HumorCare -  - E-Book

HumorCare E-Book

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Beschreibung

Humor und Lachen sind wichtige Ressourcen für Patientinnen, Angehörige und Gesundheitsprofis, um mit Krankheit und Behinderung zurecht zu kommen. "HumorCare", das Heiterkeitsbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe, stellt eine humorvollen Haltung in psychosozialen Handlungsfeldern in den Mittelpunkt. Der Pflegeexperte Christoph Müller und namhafte Humorforschende stellen Konzeptbausteine, innovative Projekte sowie Reflexionen zu pflegerischen Praxissituationen vor. Der Herausgeber und die Autorinnen • analysieren das Phänomenen des Humors und zeigen, wie Lachen und Heiterkeit gefördert werden können • beschäftigen sich mit der Angst vor dem Ausgelachtwerden und einer selbstironischen Rhetorik • zeigen die Kraft des befreienden Lachens • verdeutlichen Möglichkeiten, den Humor für die psychosoziale Praxis von Pflege- und Gesundheitsberufen zu trainieren • schlagen konkrete Interventionen in verschiedenen Settings von Akut- bis Langzeitpflege sowie mit jungen und alten Menschen vor • stellen Variationen des clownesken Arbeitens und des Lachyoga vor

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Seitenzahl: 525

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Christoph Müller

(Hrsg.)

HumorCare

Das Heiterkeitsbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe

unter Mitarbeit von

Eckart von Hirschhausen

Thomas Holtbernd

Michael Titze

Alfred Kirchmayr

Irina Falkenberg

Jonathan Gutmann

Dorothea Buchholz

Nicole Lieberam

Simon Goedecke

Bettina vom Eyser

Katharina Schwitter-Fedier

Birgitta Schermbach

Jenny Karpawitz

Christian Hablützel

Hajo Oetmann

Udo Berenbrinker

Thomas Hax-Schoppenhorst

Jenny Hofmann

Fiorina Giuliani

Alexander Stahlmann

HumorCare

Christoph Müller (Hrsg.)

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Pflege:

Jürgen Osterbrink, Salzburg; Doris Schaeffer, Bielefeld; Christine Sowinski, Köln; Franz Wagner, Berlin; Angelika Zegelin, Dortmund

Christoph Müller (Hrsg.) psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Redakteur „Psychiatrische Pflege“

[email protected]

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Copyright-Hinweis:

Das E-Book einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar.

Der Nutzer verpflichtet sich, die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Pflege

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel: +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Jürgen Georg, Martina Kasper

Herstellung: Daniel Berger

Umschlagabbildung: © coscaron by istockphoto.com

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Illustration/Fotos (Innenteil): Bettina vom Eyser

Satz: punktgenau GmbH, Bühl

Format: EPUB

1. Auflage 2019

© 2019 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95894-1)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75894-7)

ISBN 978-3-456-85894-4

http://doi.org/10.1024/85894-000

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Anmerkung:

Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.

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Widmung

Das Buch widme ich meinem verstorbenen Vater Hansi Müller (1938–2017). Er hat mich in den gemeinsamen Jahren gelehrt, dass die Wege des Lebens nicht immer einfach sind. Die schwierigen Wege können jedoch im Vertrauen und in der Zuversicht auf Heiteres gegangen werden. Vielleicht lächelt er uns vom Fussbänkchen des Petrus entgegen.

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Geleitwort von Dr. Ludger Stratmann

