Homo Sapiens 404 Band 11: Nur weg von hier - Claudia Kern - E-Book

Homo Sapiens 404 Band 11: Nur weg von hier E-Book

Claudia Kern

3,0

Beschreibung

Dies ist die elfte Episode der Romanserie "Homo Sapiens 404". Urbane Legende, Unfug oder Wahrheit? Das ist die Frage, die man sich auf der T. S. Eliot stellt. Besser wäre es allerdings, wenn man sich andere Fragen stellen würde, zum Beispiel die: "Wie zum Teufel sollen wir aus diesem Scheiß lebend rauskommen?" Über die Serie: Einige Jahrzehnte in der Zukunft: Dank außerirdischer Technologie hat die Menschheit den Sprung zu den Sternen geschafft und das Sonnensystem kolonisiert. Doch die Reise endet in einer Katastrophe. Auf der Erde bricht ein Virus aus, der Menschen in mordgierige Zombies verwandelt. Daraufhin riegeln die Außerirdischen das Sonnensystem ab und überlassen die Menschen dort ihrem Schicksal. Die, die entkommen konnten, werden zu Nomaden in einem ihnen fremden Universum, verachtet und gedemütigt von den Außerirdischen, ohne Ziel, ohne Hoffnung. Neue Folgen der zweiten Staffel erscheinen zweiwöchentlich als E-Book.

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Seitenzahl: 80

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HOMOSAPIENS404

Episode 11

Nur weg von hier

Claudia Kern

Digitale Originalausgabe

Homo Sapiens 404 wird herausgegeben vom Rohde Verlag

Rohde Verlag, Auf der Heide 43, 53757 Sankt Augustin

Verleger & Redaktion: Markus Rohde

Autorin: Claudia Kern

Lektorat: Susanne Picard

Covermotiv & -gestaltung: Sebastian Lorenz

Copyright © 2013 by Rohde Verlag

ISBN 978-3-95662-023-2

www.claudia-kern.com

www.helden-in-serie.de

www.rohde-verlag.de

»Jedes Schiff, jede Station, jeder Ort, an dem Menschen zusammenkommen, besitzt eigene urbane Legenden. Eine der bekanntesten ist wohl die über Trevor Reillys Song ›See You In Nashville‹. Wenn man das MP3 in einem Editor öffnet, jede siebte Codezeile kopiert und die neue Datei wieder als MP3 abspeichert, soll man angeblich einen Jockey hören, der die Menschheit auslacht und verhöhnt. Ich habe das mindestens ein Dutzend Mal probiert, aber es hat noch nie funktioniert.«

– Nerdprediger Dan, ASCII-Zeichen für die Ewigkeit

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Anmerkung der Autorin

Die Autorin

Lesetipp des Verlags

1

Sie sahen mitgenommen aus.

Ama’Ru setzte sich in ihrem Sattel auf, als Auckland und Arnest die Brücke der Eliot betraten. Ihre Kleidung bestand aus zerrissenen, schmutzigen Lumpen, sie selbst waren barfuß, zerschlagen und bewegten sich mit der zögernden Langsamkeit von Menschen, die Schmerzen hatten.

»Ich–«, setzte Ama’Ru an, aber Arnest ließ sie nicht zu Wort kommen.

»Was is’ denn mit der los?«, fragte er und deutete mit dem Kinn auf die Andere. Sie saß unter Ama’Ru am Boden und hatte ein Hinterbein ausgestreckt.

»Sie hat sich das Bein gebrochen«, sagte Ama’Ru. Das war keine schlimme Verletzung. Die Knochen der Anderen waren leicht und schmal. Sie heilten schnell. »Wir mussten uns einem Kampf stellen.«

»Dann fing dein Tag ja so geil an wie unserer.« Arnest grinste Auckland an, aber der setzte sich nur schweigend auf die Treppe.

Ama’Ru wandte sich an ihn. »Ich habe einen Fehler begangen, der erhebliche Konsequenzen nach sich gezogen hat. Dafür entschuldige ich mich.«

»Dein Freund ist tot«, sagte er unvermittelt.

Sie wusste nicht, wovon er sprach. »Mein Freund?«

»Ven’Por.«

»Typ mit ’nem Saurier unterm Hintern, quatscht dämliches Zeug«, fügte Arnest hinzu. Er ließ sich in einen der Sitze fallen und streckte die Beine aus.

