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In einer vielfältigen Gesellschaft sind gemeinsame Werte wie Respekt und Toleranz unverzichtbar. Doch wie unterschiedlich sind die Lebensrealitäten heute in Deutschland? Welche Auswirkungen hat religiöse Vielfalt auf das soziale Miteinander? Und was können wir von anderen Ländern für die Integrationsdebatte hierzulande lernen? Der vorliegende E-Book-Reader ergänzt die Schwerpunktausgabe "Integration" unseres Magazins change vom März 2016 mit weiteren wertvollen Inhalten. Die Beiträge diskutieren das komplexe Bündel integrationspolitischer und -kultureller Fragen, geben Impulse für eine faire Migrationspolitik und setzen Zeichen für eine lebendige Demokratie. Bei den Texten handelt es sich um Auszüge aus Büchern des Verlags Bertelsmann Stiftung.
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Seitenzahl: 380
Veröffentlichungsjahr: 2016
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E-Book-Sonderausgabe
| Verlag BertelsmannStiftung
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbiografie; detaillierte bibliografische Datensind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Reihe change | readerBand IntegrationE-Book zum Magazin change Ausgabe 1/2016
© 2016 E-Book-AusgabeVerlag Bertelsmann Stiftung, GüterslohVerantwortlich: Christiane RaffelUmschlaggestaltung: Bertelsmann StiftungUmschlagabbildung: Hero/Fancy/Strandperle/F1onlineISBN 978-3-86793-733-7 (PDF)ISBN 978-3-86793-734-4 (EPUB)
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
In einer vielfältigen Gesellschaft sind gemeinsame Werte wie Respekt und Toleranz unverzichtbar. Doch wie unterschiedlich sind die Lebensrealitäten heute in Deutschland? Welche Auswirkungen hat religiöse Vielfalt auf das soziale Miteinander? Und was können wir von anderen Ländern für die Integrationsdebatte hierzulande lernen?
Der vorliegende E-Book-Reader ergänzt die Schwerpunktausgabe »Integration« unseres Magazins change vom März 2016 mit weiteren wertvollen Inhalten. Die Beiträge diskutieren das komplexe Bündel integrationspolitischer und -kultureller Fragen, geben Impulse für eine faire Migrationspolitik und setzen Zeichen für eine lebendige Demokratie. Bei den Texten handelt es sich um Auszüge aus Büchern des Verlags Bertelsmann Stiftung.Weitere Informationen zu unseren Verlagsprodukten finden Sie unter: www.bertelsmann-stiftung.de/verlag.
Wir freuen uns über Ihr Interesse und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.
Dr. Malva KemnitzVice President Corporate CommunicationsBertelsmann Stiftung
Auszug aus:
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)
Vielfältiges Deutschland
Bausteine für eine zukunftsfähige Gesellschaft Gütersloh 2014
ISBN 978-3-86793-506-7 (Print)
ISBN 978-3-86793-566-1 (PDF)
ISBN 978-3-86793-567-8 (EPUB)
© Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Will Kymlicka
Die Konzepte für den rechtlichen und politischen Umgang mit ethnischer Vielfalt haben sich in den letzten 40 Jahren überall auf der Welt ständig gewandelt. Oft ist von »Aufstieg und Fall des Multikulturalismus« die Rede und daraus ist eine Art Metaerzählung geworden, auf die sich Wissenschaftler, Journalisten und Politiker immer wieder berufen, wenn sie erklären wollen, welche Richtung die Debatten rund um das Thema Diversität gegenwärtig nehmen. Zwar wird darüber gestritten, was nach dem Multikulturalismus kommen soll, doch herrscht ein erstaunliches Maß an Übereinstimmung darüber, dass wir in einer postmultikulturellen Epoche leben.
In diesem Beitrag wird die These vertreten, dass die Metaerzählung vom »Aufstieg und Fall des Multikulturalismus« ebenso viel verschleiert wie erhellt und dass wir ein anderes gedankliches Gerüst brauchen, um über politische Optionen in der Gegenwart nachzudenken. Erfolge und Fehlschläge multikulturellen Denkens und der Grad an öffentlicher Akzeptanz für multikulturelle Politik hängen stets davon ab, welche Probleme in welchen Ländern gelöst werden sollen, und wir müssen diese Wechselfälle verstehen, um ein nachhaltigeres Modell für den Umgang mit Diversität zu entwickeln.
