Im Herzen bei dir - Charlotte Baumann - E-Book

Im Herzen bei dir E-Book

Charlotte Baumann

0,0

Beschreibung

Wenn der Wunsch nach bedingungsloser Liebe alles überschattet: "Im Herzen bei dir" von Charlotte Baumann jetzt als eBook bei dotbooks. Die zwei Frauen kennen sich eigentlich gar nicht und doch verbindet sie etwas Besonderes, als die schwer kranke Martha ihr Tagebuch Anita gibt. Gerührt liest diese die Lebensaufzeichnungen einer schwer geprüften Frau, vom frühen Verlust der Mutter, von der Kindheit im Heim, von der Lehre im luxuriösen Haus der Familie Althausen … und von einer Liebe, die alles zerstört. Nun liegt es in Anitas Händen, einer Frau, die alles gegeben und alles verloren hat, den letzten Wunsch zu erfüllen. Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Im Herzen bei dir" von Charlotte Baumann. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 91

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über dieses Buch:

Die zwei Frauen kennen sich eigentlich gar nicht und doch verbindet sie etwas Besonderes, als die schwer kranke Martha ihr Tagebuch Anita gibt. Gerührt liest diese die Lebensaufzeichnungen einer schwer geprüften Frau, vom frühen Verlust der Mutter, von der Kindheit im Heim, von der Lehre im luxuriösen Haus der Familie Althausen … und von einer Liebe, die alles zerstört. Nun liegt es in Anitas Händen, einer Frau, die alles gegeben und alles verloren hat, den letzten Wunsch zu erfüllen.

Über die Autorin:

Charlotte Baumann ist das Pseudonym der Autorin und Übersetzerin Maria Linke. Die Mutter von zwei Kindern und stolze Großmutter eines Enkels lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Köln.

Bei dotbooks veröffentlicht Charlotte Baumann bereits ihre Romane »Sommer der Träume« und »Am Ende jenes Sommers«.

***

Originalausgabe Februar 2017

Copyright © der Originalausgabe 2016 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Rabea Güttler

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Tootles, Jan Veres

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-876-2

***

Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: [email protected]. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

***

Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weitere Bücher aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort »Im Herzen bei dir« an: [email protected] (Wir nutzen Ihre an uns übermittelten Daten nur, um Ihre Anfrage beantworten zu können – danach werden sie ohne Auswertung, Weitergabe an Dritte oder zeitliche Verzögerung gelöscht.)

***

Besuchen Sie uns im Internet:

www.dotbooks.de

www.facebook.com/dotbooks

blog.dotbooks.de/

Charlotte Baumann

Im Herzen bei dir

Roman

dotbooks.

Manchmal begegnen wir Menschen, die uns tief berühren, ohne dass wir wissen warum. Sie geben unserem Leben einen neuen Ausblick aufs Leben, oft einen neuen Sinn, und wenn sie gegangen sind, sind wir nicht mehr dieselben wie vorher. Vielleicht wecken sie eine tief verborgene Seite in uns, machen uns auf etwas aufmerksam, was wir eigentlich am liebsten vergessen hätten. So ist es mir mit Martha ergangen, der ich an Weihnachten vor zwei Jahren begegnet bin. Ich habe sie kaum gekannt, aber sie war vom ersten Moment an eine verwandte Seele, und auf eine seltsame, unerklärliche Weise scheine ich sie tief in mir zu tragen. Ich denke nicht oft an sie, aber wenn, spüre ich immer, wie sehr ihre Geschichte mich auch heute noch berührt. Sie gehört zu meinem Leben – und seit ich ihr begegnet bin, auch zu meinem Weihnachtsfest.

Weihnachten hat mir, seit ich erwachsen bin, nie etwas bedeutet. Vielleicht war das sogar in meiner Kindheit schon so, aber das weiß ich nicht. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Dieses ganze Gerede vom »Wunder der Weihnacht« und »Friede auf Erden« finde ich eher rührselig und albern. Wir brauchen uns doch bloß anzuschauen, was in der Welt so alles passiert, und dann dürfte jedem klar sein, dass es mit dem Zauber an einigen wenigen Tagen im Jahr nicht sehr weit her sein kann.

So gesehen hat die Geschichte, die ich mit Martha erlebt habe, denn auch mit Weihnachten außer dem Datum gar nicht so viel zu tun. Und doch habe ich damals zum ersten Mal in meinem Leben eine Ahnung davon bekommen, was das Weihnachtsfest in seinem ursprünglichen Sinn, als Fest der Liebe und der Nächstenliebe, in uns Menschen bewirken kann.

