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Hummelsbüttel gehört seit 1937 zu Hamburg. Heute leben 17.000 Menschen in Hummelsbüttel - sie nennen sich Hummelsbüttler und fühlen sich wohl im Alstertal. Seit den 1950er Jahren erlebte Hummelsbüttel eine völlige Veränderung seiner bislang dörflichen Struktur, besonders durch den Bau von Großsiedlungen Tegelsbarg und Lentersweg in den 1970er Jahren. Seit dem Bau der Hochhäuser im ehemalige Ortskern, der nun Hummelsbütteler Markt heißt, obwohl es in Hummelsbüttel nie einen Markt gegeben hat. Aber was wissen sie von dem ehemaligen Dorf am Rande der Großstadt, das in einem Bildband zu Recht "Liebes altes Hummelsbüttel" genannt wird? Es ist erfreulich, dass viele alte Lichtbilder gesammelt und veröffentlicht wurden. Aber was erfahren wir über Leben und Wirken in den Fachwerkhäusern? Wie lebten die Menschen unter dem Strohdach, wieviel Räume standen ihnen zur Verfügung? Wir finden keine Pläne mit Raumaufteilung, keine maßstabsgerechten Konstruktions- und Ansichtspläne, keinen Hinweis auf die Wohnkultur in den Bauernhäusern oder auf die Bewirtschaftung der Höfe. Tagelöhner, Arbeiter und Handwerker, die es in größerer Zahl gab, werden nicht erwähnt, wir erfahren nicht, wie bescheiden diese mit ihrem Vieh unter einem Dach lebten. All dies zeigt sich erst, wenn wir uns eingehender damit beschäftigen. Mit dem vorliegenden Band soll versucht werden, diese Lücken zu schließen. Um unser Wissen über das alte Hummelsbüttel zu erweitern, wurden viele ältere Bürger nach ihren Erinnerungen befragt und Aufmaßzeichnungen der noch vorhandenen Fachwerkhäuser gefertigt. Weiter wurde in Archiven geforscht, in alten Zeitungen geblättert und versucht, neue Erkenntnisse zu sammeln. Der Zeitraum, auf den sich die gewonnenen Ergebnisse beziehen, reicht etwa vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis Anfang des Zweiten Weltkrieges. Erläuterungen zu den Haustypen sind allgemeinverständlich gehalten, auf wissenschaftliche Bezeichnungen der Konstruktionsmerkmale wurde weitgehend verzichtet. Aus Tonbandaufnahmen sind Alltagsgeschichten und persönliche Erinnerungen alter Bewohner hinzugefügt. Diese Erinnerungen alter Menschen vermitteln Geschichte aus erster Hand.
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Seitenzahl: 241
Veröffentlichungsjahr: 2018
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EINLEITUNG
AUS DER GESCHICHTE HUMMELSBÜTTELS
Name und Gründung des Dorfes
Hummelsbüttel - Schleswig-Holsteinisches Dorf 1867-1938
Hummelsbüttel um die Jahrhundertwende
DÖRFLICHE ARCHITEKTUR
Die Hauslandschaften in Schleswig-Holstein
Das niederdeutsche Fachhallenhaus
FACHWERK- UND REETDACHHÄUSER IN HUMMELBÜTTEL 1900 BIS 1938
EIN RUNDGANG DURCH DAS ALTE HUMMELSBÜTTEL
Gnadenbergweg und Hummelsbütteler Hauptstraße
Vom Kirchenredder zu den „Pütten"
Der Hummelsbütteler Weg
Der Grützmühlenweg
Die Glashütter Landstraße
Rehagen und Poppenbütteler Weg
Müssenhöfe und Heublink
Nachwort
ANHANG
Erklärungen zum niederdeutschen Hallenhaus
Alte Straßennamen und ihre Umbenennung
Straßennamen benannt nach Hummelsbütteler Bürgern und Hofbesitzern
Verzeichnis der verwendeten und weiterführenden Literatur
Bildnachweis:
PERSONENREGISTER
ZEICHNUNGSREGISTER
Beruflicher Werdegang des Autors Heinrich Steinfath
Aus dem Archiv Heinrich Steinfath
Die Christophorus-Kirche in Hummelsbüttel
Zeichnung 1 Veränderung des Straßennetzes
Seit dreißig oder vierzig Jahren leben viele Neubürger in Hummelsbüttel - sie nennen sich „alte" Hummelsbüttler. Aber was wissen sie von dem ehemaligen Dorf am Rande der Großstadt, das in einem Bildband zu Recht „Liebes altes Hummelsbüttel" genannt wird?
Blättern wir in den Büchern der letzten Jahre, die das Alstertal zum Inhalt haben, dann finden wir sehr wenig von dem, woran wir uns gerne erinnern. Wir, das sind die Jahrgänge ab der Jahrhundertwende, heute siebzig bis achtzig Jahre alt, vereinzelt sogar älter. Es ist erfreulich, dass viele alte Lichtbilder gesammelt und veröffentlicht wurden. Aber was erfahren wir über Leben und Wirken in den Fachwerkhäusern? Wie lebten die Menschen unter dem Strohdach, wieviel Räume standen ihnen zur Verfügung? Wir finden keine Pläne mit Raumaufteilung, keine maßstabsgerechten Konstruktions- und Ansichtspläne, keinen Hinweis auf die Wohnkultur in den
Bauernhäusern oder auf die Bewirtschaftung der Höfe. Tagelöhner, Arbeiter und Handwerker, die es in größerer Zahl gab, werden nicht erwähnt, wir erfahren nicht, wie bescheiden diese mit ihrem Vieh unter einem Dach lebten.