»Ven’Por?« Ama’Ru sah zuerst Arnest, dann Auckland an. »Woher wisst ihr, wer das ist? Wieso ist er tot?«

Es fiel ihr schwer, ihre Gedanken zu ordnen. Das Gespräch ergab auf einmal keinen Sinn mehr für sie.

Auckland schien das zu erkennen. »Ven’Por sagte, du hättest ihn gebeten, uns zu helfen. Er starb, als er versuchte, uns die Flucht vom Planeten zu ermöglichen.«

»Ich hätte so etwas nie von ihm–« Sie unterbrach sich, als sie an das dachte, was Mak’Uryl zu ihr gesagt hatte. Im Internet kann jeder alles sein. »Er hat sich für mich ausgegeben.«

»Wer?«, fragte Auckland.

»Mak’Uryl.«

Arnest setzte sich auf. »Was hat denn das Arschloch damit zu tun?«

»Er hat uns gefangen genommen und gefoltert, bis ich ihm alles verraten habe, was er wissen wollte.«

Sie sah, wie Auckland blinzelte, aber er ging nicht weiter auf das ein, was sie gesagt hatte.

»Wenn du uns nicht geholfen hast, woher wusstest du, welches Schiff du anfunken musstest?«

»Ich wusste es nicht, also habe ich einfach alle angefunkt, die sich in Reichweite befanden und gehofft, dass ihr auf einem seid.«

»Na geil«, sagte Arnest. »Das heißt, jetzt hält man uns auch noch für Spammer. Gut, dass Kipling das nicht mitkriegt.«

Ama’Ru hörte ihm kaum zu. Sie dachte an Ven’Por und das Opfer, das er im Glauben, ihr helfen zu können, gebracht hatte. Wie soll ich das alles jemals wiedergutmachen?

Auckland stand auf und ging zum Sitz des Piloten. Er stieg über das verletzte Bein der Anderen hinweg und sagte, ohne Ama’Ru anzusehen: »Hast du die Koordinaten schon eingegeben?«

Er nimmt es persönlich, dass ich die Eliot gestohlen habe, dachte Ama’Ru, während sie ein menschliches Nicken imitierte.

Auckland setzte sich und schaltete die Triebwerke ein. Er musste irgendwann den Verband von seiner Hand entfernt haben. Eine rote, wulstige Narbe zog sich zwischen seinem kleinen Finger und dem Mittelfinger entlang.

Ich könnte ihm helfen, die Narbe zu verkleinern, aber er wird mich nicht lassen. Nicht jetzt.

»Interessiert es denn keine Sau, was ich über Scania weiß?«, fragte Arnest, als die Eliot sich drehte und beschleunigte.

»Kannst du das so erzählen, dass jemand außer dir es versteht?«

»Was soll die Scheiße denn jetzt heißen?«

Es überraschte Ama’Ru immer wieder, wie schnell Arnests Stimmung umschlagen konnte. Zwischen Entspannung und Wut lag manchmal nur eine Sekunde.

»Also …«, setzte Arnest an.

2

»Das war so ungefähr vier Monate, bevor die ganze Scheiße losging. Oder fünf? Nee, ich bin mir ziemlich sicher, dass es drei waren. Wann is’ Ewok Erection raus gekommen? Ihr wisst schon, diese Pornverarsche, die so viel Wirbel ausgelöst hat? Wisst ihr nich’? Ach, scheißegal, das war in jedem Fall in der gleichen Woche.

Ich war in irgendeinem von diesen Drecksdschungeln stationiert, in so einem Kackstaat, den keine Sau aussprechen kann. Überall Fliegen, scheiß Internet, warmes Bier un’ nichts zu ficken. Was soll man da machen außer labern?

Wir waren mit ein paar anderen Söldnereinheiten zusammengelegt worden. Hatte keiner Bock drauf, weder die noch wir. Is’ scheiße, wenn du nich’ weißt, wer neben dir im Dreck liegt.

Was? Lanzo? Nee, der war nich’ dabei. Das war bevor er … spielt keine Rolle. Jedenfalls hingen wir alle in diesem Lager ab, also nich’ Lanzo, sondern ich und meine Jungs, und warteten auf Befehle. Eine der anderen Einheiten hatte ihre Zelte direkt neben unseren aufgebaut. Das waren hauptsächlich Asiaten, Japaner, Chinesen, Koreaner un’ so. Bei denen war ein Typ, der hieß Heroku, glaube ich, jedenfalls fiel der auf wie ’n Spermafleck auf ’ner Soutane. Schneeweiße Haare un’ Augenbrauen, aber jung dabei, noch jünger als ich. Er sprach mit keinem, soff nich’ und blieb für sich. Wir nannten ihn den Albaner, weil er halt so weiße Haare hatte.

