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Eine vierköpfige Familie macht sich, zusammen mit zwei Freunden der Kinder, auf eine gemeinsame Urlaubsreise mit einer Yacht. Sie hatten geplant, jeden Abend einen anderen Hafen anzulaufen. Während einer dieser Tagestouren wird es schon um die Mittagszeit völlig dunkel. Ein unbekanntes, jedoch helles Leuchtfeuer führt sie zu einer Insel, auf der sie sich in Sicherheit glauben. Doch diese Insel verbirgt ein großes Geheimnis ….
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Seitenzahl: 171
Veröffentlichungsjahr: 2016
Sylvia Plettner
© 2016 Sylvia Plettner
Umschlag Thomas Paul Höft
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
978-3-7345-5367-7 (Paperback)
ISBN
978-3-7345-5368-4 (Hardcover)
ISBN
978-3-7345-5369-1 (e-Book)
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Eine vierköpfige Familie macht sich, zusammen mit zwei Freunden der Kinder, auf eine gemeinsame Urlaubsreise mit einer Yacht. Sie hatten geplant, jeden Abend einen anderen Hafen zu erreichen.
Während einer dieser Tagestouren wird es schon um die Mittagszeit völlig dunkel.
Ein unbekanntes, jedoch helles Leuchtfeuer führt sie zu einer Insel, auf der sie sich in Sicherheit glauben.
Doch diese Insel verbirgt ein großes Geheimnis ….
„Wenn die verfluchte Insel erscheint und ihre Geister dich erwarten, ist dein Verderben nah.
Nur wer furchtlos dem Verderben ins Auge sieht, hat eine Chance, den Geistern der Tiefe zu entfliehen.
Wenn Leben der Insel und den Geistern der Tiefe entkommen ist, und Leben auch wieder die Welt erblickt, erst dann wird der Fluch der Insel gebrochen werden.“
(Auszug aus Mike`s Buch „Geheimnisse der Meere – Leuchtfeuerinsel“)
„Susi, wo bleibst du denn? Wir wollen los." Vater Mike war ungeduldig. Sie wollten doch noch die Freunde ihrer Kinder Susi und Jens abholen und mussten auch noch ihre Yacht „Paloma Lea“ einräumen, bevor sie endlich in den Urlaub starten konnten. Aber Susi trödelte mal wieder herum.
„Ich komme, Papa. Suche nur noch meine Sonnenbrille.“ Vater Mike seufzte. Immer musste seine Tochter irgendetwas suchen. Konnte sie nicht endlich mal Ordnung halten? Mutter Lea kam ins Zimmer und lachte über seinen Gesichtsausdruck. „Siebzehn Jahre und immer noch blind." Sie nahm Susis Sonnenbrille von der Anrichte im Flur und rief laut: „Susi, deine Sonnenbrille ist hier unten. Du bist schon mindestens dreimal daran vorbei gelaufen." „Oh man," hörten sie Susi stöhnen. Mike schüttelte nur den Kopf.
Endlich waren sie alle fertig. Mike verschloss das Haus, und sie machten sich auf, die Freunde Jason und Maggie abzuholen. Die Beiden wohnten nebeneinander, und so klingelte Susi bei Maggie, während Jens seinen Freund Jason holte. Jens und Jason kannten sich schon seit der fünften Klasse, und seitdem waren sie unzertrennliche Freunde. Sie hatten die gleichen Hobbys, und sahen sich auch sonst sehr ähnlich. Beide waren groß, schlank aber sportlich und hatten kurze, gepflegte, dunkle Haare. Jens hatte nur einen leichten Rotschimmer darin, den er wohl von seiner Mutter geerbt hatte.
Susi und Maggie kamen nur kurze Zeit nach den Jungs aus dem Haus. Wie Jason begrüßte auch Maggie alle herzlich. Während Mike sie väterlich in den Arm nahm, fiel ihm auf, wie groß Maggie schon geworden ist. Er kannte sie von Susis Kindergartenzeit an. Damals hatten die beiden Mädchen sich kennen gelernt, und sind seitdem die besten Freundinnen. Susi, langbeinig, schlank und lange weißblonde Haare, war zudem mit Jason befreundet, und in dem Glauben, dass ihre Eltern nichts davon wüssten.
