In meinem fremden Land - Hans Fallada - E-Book
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»Ich habe das Leben wie alle gelebt, das Leben der kleinen Leute.« Noch bevor der Zweite Weltkrieg zu Ende ist, im Herbst 1944, resümiert Hans Fallada in einer Gefängniszelle die Jahre unter der NS-Diktatur. In ständiger Angst vor Entdeckung beginnt er sich vom Alpdruck der Nazi-Zeit freizuschreiben. Hellsichtig, selbstkritisch und mutig legt er mit seiner politischen Abrechnung den Grundstein für ein Spätwerk, das in seinem letzten Roman „Jeder stirbt für sich allein“ kulminiert – und mit dem er ein einzigartiges Vermächtnis hinterlässt. »Eine authentische Analyse, die in ihrer Fülle an schrecklichen und komischen Momenten ihresgleichen sucht.« Frankfurter Rundschau »Die Biographie des Einzelgängers erzählt von einem kollektiven Schicksal.« F.A.S.

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Seitenzahl:492


Hans Fallada

In meinem fremden Land

Gefängnistagebuch 1944

Herausgegeben von Jenny Williams und Sabine Lange

Aufbau-Verlag

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Impressum

Mit 2 Abbildungen

ISBN E-Pub 978-3-8412-0258-1ISBN PDF 978-8412-2258-9ISBN Printausgabe 978-3-351-02800-8

Aufbau Digital,veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, 2010© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, BerlinDie Erstausgabe erschien 2009 bei Aufbau, einer Marke der Aufbau VerlagGmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung hißmann, heilmann, hamburgunter Verwendung einer Handschrift Hans Falladas, Akademie der Künste,Berlin und eines Motivs von ©getty-images/Nic Taylor

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

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Gefängnistagebuch 1944

Anhang

Sendbrief aus dem Totenhaus. Nachwort

Zu dieser Ausgabe

Chronik

Anmerkungen

Register

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|2|

Hans Fallada

Zeichnung von e. o. plauen, 1943

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|5|Gefängnistagebuch 1944

|7|Am 4. September 1944 wird Hans Fallada zur Beobachtung auf unbestimmte Zeit in die Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz eingewiesen, in ein Gefängnis für »geisteskranke Kriminelle«. Sein Schicksal ist völlig ungewiss.

Nicht zum ersten Mal kommt dieser Sohn eines Reichsgerichtsrates hinter Gitter: 1923 und 1926 war er schon einmal wegen Unterschlagung zu sechs Monaten bzw. zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. In beiden Fällen hatte seine Drogensucht eine entscheidende Rolle gespielt. 1933 hatte man ihn einer Verschwörung gegen die Person des Führers bezichtigt und für elf Tage in Schutzhaft genommen. Im Herbst 1944 ist der Vorwurf ein anderer: Fallada wird beschuldigt, am 28. August 1944 seine »geschiedene Ehefrau mit der Begehung des Totschlags bedroht zu haben«.

Die Scheidung war am 5. Juli 1944 ausgesprochen worden. Doch noch immer wohnte man gemeinsam auf dem Anwesen in Carwitz: Anna (Suse) Ditzen im Haus mit den drei Kindern, der Schwiegermutter und einer ständig wechselnden Zahl ausgebombter Bekannter und Verwandter, Hans Fallada in dem Gärtnerzimmer in der Scheune. An jenem Montagnachmittag Ende August feuert der schwer betrunkene Fallada im Streit einen Schuss aus seinem Terzerol ab. Anna Ditzen entwendet ihm die Pistole, schleudert sie in den See und alarmiert Dr. Hotop, den Arzt aus dem benachbarten Feldberg. Sowohl Fallada als auch Anna Ditzen geben später zu Protokoll, dass der Schuss kein Tötungsversuch war. Dr. Hotop schickt den Landjäger, um seinen Patienten nach Feldberg zur Ausnüchterung zu bringen. Damit hätte die Angelegenheit ihr |8|Bewenden haben können, doch die Geschichte kommt einem übereifrigen jungen Staatsanwalt zu Ohren. Er besteht darauf, Hans Fallada in das Amtsgericht Neustrelitz zu überführen und ihn dort zu vernehmen. Am 31. August wird die »einstweilige Unterbringung des Beschuldigten in einer Heil- oder Pflegeanstalt« angeordnet. Am 4. September schließen sich die Tore der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz hinter Hans Fallada. Für unbestimmte Zeit bringt man ihn auf die Station III, zu den unzurechnungsfähigen bzw. beschränkt zurechnungsfähigen Verbrechern. Er scheint am Ende zu sein: ein Alkoholiker, ein körperliches und seelisches Wrack, ein des Schreibens unfähiger Autor.

Doch Fallada nutzt die Haft zur Entgiftung – und zu literarischer Arbeit. Schon 1924, im Greifswalder Gefängnis, hatte er ein Tagebuch zur Selbsttherapie geführt. So bittet er auch dieses Mal um Schreibmaterial. Mit Erfolg. Man händigt ihm zweiundneunzig Bogen (184 Seiten) aus, etwa DIN-A4-Format, liniert. Neben einer Reihe von Kurzgeschichten schreibt Fallada den »Trinker«. Weil sein Roman über »Alkoholismus« unentdeckt bleibt, findet er am 23. September den Mut, seine Erinnerungen an die Nazi-Zeit aufzuschreiben. Er gehört zu den Daheimgebliebenen, er hat die Jahre des Dritten Reiches in Deutschland verbracht, vor allem im ländlichen Mecklenburg, und »das Leben wie alle gelebt«. Nun will er Zeugnis ablegen. Gerade hier, im »Totenhause«, sieht er den Zeitpunkt für seine persönliche Abrechnung mit dem NS-Regime gekommen, auch seine Rechtfertigung für quälende Kompromisse und Zugeständnisse als Schriftsteller im Dritten Reich.

Im Herbst 1944 tritt der verheerende Krieg in seine letzte Phase, der Zusammenbruch Hitler-Deutschlands zeichnet sich immer klarer ab. Die Alliierten rücken von allen Seiten vor, amerikanische Truppen erreichen die Westgrenze des Deutschen Reiches, die Rote Armee dringt nach Ostpreußen vor. Zugleich verschärften sich der Terror und die Unterdrückungsmaßnahmen |9|des NS-Regimes innerhalb Deutschlands. Mit dem, was Fallada nun zu Papier bringt, riskiert er sein Leben.

Umgeben von »Mördern, Dieben und Sittlichkeitsverbrechern«, den Blicken der Wärter ständig ausgesetzt, schreibt er eilig und gehetzt, Zeile für Zeile befreit er sich von seinem Hass auf die Nazis und den Demütigungen vergangener Jahre. Dabei geht er bedacht vor, zur Tarnung und um Papier zu sparen, verwendet er Kürzel – »n.« steht da beispielsweise für »nationalsozialistisch«, »N.« für »Nazis« oder »Nationalsozialismus« –, die winzig kleine Schrift schreckt die Wärter ohnehin, doch Fallada verschlüsselt weiter, stellt fertige Manuskriptblätter auf den Kopf und schreibt in den Zwischenräumen weiter, er dreht das Blatt, sooft es geht. Die gefährlichen Notate, Mikrographie und kalligraphisches Rätselwerk zugleich, werden zu einer Art »Geheimschrift«, die nur noch mühsam mit der Lupe zu entziffern ist.

Am 8. Oktober 1944, einem Sonntag, erhält Hans Fallada einen Tag Hafturlaub. Unter seinem Hemd schmuggelt er die geheimen Aufzeichnungen hinaus.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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