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Der Polizist Justin Mills und der Staatsanwalt Alan Foster sind ein Paar, doch niemand darf davon erfahren. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, als Alan selbst eines Mordes verdächtigt wird. Entschlossen beginnt Justin die Ermittlungen, um ihn zu entlasten. Doch schon bald nagen die ersten Zweifel an ihm. Als dann noch Alans Ex-Liebhaber auftaucht, scheint es, als würde er nicht nur seine Beziehung, sondern auch den Fall in den Sand setzen …
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Seitenzahl: 303
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Angelika Murasaki
© dead soft verlag, Mettingen 2017
http://www.deadsoft.de
© the author
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
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© g-stockstudio – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-059-1
ISBN 978-3-96089-060-7 (epub)
Die Anwälte waren bereits bei ihren Plädoyers, als Justin sich so leise wie möglich in den Gerichtssaal schlich. Der Wachmann an der Tür warf ihm einen Blick zu. Justin öffnete seine Jacke etwas, woraufhin sein Polizeiabzeichen aufblitzte. Das beruhigte den Mann. Der Verteidiger setzte sich und atmete schwer, bevor er nach seinem Wasserglas griff, um einen Schluck zu nehmen. Im Saal war es unangenehm schwül und die Luft zum Schneiden dick. Sowohl der Richter als auch alle anderen Anwesenden schienen das Ende der Verhandlung zu ersehnen, um sich endlich angenehmeren Dingen zuwenden zu können. Justin hatte auf dem Aushang an der Tür gesehen, dass es um einen Drogenkurier ging. Für den Verteidiger eine aussichtslose Sache, da sich sein Mandant kaum aus dem Vorfall winden konnte. Eine Strafe war dem Mann auf jeden Fall sicher. Doch Justin war das ohnehin einerlei, denn er war nicht wegen des Angeklagten gekommen.
Sein Blick wanderte zum Staatsanwalt, der sich gerade erhob und seine Jacke zuknöpfte. Sein Herz machte einen Sprung, als er Alan sah, der noch einen ernsten Blick auf seine Unterlagen warf und dann zu sprechen begann. Justin erfasste die Worte kaum, hörte nur die dunkle Stimme, die ihm durch Mark und Bein ging und dabei ein süßes Gefühl der Erregung erzeugte. Im Geiste schweifte er ab. Stellte sich vor, wie er ihn am Abend ausziehen würde. Denn so kühl und sachlich Alan im Gerichtssaal auch war, Justin wusste, dass er auch anders sein konnte. In den bisherigen sechs Monaten ihrer Beziehung hatte er das Vergnügen gehabt, auch seine wilde und leidenschaftliche Seite kennenzulernen. Eine Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen, als er sich seinen Liebhaber vorstellte, wie er sich unter ihm wand. Nur zu heftig brannte das Verlangen in ihm, die Hände in seinen dunkelbraunen Locken zu vergraben und ihn bis zur Besinnungslosigkeit zu küssen. Justin hüstelte leise, als ihm klar wurde, dass er drauf und dran war, sich selbst hochzuschaukeln. Bevor es für ihn noch peinlich werden konnte, huschte er lieber aus dem Gerichtssaal. Er entschied, dass es besser wäre, im Flur auf Alan zu warten.
Justin ließ sich auf eine Bank fallen, lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. Der Gerichtsflur war angenehm kühl, die Luft frisch und die wenigen Menschen, die unterwegs waren, unterhielten sich leise. Er lehnte mit dem Hinterkopf an dem harten Holz der Wand und grinste. Ein Teil von ihm konnte es noch immer nicht ganz fassen, diesen tollen Mann ergattert zu haben; denn auf den ersten Blick passten sie nicht wirklich zusammen. Ihre äußerlichen Gemeinsamkeiten hörten bereits bei der ähnlichen Haarfarbe auf. Während Alan im Anzug stets tadellos wie aus dem Ei gepellt wirkte, erweckte Justin vielmehr den Eindruck, ein nicht sonderlich erfolgreicher Schnüffler zu sein – wobei sein nachlässiger Kleidungsstil sowie der Drei- bis Fünftagebart den Eindruck sicher nicht verbesserten. Dennoch hatten sie nach einigen Anfangsschwierigkeiten zueinandergefunden, was zu einer sehr harmonischen Beziehung geführt hatte. Der kleine Haken, dass sie diese – soweit es eben ging – geheim hielten, hatte sich vor einiger Zeit selbst aufzulösen begonnen. Justins Kollegen kamen dem Geheimnis langsam auf die Spur, was hier und da zu anzüglichen Kommentaren führte, die vielmehr dazu dienten, ihm Konkretes zu entlocken. Doch er schwieg eisern. Weder Alan noch er hatten offiziell etwas verlauten lassen. Justin wusste, dass sein Liebhaber aufgrund ihrer häufigen Zusammenarbeit in diesem Punkt vorsichtig sein wollte. Doch je länger ihre Beziehung andauerte, desto weniger scherte sich Justin um die Meinungen anderer zu diesem Thema. In seinen Augen waren sie beide in ihren Jobs professionell und daran gab es nichts zu rütteln.
