Homo sapiens movere ~ geschenkt - R. R. Alval - E-Book

Homo sapiens movere ~ geschenkt E-Book

R. R. Alval

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Beschreibung

ACHTUNG - DAS IST EIN KURZROMAN MIT CA. 119 SEITEN! ~~~~~ Delilah-Katarina Königsbrüggen stammt aus einer sehr reichen Familie, die sich jedoch von ihr abgewandt hat. Darum lebt sie mit ihrem Sohn Frederick allein. Sie hat gute Freunde - unter anderem die Garus - und ein geregeltes Einkommen als Angestellte bei Steward Bingham. Sie lernt Jason und dessen Tochter Melina kennen. Zumindest glaubt sie, dass es seine Tochter ist. Allerdings hat sie weder mit dem mörderischen Einfluss ihrer Familie gerechnet noch mit den unleugbaren Gefühlen für Jason.

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2016

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R. R. Alval

Homo sapiens movere ~ geschenkt

Weihnachtsspecial

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Hinweis:

Oh, es riecht gut

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Oh Heiland, reiß die Himmel auf

Morgen, Kinder, wird’s was geben

Ihr Kinderlein kommet

Macht hoch die Tür, die Tor‘ macht weit

Lasst uns froh und munter sein

Eine Muh, eine Mäh

Es ist ein Ros‘ entsprungen

Schneeflöckchen, Weißröckchen

Fröhlich soll mein Herz springen

Kommet ihr Hirten

Süßer die Glocken nie klingen

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Info

Impressum neobooks

Selbst der ehrlichste Richter vermag in Familienangelegenheiten kein Urteil zu fällen.

Hinweis:

Dies ist eine Extrastory zu den Romanen um Samantha Bricks.

Nähere Informationen finden Sie auf den letzten Seiten.

Die Autorin ist um die Richtigkeit ihrer Darstellung bemüht.

Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Die Erwähnung von real existierenden Personen/Institutionen unterliegt der künstlerischen Freiheit, soll keinen Eingriff in deren Reputation darstellen und verletzt kein bestehendes Recht. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Besitzer.

~~~~~~~~~~~~~

Dieses Buch ist ein Fantasyroman; kein Erotikbuch! Wer etwas anderes erwartet, ist hier definitiv falsch. Es gibt zwar Sexszenen, doch sind die nicht als Haupthandlung zu verstehen.

Es sei mir außerdem verziehen, falls sich trotz größter Sorgfalt immer noch Rechtschreibefehler versteckt haben. Wir – sowohl ich als auch die wundervolle Yvonne Krause, die das Korrektorat innehat – sind auch nur Menschen! Der Wechsel zwischen Vergangenheits- und Gegenwartsform ist übrigens gewollt! Gedanken sind zusätzlich kursiv geschrieben. Nur mal so am Rande…

~~~~~~~~~~~~~

Dieses Buch kann eigenständig gelesen werden. Es wäre jedoch von Vorteil, die gesamte Romanserie der HSM gelesen zu haben. Ansonsten kann es zu Verständigungsschwierigkeiten kommen. Besonders in Hinsicht auf die Rasse der Gestaltwandler, was es mit deren Partnern auf sich hat, was genau movere sind, etc. – das alles ist in diesem Buch nur am Rande erklärt.

Oh, es riecht gut

2139 A.D.

„Mama? Wenn ich ganz lieb bin, bekomme ich dann zu Weihnachten ein Pferd?“ Ein Pferd. Ach du meine Güte. „Nein, Schatz.“ Mein Sohn sah mich großen, fragenden, blauen Kulleraugen an. „Warum?“ Weil wir uns kein Pferd leisten konnten. „Wo sollte es denn hin, Mäuschen?“

„Auf den Balkon.“ Kinderlogik. Klar. „Der ist viel zu klein für ein Pferd. Fressen will es auch. Es braucht Heu, Hafer, Gras. Äpfel und Möhren.“ Frederick nickte. „Na gut.“ Ich sah, wie es in seinem kleinen Kopf arbeitete. Schon platzte er mit dem nächsten Tierwunsch heraus. „Bekomm ich dann einen Delfin?“ Ich stöhnte innerlich. Mir schwante bereits, wo er den unterbringen wollte. „Ein Delfin allein fürchtet sich, mein Schatz. Und soviel Fisch, wie er und seine Familie essen wollen, können wir gar nicht kaufen.“

