. Der personelle Faktor, das heißt, Begleiter für Hitler auf seiner Flucht war ebenfalls kein Problem. Ausgewählt wurden alleinstehende Offiziere des Führerbegleitkommandos ohne jeglichen Anhang (Waisen).
Zu drittens: Es gibt eine Reihe von Indizien, die dafür sprechen, dass Hitler Anfang April 1945 von Thüringen aus Deutschland verliess.
Die Frontlage hatte sich noch weiter verschlechtert. Der Zwei-Fronten-Krieg war von deutscher Seite nicht durchzuhalten. Deshalb hatte Hitler zum einen Ribbentrop gewähren lassen oder gar beauftragt, einen Separatfrieden mit den Westalliierten auszuhandeln und das auch über andere Wege versuchen lassen. Das blieb aber erfolglos.118 Gleichzeitig hat Hitler aber auch mit dem Gedanken gespielt, Stalin dazu zu bewegen, einem Separatfrieden zuzustimmen.119 Das war eine Überlegung aus Verzweiflung heraus, weil der Bolschewismus ja eigentlich der erklärte Hauptfeind war. Und das heißt, dass Hitler eine Entlastung durch einen einseitigen Waffenstillstand an einer der beiden Fronten unbedingt benötigte. Eine Lösung war aber nicht abzusehen, bzw. eigentlich ganz und gar unmöglich. Damit wurde eine Flucht noch dringlicher.
Eine nach Hitlers Meinung kriegsentscheidende Wunderwaffe (A-Bombe) würde vermutlich nicht mehr rechtzeitig zum Einsatz kommen. Damit war ein weiterer wichtiger Faktor der erhofften Kriegswende verloren gegangen.
Bereits Mitte März hatte Hitler sich Gedanken über einen Nachfolger gemacht. Gegenüber seiner Sekretärin Schröder schloss er Göring und Himmler aus den Überlegungen aus. Dagegen hob er in einem Gespräch mit Goebbels im März 1945 die besonderen Qualitäten von Dönitz hervor.120
Darüber hinaus gab es ein weiteres wichtiges Indiz für eine Flucht Hitlers. Dabei handelte es sich um seine Teilnahme an der letzten Führertagung im Dritten Reich, die bei Arnstadt in Thüringen im Objekt „Burg“ erfolgte. Von dort aus konnte sich Hitler problemlos absetzen. Diese Führertagung im zuletzt fertig gewordenen Führerhauptquartier wurde von der offiziellen Geschichtsschreibung nicht für wahr genommen, weil Hitler alles dafür tun ließ, dass die Spuren dieser Tagung verwischt wurden. Deshalb stellt sich die Frage: Gibt es Beweise oder zumindest Indizien dafür, dass Hitler Ende März 1945 an der Führertagung im neuen FHQ im „Objekt Burg“ teilgenommen hat?
Ja, es gibt eine Reihe von starken Indizien dafür. Da wären zunächst Zeugenaussagen, wie die folgenden, die nach dem Krieg erfolgten.
Am 27.03.1945 wurde von Anwohnern die Landung von vier Transportmaschinen der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst Eichsfeld beobachtet.
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Die Zeitspanne von 11:00 Uhr (Start aus der Reichskanzlei zum Flugplatz Tempelhof in Berlin) bis 14:00 Uhr (Beginn der Tagung im FHQ Burg bei Arnstadt), war durchaus passfähig.
An der Tagung sollen nach Zeugenaussagen neben Hitler auch Göring, Bormann, Himmler, Speer, Sauckel, Keitel, Jodl, Kammler und andere Größen des Dritten Reiches teilgenommen haben.
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Am Abend des Tages fuhren auch der Arnstädter Oberbürgermeisters Huhn und andere örtliche Größen in Richtung Truppenübungsplatz
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, was auch ein Hinweis auf die Anwesenheit noch höherer Funktionsträger war. Es soll auch eine außergewöhnlich starke Präsenz von SS-Kräften gegeben haben, die alle Zufahrtsstraßen abriegelten. Auch das deutete auf die Anwesenheit ganz Hochrangiger aus Berlin hin. Es wurde jedenfalls unter der Bevölkerung der anliegenden Dörfer gemunkelt, Hitler habe das „FHQ Burg“ bezogen, um mit Hilfe der Wunderwaffen den Feind zu besiegen.
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Der Bericht des ehemaligen SS-Standartenführers Oskar Mühlheim, der Chef des Baustabes „Klipper“ war und bei der Tagung der Geschichtskommission der SED-Kreisleitung 1968 beinhaltete die Behauptung, dass Hitler im März 1945 „in der ‚Burg’ gewesen sei“.
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Ein gewisser Freier teilte den Autoren des Buches „Das Geheimnis der deutschen Atombombe“ mit: „Vom 22. März bis 2. April wurde das FHQ im Objekt ‚Burg’ benutzt. Zur gleichen Zeit war Hitler und der gesamte Stab im Objekt ... Vom 27. – 28. März 1945 fand im Objekt ‚Burg’ eine Konferenz statt, wo alle Führungskräfte, die Luftwaffe, die A-Wissenschaftler und einige örtliche Funktionäre teilnahmen. Dabei ging es um den Einsatz der A-Waffe und wie sie nach Amerika kommen sollte. Speer war dabei der größte Gegner von Hitlers Einsatzplan. Hitler flog am 2. April 1945 um 10.00 Uhr nach Berlin zurück.“
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Ein weiteres robustes Indiz ist die Tatsache, dass von Teilnehmern und anderen wichtigen Führungskräften aus Hitlers Umfeld die Tagung selbst und besonders Hitlers Teilnahme, mit allen Mitteln versucht wurde, zu verheimlichen. Sie haben sich wirklich Mühe gegeben, Hitlers Anwesenheit in Berlin an den Tagen um die Monatswende vom März zum April 1945, vorzutäuschen. So wurden überaus arbeitsreiche Tage Hitlers in Berlin konstruiert, von Geschehnissen und Aktivitäten Hitlers berichtet, die es in Wahrheit nicht gegeben hat und so auch nicht gegeben haben könnte, denn er hätte demnach zum Beispiel am 27.04.1945 mehrere Termine an unterschiedlichen Orten im Berliner Raum gleichzeitig wahrnehmen müssen: So soll Hitler an diesem Tage sogar die Ostfront besucht haben.
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Die Hauptrolle spielte dabei RM Dr. Goebbels. Goebbels notierte in seinen Aufzeichnungen über den 27.03.1945, dass er mit Hitler, von dem er in die Reichskanzlei gerufen worden sei, beim einstündigen Spaziergang „durch den Garten der Reichskanzlei“ und über die Terrasse vor Hitlers Arbeitszimmer Gespräche geführt habe. „Mittags läßt der Führer mich zu einer längeren Besprechung in die Reichskanzlei herüberrufen.“
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