Als die Tür zum Verhandlungssaal sich endlich öffnete und die ersten Zuschauer murmelnd nach draußen traten, schlug Justin die Augen auf. Mit einem Seufzer richtete er seine schlecht gebundene Krawatte und stand auf. Er hoffte, Alan würde einen Moment für ihn erübrigen können, wenn schon kein Mittagessen drin war. Zumeist konnten sie sich erst abends sehen, da immer einer von ihnen stark beschäftigt war. Da Justin jedoch nur wenige Tage zuvor erfahren hatte, dass einige seine Schichten auf die Nacht verlegt worden waren, wollte er bis dahin unbedingt Zeit mit Alan verbringen. So viel wie möglich. Er hatte gerade seine widerspenstigen Haare in Ordnung gebracht, als Alan endlich auf den Flur trat. Mit der Aktentasche in der Hand wechselte er noch ein paar Worte mit dem Verteidiger, dessen gerötetes Gesicht von leichtem Ärger sprach. Justin sah, wie der Mann die Lippen aufeinanderpresste und sich dann steifbeinig entfernte.
„Ich nehme an, die Sache ist für seinen Mandanten nicht gerade glimpflich ausgegangen.“ Justin konnte kein Mitleid für den Verurteilten aufbringen und da er mit dem Fall nichts zu tun hatte, konnte er seine Meinung auch frei äußern. Alan drehte sich zu ihm um und über sein beherrschtes Gesicht huschte ein vertrautes Lächeln, von dem Justin wusste, dass es nur für ihn reserviert war.
„Acht Jahre in einer eher unkomfortablen Einrichtung auf Kosten des Staates sind nichts, worauf ich Jubel erwartet hätte.“ Alan kam auf ihn zu und blieb sehr nah vor ihm stehen. Justin wusste, Alan würde keine zärtlichen Berührungen in der Öffentlichkeit erlauben, und hielt sich daher zurück. Alans Aftershave stieg ihm angenehm in die Nase.
„Ich hatte schon vorhin das Gefühl, dich kurz im Gerichtssaal gesehen zu haben. Aber als du bei der Urteilsverkündung nicht da warst, dachte ich schon, mein Verstand hätte mir einen Streich gespielt.“
Das war Alans Art, zu sagen, wie er sich über den unangekündigten Besuch freute.
„Oder bist du nicht privat hier?“ Anspannung kroch in seine Züge, die Justin nur zu gerne durch eine Berührung wieder vertrieben hätte. Er musste sich beherrschen, das markante Gesicht nicht in die Hände zu nehmen. Der Wunsch, jegliche Sorge aus Alans blauen Augen zu tilgen, war schon fast übermächtig.
„Ich war vorhin nur kurz da, weil ich sehen wollte, wann du fertig wirst.“ Die Ausrede für sein kurzes Verweilen im Saal war zwar gelogen, aber immer noch besser als die Wahrheit, die ihn wie einen unreifen Jungen hätte wirken lassen. „Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich nur wissen, ob die Verabredung für heute Abend steht. Falls du aber auch Zeit für ein gemeinsames Mittagessen haben solltest …“ Weiter kam er gar nicht, da Alan zu seinem Bedauern auch gleich den Kopf schüttelte.
„Aus dem Mittagessen wird leider nichts, weil ich gleich noch eine Besprechung habe, aber das mit heute Abend steht auf jeden Fall.“ Die Art, wie er sich bei den letzten Worten über die Lippen leckte, mochte für einen Unbeteiligten nichtssagend wirken. Justin las darin jedoch ein Versprechen, und das ließ ihn scharf einatmen. Es war unglaublich, wie leicht Alan es schaffte, ihn mit diesen kleinen Andeutungen zu quälen, nur um ihn dann auf den Abend zu vertrösten. Am meisten brachte es Justin dabei aus der Fassung, dass diese Gesten ganz nebenbei eingestreut wurden.
„Ich glaube, da wird noch einiges andere stehen“, murmelte er verlegen und kratzte sich am Hinterkopf, weil er sich einfach nicht zurückhalten konnte. Statt eines Tadels stellte Alan jedoch seine Tasche auf den Boden und griff nach Justins Krawatte, um diese zu richten.
„Wer weiß, was der Abend bringen wird.“ Die leise Antwort wurde von einer leichten Berührung durch Alans Finger an seinem Hals begleitet. Das genügte vollends, um Aufregung in Justin emporsteigen zu lassen. Er griff nach dem Krawattenknoten. Ihre Hände berührten sich kurz, woraufhin ein Räuspern von Justin folgte.
„Wenn du weiter so an mir herumfummelst, dann …“ Weiter kam er nicht, da sie unterbrochen wurden.
„Mr. Foster?“ Die Stimme gehörte einer Frau. Justins Blick löste sich von Alan und traf auf eine Frau mit rotblondem Haar und unglaublich langen Beinen. Sie war geschmackvoll-dezent gekleidet und stand in einiger Entfernung zu ihnen. Offensichtlich war sie gerade erst gekommen. Für einen flüchtigen Moment streifte Justin der Gedanke, dass sie und Alan ziemlich gut zusammenpassen würden. Etwas zu gut. Mit einer hübschen Freundin oder gar Ehefrau an seiner Seite würde er weit mehr in die Norm der konservativen Menschen passen als mit einem Freund, und das wiederum würde seiner Karriere förderlich sein. Doch bevor sich diese Vorstellung verfestigen konnte, zog Alan seine Hände von Justins Krawatte. Er drehte sich zu der Frau um und lächelte.
„Ah, Monica, zu Ihnen wollte ich gleich. Da Sie jedoch schon hier sind, kann ich Ihnen einen der fähigsten Kriminalisten der Stadt vorstellen, Inspector Justin Mills.“ Obwohl Justin es gerne verhindert hätte, fühlte er, wie ihm Hitze in die Wangen stieg. Ihm war klar, dass Alan ihn damit etwas aufzog, weswegen er sich vornahm, es ihm am Abend heimzuzahlen.