Maggie, etwas kleiner und nicht ganz so schlank wie Susi, hatte lange schwarze Haare und wirkte durch ihre mandelförmigen Augen etwas asiatisch. Und sie schwärmte heimlich für Jens. Da sie, genau wie Susi, noch nicht volljährig war, hatten ihre Eltern für Mike und Lea eine Vollmacht ausgestellt, so dass sie woanders keine Probleme bekommen sollten, wenn ein fremdes minderjähriges Mädchen mit ihnen unterwegs war. Das war schon fast Routine, denn genau wie Jason war Maggie schon oft mit ihrer Freundin im Urlaub gewesen.
Die Koffer der Beiden waren schnell verstaut, und los ging es. Bis zum Yachthafen waren es zwei Stunden Fahrt. Sie alle waren in bester Laune, als sie endlich dort ankamen. Während die Familie das Auto auslud, und die Sachen auf dem Boot verstaute, besprach der Vater mit dem Hafenmeister seine Urlaubsroute.
Der Hafenmeister war ein Freund von ihm, und Mike fühlte sich einfach sicherer, wenn jemand die Strecke, die er mit seiner Yacht nahm, genau kannte. Falls irgend etwas sein sollte, wusste jedenfalls Einer, wo man sie suchen müsste. Dann parkte Mike das Auto auf seinem Parkplatz am Yachthafen, verabschiedete sich von seinem Freund, und startete mit seiner Familie in den lang ersehnten Urlaub.
Mike liebte das Gefühl der Freiheit auf dem Meer, und da sowohl sein achtzehn jähriger Sohn Jens als auch dessen gleichaltriger Freund Jason bereits Bootsführerscheine besaßen, hatte er keine Sorgen, dass es ihm zu anstrengend werden könnte. Er vertraute Jens und Jason, waren sie doch alle drei schon oft genug gemeinsam auf See gewesen. Die vier jungen Leute machten es sich auf Deck gemütlich, während Lea erst einmal für alle frischen Kaffee kochte.
Das Wetter war herrlich. Blauer Himmel und viel Sonne verlockten regelrecht dazu, es sich auf Deck bequem zu machen. Lea beobachtete ihren Mann. Sie liebte es, wenn er so locker war. Sie besah ihn sich, als wäre es das erste Mal. Sie betrachtete seine vollen dunklen Haare, die sehr kurz geschnitten waren. Unter seinem Shirt sah sie das große Tattoo, das er über Rücken und Schultern hatte. Er wollte sich immer mal auf seinen Armen ein Tattoo stecken lassen, doch bei seinem Beruf als Anwalt wollte er damit nicht zu sehr auffallen. Als Ausgleich zu seinem Beruf trieb Mike viel Sport, was ihm ein muskulöses Aussehen verlieh. Lea seufzte. Für sie war Mike immer noch ein Mann zum Verlieben.
Sie brachte ihm einen Becher Kaffee und setzte sich dann zu den Vieren aufs Deck. Jason und Maggie waren eigentlich schon fast wie eigene Kinder. So war das Verhältnis untereinander sehr herzlich.