„Ih, ich mag keinen Fisch.“ Frederick verzog angemessen das Gesicht. „Was ist mit einem Hund? Ein Hund geht, oder Mama?“ Ich mochte Tiere. Wenn sie anderen Leuten gehörten. Zudem war in unserer Wohnung die Tierhaltung nicht gestattet. Freddy mit seinen vier Jahren vergaß das leider viel zu oft. „Dann müssten wir umziehen. Ich dachte, dein Zimmer gefällt dir?“ Freddys Kopf ruckte leicht nach oben. „Ja, es gefällt mir. Ich will nicht umziehen.“ Während wir weiter Plätzchen backten, spürte ich genau, dass er noch nicht fertig war. „Ich habe auch bald Geburtstag, stimmt’s?“ Freddy war ein Christkind. Also ja, er hatte in vier Wochen Geburtstag. Meine Güte: Er wurde schon fünf! Wo war die Zeit bloß hin? „Stimmt.“ Liebevoll wuschelte ich ihm durch die kurzen, blonden Locken. Nach dem Backen musste ich ihn sowieso in die Badewanne stecken. Ein bisschen mehr oder weniger Mehl war also egal. „Geht ein Plüschhund oder müssen wir dann auch umziehen?“

„Ein Plüschhund ist vollkommen in Ordnung, Mäuschen.“ Frederick strahlte, wobei erneut ein Stück Plätzchenteig in seinem Mund verschwand. „Nicht so viel naschen. Nachher haben wir gar keine Plätzchen und du Bauchweh.“

„Du schwindelst, Mama. Wir haben doch schon welche.“ Auch wieder war. „Kommen Oma und Opa zu meinem Geburtstag?“ Noch ein heikles Thema. Heute musste mein Glückstag sein. „Ich glaube nicht.“

„Ok.“ Damit war für ihn die Sache geklärt. Für mich hingegen begannen die Gedanken, wie so oft seit Freddys Geburt, um das unmögliche Benehmen meiner Familie zu kreisen. Sie behandelten mich wie die Pest. Und meinen Sohn wie Cholera. Wenn es sich vermeiden ließ, umging ich ihre Nähe. Ich hatte auf das Theater und den Hass keine Lust. Wie oft hatte ich versucht, normal mit ihnen zu sprechen. Aber normal gab es schon lange nicht mehr in der Beziehung zu meinen Eltern und Geschwistern. Und all das nur, weil ich mich in einen Mann verliebt hatte, der nicht ihren Erwartungen entsprach. Max war ein guter Kerl und harter Arbeiter gewesen, aber arm wie eine Kirchenmaus. Meine Eltern hatten sich einmischen müssen. Sie hatten seinen Chef persönlich gekannt und diesen so lange beschwatzt, bis er Max gekündigt hatte. Bestimmt war auch Geld geflossen. Wie bei unzähligen anderen Unternehmen, bei denen sich Max daraufhin beworben hatte. Schließlich hatte er einsehen müssen, dass er in dieser Stadt nie wieder eine Anstellung finden würde. Wir hatten bereits geplant, wegzuziehen, als meine Eltern helfend eingesprungen waren. Sie hatten ihm eine Menge Geld geboten, wenn er sich nur endlich von mir trennte. Erfolgreich hatten sie ihm eingeredet, dass kein Umzug seine Probleme lösen könnte. Max hatte sich von mir getrennt, ohne nochmals zurück zu schauen. Das war das letzte, was ich erwartet hatte

Obwohl ich jetzt – mit ein wenig Abstand – zugeben musste, dass ich seine Entscheidung verstand.

Kurz darauf hatte ich festgestellt, dass ich schwanger war. Und entgegen dem Wunsch meiner Eltern und all meinen widersprüchlichen Emotionen, hatte ich nicht abgetrieben. Daraufhin war der äußerst dünne Faden, der mich noch mit meiner Familie verbunden hatte, endgültig gerissen. Ja, es nagte an mir. Denn sie hatten mich in einer Zeit, in der ich ihre Unterstützung gebraucht hätte, von sich gestoßen. Weil ich mein Leben leben wollte und nicht ihres. Und natürlich, weil ich mit Kind nicht mehr die Schwiegertochter eines anderen schwerreichen Unternehmers oder gar Adligen werden würde.