„Ich bin erfreut, Sie kennenzulernen.“ Monica kam lächelnd näher und reichte ihm die Hand. Ihre Finger waren lang, ein wenig kühl und wirkten fast zerbrechlich.
„Angenehm.“ Von Nahem betrachtet sah sie sogar noch besser aus, registrierte Justin. Ihre Hände waren manikürt, die Haut samtweich und nur dezent gepudert. Nicht einmal die Sommersprossen auf ihrer Nase konnten das Bild stören. Im Gegenteil, sie verliehen ihr etwas Besonderes. Leichte Beunruhigung stieg in ihm auf, als er sich fragte, ob sie die Mühen der Schönheitspflege für sich auf sich nahm oder wegen der Jagd nach einem Ehemann. Dieser Gedanke ließ sich nicht so schnell vertreiben, wie er es sich gewünscht hätte.
„Monica arbeitet seit zwei Monaten für mich, nachdem ihre Vorgängerin in den Mutterschaftsurlaub gegangen ist“, erläuterte Alan weiter, was Justins schlechtes Gefühl aber nicht recht zerstreuen konnte. Dabei lächelte Monica ihn freundlich und arglos an. „Und schon wieder muss ich sie um ihr Mittagessen bringen“, fuhr Alan zu Justin fort. Monica hob jedoch einen Schokoladenriegel und winkte abwehrend mit ihm.
„So schlimm ist das nicht. Seit ich den Automaten unten im Eingangsbereich entdeckt habe, fühle ich mich wie in meine Studienzeit versetzt. Da habe ich zu Mittag viel lieber Schokolade gegessen als ein richtiges Mittagessen, weil für was anderes keine Zeit blieb.“ Sie lachte charmant, was selbst Justin mitlachen ließ. Ihre Art hatte etwas Ansteckendes.
„Nun gut, wir müssen nun wirklich los. Wir sehen uns heute Abend.“ Den letzten Satz sprach Alan etwas leiser und zwinkerte Justin zu, bevor er sich umdrehte und mit Monica den Flur hinunterging. Justin sah, wie er sie flüchtig am Rücken berührte, woraufhin sie zu ihm aufsah und etwas sagte, das beide abermals lachen ließ. Bevor ihm die Idee kam, dass sie vielleicht etwas zu nah nebeneinander gingen, wandte er sich ab. Seine Mittagspause würde ohnehin bald zu Ende sein und danach würde er noch einmal ran müssen. Umso angenehmer war die Gewissheit, wie er am Abend entspannen konnte – mit Alan zusammen.
Als Justin am Abend Alans Wohnung erreichte, war dieser noch nicht zu Hause. Das machte jedoch nichts. Schon vor Wochen hatten sie ihre Schlüssel getauscht, damit Justin nicht vor der Tür warten musste, wenn Alan sich verspätete. Die Ordnung in der Wohnung strahlte eine gesittete Ruhe aus, die Justin die ersten Male etwas eingeschüchtert hatte. Bei ihm selbst hingegen herrschte eine Unordnung, die klar verkündete, dass Flecken auf dem Boden nicht bestraft wurden. Deswegen hatte es etwas gedauert, bis Justin sich in Alans Wohnung wohlgefühlt hatte und die Sorge verschwunden war, sich ständig wie ein Trampeltier aufzuführen.
An diesem Abend verspätete sich Alan allerdings um mehr als eine Stunde. Das Essen, das Justin gekocht hatte, stand längst kalt geworden auf dem Tisch, als er endlich den Schlüssel in der Tür hörte. Er war kurz davor gewesen, auf dem Sofa vor dem flüsternden Fernseher einzunicken. Doch das klickende Geräusch der Haustür genügte, um ihn hellwach werden zu lassen. Sofort stand er auf und ging in den Hausflur. Er stockte im Türrahmen, als er Alan sah. Schon der erste Blick verriet ihm, wie abgespannt dieser war. Seine Miene war verschlossen und er schien Justin nicht recht zu bemerken. Stattdessen stellte er seine Tasche ab und zog dann den Mantel aus.
„Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr.“ Es war kein wirklicher Vorwurf, den Justin da formulierte. Immerhin wusste er, dass Alan manchmal ungeplante Überstunden schieben musste. So waren eben ihre Jobs, in denen sich die Ruhe von einer Sekunde auf die nächste in einen Sturm wandeln konnte. Doch anstatt mit seiner üblichen Unbekümmertheit zu antworten, gab Alan dieses Mal nur ein Seufzen von sich. Damit war augenblicklich klar, etwas stimmte nicht. Nur ob Alan darüber sprechen wollte, vermochte Justin nicht einzuschätzen. Deswegen entschied er sich auch für ein vorsichtiges Vorgehen.
„Schlechten Nachmittag gehabt?“, fragte er schlicht, während Alan sich an die Spiegelkommode lehnte und niedergeschlagen aussah. Ohne zu zögern stieß Justin sich vom Türrahmen ab, ging zu Alan und schloss ihn in die Arme. Die Umarmung wurde locker erwidert, wobei Alan die Stirn an seine Schulter lehnte.
„Das kann man wohl sagen“, nuschelte er gegen Justins Hemd.
„Willst du darüber reden?“ Die Frage war vorsichtig gestellt, denn sie hatten eigentlich abgemacht, zu Hause nicht über die Arbeit zu sprechen. In diesem Fall brach Justin die Regel, da Alan sehr mitgenommen wirkte. Trotzdem war alles, was auf seine Frage zurückkam, lediglich ein angedeutetes Kopfschütteln. Wahrscheinlich war es besser, das Thema fallen zu lassen. Wenn Alan reden wollte, würde er schon von selbst den Mund aufmachen.