All dies zeigt sich erst, wenn wir uns eingehender damit beschäftigen. Mit dem vorliegenden Band soll versucht werden, diese Lücken zu schließen. Um unser Wissen über das alte Hummelsbüttel zu erweitern, wurden viele ältere Bürger nach ihren Erinnerungen befragt und Aufmaßzeichnungen der noch vorhandenen Fachwerkhäuser gefertigt. Weiter wurde in Archiven geforscht, in alten Zeitungen geblättert und versucht, neue Erkenntnisse zu sammeln. Der Zeitraum, auf den sich die gewonnenen Ergebnisse beziehen, reicht etwa vom Beginn unseres Jahrhunderts bis Anfang des Zweiten Weltkrieges.
Erläuterungen zu den Haustypen sind allgemeinverständlich gehalten, auf wissenschaftliche Bezeichnungen der Konstruktionsmerkmale wurde weitgehend verzichtet. Aus Tonbandaufnahmen sind Alltagsgeschichten und persönliche Erinnerungen alter Bewohner hinzugefügt. Diese Erinnerungen alter Menschen vermitteln Geschichte aus erster Hand.
Heinrich Steinfath 1986
Zeichnung 2 Grenzsteine in Hummelsbüttel
Bei der Friedenseiche 1984
Hummelsbüttel gehört zu der Reihe der „Büttel-Dörfer im Alstertal.
Die Endung "Büttel" hat nichts zu tun mit Fronknechten alter Art oder mit Polizisten, denen man solche Namen anhängte. Die Endung „Büttel" bei Ortsnamen kommt vielmehr aus der altsächsischen Sprache und heißt so viel wie Heimstätte oder Wohnstätte. Der sagenhafte Hunmar soll der Begründer Hummelsbüttels gewesen sein. Hummelsbüttel zählt zu den ältesten der umliegenden, ehemaligen stormarnschen Dörfer und konnte 1969 seinen 650. Gedenktag der ersten urkundlichen Erwähnung vom 6. Mai 1319 feiern. Da hatten die drei Brüder Hinricus, Lambertus und Conradus aus dem Zweige der Hummersbottle, die sich die Struze nannten, einen einzelnen Hof an den Vikar des Hamburger Doms Nikolaus Dekani verkauft. Der Rest des Dorfes dürfte bald danach gefolgt sein. Das Hauptgebiet der Struze, wie sich dieser Zweig fortan nannte, ist das südliche Stormarn, Poppenbüttel und Wellingbüttel gehören dazu. Aber die Geschichte des Dorfes weist viel weiter in das Dunkel der Vergangenheit zurück, schreibt Armin Clasen in der Festschrift des Heimatrein Hummelsbüttel e.V. anlässlich des 650. Gedenktages. Der schleswigholsteinische Uradel leitete seinen Namen von den jeweiligen Stammsitzen ab. Die Familie von Hummersbottle (auch Hummersbotel, Hummersbüttel usw.) tritt mit diesem Namen zuerst 1253 auf. Sie führt ein Mühlrad mit acht Speichen im Wappen, die neuere Forschung deutet das Rad als Richtrad (lt. v. Lehe).
Der Stammvater Lambertus von Hummersbuttel kam aus dem adeligen Geschlecht der Wedel (nach dem Orte Wedel), das als Wappen ebenfalls das Richtrad führte.
Söhne des Lambertus sind Rave und Hartwicus. Beide sind Ritter. Hartwicus übersiedelte nach Stegen, sein Bruder Rave blieb in Hummelsbüttel. Die oben genannten Brüder Hinricus, Lambertus und Conradus, genannt die Struze, sind drei Söhne. Von den Söhnen des Hartwicus hat vor allem der Ritter Johann von Hummelsbüttel Aufsehen erregt: Er lebte vor etwa 500 Jahren auf der Burg Stegen in der Nähe des jetzigen Gutes Stegen und betätigte sich als Raubritter. Er belästigte die Handelsleute auf den vorbeiführenden Wegen und auf der Alster und verlangte Wegzoll und Lösegelder. Unter anderem staute er die Alster, um in den trockenen Sommermonaten für seinen Burggraben reichlich Wasser zu haben, so dass flussabwärts gelegene Mühlen nicht genug Wasser bekamen. Außerdem weigerte er sich, der Hamburger Domkirche den ihr zustehenden Zehnten zu zahlen. Gemeinsam mit dem holsteinischen Grafen belagerten die Hamburger daher die Burg Stegen, aber vergebens. Erst durch Vermittlung des Dänenkönigs Waldemar kam es zu einem Vergleich. Der Ritter erhielt freien Abzug, Burg und Turm aber wurden bis auf den Grund zerstört.
