Inklusion vor Ort -  - E-Book

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Beschreibung

Inklusion heißt, Menschen willkommen zu heißen und niemanden auszuschließen. Dazu will dieses Buch beitragen: Mit vielfältigen Informationen und Anregungen hilft es den Menschen in der Kommune, Inklusion kennenzulernen und in der Gemeinschaft mit anderen zu leben. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem viele Fragen: Der ''Index'' ist ein Fragenkatalog, der alle Bereiche der Kommune ''hinterfragt''. Jede der Fragen ist ein Startpunkt, um über Inklusion nachzudenken und selbst aktiv zu werden. Mitmachen kann jede/r: Inklusion heißt, sich auf vielen Wegen zu begegnen und auszutauschen, voneinander zu lernen, etwas zu bewegen und gemeinsam zu gestalten, sich miteinander zu vernetzen und Ressourcen zu entdecken. Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr wird Inklusion vor Ort lebendig.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Inklusionvor Ort

Der Kommunale Indexfür Inklusion –ein Praxishandbuch

Inhalt

Vorworte

Einleitung

Der Fragenkatalog

Praktische Hinweise

Unsere Kommune als Wohn- und Lebensort

Inklusive Entwicklung unserer Organisation

Kooperation und Vernetzung in unserer Kommune

Inklusive Prozesse umsetzen

Beispiele aus der kommunalen Praxis

Anmerkungen

Impressum

13 Tipps

Vorwortvon Rita Süßmuth

Vielfalt bereichert

Unsere Gesellschaft lebt von der Verschiedenheit: Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch kann mit seinen besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen unser Zusammenleben bereichern. Gelingt es uns, die Vielfalt der Menschen anzunehmen, zu fördern und zu nutzen, profitieren wir alle: die Gemeinschaft als Ganzes und jede/r Einzelne, die/der in ihr lebt. – Das bedeutet, kurz zusammengefasst, Inklusion.

Seit langem bestimmen inklusive und integrative Ansätze meine eigene Arbeit. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft inklusiv denken und handeln muss, wenn sie den Menschen, die in ihr leben, eine gute Zukunft bieten will. Inklusion ist dabei die konsequente Weiterentwicklung dessen, was wir vor langer Zeit unter dem Begriff der „Integration“ begonnen haben und nun auf eine neue Stufe stellen wollen:

Integration bedeutete meist die Eingliederung von Außenstehenden in etwas Bestehendes. Inklusion bedeutet aber Einbeziehung und Öffnung des Bestehenden. Sie bedeutet, selbst auf andere zuzugehen, eigene Grenzen zu verschieben. Nur wenn wir uns selbst öffnen, können wir Teilhabe, Chancengleichheit und Vielfalt in unserer Gesellschaft verwirklichen.

Durch das vorliegende Handbuch erhalten diese Ideen eine wertvolle Unterstützung. Zwei Aspekte liegen mir dabei besonders am Herzen: Zum einen wird das Konzept der Inklusion, das bisher vor allem im Bildungsbereich zu Hause war, auf einen neuen Bereich angewendet: den der Kommunen und der städtischen Gemeinschaft. Sie bilden sozusagen den Kern jeder Gesellschaft – deshalb ist es so wichtig, genau hier eine gesellschaftlich tragfähige Kultur der Inklusion zu verankern.

Der zweite Grund: Das vorliegende Buch ist ein Handbuch für die Praxis. Es regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern vor allem zum Handeln. Es gibt Hilfestellung, Anregung und Orientierung für alle, die sich in kommunalen Einrichtungen, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wie als Bürgerinnen und Bürger, für Inklusion einsetzen wollen. Es ist damit ein höchst demokratisch gedachtes Buch, das gesellschaftliche Werte nicht predigt, sondern zum Mitmachen einlädt.

Als Leserin und Leser werden Sie in diesem Buch viele Ideen und Inspirationen zum „Mitmachen“ finden. Sie werden sehen, wie viele Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte es gibt, um sich aktiv am Prozess der Inklusion zu beteiligen. Je mehr Menschen dabei sind, desto eher gelingt es uns, die Chancen und den Reichtum der Vielfalt für den Fortschritt und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft zu nutzen.