„Soll ich dich vielleicht ablenken? Ich hätte da ein paar Ideen, um für Entspannung zu sorgen“, murmelte Justin in Alans Ohr und biss schließlich spielerisch in das warme Ohrläppchen. Gerade fest genug, um ihn leise zischen zu lassen. Er fühlte regelrecht, wie Alan gegen seine Schulter lächelte und den Kopf daran zu reiben begann.
„Was für Ideen?“
Zu seiner Erleichterung verschwand ein Teil der Anspannung aus Alans Stimme.
„So einige. Vielleicht sind sogar ein paar dabei, die illegal sind. Aber du kannst mich später anklagen, wenn dir der Sinn danach steht.“ Noch während Justin sprach, schob er Alan von sich, um ihn umzudrehen. Nun konnten sie sich beide im Spiegel betrachten, der über der Kommode hing.
„Ich bin erschüttert. Und dabei hast du doch geschworen, dich an das Gesetz zu halten.“ Alan hob gespielt entsetzt die Augenbrauen, während Justins Hände sein Jackett aufknöpften. Er streifte ihm die Jacke von den Schultern und presste gleichzeitig seine Lippen auf Alans warmen Nacken. Er schmeckte leicht salzig und ein wenig bitter, wegen dem Aftershave, das er benutzte. Der Blazer fand seinen Weg zu Boden. Justin sah im Spiegel, wie Alan genießend seine Augen schloss, und machte sich daran, die Knöpfe seines Hemds zu öffnen. Problemlos schlüpften sie durch die Löcher. Nur einen Moment später lagen seine Hände auf Alans durchtrainiertem Bauch. Er konnte es noch immer nicht ganz fassen, dass dieser Mann mit seinem straffen Tagesprogramm noch Zeit für ein Training fand. Was Justin selbst anging, so hatte er bei einigen seiner Ermittlungen oft den einen oder anderen Sprint zu absolvieren, was ihn fit genug hielt. Der Gedanke verschwand wieder aus seinem Kopf, als Justin über die weiche Haut kratzte. Von Alan war ein überraschtes Keuchen zu hören, dabei legte er seine Hände auf die des Geliebten. Das Schnappen nach Luft war Musik in Justins Ohren. Es motivierte ihn, den schönen Nacken hinab zu lecken. Mit den Zähnen zog er Alan das Hemd halb auf die Schultern herab, ungeachtet dessen, dass er dabei den Kragen ruinierte.
„Wie ist es nur möglich? Im Gerichtssaal bist du so kalt und jetzt siehst du so unglaublich heiß aus? Schau nur in den Spiegel.“ Die provokante Frage war eine Aufforderung. Justin wusste, in diesem Zustand betrachtete sich Alan nicht gerne. Dennoch gehorchte er und öffnete die Augen. Beide starrten sie auf ihre Spiegelbilder. Justin wurde bei dem Anblick gleich noch heißer. Ihnen sahen zwei Männer entgegen, beide mit leicht gebräunter Haut. Alans war eine Spur heller, da er sich öfter in geschlossenen Räumen aufhielt. Beide mit dunklem Haar und beide bereit, sich fallen zu lassen. Justins Hände wanderten tiefer, über die feine Haarlinie, die vom Bauchnabel hinabführte. Doch statt die Finger in seiner Hose verschwinden zu lassen, glitt er über den Stoff hinweg, bis zu der Beule, die Alans Lust verriet. Er begann darüber zu reiben und presste seine eigene Hüfte von hinten an ihn. Nur aus dem Augenwinkel sah er, wie Alan sich auf die Unterlippe biss. Dann drehte Alan sich ungeduldig zu ihm um. Zog ihn ganz nah an sich heran und küsste ihn schlussendlich wild. Ob nun vor Erregung oder aus Verlegenheit wegen Justins Worten, war unmöglich festzustellen. Justin war es auch einerlei, denn ihm streiften andere Gedanken durch den Kopf.
„Es ist ein Jammer, dass dich der Richter nie so sehen wird“, heizte er Alan weiter an und kniff mit einer Hand in seine Brustwarze, die augenblicklich hart wurde. Er erntete einen leisen Schrei, der in ein wohliges Seufzen überging, als die hart gewordene Knospe sacht gestreichelt wurde. Er umkreiste sie, nahm sie zwischen die Finger und zupfte an ihr, bis Alan sich auffordernd an ihm zu reiben begann – wobei seine Hände sich gleichzeitig daran machten, Justins Hose aufzunesteln.
„Wahrscheinlich wäre er ganz schockiert, wenn er wüsste, wie schamlos der Herr Staatsanwalt sein kann.“ Ein gemeines Grinsen huschte über seine Lippen, bevor Alans Kopf hochruckte und er ihm einen warnenden Blick zuwarf. Davon ließ sich Justin jedoch nicht einschüchtern.
„Keine gute Idee?“ Seine Frage wurde mit keiner Antwort gewürdigt. Stattdessen umschlang Alan Justins Nacken und zog ihn heran, um ihn zu küssen. Ihre Lippen öffneten sich, sobald sie aufeinandertrafen, und gleich darauf berührten sich ihre Zungen. Justin schmeckte einen Hauch von Alkohol, vermischt mit einem Pfefferminzkaugummi. Der Geschmack war für ihn so sehr mit Alan verbunden, dass er keine Lust mehr verspürte, ihr Spielchen noch weiter auszudehnen.