Geleitwort von Prof. Erich Böhm

Geleitwort Andreas Westerfellhaus

Vorwort des Herausgebers

Teil I: Humor – Grundlegendes zu einem besonderen Phänomen

1 Kleine Geschichte des gesunden LachensEckart von Hirschhausen

1.1 Weniger Lachen nach Schmerzmittel

1.2 Pflegezeit ist Lebenszeit

1.3 Humor ist Tragik plus Zeit

1.4 Prävention in Lebenswelt verankern

1.5 Recht darauf haben, nicht perfekt zu sein

2 Lachen und Humor – Eine phänomenologische AnnäherungThomas Holtbernd

2.1 Der Ausgangspunkt

2.2 Arbeitshypothese versus Philosophie des Humors

2.3 Eine Frage der Perspektive

2.4 Humor als Schlüsselwort

2.5 Guter und schlechter Humor

2.6 Das Lachen

2.7 Vom Mythos zum Logos und zurück

2.8 Literatur

3 Selbstironische RhetorikMichael Titze

3.1 Die sanfte Rhetorik

3.2 Die ironische Strategie

3.3 Die selbstironische Methode

3.4 Die sokratische Fragetechnik

3.5 Naive Gegenfragen

3.6 Die „Judo-Methode“

3.7 Kontra-Rechtfertigung

3.8 Literatur

4 Befreiendes Lachen über widrige SachenAlfred Kirchmayr

4.1 Unser Leben – Tragödie und Komödie zugleich

4.2 Die „Heitere Dreifaltigkeit“: Leichtigkeit, Lockerheit, Lachen

4.3 Witz, Wissen und Weisheit sind Geschwister

4.4 Humor – die befreiende Versöhnung mit Widersprüchen

4.5 Humor – Listige Trotzmacht des Geistes

4.6 Die vier komischen Gesellen: Witz, Spass, Spott, Humor

4.7 Kindlichkeit – Spiel und Kreativität

4.8 Der Witz – Zusammenspiel von Kindlichkeit und Erwachsensein

4.9 Witze – Problemanzeiger oder Problemlöser

4.10 Witze sind oft wie Clown-Nummern: Probleme zum Lachen

4.11 Emanzipation – Aufhebung von Verdrängtem

4.12 Ausblick

4.13 Literatur

5 Scham ist eine schmerzhafte EmotionMichael Titze

5.1 Primäre und sekundäre Emotionen

5.2 Scham – und Schuldgefühle

5.3 Die selbstbezogene Scham

5.4 Die komische Lächerlichkeit

5.5 Die Gelotophobie

5.6 Facetten der Gelotophobie

5.7 Fragebogen zur Einschätzung von Gelotophobie (GELOPH)

5.8 Validierung des Gelotophobie-Konzepts

5.9 Literatur

6 Humor schafft Spiel-Raum für schlagfertiges VerhaltenAlfred Kirchmayr

6.1 Zur Einstimmung

6.2 Aber was ist Schlagfertigkeit?

6.3 Schlagfertigkeit: Judo mit Worten

6.4 Strategien zur Entfaltung von humorvoller Schlagfertigkeit

6.5 Schlagfertig mit dem eigenen Schatten umgehen lernen!

6.6 Befreiende, kreative und konfliktlösende Wirkungen des Humors

6.7 Humor – das Tanz-Spiel des Lebens

6.8 Humor schafft Distanz zu Widrigem und Nähe zu Menschen

6.9 Humor macht schöpferisch und erweitert die Wahrnehmung

6.10 Humor macht dankbar

6.11 Ausblick: Befreiendes Lachen – das Lebenselixier

6.12 Literatur

Teil II: Humor in verschiedenen Settings und Methoden

7 Humor trainieren für Pflegende – Übungen als AnstossIrina Falkenberg

7.1 Einleitung

7.2 Den eigenen Humor-Sinn trainieren?

7.3 Lachen und Witze erzählen

7.4 Spielen mit Worten

7.5 Alltäglichen Humor entdecken

7.6 Über sich selbst lachen lernen

7.7 In Stresssituationen den Humor nicht verlieren

7.8 Strategien, um Stresssituationen mit Humor zu nehmen

7.8.1 Sich Vorbilder suchen

7.8.2 Etwas Witziges an den Problemen anderer suchen

7.8.3 Etwas Witziges an vergangenen Stresssituationen suchen

7.8.4 Überlegen, was an typischen Alltagsproblemen lustig ist

7.8.5 Lustige Bilder und Vorstellungen einsetzen

7.8.6 Übertreiben

7.8.7 Schon im Voraus eine lustige Reaktion zurechtlegen

7.8.8 Den Alltag als Bühne für Witze betrachten

7.9 Abschliessende Bemerkungen

7.10 Literatur

8 Humorvolle InterventionenJonathan Gutmann

8.1 Hindernisse für den Einsatz von Humor

8.2 Humor als Teil einer ganzheitlichen Betrachtungsweise

8.3 Was sollte beim Einsatz von Humor beachtet werden?

8.4 Sinn für Humor

8.5 Humorvolle Interventionsmöglichkeiten

8.6 Ein gemeinsames Humorverständnis entwickeln

8.7 Humor im Lehrplan

8.8 Mögen die Spiele beginnen

8.9 Fazit

8.10 Literatur

9 Die Ambivalenz des Humors von Pflegenden auf IntensivstationenDorothea Buchholz

9.1 Repertoire von Geschichten

9.2 Einfluss auf Teamzusammenhalt

9.3 Emotionen als Witz verpackt ausdrücken

9.4 Belastenden Alltag vergessen

9.5 Literatur

10 Humor in der transkulturellen psychiatrischen PflegeNicole Lieberam

10.1 Irrungen und Wirrungen – Lachen als verbindendes Element

10.2 Der Einsatz humorvoller nonverbaler Kommunikation

10.3 Spass mit Stereotypen im multikulturellen Team

10.4 Kartoffel, Türken und Deutsche – Witzige Gruppeninteraktion

10.5 Pflegende, transkulturelle Kompetenz und noch Humor!?

10.6 Literatur

11 Humor im Massregelvollzug – gibt es krankhaften Spass?Simon Goedecke

11.1 Humorbeschreibung und seine Bedeutung im MRV

11.2 Der Umgang mit dem aggressiven malignen Humor

11.3 Humor als Öffner des Resonanz-Raums

11.4 Andere Untergebrachte als Zielscheibe des malignen Humors

11.5 Fazit

11.6 Literatur

12 Therapeutische Handpuppen in der PflegeBettina vom Eyser und Christoph Müller

12.1 Rollen und Funktionen der Puppe

12.2 Tier- oder Menschenpuppen

12.3 Das Führen der Puppe

12.4 Der Glaube an die eigene Rolle

12.5 Krankenbeobachtung – Über das sprachliche Ausdrückbare hinaus

12.6 Situativer Kontext – Pflegende als Torschützen

12.7 Das Spielen zur Gewohnheit machen

12.8 Literatur

13 Aurikla begegnet Menschen mit DemenzKatharina Schwitter-Fedier

13.1 Methoden und Wirkung

13.2  „Aurikla“ geht auf Besuch

13.3 Den Moment gestalten

14 Soll ich als Clown durchs Jammertal ziehen?Birgitta Schermbach

14.1 Er denkt, also ist er

14.2 Defizite

14.3 Ressourcen

14.4 Ziele der traumazentrierten Fachberatung

14.5 Setting

14.6 Hospitalisationsverlauf

14.7 Fazit

15 Der Narr und der TodJenny Karpawitz

15.1 Die Freude als Verbündete

15.2 Der Freude-Anker

15.3 Emotionaler oder kognitiver Humor?

15.4 Mein Bild vom Tod

15.5 Tod und Humor in verschiedenen Glaubensrichtungen

15.6 Ein Blick in die Sterbeforschung kann helfen

15.7 Die Sterbephasen nach Dr. Elisabeth Kübler-Ross

15.8 Nahtod-Erfahrung

15.9 Literatur

16 Lach-Yoga: Lachen, einfach und gemeinsamChristian Hablützel

16.1 Geschichte des Lach-Yogas

16.2 Grundlagen der Methodik

16.3 Wirkungen des Lach-Yogas

16.4 Lachen als Körperübung

16.5 Indikationen und Anwendungsgebiete

16.6 Kontraindikationen

16.7 Anwendungsmöglichkeiten in der Pflege

16.8 Lach-Yoga als Gesundheitsvorsorge und Teambildung für Pflegefachkräfte

16.9 Lach-Yoga in der stationären Therapie

16.10 Kursfrequenzen

16.11 Raumgrösse

16.12 Teilnehmerzahl

16.13 Einführung

16.14 Praxis in der Gruppe

16.15 Lach-Yoga-Übungen für die Praxis

16.16 Das körperzentrierte, integrative Lachtraining KILA

16.17 Literatur

17 Singen für heitere Gelassenheit, Freude, Kontakt und GemeinschaftHajo Oetmann

17.1 Warum singen Menschen überhaupt?

17.2 Renaissance des Singens

17.3 Einfach und gemeinsam soll es sein

17.4 Kann Singen heilsam sein?

17.5 Physische Wirkungen des Singens

17.6 Psychisch-seelische und soziale Wirkungen des Singens

17.7 Erfahrungen aus der Psychiatrie

17.8 Hat das Singen unerwünschte Wirkungen?

17.9 Einfach gemeinsam Singen und Therapie

17.10 Setting und Ablauf einer Singgruppe

17.11 Liedermaterial

17.12 Voraussetzungen für die Leitung einer Singgruppe

17.13 Eine Kultur des gemeinsamen Singens entwickeln

17.14 Literatur

18 Gesundheit!Clown® – die heilende Kraft der FreudeUdo Berenbrinker

18.1 Das Konzept der Freude

18.2 Spiegelneuronen – Wirkung der Freude

18.3 Freude-Effekt

18.4 Klinik-Clowns

18.5 Clowns in Seniorenheimen und auf Demenzstationen

18.6 Clowns bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen

18.7 Ethik

18.8 Literatur

Teil III: Humor in Lehre, Forschung und Umgebungsgestaltung

19 Humor in der PflegepädagogikThomas Hax-Schoppenhorst

19.1 Einleitung

19.2 Relevanz von Humor im Unterrichtsalltag

19.3 Mögliche Unterrichtsinhalte

19.4 Ausblick

19.5 Literatur

20 Forschung: Humor ist trainierbarJennifer Hofmann und Fiorina Giuliani

20.1 Einleitung

20.2 Arten von Humorinterventionen

20.3 McGhee’s 7 Humor Habits Program

20.4 Training zur Förderung von Heiterkeit als Eigenschaft

20.5 Klinikclowns

20.6 Humorgruppen

20.7 SMILE

20.8 Positive Interventionen

20.9 Einblicke in das Praxisprojekt „Beziehungspflege mit Humor“

20.10 Der Beipackzettel: Unerwünschte Nebenwirkungen und Vorsicht

20.11 Zusammenfassung und Fazit

20.12 Literatur

21 Humor und Umgebungsgestaltung: Wo kann Erheiterung gelingen?Jennifer Hofmann und Alexander Stahlmann

21.1 Einleitung

21.2 Die Umgebung „wirkt“

21.3 Ambiente

21.3.1 Tageslicht und Beleuchtung

21.3.2 Gerüche und Düfte

21.3.3 Musik und Geräusche

21.3.4 Luftzirkulation

21.4 Inneneinrichtung

21.4.1 Pflanzen

21.4.2 Gemälde und Renovationen

21.5 Humorbezogene Ergebnisse zu Ambiente, Inneneinrichtung und Architektur

21.5.1 Von Humor zu Heiterkeit

21.5.2 Erheiterung und Umgebungsgestaltung

21.6 Empfehlungen zur Umgebungsgestaltung mit Humor

21.7 Zusammenfassung und Ausblick

21.8 Literatur

22 Humor und Heiterkeit im Coaching von Pflege-FührungskräftenThomas Holtbernd

22.1 Das Karnevaleske der Religion

22.2 Coaching: Was ist das?

22.3 Coaching und die Anforderungen

22.4 Coaching in einer hochkomplexen Arbeitswelt

22.5 Humor als Ressource der Hoffnungslosen

22.6 Die gelebte Demütigung

22.7 Zum Konkreten

22.8 Der humorvolle Zugang auf paradoxe Situationen

22.9 Paradoxien

22.10 Humorvolles Coachen

22.11 Literatur

23 HumorübungenThomas Holtbernd

23.1 Die Umgebung lächelt

23.2 Die goldene Kugel Humor

23.3 Gesichtskontrolle

23.4 Mein Zeh, der Sausack

23.5 Wolkenmagier

23.6 Die Kartei der letzten Worte

23.7 Kritihumismus

23.8 Suchspiel

23.9 Begrüssungskatalysator

23.10 Sandkastenübung

23.11 Sturer Bock

Anhang

Herausgeber und Autoren

Links

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HumorCare Deutschland-Österreich

Sachwortverzeichnis

|15|Geleitwort von Dr. Ludger Stratmann

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich ein Buch über Humor im medizinischen und pflegerischen Alltag! Wer weiss besser als ich, dass Humor nicht nur die Arzt–Patienten-Beziehung erleichtern kann, sondern auch erhebliche Risiken in sich birgt? 15 Jahre habe ich eine Praxis für Allgemeinmedizin gehabt, mehr als 20 Jahre bin ich mit heiterem medizinischem Kabarett auf der Bühne gewesen.

Der Grat ist schmal. „Lachen ist die beste Medizin“ ist wohl der hilflose Versuch, über einen Aphorismus gute Stimmung in eine Patienten-Arzt-Beziehung zu bringen. Es gehört sich nicht, sich über Krankheiten oder persönliche Einschränkungen des Patienten zu erheitern oder sogar zu erheben. Vielmehr muss die medizinische und pflegerische Arbeit mit Humor Ängste nehmen, Atmosphäre auflockern und der gegebenen Situation eine gewisse Leichtigkeit geben. Der Patient oder die Patientin braucht immer das Gefühl, ernstgenommen zu werden, das Leiden niemals verharmlost werden. Die häufig praktizierte aufgesetzte Fröhlichkeit in einer Umgebung, die angstbeladen ist, kann nicht erfolgreich sein.

Der Ausdruck von Humor muss nicht durch eine rote Clownsnase, durch unangemessenes Lachen oder Fröhlichkeit vermittelt werden. Es gibt so viele herrliche, schon fast slapstickartige Sprachwendungen, die der Patient gar nicht auf sich selbst beziehen muss, die aber trotzdem helfen, eine positive Grundstimmung herzustellen.

In einem meiner Bühnenprogramme berichte ich immer von der Problematik eines beinamputierten Diabetikers. Er trinkt weiter heftig Alkohol und verzichtet nicht auf das Rauchen. Der Arzt sagt zu ihm: „Wenn das andere Bein auch noch abkommt, dann stehste aber da!“ Der Patient antwortet: „Der Wirt hat schon angeboten, er macht mir so `ne Kerbe in die Theke, da kann ich dann von unten weitersaufen!“ Beim Patienten bleibt der ärztliche Rat nicht unbemerkt. Die Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung spürt er aus den Worten. Trotzdem wird der Patient seinen Alkoholabusus oder seinen Nikotinabusus wohl nicht einstellen. Vergleichbar humorvoll antwortet er darauf. Beide merken, dass sie eine gemeinsame Gesprächsebene gefunden haben – ohne sich allzu schulmeisterliche Aufklärungsgespräche angetan zu haben.

Ein Patient bittet seinen behandelnden Arzt um eine Schlaftablette: „Herr Doktor, wenn ich jetzt nicht bald meine Schlaftablette kriege, schlafe ich noch von allein ein!“ Seine Aufforderung ergänzt er mit einer Frage: „Herr Doktor, woher weiss die Tablette, dass sie ans linke Knie soll?“ Eine mögliche Erklärung eines behandelnden Arztes könnte lauten: „Die Tablette muss, lieber Patient, im Magen-Darm-Trakt so oft nach rechts, dass sie spätestens im Bein den Drang verspürt, sich nach links zu bewegen.“

|16|Der Wunsch des Patienten, eine Schlaf-oder Schmerztablette zu bekommen, ist ernsthaft genug gemeint, wenn er gleichzeitig droht, allein einzuschlafen. Er unterstützt die Dringlichkeit humorig und gibt dem Arzt gleichzeitig die Möglichkeit, die Dramatik aus seinem Anliegen zu nehmen.

Viel geht mit Sachlichkeit, aber die akademische Sachlichkeit ist schwer verständlich. In der Pflege und Medizin kann es ein probates Mittel sein, um eine optimale Arzt-Patienten-Beziehung zu erlangen, eine ausgeglichene Gesprächsebene oder einen Opener für eine weitere ernste Auseinandersetzung mit der Krankheit zu schaffen. Lachen ist die beste Medizin, nicht weil unzählige Muskeln innerviert werden, sondern weil Lachen die einzige menschliche Ausdrucksmöglichkeit ist, Wohlbefinden oder zumindest gute Stimmung zu verbreiten.