Geht man heute, im Jahre 1986, vom Hummelsbütteler Einkaufszentrum in Richtung Grützmühlenweg, trifft man an der „Friedenseiche" auf eine Ansammlung von großen Findlingen, die beim Straßenneubau des Grützmühlenweges 1981 übrigblieben und hier einen neuen Platz fanden. Daneben, im Schatten der alten Eichen und Linden, stehen zwei weitere Findlinge aus Granit, Gedenksteine mit verwitterten Inschriften. Sie wurden kurz vor der Jahrhundertwende aufgestellt. Der eine dient der Erinnerung an Kaiser Wilhelm mit der Inschrift Wilhelm 1.1797-1897 zum Gedenken des 100. Geburtstages. Diesen Stein krönte damals ein Adler, der seine Schwingen zum Fluge ausgebreitet hatte. Das war kein gutes Omen. Der Vogel ist schon lange fort. Der zweite Stein trägt die Inschrift
Zur Erinnerung an den fünfzigsten Gedenktag
der Erhebung Schleswig-Holsteins
24. März 1898
Wir stehen hier am historischen Mittelpunkt des alten Runddorfes, der Hauptform unter den Dorfanlagen der alten stormarnschen wie auch der weiteren Heimat. Die Höfe von Timm, Albert Wells, Behn, Heinrich Ruge und Jochim Wells säumten diesen Platz.
Warum, so könnte ein Jungbürger fragen, wird hier an ein geschichtliches Ereignis der Schleswig-Holsteiner erinnert, wo wir doch Hamburger sind? Hamburger Bürger sind wir, aber erst seit Hummelsbüttel durch das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 im Jahre 1938 eingemeindet wurde. Zuvor gehörte Hummelsbüttel zum Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein.
Dieses Land Schleswig-Holstein hat eine wechselvolle Geschichte. Hier soll nur in großen Zügen darauf eingegangen werden. Dreißig erhalten gebliebene Grenzsteine, die ab 1783 an der alten hamburgisch-schleswig-holsteinischen Grenze gesetzt wurden und die Insignien dänischer Könige tragen, weisen auf das ehemalige Herrschaftsgebiet der Dänen hin. So trägt der Grenzstein von 1826 an der Hummelsbütteler Landstraße die Initialen des Dänenkönigs Frederik VI. Die Abkürzungen bedeuten auf der Hamburg zugewandten Seite „Hamburger Gebiet" (HG), auf Hummelsbütteler Seite über dem Initial des Dänenkönigs „Herrschaft Pinneberg" (HP). Dem Drosten (Führender Beamter eines Verwaltungsbezirks) von Pinneberg unterstanden die Hummelsbütteler seit 1528. Der Buchstabe „A" weist diesen Stein als den ersten einer mit Jahreszahlen markierten Reihe aus.
Als der letzte Schauenburger Graf in Pinneberg 1640 plötzlich starb, besetzte der dänische König Christian IV. sein Land mit Truppen und versuchte im folgenden Jahr Hamburg dadurch einzuschüchtern, dass er bei Fuhlsbüttel ein befestigtes Lager für 1200 Soldaten aufschlug. Dafür ließ er in den umliegenden Wäldern dreitausend Eichen fällen (It. Fiege).
Durch diese Besetzung wurde auch Hummelsbüttel in Mitleidenschaft gezogen.
Anfang des 19. Jahrhunderts forderten die Dänen die Einverleibung Schleswigs in Dänemark; die Verbindung zwischen Schleswig und Holstein sollte damit gelöst werden. Die Schleswig-Holsteiner erstrebten dagegen, aus den beiden Herzogtümern einen eigenen Staat in enger Gemeinschaft mit dem Deutschen Bund zu bilden.
Im März 1848 kam es deswegen zu bewaffneten Auseinandersetzungen, und hieran erinnert der Gedenkstein. Die Schleswig-Holsteiner wurden in diesem Kriege von Preußen und anderen deutschen Bundestruppen mit Waffenhilfe unterstützt, mussten sich aber nach Anfangserfolgen zurückziehen, weil mehrere europäische Großmächte intervenierten. Bei erneuten kriegerischen Auseinandersetzungen unterlagen die Schleswig-Holsteiner 1850 bei Idstedt. Sie blieben ihrem ungewissen Schicksal weiterhin überlassen. (Siehe auch Brief aus dem Kriegsjahr 1849 auf S 24)
In den folgenden Jahren kam es zu keiner endgültigen Einigung zwischen Preußen und Dänemark. Im Jahre 1864 überschritten daher preußische und österreichische Truppen die Eider und bezwangen die Dänen durch Erstürmung der Düppeler Schanzen. Im Wiener Friedensvertrag vom 30. Oktober 1864 wurde der Verzicht Dänemarks auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg erreicht. Die beiden führenden deutschen Mächte, Preußen und Österreich, einigten sich zunächst über die Verwaltung des gesamten Landes, aber zu Beginn des Jahres 1866 spitzten sich die Gegensätze in der Schleswig-Holstein-Frage wieder zu. Es kam zum Bruch mit Osterreich, und preußische Truppen schritten darauf zur Besetzung Schleswig-Holsteins. Durch den kurzen Feldzug von 1866 wurde die Rivalität zwischen Preußen und Österreich entschieden. Wie Erich von Lehe berichtet, hatte sich auch unsere Nachbarstadt Hamburg auf Druck Preußens bereiterklärt, militärische Hilfe gegen Österreich zu leisten.
Am 4. Juli 1866 stimmte die Bürgerschaft dem Antrag des Senats zu, mit dem hamburgischen Bundeskontingent Hilfe zu leisten. Am Tage vorher hatte aber der Sieg des preußischen Generalfeldmarschalls von Moltke bei Königgrätz schon die Entscheidung gegen Österreich herbeigeführt - die sich als solche freilich erst später erkennen ließ. Die mobilisierten drei hanseatischen Bataillone rückten noch aus, doch ihr Vormarsch endete an Main und Tauber, ohne dass sie mit Österreichern in Gefechtsberührung gekommen waren. Sie traten den Rückmarsch an, ohne einen Schuss abgegeben zu haben.
