Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Mit diesem Buch hat Sophie Hellinger eine Hommage an ihren verstorbenen Mann Bert Hellinger geschaffen. An erster Stelle Sophie Hellinger, aber auch zahlreiche Personen, die Bert Hellinger nahestanden, beschreiben ihre Erinnerungen an ihn und zeichnen so ein sehr persönliches Bild dieses großen Denkers. Hinzu kommen Texte von Bert Hellinger, deren Aussagen ihm besonders am Herzen lagen. Komplettiert wird der Band mit einem umfangreichen Fototeil, der bislang unveröffentlichte Bilder aus Bert Hellingers Leben zeigt.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 147
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Sophie Hellinger:
Vorwort
Sophie Hellinger:
Der 19.09.2019
Sophie Hellinger:
Eine neue Geburt
Sophie Hellinger:
Im Dienst des Friedens
Dr. Renato Bertate:
Momente der Stille
Tiiu Bolzmann:
Es begann mit einem Tango
Sascha Bosse:
Verbindung von unten nach oben
Sophie Hellinger:
Brief eines Mörders
Marcus Castro:
Informationen für die Seele
Isabela Diniz:
Der beste Arbeitgeber
Erika Mimansa Farny:
Endlich leben können
Hanne-Lore Heilmann:
Jeder ist sein eigener Esel
Ralf Hornberger:
Das Kleine scheint nur nach außen klein
Inácio Junqueira:
Eine Entscheidung fürs Leben
Matthias Posch:
Auf kleinen Orgeln groß spielen
Dr. Rüdiger Rogoll:
Mein Freund Bert
Sami Storch:
Jeder ist für sich verantwortlich
Ursula Stütz:
Erst mal ankommen
Bert Hellinger:
Jesus
Bert Hellinger: Vortrag am 13.05.2005 in Dornbirn
Gottesgedanken, ihre Wurzeln und ihre Wirkungen
Gotteserfahrung als Lebenserfahrung
Meditation: Lebenserfahrung als Gebet
Das Leben
Der Anfang
Kinder und Gott
Die Mutter und Gott
Meditation: Danke, liebe Mutter, danke, lieber Vater
Der gerechte Gott
Jenseits der Gerechtigkeit
Gerechtigkeit durch Sühne
Das Schicksal
Die andere Liebe
Alles
Mann und Frau
Fragen und Antworten
Bert Hellinger:
Die Furcht
Bert Hellinger:
Die Größe
Bert Hellinger:
Die Kraft
Bert Hellinger:
Ja und Nein
Bert Hellinger:
Die Treue
Bert Hellinger: Vortrag am 17.02.2002 in Graz/Österreich
Das Judentum in unserer Seele
Bert Hellinger:
Heiligabend
Bert Hellinger:
Der Gast
Bildteil
Adressen
Bibliografie
Als vor drei Jahren mein Mann Bert verstarb, befürchteten viele, dass die Lücke, die er hinterlässt, nicht geschlossen werden könnte. Das stimmt sicher in einer, aber nur in einer Hinsicht: Niemand wird meinen Mann Bert ersetzen können. Für mich und Tausende anderer Menschen ist er der wohl genialste und gleichzeitig liebenswerteste Mensch, den sie jemals getroffen haben. Natürlich vermisst man eine solche Person, besonders in schweren Stunden. Mir, als seine Ehefrau, fehlt Bert in unendlich vielen Situationen. Er war es, der mir immer Mut zusprach, der mich sogar drängte, meinen eigenen Weg zu gehen. Er war mein Fels. Aber er war es auch, der mir nach seinem Tod zeigte, dass Liebe niemals endet. Und dass die geliebte Person niemals verschwindet.
Bei schwierigen Entscheidungen gehe ich in eine tiefe Cosmic Power®-Meditation und frage mich: „Was hätte Bert wohl gesagt, was hätte er getan?“ Und nach einiger Zeit kommt mir eine Antwort. Manchmal ist es ein Satz, manchmal nur ein Wort. Doch immer wird mir ein Weg gezeigt.