Die Kommode gab einen ächzenden Laut von sich, als sie gegen die dahinterliegende Wand geschoben wurde. Justin malträtierte den feinen Stoff von Alans Hose, indem er seinen Hintern durchknetete. Ihr Kuss wurde dabei immer leidenschaftlicher. Es war schon fast schmerzhaft, aber sie konnten keine Sekunde voneinander ablassen. Als sie den Kuss aus Luftmangel lösen mussten, brannten Justins Lippen wie Feuer. Er schnappte nach Atem und sah, wie sich die Lüsternheit in Alans Augen spiegelte. Gerade wollte er ihn wieder küssen, als er heiser aufstöhnen musste. Irgendwie hatte Alan es geschafft, ihm die Hose halb von den Hüften zu schieben, und nun machten sich seine überaus geschickten Finger daran, Justin den Rest seines klaren Verstandes zu rauben. Entschlossen umfasste er seine Erektion. Schon beinahe zu fest, aber Justin gehörte nicht zu der zimperlichen Sorte und fühlte nur, wie ein Stromstoß durch seinen Körper raste.
„Ungeheuer“, zischte er und zerrte endlich auch Alans Gürtel auf. Der Knopf konnte dem Gezerre nicht standhalten und löste sich, doch Justin war das alles egal. Der Reißverschluss öffnete sich von selbst, als er die Hose samt Shorts von Alans Hüften nach unten zerrte. Er fühlte, wie Alans Finger ihn massierten, doch er konnte sich nicht mehr beherrschen. Ihm war, als würde das Blut in seinen Adern kochen. Alles, was er wollte, war sich endlich in seinen Liebsten zu versenken, der sich ihm willig entgegenbäumte. Dabei kratzte Alan über Justins Nacken, hinterließ hauchfeine Wunden, die kurz darauf leicht zu brennen begannen. Justin beachtete es kaum. Abermals trafen sich ihre Zungen, doch nicht für lange Zeit. Die Begierde war einfach zu groß geworden und Alan verlor als Erster den letzten Rest an Selbstbeherrschung.
„Ich will dich in mir haben“, nuschelte er in den Kuss. Justin antwortete nicht, sondern griff ihm fest an die Hüften und setzte ihn einen Moment später auf die Kommode, die abermals quietschte. Schlüssel, Briefe und anderer Kleinkram fielen bei dieser Aktion zu Boden. Blind tastete Justin nach der Schublade und zog sie auf. Alan hielt ihn mit den Beinen umfangen und bewegte dabei seine Hüfte aufreizend an seiner entlang. Justin brauchte einen Moment, bis er endlich die Tube mit der Handcreme ertastete, die er vor kaum zwei Stunden dort hineingelegt hatte. Die Verschlusskappe schnappte auf und gleich darauf duftete es nach Ringelblumen. Alan lehnte sich gegen den Spiegel und rutschte mit dem Hintern ganz nah an die Kante des Möbelstücks. Dabei gab das Möbel erneut einen Seufzer von sich, blieb aber immerhin stabil.
„Worauf wartest du denn noch?“ Alans dunkle Stimme klang samtweich in Justins Ohren. Er sah Alan zu, wie er über seinen eigenen flachen Bauch streichelte, leicht den aufgerichteten Schwanz berührte und dann selbst die knackigen Backen für Justin auseinanderzog. Die kleine Öffnung zog sich einladend zusammen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Creme auf seine Finger zu quetschen und mit ihnen selbst in den dunklen Spalt zu tauchen. Seine eigene Erektion pochte bereits schmerzhaft. Aber nichts in der Welt hätte Justin dazu bewegen können, sich um dieses Vergnügen zu bringen. Der sternförmige Muskel zuckte sehnsüchtig unter seinen Fingern, als er die Kuppen dagegen presste. Alans Augen waren geschlossen und er hatte sich mit den Händen an den Rand der Kommode gekrallt, um nicht hinunterzurutschen. Jetzt war nichts mehr von dem beherrschten Staatsanwalt übrig, der seine Verhandlungen knallhart durchpeitschte. Justin konnte keine Sekunde die Augen von ihm lassen, während er die Finger in ihn schob und sie langsam hin und her bewegte. Keine Regung sollte ihm entgehen, einerlei, dass sein eigener Körper bereits danach schrie, nicht länger hingehalten zu werden. Das Spiel währte nicht lange. Justin hatte die Finger kaum zurückgezogen, als er sich in ihn drängte. Die Handcreme gestaltete das Eindringen nahezu problemlos und trotzdem fühlte Justin, wie Alans Muskeln widerwillig nachgaben und sich nur langsam an den Eindringling gewöhnten. Die feuchte Hitze, die ihn empfing, ließ ihn kurz innehalten, um selbst nicht gleich auf der Stelle zu kommen. Ein paar Atemzüge verharrten sie, ehe Alan die Augen öffnete und ein wenig fahrig nach Justins Schulter griff, um ihn noch näher an sich zu zerren. Es war eine unbeherrschte, fast grobe Geste, die von einer vorwitzigen Zunge entschuldigt wurde, die sich sofort in Justins Mund schob. Sie umklammerten einander wie Ertrinkende, wobei Justin sich nicht mehr zurückhalten konnte. Ohne weitere Zeit zu verschwenden, begann er sich zu bewegen. Erst versuchten Alans Muskeln, ihn noch aufzuhalten, doch dann gab der Druck nach und Justin konnte sich tief in ihn bohren. Immer wieder zog er sich fast ganz aus ihm heraus, um dann fest und leidenschaftlich in ihn zu stoßen. Seine Sinne waren sämtlich von Alan erfüllt. Jeder Seufzer von ihm, jedes Stöhnen und jedes Zucken heizte ihn noch weiter an. Justin fühlte den Schweiß auf Alans Haut, spürte den eigenen Druck, der sich immer weiter in seinem Unterleib zusammenzuziehen begann, und konnte einfach nicht aufhören, ständig weiter in das zuckende Loch zu stoßen. Blut rauschte ihm in den Ohren, als er schließlich den Kuss löste und das Gesicht an Alans Halsbeuge presste. Dabei umfing er seinen Körper so fest, als würde er ihn nie wieder loslassen wollen. Mit dem letzten Stoß kam das Unvermeidliche. Sein zuckender Schwanz spritzte in Alan ab, gleich darauf kam auch sein Liebhaber. Dessen Fingernägel vergruben sich in Justins Schultern und hinterließen dort gerötete Halbmonde. Doch das war ihm egal. Alles, was er wahrnahm, war der gemeinsame Höhepunkt. Die Lust, die seine Gefühle immer weiter trieb, und ebenso die warme Feuchtigkeit, die durch sein Shirt auf seinen Bauch sickerte. Die Empfindung war nicht zu beschreiben und dehnte sich auf wunderbare Sekunden, in denen Justin nicht einmal den Teppich unter seinen Füßen fühlte. Erst als Alan ihn langsam losließ und sich wieder gegen den Spiegel lehnte, kehrte auch Justin in die Wirklichkeit zurück.