In diesem Sinne wünsche ich dem Buch „HumorCare“ viele Leser und Nachahmer!

Dr. Ludger Stratmann

Arzt, Autor und heiteres medizynisches Kabarett

|17|Geleitwort von Prof. Erich Böhm

Liebe Leserinnen und Leser,

die Anfrage, für das Buch von Christoph Müller ein Vorwort schreiben zu dürfen, hat mich selbst emotional positiv angesprochen und psychisch reaktiviert. Ich bin durch eine chronische Lungenerkrankung angeschlagen und darf einmal mehr feststellen, dass der Witz und der Humor bestimmende Themen meines Lebens sind.

Seit Sigmund Freud wissen wir, dass der Humor und die Ironie regional unterschiedlich geprägt sind. Insofern ist der Aufsatzband „HumorCare“ sicher ein kleines Abenteuer. Das Buch ist nicht „rezeptpflichtig“. Es kann drei Mal täglich zu sich genommen werden und setzt lebhafte und farbenfrohe Tupfer in einen oft grauen Berufsalltag Pflegender. Da wir Pflegepersonen an einem „Locus frustanticus“ (frustrierenden Ort) tätig sind, ist es erforderlich, entweder den Locus (Krankenhaus) zu verlassen oder aber besser die Frustration mittels Abwehrreaktionen zu bekämpfen. Die Einnahme der Termini hilft durch die Reaktion des „Ab-lachens“, also „Aus-scheidens“ unserer in der Krankenpflege endemisch vorkommenden Psychokrämpfe.

Oft stelle ich bei Vorträgen die These in den Raum, dass es in der Pflege für alle Beteiligte doch besser sei, statt einer Krankenpflege-Ausbildung eine Komiker-Ausbildung zu machen. Leider wird bei manchen kopflastigen Menschen jeder Humor, jede humoristische Auslegung als „unsachlich und als zu banal“ abqualifiziert. Dies sah übrigens Sigmund Freud, aus dessen Geburtsstadt ich ja auch komme, in seinem Buch über den Witz nicht so. Aber wer kennt schon Freud in der Pflege?

In der Vergangenheit und in der Gegenwart zeigt sich, dass Pflegenotstand von den professionell Pflegenden immer ausgehalten wird. Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich nur sagen: Humor-Notstand überlebt niemand. In einer Zeit, während der sich Pflegende gegenseitig sprachlich umbringen, ein Ego gegen das andere Ego kämpft, um die bessere Terminologie, das noch bessere Lateinwort zu finden, wird auch ein Buch benötigt, mit dem wir es uns lustig machen können. Hier ist es, kann ich nur sagen.

Es gibt unterschiedliche Mentalitäten unter Pflegenden. Hier sind jene Pflegepersonen, die ein besonders schlechtes Gewissen zu Pflegevorgängen haben und daher NIE lachen. Ihre Ersatzhandlung ist eher die „ernste Akademisierungsidee“. Man nennt sie deshalb auch „Pflegepfauen“ bzw. die Erkrankung „Pflegepfauensyndrom“. Dort gibt es jene Pflegepersonen, die mit Herz pflegen. Sie lachen fast immer. Dieses Phänomen wird auch während der Dienstzeit entdeckt. Es handelt sich um die „Pflegehühner“. Ihre Ersatzhandlung mit den Problemen der Pflege fertig zu werden, ist „leben“.

Welche Bedeutung diese unterschiedlichen Reaktionsformen haben, überlasse ich Ihrer ei|18|genen Pflegediagnose und Phantasie. Oder besser gesagt, ihrem fachlichen Wissensstand um diese Dinge. Sollte keine Diagnose erstellt werden können, gibt es folgende Deutungsmöglichkeit:

Sie verstehen keine Witze, sind also a-witzial.

Sie leiden an einer Moral insenety (also einer Gefühlskälte) und können nicht fühlen.

Sie verstehen die Fachwörter von Haus aus nicht. In diesem Fall ist es ratsam, sich entweder einen „mini mental“ Status machen zu lassen oder humorvoll an sich zu arbeiten.

Ich wünsche diesem Buch einen grossen Erfolg auf dem Wege in die pflegerische Praxis. Sie werden (wenn sie das Buch zum dritten Mal gelesen haben) hoffentlich auch feststellen können, dass alles gar nicht so lustig ist, wie es vorerst einmal scheint. Manches hat einen Hintergrund, der eher zum Weinen als zum Lachen Anlass gäbe. Aber, indem beides emotionale Reaktionen sind, ist es doch egal, welche Reaktion ausgelöst wird. Hauptsache, es gibt überhaupt eine.

Machen Sie sich auf die Entdeckungsreise durch die Welt des Humors.

Prof. Erwin Böhm

Diplomierter Psychiatrischer Gesundheits-und Krankenpfleger, Vorstand des Europäischen Netzwerks für psychobiographische Pflegeforschung

|19|Geleitwort Andreas Westerfellhaus

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich gefragt wurde, ob ich für ein Geleitwort für ein Buch zum Thema Humor in pflegerischen und psychosozialen Berufsfeldern zur Verfügung stehe, habe ich mich ganz spontan dazu bereit erklärt. Erst während ich mich dann näher mit dem Thema beschäftigt habe, fiel mir auf, wie vielschichtig das Thema „Humor in der Pflege“ ist, da es sowohl für die zu Pflegenden als auch für die Pflegekräfte eine ernstzunehmende Bedeutung hat. Humor und Lachen haben eine Reihe positiver Auswirkungen auf den Menschen, es stärkt die Immunabwehr und senkt die Ausschüttung von Stresshormonen, während Glückshormone verstärkt ausgeschüttet werden. Das Herz-Kreislauf-System wird durch Lachen ebenso aktiviert wie der Stoffwechsel.

Die Wirkungen sind so vielfältig, dass sich mittlerweile eine eigene Wissenschaft, die Gelotologie (Lachforschung), damit beschäftigt. Neben den physiologischen Auswirkungen auf den menschlichen Körper sind aber auch die positiven Effekte auf die Psyche von grosser Bedeutung. So kann Humor Hemmungen abbauen und dazu führen, dass Emotionen besser mitgeteilt werden können. Besonders bedeutsam ist aber die kommunikative Dimension, denn Humor schafft einen freundlichen und lockeren Umgangston und fördert die Kommunikation auf Augenhöhe.

In den 1990er Jahren begann in Deutschland eine Bewegung, die aus den USA kam und regelmässig Clowns zu Besuchen in Kinderkrankenhäuser schickte. Mittlerweile sind Klinikclowns in vielen Krankenhäusern ein fester Bestandteil – und das nicht nur für Kinder, sondern für alle Altersgruppen. Gerade auch im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen spielen Humor und Lachen eine grosse Rolle, denn Lachen kann aus Einsamkeit und Depression heraushelfen und die Symptome einer Demenz lindern.

Aber auch für die Pflegekräfte und die pflegenden Angehörigen kann Humor als eine Art Ventil dienen, schwierige Situationen lassen sich mit Humor deutlich besser aushalten. Pflegekräfte sind in ihrem Arbeitsalltag häufig grossem Druck und vielen belastenden Situationen ausgesetzt. Hier kann Humor ganz klar eine Kraftquelle sein mit der Möglichkeit, Alltagsstress abzubauen. Durch einen Führungsstil, der ganz bewusst auch Humor einsetzt, wird das Miteinander im Team angenehmer bzw. das Betriebsklima besser. Die verschiedenen Aspekte von Humor in der Pflege und in anderen Gesundheitsberufen werden in dem jetzt vorliegenden Buch thematisiert.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Freude damit.

Ihr Andreas Westerfellhaus

Staatssekretär, Beauftragter der Bundesregierung für Pflege

|21|Vorwort des Herausgebers

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Leserinnen und Leser,

wer lacht, der kommt häufig laut vernehmbar daher. Wer Humor hat, dessen Feinsinnigkeit kann manchmal im Stillen geschehen. In der Pflegepraxis heiter daherzukommen ist eine Voraussetzung dafür, dass zwischen zwei oder mehreren Menschen etwas Bedeutendes geschieht. Der Soziologe Hartmut Rosa prägt in diesem Zusammenhang den Begriff der Resonanz.

Wenn unter Pflegenden die Rede auf humorvolles Arbeiten kommt, so ist dies häufig mit Erwartungen verbunden. Humorvolle Interventionen sollen als Methoden vermittelt werden. Kolleginnen, Kollegen oder auch Seminarleiter sollen sich als geübte Clowns oder witzige Comedians vorstellen. Dabei kommen Menschen, die in der Pflegepraxis humorvoll interagieren, häufig feinsinniger daher.

Heiterkeit im pflegerischen Handlungsfeld ist eine Grundhaltung. Jede Pflegende und jeder Pflegender muss sich die Heiterkeit in einem meist mühevollen Berufsalltag hart erarbeiten. Wer an freiheitsentziehenden Massnahmen beteiligt ist, wer Sterbende in den Tod begleitet oder herausfordernde Situationen mit demenziell veränderten Menschen meistert, dem bleibt gelegentlich auch das Lachen im Halse stecken.

Das Buch „Das kann ja heiter werden“ der Schweizer Kollegin Iren Bischofberger ist auch für mich einer der Startblöcke eines Diskurses gewesen, der vor knapp zwei Jahrzehnten begonnen hat und mich nahezu täglich in der Begleitung von erkrankten Menschen begleitet. Umso überraschter bin ich gewesen, als Jürgen Georg, Programmleiter Pflege und Lektor des Hogrefe Verlags, mich bat, ein Buch herauszugeben, welches das Werk von Iren Bischofberger fortschreibt. Dir, lieber Jürgen, danke ich für das mir geschenkte Vertrauen und die engagierte Wegbegleitung. Apropos Wegbegleitung: Ein grosses Dankeschön hat Martina Kasper verdient, die mitreissend und ermutigend mit ihrer handgreiflichen Mentalität die Zielgerade mit mir gegangen ist. Mit diesen Weggefährten lassen sich hoffentlich noch viele Wege gehen.