Mein Name ist Anita Müllerschön, und ich arbeite seit über zwanzig Jahren bei der Bahnhofsmission in Saarbrücken. Der Schichtdienst ist anstrengend, und die Schicksale der Menschen, denen man begegnet, gehen einem sehr zu Herzen, da kann man noch so lange dabei sein. Aber in einer äußerst schwierigen Phase meines Lebens habe ich gerade in einer Bahnhofsmission viel Wärme und Unterstützung erfahren, daher möchte ich gerne anderen Menschen, die Hilfe brauchen, etwas davon zurückgeben.

Wir haben ein umfassendes Angebot und helfen allein reisenden Kindern oder behinderten Personen ebenso wie Obdachlosen oder Gestrandeten. Bei uns findet jeder einen heißen Tee und ein offenes Ohr. Und reden wollen die meisten, zumindest nachdem sie sich ein wenig aufgewärmt haben.

An Weihnachten haben wir länger als sonst geöffnet, und zusätzlich zu den heißen Getränken gibt es auch noch ein warmes Abendessen. Es kostet nichts, aber wir sind natürlich dankbar für jede Spende. Gerade an Weihnachten haben wir ein volles Haus, und da ich keinen Wert darauf lege, das Fest der Liebe alleine in meinen vier Wänden zu feiern, übernehme ich schon seit Jahren freiwillig den Dienst am Heiligabend und an den Feiertagen.

An jenem Weihnachtsabend vor zwei Jahren fiel mir Martha gleich auf. Saarbrücken ist keine große Stadt, und die meisten meiner »Schützlinge« kenne ich, weil sie regelmäßig zu uns kommen. Größtenteils sind es Obdachlose oder alte Menschen, deren Rente nach einem langen Arbeitsleben nicht ausreicht, um ihnen einen sorgenfreien Lebensabend zu bescheren. Wie gesagt, ich kenne sie fast alle. Diese Frau hatte ich jedoch noch nie gesehen. Sie war mittelgroß und sehr schlank, und obwohl sie ärmlich aussah, wirkte sie viel gepflegter als die meisten Leute, die sich bei uns ihre warme Mahlzeit abholen. Ihre Kleidung war abgetragen und fadenscheinig, und doch strahlte sie etwas Distanziertes, Vornehmes aus, sodass ihr von den anderen Gästen an diesem Abend niemand zu nahe kam. Als sie ihren alten Trenchcoat auszog, der für die Jahreszeit entschieden zu leicht war, sah ich, wie mager sie tatsächlich war, und aus einem Impuls heraus gab ich ihr eine besonders große Portion von dem Hühnerfrikassee mit Reis, das wir gekocht hatten. Als sie den Teller entgegennahm, sah ich, wie sie schluckte. Sie musste großen Hunger haben.

»Frohe Weihnachten«, sagte ich zu ihr. »Lassen Sie es sich schmecken. Wenn Sie möchten, können Sie gerne noch einen Nachschlag haben.«

»Auch Ihnen frohe Weihnachten«, sagte sie leise. »Danke.« Sie sprach Hochdeutsch, ohne jeden Dialektanklang, aber als sie den Mund aufmachte, sah ich, dass ihr unten ein Schneidezahn fehlte. Und quer über ihre linke Wange verlief eine wulstige, bläulich-rot schimmernde Narbe, die so aussah, als sei sie schlecht verheilt.

Die Frau ging mit ihrem Teller an einen kleinen Tisch in der hintersten Ecke. Ich ließ sie in Ruhe essen, behielt sie jedoch im Auge. Sie rührte etwas in mir an. Vielleicht erinnerte sie mich irgendwie an meine eigene schlimme Zeit, als auch ich so hungrig und verloren durch die Weltgeschichte geirrt war.

Sie aß langsam, und als ich ihr nach einer Weile ihr Dessert brachte, das sie wieder mit einem leisen »Danke« entgegennahm, war ihr Teller noch nicht einmal zur Hälfte leer.

»Schmeckt es Ihnen nicht?«, erkundigte ich mich verwundert. Hühnerfrikassee war eines unserer beliebtesten Standardgerichte, und normalerweise machten sich alle unsere Gäste begeistert darüber her.

»Doch, doch, es schmeckt sehr gut«, erwiderte sie. »Ich habe keinen großen Hunger.« Ihre Stimme klang angestrengt, und ich musterte sie ungläubig.

