Verlag: GRAFIT Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Im Schatten des Sommers - Silke Ziegler

Ein packender Fall und eine bewegende Liebesgeschichte vor der atemberaubenden Kulisse Südfrankreichs: Sophia Mildner erhält einen Anruf der französischen Polizei. Völlig unerwartet hat sich eine neue Spur ergeben, die das ungeklärte Verschwinden ihrer Eltern und ihres kleinen Bruders vor über zwei Jahrzehnten endlich aufklären könnte. Bei einem Autounfall ist ein bislang nicht identifizierter Mann schwer verletzt worden. Der Unbekannte hat tiefe Schnittwunden am Oberkörper. Er trägt ein altes Foto bei sich: Die Frau darauf ist niemand anderes als Sophias Mutter. Was ist dem Fremden widerfahren? Und in welcher Verbindung steht er zu der verschwundenen Familie? Sophia bricht ins idyllische Argelès-sur-Mer an der südfranzösischen Küste auf – und gerät sofort in Streit mit dem ermittelnden Polizisten Nicolas Rousseau. Dabei verbindet die beiden mehr, als sie am Anfang ahnen …

Meinungen über das E-Book Im Schatten des Sommers - Silke Ziegler

E-Book-Leseprobe Im Schatten des Sommers - Silke Ziegler

Silke Ziegler

Im Schatten des Sommers

Spurensuche im Roussillon

Kriminalroman

©2016 by GRAFIT Verlag GmbH

Chemnitzer Str.31, D-44139 Dortmund

Internet: http://www.grafit.de

E-Mail: info@grafit.de

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design

eBook-Produktion: CPI books GmbH, Leck

Die Autorin

Silke Ziegler, Jahrgang 1975, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Weinheim an der Bergstraße. Die gelernte Finanzassistentin arbeitet nach Anstellungen in diversen Kreditinstituten inzwischen an der Universität Heidelberg.

Die Reisen, die Silke Ziegler mit ihrer Familie unternimmt, inspirieren sie immer wieder zu neuen Geschichten.

Prolog

Freitag, 7.August 1992Argelès-sur-Mer

»Bitte, Sophia!« Carine Mildner öffnete die hintere Autotür und blickte ihre Tochter flehentlich an.

Doch Sophia wandte demonstrativ den Kopf ab, während sie ihre Lippen fest aufeinanderpresste. Unschlüssig stand ihre Mutter neben dem Wagen und schien nachzudenken. Schließlich öffnete sie erneut den Mund, um ihre Überredungskünste einzusetzen.

»Carine, kommst du?« In einiger Entfernung drehte sich Sophias Vater um und sah seine Frau abwartend an. Diese ließ ihren Blick unsicher zwischen Mann und Tochter hin- und herwandern.

»Na schön«, seufzte sie letztlich, drückte den Verriegelungsknopf auf Sophias Seite herunter und schlug enttäuscht die Autotür zu.

Nach einem weiteren kurzen Zögern wandte sie sich ab, um ihrem Mann und Sohn in den Intermarché zu folgen.

Langsam drehte Sophia den Kopf und schaute ihrer Mutter wütend hinterher, die schweren Schrittes auf den Supermarkt zusteuerte. Da die hinteren Scheiben des Wagens getönt waren, durfte sie sicher sein, dass ihre Mutter den Blick nicht erkennen konnte. Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete Sophia, wie ihr zweijähriger Bruder Frederick sich immer wieder von der Hand seines Vaters losriss und davonrennen wollte. Zögernd folgte ihre Mutter den beiden in etwa zwanzig Meter Entfernung.

Mürrisch ließ Sophia den Blick über den weitläufigen Parkplatz schweifen. Kaum ein halbes Dutzend Fahrzeuge stand vor dem Einkaufszentrum. Kein Wunder, dachte Sophia genervt, während sie auf ihre Uhr blickte. Kurz vor acht. Wer sonst stand in den Sommerferien um diese Zeit auf?

Gelangweilt verfolgte sie, wie ihre Mutter nur wenige Sekunden nach ihrem Vater und Frederick an einem grünen Transporter vorbeiging und aus dem Blickfeld verschwand. Verärgert kaute Sophia auf ihrer Unterlippe. Warum mussten sie unbedingt heute nach Perpignan fahren?