Im Prager Friedensvertrag überließ Österreich Preußen die Herzogtümer Holstein und Schleswig, und mit dem 12.1.1867 wurden diese in eine preußische Provinz umgewandelt. Hummelsbüttel wurde, wie auch Poppenbüttel, Sasel und Bramfeld, am 1.10.1867 dem Kreis Stormarn im Land Schleswig-Holstein eingegliedert. Die Fahne war blau-weiß-rot und die Landeshymne lautete:
Schleswig-Holstein, meerumschlungen
deutscher Sitte hohe Wacht,
wahre treu, was schwer errungen
bis ein schön'rer Morgen tagt.
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland.
Henning Oldekop schreibt 1908 in der Topographie des Herzogtums Schleswig-Holstein: "Hummelsbüttel, Landgemeinde im Amtsbezirk Poppenbüttel an der Chaussee Hamburg Poppenbüttel, Areal 913 ha, davon Acker 587 ha, Wiesen 76 ha, Hölzung 12 ha, 92 Wohnungen mit 651 Einwohnern, 126 Pferde, 451 Rinder, 228 Schafe.
Gemeindevorsteher: Hufner Ruge1.
Bis zum Jahre 1867 gehörte Hummelsbüttel zur Herrschaft Pinneberg und war 1894 zu Niendorf eingepfarrt, jetzt gastweise in Fuhlsbüttel und hat Bestattung auf dem Ohlsdorfer Kirchhof erworben.
Der, Ort liegt ziemlich langgestreckt zu beiden Seiten der Chaussee und darüber hinaus, von Süden nach Norden sich hinziehend. Rehagen und Müssen schließen sich an und an der Langenhorner Dorfscheide der Heidberg. Auch die Ziegeleien liegen hier, während der Gnadenberg2 (früher Kanarienberg, Wohnung eines vormaligen Zollbeamten) südlich an der Alster liegt. Zwei Villen sind dort auch schon entstanden3.
Landwege gehen nach Langenhorn und Glashütte, Fähre über die Alster nach dem südlich gelegenen Klein-Borstel. Auf der Feldmark sind noch einige Buschkoppeln (Rehme), welche Beken, Immen und Hesel an der Alster genannt werden. In der Feldmark sind mehrere große Urnenfelder.
Die vier großen Ziegeleien mit Dampfbetrieb produzieren jährlich 20 Millionen Steine. Eine Kate trägt auf dem Balken die Inschrift: „20 JANWEI 1072 -?" 4
Nahe der Schule steht eine Kate, deren große Tür noch das Lazarettkreuz aus dem Jahre 1813/14 aufweist.
Früher waren hier 8 Vollhufen, 16 kleine Hufen, 1 Anbauerstelle, davon einige ausgebaut.
Im Jahre 1908 wurden in Hummelbüttel 7 größere Besitzstellen (Vollhufen mit heute noch bekannten Namen) genannt.
I.H.Stapel
119 ha
In Müssen (Dänisch-Müssen)
Albert Wells
84 ha
4 kleine Stellen
Wilhelm Timm
70 ha
Heidberg
1 Stelle über
25 ha
Joachim Ruge
69 ha
2 Stellen unter
25 ha
Jochim Wells
60 ha
Rehagen
2 Stellen
Karl Ruge
57 ha
Gnadenberg
25 Wohngebäude, 156 Einwohner
August Behn
54 ha
Schule zweiklassig für 80 Kinder
dazu
2 Stellen
25-50 ha
17 Stellen
1-25 ha
3 Wirtshäuser.
32 Häusler
Zu Beginn dieses Jahrhunderts sind noch die alten Bezeichnungen für Besitzstellen und ihre Besitzer gebräuchlich, die hier kurz erläutert werden sollen.
Das Wort Hufe bezeichnet einen Bauernhof, der eine volle Ackernahrung abgibt, also einen Hof, der voll existenzfähig ist. Als die Landherrenschaft seit dem 13. Jahrhundert den Grundbesitz besteuerte, legte sie die Hufe als Normalmaß dem Steuersystem zugrunde. So kommt es, das in späteren Hufenregistern Voll-Halb-, Drittelhufen usw. erscheint, je nach Größe des Hofes. Die Bewohner unterschieden sich nach den Klassen der vollberechtigten Hufner, der minderberechtigten Kätner und der landlosen Insten, der Einlieger und Tagelöhner.
Die Kätner hatten einen geringeren Anteil an der Allmende, der gemeinsamen Dorfweide. Rechte und Pflichten hielten sich die Waage. Die Hufner hatten die Dienste für den Landesherrn in größerem Umfang zu tragen und waren daher unter anderem gezwungen, sich mehr Pferde für die Fuhren zu halten. Ein Kätnerstand hat sich allerdings in Hummelsbüttel nicht entwickelt.
Wer nach 1600 in den Dörfern siedelte, blieb Brinksitzer oder Zubauer, war auf Hausstelle und Garten beschränkt und gewann keinen Anteil an Gemeinweide und Moor. Brinksitzer waren zumeist Handwerker, die im Dorf benötigt wurden. Als die Bevölkerungszahl zunahm, entstanden aus verkauften Ländereien der Hufen und Brinksitze die Zubauerstellen.