Die Kommode war abgeräumt, der Spiegel schief und Alan sah so sexy aus, dass Justin fast noch einmal gekonnt hätte. Einzig seine pochenden und weich gewordenen Muskeln hinderten ihn daran.
„Dabei wollte ich dich doch erst fragen, ob du Hunger hast.“ Justin lachte und strich Alan eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn. Er fühlte Alans Nachpulsieren um sich und erntete ein beinahe amüsiertes Lächeln.
„Zu dem Teil können wir noch immer kommen.“ Erst jetzt war alles wieder gut. Justin sah an Alans Augen, dass der Stress des Tages von ihm abgefallen war. Nun konnte er sich dem Feierabend hingeben. Damit hatte Justin sein Ziel erreicht und dennoch bedauerte er es etwas, sich aus Alan zurückziehen zu müssen. Er hielt ihn sacht an der Hüfte fest, damit er nicht gleich von der Kommode rutschte. Danach fand Alan, wenn auch etwas umständlich, selbst mit den Füßen den Boden.
„Wegen dir werde ich noch eine Putzkraft einstellen müssen.“ Er meinte es nicht ernst, doch als er seine Sachen einzusammeln versuchte, hielt Justin ihn entschlossen auf.
„Nein, nein. Du gehst erst einmal duschen und ich räume hier auf. Wir treffen uns gleich wieder auf dem Sofa.“ Die paar Sachen konnte er auch allein aufräumen. Alan dagegen sollte sich an diesem Abend nur noch entspannen. Sein Geliebter nickte dankbar und machte sich auf den Weg Richtung Badezimmer. Justin konnte nicht anders, als ihm beim Vorbeigehen einen Klaps auf den Hintern zu geben.
Eine halbe Stunde später saß Justin auf dem Sofa, Alans Kopf in seinen Schoß gebettet. Er wirkte ungemein entspannt und hatte die Augen geschlossen. Justins Finger spielten mit seinem feuchten Haar.
„Du bist so still.“ Justin hoffte, dass Alan nun bereit wäre, darüber zu sprechen, was ihn so mitgenommen hatte. Doch er irrte sich. Alans Blick hob sich und er schüttelte lediglich den Kopf.
„Ich denke gerade darüber nach, was für ein Glück ich habe, dich geangelt zu haben. Wo ich doch noch immer ein jugendlicher Heißsporn bin.“ Justin klang neckisch und unbekümmert, aber die Erinnerung an ihre erste Begegnung ließ ihn nie ganz los. Vor ihrer Beziehung hatte Alan diese mit eben genau diesem Kommentar abgelehnt. Rückblickend betrachtet hatte er wohl die Sorge gehabt, dass Justin ihn als Karrieresprungbrett benutzen könnte, selbst wenn nur fünf Jahre zwischen ihnen lagen. Doch Justin hatte nicht lockergelassen, bis er ihn für sich erobert hatte. Jetzt jedoch beschlich ihn die Befürchtung, nun genau wegen dem Gegenteil sitzen gelassen werden. Immerhin ging es mit Alans glänzender Karriere als Staatsanwalt steil bergauf. Dagegen war Justin zwar schon Inspector geworden, gab sich jedoch nicht der Illusion hin, er würde in seinem Dienst besonders weit aufsteigen. Ihm graute es davor, irgendwann an einem Schreibtisch zu enden. Vielmehr wollte er weiterhin aktiv mit Menschen zu tun haben und nicht nur Unterlagen wälzen. Doch was wäre, wenn Alan für sich irgendwann beschloss, er wäre ihm doch nicht ehrgeizig genug? Diese Sorge nagte intensiv an ihm.