Es ist kein leichtes Unterfangen gewesen, neue Akzente im Diskurs um den therapeutischen Humor zu setzen. Viele Veröffentlichungen zum Lachen und Humor in der Pflege ähneln sich. Sie wirken an der einen oder anderen Stelle wie ein Rezeptblock: Wenn Du dies machst, dann wird Dein Gegenüber so reagieren (und natürlich gesunden). Mir geht es im Buch HumorCare um etwas anderes. Nutzen Sie die unterschiedlichen Texte als Matrix, um mit dem Lachen und dem Humor in der Pflege Farbtupfer zu setzen.

Es sind ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren, die ihnen begegnen. Es sind Akteure, die mit ihren Ideen zum Lachen und Humor viele Spuren in psychosozialen Arbeitsfel|22|dern hinterlassen haben. Es sind Autorinnen und Autoren, die noch unverbraucht sind, aber mit Nachdenklichkeiten über bisher noch nicht Bedachtes schreiben. Was alle eint, sind die Heiterkeit und der Optimismus, mit denen sie Menschen in schwierigen Situationen begleiten.

Einen grossen Dank sage ich den Geleitwortverfassern Andreas Westerfellhaus, Dr. Ludger Stratmann und Prof. Erich Böhm. Meinen langjährigen Wegbegleitern Thomas Holtbernd und Thomas Hax-Schoppenhorst danke ich für ihre Verbundenheit. Sie haben nicht nur mit eigenen Beiträgen das Buch bereichert. Sie zaubern mir immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht und machen auf ihre Weise den Alltag leichter. Bettina, Lukas und Marius machen vieles leichter, auch wenn ich es ihnen nicht immer leicht mache.

Ich hätte grosse Freude daran, wenn das Buch HumorCare den Diskurs über Lachen und Humor in den pflegerischen, aber auch in anderen psychosozialen Handlungsfeldern vorantreibt. Die Menschen, die begleitet werden, und die Menschen, die helfen und betreuen, haben es verdient.

Wagen Sie das Experiment mit dem Lachen und dem Humor.

Ihr Christoph Müller

Psychiatrisch Pflegender, Fachautor

|23|Teil I: Humor – Grundlegendes zu einem besonderen Phänomen

|25|1 Kleine Geschichte des gesunden Lachens

Wann wird Humor im Krankenhaus nicht mehr belächelt?

Eckart von Hirschhausen

Stellen Sie sich vor, Sie werden auf einer Party jemandem als Humortrainer vorgestellt. Was werden die ersten Fragen sein? Kann man davon leben? Haben sie was Richtiges gelernt? Oder: Jetzt mal im Ernst, was machen sie wirklich? Ich träume davon, dass es in einer Generation gelingen wird, die Humorforschung in eine anerkannte Wissenschaft überführt zu haben, mit mehreren Lehrstühlen in Deutschland, als Inhalt in allen pflegerischen, medizinischen und therapeutischen Berufen, und mit Partys, wo man sich eher schämt, wenn man Jurist, Verwaltungsdirektor oder Steuerberater ist.

Ich freue mich, für dieses Buch einen kleinen Überblick darüber zu geben, in welchem Zusammenhang mein Engagement für Humor in der Pflege steht. Humor in die Gesundheitsbranche zu bringen habe ich mir nicht im luftleeren Raum ausgedacht. Dazu gab es zahlreiche Vordenker. Keine Angst, ich fange nicht bei Aristoteles an – obwohl der sich schon sehr für die Kraft der Komik interessiert hat. Viele grosse Geister von Immanuel Kant, Arthur Schoppenhauer und Sigmund Freud haben sich intensiv damit beschäftigt, was diese Urkraft des Lachens auslöst und welche Funktion sie hat.

Einer der Pioniere der Humortherapie war der Österreicher Viktor Emil Frankl. Wegen seiner jüdischen Herkunft kam er 1942 ins Konzentrationslager. Er überlebte. Aufgrund seiner Erfahrungen und Beobachtungen begründete er die „Logotherapie“, die viel Wert darauf legt, sich mit dem Sinn (gr. logos) im Leben und Leiden zu beschäftigen. Seine zentrale Erkenntnis war, dass Menschen selbst unter den widrigsten Umständen in der Lage waren, der Situation einen „Sinn“ abzutrotzen.

Frankl verabredete mit anderen Häftlingen, sich jeden Tag einen Witz zu erzählen und sagte im Nachhinein, dass die gezielte Beschäftigung mit Humor ihn davor gerettet habe, aufzugeben und zu zerbrechen. Auf seinen Gedanken bauten dann weitere Revolutionäre der Psychotherapie wie Paul Watzlawick auf, dessen „Anleitung zum Unglücklichsein“ sich immer wieder zu lesen lohnt. Frankl ist in Deutschland viel zu wenig bekannt. Dabei ist er für mich einer der bedeutendsten Psychologen und der Begründer von all dem, was heute unter „Resilienz“ verhandelt wird.

1.1 Weniger Lachen nach Schmerzmittel

Auf die Idee, sie systematischer im Krankenhaus zu nutzen, kam aber bis vor rund 30 Jahren niemand. Dann kamen gleich drei Ideen in den USA zusammen: Norman Cousin, Patch Adams und Michael Christensen. Es war bezeichnenderweise ein Patient, der etwas an sich selbst beobachtete und ins Rollen brachte. Der amerikanische Journalist Norman Cousins litt unter einer rheumatischen Erkrankung der |26|Wirbelsäule, die stationär behandelt wurde. Von ihm stammt die wichtige Beobachtung: „Ein Krankenhaus ist kein guter Ort für kranke Menschen.“

Er buchte sich gegenüber von der Klinik ein Hotelzimmer, lud abends, wenn die Therapien vorbei waren, dorthin Freunde ein und schaute seine liebsten komischen Videos der Marx-Brother. Dabei bemerkte er, dass er nach dem gemeinsamen Lachen weniger Schmerzmittel brauchte. Dies teilte er seinen Ärzten mit, seine Biografie „Der Arzt in uns selbst“ wurde zum Bestseller und zum Startschuss für die amerikanische Lachbewegung.

Vielleicht kennen Sie den Film „Patch Adams“, in dem Robin Williams den anarchischen Medizinstudenten spielt, der versucht, mit den Patienten Quatsch zu machen und dafür hochkant aus der Ausbildung rausfliegt. Der echte Patch Adams ist eher ein Aktivist als ein Clown und bis heute weltweit unterwegs, ob in Flüchtlingslagern, mit Strassentheater und Vorträgen. Neben der Clownerie im Krankenhaus hat eine andere Bewegung parallel stattgefunden, das Lachyoga. Auch wenn es einzelne Menschen gibt, die beides miteinander verbinden, ist das eine separate „Szene“. Dr. Madan Kataria, ein indischer Arzt, propagiert das Lachen ohne Grund. In seinen „Lachclubs“ mischt er Yogatechniken mit bewusstem rhythmischem Klatschen und Ausatmen auf „Ha-Ha-Ho-Ho“.

Der erste echte Klinik-Clown war Michael Christensen vom New Yorker Big Apple Circus, der als „Dr. Stubs“ in einem weissen Kittel und einem Gummihuhn die ersten „Clownsvisiten“ für Kinder startete. Eine seiner Mitarbeiterinnen, die Schauspielerin und Pantomimin Laura Fernandez, brachte diese Idee vor gut 20 Jahren nach Deutschland und startete mehrere regionale Gruppen und Vereine. Inzwischen ist sie die künstlerische Leiterin meiner bundesweiten Stiftung HUMOR HILFT HEILEN.

Parallel dazu entwickelte der amerikanische Sozialarbeiter Frank Farelly mit der deutschen Psychologin Eleonore Höfner die „Provokative Therapie“ und setzte den Humor in den Mittelpunkt therapeutischer Arbeit, um Patienten und Klienten zu helfen. Vor einigen Jahren begann ein Medizinstudent in Leipzig das Projekt „Arzt mit Humor“. Gemeinsam mit HUMOR HILFT HEILEN und dem Deutschen Institut für Humor werden Medizinstudenten in Humortrainings auf die besondere Arzt-Patienten-Kommunikation sensibilisiert. Erstmalig 2017 erreichen wir einen Meilenstein. An der Uniklinik Münster haben wir das Humortraining nun fest ins Curriculum für alle Studenten integriert – ob sie wollen oder nicht. Am Humor kommen sie nun nicht mehr vorbei. Diesen Vortrag und das Humortraining gestalten wir natürlich sehr einladend. Von mehreren Seiten und vielen fleissigen Mitstreitern wird Humor inzwischen als therapeutische und medizinische Heilkraft und als Handwerk unter die Lupe genommen.

1.2 Pflegezeit ist Lebenszeit

Die Humorarbeit wird oft mit Clowns im Krankenhaus gleichgesetzt. Es war zwar historisch der Beginn, aber es ist nur ein Teil des Potenzials. Inzwischen gibt es neben den Klinik-Clowns viele Humortrainer, gut ausgebildete Humor-Therapeuten und Profis, was den helfenden Einsatz von Humor angeht. „Pflegezeit ist Lebenszeit!“ Dies sollte für beide Seiten gelten, für Patienten und Pflegende. Aber wer hat noch Zeit? Wenn Zeit Geld ist und gespart wird, wird am grausamsten an Zuwendung gespart, denn es fällt erst einmal nicht so auf.

Ich habe selber noch an der Universitätsklinik der Freien Universität in Berlin gearbeitet, die heute zur Charité gehört. Es ist das grösste Klinikum Europas. Was die wenigsten noch wissen: Das Wort Charité kommt nicht von Shareholder Value. Charité kommt von Caritas, der Nächstenliebe. Sich um kranke Menschen zu kümmern war ursprünglich im christ|27|lichen Abendland ein Akt der Barmherzigkeit. Ein Patient ist kein Kunde, sondern ein leidender Mensch. Die wichtigste Frage sollte nicht sein, wie mache ich mit ihm 20 % Rendite, sondern: Was kann dem helfen? Deshalb glaube ich auch, dass es keinem Zufall, sondern einer inneren Logik entspricht, wenn die Gegenbewegungen zur kommerzialisierten Medizin etwa zeitgleich entstanden sind.