Auch wenn Bert nicht mehr physisch bei mir ist, werde ich weiterhin von ihm begleitet und geleitet. Das ist ein großer Trost, der mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Von vielen seiner Freunde, aber auch von unzähligen Seminarteilnehmern höre ich Ähnliches. Was heißt das für uns? Berts Geist ist immer noch unter und bei uns, ganz nah. So ist die Lücke, die er hinterließ, nur eine scheinbare. Wir sind mit ihm weiterhin im selben Feld. Was für eine wunderbare, tröstende und glücklich machende Erkenntnis!
Bücher, die an einen Verstorbenen erinnern, erscheinen meist, wenn sich sein Todestag zum zehnten oder zwanzigsten Mal jährt. Ich habe mich aber entschlossen, ein solches Buch bereits jetzt herauszubringen, nämlich wenn sich Berts Todestag zum dritten Mal jährt. Warum? Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche. Viele leiden an Ängsten, Ratlosigkeit und sogar Hoffnungslosigkeit. Bert wäre jetzt mit Sicherheit ein bedeutender Wegweiser gewesen. Doch das ist er auch, ohne dass er noch unter uns weilt. Zu seinen Lebzeiten hatte er in seiner tiefgründigen Weitsicht Texte verfasst, die uns heute als Orientierungshilfe dienen können. Einige dieser Texte habe ich in diesem Buch zusammengestellt.
Aber auch die Erinnerung verschiedener Personen, die Bert begleitet haben, erfüllen diesen Zweck. Sie zeigen uns Berts Größe, seine bedingungslose Hinwendung und Liebe zu den Menschen. So verbinden uns diese Erinnerungen weiterhin mit ihm. Die Erinnerungen dieser Menschen habe ich in alphabetischer Reihenfolge nach dem Namen des Verfassers aufgeführt. Auf diese Weise entsteht ein Reigen des Gedenkens, bei dem keiner an erster oder letzter Stelle steht.
Außerdem habe ich für dieses Buch Fotos von Bert ausgewählt, die bislang noch nicht veröffentlich wurden. Auf diese Weise ist er in diesem Buch auch im Bild besonders präsent.
Gehen wir also gemeinsam weiter den Weg der Liebe und des Friedens, den Bert uns gezeigt hat. So schöpfen wir Kraft und Hoffnung in einer Zeit, die uns in eine neue Dimension führt.
Bert hatte sich gut auf das vorbereitet, was am 19.9.2019 geschah. Seit mindestens 15 Jahren hatte er fast täglich dieses Lied gesungen, an seinem 77. Geburtstag sogar vor allen Gästen. Der Text aus dem Jahr 1852, geschrieben von dem österreichischen Dichter Johann Gabriel Seidl, hatte für ihn eine große Bedeutung:
Die Uhr
Ich trage, wo ich gehe,
stets eine Uhr bei mir;
Wie viel es geschlagen habe,
genau seh ich an ihr.
Es ist ein großer Meister,
der künstlich ihr Werk gefügt,
wenngleich ihr Gang nicht immer
dem törichten Wunsche genügt.
Ich wollte, sie wäre rascher
gegangen an manchem Tag;
Ich wollte, sie hätte manchmal
verzögert den raschen Schlag.
In meinen Leiden und Freuden,
in Sturm und in der Ruh,
was immer geschah im Leben,
sie pochte den Takt dazu.
Sie schlug am Sarge des Vaters,
sie schlug an des Freundes Bahr,
sie schlug am Morgen der Liebe,
sie schlug am Traualtar.
Sie schlug an der Wiege des Kindes,
sie schlägt, will's Gott, noch oft,
wenn bessere Tage kommen,
wie meine Seele es hofft.
Und ward sie auch einmal träger,
und drohte zu stocken ihr Lauf,
so zog der Meister immer
großmütig sie wieder auf.
Doch stände sie einmal stille,
dann wär's um sie geschehn,
kein andrer, als der sie fügte,
bringt die Zerstörte zum Gehn.
Dann müsst ich zum Meister wandern,
der wohnt am Ende wohl weit,
wohl draußen, jenseits der Erde,
wohl dort in der Ewigkeit!
Dann gäb ich sie ihm zurücke
mit dankbar kindlichem Flehn:
Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben,
sie blieb von selber stehn.