„Ich finde nicht, dass fünf Jahre ein großer Unterschied sind.“ Alans weiches Lachen klang angenehm in Justins Ohren. „Es wäre ein großer Unterschied, wenn wir noch Teens wären, aber doch nicht in unserem Alter.“
Alan streckte die Arme nach ihm aus und zog ihn zu sich hinunter, um ihm einen Kuss auf die Nasenspitze zu geben. „Mir gefällt die Vorstellung, einen jungen und vitalen Freund zu haben.“ Er zwinkerte, doch dann kehrte der Ernst in Alans Miene zurück. „Vielmehr mache ich mir Gedanken darüber, ob unsere Beziehung deiner Karriere schaden könnte.“
„Und deiner nicht?“ Die Frage rutschte Justin einfach heraus. Er biss sich auf die Unterlippe, aber es war bereits zu spät. Alan löste sich von ihm und setzte sich auf. In dem gedämpften Licht des Wohnzimmers schimmerten seine Augen wie Edelsteine. Für einen Moment flutete Justin das wunderbare Gefühl, etwas sehr Kostbares ergattert zu haben, was niemand sonst haben konnte.
„Meiner vielleicht auch“, gestand Alan, strich sich mit einer Hand das feuchte Haar zurück und nahm ein Kissen auf den Schoß, was ihn etwas distanziert wirken ließ. Justin hätte sich für seine blöde Bemerkung selbst ohrfeigen können. Er sagte nichts mehr, sondern sah Alan wortlos an.
„Wir arbeiten häufig zusammen und ich will nicht, dass jemand auf die Idee kommt, ich könnte dich in irgendeiner Form bevorzugen. Verstehst du, was ich damit meine? Meiner Meinung nach bist du ein hervorragender Polizist, deswegen mache ich mir Gedanken.“
Unwillkürlich musste Justin lächeln, als er das hörte. Bei ihrem ersten Zusammentreffen hatte Alan ihm vorgeworfen, der mieseste Ermittler zu sein, dem er jemals begegnet wäre. Den fraglichen Fall hatte Justin jedoch erst am Tag zuvor zugeteilt bekommen und war damit für die Fehler des vorherigen Ermittlers nicht verantwortlich gewesen. Doch anstatt das klarzustellen, hatte er den Mund gehalten und sein Bestes gegeben. Am Ende konnte der Fall aufgeklärt werden. Erst im Anschluss waren sie sich nach und nach näher gekommen. Damals hatte sich Alan unnahbar kühl gegeben, aber Justin hatte ihn mit einer Sturheit belagert, bis ihm nichts anderes als Aufgabe übrig geblieben war.
„Bei unserer ersten Begegnung klang das aber noch ganz anders.“ Kaum hatte Justin geendet, fing er sich auch schon einen Hieb mit Alans Kissen ein, wenn auch nur einen spielerischen.
„Da wusste ich auch nicht, dass du den Fall erst so kurz hattest.“ Alan lachte und die kurzlebige Anspannung verschwand wieder. Entspannt lehnte er sich gegen die Sofalehne und legte den Kopf schief. Zwischen ihnen standen ernste, unausgesprochene Worte, aber statt diese zu ergreifen, wich Justin aus.
„Na gut, lassen wir das Thema. Stattdessen kannst du mir von der Mieze erzählen, die deine neue Sekretärin ist.“ Er wählte bewusst die saloppe Bezeichnung, selbst wenn sie ihm einen versuchten Tritt von Alan bescherte. Er bekam seinen Fuß allerdings rechtzeitig zu fassen und hielt ihn fest.
„Sie ist keine Mieze, sondern eine sehr fähige Mitarbeiterin. Nachdem Jessica in den Mutterschaftsurlaub gegangen ist, brauchte ich jemand Neuen. Monica ist ein sehr guter Ersatz und außerdem hat sie sich von alleine in ihre Aufgaben eingefunden. Mir hat es davor gegraut, sie erst einarbeiten zu müssen. Dann wäre uns nämlich viel Zeit abhandengekommen, mein Lieber.“ Er schmunzelte vielsagend, während Justin über seinen Fuß streichelte.
„Ich sollte ihr also dankbar sein, dass sie dir keine Zeit stiehlt? Wahrscheinlich wäre ich noch dankbarer, wenn ich wüsste, ob sie einen Freund hat.“ Irgendwann hatte ihm Alan erzählt, auch eine Freundin gehabt zu haben, allerdings zu Beginn seiner Universitätszeit. Nach einigen Monaten hatte er dann eingesehen, was für eine Fehlentwicklung das war, doch Justin fragte sich hin und wieder, ob er grundsätzlich nicht einem weiteren Experiment in diese Richtung abgeneigt wäre. Schließlich hätte er nicht Monate durchgehalten, wenn nur minimales Interesse bestanden hätte. Doch das war nur ein weiteres Thema, das Justin aus Angst vor den Antworten nicht auszudiskutieren wagte.
„Sag bloß, du machst dir Sorgen, ich könnte beschließen, mir doch lieber eine Frau zu suchen!“ Alan lachte befreit auf, kroch schließlich langsam zu Justin und setzte sich rittlings auf seinen Schoß. „Sie sieht zwar gut aus, aber dich finde ich heißer. Mach dir also keine Gedanken darüber, ich könnte dich wegen irgendjemand anderem sitzen lassen. So etwas wird nicht passieren, denn … wie könnte ich schon von jemandem loskommen, dem Sex wichtiger ist als Essen.“
„War das eine Andeutung, ich könnte mir Hoffnung auf eine zweite Runde machen?“ Justins Hände fanden ihren Weg zu Alans Hintern, der sie jedoch gleich wieder von dort fortzog.
„Nein, das soll dir nur Hoffnung darauf machen, dass du heute Nacht neben mir schlafen kannst.“ Mit diesen Worten erhob sich Alan und Justin folgte ihm nur zu willig ins Schlafzimmer. Der Tag war anstrengend gewesen und die Woche war noch lange nicht vorbei.