Als hätte ich das jemals gewollt!

Ich kannte die meisten Söhne dieser Männer, die meine Eltern für mich als zukünftigen Partner geplant hatten. Derart eingebildete Gockel, die glaubten, etwas Besseres zu sein, als der Rest der Menschheit, wollte ich nicht an meiner Seite wissen. Und die wenigen, die wirklich in Ordnung waren – nun… verliebt hätte ich mich trotzdem in keinen. Aber ich wollte Romantik. Tiefe, echte Liebe.

Damals zumindest.

Jetzt tendierte ich dazu, keinen Mann mehr in mein Leben lassen. Auf den Schmerz einer Trennung konnte ich sehr gut verzichten. Aber hin und wieder … nur manchmal … hätte ich gern eine Schulter zum Anlehnen gehabt. Ab und an wünschte ich mir, dass Frederick eine männliche Bezugsperson hätte. Jemand, der ihm beibrachte, wie man einen Nagel in die Wand schlug, ein Loch bohrte, an einem Auto schraubte oder – für den Anfang – eine Seifenkiste baute.

„Mama, der Wecker.“ Freddy bohrte mir lachend einen Zeigefinger in den Arm. „Jawohl, junger Mann. Die Rettung der Plätzchen vor der totalen Vernichtung wird sofort in Angriff genommen.“ Ich salutierte, was Freddy noch lauter lachen ließ. Ich liebte sein Lachen. „Wir vernichten sie aber trotzdem, oder Mama?“ Ich kitzelte ihn kurz durch. „Und ob. Uns können sie nicht entkommen!“

Die Zeit in der Küche verging rasend schnell. Wir stachen Plätzchen aus und lachten, während Freddy dabei ununterbrochen redete. Einige seiner Fragen konnte ich nur mit sehr viel Fantasie beantworten. Bis Freddy endlich im Bett lag – nach einem sehr ausgiebigen Bad, das seiner Meinung nach noch endlos hätte dauern können – fiel ich ausgepowert auf die Couch. Es war anstrengend alleinerziehende Mutter, Hausfrau und berufstätig zu sein. Auch das hatte meinen Eltern nie gepasst. Weder, dass ich eine Ausbildung gemacht, noch, dass ich mir eine Anstellung gesucht hatte. Allerdings konnten sie meinen Chef nicht bestechen. Er war ein Vampir. Ein alter Vampir. Mit altem Geld und viel Macht.

Müde massierte ich meine leicht pochenden Schläfen und kuschelte mich an die Lehne. Nur fünf Minuten die Augen schließen.

Aus den fünf Minuten wurden fast zwei Stunden. Ächzend hievte ich mich von der Couch, was mein Rücken mit einem dumpfen Schmerz kritisierte. Ich streckte mich; mein Rücken knackte. An Tagen wie diesen fühlte ich mich nicht wie 29. Mehr wie 79. Aber das Chaos in der Küche nahm keine Rücksicht auf meine Wehwehchen. Die Plätzchen waren alle ausgekühlt und in kleine Blechdosen einsortiert. Ein paar davon würden wir morgen zusammen glasieren und verzieren. Wie ich Freddy kannte, würde er Punkt sechs vor meinem Bett stehen und nörgeln, wann wir endlich weitermachten.

Schon komisch: In der Woche würde er am liebsten gar nicht aufstehen. Am Wochenende war er dafür schon in aller Herr Gotts Frühe wach.

Ich wusch die wenigen Küchenutensilien gleich per Hand, säuberte die Anrichte, die Bleche, den Ofen; kehrte und wischte den Boden. Nach einer guten Stunde glänzte meine Küche wie neu – und roch nach Advent. Obwohl ich soweit war, beinah im Stehen einzuschlafen, setzte ich mir noch einen Kaffee an. Mit der Padmaschine ging das ruck-zuck.