Jason erzählte gerade von seinem Chef, der ihm den Urlaub streichen wollte, nur weil er erfuhr, dass sie mit einer Yacht unterwegs wären. „Stellt euch vor,“ erzählte er. „Mein Chef meinte tatsächlich, wenn ich mit einer Yacht reise, wüsste ich ja gar nicht, wann ich wieder zu Hause wäre. Er glaubt, so würde sich jeder freiwillig in Gefahr begeben, und nur wenige würden die Gefahren des Meeres überleben. Der hat einem richtig Mut gemacht.“ Er lachte. „Als wenn jeder, der auf dem Meer ist, gleich von einer Welle überrollt oder von Piraten überfallen wird. Der hat Vorstellungen.“ „Dann musstest du ja richtig um deinen Urlaub kämpfen,“ sagte Mike. „Hoffentlich lohnt sich das dann auch.“ Jason grinste ihn an. „Bisher war jeder Urlaub mit euch toll. Und ich habe schon einige mit euch verbracht.“
Er sah Susi an. „Und manchmal gibt es mehrere Gründe, warum sich so ein Urlaub mit euch lohnt.“ Mike und Lea grinsten in sich hinein. Sie wussten, dass die Beiden ein Paar waren, ließen Susi aber in dem Glauben, dass sie davon keine Ahnung hatten. Deshalb zog die zu Jasons Kommentar eine Grimasse. Auch Maggie und Jens sahen das. Sie sagten nichts, aber während Jens das Gesicht verzog, konnte Maggie sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Mir ist warm,“ sagte Susi plötzlich. „Ich glaub, ich ziehe mir meinen Bikini an. Kommst du mit, Mag?“ Maggie nickte und erhob sich. Langsam schlenderten Beide hinunter in ihre Kajüte um sich dort umzuziehen. Jason grinste Lea an. „ich glaube, da bin ich gerade in ein Fettnäpfchen getreten.“ „Das macht nichts,“ antwortete Lea. „Susi kriegt sich schon wieder ein.“ Dann stand sie auf, und ging hinüber zu ihrem Mann. Der sah sie kommen und lächelte sie an. „Na, mein Schatz, sind dir die Gespräche der Kids nicht anspruchsvoll genug?“ Lea gab ihm einen Kuss. „Nein, mein Herr Gemahl. Ich wollte dir nur Gesellschaft leisten. Aber ich kann ja wieder gehen, wenn du das nicht willst.“
Sie drehte sich um und tat, als würde sie weggehen, doch Mike war schneller. Er liebte seine Frau und genoss jede Sekunde, die er mit ihr zusammen sein konnte. Er zog sie in seine Arme und küsste sie. „Sieht das so aus, als wollte ich, dass du gehst?“ „Hm, nein. Irgendwie nicht. Aber so ganz überzeugt bin ich noch nicht.“ Mike lachte, doch bevor er seine Frau ein weiteres Mal küssen konnte, stand Jens hinter ihnen. „Dad, vielleicht sollte ich fahren. Nur falls du was Anderes vor hast,“ meinte er mit einem schelmischen Lachen.
Mike sah ihn an. „Wie gut, dass du schon volljährig bist, sonst...“ Spielerisch stieß er seinem Sohn die Faust an die Wange. Dann nahm er seine Frau in den Arm und drehte sich wieder dem Steuer zu. Zu seinem Sohn meinte er nur: „Das schaffen deine Mutter und ich auch ohne Hilfe.“ Jens sah Jason an, der nur mit den Schultern zuckte. „Dann können wir uns ja einen faulen Lenz machen.“ Beide gingen nach hinten, um sich in die an Deck stehenden Liegestühle zu lümmeln.
So vergingen die ersten beiden Tage in aller Ruhe mit viel Spaß und Gelächter. Die Kinder halfen Mike und Lea wo sie nur konnten, so dass auch die Beiden Zeit zum Entspannen hatten. Am dritten Tag war in der Ferne endlich wieder Land zu sehen.
„Wo willst du eigentlich den ersten Stopp machen?“ fragte Lea ihren Mann. „Bevor es dunkel wird, erreichen wir eine schmale Landzunge. Dort gibt es einen kleinen Hafen, und in dem werden wir über Nacht bleiben. Morgen früh geht es dann weiter.“ Er sah seine Frau an, und blickte dann zu den Jungen. „In dem Hafen gibt es einige nette kleine Bars. Mit Livemusik. Da können wir heute Abend mit den Kindern hin, wenn du magst.“ „Ja, das ist eine gute Idee. Wenn wir erst mal bei den größeren Städten landen, sehen wir unsere Kids sowieso nicht mehr so schnell wieder. Also sollten wir das jetzt ausnutzen.“ Sie schmiegte sich an ihren Mann, und Beide genossen miteinander die Stille.
Die beiden Mädchen holten Trinken von unten und setzten sich dann zu den Jungs. Mike und Lea hörten die Vier reden und lachen. Die Vier hatten sich immer schon gut verstanden, und wenn sich jemand stritt, dann höchstens mal Susi und Jens. Geschwisterliebe eben.
