Hühnerställe bauen - Wilhelm Bauer - E-Book

Hühnerställe bauen E-Book

Wilhelm Bauer

4,5
14,99 €

Beschreibung

Wir bauen selbst! - Leicht nachzubauen: bildschöne Musterställe - Ausführliche Bauanleitungen und Materialhinweise - Praxisbeispiele: vom Kleinststall bis zur Zuchtanlage Einen Stall für die Hühner zu bauen, muss nicht schwierig sein. Wichtig ist nur, dass die Bedingungen im Stall für die Tiere optimal gestaltet werden. Was Sie dazu über Stalltypen, Baustoffe, Bauablauf, Dachkonstruktionen, technische Installationen, Inneneinteilung, Einrichtung, Wirtschaftsraum, Ausläufe und Volieren wissen sollten, zeigt Ihnen dieses Buch im Detail. Zehn Beispiele aus der Praxis, vom Kleinststall bis zur Zuchtanlage, mit maßstabsgetreuen Zeichnungen liefern Ihnen jede Menge Ideen und Anregungen zu Planung und Bau Ihres eigenen Hühnerstalles.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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MOBI

Seitenzahl: 171

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Wilhelm Bauer

Hühnerställe bauen

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Haupttitel

Ein Wort zuvor

Auch Hühner brauchen ein Dach über dem Kopf

Spezial:Aufbaumen – ab auf die Bäume

Ein Blick zurück

Huhn ist nicht gleich Huhn

Spezial:Verständigung muss sein!

Die richtige Stallgröße

Nutzung eines bestehenden Gebäudes

Fertigstall

Vom Schreiner gebaut

Kleinststall

Beweglicher Stall

Offenfrontstall

Stallklima

Den Stall selbst bauen

Standort

Fundament

Bodenplatte

Verschiedene Wandkonstruktionen

Dämmung

Schallschutz

Fenster

Türen

Ausschlupf

Ausstiege und Windfang

Stallboden

Lüftung

Anstriche

Dachkonstruktionen

Pultdach

Satteldach

Dacheindeckung

Dachrinne

Installationen

Elektrotechnik

Wassertechnik

Inneneinteilung und Einrichtung

Abtrennungen

Stalleinrichtung

Spezial:Staubbad – die Wellnessoase

Fütterungs- und Tränkenzubehör

Wirtschaftsraum

Einrichtung

Besondere Stallformen

Kükenheime

Brutraum

Spezial:Naturbrut gegen Kunstbrut

Die Kinderstube – das Gluckenheim

Hahnenbox

Ausläufe

Stallumfeld

Zäune und Netze

Gestaltung und Strukturierung des Auslaufs

Spezial:Holunder – der Hühnerstrauch

Volieren

Kaltscharrraum

Was Sie sonst noch wissen sollten

Baurechtliche Voraussetzungen für den Stallbau

Rahmenbedingungen zur Vogelgrippe-Schutzverordnung

Mistaufbereitung

Schädlingsbekämpfung

Musterställe

Service

Zum Weiterlesen

Nützliche Adressen

Impressum

Ein Wort zuvor

Die Hühnerhaltung erlebt derzeit eine gewisse Renaissance. Es ist wieder „in“, sich mit Hühnern zu beschäftigen. Die vielen Lebensmittelskandale tragen dazu mit Sicherheit ihren Teil bei, eine nahezu längst vergessene Liebhaberei wieder neu zu beleben. Aber neben der Eigenproduktion von Eiern und Fleisch hat die Hühnerhaltung längst den Weg hin zur Freizeitbeschäftigung geschafft.

Die natürliche Haltung der eigenen Hühner steht dabei oft im Vordergrund. Ein art- und rassegerechter Hühnerstall ist dafür unverzichtbar. Eine Lösung „von der Stange“ ist in den seltensten Fällen möglich. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, die jeder Einzelne hat. Entweder man will ein bereits vorhandenes Gebäude, zum Beispiel eine Gartenhütte umnutzen, oder man wagt sich an den Neubau. Die angestrebte Zahl der Hühner ist hier ganz entscheidend, um die richtige Lösung zu finden.

Das vorliegende Buch soll alle ansprechen, die den Wunsch nach eigenen Hühnern verwirklichen möchten, und zwar von der absoluten Kleinsthaltung bis hin zum ambitionierten Rassegeflügelzüchter.