Ja, er war sehr gut vorbereitet, seit Jahren, seit Wochen. Und ganz besonders - wie könnte es anders sein – hatte er den Tag, an dem er die Augen schloss und sein Herz ein letztes Mal schlug, sehr weise gewählt. Für mich und für die, die mich umgaben, war er schon zwei Tage zuvor gegangen. Ich konnte ihm zwei Stunden lang alles sagen, und er machte dabei nicht einmal einen Wimpernschlag. Mit einem Händedruck bestätigte er mir immer, was ich sagte und gab mir zu verstehen, wie es ihm dabei erging. Dabei kam zum Ausdruck, dass er bereit war. Für ihn war die Zeit abgeschlossen. Dabei hatte er ständig ein Lächeln auf dem Gesicht. Er hatte nicht gelitten.
Angefangen hatte alles damit, dass er zwei Narkosen hintereinander bekommen hatte. Denn in der Mitte stand ein großer Wille, für den eine Narkose nicht reichte. Aber während des zweistündigen Gesprächs gab er mir zu verstehen, was sich bereits zuvor in einer Aufstellung gezeigt hatte: Ich bin bereit zu gehen. Mein Leben ist erfüllt. Nur eines tut mir leid: Ich habe dir vieles nicht gesagt. Und jetzt ist es zu spät.
Jemand hat sich die Mühe gemacht, das Datum 19.9.2019 numerologisch zu untersuchen. Die dreimalige 9 bedeutet Kommunikation und Lehre. Die 9 ist in der Numerologie das Ende eines Zyklus und der Beginn eines anderen. Diese 9 steht in Verbindung mit Altruismus, Brüderlichkeit und Spiritualität. Die 9 steht außerdem für die volle Erfüllung eines Mannes, die Erfüllung all seiner Wünsche. Er ist in der Lage, sich der universellen Liebe zu widmen. Ganz bedingungslos für alles und für alle. Diese Erklärung sagt: Ich bin in der Lage, bewusst zu gehen. Wie hätte es auch anders sein können?
Ich möchte hier noch weitergeben, was Bert in einem Interview über den Tod gesagt hatte:
Interviewer: Herr Hellinger, fangen wir mit dem Tod an. Was passiert, wenn wir sterben?
Bert Hellinger: Wenn wir sterben, treten wir in einen anderen Zustand, vom dem wir nichts wissen. Mein Bild ist, dass das Leben aus einem Urgrund aufsteigt, den wir nicht kennen. Wenn wir sterben, sinken wir in diesen Urgrund zurück. Deshalb kann für mich das Leben nicht das Höchste oder Größte sein. Das, woraus das Leben aufsteigt, muss größer sein als das Leben. Deshalb ist auch der Übergang vom Leben zum Tod kein Verlust. Es schließt sich ein Kreis, bei dem Anfang und Ende ein und dasselbe sind.
Interviewer: Können sie das vielleicht noch ein bisschen genauer beschreiben. Sind Tod und Leben ein Kreis?
Bert Hellinger: Das Leben steigt auf, kommt zu einem gewissen Höhepunkt und sinkt dann wieder zurück. Es ist wie beim Tag. Wenn er aufsteigt, fängt er sozusagen mit Schwung an. Dann erreicht er den Zenit, bleibt eine Weile, so scheint es, auf der Höhe und sinkt dann wieder zum Abend. Merkwürdigerweise, je mehr der Tag vergangen ist, desto voller wird er. So ist es auch mit dem Leben. Je mehr vom Leben verflossen ist, desto voller ist es. Das Leben ist ganz und vollkommen, wenn es endet. Doch das, worauf es aufsteigt und wohin es niedersinkt, ist größer. So wie bei einem Kreis Anfang und Ende zusammenfließen, so ist es auch beim Leben. Was dazwischen ist, ist die Zeit. Sie spielt aber vorher und nachher keine Rolle.
Zeit haben wir also nur jetzt. Es gibt nur den Augenblick, den wir in der Tat voll und ganz erfassen. Alles andere ist eine Illusion. In diesem Sinne kann man sagen: Auch wenn die Blätter fallen, die Wurzel bleibt. Mit Ende beginnt. So gehen wir weiter, von Augenblick zu Augenblick.
Ich selbst war seit sechs Jahren auf den Augenblick des letzten Herzschlags von Bert vorbereitet. Und zwar, nachdem er das erste Mal im Krankenhaus war. Dennoch kann man sich diesen Augenblick nicht vorstellen. Das wäre illusorisch. Denn die Theorie ist nicht mit der Praxis vergleichbar. So ist es mit allem im Leben. Und ganz besonders beim Familienstellen. Die Theorie ist eine Sache, die Praxis eine ganz andere.