Dass sie keinen Hunger hatte, konnte ich mir ja nun gar nicht vorstellen. Wenn man sie so ansah, hörte man förmlich, wie ihr der Magen knurrte. Sie griff wieder zum Besteck, und ich wollte mich gerade abwenden, als sie plötzlich ohne Vorwarnung zur Seite kippte und von der Bank, auf der sie saß, herunterrutschte.

Erschrocken beugte ich mich über sie und tastete automatisch nach ihrem Puls. Ich bin gelernte Krankenschwester, manche Gesten sind wie ein Reflex. Der Puls war ganz schwach zu spüren, zum Glück war sie nur ohnmächtig. Ich drückte sofort den Notrufknopf, den wir alle um den Hals trugen, für den Fall, dass einmal etwas Ernsteres passierte. Es dauerte nicht lange, und die Sanitäter kamen durch den Hintereingang herein. Die Frau wurde auf eine Trage gehoben und ins nahe gelegene Kreiskrankenhaus transportiert. Die Gäste an den umliegenden Tischen hoben kaum den Kopf, so beschäftigt waren sie mit ihrem Weihnachtsessen. Ich kannte meine Pappenheimer und hatte mit nichts anderem gerechnet. Dass jemand umfiel und ins Krankenhaus gebracht wurde, kam leider häufiger vor.

»Ich komme nach«, sagte ich zu den Sanitätern, »und bringe ihren Mantel und den Rucksack. Da sind wahrscheinlich Papiere drin.« Die Männer nickten. Sie kannten mich bereits von früheren Einsätzen. Ich warf noch einen Blick auf die leblose Gestalt auf der Trage. Ein auffälliges Schmuckstück, das halb unter dem Ärmel ihres schwarzen Pullovers verborgen war, stach mir ins Auge. Es war ein dreireihiges Perlenarmband mit einer breiten silbernen Schließe. Es sah wertvoll aus, obwohl es natürlich auch Modeschmuck sein konnte, der ja mittlerweile von echtem Schmuck nicht mehr zu unterscheiden war. Kurz ging mir durch den Kopf, dass sie wohl bessere Zeiten gesehen haben musste, aber dann wandte ich mich ihren Sachen, die noch auf der Bank lagen, zu und dachte nicht mehr an das Armband. Das fiel mir erst im Krankenhaus wieder ein, als ich Mantel und Rucksack zur Anmeldung brachte. Wie vermutet befand sich im Rucksack der Personalausweis, aus dem hervorging, dass die Frau Martha Kubetzky hieß. Weiter befand sich nicht viel im Rucksack: ein Paar schwarze Wollhandschuhe, eine saubere Garnitur Unterwäsche, die allerdings auch schon bessere Tage gesehen hatte, eine ausgefranste Zahnbürste, ein Kamm, eine angebrochene Tube Zahnpasta, ein altes Handtuch, eine kleine Plastikmappe mit Fotos und eine dicke dunkelgrüne Heftkladde. Sie war mit Gummiband umwickelt, in dem ein Bleistift steckte. Ganz unten im Rucksack lag ein Samtbeutel, in dem sich eine Perlenkette befand, die genau wie das Armband eine silberne Schließe hatte. Ich ließ die Sachen im Krankenhaus, bat die Frau an der Anmeldung, die ich gut kannte, mir Bescheid zu sagen, wenn es irgendwelche Neuigkeiten gab, und dann fuhr ich eilig wieder zurück in die Bahnhofsmission. Wir hatten sehr viel zu tun, und ich konnte die Kollegin, die mit mir zusammen Dienst hatte, nicht so lange alleine lassen. Die zahlreichen Gäste nahmen mich voll und ganz in Anspruch, sodass ich nicht weiter über die Frau nachdenken konnte.

Wir hatten an allen Weihnachtstagen ausnahmsweise bis Mitternacht geöffnet. Nach und nach leerte es sich so langsam und die meisten verabschiedeten sich in die für die Jahreszeit zum Glück ungewöhnlich milde Winternacht. In der Bahnhofsmission durfte niemand übernachten, das wussten unsere »Stammkunden«, und ich war immer froh, wenn das Wetter einigermaßen gut war, damit die Obdachlosen, die zu uns kamen und anschließend nicht in eines der Wohnheime wollten, sondern lieber draußen übernachteten, es nicht so schwer hatten, ein geschütztes Plätzchen zum Schlafen zu finden.

Als alle weg waren, räumten wir auf. Ich hatte die letzten Teller in den Schrank geräumt und wollte gerade meinen Mantel holen, als mein Handy klingelte. Die Krankenschwester aus dem Krankenhaus war am Apparat.