Das Meer war ruhig, und die Yacht und die Zeit glitten leise dahin. Gerade wollte Lea nach unten gehen und was zu essen richten, da rief Mike: „Spar dir die Arbeit. Wir gehen heute Essen.“ Er zeigte nach vorn. Der Hafen war bereits in Sichtweite, viel früher als gedacht. Aber so hatten sie noch Zeit genug, sich dort etwas um zu sehen. Auch die Kinder sahen die Hafeneinfahrt. Die Jungs standen sofort auf um Mike zur Hand zu gehen. Und die Mädchen? Natürlich. Sie verschwanden wieder in der Kabine um sich umzuziehen. Im Bikini wollten sie schließlich nicht im Hafenstädtchen umher laufen.
Bald darauf lag die Yacht fest vertäut im Hafen. Im Zentrum fanden sie eine Pizzeria. Sie waren sich schnell einig, dass das genau das richtige erste Essen des Urlaubs war und traten ein. Alle sechs genossen das Essen. Und die Stimmung unter ihnen war locker. Ihr Gelächter steckte sogar die Bedienung und manche anderen Gäste mit an. Der Besitzer der Pizzeria, Gianno, kam an ihren Tisch. „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ „Natürlich,“ sagte Mike. „Ich hoffe, wir waren nicht zu laut. Es tut mir leid, wenn wir hier irgendwie gestört haben.“ „Nein, nein,“ winkte Gianno ab. „Das waren Sie absolut nicht. Wir haben hier selten so gut gelaunte Gäste wie Sie. Ich bin nur neugierig. Ich habe gehört, Sie sind nur auf der Durchreise?“ Mike nickte. „Dann sollten Sie unbedingt die Bar of Seas kennen lernen. Ich möchte Sie alle heute Abend dorthin einladen. Und bitte keine falsche Scheu. Die Bar gehört meinem Bruder. Dort treffen sich viele Seeleute. Das könnte für Sie interessant werden.“ Mike sah ihn erstaunt an.
„Wieso? Gibt es etwas Besonderes?“ Gianno zögerte. „Vielleicht. Aber das sollten Sie heute Abend direkt von der Quelle erfahren. Glauben Sie mir, dass könnte für Sie sehr wichtig sein.“ Er erhob sich. „Also, sehen wir uns heute Abend? Die Bar hat einen sehr guten Ruf. Wenn Sie vom Hafen kommen, ist sie in der zweiten Straße rechts. Ich rechne mit Ihnen.“ Er hob winkend die Hand und ging. Die Sechs sahen sich ratlos an. „Na ja,“ meinte Jason. „Wir wollten doch sowieso eine Bar aufsuchen. Warum dann nicht die?“ Mike zögerte, aber dann nickte er. „Ja, warum nicht die?“ Sie bezahlten, standen auf und verließen die Pizzeria.
Gianno beobachtete sie. Ihm gefielen diese Sechs, und er wollte ihnen helfen. Schließlich ging zur Zeit eine eigentlich unglaubliche Geschichte um. Doch sollte auch nur ein Fünkchen Wahrheit daran sein, könnten sie mit ihrer Yacht in große Gefahr geraten. Dennoch, würde er es ihnen einfach so erzählen, würden sie ihn bestimmt auslachen. So, wie auch er am Anfang darüber gelacht hat. Aber jetzt?
Zu viele merkwürdige Dinge waren geschehen. Nein, ihm war das Lachen darüber gründlich vergangen. Auch wenn er sich über die Wahrheit der Geschichte noch nicht so ganz im Klaren war. Er schüttelte den Kopf und vertrieb seine trüben Gedanken. Er würde sein Bestes geben um diese Fremden von der Wahrheit zu überzeugen.