Prof. Dr. Rita Süssmuth

Bundestagspräsidentin a. D.

Vorwort desHerausgebers

Mit der Herausgabe unseres Handbuchs endet eine zweijährige Entstehungsphase, die für uns selbst ein „inklusiver Prozess“ war: Gemeinsam mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern aus unseren Pilotkommunen und anderen Bereichen haben wir ein echtes Gemeinschaftsbuch entstehen lassen. Jetzt sind wir froh, dass eine neue Phase beginnt: nämlich die, in der das Buch in der Praxis zeigt, wie es die Gestaltung inklusiver Lebenswelten für und mit vielen Menschen im Gemeinwesen unterstützen kann.

In diesem Handbuch stehen vor allem jede Menge Fragen im Mittelpunkt. Da liegt es nahe, im Vorwort selbst auf zwei Fragen einzugehen:

1.Was ist das Anliegen der Montag Stiftung Jugend Gesellschaft, dieses Handbuch herauszugeben?

Das Jahr 2010 kann als Jahr des Eintritts in die „Dekade der Inklusion“ gelten: Das Thema Inklusion und viele der damit verbundenen Ziele und Erwartungen erfahren heute eine breite gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Umsetzung. Ähnlich wie der Begriff der Nachhaltigkeit, der seit den 1970er Jahren in unterschiedlicher Intensität bis heute wirkt, führt nun auch der Begriff der Inklusion zu einem langwierigen und fundamentalen Wandel im Denken und Handeln weiter gesellschaftlicher Bereiche. Wie die Nachhaltigkeit und alle Fragen rund um Umwelt, Energie und Klima wird uns auch der fundamentale Wandel zu inklusiven Lebens- und Alltagswelten langfristig begleiten.

Die Anfänge dieses Wandels sind ermutigend. Unser Handbuch will dieser Entwicklung einen weiteren Schub geben. Dazu haben wir, die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft als Herausgeberin, selbst einen inklusiven Prozess angeregt: Wir haben Menschen in Kommunen zum Miterfinden des Handbuches aufgerufen. Zwei Jahre lang haben wir die Erfahrungen von vielen Menschen aus kommunalen Inklusionsprojekten gesammelt. Die Ergebnisse dieses Beteiligungsprozesses stecken in diesem Handbuch: Es ist ein Gemeinschaftswerk vieler Autorinnen und Autoren, vereint in einer Absicht – Inklusion im Gemeinwesen zu etablieren.

2.Warum bringen wir dieses Handbuch gezielt für den kommunalen Bereich heraus?

Inklusion bezieht sich immer auf Gemeinschaft: Durch gemeinsames Handeln eröffnen sich Möglichkeitsräume „zwischen“ den Menschen, um Teilhabe zu leben und für immer mehr Menschen zu ermöglichen. Eine Kommune ist eine große Gemeinschaft: In ihr leben Menschen zusammen, in vielen Formen und auf vielen Ebenen. Hier können Menschen im Austausch mit anderen Menschen und der Verwaltungsebene ihres Ortes gemeinsam wirksam werden.

Darüber hinaus gilt es, für die weiteren Handlungsebenen auch die Beteiligung von Bund und Ländern weiter einzufordern. Hier gibt es normative und juristische Verpflichtungen, die im Sinne des Subsidiaritätsprinzips nur auf die kommunale Handlungsebene verlagert werden können, wenn die notwendigen Mittel von der jeweilig nächsthöheren staatlichen Ebene zur Verfügung gestellt werden.