Nachdem ihre Mutter gestern Nachmittag einiges erledigen wollte, während Sophia mit Papa und Frederick den Strand von Argelès näher in Augenschein genommen hatte, war sie abends relativ spät in das Ferienhaus zurückgekehrt, um freudestrahlend zu verkünden, morgen mit der ganzen Familie einen Ausflug nach Perpignan unternehmen zu wollen.

Obwohl Sophia sie mehrmals eindringlich gebeten hatte, den Ausflug zu verschieben, und auch ihr Vater sie unterstützte, da er meinte, die Stadt liefe schließlich nicht davon und der Urlaub habe doch gerade erst begonnen, war Mama nicht von ihrem Plan abzubringen gewesen. Natürlich hatte Sophia ihr nicht den wahren Grund genannt, warum sie heute unbedingt wieder an denselben Strand wie gestern wollte. Der ging schließlich weder ihre Mutter noch ihren Vater etwas an. Immerhin war sie schon elf Jahre alt! Ihre Eltern mussten nicht alles wissen.

Sie dachte an den braun gebrannten Jungen, der sie gestern angesprochen hatte, als sie mit Frederick am Wasser spielte. Ganz fasziniert hatte er sie angestarrt, bevor er sie schließlich fragte, was sie mit ihren Haaren angestellt hätte. Irritiert hatte Sophia den Jungen gemustert, da sie nicht gleich verstand, was er überhaupt meinte. Er hatte rabenschwarze, lockige Haare und ebenso dunkle Augen. Als er sie anlachte, blitzten seine weißen Zähne auf, die die dunkle Haut noch stärker betonten. Verunsichert fasste sie sich an ihr Haar und fragte ihn, was er meine.

»Sie sehen aus, als ob sie brennen«, antwortete er grinsend.

Genervt verzog sie das Gesicht, während sie Frederick betrachtete, der gerade dabei war, seine selbst gebaute Sandburg zu zerstören.

»Sie sind rot«, entgegnete sie schnippisch. Was sollte die blöde Frage? Okay, in ihrer Klasse war Sophia die Einzige mit dieser Haarfarbe. Aber Ralf aus der 7a, der hatte auch rote Haare. Na ja, vielleicht eher orange. Seine ähnelten der Farbe von Karotten, während ihre tatsächlich den züngelnden Flammen eines Lagerfeuers glichen.

»Sie sind schön. Ich habe noch nie solche Haare gesehen«, erwiderte der Junge verlegen.

Geschmeichelt von seinen Worten, musste Sophia dann gegen ihren Willen doch lächeln. Irgendwie hatte er eine nette Art an sich. Danach zeigte er Frederick, wie man einen einigermaßen funktionierenden Staudamm baut, bevor er sich schließlich nach einer halben Ewigkeit von ihnen verabschiedete, weil er nach Hause musste. Nachdem er ihr die Münze geschenkt hatte.

Nachdenklich betrachtete Sophia ihren Daumennagel und zupfte unruhig an einem Stück Haut. Zum Abschied hatte der Junge ihr zugewinkt und gefragt, ob sie am nächsten Tag wieder an den Strand käme. Ihre erste Verabredung. Abwesend blickte Sophia aus dem Fenster. Obwohl sie ihn nicht gefragt hatte, schätzte sie, dass er zwei oder drei Jahre älter als sie war. Immerhin durfte er bereits allein an den Strand. Davon konnte sie nur träumen. Verächtlich stieß Sophia den Atem aus.

Ein Ausflug nach Perpignan! Frederick war noch viel zu klein, als dass ihn irgendetwas anderes als Burgenbauen und das Herumtollen im Wasser interessieren würde. Auch ihr Vater schien sich eher auf einige ruhige Tage am Meer eingestellt zu haben, an denen er endlich mal dazu käme, ein gutes Buch zu lesen, anstatt bei diesen Temperaturen die heißeste Stadt Frankreichs zu besuchen. Doch ihre Mutter hatte eben mal wieder ihre eigenen Pläne. Wütend lehnte Sophia den Kopf an die kühle Scheibe und überlegte. Gestern Abend hatte sie beschlossen, kein Wort mehr mit Mama zu reden. Geschah ihr ganz recht. Schließlich war sie kein kleines Kind mehr, das sich immer dem Willen seiner Eltern beugen musste. Sollte ihre Mutter doch allein nach Perpignan fahren.