Viele Reisen und Besuche bei Hühnerhaltern und -züchtern haben manche Anregung gebracht und zeigen, wie unterschiedlich artgerechte Hühnerhaltung sein kann. In diesem Buch finden sowohl der Neueinsteiger in die Hühnerhaltung, der auf der Suche nach dem „idealen Stall“ ist, als auch der erfahrene Züchter jede Menge Ratschläge und Tipps für den Stallbau. Suchen Sie sich das heraus, das auf Sie zutrifft, und passen es an die eigenen Verhältnisse an.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich beim Verlag Eugen Ulmer für die 2. Auflage dieses Buches, das deutlich an Umfang zugenommen hat, und natürlich bei meiner Lektorin, Dr. Eva-Maria Götz, die mich wieder einmal großartig unterstützt hat. In diesen Dank möchte ich auch meine Familie, meine Frau Yvonne sowie meine Töchter Anna und Klara einbinden. Sie zeigen immer sehr großes Verständnis, wenn der Ehemann und Vater wieder auf Reisen ist, um Neues für den Hühnerstallbau zu entdecken und zu erforschen.

Wilhelm Bauer

Beeren werden von Hühnern sehr gerne aufgenommen.

Auch Hühner brauchen ein Dach über dem Kopf

Die Vorfahren unserer Hühner, die wilden Bankivahühner, sind ursprünglich im Dschungel zu Hause. Sie leben in Familienverbänden, suchen ihr Futter und brüten auf dem Boden. Der dichte Bewuchs schützt sie vor Feinden und Regen oder Sonne. Zum Schlafen begeben sie sich allerdings vom Boden weg auf Äste oder Zweige, sie baumen auf. Den Hühnern in unseren Gärten ist es egal, in welchem Stall sie leben, sofern die Grundvoraussetzungen zu ihrem Wohlbefinden erfüllt sind, wie Deckung, Schutz, Sitzstangen und ein Boden zum Scharren.

Der Hühnerstall soll funktional sein, er soll sich nach Möglichkeit aber auch ideal in das Gartenkonzept einbinden lassen und keinesfalls wie ein Fremdkörper wirken. Wenn beim Bau eines Hühnerstalles auf einige Dinge geachtet wird, brauchen sich Funktionalität und Ästhetik dabei keinesfalls ausschließen. Deshalb finden Sie in diesem Buch sehr unterschiedliche Stallvarianten, die ganz verschiedenen Ansprüchen an die Hühnerhaltung gerecht werden sollen. Es werden Beispielställe von der Kleinsthaltung bis hin zu einem Stall für den ambitionierten Rassegeflügelzüchter vorgestellt, denn die Geflügelhaltung und vor allem die Geflügelzucht finden oft in Gemeinschaftszuchtanlagen der örtlichen Geflügel- oder Kleintierzuchtvereine statt.

Dabei ist es durchaus möglich, manchmal sogar wünschenswert, sich aus den verschiedensten Beispielen das für den eigenen Fall Ideale und Passende auszusuchen und entsprechend abzuändern oder zu kombinieren. Gerade die Individualität eines Stalles kann der Freizeitbeschäftigung „Hühnerhaltung“ das gewisse Etwas geben und viel Freude bereiten.

Spezial:Aufbaumen – ab auf die Bäume

Obwohl unsere Haushühner zum Teil gravierend anders aussehen als ihre wilden Ahnen, die Bankivahühner, sind sie ihnen im Verhalten doch noch sehr ähnlich.

Besonders deutlich wird dies beim Aufbaumen. Die Bankiva gehen nämlich abends ihren Fressfeinden auf dem Boden aus dem Weg und ziehen sich zur Nachtruhe auf einen Schlafbaum zurück. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sie gut fliegen können. Je nach Rangstellung in der Hühnerhierarchie wird dabei die Schlafstelle gewählt: je höher der Rang, desto höher ist der Schlafplatz.

Während in der freien Natur genügend Platz vorhanden ist und eventuelle Rangeleien ausgetragen werden können, sieht das im Stall natürlich anders aus. Aus diesem Grund sollten Sie hier die Sitzgelegenheiten auf einer Höhe anbringen. Dies verhindert unnötige Rangeleien und Unruhe im Bestand.