Das vorliegende Handbuch ist Instrument, Informationsquelle und anregendes Lesebuch zugleich. Wir hoffen, dass es auf allen Ebenen Menschen unterstützen kann, sich an der Entwicklung zu einer inklusiven Gesellschaft zu beteiligen.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den vielen Menschen bedanken, die am Zustandekommen dieses Buches mitgewirkt haben: den Autorinnen und Autoren, den Menschen in den Pilotkommunen und all denen, die uns wertvolle Rückmeldungen und Einsichten in ihr inklusives Handeln vor Ort gegeben haben. Ein großer Dank geht auch an alle, die organisierend, lektorierend und gestaltend mitgewirkt haben, die die Fäden dieses Projektes (und es waren nicht wenige!) in der Hand gehalten, immer wieder geordnet und zu einer konstruktiven Zusammenarbeit für alle geführt haben. Besonders bedanken wir uns bei unserem Fachbeirat für die inspirierende und kritische Begleitung sowie bei den finanziellen Förderern für die großzügige Unterstützung. Die Namen und Institutionen hinter so viel Beteiligung und inklusiver Mitarbeit finden Sie in unserem Impressum auf Seite 216.

Wir freuen uns auf alle, die sich in Zukunft zusammen mit uns für mehr Teilhabe und Inklusion einsetzen wollen.

Dr. Karl-Heinz Imhäuser

Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Grußwort aus derinklusiven Praxis

Bremen-Tenever: Teilhabe für jede und jeden in allen Lebensbereichen

Bremen-Tenever ist ein Ort, an dem wir bereits seit vielen Jahren inkludierendes Handeln gegen reale Exklusion setzen. Die Erfahrungen der gesellschaftlich strukturierten Ausgrenzung haben die Bewohner/innen unseres Stadtteils schon früh – mehr oder weniger bewusst – veranlasst, eine Haltung und Engagement zu entwickeln, die Ausgrenzung bekämpft und um Inklusion ringt (ohne dass das Wort in den Mund genommen wurde): den Anspruch auf Würde, Respekt und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einzufordern und zum Teil durchzusetzen.

Dabei sind die Bewohner Tenevers so „normal“ wie überall auf der Welt: wir lachen und weinen, lieben und hassen, sind voller Power oder total apathisch, hoffnungsvoll oder resigniert. Aber wir haben fünf Besonderheiten:

1. Hoch – ein Hochhausviertel mit 5.000 Einwohnern, das Anfang der 70er Jahre als Demonstrativbauvorhaben des Bundes errichtet und in kürzester Zeit von den Eigentümern und Spekulanten heruntergewirtschaftet wurde. Erst der Kampf der Bewohner/innen und weiterer Akteur/innen führte dazu, dass mit Hilfe der Stadt Bremen und der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewoba das Quartier in den letzten Jahren tipptopp saniert wurde (Pilotprojekt Stadtumbau West).

2. Jung – ein Drittel der Bewohner/innen ist unter 21 Jahre. Hier wächst also die Zukunft auf – aber wie inklusiv sind die Kinder wirklich geachteter Bestandteil der Gesellschaft, wenn man an die Armut denkt? Daran ändert auch der neue Bildungs- und Teilhabe-Gutschein“ nichts: Er stigmatisiert statt inkludiert und frisst den Großteil der Mittel und Zeiten für den bürokratischen Aufwand.

3. International – in Tenever leben Menschen aus 90 Nationen, der Migrationsanteil beträgt ca. 65%. Wir fragen nicht: „Wer integriert hier wen in was?“ Wir sagen: International ist die Zukunft. Es gibt ein gewöhntes akzeptiertes Neben- und Miteinander, aber nach wie vor werden den Migranten gleiche Rechte abgesprochen. Hier haben wir alle noch viel zu leisten im Sinne des Inklusionsgedankens.

4. Arm – Das bedeutet ausgegrenzt sein von gesellschaftlicher Teilhabe, von Reichtum und Kultur unserer Gesellschaft; von Bildung (PISA) und Gesundheit. Die Armut ist das zentrale Problem. Alle Inklusion wird immer auch materielle Voraussetzungen haben. Das verlangt gesellschaftliche Gerechtigkeit und eine allen Menschen zugute kommende Verteilung von Reichtum.