Während ich an dem heißen Getränk nippte, dachte ich über den Plan für das Wochenende nach. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn Freddy beizeiten munter war. Nach dem gemeinsamen Frühstück könnten wir damit beginnen, die Weihnachtssachen aufzustellen. Schon jetzt freute ich mich auf seine leuchtenden Augen, wenn ichdie Figuren aus dem Papier auspackte und er sie dann ganz vorsichtig an den dafür vorgesehen Platz stellte. Am Nachmittag könnten wir die Plätzchen verzieren. Oder am Abend. Uns hetzte schließlich niemand. Mit einem Lächeln trank ich den Kaffee leer, stellte die Tasse in die Spüle und machte mich bettfertig.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Der gestrige Samstag war ein wunderschöner Tag gewesen. Wir hatten die Wohnung geschmückt, den Weihnachtsbaum aufgestellt – einen aus Plastik, weil der mehrere Wochen stehen konnte, ohne Dreck zu machen – und die Plätzchen verziert. Nebenbei hatten wir Weihnachtsmusik gelauscht und am Nachmittag Märchen angeschaut. Heute würde es ganz bestimmt ein ebenso schöner Tag werden. Wir wollten auf den Weihnachtsmarkt gehen. Schließlich war der erste Advent. Auch wenn es sehr voll sein würde, wollte ich Frederick diesen Wunsch erfüllen.

Meine Stimmung fiel allerdings auf Kellerniveau, als es gegen halb 11 an der Tür klingelte. Mit Frederick im Schlepptau öffnete ich – und erstarrte. Roger, der Butler meiner Eltern, stand davor. Früher einmal hatte ich ihn geliebt. Jetzt … sagen wir so: In den letzten Jahren hatte er seinen Humor und seine Herzlichkeit gegen den sprichwörtlichen Stock im Arsch eingetauscht. „Guten Tag, Fräulein Delilah-Katarina.“ Ich hasste meinen Namen. Inbrünstig. „Hallo Roger. Was wollen Sie?“ Ich machte erst gar keinen Hehl daraus, dass er nicht willkommen war. „Eine Einladung Ihrer Eltern. Sie bestehen darauf, dass Sie sich diesen Tag für die Familie freihalten.“ Familie? Ein Witz. Die einzige Familie, die mir am Herzen lag, stand neben mir. „Der junge Master Frederick ist selbstredend ebenfalls eingeladen.“ Roger hielt mir einen Briefumschlag aus sehr schwerem, edlem Papier entgegen. Mit zusammen gebissenen Zähnen nahm ich ihn entgegen. „Noch was?“

„Ich wünsche Ihnen und dem jungen Master einen schönen Tag.“ Schön wäre er geblieben, wenn er nicht aufgetaucht wäre. „Gleichfalls.“, sagte ich und schloss die Tür. Den Brief hielt ich wie etwas Hochexplosives zwischen zwei Fingern. „Eine Party, Mama?“ So ähnlich. „Sieht so aus.“

„Au ja!“ Eifrig klatschte er in die Hände. „Mach auf, Mama.“ Ich wollte Fredericks Enthusiasmus nicht bremsen. Ich befürchtete jedoch, dass dies unweigerlich passieren würde. Manchmal war ich mir sicher, dass er für sein Alter in Hinsicht auf meine Eltern zu viel mitbekam. Dass er den Hass spürte und ihm lieber aus dem Weg ging. Manchmal hingegen kam es mir so vor, als hätte er noch Hoffnung. Als würden meine Eltern plötzlich einen Sinneswandel vollziehen und ihn lieben.

Ich wünschte mir das um nichts mehr auf der Welt. Doch ich kannte meine Eltern.

Leider.

„Na gut. Schauen wir mal nach.“ Am liebsten hätte ich laut geseufzt, als ich das förmliche Schreiben las. Als wäre ich eine Fremde. Aber bitte; was hatte ich erwartet? „Und? Was ist es? Wird es lustig?“ Es würde langweilig werden. Zudem fand ich diese Veranstaltungen irrsinnig. Alles nur Schein, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Die Kosten, die in solch eine Party gesteckt wurden, wären an anderen Stellen viel besser aufgehoben. Aber für die gehobene Gesellschaft musste es von allem nur das Beste geben. Der beste Wein, der teuerste Champagner, ein Häppchen Schnick, ein Häufchen Schnack. „Ich würde gern sagen ja, aber ich glaube nicht. Na komm. Wir wollten doch auf den Weihnachtsmarkt.“

„Jippieh! Kann ich die rote Jacke anziehen? Bitte?“

„Natürlich.“

„Und die roten Schuhe?“

„Darfst du.“ Freddy rannte laut kreischend in sein Zimmer. Den Brief hatte er längst vergessen.

