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Nachdenklich, (selbst)ironisch, hoffnungsvoll: moderne deutsche Gedichte Der Blick durchs lyrische Fenster fällt auf Alltägliches ebenso wie auf Besonderes: Wie wir miteinander umgehen (sollten), steht dabei ganz besonders im Fokus von Friedrich Treber, ob im Kreis der Familie oder im Weltgeschehen. In tradierten Formen befassen seine Gedichte sich mit den Schwachen und Ausgegrenzten, mit der Frage nach dem Glück, mit Liebe, Religion und Politik. Er hinterfragt und durchdringt scheinbare Wahrheiten mit den Mitteln von Sprache und Form und ermöglicht so neue Sichtweisen, die sich zu entdecken lohnen. Einige der in diesem Band veröffentlichten Gedichte sind auch als Lieder auf insgesamt vier CDs von Friedrich Treber erschienen.
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Seitenzahl: 51
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ein Geschenk für Lehrer Müller?, Weinheim 1994
Sitzengeblieben., Weinheim 1994
Glaube, Liebe, und so weiter., Weinheim 1998
Alleine hält das keiner aus!, Weinheim 1999
CD: Steine und Blumen., Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2005
CD: Von der anderen Seite., Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2008
CD: Neben der Spur., Leico, Illingen/ Saarland 2014
CD: Scherben beßrer Welt., Leico, Illingen/ Saarland 2017
Gewidmet meinem Hundebruder, der mir als Kind viel half und spurlos verschwand, als ich 16 war.
Ungeliebte Lasten
Zeit des Hoffens
Die Einen und das Ganze *
Wachsen dürfen
Mord ohne Kopf
Jedem Kind seinen Teddybär ** & ****
Statt einer Antwort
Das euch die Menschen tun sollen *
Kätzchen kommt nicht ***
Zuflucht ohne Raum
Andere Kinder * & ****
Ketten des Leidens
Blumenleben
Lehrer Löwenzahn
Stummer Schmerz
Geben, wovon wir zu wenig bekamen ***
Oase des Augenblicks
Durango war nur ein Traum
Schwanenlicht **
Unterschlagung **
Träume vom Süden * & ****
Fremde Frau * & ****
Allein sein können *
Weiwer, wo de im Räe schtehscht ***
Froh, dass ich dich habe **
Das Monster in mir
Bühne frei für Lügner?
Alter Poet **
Mensch zwischen uns **
Scherben bessrer Welt ****
Neben der Spur ***
Lehrer im Stern-Licht
Che wurde Realschulrektor ***
Regenfenster
Land, das auf meinem Ausweis steht ***
Bilder eines bayerischen Malers
Die vergessene Region ***
Likedeeler ** & ****
Möwen hinter dem Dorschboot ** & ****
Tresensteher ** & ****
Netzprinzessin ***
Sonny Liston, ein Boxer ***
Kein Meistermacher
Zum Tode eines Siegers *
Bärenweg
Ein ganz gewöhnlicher Nachmittag
Zahlen ohne Bilder *
Zu einem gängigen Spruch
Zwang im Namen von Propheten ****
Von Frohbotschaft zur Drohbotschaft: Ananias und Saphira ****
Tierischer Wohlstand ***
Recht ist ein Zaun ohne eigene Kraft ****
In Zeiten des Verfehlens **
Leben in Steinen?
Selbstbetrug ums Morgen?
Jorgos, der Fischer * & ****
Nachsaison
Späte Tage im Licht
Herbstjubeltod
Oktober im Bayerischen Wald
Winterabend **
Weihnacht, was soll’s?
Wahrheit hinterm Licht
Liebevoll an andre denken
Weihnacht, ein Licht uns gegeben
Stasny novy rag, Anina! *
Verpasste Gelegenheiten ***
Die mit Sternchen gekennzeichneten Titel sind ebenfalls auf CD erschienen:
* Steine und Blumen.
** Von der anderen Seite.
*** Neben der Spur.
**** Scherben beßrer Welt.
Vorm innern Auge ging der Vorhang hoch
für abgelaufne Szenen, oft verflucht.
Ein zappelndes Gedankenspiel versucht,
die Damalsrolle jetzt zu schönern noch.
Du weißt doch, Kopf, dass im Gewebe Zeit
die Maschen ineinander hängen fest
und keine losgelöst sich greifen lässt.
Nie umzuhäkeln ist Vergangenheit!
Die schwachen Rollen von sich weisen weit,
den Platz im Rudel hoch nur nehmen an
entspringt Alleinseinsangst aus Kinderzeit.