Sowohl die Humor- als auch die Hospizarbeit wollen das Humane in der Humanmedizin stärken. Ein Krankenhaus ist ein Ort der Heilung, des Schicksals und des Sterbens. Überraschenderweise wird auf Palliativstationen und in Hospizen viel gelacht. HUMOR HILFT HEILEN finanziert aktuell ein Forschungsprojekt in der Palliativmedizin der Uni Bonn und eine regelmässige Clownsvisite auf der Palliativstation in Jena, frei nach dem Motto von Georg Bernhard Shaw: „Das Leben hört nicht auf komisch zu sein, wenn wir sterben. So wenig wie es aufhört ernst zu sein, wenn wir lachen.“

Ein grosser Trend in Medizin, Therapie und Gesellschaft sind Meditation und Achtsamkeit. Auch hier gibt es meines Erachtens eine grosse Querverbindung zum Humor. Im Lachen können Widersprüche bestehen bleiben, ohne dass sie aufgelöst werden müssen. Unser Verstand will die Welt sortieren, die ist aber viel zu komplex, um sich in gut/böse, rechts/links, richtig/falsch einteilen zu lassen.

Es gibt drei Zustände der Seele, bei denen Widersprüche existieren dürfen: der Traum, die Psychose und der Humor. An der Nicht-Begreifbarkeit des Lebens kann man verrückt werden. Man kann daran verzweifeln oder man kann darüber lachen. Lachen ist die gesündeste Art und überhaupt nicht oberflächlich. Ein grosses deutsches Missverständnis. Im Lachen akzeptiert man die Doppelbödigkeit des Seins. Schopenhauer sagte: „Jedes Lachen ist eine kleine Erleuchtung.“

Eine heitere Gelassenheit ist auch die Grundhaltung des Meditierenden, weil er versucht, seine subjektive Perspektive um eine übergeordnete Warte zu ergänzen, auf gut deutsch: Man schaut sich selber beim Denken zu und dabei muss man dann nicht jeden Gedanken, den das Hirn so vor sich hin quatscht, auf die Goldwaage legen. Wenn es einem gelingt, sich im Alltag einmal selbst über die Schulter zu schauen und nicht alles ernst zu nehmen, dann wird es leichter für einen selbst und andere. Die Schwerkraft des Lebens wird überwunden in dem Moment, wo man sich selbst auf den Arm nehmen kann. Und in den Arm.

Warum zahlt das alles nicht die Kasse? Gute Frage. Bevor etwas in die Regelleistung übernommen wird, braucht es gute Studien, die Nutzen und Wirksamkeit belegen. Aber wer soll die bezahlen? Meistens wird nur geforscht, wenn es etwas zu verdienen gibt. Solange Lachen aber nicht in Pillenform zu pressen ist, sind die grossen Forschungsgelder schwer aufzutreiben.

HUMOR HILFT HEILEN hat deshalb die grösste Studie zu Humor in der Pflege selbst finanziert und begleitet. Über 2500 Mitarbeiter des evangelischen Johanniswerkes in Bielefeld bekamen zwei Workshops von jeweils drei Stunden. In Teams von jeweils 15 Teilnehmern wurde geübt, gespielt und reflektiert:

Wie gehe ich in Kontakt mit jemandem?

Was nehme ich alles wahr?

Was unterscheidet wertschätzenden von ironischem Humor?

Wie kann ich mit peinlichen Situationen leichter umgehen?

Wie sorge ich als Pflegekraft so gut für mich, dass ein Lächeln nicht „aufgesetzt“ werden muss, sondern aus mir heraus strahlt?

Durch die unabhängige wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Zürich konnte belegt werden: Die Schulungen wurden extrem positiv bewertet, die Stimmung stieg, die schlechte Laune sank, und die allermeisten wünschten sich solche Schulungen viel öfter, damit der Effekt im Alltag noch mehr verankert wird. Die Pflegenden sagten Dinge wie: „Durch die Humorschulung habe ich gelernt, |28|wie ich besser mit anderen Menschen in Kontakt treten kann.“ Oder: „Die Schulung hat das Gruppengefühl positiv verändert, und ich habe gelernt, meine Teamkollegen von einer anderen Seite zu sehen.“ Oder: „Die Schulung hat mir geholfen, eine spielerische Einstellung im Beruf aufzubauen und achtsamer mit mir umzugehen.“

Die Effekte wurden verbessert, wenn parallel ein Glückstagebuch geführt wurde, also jeden Tag drei schöne Momente schriftlich festgehalten wurden. Auch für die Übergabe gab es ein schönes Ritual. Ein kleiner Stoffpinguin wurde im Stationszimmer deponiert, der „mit positiven Patientengeschichten gefüttert“ werden muss. Oft gehen im Übergabestress die schönen Rückmeldungen unter, weil es vor allem um alles geht, was dringlich ist, schief lief oder noch zu erledigen ist. Der Pinguin erinnert daran, wie wohl man sich fühlt, wenn man in seinem Element ist.

Bevor eine Übergabe beendet wird, muss es einen kurzen Happen eines erfreulichen Erlebnisses geben. Im Krankenhaus spielen für die Atmosphäre auf Station untereinander und für die Beziehung zu kleinen und grossen Patienten Humor und Spontaneität eine grosse Rolle. Viel davon lässt sich lernen und üben. Es geht nicht darum, sich zu verstellen oder sich lächerlich oder zum Clown zu machen – im Gegenteil. Die Wahrheit und die Situation sind oft viel komischer, wenn man sich traut damit umzugehen. Humor heisst nicht, sich und den Anderen nicht ernst zu nehmen, sondern den Stress, der natürlich dort herrscht, wo Menschen unter bedrohlichen Umständen zusammenkommen, erträglich zu machen.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist es sinnvoll, in Stress zu geraten. Der Säbelzahntiger hinter unseren Urahnen stellte schliesslich eine echte Gefahr dar. Vorübergehend verengt sich das Blickfeld, die Muskeln verkrampfen sich und die Gedanken sind nicht mehr frei. Wir sind auf die Situation fixiert. Viel leichter, als die Situation zu ändern, ist es aber, unsere Beurteilung der Situation zu ändern. Wir sollten uns fragen, ob es wirklich ein Säbelzahntiger ist, der da hinter uns her ist. Denn die sind ja bekanntlich ausgestorben und entsprechend ist der Stress meist grösser als nötig.

1.3 Humor ist Tragik plus Zeit

Hilft es mir, wenn ich mich aufrege? Was wäre an der Situation komisch, wenn ich nicht selbst beteiligt wäre? Wie werde ich die Situation in einem Jahr beurteilen? Wenn ich in einem Jahr darüber lache – warum nicht jetzt gleich? Bevor Sie sich das also das nächste Mal sagen „Ich ärgere mich“, fragen Sie sich: „Wer ärgert wen?“. Oder: „Ich könnte mich aufregen.“ Genau, Sie könnten es aber auch bleiben lassen. Ärger, den man nicht gehabt hat, hat man nicht gehabt.

„Humor ist Tragik plus Zeit“. Humor ist überhaupt nichts Oberflächliches, sondern das tiefe Einverständnis in die Absurdität unserer Existenz. Wir kommen aus Staub, wir werden zu Staub, deshalb meinen die meisten Menschen, es müsste dann doch im Leben darum gehen, viel Staub aufzuwirbeln. Alle Religionen und weisen Menschen der Welt sind sich in dem Punkte einig – darum geht es nicht. Wir können an den Widersprüchen der Welt verzweifeln oder wir können darüber lachen. In den letzten Jahren findet ein Umdenken in der Psychologie statt, von den Defiziten und Diagnosen hin zu den Ressourcen und Resilienzfaktoren. Was schützt uns vor Burn-Out und Depression? Was gibt uns Kraft, wo tanken wir auf, wofür stehen wir morgens überhaupt auf?

Je länger ich die Humorarbeit unterstütze, desto wichtiger werden mir die Pflegekräfte. Ausgerechnet die idealistischen und hoch motivierten Pflegekräfte brennen am schnellsten aus, wenn ihre Ansprüche und die Realität aufeinanderprallen. Die flexiblen und mehrfach Begabten wechseln das Terrain, weil sie keine Aufstiegs- und Entwicklungschancen sehen. Wenn die Lokführer oder die Piloten streiken, |29|kommt man ein paar Tage nicht von A nach B. Wenn die Pflegenden streiken, kommt keiner mehr vom Bett aufs Klo. Nach 12 Stunden ist jedem klar, was schlimmer ist. Alle reden von „personalisierter Medizin“, sparen aber gleichzeitig am Personal. Was mich an der Humorbewegung nervt, ist ihr Hang zur Selbstüberschätzung. Wenn es ein Allheilmittel gäbe, wäre ja alles heil. Dies ist es nicht. Oft wird in den Humorseminaren und Vorträgen zu wenig über die Rahmenbedingungen der Pflege reflektiert.

Konkret erlebten wir es in einer Reha-Einrichtung, wo die Stimmung so schlecht war, dass die Mitarbeiter allem, was „von oben“ kam, grundsätzlich misstrauten. Es führte dazu, dass der Humorworkshop nicht als Auszeit aus dem Alltag und Wertschätzung erlebt wurde, sondern zynisch kommentiert wurde mit: „Erst quetschen sie uns aus. Jetzt sollen wir auch noch dazu lächeln.“ Deshalb warne ich davor, mit Vorträgen oder „Motivationsveranstaltungen“ etwas kitten zu wollen, bevor man sich darüber unterhalten hat, woran Menschen vorher zerbrochen sind.

Was kann ein Vortrag/Seminar dann leisten? Themen bewusstmachen, Ressourcen ausbuddeln und ein Umdenken anstossen und bei den Führungskräften ein Commitment einfordern, etwas zu ändern, auf den verschiedenen Ebenen. Lärm, Neonlicht, Zeitdruck und schlechtes Essen – man muss schon ziemlich gesund sein, um im Krankenhaus zu überleben, sowohl als Patient als auch als Mitarbeiter.

1.4 Prävention in Lebenswelt verankern

Es geht auch anders: Unter dem Stichwort „Heilende Architektur“ werden bei der Konzeption vieler Krankenhäuser schon heute „gesündere“ Grundsätze berücksichtigt. Freundliche Farben, wärmeres Licht und Badezimmer, die als solche auch zu erkennen sind. Ich wäre glücklich, wenn es in jedem Krankenhaus eine kleine Keller-Disko gäbe, in der sich alle Mitarbeiter nach dem Dienst fünf Minuten lang bei lauter Musik den ganzen Stress aus dem Leib tanzen, die Dienstkleidung ablegen, ihre berufliche Rolle bewusst verlassen könnten und den Stress so nicht mit nach Hause nehmen würden.