Draußen vor der Pizzeria sahen die Sechs sich an. Mike war neugierig. Was sollte das alles bedeuten? Lea fasste ihn am Arm. „Lass uns heute Abend hören, was es zu sagen gibt. Wahrscheinlich spinnt hier jemand sein Seemannsgarn und will uns einen Schrecken einjagen.“ Jens nickte. „Vielleicht will man uns vor einem Seeungeheuer wie Nessie warnen.“ Sofort bekam er einen Knuff von Susi. „Spinner.“
„Jetzt schauen wir mal, was es hier alles so zu kaufen gibt.“ Lea wollte die Situation entspannen. „Wenn´s sein muss,“ maulte Jens. Mike lachte und klopfte seinem Sohn auf die Schulter. „Was haltet ihr davon, wenn wir die Frauen ihrem Einkaufbummel überlassen, und uns einen eigenen Einkaufsbummel leisten?“ Lea gab ihm einen Kuss. „Das ist eine gute Idee. Kein Mann dabei, der immer nur zur Eile treibt. Also los, Mädels. Auf geht’s.“ Susi und Maggie hakten sich bei ihr unter und auf ging es zum Einkaufsbummel. Mike sah seiner Frau hinterher. Lea war genau so schlank und groß wie Susi, nur hatte sie kurze weißblonde Haare mit vereinzelten roten Strähnen darin. Sie hatte das Glück, dass sie ihre Haare nicht färben musste, weil die einfach perfekt waren. Mike hatte sich bei Lea immer lange Haare gewünscht, aber sie hatte ihm klar gemacht, dass kurze Haare bei ihrer Arbeit als Ärztin einfach praktischer waren. Und in zwanzig Jahren Ehe hatte er gelernt, ihre Wünsche zu unterstützen und zu akzeptieren.
„Man sieht gar nicht, wer da die Mutter ist. Sie sieht einfach immer noch fantastisch aus,“ murmelte er ganz leise. Jens und Jason fingen an zu lachen. „Schaffst du es, deinen Blick vom Hintern deiner Frau und meiner Mutter zu lösen?“ fragte Jens neckend. Mike fuhr zusammen. Schuldbewusst sah er die Jungs an. Jetzt war es Jens, der ihm auf die Schulter klopfte. „Nicht so schlimm, Dad. Ich finde Mum auch toll.“ Mike sah ihn an. „Sei froh, dass du mein Sohn bist,“ knurrte er. „Sonst wären das die falschen Worte. Und jetzt lasst uns endlich los, Beute machen.“ Er legte den Jungs seine Arme um die Schultern und schob sie in Richtung der Geschäfte.
Die Zeit verging wie im Flug. Es dämmerte schon, als sich alle auf der Yacht wieder zusammen fanden. Mike hatte bereits Tee gekocht und ein leichtes Abendessen vorbereitet. Er wollte nicht, dass sie mit leerem Magen in die Bar gehen. Die Jungs leisteten ihm mit einem Becher Tee Gesellschaft. Als die Tür aufging und Lea hereinkam, grinste Jens seinen Vater an. „Kein Wort,“ knurrte der ihm zu und sah ihn gespielt zornig an. Jens merkte, dass sein Vater nur so tat als ob, aber er wollte ihn nicht in Verlegenheit bringen und sagte nichts. Nur der Blick, den er mit Jason wechselte, sprach Bände.
Irritiert sah Lea ihren Sohn an. „Alles in Ordnung?“ fragte sie. „Ja, alles ok,“ antwortete Jens. „ Wo sind denn die Mädels?“ „Oh, die machen sich schon mal schön für heute Abend.“ Lea grinste Mike an. „Obwohl sie genau wissen, dass wir nur in eine Bar wollen, und ihr Vater einen strengen Blick auf sie haben wird.“ „Oh, da kannst du sicher sein,“ rief Mike. „Und wir sind ja auch noch da,“ meinte Jason.
Kurz darauf kamen die beiden Mädels dazu. Sie genossen alle zusammen das leichte Abendessen. Die gute Laune war wieder da, und vergessen war, was sie am Mittag gehört hatten. Sie wollten sich die Stimmung nicht vermiesen lassen. Ohne darüber zu sprechen waren sich darin alle einig. Es war schon dunkel, als sie sich aufmachten um die Bar zu besuchen. Mike hatte die Jungs angewiesen, immer bei den Mädchen zu bleiben. Er wollte einfach auf Nummer Sicher gehen. So hakte sich Susi bei Jason, und Maggie bei Jens ein, was der gar nicht mal so unangenehm fand.