Sobald sie zurückkäme, würde Sophia ihr mitteilen, dass sie ins Ferienhaus zurückwollte. Ihre Mutter konnte nicht einfach über sie bestimmen, wie es ihr gefiel, schließlich war sie schon fast erwachsen, anders als Frederick. Bestimmt ließ sich der Junge vom Strand auch nichts mehr von seinen Eltern sagen.

Mit ihrem Finger verfolgte sie eine Fliege, die außen an der Scheibe entlanglief.

Eigentlich hatte sich Sophia riesig gefreut, als Mama vor einigen Tagen ganz überraschend den Vorschlag machte, nach Südfrankreich zu fahren, in ihre Heimat, um der Familie zu zeigen, wo sie herkam. Immerhin war es das allererste Mal überhaupt, dass sie in den Süden fuhren.

Karla, Sophias beste Freundin, fuhr in den Sommerferien immer mit ihren Eltern auf einen Bauernhof irgendwo in Bayern. Obwohl sie ihnen bereits mehrmals gesagt hatte, dass sie sich nicht mehr für die Kühe und Schweine dort interessierte, wichen die Eltern nicht von ihren Urlaubsplänen ab. Und Silvia, ihre zweitbeste Freundin? Nun, die fuhr mit ihrer Familie dreimal im Jahr zum Wandern in die Berge. Sophia seufzte. Nein, da war Südfrankreich schon was ganz anderes. Das Land gefiel ihr. Da ihre Mutter auch zu Hause in Deutschland mit ihr oft Französisch sprach, hatte Sophia keinerlei Verständigungsprobleme. Obwohl sie erst seit drei Tagen hier waren, fühlte sie sich sehr wohl.

Genervt blickte Sophia auf die Uhr. Wo blieben ihre Eltern nur? Sie wollten doch nur ein paar Brötchen und Baguette für die Autofahrt holen. Müde legte sie ihren Kopf zurück und schloss die Augen. Ob der Junge auf sie warten würde? Sie kannte noch nicht einmal seinen Namen. Toll, Sophia.

Sobald sie ihn wieder am Strand traf, würde sie ihn danach fragen. Vielleicht hieß er Jean. Oder Laurent. Oder Luc. Sie musste schmunzeln. Bestimmt hatte er einen schönen Namen, der gut zu seinem hübschen Gesicht passte.

Gereizt betrachtete sie die weiße Haut ihres Unterarms, auf der sich unzählige Sommersprossen tummelten. Niemals würde sie so braun wie er werden. Wenn sie sich zu lange in der Sonne aufhielt, bekam sie lediglich einen Sonnenbrand. Aber vielleicht gefiel ihm ja ihre helle Haut, so wie sie seine dunkle mochte.

Langsam wurde es warm im Wagen. Sophia spürte, wie sich die Hitze in dem kleinen, abgeschlossenen Raum staute. Obwohl es noch früh war, brannte die Sonne bereits unerbittlich von dem strahlend blauen, wolkenlosen Himmel.

Während sie fieberhaft überlegte, warum ihre Eltern so lange beim Bäcker benötigten, beobachtete Sophia aus dem Augenwinkel, wie andere Fahrzeuge auf den Parkplatz einbogen und kurze Zeit später wieder wegfuhren.

Die können mich mal, dachte sie wenige Minuten später und löste wütend den Verriegelungsknopf. Unsicher öffnete sie die Tür und genoss für einen kurzen Moment den leichten Windstoß, der die Hitze etwas erträglicher machte. Nach einem weiteren Augenblick stieg sie schließlich entschlossen aus dem Wagen, drückte den Knopf gewissenhaft wieder hinunter und schlug die Tür zu. Während sie mit ihren Augen prüfend das Gelände absuchte, steuerte sie langsam auf den Eingang des Einkaufszentrums zu. Mittlerweile war es kurz vor neun. Immer mehr Kunden strömten in die Geschäfte im Inneren.

Da sie gestern Morgen schon hier eingekauft hatten, wusste Sophia bereits, wo sich der Bäcker befand. Nervös trat sie durch die gläserne Eingangstür und wandte sich nach rechts.