Je länger ich Gesundheitspolitik beobachte, desto misstrauischer bin ich, wenn ich höre, „der Markt“ regele alles. Sicherheitsgurte haben Tausende von Menschenleben gerettet, aber sie haben sich nicht von allein durchgesetzt, sondern erst, als eine Vorschrift erlassen wurde, die unsere „Freiheit“ hinter dem Steuer einschränkt. Genauso sinnvoll wäre es, feste Mindestbesetzungen für Stationen gesetzlich festzulegen. Im Gesundheitswesen arbeiten mehr Menschen als in der Automobilindustrie. Zynisch könnte man die Automobilindustrie als einen Zulieferer bezeichnen.

Wir haben eines der besten und teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber in den letzten Jahren hat sich daraus eine Industrie entwickelt, die versprach, immer effizienter und ökonomischer zu handeln, sich aber von den Bedürfnissen der Patienten abkoppelte. Es wird geröntgt und nicht geredet. Es wird operiert statt abgewartet. Es werden teure Medikamente entwickelt, anstatt dafür zu sorgen, dass Prävention in den Lebenswelten Krankheiten verhindert. Die Ärzte in den Krankenhäusern sind frustriert, weil sie mehr oder minder direkt angehalten sind, Umsatz zu machen. Die Patienten fühlen sich verloren, weil sie immer schneller durch die Maschine geschleust werden.

Die Pflegenden und Menschen in anderen therapeutischen Berufen gehen auf dem Zahnfleisch, weil man an ihnen am einfachsten sparen kann. Zuerst geht die Motivation flöten, dann verlassen alle, die eine andere Option haben, fluchtartig das System. Deutsche Ärzte und Pflegende wandern in die Schweiz und nach Skandinavien ab, weil sie hier für sich keine Perspektive sehen. Dafür werben wir müh|30|sam wieder Personal in Osteuropa, Spanien und Griechenland an, die sich hier schwertun.

Ein absurder Kreislauf, der dazu führt, dass bald keiner mehr da ist, der Deutsch als Muttersprache spricht, obwohl sich doch alle einig sind, wie wichtig Zuhören, Sprechen und Kommunikation im Team für eine erfolgreiche Behandlung sind. Es braucht Wissen und Motivation, Teamentwicklung und Führungskultur. Dies geht aber nicht, wenn jeden Tag neue Leute einspringen, weil Stellen chronisch unterbesetzt sind. Viele, die in diesem Beruf ihre Berufung gesehen haben, sind frustriert, weil die Realität nichts mit dem zu tun hat, wofür sie einmal angetreten sind. Im Gegensatz zur Ärzteschaft hat die Pflege zu wenig Standesvertreter und politisches Gewicht. Deshalb finde ich es richtig, eine Bundespflegekammer zu etablieren, die Ausbildung zu akademisieren und aufzuwerten und öffentlich mehr Druck zu machen, sich diesem grossen Zukunftsthema anzunehmen. Denn früher oder später sind wir alle davon abhängig, dass sich jemand um unsere Eltern, unsere Kinder oder um uns selbst kümmert.

1.5 Recht darauf haben, nicht perfekt zu sein

Am Anfang des „Hospitals“ stand die Gastfreundschaft, die Idee, dass ein Mensch, der leidet, Hilfe bekommt – unabhängig von seinem Einkommen und seiner Nützlichkeit für die Gesellschaft. Ein Patient ist kein „Kunde“. Die erste Frage sollte auch heute noch lauten: Wie kann ich helfen? Und nicht: Wie mache ich mit deinem Leid 20 Prozent Gewinn? Was wurde aus Zuwendung, Mitgefühl und Solidarität in einer Zeit von „Patientengut“, „Basisfallwert“, „mittlerer Grenzverweildauer“ und „Codierverantwortlichen“? Und warum ist „Humorlosigkeit“ keine Diagnose?

Ich hoffe, Sie konnten Ihren Blick erweitern, dass Humor mehr ist als ein Lächeln aufzusetzen. Viel mehr. Möge die Kraft der heiteren Gelassenheit immer mit Ihnen sein.

Und ein letzter Gedanke zu den letzten Dingen. Humanmedizin heisst auch, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, nicht perfekt zu sein, nicht zu funktionieren, Hilfe zu brauchen. Die Menschen leiden manchmal mehr an den zu grossen Erwartungen an das Leben als am Leben selbst. Es kann entlasten, wenn wir anerkennen, dass man eben nicht alles in der Hand hat. Und dass der Tod keine Beleidigung der medizinischen Kunst darstellt, sondern dass ein würdiges Sterben zum Leben und zur Medizin dazugehört. Mein Lieblingscartoon dazu stammt von den Peanuts. Charly Brown ist deprimiert und sagt: „Eines Tages werden wir alle sterben.“ Snoopy kontert: „Stimmt – aber an allen anderen Tagen nicht!“

Weiterführende Literatur

Fey, U. (2016). Clowns für Menschen mit Demenz. Frankfurt am Main: Mabuse.

Korp, H.-A. (2014). Am Ende ist nicht Schluss mit lustig. Humor angesichts von Sterben und Tod. Gütersloh: Random House.

von Hirschhausen, E. (2016). Wunder wirken Wunder – Wie Magie und Medizin uns heilen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Humor hilft heilen. (2018). Verfügbar unter www.humor-hilft-heilen.de

|31|2 Lachen und Humor – Eine phänomenologische Annäherung

Thomas Holtbernd

Es gibt zahlreiche Humordefinitionen, die mal überzeugender, mal sehr differenziert, mal geschichtlich orientiert und mal sehr abgehoben philosophisch sind. Eine Definition, die das Phänomen zum Ausgangpunkt macht, erscheint zunächst etwas banal. Und auch im Ergebnis zeigt sich eine Beschreibung, die nur wenig konkret ist und keine neue und endgültige Definition zulässt. Die hier dargestellte Humordefinition hat den Nachteil, dass positiv keine Aussage gemacht wird, was denn Humor im Gegensatz zum vorherrschenden Gebrauch sei. Es kann nur gesagt werden, was Humor nicht ist und dass gerade die Unmöglichkeit einer Definition den Kern des Humors ausmacht.

Da es eine allgemein akzeptierte Definition des Humors nicht gibt, ist es auch nicht möglich, den Ausdruck des Humors konkret zu fassen. Es kann sogar gefragt werden, ob es überhaupt einen Ausdruck des Humors gibt. Im Alltagsverständnis ist es das Lachen, doch gibt es auch Menschen, die keine Miene verziehen und trotzdem für sich beanspruchen, sehr humorvoll zu sein.

In den naturwissenschaftlich orientierten Wissenschaften umgeht man das Problem der genaueren Begriffsbestimmung, indem eine These aufgestellt, dazu eine Theorie entwickelt und dann geforscht wird. Die Forschungsergebnisse können mit dem bezeichneten Phänomen grosse Schnittmengen aufweisen, bleiben jedoch in gewisser Weise artifiziell. Ein anderer Zugang besteht darin, die Phänomene Humor und Lachen erst einmal nur zu beschreiben und dabei zu analysieren, welche Vorannahmen schon bei den Beschreibungen gemacht werden.

Bei diesem Prozess werden nicht konkrete Ergebnisse angestrebt, sondern eine grössere Nähe zu der Sache selbst gesucht. Diese phänomenologische Vorgehensweise, also das Forschen an der konkreten Oberfläche, lässt etwas von dem deutlicher hervortreten, was Humor und Lachen in ihrer Tiefe ausmachen: das Anarchische. Der Humor kann Machtstrukturen aufweichen und Lachen Mächtige sogar stürzen.

2.1 Der Ausgangspunkt

Phänomenologie bezeichnet eine philosophische Strömung im 20. Jahrhundert, die durch Edmund Husserl entstanden ist. Die Phänomenologie will „die Wirklichkeit in ihrer vollen Reinheit erreichen, ohne sich von Vorurteilen bzw. Idolen aller Art irreleiten zu lassen“ (Brugger & Schöndorf, 2010, S. 357). Hermann Schmitz, der Begründer der Neuen Phänomenologie, hat diesen Ansatz später erweitert. Für ihn ist die leibliche Erfahrung eines Phänomens auschlaggebend. Dabei ist nicht die Innensicht eines Subjektes gemeint, sondern das Spüren am eigenen Leib. Und hieran sollen die Worte zur Beschreibung eines Phänomens geeicht werden (Schmitz, 2011, S. 5).

|32|Wie schwierig ein solches Vorgehen ist, zeigt sich bei Hellmuth Plessner in seiner Studie über das „Lachen und Weinen“ (Plessner, 1961). Er nannte diese Schrift im Untertitel „Eine Untersuchung nach den Grenzen menschlichen Verhaltens“. Für ihn ist das Lachen nicht der Ausdruck einer Gemüts- oder Gefühlsregung. Vielmehr ist die Erklärung hinter den Grenzen des Verhaltens zu suchen. Dort aber muss das Lachen als eine Art transzendenter Bestätigung des Überlebens bezeichnet werden. Beim Lachen verliert der Mensch die Kontrolle über seinen Körper und seinen Geist und weiss dennoch, dass er als Mensch noch existiert.

Der Zugang zum Humor ist immer schon von praktischer Relevanz, da das Spüren als Instrument der Erkundung genutzt wird. Im Gegensatz zum rationalen Verstehen besteht die Logik beim Lachen darin, dass die Pointe oder der Witz durch die körperlichen Reaktionen des Körpers gleich aufgelöst werden. Macht ein Psychiatrie-Erfahrener einen Witz und sei er noch so schlecht, ist dies vollkommen unerheblich, wenn aus dieser Situation heraus ein gemeinsames Lachen entsteht. Es ist befreiend, weil der Witz nicht bewertet, erklärt oder gedeutet werden muss. Die Lachenden sind befreit davon, handeln oder planen zu müssen. Die Last der Rolle als „Kranker“ oder des Helfenden sind in diesem Augenblick des Lachens aufgehoben. Es ist wie eine schöpferische Ruhepause, von der aus man mit neuer Energie den Stein wie Sisyphus den Berg wieder hinaufrollt und dabei kann man sich Sisyphus als einen glücklichen Menschen vorstellen.