Ich aber nicht. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung! Wie sehr ich diese geheuchelte Freigiebigkeit hasste! Jeder, der Geld hatte, konnte auch ohne großes Trara spenden. Eine Überweisung oder ein Scheck taten es schließlich auch.Ach ja: Frederick war ebenfalls eingeladen. Was für ein Hohn! Der Event begann 20 Uhr. Früher war es den Herrschaften wohl nicht zuzumuten? Auf keinen Fall würde ich dort auftauchen. Mir war schon klar, warum ich anwesend sein sollte. Wegen der Publicity. Um einen auf große, glückliche Familie machen. Ohne mich. Das war so sicher, wie die gegen Abend zunehmende Dunkelheit!

Eine Stunde später schlenderten wir gemütlich über den Weihnachtsmarkt. Noch hielt sich der Besucherandrang in Grenzen. Konnte daran liegen, dass es erst Mittag war. Oder daran, dass es recht kalt und windig war. Bloß gut, dass Frederick und ich warm eingepackt waren. Es war eine Weile her, seit der Dezember wirklich kalt gewesen war. Jetzt fehlte noch ein bisschen Schnee. Wann hatte es das letzte Mal richtig geschneit? Also mit Schneeflocken, die länger als eine halbe Stunde gefallen und liegen geblieben waren? Vor sechs Jahren? Sieben? Ich erinnerte mich nicht genau. Frederick hatte bisher keine echte weiße Winterlandschaft gesehen. Geschweige denn einen Schneemann gebaut.

„Guck mal, Mama. Ich will sowas.“

„Du möchtest Zuckerwatte. Aber erst später. Du hast eben erst eine Bratwurst gegessen.“ Freddy zog eine Schnute. „Eine halbe.“ Ich nickte. „Genau, eine halbe. Weil du satt warst.“

„Für Zuckerwatte ist noch Platz. Wirklich, Mama. Die schaff ich.“ Schon möglich, dass er sie schaffte. Vermutlich würde ihm hinterher jedoch schlecht sein.

Von jetzt auf gleich war die Frage nach der Zuckerwatte beendet.

Frederick hatte ein Mädchen aus dem Kindergarten entdeckt. „Guck mal, Mama. Da ist Melli.“ Ich mochte es nicht, wenn er auf dem Weihnachtsmarkt meine Hand los ließ. Aber es war kein allzu großer Trubel. So schnell ihn seine kleinen Beine trugen, raste er zu einem süßen, kleinen Mädchen und begrüßte sie mit einer vorsichtigen Umarmung. Die Kleine schien sich sehr zu freuen, ihn zu sehen. Notgedrungen musste ich mich fügen und folgte Frederick, der bereits in eine kichernde Unterhaltung mit der kleinen Mausgefallen war. Ich grüßte den Vater des Mädchens mit einem Kopfnicken. Bisher war er mir im Kindergarten nie aufgefallen. Vermutlich, weil seine Frau die Kleine abholte. Denn ehrlich? Dieses Bild von einem Mann hätte ich nie und nimmer übersehen können. Groß, nahezu riesig. Schlank, aber genügend muskulös. Kurze dunkle Haare. Und wow! Eine irische Wiese konnte unmöglich grüner sein als seine Augen. Er musste eine sehr, sehr glückliche Ehefrau haben, die gern mit ihm angab.

War er mit seiner Tochter allein hier?

Kriselte es in seiner Ehe?

Au man! Wo kamen nur diese hinterhältigen Gedanken her? Sicher war seine Frau nur mal eben für große Mädchen. „Unsere Kids scheinen sich gut zu verstehen.“, sagte er in diesem Moment mit einer tiefen Stimme, die bis in meine Fußsohlen prickelte. „Sieht ganz so aus, ja.“

„Papa? Wir wollen Karussell fahren. Jetzt.“ Der Mann ging vor dem Mädchen in die Hocke und richtete ihre Mütze. „Wie heißt das Zauberwort, Melina?“

„Bitte.“ Er nickte. „Karussell fahren also?“

„Ja. Bitte. Mit Frederick.“ Er richtete, immer noch in der Hocke, seinen Blick an mich. Seine grünen Augen durchfuhren mich ebenso wirkungsvoll wie seine Stimme. „Haben Sie was dagegen?“ Ich? Überhaupt nicht. „Nein.“