Tagsüber nutzen Hühner gerne Sträucher zum Aufbaumen. In der Nacht sollten Sie dies nicht dulden, um Verluste durch Fuchs und Co. zu vermeiden.

Vor allem recht agile und flugfähige Hühner nutzen auch heute noch gerne jede Chance, um abends aufzubaumen. Ein alter Obstbaum im Auslauf ist dazu ideal. Eigentlich ist dagegen nichts einzuwenden. Fliegen aber die Hühner am nächsten Morgen etwas zu früh herunter, können sie leichte Beute von Marder, Fuchs und Co. werden. Um sie zu schützen, ist es also besser, sie abends in den Stall zu locken. Mit einer kleinen Körnergabe ist dies einfach möglich.

Selbst am Tag gehen Hühner immer wieder einmal auf die Sitzstangen.

Funktionalität vor Ästhetik gilt eigentlich fast ausschließlich im Stall. Deshalb verwendet man hier auch gehobelte Dachlatten mit gleicher Dicke als Sitzstangen. Diese sind einfach zu reinigen und desinfizieren. Im Auslauf braucht man darauf keine Rücksicht zu nehmen. Das heißt, dass hier Äste in verschiedener Dicke und auf verschiedenen Höhen angebracht werden können. Gerne nehmen die Hühner diese Möglichkeiten zum Aufbaumen war, und zwar nicht nur am Abend, sondern auch am Tag. Hier haben sie die Chance, einer eventuellen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Am sinnvollsten ist es natürlich, wenn bereits vorhandene Bäume und Sträucher genutzt werden können.

Tipp vom Profi

Ich habe in mehreren Ausläufen Johannisbeersträucher, die meine Hühner geradezu lieben. Selbstverständlich muss ich bei den reifen Beeren Abstriche im Ertrag hinnehmen, denn was die Hühner in Hüpfhöhe erreichen, wird natürlich geerntet.

Ein Blick zurück

Unzählige Funde aus historischen Zeiten beweisen, dass Hühner uns Menschen schon seit Urzeiten begleiten. Sie lebten im engsten Umfeld ihrer Besitzer, denn Wohnraum und Stall waren damals, wenn man von solchen Bezeichnungen überhaupt sprechen kann, eine Einheit. Auch später wurden die Hühner meistens in den Rinder- und Schweineställen gehalten, ohne dass ihnen dabei eine besondere Stelle, von einer artgerechten Einrichtung ganz zu schweigen, zugeteilt wurde.

Die ersten Hühnerställe waren demnach sehr primitive Unterkünfte, die dem Tier „Huhn“ kaum gerecht wurden. Erst als die Bedeutung des Huhnes und seines Produktes, das Ei, mehr in den Vordergrund gerückt wurde, machte man sich Gedanken darüber, wie man die Leistung der Tiere steigern konnte. Dass dazu ein körperliches Wohlbefinden und Gesundheit an oberster Stelle stehen sollte, ist auch heute noch nachzuvollziehen. Will man dies erreichen, muss für die Hühner ein Stall zur Verfügung stehen, der durch artgerechte Bedingungen das Wohlbefinden der Hühner fördert.

Ländliche Idylle, wie man sie heute kaum mehr finden kann.

Wertvolle Ratgeber für die richtige Hühnerhaltung waren dann auch die aufkommenden Geflügelzuchtvereine Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Durch Importe kamen damals auch neue Hühnerrassen nach Deutschland, die sich vor allem durch große Robustheit und für damalige Zeiten sehr gute Eierleistung auszeichneten.

In Notzeiten war die Hühnerhaltung gefragt und so hielt nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg fast jeder, der nur einen kleinen Platz zur Verfügung hatte, ein paar Hühner. Bekannte Rassen zu dieser Zeit waren Weiße Leghorn und rebhuhnfarbige Italiener, die geradezu zum Synonym für Hühner schlechthin wurden.

Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Aufkommen von Lege- beziehungsweise Masthybriden konnte die Landwirtschaft zum ersten Mal so viele Eier und Hühnerfleisch produzieren, wie von der Bevölkerung nachgefragt wurde. Die eigene Hühnerhaltung verlor an Attraktivität und brach im Grunde innerhalb weniger Jahre zusammen. Es war „in“, würde man heute vielleicht sagen, Geflügelprodukte anonym aus dem Supermarkt zu beziehen. Dieses Verhalten wurde dabei größtenteils ohne Rücksicht auf das Tier „Huhn“ gefördert. Ja, es wurde sogar propagiert, dass sich die Hühner in den engen Käfigen, in denen dem einzelnen Tier nicht einmal ein Platz von der Größe eines DIN-A4-Blattes zustand, wohlfühlen würden. Wenngleich wir die Hühner nicht fragen können, so kann man sich doch vorstellen, dass zu einem „tier“würdigen Leben mit Sicherheit mehr gehört als Fressen und Eierlegen.

Gut zu wissen

Ein großer Vorteil für die Produktivität war, dass es gelang, den Bruttrieb bei mehreren Hühnerrassen wegzuzüchten. So legten die Hühner erstmals wirklich höhere Stückzahlen an Eiern, weil sie nicht nach kurzer Zeit mit dem Legen wieder aufhörten, um sich dem Brutgeschäft zu widmen.

Erst mit dem Aufkommen der Bio-Landwirtschaft und der Entstehung der entsprechenden Fachverbände stellte sich ein langsamer Umdenkungsprozess ein, der mit der Zeit auch von politischer Seite unterstützt wurde. Mit dem Verbot der Hennenhaltung in sogenannten Legebatterien und mehr Wissen zu den natürlichen Verhaltensweisen der Hühner traten alternative Haltungssysteme immer mehr in den Vordergrund, bei denen das Huhn wieder Huhn sein darf.

Frei von Tendenzen, weil von wirtschaftlichen Aspekten unabhängig, hat eine naturnahe Hühnerhaltung im kleinen Rahmen alle Unbilden der Zeit überdauert. Neben einer geringen Anzahl reiner Privathalter, die Hühner schon immer gehalten hatten, sammelte sich in den Geflügelzuchtvereinen eine große Personenzahl, die man im Hinblick auf eine artgerechte Hühnerhaltung ruhig als ernst zu nehmende Fachleute ansehen darf. Sie haben die Vorteile der privaten Hühnerhaltung schon lange erkannt. Denn neben dem Ei aus Freilandhaltung, das im Geschmack wohl unübertrefflich ist, waren sie sich schon sehr früh darüber bewusst, dass neben den Produkten auch der Freizeitwert der Hühnerhaltung nicht zu unterschätzen ist. In einer Zeit, in der beruflicher Stress und Hektik überall um sich greifen, entwickelte sich die Beschäftigung mit Tieren aller Art zu einer Betätigung in der freien Zeit mit wachsender Anerkennung in der Gesellschaft.

So finden immer mehr Menschen, die Entspannung und Erholung suchen, auch den Weg zu Hühnern. Denn diese, vielleicht auf den ersten Blick untypischen Heimtiere, haben sich längst einen sicheren Platz unter den Haustieren erobert.

Lebensmittelskandale und zunehmende Verstädterung tun ein Übriges dazu, dass sich immer mehr Menschen mit Hühnern ein Stück Landleben und Natur nach Hause holen.

Huhn ist nicht gleich Huhn

Menschen, die der Rassegeflügelzucht fern stehen, kennen vielleicht weiße, braune und schwarze Hühner, zumeist Legehybriden – Zwerghühner sind den wenigsten bekannt. Dabei gibt es kaum eine Tierart, die in ihrem Erscheinungsbild so unterschiedlich sein kann, wie eben die Hühner und deren Zwergformen.

Die einzelnen Rassen gibt es meistens in mehreren Gefiederfarben und -zeichnungen, sodass für wirklich jeden Geschmack etwas dabei ist. Doch nicht nur im Erscheinungsbild unterscheiden sich die Rassen, dies ist nur das augenfälligste Merkmal. Sie unterscheiden sich zum Teil grundlegend im Temperament, der Legeleistung und in ihrem Sozialverhalten.

Gut zu wissen

Im Deutschen Rassegeflügelstandard sind 101 Rassen großer Hühner und 92 Zwerghuhnrassen anerkannt und ausführlich beschrieben.