2.2 Arbeitshypothese versus Philosophie des Humors

Der Humorforscher Willibald Ruch kommt zu folgender Definition: „Humor hat mit einem persönlichkeitsbedingten kognitiv-emotionalen Stil der Verarbeitung von Situationen bzw. des Lebens, der Welt im Allgemeinen zu tun, der charakterisiert ist durch die Fähigkeit, auch negativen Situationen (Gefahren, Ich-Bedrohungen etc.) positive Seiten abzugewinnen, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, ja sogar darüber lächeln zu können, d. h. zumindest ansatzweise mit „Erheiterung“ zu reagieren“ (Ruch, 2016, S. 28). Eine solche Umschreibung des Humors enthält zahlreiche Implikationen und Vorannahmen. Eigentlich wird nicht mehr ausgesagt als man sowieso schon gedacht hat. Es wird ein Deutungsschema konstruiert, das Phänomen Humor wird jedoch nicht erfasst. Es ist lediglich eine Arbeitshypothese, mit der bewiesen wird, wie etwas funktioniert und nicht, was es ist.

Bei einer philosophischen Untersuchung ist das Was der Fokus, doch wurde in der Philosophie Humor kaum thematisiert. Begriffe wie Scherz und Witz, Gelassenheit und Heiterkeit, das Komische ebenso wie Lachen und Lächeln werden manchmal fast synonym gebraucht oder nur sehr vage und ungenau voneinander differenziert. Der Titel des Buches von Henri Bergson beispielswiese lautet „Das Lachen“ (Bergson, 1988). Gegenstand der Betrachtung ist jedoch das Komische.

Die Beziehung zwischen Humor und Philosophie kann man als ein Versteckspiel beschreiben. Denn ohne schon eine Begriffsklärung vorzunehmen, lassen sich Einstellungen dem Witzigen oder der Lust gegenüber feststellen, die Friedrich Nietzsche als das apollinische und dionysische Prinzip fasste. Es gab bei den philosophischen Symposien den professionellen Witze-Erzähler, der sehr beliebt war, den Sokrates jedoch ablehnte. Dass das Witze-Erzählen üblicher Brauch war, lässt die Witze-Sammlung „Philogelos“ (Löwe, 1981) vermuten, die in der Antike sehr verbreitet gewesen sein muss. Wenn die meisten Witze für uns heute nicht mehr wirklich verständlich und witzig sind, sei ein Beispiel angeführt, das auch heute als Witz erzählt werden kann.

|33|Ein Philosoph geht zum Friseur. Der Friseur fragt: „Wie soll ich den Herrn denn frisieren?“ Darauf der Philosoph: „Hauptsache schweigend.“

2.3 Eine Frage der Perspektive

Das weite Wortfeld Humor, Witz und Komik war in der abendländischen Geistesgeschichte stets eine Frage der Perspektive. Deutlich wird dies im Gegenüber der beiden Schriften „Lob der Torheit“ von Erasmus von Rotterdam (Erasmus von Rotterdam, 1979) und dem Buch „Das Narrenschiff“ (Brant, 2005). Einmal ist es die Torheit der Ungläubigen. Das andere Mal sind die Christen Toren in der Welt. Das Witzige wurde oft eng mit dem Animalischen, der Torheit, dem Karneval und den Hofnarren verbunden. Die Wortfelder um Humor, Witz und Komik erklären den Humor allerdings nicht. Es mögen Aspekte oder vielleicht Erscheinungsweisen des Humors sein. Im philosophischen Wörterbuch von Regenbogen und Meyer wird Humor folgendermassen bestimmt:

„Humor, lat. Feuchtigkeit, in der antiken Physiologie von den Säften gebraucht, die die Beschaffenheit des Temperaments bestimmen, dann im 16. Jh. auf das Seelenleben übertragen zur Bezeichnung solcher Charakteräusserungen, in denen man die Wirkung bestimmter Körpersäfte zu spüren glaubte; zunächst allgemein Stimmung, Laune, erhielt es erst im 19. Jh. die Bedeutung einer aus entgegengesetzten Elementen – Scherz und Ernst, Lachen und Weinen – sich bildenden Gesamtstimmung“ (Regenbogen & Meyer, 2013, S. 298).

Eine andere Definition stammt von Bremmer und Roodenburg, die eine Kulturgeschichte des Humors herausgegeben haben:

„Wir sehen Humor als jede durch eine Handlung, durch Sprechen, durch Schreiben, durch Bilder oder durch Musik übertragene Botschaft, die darauf abzielt, ein Lächeln oder ein Lachen hervorzurufen“ (Bremmer & Roodenburg, 1999, S. 9).

Bei dieser Begriffsbestimmung ist offensichtlich, dass sie eine funktionale Bedeutung hat. Um kulturgeschichtlich Erscheinungen der Menschen wissenschaftlich angehen zu können, wird eine Schablone benötigt, mit der man ähnliche Phänomene untersuchen und beschreiben kann. An den zwei Definitionen wird jedoch auch erkennbar, worin ein unterschiedlicher Zugang besteht. Humor kann als dem Lachen vorausgehend verstanden werden. Oder es wird umgekehrt verstanden: Dem Humor geht etwas voraus, der Humor wäre also das Ergebnis von etwas. Es wäre dann die Frage, ob man mit Patienten Lachübungen macht und glaubt auf diese Weise, eine optimistischere Sicht der Welt zu entwickeln. Oder ob man erst verquere Weltbilder auflösen muss, um dann lachen zu können.

2.4 Humor als Schlüsselwort

Humor gehört zu den Schlüsselwörtern europäischer Geschichte. Schmidt-Hidding hat die Bedeutung des Humors und verwandter Begriffe ausführlich analysiert und aufgearbeitet (Schmidt-Hidding, 1963). So haben in der Antike Hippokrates und später Galen angenommen, dass die Mischung der Körpersäfte die Temperamente bestimmen: cholerisch, phlegmatisch, melancholisch und sanguinisch. Im 16. Jahrhundert wurde diese Vorstellung auf das Psychische übertragen. Jetzt wurden diejenigen, bei denen die Mischung der Körpersäfte aufgrund des Temperaments als abweichend angenommen wurde, die humours genannt. Humor war der Begriff für Absonderliches. Im 17. Jahrhundert verändert sich dies zur Charak|34|tereigenschaft, jetzt gab es den bösen und den guten Humor. Der Humor wurde zu einer Sonderbegabung und immer mehr zum Positiven hin ausgebaut, was sich dann konkret in der Bemerkung zum Humor von Freiherr von Knigge findet: „Wahrer Humor und ächter Witz lassen sich nicht erzwingen, nicht erkünsteln, aber sie wirken, wie das Umschweben eines höhern Genius, wonnevoll, erwärmend, Ehrfurcht erregend“ (Knigge, o. J., S. 48).

Als Begründer des modernen Humorbegriffs gilt Joseph Addison (1672–1719). Nach ihm sollte Humor stets von der Vernunft geleitet sein (Schmidt-Hidding, 1963, S. 114). Im deutschsprachigen Raum ist es Jean Paul, der den Humorbegriff formt. Er akzentuiert den Humor mit sechs Aspekten (Schmidt-Hidding, 1963, S. 198–210):

Der Humor sieht die endliche Welt im Kontrast zur unendlichen.

Trotz der Unzulänglichkeit werden die Welt und der Mensch nicht verachtet.

Im Individuellen spiegelt sich das Allgemeine.

Das Abweichende wird mit dem Herzen erfasst, ohne den Abstand aufzugeben.

Der Humorist liebt es, sich selbst zum Gegenstand seiner Scherze zu machen.

Seine Haltung, an sich selbst den komischen Konflikt zu finden, ist ein bewusster und absichtsvoller Vorgang.

2.5 Guter und schlechter Humor

Humor kann gut, schlecht oder auch rabenschwarz sein. Insofern ist Humor zumindest von der dahingehenden Wortbedeutung her nicht notwendig mit Heiterkeit oder Gelassenheit verbunden. Die höfische Gesellschaft und der von Norbert Elias beschriebene Zwang zum Selbstzwang führten dazu, dass das Individuum nicht einem äusseren Richter gegenübersteht, der Gebote und Verbote erlassen sowie bestrafen kann, das Individuum findet diese Instanz in sich selber. (Schröter, 2002, S. 873). Im Gegensatz z. B. zu einem vernunftgeleiteten Atheismus, der sich Gott als nichtexistent erklärt und dies körperlos durchführt, ist der Humor eine Haltung, die aufs engste mit dem Lachen verbunden ist. Das Lachen ist ein Herausfallen aus allem, was mit der Vernunft gesteuert werden kann.

Die Entsakralisierung war eine wesentliche Bedingung für die Entwicklung des Humors. Werner Lauer formuliert dies so: „Solange das Irdische klein und armselig ist, das Göttliche aber gross und erhaben, gibt es keinen Humor, da gibt es nur getrennte Sphären, die im Akt des Glaubens verbunden werden können, nicht aber synthetisiert und relativiert. Wird das Irdische gross, werden die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik zu faszinierenden Gebilden und wird scheinbar das Göttliche um jeweils dieses Stück der Errungenschaften kleiner, so kann der darüberstehende freie Geist des Individuums – denn nur in ihm ist zunächst etwas gross oder klein – die Weisheit der Alten mit der Torheit der jungen Generation verbinden oder die Weisheit der Jungen mit der Torheit der Alten“ (Lauer, 1974, S. 279).

Die Überwindung der Todesfurcht bezeichnen manche Autoren als die fundamentale Funktion des Humors. Allerdings kann diese Funktion nicht bestehen, wenn es einen klaren und streng beschriebenen Glauben gibt, sondern nur im schwankenden Klima des Zweifels und der Skepsis. „Der Humor gilt der Hinfälligkeit des vermeintlich Endgültigen. Er dementiert alle festen Rollen und Einstellungen, Normen und Verpflichtungen“ (Schulte, 1992, S. 77). Humor ist eine komplexe Haltung existenzieller Elastizität (Schulte, 1992, S. 77).