Wenige Tage nach Berts Tod träumte ich die ganze Nacht von ihm. Er war so lebendig, wie schon lange nicht mehr. Es war unglaublich viel Wasser da. Wasser hat immer mit der Seele zu tun. Und er war glücklich. Das ist, was zählt. Ersetzen kann ich ihn nicht. Das ist auch nicht mein Wunsch oder mein Anliegen. Ich kann nur weitermachen, so gut ich kann.
Aus der Forschung wissen wir, dass nichts mehr den Menschen formt als seine Umwelt. Bert wusste das schon viel länger. Jetzt ist es wissenschaftlich bewiesen: Die Vererbung macht bei einem Menschen nur 10 Prozent, die Umwelt jedoch 90 Prozent aus. Es sind die Menschen, mit denen man sich umgibt. Entsprechend bauen sich die Körperzellen um, entsprechend formt sich die DNA um. Es ist also nicht nebensächlich, welche Freunde oder welchen Partner ich habe. Es ist auch nicht nebensächlich, welche Arbeit ich ausführe und in welchen Räumen ich mich bewege. Der Körper antwortet auf die Energie, in der wir uns befinden.
Somit habe ich mehr als 20 Jahre in einem Umfeld gelebt, das ich mir davor nie hätte vorstellen können und von dem ich nicht wusste, wohin es mich führen würde. Ich hatte vor ca. 25 Jahren das, was ich mir als das Wichtigste im Leben erschien, als Wunsch ins Universum gesandt. Denn materiell hatte ich alles erreicht, ich hatte nichts ermisst. Aber jeder wird bald feststellen: Wenn du alles hast, was du willst, dann hast du gar nichts. Doch etwas Großes hast du dann: Du kannst entscheiden, was du tust und was du nicht mehr tust. Es gibt eine Freiheit in der Zeit. Wie verbringe ich meine Zeit, mit wem und wie? Somit war es mir erlaubt, weit mehr als 20 Jahre meine Zeit in einem Umfeld zu verbringen, desgleichen ich nirgends sonst in der Welt hätte finden können. So bin ich die geworden, die ich heute bin. Danke Bert! Ein großer Meister. Ein großer Lehrer. Ein Mensch.
Der Mensch vergeht, doch der Geist bleibt. In diesem Sinne möchte ich dahin weitergehen, wozu ich fähig bin. Dabei weiß ich ganz genau: Bert ist hier. Wo sonst auch? Ihm lagen immer die Menschen am Herzen, nicht ein Ideal. Deshalb waren die Menschen in der Lage, seinen Weg mitzugehen. Und deshalb ist er auch zum Greifen nah. Die letzten Tage mit ihm waren so intensiv wie keine zuvor.
Hierzu eine Meditation:
Schließe die Augen.
Fühle in deine Mitte hinein.
Was ist für dich das Wichtigste im Leben?
Ziehe Bilanz.
Schau, ob du den Kreis ganz eng schließt oder ob du den engen
Kreis groß und weit werden lassen kannst.
Ob du das Ziel kurz setzt oder fern.
Bestimmst du bereits das Ziel oder lässt du es offen?
Kannst du die nächsten Schritte offenlassen?
Was ist dir das Wichtigste in diesem Leben?
Ganz gleichgültig, wie lange es noch dauern mag.
Wenn du weitergehst in der Zeit und auch dein Ende naht, ist dieses Ziel, das du jetzt genannt hast, in irgendeiner Verbindung mit dem Endziel deines Daseins? Sodass du in deiner letzten Stunde sagen kannst: „Ich habe alles richtig gemacht.“
Es bleibt nichts offen.
Wir wissen, dass sich alle unsere Gedanken, Handlungen und Worte verwirklichen, dass unser Handeln und unsere Worte zu unserer Realität werden. Es bleibt nur eine Frage offen: Wann?
