Inselmenschen - Ingrid Leibhammer - E-Book

Inselmenschen E-Book

Ingrid Leibhammer

0,0
2,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Reif für die Insel, wer ist das nicht von Zeit zu Zeit. Es gibt jedoch Menschen, die sich von der Welt verabschieden und dort leben, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht!" sagen. Sie haben der Welt den Rückengekehrt und wollen keinen Kontakt, aus den verschiedensten Gründen. Diese Geschichten wurden inspiriert durch den Bildband "Escape" von Daniela Tkachenko, der Einzelgänger in den russischen Wäldern zeigt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 37

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Vorwort

Verloren

Hoch oben

Natur Pur

Rückzug

Sühne

Isoliert

Der Binsenhut

Mein Paradies

Fernab

Aus der Welt

Umzingelt

Im Gartenhaus

Impressum

Vorwort

Reif für die Insel, wer ist das nicht von Zeit zu Zeit. Es gibt jedoch Menschen, die sich von der Welt verabschieden und dort leben, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht!“ sagen. Sie haben der Welt den Rücken gekehrt und wollen keinen Kontakt, aus den verschiedensten Gründen. 

Diese Geschichten wurden inspiriert durch den Bildband:  „Escape“ von Danila Tkachenko, der Einzelgänger in den russischen Wäldern zeigt.

Dadurch entstehen Fragen: Warum leben diese Männer alleine im Wald? Was macht das mit ihnen? Diese und ähnliche Fragestellungen zu Weltflucht und Einsamkeit haben zu diesem Buch angeregt.

Alle Abbildungen sind Acrylbilder der Autorin. Die Bilder lassen Raum für Assoziationen. Sowohl die Texte wie auch die Bilder werfen Fragen auf - die Antworten findet der Leser bzw. Betrachter für sich selbst. 

Verloren

Zum Teufel! Hört das denn nie auf?! Der Regen trommelt aufs Deck, die Wellen klatschen außen an die Bootswand, das Boot rollt von einer Seite auf die andere, seit Tagen geht das so. Es ist zum Verrücktwerden. 

Alles ist klamm und feucht, ich werde überhaupt nicht mehr richtig trocken. Alle halbe Stunde steige ich hoch an Deck, schaue nach den Segeln, die recht schlaff auf stärkeren Wind warten, prüfe den Kurs, die Instrumente, halte Ausschau nach Schiffen, die eventuell meinen Kurs kreuzen. Weit sehen kann ich allerdings nicht in dieser Suppe. Alles in Ordnung. Reine Routine. Wie öde! 

Ich kratze meine Haut auf, die von Salz verkrustet ist und juckt. Schimpfe mich dafür einen Narren, denn die wunden Stellen werden nicht zuheilen, nicht so lange sie immer wieder nass und salzig werden. Frischwasser darf ich nicht mit duschen vergeuden. 

Was Birgit zu Hause wohl gerade macht? Nein, ich werde nicht versuchen, sie über Funk zu erreichen. Das macht es nur schlimmer.

Rumms, wieder eine Welle gegen den Rumpf. Lästig, aber nicht gefährlich.

Ich verkeile mich in der Eckbank und vertiefe mich in mein Buch. Eine ganze Zeitlang bin ich in einer anderen Welt und erlebe die Abenteuer eines anderen. 

Dann steige ich wieder nach oben, überprüfe Kurs und Segelstellung. Alles in Ordnung.

Mutterseelenallein stehe ich breitbeinig in der nassen Plicht. Noch nicht mal eine Möwe lässt sich blicken. Keine Delphine, nichts. Nur der Regen pladdert auf meine Kapuze und Schultern. Immer das gleiche seit Tagen.

„Na, meine Katalena, wie gefällt dir das? Macht dir nichts aus? Bist an Nässe gewöhnt, nicht? Lass nicht nach, halt deine Segel in den Wind und treib uns voran. Halt die Ohren steif. Ich verschwinde jetzt wieder nach unten.“

Ich hänge hier rum. Es ist ganz egal was ich mache. Niemand kritisiert mich und niemand lobt mich. Ich kriege keine Rückmeldung, es interessiert einfach niemanden. In dieser kleinen Kajüte bin ich gefangen. Trostloses Wetter. Und ich weiß nicht, wie lange das noch so weitergehen wird. Es gibt Stunden, in denen ich nichts mit mir anzufangen weiß. Nichts schmeckt, müde bin ich, die verfilzten Haare jucken. Ich bin verloren in diesem riesigen Ozean. Von Gott und der Welt verlassen.

„Herrgott, Christian, du alter Penner. Jetzt reiß dich zusammen. Geh nochmal nach oben, tu deine Pflicht. Und dann machst du dir was Warmes zu essen. Leg deine Lieblings CD ein und lass es laut dröhnen, dass dir die Ohren fast abfallen. Du bist okay. Du bist auf deinem lang ersehnten Törn. Das wolltest du doch. Es geht dir gut!“

Mein Tagebuch hält alle meine Schwankungen fest, für später.

Hoch oben

Sein Blick schweifte über das Blau bis zum Horizont. Kein Hindernis störte die Weite. Heute was es ruhig. Es roch nach Salz und Meer. Der Tang, der sich in den Felsen verfangen hatte, verbreitete den Duft nach Fisch und Feuchtigkeit. Kleine Wellen umspielten und schmeichelten dem Fuß des Turms als wollten sie ihn salben. Die Helligkeit der Sonne malte  Flecken auf das Blau. Möwen segelten schwerelos und stürzten sich ins Wasser auf Beutefang. Ihre lärmenden Schreie erfüllten die Luft.

Die Farben des Wassers änderten sich ständig: von Tiefblau zu Hellblau zu Dunkelgrün und Türkis und Weiß auf den Kämmen der Wellen.

Es gab auch andere Tage, Tage, an denen die brüllende Gischt sich unten an den Felsen brach und die Fundamente erzitterten. Kleine Splitter Fels brachen weg, gingen im Tumult des Wassers unter, wurden herumgeschleudert und blieben schließlich abgeschmirgelt irgendwo zwischen Steinen am Strand hängen. Das dumpfe Dröhnen der Brecher mischte sich mit dem Pfeifen des Sturms. Die wirbelnde Gischt zischte und fauchte und sprühte Fontänen durch die Löcher der Felsen.