5. Engagiert und vernetzt – Das Quartier Tenever zeichnet sich aus durch eine starke selbstorganisierte Vernetzung der Schulen und sozialen Einrichtungen. Hinzu kommt seit über 20 Jahren die Stadtteilgruppe Tenever: In ihr sitzen jeden Monat alle Akteur/innen öffentlich zusammen, also vor allem die Bewohner/innen und Bewohnergruppen, die Vertreter/innen der Politik, der Wohnungsgesellschaften, der Schulen und sozialen Einrichtungen, der lokalen Ökonomie und der öffentlichen Verwaltung. Sie führen den „Quartiersdiskurs“ über alle aktuellen kleinen und großen Themen, die das Quartier bewegen. Und sie entscheiden nach dem Konsensprinzip (das heißt: jeder der Anwesenden hat ein Veto-Recht) über das Quartiersbudget (jährlich ca. 300.000 Euro aus den Programmen WiN-Wohnen in Nachbarschaften und Soziale Stadt). Partizipation ist Inklusionsvoraussetzung und Ziel der Inklusion.

Ich denke, dass dieser erste kommunale Inklusions-Index, der im Wesentlichen aus Fragen besteht, uns weiterhelfen wird, unsere Haltung, Organisationen und Leitbilder noch deutlicher an der Leitidee Inklusion auszurichten. Nicht in dem Sinne, dass man die Fragen bearbeitet – und schon ändert man sich, seine Organisation, seinen Stadtteil, seine Stadt, die Kommune, unsere Gesellschaft. Aber wer die Fragen ernsthaft, also selbstehrlich beantwortet und bearbeitet, stößt auf verschiedenste große und kleine, allgemeine und konkrete Bereiche des eigenen Wirkens, der eigenen Organisation, Einrichtung oder Tätigkeit, des Lebens in unserer Stadt und ihren Stadtteilen.

Entscheidend ist in diesem Auseinandersetzungsprozess, dass die eigene Haltung, das Menschen- und Gesellschaftsbild eine Ausformung erlebt, die bewusster auf inkludierende Einstellungen und inklusives Verhalten zielt.

Möge dieses Buch – egal ob insgesamt, einzelne Abschnitte oder auch nur zwei, drei Fragen – für viele Anlass sein, über sich, ihre Arbeit, ihr Projekt, ihre Institution nachzudenken und dieses „Kleine“ oder jenes „Große“ zu ändern.

Möge die Auseinandersetzung mit den Fragestellungen vor allem auch in den Behörden und Ämtern sowie der Politik und den Medien dazu beitragen, den öffentlichen und grundgesetzlichen Auftrag, Teilhabe für alle Menschen in unserem Land zu fördern und zu gewährleisten, zu erfüllen.

Möge die Diskussion um diesen Leitfaden auf jeden Fall dazu beitragen, auf kommunaler Ebene das Klima für akzeptierendes, für inklusives Denken und Handeln zu stärken – und so unsere Gesellschaft solidarischer und gerechter zu gestalten.

Dank den Autor/innen!

Joachim Barloschky

Projektgruppe Tenever

20 Jahre Quartiersmanager in Tenever

Amt für Soziale Dienste

Lehrbeauftragter der Hochschule Bremen

Einleitung

Inklusion – was ist das eigentlich?

Fragen über Fragen: der Index für Inklusion

Ich, du, wir, alle – die Kommune als lebendige Gemeinschaft

Inklusion – was ist das eigentlich?

„Inklusion“ heißt, Menschen willkommen zu heißen. Niemand wird ausgeschlossen, alle gehören dazu: zu unserer Gesellschaft, unserer Kommune, zu jeder kleinen oder großen Gruppe und Gemeinschaft. Alle werden anerkannt und alle können etwas beitragen. Unsere Gesellschaft wird reicher durch die Vielfalt aller Menschen, die in ihr leben. Das Wort Inklusion kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „Einschließen“ – im positiven Sinn von „Einbeziehen“: Alle Menschen gehören dazu, jeder kann mitmachen. Inklusion bedeutet auch, nachzudenken und zu beobachten: Wo und warum werden Menschen noch ausgeschlossen? Wie können wir das ändern?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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