Zugegeben, die Legeleistung der speziell darauf gezüchteten Hybriden ist schlicht und ergreifend spitze und vom züchterischen Standpunkt her hoch anzuerkennen. Doch die Individualität einer Rasse blieb dabei leider auf der Strecke. Gerade diese macht aber den Reiz von Hühnern und Zwerghühnern aus.

Je nach Ihren Anforderungen und Wünschen können Sie sich eine passende Rasse auswählen. Dass bei besonders extravaganten Hühnerrassen auch der Stall besonderen Anforderungen gerecht werden muss, weil sie für ein rassegerechtes Leben der Tiere unverzichtbar sind, versteht sich von selbst. Auch wenn für die meisten Vertreter der Gattung Huhn ziemlich ähnliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, ist es doch auch immer sinnvoll, sich mit erfahrenen Haltern einer bestimmten Rasse zu unterhalten, um Informationen und Tipps aus erster Hand zu erhalten.

Wer Schutz sucht, ist mit der Platzwahl nicht besonders anspruchsvoll, wie diese kleine Familie demonstriert.

Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen dafür, dass sich Hühner und Zwerghühner wohlfühlen, nicht besonders schwer zu erfüllen. Man sollte aber einige biologische Merkmale und Verhaltensweisen kennen, um manches verstehen und bei Stallbau und Auslaufgestaltung berücksichtigen zu können:

Hühner besitzen ein sehr großes Gesichtsfeld und demnach einen sehr großen Sehwinkel.Ihre Tiefenwahrnehmung ist nicht besonders ausgeprägt, dennoch können sie kleine bewegliche Objekte wie Würmer und Käfer sehr gezielt aufnehmen. Eine Ohrmuschel ist bei Hühnern wie bei allen Vögeln nicht ausgebildet. Davon unabhängig ist ihr Hörsinn sehr gut ausgeprägt. Da Hühner in Gemeinschaft leben, ist es ein Bestandteil ihres Verhaltens, selbst leiseste Töne wahrnehmen und einem bestimmten Individuum zuordnen zu können. Am markantesten deutlich wird dies beim Zwiegespräch zwischen Glucke und frisch geschlüpften Küken.Die übliche Körpertemperatur der Hühner liegt zwischen 40 und 43 °Celsius. Durch das Aufplustern des Gefieders und in einem geringen Umfang auch durch Hecheln sorgen sie dafür, dass es zu keiner gesundheitsbedrohlichen Absenkung oder Erhöhung ihrer Körpertemperatur kommt. Das bedeutet, dass Hühner recht gut mit den üblichen Temperaturschwankungen zurechtkommen. In einem entsprechend isolierten Stall bewegen sich die Temperaturen meistens in einem Rahmen, in dem die Hühner ihre körpereigenen „Notprogramme“ kaum benötigen, was weniger Stress bedeutet und sich positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkt.

Spezial:Verständigung muss sein!

Hühner laufen laut gackernd und wie von Sinnen mit weit aufgerissenen Augen und Schnäbeln auseinander – dieses Bild aus Comics kennt wohl jeder.

Wer allerdings daraus schließt, dass dies die einzigen Laute sind, die Hühner von sich geben, wird erstaunt feststellen, wie facettenreich die Verständigung zwischen Hühnern abläuft. Von leisesten Tönen, die wir kaum wahrnehmen, bis hin zum bereits beschriebenen Panikgackern.

Wer einmal erlebt hat, wie zart und sanft die Glucke mit ihren Küken spricht, kann sich kaum vorstellen, dass es eben jene „Mama“ ist, die sich nur wenige Minuten später einen lautstarken Disput mit einer Kollegin liefert. Dieses außergewöhnliche Hörvermögen bedeutet für den Halter aber auch, dass er mit seinen Tieren immer wieder sprechen sollte. Natürlich nicht laut und hektisch, sondern ruhig. Plötzliche, laute Geräusche sollte man vermeiden. Passieren sie dennoch, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Tiere panisch auseinanderrennen.

Wenn Sie sich mit Ihren Hühnern intensiv beschäftigen, werden sie schnell handzahm, dabei sind Leckerbissen ungemein förderlich ...