Wunsch-Selbstbild überblendet Wirklichkeit.
Ihm nachzuhecheln Schreck nicht bannen kann,
blinkt Mangel durch an Lebenstüchtigkeit.
Der Sonneneinfallswinkel
geht auf senkrecht zu.
Die Heizung kann ich
runterschalten, sparen.
Hoffe, dass die Gasabrechnung
Jubelgroschen übrig lässt, und dass
nach langer Sonnenzeit
am Wiedereinschalttag ich noch am Leben.
»Bleibt alle draußen, Männchen,
hier bin ich, nur ich!«
Ein Vogel trällert es
von neuen Nestes Rand,
auf dünnem Zweig versteckt gebaut.
So hofft er wohl, dass Amsel,
Elster, Kätzchen Susilein
Gelege ihm und Brut verschonen.
Wie farbenfroh die Blümelein
die Kelche öffnen weit.
»Kommt, Insekten«, locken sie,
»gebt dem Leben Sinn,
uns Frucht und Reife!«
Sind so freudig, hoffen wohl,
dass Blumenfreundin, Blumenfreund
nicht Stängel kappen vor der Reife.
Und Blätter Spitzen zeigen.
Ihre Lebenszeit misst hier,
in dieser Klimazone
Uhrwerk Sonneneinfallswinkel.
Nestbauzeiten, Vögeln, noch wie viele,
mir noch Heizungsperioden?
Ende Jedem ist Gewissheit;
bleibt in Frage nur das Wann.
Aus den Fugen zwischen Bodensteinen
der Terrasse vor der Psychiatrie
streben auf zur Sonne Ahornpflänzchen.
Auf so fast zweihundert schätz’ ich sie.
Samen schoben Wurzeln in die Erde,
streiften die Propellerhaube ab,
breiteten zwei Blättchen in die Sonne,
Grün aus Luft und Wasser Nährsaft gab.
Pflänzchen folgten Leben ohne Fehler,
Lebenshoffnung strahlend sie nun stehn.
Wind legt’ Samen ab am falschen Platze.
Keins von ihnen wird den Sommer sehn.
Müssen sterben unter Menschenfüßen.
Ohne dies blieb’ Leben dennoch Traum:
Kampf um Licht zwäng’ bald einander töten:
Einem Baum gäb’ Leben nur der Raum.
Jährlich taumeln ungezählte Samen
in den Kampf um Boden, Leben, Licht.
Und mir sagt der Tod der Ahornkinder:
Einzellos berührt den Weltlauf nicht!
Lebensgrün, sterbensbraun, todesschwarz
junge Fichten auf dem Schotterbett der Bahngeleise.
Samen hatt’ den Platz nicht ausgesucht.
Tiefe Wurzel musst er durch den Schotter treiben.
Wachstum, eingegebenes Gesetz,
treibt zu der Berührung mit den Zügen,
drüberhobelnd nach des Fahrplans Regeln.
Aufwachsplatz ist nicht Verdienst noch Schuld!
Zufall zu beregeln ist uns Menschen Plan.
Dir, mein Kind, hatt’ ich nicht gut genug
Zaun und Dach gebaut zu deines Wachstums Schutz.
Meiner Hand warst du so früh entzogen.
Dankbar bin ich, dass du leben kannst.
Trost bleibt mir: Ein Mensch kann sich bewegen!
Dennoch: Angesichts der Fichtenkinder
ätzt die Augenwinkel mir Hilflosigkeit.
Der Grashalm stand mir nicht im Weg
zu dicht daneben
eben
nur.
Weil Schritte später
erst gespürt, in meiner Hand
gedachte Fülle seines Lebens:
Kinder, grün noch, Samenkörner,
im Zufall streifender Berührung
ohne Wollen
ausgerauft.
All' seine Mühe,
hoch zu wachsen,
Licht zu nehmen anderen,
mit aller Wurzelkraft
dem Boden Wasser,
Nahrung abzuringen,
Bausteine Wachstums,
Weitergebens Leben.
Und nun das!
Wär mir’s geschehn,
wie hätt’ ich mich beklagt!
Töten ohne Hunger,
Verletzen ohne Not –
wie menschlich!
Achtloser Mord
in spielender Gebärde.
Wo Kleine den Großen willkommen sind,
erwächst ohne Weltfurcht ein fröhliches Kind.
Es spürt auf der Haut wie erfühlend so zart
kann streicheln die Hand, die so rau sonst und hart.