Albino heißt das? Echt? Scheißegal, ihr wisst doch, was ich meine.

Na ja, also ’ne Weile passierte nichts, dann tauchten auf einmal ein paar Typen in Anzügen auf. Die waren mit einem Hubschrauber gelandet und spielten sich total auf. Unser Kommandant kroch denen bis zu den Fußknöcheln in den Arsch. War eh ein Dreckskerl. Den haben die Zombies gleich beim ersten Angriff zerlegt. Is’ also nich’ alles schlecht an der ganzen Scheiße.

Der Arsch ruft also unsere Einheit im Messezelt zusammen. Hatte vorher extra gesagt, dass es kaltes Bier gibt, damit die Hälfte von uns sich nicht verpisst. Klappte auch, das Zelt war brechend voll. Er labert also ein bisschen rum, während wir saufen, dann tauchen die drei Typen auf und stellen sich vor. Die kamen von irgendeiner Firma oder so, hab ich vergessen. Jedenfalls sagen die, dass sie Leute suchen für einen Job auf einer Raumstation namens Scania. Die wollen nur die Besten, deshalb sin’ sie zu uns gekommen. Hat natürlich kein Schwein geglaubt, die wollten nur, dass wir uns toll fühlen. Wir fühlten uns auch alle toll, das hatte aber nix mit dem Gequatsche zu tun, sondern mit den mindestens fünf Bier, die jeder von uns schon intus hatte.

Die Typen sagten, wir müssten auf dieser Station irgendwas bewachen. Sollte ein Laujob sein, also so einer, wo du nur rumsitzt und dich am Sack kratzt, außer es passiert irgendwelche Scheiße. Aber was soll auf so ’ner Station schon passieren?

Wir wurden also langsam neugierig. Die Kohle war super und nach ein paar Wochen in diesem scheiß Dschungel hörte sich ein Job im All geil an. Als die Typen dann fragten, wer Bock hätte, meldeten sich alle, die noch nich’ zu besoffen waren, um den Arm zu heben, ich auch. Unser Kommandant sah total stolz aus. Hätte mir zu denken geben sollen. Die Typen waren zufrieden und meinten, sie müssten nur noch irgendwelche Tests machen, Blut abnehmen, Fitnesstest und so.

Als ich das hörte, war ich aus der Nummer raus. Ich kenn die ganzen Tricks, mit denen einen Offiziere verarschen wollen. Die suchen doch nur nach einem Grund, um dir den Sold zu kürzen und ne Blutprobe, in der ein Dutzend illegale Substanzen Party machen? Besser geht’s nich’ mehr.

Ich hab die anderen gewarnt, aber die waren so geil auf den Job, dass sie das nich’ hören wollten. Einen Tag später tauchte ein Lkw auf und holte sie ab. Danach habe ich sie nie wieder gesehen.

Nee, wartet, ich bin noch nich’ fertig. Abends sitz ich also vor meinem Zelt un’ denk drüber nach, ob ich vielleicht Scheiße gebaut hab und ne Riesenchance verpasst hab. Da kommt der Albaner auf einmal rüber, setzt sich neben mich und fängt an zu labern. Sagt, dass ich’s genau richtig gemacht hätte und nich’ so blöd gewesen wäre wie er.

Ich frag ihn, was er damit meint und er sagt, weil er nach Scania geflogen is’ mit acht anderen aus seiner Einheit. Aber als sie da ankommen, sehen sie, dass die Station noch gar nich’ fertig is’ und sie sin’ ganz allein da. Denken sie jedenfalls. Aber auf einmal geht da so’n Alienscheiß los. Einer nach dem anderen wird gekillt oder verschwindet einfach, bis nur noch der Albaner übrig is’. Er sagt, dass er nie einen Angreifer gesehen hat, aber da war Blut und so’n Scheiß. Und einmal saß jemand direkt neben ihm. Der Albaner hat nur geblinzelt und zack, war der Typ weg. Heftige Scheiße, oder?