Diese gemeinschaftsgebundene Wirtschaftsform änderte sich durch die Agrarreform von 1771, die den Durchbruch zum Individualismus auf dem Lande bewirkte. Das in Privateigentum befindliche Ackerland und die Gemeinweide wurden ab 1802 „verkoppelt", d.h. die bisherigen schmalen Ackerstücke (Gewanne) zusammengelegt und durch neue Einteilung größere und breitere Äcker geschaffen, die mit Knick und Graben umgeben werden mussten. Hummelsbüttel gehörte zu den größeren Dörfern mit entsprechender Allmende. So konnte die Neuverteilung wahrscheinlich ohne große Streitigkeiten erfolgen. Die Hufner bekamen so viel, dass sie zufrieden waren, und für die vielen Brinksitzer blieb genug, um sie zu kleinen Bauern zu machen. Sie unterschieden sich nur in der Menge des Landes von den bisherigen Hufnern.
Am 29. Sept. 1933 wurde das Reichserbhofgesetz verabschiedet. Durch dieses bäuerliche Erbhofrecht sollte der Bestand der Höfe und des Ackerlandes gegen Zersiedelung und Spekulation gesichert werden. Eine Mindestgröße des Besitzes war vorgeschrieben.
Besitzer waren nun die „Bauern", die bisherigen Zubauern mit kleinerem Besitz waren die „Landwirte".
In Hummelsbüttel wurden zehn Erbhöfe geschaffen, davon fünf aus den verbliebenen ehemaligen Vollhöfen (Heinrich Ruge, Wilhelm Ruge, Wilhelm Timm, Albert Wells, Jochim Wells), fünf weitere aus den Zubauerstellen (Richard Dabeistein, Walter Riege, Hinrich Ruge, Hermann Sellhorn, Albert Timm). Der Rest des noch verbliebenen Ackerlandes war im Besitz der Landwirte.
1 Joachim Ruge
2 Auch Gnarrberg
3 Teetz, Wessely (später Lühning)
4 Räucherkate Mansson
Zwischen der Elbe und der dänischen Grenze erstrecken sich drei langgestreckte Landstriche, die je unterschiedliche bäuerliche Haustypen aufweisen. Im Westen liegt die fruchtbare Marsch mit dem schmalen nordfriesischen Fachhaus, dem Uthlandehaus auf den Inseln und Halligen sowie auf dem gegenüberliegenden Küstengebiet, den Gulfhäusern (Barghus, Haubarg) in den Küstenlandschaften Eiderstedt, Dithmarschen, Wilster- und Krempermarsch.
Der Osten des Landes unterscheidet sich von dem jungen Schwemmland der Marsch deutlich durch den alten Geestbestand. Das Land ist durch reichen Wechsel von Wasser, leichten Hügelwellen und einzelnen Laubholzbeständen belebt. Die „holsteinische Schweiz" ist heute noch ein beliebtes Ausflugsziel. Der landwirtschaftliche Ertrag ist aber geringer als am Westrand. Angeln und Mittelschleswig ist das Gebiet des Wandständerhauses und weiter südlich des breiten niederdeutschen Fachhallenhauses.
Im sogenannten Mittelrücken, der flachwelligen Geest, die von der Elbe bis Schleswig und Alt-Holstein mit dem Kreis Stormarn reicht, finden wir vor allem das breite niederdeutsche Fachhallenhaus. Geest ist trockenes und mageres, höchstens mittelgutes, oft auch sandiges Land. Die vollen Waldmassen treten zurück, an ihrer Stelle finden sich spärliche Holzbestände, oft Mischgehölze, wahrscheinlich entstanden durch den Kahlschlag des Hochwaldes mit den Eichen, die hier der Baustoff der alten Hausgerüste sind.
Aus diesen natürlichen Landschaften mit den unterschiedlichsten Bodenverhältnissen und Erträgen haben sich die mannigfaltigen Haustypen entwickelt, die aber weitgehend auf drei Arten gezimmerter Hausgerüste (das ist die tragende und stützende Holzkonstruktion des Hauses) zurückzuführen sind. Dies sind:
das Gulfhaus, das sich im Grundriss dem Quadrat nähert. In seiner Mitte stehen vier mächtige Ständer, die ein Viereck bilden, das von der Diele, dem Wohnteil und den Ställen umschlossen wird. Die Firstlinie ist kurz im Gegensatz zum Fachhallenhaus und Dverhaus.
das längs zur Straße stehende schmale Wandständerhaus mit ein oder auch zwei Grotdören in der Längs- oder Traufenseite (Dverhaus). Das Vieh steht mit dem Kopf zur Wand. Analog zum Sachsenhaus wurden diese Häuser cimbrische Häuser genannt.
das schmale und das breite Fachhallenhaus mit der Grotdör im Giebel, der überwiegend der Straße zugekehrt ist, sowie der sich in die Tiefe erstreckenden Deel. Das Vieh steht mit dem Kopf zur Deel.
Zeichnung 3 Gebäudetypen
Der letztgenannte Haustyp, das niederdeutsche Fachhallenhaus mit der großen Mittellängsdeel, ist in Hummelsbüttel vorherrschend gewesen.
Zeichnung 4 Verbreitung des Fachhallenhauses
Das Bauernhaus im holsteinischen Land wurde früher allgemein als Niedersachsenhaus bezeichnet. In jüngerer Zeit haben die Wissenschaftler dafür die Bezeichnung niederdeutsches Hallenhaus oder auch niederdeutsches Fachhallenhaus geprägt.