Was bedeutet diese Fähigkeit aber für den Stallbau und die Umgebung? Je vielfältiger die Lebensumwelt der Hühner gestaltet ist, desto vielfältiger erlebt man die Kommunikation der Tiere untereinander. Mit etwas Übung lernen Sie schnell, wie Ihre Hühner sich fühlen. Gehen Sie zum Stall, so ertönt ein vielstimmiges Gegacker in den vielfältigsten Tonlagen, gerade so, als wollten die Hennen Sie begrüßen. Entsprechend werden die Hühner erschrecken, wenn jemand unvermittelt vor ihnen steht – auch wenn es der sonst bekannte Herr im Hause ist.

Egal, wie groß die Hühnerfamilie ist, es wird den ganzen Tag miteinander „gesprochen“.

Jetzt können Sie sich also vorstellen, was es für Hühner bedeutet, in einem tristen Umfeld leben zu müssen. Büsche, Sträucher und Bäume, aber auch jegliche sonstige Strukturierung des Auslaufes schaffen zusätzliche Anreize. Die Hühner hören etwas, vielleicht auch den Artgenossen hinter dem Strauch, und schauen nach, was dort ist. Dies sollten Sie sich immer vor Augen halten, wenn es darum geht, einen Hühnergarten anzulegen.

Gut zu wissen

Hühner stehen – was die Hörfähigkeit angeht – dem Hund ziemlich nahe. Man weiß heute, dass die Hühnersprache rund 30 verschiedene Laute umfasst und zum Teil völlig unterschiedlich verläuft.

Die richtige Stallgröße

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Hühnerstall zu bauen, sucht nach bestimmten festen Größen und Erfahrungswerten, um keine Fehler zu machen oder sie von vornherein auszuschließen.

Die Frage der richtigen Größe eines Stalles ist dabei von besonderer Bedeutung. Dabei müsste sie eigentlich lauten: Wie viel Tiere kann oder will ich halten? Die Antwort darauf kann ganz verschieden ausfallen, je nachdem, ob ein bestehendes Gebäude genutzt werden oder ganz neu gebaut werden soll. Außerdem unterscheiden sich die Hühner der verschiedenen Rassen zum Teil in Größe, Gewicht und Temperament so gravierend, dass eine Pauschalisierung hinsichtlich der Stallgröße unmöglich ist.

Legt man eine reine Stallhaltung zugrunde, kommen Brahma mit einem Körpergewicht von fast fünf Kilogramm und ihrem ruhigen Wesen mit relativ wenig Platz aus, flüchtigere, leichte Rassen benötigen etwas mehr.

Da für den Hobby-Hühnerhalter eine reine Stallhaltung, von wenigen, zeitlich begrenzten Ausnahmen abgesehen, nicht in Frage kommt, sind solche Überlegungen eher theoretisch und zweitrangig. Die Erfahrungen bei Züchtern können für die eigene Hühnerhaltung eine wichtige Entscheidungshilfe sein.

Berechnung der Stallfläche

Der Flächenberechnung legt man die Anzahl der Tiere pro Quadratmeter zugrunde:

Bei den wirklich großen Hühnerrassen Brahma, Cochin, Jersey Giants usw. sind dies ungefähr drei, bei mittelschweren Rassen wie New Hampshire, Australorps etwa vier, für die leichteren Rassen wie Ostfriesische Möwen oder Hamburger kann man ebenfalls bis zu vier Tiere pro Quadratmeter rechnen, ohne einen Überbesatz befürchten zu müssen.

Verteilen sich die Küken so gleichmäßig, fühlen sie sich rundum wohl.

Gut zu wissen

Besonders wer mit dem Gedanken spielt, ausgesprochene Zierhühner wie verschiedene Langschwanzhühnerrassen und deren Zwerge zu halten, tut gut daran, sich mit Züchtern zu unterhalten, um die speziellen Erfahrungen mit diesen Hühnern kennenzulernen und entsprechend verfahren zu können.

Bei Zwerghühnern, die sich in sogenannte Urzwerge und verzwergte Großrassen aufteilen, kann die Tierzahl pro Quadratmeter großzügiger bemessen werden.

Die wirklichen Winzlinge unter den Zwerghühnern, Bantam, Sebright usw., können durchaus so gehalten werden, dass sich acht Tiere auf einem Quadratmeter sehr wohlfühlen und ihr rassetypisches Verhalten zeigen können.