Hier soll dargelegt werden, dass die Metaerzählung vergangene Experimente mit multikulturellem Denken und Handeln falsch darstellt, das Ausmaß der Abkehr von diesen Experimenten übertreibt sowie weder die tatsächlichen Schwierigkeiten und Grenzen, die bei diesen Versuchen sichtbar wurden, noch die Möglichkeiten, sie zu überwinden, richtig beschreibt.
Bevor wir uns entscheiden, den Niedergang des Multikulturalismus zu feiern oder zu beklagen, müssen wir klären, was Multikulturalismus in Theorie und Praxis bedeutet hat und bedeutet, wo genau er seine Ziele erreicht oder verfehlt hat und unter welchen Bedingungen er künftig Früchte tragen könnte.
Die Metaerzählung vom »Aufstieg und Fall des Multikulturalismus« gibt Aufschluss über wichtige Charakteristika unserer gegenwärtigen Debatten. In anderer Hinsicht ist sie jedoch irreführend und verstellt eher den Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen und Chancen, mit denen wir konfrontiert sind. Die einfachste Variante dieser Metaerzählung lautet etwa wie folgt (Joppke und Morawska 2003; Koopmans 2006; zur Diskussion in Großbritannien siehe Hansen 2007; Back et al. 2002; Vertovec 2010; zu Australien siehe Ang und Stratton 2001; zur Situation in Kanada siehe Wong, Garcea und Kirova 2005; für einen guten Überblick, wie die Backlash-These in verschiedenen Ländern diskutiert wird, siehe Vertovec und Wessendorf 2010).
Von den 1970er- bis zur Mitte der 1990er-Jahre gab es in den westlichen Demokratien einen deutlichen Trend, Diversität verstärkt anzuerkennen und zu berücksichtigen. Hierzu wurde ein Spektrum multikultureller politischer Strategien entwickelt und es wurden Minderheitenrechte verankert. Multikulturelle politische Strategien gewannen Rückhalt in der Innenpolitik einzelner Staaten und in internationalen Organisationen. Sie bedeuteten auch eine Abkehr von früheren Vorstellungen einer einheitlichen und homogenen Nation.
Seit Mitte der 1990er-Jahre erleben wir jedoch einen Backlash und eine Abkehr vom Multikulturalismus. Ideen vom Zusammenhalt der Nation, von gemeinsamen Grundwerten und einer gemeinsamen Identität sowie einheitlichen staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten gewinnen dagegen wieder an Einfluss – sogar nach einer »Rückkehr zur Assimilation« wird gerufen.
Grund für diese Abkehr vom Multikulturalismus sind unter anderem Ängste innerhalb der Mehrheit, dass die Rücksicht auf Diversität »zu weit gehe« und die eigene Lebensweise bedrohe. Diese Ängste finden oft Ausdruck in einem vermehrten Zulauf zu nativistischen und populistischen politischen Bewegungen des rechten Flügels. So tritt etwa die Dänische Volkspartei für die überkommenen Vorstellungen ein, dass »Dänemark den Dänen« gehören sollte.
Die Abkehr ist aber auch Folge einer eher auf der linken Seite oder in der Mitte des politischen Spektrums verbreiteten Überzeugung, dass der Multikulturalismus gerade denjenigen, denen er nützen sollte – nämlich den Minderheiten selbst –, nicht geholfen habe, weil er die eigentlichen Ursachen für ihre soziale, wirtschaftliche und politische Ausgrenzung nicht bekämpft und entgegen aller Absicht vielleicht sogar zu ihrer sozialen Isolation beigetragen hat. Deshalb haben sich sogar die Mitte-Links-Kräfte, die sich ursprünglich für Multikulturalismus stark gemacht hatten, wie die sozialdemokratischen Parteien in Europa, von ihm verabschiedet und diskutieren nun mit Nachdruck über »staatsbürgerliche Integration«, »sozialen Zusammenhalt«, »gemeinsame Werte« und »gleiche staatsbürgerliche Rechte und Pflichten für alle« (für einen Überblick vgl. Cuperus, Duffek und Kandel 2003).
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