Das strohgedeckte niederdeutsche Hallenhaus kann in seiner ursprünglichen Form als „Dachhaus" bezeichnet werden. Alte Beispiele, die wohl nur noch im Freilichtmuseum vorkommen, zeigen den „Vollwalm" mit den vier bis auf die Erde heruntergezogenen Dachflächen oder mit sehr niedrigen Außenwänden, durch die aber die vom Dach bestimmte äußere Erscheinung des Hauses kaum verändert wurde. Damit ein Wagen auf die Deel einfahren konnte, musste das abgewalmte Dach für die Grotdör ausgeschnitten werden. Der dadurch entstehende freie Raum - die Heckschuur - liegt somit zwischen seitlichen Vorbauten, die als Fohlenstall oder Schweinestall dienten.
Um mehr Innenraum zu gewinnen, wurde aus dem Vollwalm zunächst der „Halbwalm" über dem Sturz der Grotdör an der Schmalseite des Hauses entwickelt, danach der „Grüppelwalm" mit zwei ausgemauerten Gefachen über dem Einfahrtstor (etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts) bis schließlich mit dem „Steilgiebel" die letzte Dachschrägung fortfiel.
Bis weit in das 19. Jahrhundert wurden die Bauernhäuser mit Stroh gedeckt. Heute gibt es kein geeignetes Roggenstroh mehr. Es müsste handgedroschen und die Halme dürften nicht geknickt sein. Durch Verwendung von Kunstdünger beim Roggenanbau werden die Halme für die Dacheindeckung zu weich. So kam es, dass heute für die Dachdeckung Reet verwendet und deshalb vom Reetdach gesprochen wird. Schilfstroh oder Reet wächst in Feuchtgebieten und Mooren und an ruhigen Gewässern, in unsere Gegend lieferte die Haseldorfer Marsch. Erntezeit ist der Winter, zwischen Dezember und Mitte März. Wenn die Hummelsbütteler Ziegeleiteiche zugefroren waren, wurde auf dem Eis Schilf zum Ausbessern der Dächer geschnitten.
Die modernen Reetdachhäuser in Norddeutschland werden mit Reet eingedeckt, das aus osteuropäischen Ländern eingeführt wird.
Die Fachwerkkonstruktion der alten Häuser ruht auf Feldsteinfundamenten.
Die Felder zwischen den einzelnen Hölzern wurden ursprünglich mit eingenuteten Eichenbohlen ausgefüllt, später mit lehmbeworfenem Flechtwerk. Als im 17. Jahrhundert das Hartholz knapper wurde, musste auf Bohlen und Stakung verzichtet werden, und die Gefache wurden mit Backsteinen ausgemauert. Ende des vorigen Jahrhunderts wurde schließlich auf Fachwerk ganz verzichtet, und die Umfassungswände wurden gemauert.
Wenn ein Besucher durch die Grotdör die breite Deel betreten und sich an das Halbdunkel des Raumes gewöhnt hat, erkennt er ein Paar gewichtiger Vierkantstützen in der Breite der Deel, links und rechts begrenzt von den Wänden der Ställe. In etwa drei bis vier Metern Entfernung vom ersten Stützenpaar reiht sich das zweite Paar an und so fort bis zur Tiefe je nach Größe des Hauses. Jeweils vier Stützen bilden ein Rechteck, das sogenannte „Fach". Der durch den weiten Bewegungsraum des frei im Raum stehenden Gerüstes hervorgerufenen Raumeindruck, optisch verstärkt durch das ursprünglich freiliegende Dachwerk, führte zum Vergleich mit einer Halle. So entstand aus der geographischen Verbreitung und dem inneren Raumbild die Bezeichnung „niederdeutsches Fachhallenhaus".
In der Längsrichtung wird die Stützenreihe am Kopfende durch das „Rähm" miteinander verbunden. Hierauf legt sich über jedem Balkenpaar ein Querbalken von mächtigen Ausmaßen. Um eine Aussteifung nach allen Seiten zu erzielen, wird ein Dreiecksverband durch eingezapfte Kopfbänder geschaffen, die sowohl den Querbalken als auch das Rähm mit dem Pfosten verbinden. So entsteht ein Knotenpunkt, der das ganze zum festen, freistehenden „Gefüge" als Tragwerk des Daches zusammenhält. Die Balken ragen etwa einen Meter über die Stützen hinweg, und an den Enden werden die Sparren eingezapft, die sich in Firsthöhe gegeneinander abstützen und etwa in der Mitte durch den Kehlbalken ausgesteift werden. Unterhalb der Spitze kann noch ein Hahnbalken eingefügt sein.
Dieser Haustyp kann seiner Bauart nach als „Zweiständerhaus" bezeichnet werden, weil die ganze Last des Daches nur auf zwei Reihen von Ständern ruht. Die Außenmauern dienen lediglich der räumlichen Begrenzung. Die Wände werden bewusst niedrig gehalten, um die Wärme zu speichern. Aus dem Grunde wurden auch die Türen möglichst niedrig und die Fenster klein gehalten. Die Außenwände dienten als Auflager für die „Aufschieblinge", die auf die Sparren geschoben wurden, wodurch sich das Dach auf die niedrigen Außenwände herabführen ließ. So wurden die Abseiten oder „Kübbungen" gebildet, mit einer Tiefe, die dem Vieh ausreichend Platz ließ, und mit einem Gang an der Außenwand, um den Dung herauszuschaffen.
Zu diesem Zweck war auf der Giebelseite am Eckpfosten eine Tür angebracht. Das Füttern und Tränken erfolgte von der Deel aus. Über den Viehständen wurde eine niedrige Decke eingezogen, und da die Decke der Deel höher lag, bildete sich zwischen Decke und Dachfläche ein Zwischenboden, die „Hillen" genannt. Hier wurde das bald zu verwendende Futter, Feuerholz und Torf gelagert. Die Hausfrau bewahrte dort kleinere Dinge aus den Stuben auf.
