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Eine in den fünfziger Jahren erbaute Doppelhaushälfte erzählt seine unerwartete Entstehungsgeschichte und das rege Leben, das viele Jahre in ihm herrschte. Anschaulich schildert das Haus die zahlreichen, über die Jahrzehnte vorgenommenen Veränderungen und Erneuerungen, bis hin zum Kehraus und dem Übergang an einen neuen Besitzer.
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Seitenzahl: 26
Veröffentlichungsjahr: 2016
1. Wie alles begann
2. Einzug
3. Erste Veränderungen und eine Erweiterung
4. Mein neues Erscheinungsbild
5. Feste Feiern
6. Weitere Veränderungen
7. Kehraus - Kehr ein
8. Alles auf Anfang
Als alles begann, gab es mich noch gar nicht.
Nicht einmal als Plan.
Eher als Notwendigkeit.
Ja, ich gestehe, ich bin aus einer Notwenigkeit heraus entstanden.
Aber dennoch mit viel Liebe.
Da waren diese beiden Menschen, die einen kleinen Wurm in ihren Armen hielten, der laut Aussage der Mutter aussah wie ein kleines Ferkel.
Rosa Haut, keine Haare, aber niedlich.
Wahrscheinlich war es dieses kleine Wesen, das bei den Ferkeleltern die Erkenntnis reifen ließ, dass Schweinchen viel Auslauf und Platz benötigen.
Und da beides in einer Einzimmer-Wohnung nur sehr begrenzt vorhanden ist, fassten sie den Entschluss, eine grundlegende Veränderung ihrer Wohnverhältnisse vorzunehmen.
Das, was sich in der heutigen Zeit so simpel anhört, war zum damaligen Zeitpunkt mit diversen Schwierigkeiten verbunden.
Der Wohnungsmarkt war auch zehn Jahre nach Kriegsende noch sehr angespannt.
So konnten auch die Ferkeleltern nicht einfach nach Belieben eine drei oder vier Zimmerwohnung auswählen und beziehen.
Nein – der Wohnraum wurde zugeteilt. Bessergesagt, er sollte den Ferkeleltern zugeteilt werden.
Es wurde entschieden, dass ihnen nur eine Zweizimmer-Wohnung zustehen würde.
Aber da hatte die neue Wohnraumverordnung die Rechnung ohne die beiden Wohnungssuchenden gemacht.
Zwei Zimmer wären zwar einhundert Prozent Wohnraum mehr als bisher gewesen, doch viel zu wenig Quadratmeter, um ihrem rosigen, kahlköpfigen Wesen genügend Freiraum für eine optimale Entwicklung zu bieten.
Nach dem sie viele Wochen damit verbracht hatten, vielleicht doch noch die angemessene und gewünschte Wohnungsgröße zu finden, sank ihre Stimmung beinahe auf den Nullpunkt.
Glücklicherweise fiel eines Tages ihr Augenmerk zufällig auf eine riesige Reklamewand.
Hierauf wurde im großen Schriftzug der Bau von familienfreundlichen Doppelhaushälften mit Garten angepriesen.
Bunte Zeichnungen weckten die rege Vorstellung, wie sie aussehen würden.
Sofort war ihr Interesse geweckt.
Ein Haus - das war´s.
Ein eigenes Haus sollte es sein, wenn auch ganz unerwartet aus der Not geboren.
Ein Haus mit Garten, in dem es eine Schaukel und ein kleines Schwimmbad für das kleine, rosige Etwas geben würde.
Die eben noch missgestimmten Wohnungssuchenden, und nun im Geiste angehenden Hausbesitzer, fühlten sich von diesem Gedanken berauscht.
Besonders der Hinweis, dass nur ein geringes Eigenkapital erforderlich sein, beflügelte sie, ihr Vorhaben schon bald in die Tat umzusetzen.
Nähere Informationen führten zu der befriedigenden Erkenntnis, dass ihre geringen Ersparnisse genau der Höhe des Eigenkapitals entsprachen.
Euphorisch erfolgte ein eingehendes Studium der Baupläne.
Es gab zwei unterschiedliche Haustypen.
Einen kleineren und einen etwas geräumigeren.
Wenn man bisher in einer Einzimmerwohnung zuhause war, erschien der kleinere Typ sehr großzügig und von völlig ausreichender Größe.
Unten befanden sich eine große Küche und ein Wohnzimmer, oben das Bad, Elternschlafzimmer und Ferkelstall.
Himmlisch - fast ein Hauch von Luxus!
Der mit freudiger Hochspannung erwartete Gesprächstermin bei Architekt und Bauunternehmer endete mit einer herben Enttäuschung.
Die Hausbesitzer in spe waren nicht die einzigen Interessenten für die gewünschte Hausgröße und daher war nur noch der größere Typ zu bekommen.