An der Theke stand nur eine einzige Kundin. Verwirrt blickte Sophia sich suchend um, während sie sich langsam um ihre eigene Achse drehte. Gab es hier etwa noch einen anderen Bäcker? Argwöhnisch näherte sie sich der Auslage und wartete, bis die Kundin ihren Einkauf beendet hatte.

»Was möchtest du haben, Mademoiselle?« Fragend beugte sich die Verkäuferin zu ihr hinab.

Aufgeregt biss Sophia sich auf die Lippe. »Meine Eltern…«, stammelte sie. »Ich suche meine Eltern. Sie wollten hier vor über einer Stunde einkaufen.«

Irritiert blickte die Verkäuferin sie an. »Wie sehen deine Eltern denn aus? Da ich seit sieben Uhr hier bin, müssten sie eigentlich bei mir gewesen sein.«

Mit stockenden Worten beschrieb Sophia der Frau die Haarfarbe und Größe ihrer Eltern. Schließlich erwähnte sie noch ihren kleinen Bruder, an den sich die Frau doch auf jeden Fall erinnern müsste.

Doch die Verkäuferin verzog ihr Gesicht zu einer merkwürdigen Grimasse und schüttelte den Kopf. »Nein, bei mir waren deine Eltern nicht. Tut mir leid.« Als sie Sophias panischen Blick bemerkte, fuhr sie hastig fort: »Vielleicht kaufen sie ja stattdessen im Intermarché ein. Warte doch einfach hier bei mir auf sie.« Sie deutete den Gang entlang. »Da drüben befindet sich der Kassenbereich. Wenn sie im Supermarkt sind, müssen sie dort auf jeden Fall durch. Wir können sie also gar nicht verpassen.«

Doch auch eine gute halbe Stunde später, die Sophia nervös auf einem Stuhl sitzend bei der Bäckereiverkäuferin verbracht hatte, waren ihre Eltern noch immer nicht wieder aufgetaucht.

Ängstlich bemerkte sie, wie die ältere Frau ihr in unregelmäßigen Abständen mehrmals besorgte Blicke zuwarf.

Als ihre Eltern auch nicht erschienen, nachdem sie namentlich über Lautsprecher aufgefordert wurden, sich umgehend an der Information des Intermarchés

1

Sonntag, 29.Mai 2016In der Nähe von Argelès-sur-Mer

Genervt drehte sich Heike Hohlmann zu ihren Kindern um und bemühte sich um einen ruhigen Tonfall. »Wir sind vor zehn Minuten losgefahren. Das bedeutet, dass wir noch etwa elf Stunden Fahrt vor uns haben. Daher braucht ihr nicht alle zwei Minuten fragen, wann wir endlich da sind.«

Da sie sich vorsichtig wieder zurücksetzte, während sie sich müde mit der Hand über ihre Stirn fuhr, bemerkte sie den verschwörerischen Blick ihres siebenjährigen Sohns Christoph nicht, den dieser seiner Zwillingsschwester Samira zuwarf.

»Was für eine Hitze«, stöhnte Heike.

»Vielleicht hätten wir doch schon gestern Nacht losfahren sollen«, pflichtete ihr Mann ihr bei, während er konzentriert auf die Fahrbahn blickte.

»Ja, vielleicht. Aber eigentlich sind wir doch zu dem Schluss gekommen, nicht übermüdet in die Nacht zu fahren.«

»Nicht mehr lange, bis wir die Autobahn erreicht haben«, erklärte Frank Hohlmann seiner Frau, während er einen roten Renault überholte, der mit Tempo fünfzig über die Nationalstraße ruckelte.

Heike lehnte ihren Kopf an die kühle Scheibe der Beifahrertür. Noch ein Tag, bevor ihr nervenaufreibender Alltag wieder begann. Nach einem äußerst entspannten Südfrankreichurlaub endeten heute die Pfingstferien.

Sie seufzte leise, während die Zwillinge auf dem Rücksitz erneut begannen, sich um ein Buch zu streiten, das Christoph gestern angeblich seiner Schwester geschenkt hatte. Natürlich konnte er sich heute nicht mehr daran erinnern, insbesondere, da Samira gerade damit beginnen wollte, es zu lesen. Unauffällig warf

Heike ihrem Mann einen kurzen Blick zu. Auch Frank hatte sich die letzten Tage erholen können, sein Gesicht war sonnengebräunt, die Sorgenfalten, die sich im Laufe der Jahre auf seiner Stirn gebildet hatten, schienen wie ausgebügelt. Es war ihr erster Urlaub seit fünf Jahren gewesen. Und sie hatten ihn bitter benötigt.