Von der Grotdör aus gesehen ist der Pferdestall meistens auf der rechten Seite. Am Ende des Stalles schläft der Knecht in einer Schlafkutze oder in größeren Häusern in der Kammer. Auf der linken Seite liegt der Kuhstall mit der Kammer für die Magd. Gegenüber der großen Einfahrt mündet die Deel im Flett, in dessen Mitte sich ursprünglich die Herdstätte befand, wo gegessen wurde und wo die Familie ihre Sitz- und Schlafplätze hatte.
Das Flett erstreckt sich in der Tiefe über zwei „Fache" und in der Breite meistens bis an die Außenwände. Die seitlichen Kübbungsabschnitte bildeten mit dem Mittelstück der Deel den Wohnteil und sind als „Luchten" bekannt.
Das Flett war zur Deel offen, damit die am Herd arbeitende Hausfrau zugleich auf das Vieh achten konnte. Die an den Außenwänden liegenden Luchten hatten eine ins Freie und zum Brunnen führende „Blangendör", die in vielen Fällen aus Ober- und Unterteil bestand.
Zeichnung 5 Typ eines Hallenhauses
Als sich die Wohnbedürfnisse steigerten, wurde das Haus verlängert, und hinter dem Flett entstand das sogenannte Kammerfach mit zwei an den Außenseiten liegenden Stuben. Dazwischen lag eine Kammer mit den Schlafgelegenheiten. Das waren die Schrankbetten oder „Kutzen", im Stadthaus Alkoven genannt. Diese Kutzen sind kürzer als unsere heutigen Betten, nicht, weil die Menschen damals so viel kleiner waren als heute, sondern weil man mit angehobenem Oberkörper, der durch mehrere Kissen unterstützt wurde, schlief.
Die „Döns", die heizbare Wohnstube, konnte ohne Rauchbelästigung mit dem „Bilegger" beheizt werden, der mit dem Herd im Flett verbunden war.
Mit dieser Anfügung von Wohnräumen wanderte die Feuerstätte, die ursprünglich eine Herdbank im Flett war, auf der das Feuer offen brannte, an die Stirnwand der Deel (Howand genannt). Um die Brandgefahr zu verringern, mussten Ende des 17. Jahrhunderts diese Feuerstätten mit Schwibbogen, das sind gemauerte Bögen zwischen Wandstützen, abgedeckt werden. In der Vorderseite waren im Mauerwerk Löcher ausgespart, durch die der Rauch abziehen konnte. Zu dieser Zeit gab es in unseren alten Bauernhäusern noch keine Schornsteine.
Der Rauch zog vom Flett in die Grotdeel, stieg durch die Luken und Ritzen der Decke in den Dachboden und gelangte durch das „Ulenlock" im Dachfirst, das der häufig im Dachraum hausenden Eule als Schlupfloch diente, ins Freie. Dieser freie Rauchabzug hatte große Vorteile: Er konservierte Ernte und Holzteile, die unter der Decke hängenden Würste und Schinken wurden gut durchgeräuchert, und angeblich fraßen die Tiere angeräuchertes Heu und Stroh besonders gern. Weil der Rauch sich als nützlich erwiesen hatte, hat man sich lange seiner bedient und ist in Holstein nur zögernd dazu übergegangen, einen Schornstein einzuziehen. Das ist erst im späten 18. Jahrhundert geschehen. Dagegen besaßen die Marschenhäuser sowohl im Gulfhaus als auch im Fachhallenhaus - nach Klaus Thiede - den Schornsteinherd schon im 17. Jahrhundert. Dem Rauch wurde dort offenkundig keine so große Bedeutung beigemessen. Bekanntlich ist die Ernte im Gulfhaus erdlastig gestapelt und wird nicht durch Rauch getrocknet oder konserviert. Es könnte hier die Frage gestellt werden, was den niederdeutschen Bauern im Mittelalter bewogen haben mag, sein Haus so auszugestalten, dass er die ganze Ernte mit so viel Mühe und Arbeitsaufwand im Dachboden aufzustapeln hatte. War das entscheidende Motiv nur die trocknende und konservierende Wirkung des Rauches? Der Rauch der offenen Herde wurde nun also durch einen Schornstein abgeleitet, der besteigbar war. In den größeren Häusern wurden zwei Schornsteine errichtet, die im Dachboden zusammengeführt wurden und im Dachfirst endeten. Wenn man weiß, dass die Schornsteine in der damaligen Zeit im Dachboden durch hölzerne Balken und nicht durch Eisenträger unterstützt wurden, dass zudem die Schornsteinwangen nur in 1/2-Stein Stärke gemauert waren, dann wird man sich nicht darüber wundern, dass die eingelagerte Ernte sehr leicht in Brand geraten konnte. Diese zuvor beschriebene Gerüst-Konstruktion ist typisch für alle Fachhallenhäuser. Wir finden sie sowohl beim großen Hufnerhaus als auch bei den Katen, die sich nur durch die Fach-Anzahl des Innengerüstes unterscheiden. Auch bezieht sich der Begriff der Kate auf die Rechtsstellung seiner Bewohner und nicht auf das Haus. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich verschiedene Grundrissarten. Diese in ihren Einzelheiten zu beschreiben, würde über den Rahmen dieser Schrift hinausgehen. Sie sollen nur kurz erläutert werden, damit wir erkennen können, wo unsere Häuser einzuordnen sind.