Am Morgen musste Justin vor der Arbeit einen Umweg machen. Es ging nicht anders. Er fuhr noch einmal in seine Wohnung, da er sich dringend umziehen musste. Immer wenn er nach einer Nacht bei Alan wieder nach Hause zurückkehrte, kam ihm seine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung verwahrlost vor. Anders als Alan hatte er es nie geschafft, eine solide Grundordnung zu halten. Stattdessen stapelten sich ungebügelte Kleidungstücke zu kleinen Türmen, die er immer dann abarbeitete, wenn er dringend neue Sachen brauchte oder Alan zu beschäftigt für ihn war. Ihm kam abermals der Gedanke, um wie viel einfacher ihr Leben wäre, würden sie schlicht und ergreifend zusammenwohnen. Aber leider war es noch zu früh, das Thema anzusprechen, denn damit wäre Alans Wunsch, alles noch etwas länger privat zu halten, nicht mehr zu erfüllen gewesen. Eine gemeinsame Wohnung hätte dem Versteckspiel endgültig ein Ende beschert. Dabei begann ihre Beziehung bereits tröpfchenweise nach außen durchzusickern. Justins Kollegen waren nicht blind und auch wenn sie es nicht offen sagten, so ließen sie sich manchmal zu Kommentaren hinreißen. Selbst wenn sie nicht bösartig gemeint waren, zehrten sie doch an Justins Nerven. Auf diese Weise erinnerten die Kollegen ihn ständig an die Frage, wann Alan endlich zustimmen würde, ihre Beziehung offiziell werden zu lassen.
Diese und ähnliche Gedanken beschäftigten Justin den ganzen Vormittag. Da er lediglich standardisierten Papierkram zu erledigen hatte, konnte er es sich leisten, einige Zeit seinen Tagträumen nachzuhängen. Er lauschte ab und an den Wortgefechten seiner Kollegen, mischte sich jedoch nicht ein. Es war nicht mehr lange bis zur Mittagspause, als er den Kopf hob und Alan an seinem Großraumbüro vorübergehen sah – eine ziemliche Überraschung, denn die Büros der Staatsanwaltschaft lagen in der Nähe des Gerichtsgebäudes, und das war ein ganzes Stück entfernt.
Justin überlegte gar nicht lange, sondern sprang auf, griff nach seinem Jackett und schlüpfte noch im Gehen hinein, um Alan zu erreichen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie einige Kollegen sich nach ihm umdrehten, doch er achtete nicht darauf, sondern hetzte Alan in den Flur hinterher.
„Ich wusste gar nicht, dass du heute hier bist“, sagte er mit einem strahlenden Lächeln und ein wenig außer Atem. Im selben Moment stelle er fest, wie anders Alan aussah als direkt nach dem Aufwachen. Sein Haar war adrett zurückgekämmt und die Krawatte seines Anzugs saß tadellos. Justin selbst wirkte dagegen eher, als hätte er in seinen Sachen auf dem Sofa genächtigt.
„Und ich wusste nicht, dass du heute am Schreibtisch zu tun hast, sonst hätte ich es dir gesagt“, entgegnete Alan und lächelte flüchtig, wie immer, wenn sie in der Öffentlichkeit waren. Manchmal bedauerte Justin wirklich, wie stark Alan sich bei der Arbeit zusammenriss und sich nur zu Hause gehen ließ.
„Die Schreibarbeit muss auch erledigt werden, aber ich habe ohnehin gleich Mittagspause und wenn du schon da bist, könnten wir zusammen einen Happen essen gehen. Ich kenne ein gutes Lokal, es liegt nur die Straße runter.“ Justin sah sich schon mit Alan beim Mittagessen. Doch zu seinem Bedauern schüttelte dieser nur den Kopf.
„Entschuldige, aber ich kann nicht. In zwanzig Minuten habe ich einen Termin und den kann ich unmöglich verschieben.“ Zur Entschuldigung berührte Alan ihn an der Schulter, um einen unsichtbaren Fussel von Justins schlecht sitzendem Anzug zu wischen.
„Kannst du ihn nicht nur ein wenig verschieben? Einem Knastvogel wird es kaum etwas ausmachen, wenn du dich verspätest, oder?“ Justin wollte nicht betteln, aber ihm steckte noch der letzte Abend im Mark, weshalb ihm der Sinn nach einer Wiederholung stand. Es musste nicht unbedingt ein Quickie sein, aber sich ein bisschen Vorfreude auf den Abend zu machen, war ganz sicher nicht verkehrt. Zu seiner Enttäuschung lehnte Alan jedoch abermals ab.
„Ich kann wirklich nicht, Justin. Diese Verabredung kann ich unmöglich verschieben oder absagen.“ Justin entging nicht, wie Alan einen konkreten Grund verschwieg und lieber vage blieb. Für ihn war es ein Zeichen, dass etwas im Busch war. Er verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte nicht zu sehr den neugierigen Polizisten raushängen zu lassen. Stattdessen bemühte er sich, sachlich zu bleiben, obwohl bereits Unruhe in ihm aufstieg.
„Darf ich dann zumindest erfahren, wer so wichtig ist, dass du ihn um keine Sekunde verschieben kannst?“ Die Frage klang schärfer als geplant, was er sofort bereute. „Entschuldige, es ist nur, in den nächsten Tagen …“ Weiter kam er nicht, da Alan ihn zu seiner Überraschung am Arm ergriff und sanft vor einen Automaten zog, wo es etwas ruhiger war. Schon da begann Justin nichts Gutes zu schwanen. Und seine Befürchtung wurde gleich bestätigt.