Als sie die Bar betraten, wurden sie schon von Gianno erwartet. Er begrüßte sie und führte sie an einen reservierten Tisch. Die Bar war ziemlich voll, aber die sonstigen Gäste waren höflich und zurückhaltend. Mike hoffte, dass es auch später so bleiben würde. Gianno stellte ihnen seinen Bruder Rondo vor, der ihnen gleich mal eine Runde ausgab. Sekt für die Damen und Bier für die Herren. „Wir haben hier viel zu selten Gäste aus fremden Gegenden,“ meinte er. „Dabei macht das unser Leben hier erst interessant. Gianno sagte mir, dass Sie mit der Yacht hier sind?“
Mike nickte. „Und Sie wollen auch noch weiter?“ fragte Rondo. „Ja,“ antwortete Mike. „Mir ist es nur lieber, über Nacht in einem sicheren Hafen zu liegen. Morgen früh sind wir wieder weg.“ Rondo sah ihn nachdenklich an. „Vielleicht sollten Sie ihren Urlaub hier bei uns verbringen. Ich denke, dass wird erheblich sicherer sein.“ Seine Andeutungen machten Mike neugierig. „Warum? Was ist denn so gefährlich unterwegs?“
Doch Rondo antwortete nicht. Er sah die Familie nur der Reihe nach an, dann drehte er sich zu einem anderen Tisch. „Pepe,“ rief er. „Hast du mal etwas Zeit für uns?“ Der Angesprochene stand auf und kam zu ihnen an den Tisch. Er nahm sich einen Stuhl und setzte sich. „Was gibt’s?“ fragte er mit seiner tiefen Stimme.
Rondo wies auf die Familie. „Unsere Gäste hier wollen morgen weiter“ Pepe sah sie an. „Richtung Süden?“ fragte er Mike. Der antwortete: „Na ja, eher Südwest.“ Pepe schwieg, doch er musterte die Familie durchgehend. „Nicht gut,“ sagte er dann leise. „Große Gefahr.“
„Was für eine Gefahr?“ fragte Mike ihn. In Pepes Blick schimmerte Furcht, als er antwortete: „Man sagt, die Insel sei wieder aufgetaucht. Und mit ihr die Geister aus der Tiefe.“ Er starrte vor sich hin. „Ich habe diese alte Legende nie glauben wollen,“ erzählte er. „Unser Vater hat sie uns vor vielen Jahren erzählt. Eine Insel, die aus dem Nichts auftaucht. Sie lockt die Seefahrer an. Wie, weiß keiner, denn es ist noch keiner wieder lebend von dort weg gekommen. Und dann sind da noch die Geister aus der Tiefe. Sie kommen mit dieser Insel und fressen alles, was sie bekommen können.“ Pepe schwieg. Sein Blick war auf die Tischplatte gerichtet.
Gianno übernahm das Wort: „ Ihr müsst wissen, Pepe ist der jüngste Bruder von uns Dreien. Und der einzige Seefahrer, wie einst unser Vater. Unser Vater war auf See, als diese Insel erschien. Er ist nie wieder nach Hause gekommen.“ Mike sah ihn mitfühlend an. „Aber woher wisst ihr dann von dieser Insel?“ fragte er. „Durch eine Flaschenpost, wie in alten Zeiten,“ erklärte Rondo. „Unser Vater war bereits mehrere Jahre verschwunden, da brachte uns jemand diese Flasche mit einer Nachricht von ihm. Er erzählte von dieser Insel und den Geistern der Tiefe, wie er sie nannte. Die Insel taucht einfach auf, lockt die Seefahrer an und lässt sie nicht wieder weg. Und irgendwann ist sie wieder verschwunden. Einfach so.“
„Und jetzt ist sie wieder da?“ fragte Jason ungläubig. „Woher wollt ihr das wissen?“ Pepe sah ihn an. „Wir wissen es nicht. Aber wir sehen, dass die Fische und auch die Vögel sich seltsam verhalten, anders als sonst. Man sagt, sie sind nur so, wenn die Insel wieder da ist.“
Es war ruhig geworden in der Bar. Alle hatten zugehört, und keiner wagte etwas zu sagen. Auch Mike hatte es die Sprache verschlagen. Sollte er diese merkwürdige Geschichte glauben? Er sah seine Familie an, und sah auch in ihren Augen Unglauben und … ja, Furcht. Sie hatten Angst. Sollten sie ihre Reise lieber abbrechen? Mike nahm sich vor, darüber gründlich nachzudenken und alles mit seiner Familie zu besprechen.
Er besah sich die drei Brüder. Pepes Blick war voller Angst, die Blicke von Gianno und Rondo voller Sorge. Sie begegneten