Als der Lärm abermals auf ein unerträgliches Maß anschwoll, drehte sie sich erneut genervt nach hinten, um die Zwillinge zu ermahnen. Mit Unschuldsmienen erwiderten die beiden den wütenden Blick ihrer Mutter und verzogen gleichzeitig ihre kleinen Münder zu einem harmlosen Lächeln.

Als Heike gerade ansetzen wollte, die Kinder zu etwas Ruhe anzuhalten, ertönte plötzlich ein lauter Schlag, der den ganzen Wagen zum Erzittern brachte.

»Scheiße!« Die entsetzte Stimme ihres Mannes wurde nur vom unangenehm schrillen Quietschen der Bremsen übertönt. Die Zwillinge verstummten schlagartig, während Heike durch das abrupte Anhalten in ihrem Sitz herumgerissen wurde. Der Sicherheitsgurt schnitt tief in die Haut ihres Halses und schnürte ihr für einen kurzen Moment die Luft ab.

Während sie hastig den Gurt lockerte, drehte sie sich entsetzt zu ihrem Mann. »War das ein Tier?« Ihre Stimme zitterte.

Endlich kam der Wagen am Straßenrand zum Stehen. Die Stille, die sich nach dem Abschalten des Motors ausbreitete, wirkte gespenstisch.

Frank Hohlmann war leichenblass und saß für einen Augenblick wie erstarrt in seinem Sitz.

»War das ein Tier?«, wiederholte Heike ihre Frage eindringlich. Mit zusammengekniffenen Augen schaute sie in den Seitenspiegel. Doch sie erkannte nur schemenhaft etwas am rechten Rand der Route Nationale liegen, etwa hundert Meter hinter ihnen.

Mit reglosem Blick schüttelte Frank seinen Kopf.

»Was war das, Frank?«, flüsterte Heike heiser.

»Ein … Mensch«, stammelte er leise. »Ein Mann.«

»Du hast einen Mann überfahren?«, erwiderte sie schrill.

»Er…«, Frank versagte die Stimme, »…er war plötzlich da. Ich habe ihn nicht gesehen.« Er brach ab. »Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Die Kinder, der Krach, verdammt!« Ein lauter Knall ertönte, als er mit seiner Faust auf das Lenkrad schlug.

Während er sich die Augen rieb, wandte Frank sich an seine Frau. »Ruf die Polizei und den Notarzt. Ich gehe nachschauen, was mit…« Nach einem Blick über die Schulter auf die Kinder verstummte er. »Ich sehe nach, was ich tun kann.«

Nachdem Frank den Wagen verlassen hatte, öffnete Heike mit zitternden Händen das Handschuhfach, in dem sie den Reiseführer vermutete. Erleichtert holte sie ihn heraus und begann zu blättern. Wie erhofft, war sowohl die Nummer des Notarztes als auch der Polizeinotruf aufgeführt. Nachdem sie die Kinder erneut ermahnt hatte, sich ruhig zu verhalten, wählte sie nervös und suchte in Gedanken verzweifelt nach den verbliebenen Brocken Französisch, die aus dem Jahrzehnte zurückliegenden Schulunterricht in irgendeiner hinteren Gehirnwindung auf ihre Wiederbelebung warteten.

Frank Hohlmann lief hastig zu der reglosen Person am Rand der Straße. Als er sich dem Verletzten näherte, erkannte er, dass der Mann auf dem Bauch lag, den Kopf auf merkwürdige Weise zur Seite verdreht. Seine blaue Jeans war blutverschmiert.

Vorsichtig beugte er sich über den Fremden und musterte das blasse Gesicht des Unfallopfers. Sein letzter Erste-Hilfe-Kurs lag Jahre zurück, doch auch ohne größere medizinische Kenntnisse konnte er erkennen, dass der Mann schwer verletzt war. Hoffentlich traf der Notarzt bald ein. Frank streckte seine rechte Hand aus und berührte leicht den Hals des Fremden. Als er schwach den Puls der Halsschlagader spürte, atmete er erleichtert auf. Der Mann lebte. Zweifelsfrei hatte er schwere Verletzungen erlitten, aber immerhin lebte er.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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