Das Haupthaus.
Neben dem Haus mit Längsdeel und Flett und nur einer Grotdör haben „sich unter den Zweiständerbauten der Hallenhäuser im nord- und ostelbischen Raum die Durchfahrtshäuser herausgebildet. Bekanntlich wurde die Ernte im Dachboden des Hauses gelagert, später durch die Luke auf den Lehmboden der Grotdeel geworfen und mit dem Flegel gedroschen. Die Einbringung der Ernte musste meistens rasch vonstattengehen. Deswegen entstanden in Gebieten mit reicher Ernte die Durchfahrthäuser, in denen zügig eingefahren, abgestakt und wieder ausgefahren werden konnte, während der nächste Wagen schon bereitstand. Im anderen Falle musste der Erntewagen entladen und rückwärts ohne Pferdekraft herausgefahren werden, erleichtert durch das leichte Gefälle des Fußbodens zur Einfahrt. Neben dem Durchfahrthaus, das wahrscheinlich nur im Osten Holsteins weit verbreitet war, ist das Durchgangshaus zu nennen, bei dem am Ende der Deel eine Tür zum Garten führte. Diese Grundrissform ist uns durch die Hardersche Altenkate, die spätere Räucherkate von August Mansson, überliefert.
Katen mit Wohn- und Wirtschaftsteil.
Neben den Haupthäusern ist ein weiterer Haustyp zu nennen: die kleinere Kate mit Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach. Von der Konstruktion war sie ebenfalls ein Ständerbau, jedoch mit nur zwei bis drei Ständerpaaren, einer mittigen Längsdeel, seitlichen Ställen und einem Kammerfach an der hinteren Giebelseite.
In der weiteren Entwicklung wurde in den großen Hallenhäusern der Wohnteil durch eine Scherwand vom Wirtschaftsteil getrennt. Es entstand die Vordiele; nach und nach fielen die Schwibbogenherde fort, und die Bilegger wurden durch Öfen ersetzt.
Wohn- und Instenkate.
Als weiteren Haustyp kennen wir die reinen Ein- oder Mehrfamilienwohnkaten ohne Wirtschaftsteil. Die Ställe liegen in diesem Fall außerhalb des Hauses. Diese Häuser haben kein einheitliches Konstruktionsmerkmal und sind nicht typisch für die Hauslandschaft.
Von den früheren Dorfgemeinden nördlich der Alster hat sich Hummelsbüttel seinen landwirtschaftlich-bäuerlichen Charakter trotz der von Süden vordringenden Besiedlung bis etwa 1938 erhalten. Eine bäuerliche Oase wurde das Dorf einmal genannt. Das Dorfbild war geprägt von den alten stroh- oder reetgedeckten Bauernhäusern und den jüngeren Bauernhöfen, die um die Jahrhundertwende errichtet wurden (Heinrich Ruge 1884, Albert Timm 1893, Wilhelm Ruge 1893, Wilhelm Timm 1904, Jochim Wells 1913). Das Stroh- oder Reetdach wurde aus ökonomischen Gründen vom Hartdach verdrängt. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hatte Hummelsbüttel einen Bestand von 46 Stroh- oder Reetdachhäusern, kleinere Ställe und Scheunen nicht eingerechnet. Hinzu kamen die zweigeschossige Grützmühle mit Vollwalm und eine Scheune mit Holzausfachung am Rehagen. Von den genannten Häusern wurden im Laufe der Jahre zwölf durch Feuer zerstört oder wegen Baufälligkeit abgebrochen, so dass es zu Beginn der dreißiger Jahre noch 34 Strohdachhäuser in Hummelsbüttel gab, dazu die nicht erfassten Scheunen und Ställe. Fünfzig Jahre später sind nicht mehr als zwei Fachwerkhäuser und ein Massivhaus mit Strohdach sowie die Scheune am Rehagen übriggeblieben (Nr. 32, 56, 79, 80).
Aufgeteilt nach Grundrisstypen und Ausführung der Umfassungswände kann folgender Altbestand angenommen werden.
In der Übersicht Seite 22/23 sind zwei Rauchhäuser benannt, die unter dem Begriff „Durchgangshaus" näher beschrieben sind. Beispiele eines Fachhallenhauses mit quer zur Deel liegendem Flett hat es in unverbauter Form in Hummelsbüttel zuletzt nicht mehr gegeben. Nun hat der alte Bauer Hermann Gerckens, geboren am 5. Dezember 1893, nach Familienüberlieferung eine Beschreibung des alten Hauses am Rehagen gegeben, wonach angenommen werden kann, dass es sich hier ursprünglich um ein Haus mit quer zur Längsdeel liegendem Flett gehandelt hat. Da große Konstruktionsteile des Hauses erhalten sind, ist versucht worden, eine Rekonstruktionszeichnung des ursprünglichen Grundrisses als Beispiel für diesen Gebäudetyp anzufertigen.
Durch einen Vergleich der aus verschiedenen Zeiten stammenden Grundrisse kann das Neue neben das Alte gestellt und der Blick zurückgelenkt werden in die alten Zeiten. Zugleich werden die Neuerungen sichtbar, die die gesteigerten Bedürfnisse mit sich brachten.
Nachdem der alte Besitz mit der „Pulverkate" am Rehagen 1836 abgebrannt war, ließ der Urgroßvater Hermann