Bei den meisten verzwergten Rassen wie Zwerg-Wyandotten, Zwerg-Welsumer usw. rechnet man durchschnittlich fünf Tiere.

Diese Zahlen sollen als Anhaltspunkte verstanden werden, die ein zusätzliches Platzangebot im Hühnerauslauf, auch „Hühnergarten“ genannt, mit berücksichtigen.

Nutzung eines bestehenden Gebäudes

Hühner stellen an ihre Unterbringung keine besonders hohen Anforderungen, sodass oft mit sehr wenig finanziellem und handwerklichem Aufwand ein Gebäude wie ein Gartenhaus, ehemaliger Hundezwinger oder auch nur eine größere Hundehütte zum geeigneten Heim für ein paar Hühner oder Zwerghühner werden kann.

Auf älteren Grundstücken findet man nicht selten noch einen ursprünglichen Hühnerstall, seit Jahrzehnten nicht mehr als solcher benutzt, der lediglich wieder belebt werden muss.

Bei all diesen Beispielen sind meistens die Außenwände unveränderbar, die optimalen Rahmenbedingungen wie bei einem Neubau hat man nicht. Aber beim Innenausbau kann man seiner Phantasie und seinen Möglichkeiten freien Lauf lassen. Trotz dieser Beschränkungen können sich die Hühner und Zwerghühner sehr wohl fühlen, denn man braucht keinesfalls eine „Hühnervilla“, um den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden.

Eher hat man den Eindruck, dass eine gewisse Natürlichkeit den Tieren sehr entgegenkommt und sich positiv von der möglichen Sterilität eines Neubaus abhebt.

Fertigstall

Gab es vor Jahrzehnten nur ein bis zwei Firmen, die Fertigställe angeboten haben, so hat sich dies inzwischen gravierend geändert. Vor allem in Heimwerkermärkten und im Gartenfachhandel werden verschiedenste Ställe angeboten, die einen einfachen Einstieg in die Hühnerhaltung bieten. Sie sind in der Regel aus Holz und stellen eine Komplettlösung, also inklusive vorgebauter Voliere, dar.

Vor dem Kauf sollte man dabei allerdings auf die Qualität des verwendeten Holzes genau achten. Oft sind die Materialien qualitativ so dürftig, dass eine längere Lebensdauer kaum gewährleistet ist. Aufgrund des sehr günstigen Preises dieser Ställe ist auch die Dicke des verwendeten Holzes kaum befriedigend.

Da man die Hühnerhaltung aber keinesfalls als eine kurze Laune betrachten sollte, muss man der Dauerhaftigkeit des Stalles schon besondere Aufmerksamkeit widmen. Ein weiterer Grund, von einem Fertigstall Abstand zu nehmen, kann die vorgegebene Größe sein, wenn sie nicht zu den örtlichen Gegebenheiten passt, weil der Stall entweder zu groß oder zu klein ist.

So sind Fertigställe für die meisten Halter auf Dauer kaum eine befriedigende Lösung, weil das Ziel, einen Stall zu haben, der den eigenen Ansprüchen und natürlich denen seiner Bewohner in idealer Weise entspricht, nicht erfüllt wird.

Wollen Sie sich dennoch für einen Fertigstall entscheiden, sollten Sie sich umsehen. Dabei ist es nicht immer einfach, an entsprechende Adressen zu gelangen, denn ein Hühnerstall ist kein Allerweltsprodukt. Wertvolle Hilfe sind landwirtschaftliche Wochenblätter und die Fachzeitschriften der Rassegeflügelzüchter. Überhaupt ist die Verbindung zum örtlichen Kleintier- oder Geflügelzuchtverein anzuraten. Hier bekommen Sie mit Sicherheit Tipps und Hinweise aus der Praxis.

Auch eine Gartenhütte kann zum Hühnerstall umgebaut werden.

Grundfläche gesamt: 4,00 m2

Stallfläche: 3,00 m2

Besonderheiten: Die ehemalige Terrasse des Kinderhauses wurde zum Kaltscharrraum umfunktioniert. Damit können die Hühner an regnerischen Tagen ins Freie, ohne die Grasnarbe im Auslauf zu stark zu strapazieren.