Solange wir nur in der sichtbaren Welt bleiben, gibt es wahrscheinlich keine Lösungen. Denn der Anfang unseres Seins beginnt ja nicht mit unserem ersten Atemzug. Ich habe immer zu Bert gesagt: „Bitte teile mir mit, was es da drüben noch gibt und was ich zu berücksichtigen habe. Wenn es etwas gibt, dann bleibe bitte mit mir in Kontakt.“ All die Arbeiten, die wir in den Tagen nach Berts Tod während des Internationalen Hellinger-Camps erfahren hatten, wiesen in eine andere Dimension. So wie Roman Braun es bei Berts Grabrede so schön gesagt hatte: „Du warst nicht von dieser Welt. Du bist nicht von dieser Welt. Du bist in diese Welt zurückgekommen, wo du herkamst.“
Wer weiß, was uns in der Zukunft noch erwartet. Wie klein wir sind, womit wir ringen. Und wie groß das ist, das mit uns ringt.
Bert fand häufig Antworten in den Gedichten Rainer Maria Rilkes. Hier zwei seiner Lieblingsgedichte:
XXIX. Sonett (1923)
Stiller Freund der vielen Fernen, fühle,
wie dein Atem noch den Raum vermehrt.
Im Gebälk der finstern Glockenstühle
laß dich läuten. Das, was an dir zehrt,
wird ein Starkes über dieser Nahrung.
Geh in der Verwandlung aus und ein.
Was ist deine leidendste Erfahrung?
Ist dir Trinken bitter, werde Wein.
Sei in dieser Nacht aus Übermaß
Zauberkraft am Kreuzweg deiner Sinne,
ihrer seltsamen Begegnung Sinn.
Und wenn dich das Irdische vergaß,
zu der stillen Erde sag: Ich rinne.
Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.
Aus: Die Sonette an Orpheus. Zweiter Teil
Liebeslied (circa 1907)
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andren Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendetwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
die aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
Der 28. August 2003, der Tag unserer Hochzeit, war in Berts und meinem Leben ein ganz besonderes Ereignis. Er sagte: „Mit dir wurde ich an diesem Tag neu geboren. Ich hatte das innere starke Gefühl, bald sterben zu müssen. Aus dieser inneren Überzeugung heraus habe ich auch das Buch ,Der Abschied‘ geschrieben. Ich wollte mich auf meinen Tod vorbereiten und ihm gelassen begegnen. Doch jetzt kann ich dir sagen, dass ich mit dir in einen neuen Lebenszyklus gestartet bin. Eine neue Liebe, ein neues Leben. Der Tod ist in die Ferne gerückt und ich fühle mich neu geboren.“
Doch nicht nur für Bert begann ein neues Leben, auch für mich. Dessen war ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst. Zuvor war ich jahrzehntelang auf der ganzen Welt auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens, nach MEHR gewesen. Ich wollte meinen Lebensauftrag ergründen, weil ich überzeugt war, dass essen, trinken, schlafen und materielle Güter im Leben nicht alles sein können. Obwohl ich weltweit Hunderte interessanter Kurse besuchte, hatte ich noch immer nicht das gefunden, was meine Sehnsucht zur Ruhe kommen ließ. In all den Kursen waren für mich höchsten zwei bis drei Prozent relevante Informationen, die ich auch bis heute anwende.
Irgendwann beschloss ich, nicht mehr im Außen der Welt nach Nahrung für meine Seele zu suchen, sondern stille zu halten. Diese Entscheidung stellte sich als die effektivste und wertvollste heraus. Ich spürte, dass ich genug Lebenszeit investiert hatte und das Ergebnis bei weitem nicht dem entsprach, was ich mir erhofft hatte. Spannend ist, dass genau zu diesem Zeitpunkt eine der wichtigsten Informationen ohne meinen Beitrag auf mich zukam: Die Empfehlung eines alten Freundes. „Lies mal die drei Bücher von Bert Hellinger der Reihenfolge nach, wie ich sie dir sagen werde.“ Gesagt, getan. Eine Woche zuvor hatte ich mir den Fuß gebrochen, sodass ich mich sowieso nicht bewegen konnte. Daher hatte ich genügend Zeit, mich dieser Empfehlung ganz und gar hinzugeben. Bereits nach den ersten fünfzig Seiten des Buches dachte ich: ,Wenn das, was hier geschrieben steht, anwendbar und erfahrbar ist, dann dürfte die Menschheit kaum noch Probleme haben.‘