Eine solche Haltung ist nicht plötzlich da, es dauerte Jahrhunderte, bis sich aus einem mythologischen Weltbild eine naturwissenschaftliche Deutung der Welt entwickelte. Es mussten die irisch-schottischen Mönche die Selbstreflexion einführen, Petrus Abaelard die intentio (Absicht) als Teil der Handlung beschreiben und die Inquisition den Menschen |35|als bewusst Handelnden verdeutlichen. Die frühen Christen ahnten wohl die sensible und verletzliche Seite ihrer Religion und haben deshalb das Lachen verboten, weil damit dem Äusseren Macht zugestanden worden wäre.

Im säkularisierten Zeitalter ist der Humor nicht mehr an eine religiöse Theorie gebunden, der Mensch definiert sich unabhängig von höheren Mächten. Das Lachen ist jedoch noch der Ort, an dem in diese Selbstdefinition etwas Fremdes „einfallen“ kann, da das Lachen ein Zustand unkontrollierter Offenheit ist. Es bedeutet, der Humor muss als existenziell gefährlicher Ort verstanden werden. Mit dem Menschen passiert etwas, was sein Sein betrifft. Insofern ist mit Lauer zu fragen, ob nicht erst mit dem Christlichen die Idee des Humors geboren wurde.

Der leere Raum, der religiös bestimmt war, musste anders besetzt werden. Er konnte erst in einer Zeit genauer definiert werden, wo das Lächerliche nicht mehr Projektionsfläche war, sondern eine inszeniert humorvolle Wirklichkeit. So war der Hofnarr bis zum 16. Jahrhundert eine jämmerliche Figur, meist ein körperlich und geistig behinderter Mensch, den man verlachen durfte, weil man ihn nicht so ganz als Mensch ansah. Auf ihn wurde projiziert, was die Menschen an sich selbst als Schwächen erfahren haben. Mit dem Absolutismus wird der Hofnarr zu einem klugen Diplomaten, der seine Spässe machen konnte, aber immer Angst um seinen Kopf haben musste, wenn er es zu weit getrieben oder den Herrscher vergrault hatte.

Der Ort des Humors ist das Vakuum, mit dem das Lachen verbunden ist. Durch die Entwicklung des Ich-Bewusstseins und der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse wird dieses Vakuum nicht mehr als Gefahr wahrgenommen. Dennoch bleibt es ähnlich dem horror vacui ein Ort grosser Verunsicherung. Das Lachen darf sich mit Lust füllen, die körperlichen Empfindungen und Reaktionen beim Lachen müssen nicht mehr unterdrückt oder kontrolliert werden. Der humorvolle Mensch ist derjenige, der eine Überlebensstrategie entwickelt hat, die für diesen metaphysischen Raum gilt. Der Humor ist an der Stelle verortet, wo sich Wandlung ereignen kann oder eben nicht. Aus dem Leid kann Freude entstehen. In der christlichen Tradition entwickelte sich aus dem Glauben an die Auferstehung und der Freude darüber das Ostergelächter (hierzu Jacobelli, 1992).

Der humorvolle Mensch ist nicht der Lebenskünstler, der mit den Schwierigkeiten dieser Welt gut zurechtkommt, sondern es ist der frohe Zweifler, der auch humorvoll ist, wenn der Tod eigentlich alles zunichtemacht. Insofern ist ein humorvoller Mensch nicht notwendigerweise witzig. Er kann sich jedoch am Witz erfreuen. Er ist wie der Clown ein Grenzgänger zwischen den Welten. Er hat keine Angst vor einer Welt, in der nichts gilt und er keinen Halt hat. Daher sind Humor und Philosophie ein Versteckspiel. Die Philosophie will den metaphysischen Raum erkunden oder lehnt ihn schlichtweg wie im radikalen Realismus ab. Es ist ein Ort, an dem nichts mehr gesagt werden kann. Es kann nur spekuliert werden. Es ist eine körperlich konkrete Erfahrung und kein Konstrukt. Sokrates war noch jemand, der den Schierlingsbecher trinkt und das Vakuum mit diesem Freitod meidet. Jesus war dagegen jemand, der dieses Vakuum Tod zulässt und sich darauf einlässt, statt den Schritt zu erzwingen. Sokrates musste der Welt ironisch begegnen, Jesus konnte am Kreuz singen: „I’m always looking on the bright side of life.“

Konkret bedeutet dies, dass Humor – wie gerade beschrieben – eine irgendwie religiöse Dimension hat. Und damit lässt sich verstehen, warum manche Witze entweder grosse Freude erwecken oder als ein Sakrileg verstanden werden. Menschen, die ihren Beruf, ihre Weltbilder, ihren Status usw. sehr ernst nehmen, empfinden Witze hierüber als „Gotteslästerung“ und beginnen einen „Glaubenskrieg“. Gerade an existenziellen Bruchstellen wird dann ein heiliger Ernst dem aufmüpfigen Humor vorgezogen. Aus der Geschichte des |36|Humors lernen, bedeutet, dass sich Wandel oder Veränderung aus dem Humor und nicht aus dem Ernst heraus ergeben. Wenn Politik oder Management mit dem Ernst des herannahenden Untergangs Reformen einfordern, sachlich und realistisch den Ernst der Lage beschreiben, dann unterdrücken sie aus Angst vor einer „Gotteslästerung“ den aufmüpfigen Humor. Sie könnten vom Thron gestossen werden, wenn ihre „Machtaura“ durch humorvolle Bürger oder Mitarbeiter karikiert würde. Änderungen werden aber gerade durch solch ernste Glaubenskriege, die dem Erhalt der Macht dienen, verhindert.

2.6 Das Lachen

Eine ambivalente Haltung der Lust und dem Lustigen gegenüber durchzieht die abendländische Geistesgeschichte. Einem strengen Sokrates steht ein obszöner Diogenes entgegen. Dem Lachen wird von Aristoteles eine grosse Kraft zugewiesen, die er im zweiten Buch der Poetik wahrscheinlich ausführlich beschrieben hat. Dieses Buch ging verloren. Umberto Eco hat daraus den Stoff für seinen Roman „Der Name der Rose“ (Eco, 2008) gemacht. Hier wird deutlich, dass das Lachen in Verbindung mit der Aufklärung oder besser der Entmachtung des Göttlichen steht. Die Kirchenväter (Thiede, 1986) waren nicht amüsiert über das ungezügelte Verhalten der Glaubenden, die andere auslachten, die aber auch ungehalten waren und sich in diesem Ungezügelt-Sein von dem entfernten, was man als Haltung bei Jesus annahm.

In der Bibel findet sich keine Stelle, die belegt, dass Jesus gelacht hat. Die Kirchenväter hatten die Vorstellung, die durch die Stoa geprägt war, dass sich der Mensch beherrschen, seine Lust zügeln sollte. Da aber die Menschen ohne die Erlaubnis der Kirchenoberen lachten, wurde das Lächeln schliesslich als angemessen angesehen, denn es beruhe darauf, dass der „Lachende“ nicht aus sich herausschallt, sondern sich mässigt, mit seiner Vernunft die körperlichen Reaktionen kontrolliert. Das Buch von Umberto Eco hat viele Geisteswissenschaftler bewegt, sich intensiver mit dem Lachen zu beschäftigen. Mit dem Roman von Eco war jedoch die Richtung vorgegeben. Es ging um Beherrschung, Macht und Kontrolle. Nicht berücksichtigt wurde, was in der Ausstellung „Seliges Lächeln und höllisches Gelächter“ (Wilhelmy, 2012) in Mainz besonders deutlich gemacht wurde. Das Lachen ist ein Zustand des Menschen, in dem er willenlos ist, den Mund geöffnet hat und etwas in ihn hineinfahren kann. Auf diese Dimension verweist Hermann Schmitz mit seiner Definition des Humors: „Der Humor stellt sich mir als Einbau der Komik in die lachende Person dank einer Verfeinerung ihres Umgangs mit sich selbst.“ (Schmitz, 2015, S. 141) Für die Christen war es natürlich der Teufel, der sich auf diese Weise der Seele des Menschen bemächtigen kann. Rein phänomenologisch betrachtet ist das Lachen ein Zustand, der wie ein kleiner Tod ist, der Mensch kann sich nicht mehr bewusst kontrollieren und steuern.

In der Kunst werden selten lachende Menschen dargestellt. Es sind meist lächelnde Gestalten. Es kann damit erklärt werden, dass die Menschen in früheren Zeiten schlechte Zähne hatten und diese nicht sehr hübsch bei geöffnetem Mund aussehen. Dies ist jedoch nur ein schwaches Argument. Die Maler hätten einfach blendend weisse Zähne malen können. Entscheidend ist, dass der Unterschied zwischen einem Lächeln und einem Lachen in einem explosionsähnlichen Laut besteht. Der Laut lässt sich jedoch nicht malen oder in einer Skulptur darstellen (Ostarhild, 2002, S. 10).

Stellen wir uns einen Verrückten vor, so macht uns wohl am meisten Angst, wenn dieser irgendwelche Laute von sich gibt. Für die Psychotherapie ist auffallend, dass bei bipolaren Störungen mehr das Depressive als das Manische beschrieben wird (s. Kröber, 2007, S. 50). Man kann es mit dem Unberechenbaren |37|beim Maniker begründen. In der Malerei sind es genau solche Gestalten, bei denen die Betrachter schnell Geräusche assoziieren. Ein beliebtes Motiv für Lachende sind daher Betrunkene, die man sich leicht als gröhlend und laut vorstellen kann. Lachen ist somit auch in der bildenden Kunst eng an verwerfliche oder verrückte Charakterzüge gebunden.

Hellmuth Plessner, der die bisher einzige philosophische Monografie (Plessner, 1961) über das Lachen neben dem monumentalen Überblickswerk von Lenz Prütting (Prütting, 2013) geschrieben hat, überprüfte am Lachen und Weinen „Die Stufen des Organischen“ (Plessner, 1975) und der darin entwickelten Theorie der exzentrischen Positionalität. Das Lachen verstand Plessner nicht als einen Ausdruck, wie es von vielen verstanden wird. Es gehört nicht zu den Ausdrucksformen. Das Lächeln