Hunger und Seide - Herta Müller - E-Book

Hunger und Seide E-Book

Herta Müller

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Beschreibung

"Hunger und Seide" enthält Herta Müllers Essays aus den Jahren von 1990 bis 1995, also den Zusammenbruch des Sozialismus und das Entstehen neuer kurzlebiger Utopien: "Wenn Utopien, während sie ausgedacht und aufgeschrieben werden, von einem Satz zum anderen auch nur einen Augenblick in einem einzigen Menschen lachen, essen, gehen oder schlafen müssten, gäbe es keine.“ Wahrheit und Lüge, Aufrichtigkeit und Betrug, Macht und Widerstand in der Diktatur, das sind die großen Themen der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Autorin. "Ein Satz von Herta Müller kann einen Roman ersetzen" – die Worte von Verena Auffermann (Süddeutsche Zeitung) charakterisieren auch die Kraft dieser Essays.

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Hanser E-Book

HERTA MÜLLER

HUNGER UND SEIDE

Essays

Carl Hanser Verlag

Die Erstausgabe erschien 1995 im Rowohlt Verlag

ISBN 978-3-446-24966-0

© Carl Hanser Verlag München 2015

Umschlag und Foto: Peter-Andreas Hassiepen, München

Alle Rechte vorbehalten

Satz: Greiner & Reichel, Köln

Unser gesamtes lieferbares Programm

und viele andere Informationen finden Sie unter:

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Datenkonvertierung E-Book:

Kreutzfeldt digital, Hamburg

INHALT

Von der gebrechlichen Einrichtung der Welt.

Rede zur Verleihung des Kleist-Preises 1994

EINS

Und noch erschrickt unser Herz

Schmeckt das Rattengift

Zehn Finger werden keine Utopie

ZWEI

Hunger und Seide. Männer und Frauen im Alltag

Das Ticken der Norm

Der Einbruch eines staatlichen Auftrags in die Familie.

Frauentag und Diktatur

DREI

Lügen haben kurze Beine – die Wahrheit hat keine.

Das wahre Engagement in der Fälschung

Soldaten schossen in die Luft – die Luft war in den Lungen. Temeswar nach der Revolution

ER und SIE. Armut treibt die Menschen an Ceauşescus Grab

Der Staub ist blind – die Sonne ein Krüppel.

Zur Situation der Zigeuner in Rumänien

VIER

Die Tage werden weitergehen

Auf die Gedanken fällt Erde

Quellennachweise

VON DER GEBRECHLICHEN

EINRICHTUNG DER WELT

Rede zur Verleihung des Kleist-Preises 1994

Man liest bei Kleist, wie die Welt weder im Wissen noch im Fühlen zu erfahren ist. Wie alles aufeinander hilflos angewiesen und einander ausgeliefert ist. Wie es sich selber aussucht, was vom Äußeren im Kopf innen stehenbleibt. Wie es im Stehen schläft und schlafend immer nach sich selber horcht. Und es horcht so, dass man ihm erliegt. Ob man, was das Leben ausmacht, durch sich selber oder durch andere erfährt, ob man es als Schweigen für sich behält oder als Satz aus dem Schädel hinausschickt, es kann seinen Ausgangspunkt nicht behalten, seine eigene Absicht nicht einlösen. Es gibt für das, was das Leben ausmacht, keinen Durchblick. Nur gebrechliche Einrichtungen des Augenblicks. Und Zurechtlegungen, die nicht bis zum nächsten Schritt halten.

Als ein sieben Jahre altes Kind damals am Dorfrand mit dem Pferd in den Fluss ritt, badeten im gleichen Wasser viele Kinder. Sie hatten die Sonne auf dem Kopf und nichts als ihre Haut an. Sie sahen eine Weile neidisch auf das Kind, das auf dem Pferd ins Wasser kam. Der Bauch des Pferdes glänzte, schon bevor er nass war.

Als das Pferd mitten in den Schlingen des Flusses dieses Kind von seinem Rücken abwarf und unter seinen Hufen zu Tode trat, sah niemand hin. Der Neid der Kinder war längst vorbei, jedes von ihnen schon längst mit seiner eigenen nassen Haut beschäftigt. Und dennoch waren alle dabei, als das Pferd dieses Kind unterm Wasser zu Tode trat. Auch der Vater des Kindes war dabei. Er stand am Ufer und schaufelte Sand. Er nützte den späten Sommer und baute ein Haus, das man im Winter, der bald kam, bewohnen konnte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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