Integrative Manuelle Therapie -  - E-Book

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Beschreibung

Ganzheitlich manuell therapieren

Das Konzept der Integrativen Manuellen Therapie (IMT) sieht stets den gesamten Patienten – mit all seinen muskuloskelettalen, viszeralen und anderen möglichen Symptomauslösern. Damit geht es weit über die „klassische“ Manuelle Therapie hinaus.

Das Buch ist nach Körperregionen gegliedert und unterstützt Sie dabei

  • funktionelle Zusammenhänge zu verstehen,
  • den klinischen Untersuchungsprozess und therapeutische Interventionen zu beherrschen,
  • Ihre Interventionen fundiert zu begründen, zu bewerten und damit die Therapie optimal

auf die Behandlungsziele auszurichten.

Neben den wichtigen, praxisrelevanten Grundlagen enthält das Buch präzise Beschreibungen manueller Techniken und umfasst ergänzend Kapitel zur Mobilisation des Nervensystems, zur segmentalen Stabilisation und zur funktionellen Trainingstherapie.

Die Autoren bilden als Dozenten in der gleichnamigen Kursreihe Physiotherapeuten in IMT aus.

Lassen Sie sich von ihrer Leidenschaft für die Arbeit anstecken!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 845

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Integrative Manuelle Therapie

Herausgegeben von

Rudi Amberger

Rudi Amberger, Thomas Brucha, Daniel Dierlmeier, Daniel Josef, Thomas Mummert, Dirk Pechmann

3., aktualisierte Auflage

1113 Abbildungen

Zeit um Danke zu sagen

Nach vielen Stunden des Recherchierens, Lesens, Schreibens und Korrigierens ist es nun Zeit für ein herzliches Vergelt’s Gott an all diejenigen, die zur Entstehung dieses Buches beigetragen haben. Mein erster großer Dank geht an die Mitautoren, ohne deren Unterstützung dieses Werk in diesem Umfang nicht realisierbar gewesen wäre.

Des Weiteren bedanke ich mich sehr herzlich bei all meinen Mitarbeitern von das mediABC. Durch das große Engagement und den ungebrochenen Einsatzwillen, den meine beiden Geschäftsleiter und das gesamte Team über den langen Zeitraum der Buchentstehung gezeigt haben, wurde mir der Rücken freigehalten und ich konnte einen Großteil meiner Zeit dem vorliegenden Werk widmen.

Mein ganz besonderer Dank gilt auch Cornelia Röder. Sie war von Anfang an mit dem Projekt betraut und hat nicht nur viele dienstliche, sondern auch etliche private Stunden hineingesteckt. Der Wunsch nach flüssigerer Lesbarkeit, leichterem Verständnis und das mehrmalige Korrigieren des gesamten Werkes entwickelten sich (fast) zur Leidenschaft.

Zu guter Letzt bedanke ich mich auch beim Thieme Verlag für das entgegengebrachte Vertrauen und vor allem für die Umsetzung unserer Wünsche und Vorstellungen.

Herzlichen Dank

Rudi Amberger

Geleitworte

Längst hat die klassische Manuelle Therapie die Grenzen der Gelenkmobilisation überschritten.

Die ursprüngliche manuelle Therapie war eine überwiegend gelenkorientierte Untersuchungs- und Behandlungsform, die ihren Schwerpunkt in der Mobilisation der Gelenkkapsel hatte.

Seit den 90er Jahren haben osteopathische und fasziale Behandlungsformen (Tom Myers, Ida Rolf, Steven Typaldos, Paul St. John, und viele mehr) zunehmend die Manuelle Therapie mit dem Gedanken der „Ursachensuche“ und „Ursachentherapie“ beseelt.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist durch die empirische Arbeit vieler Therapeuten eine sehr umfangreiche Untersuchungsanalyse und eine komplexe manuelle Therapie entstanden, die versucht, die Pathologie des Patienten in seiner Gesamtheit zu erfassen und kausal eine Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit zu erreichen.

Rudi Amberger und Kollegen ist es gelungen, mit diesem Buch klassische Manuelle Therapie mit den modernen Gedanken der Osteopathie und myofaszialen Therapie zu einem vollständigen und umfassenden Lehrbuch zu verbinden.

Dieses Buch versucht, diese Kenntnisse zu bündeln und vermittelt dabei nicht nur die Grundlage der Manuellen Therapie, sondern auch umfangreiche funktionelle anatomische Kenntnisse des gesamten Haltungsapparates, biomechanische Zusammenhänge der Gelenke in der Wechselbeziehung von Nerven, Gefäßen und viszeralen Kontakten.

Es stellt einen Leitfaden für eine strukturierte Untersuchung und Behandlung der Gelenke dar und integriert dabei die Ursache-Folgen-Kette sowie die Bedeutung der faszialen Strukturen in der Entwicklung von chronischen Schmerzsyndromen.

Meiner Meinung nach ist es ein lange überfälliges Buch, das in keinem therapeutischen Bücherschrank fehlen sollte.

Lutz M. Scheuerer BSc Regensburg im November 2016

Bachelor of Science in Manual Medicin & Osteopathy

Physiotherapeut

Osteopath BAO, BVO

Fachlehrer für Manuelle Therapie

Die Manuelle Therapie ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl wirksamer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die aus der Behandlung myofaszialer Beschwerden und Schmerzen nicht mehr wegzudenken sind. Dies verdankt sie, in ihrer modernen Ausprägung, vor allem in ihrem systemischen Verständnis der Strukturen und Funktionen des Menschen: Bei chronischen Beschwerden sieht sie nicht vordergründig das Symptom, sondern überlegt, aufgrund welcher anatomischen und physiologischen Zusammenhänge das Symptom entstanden ist. Und bei akuten Beschwerden berücksichtigt sie auch die möglichen systemischen Auswirkungen der zugrundeliegenden Belastung. Entsprechend dieser systemischen Überlegungen entwickelt die Manuelle Therapie umfassende, präzise und wirksame Behandlungsstrategien.

Aber nicht nur dieses Verständnis des biologischen Systems „Mensch“ ist für die Beliebtheit der Manuellen Therapie bei Patienten, Therapeuten und Ärzten ausschlaggebend. Es sind auch die qualitativ hochwertigen Weiterbildungen, die manuelle Therapeuten auf ihrem Weg zur Zertifizierung durchlaufen müssen.

Voraussetzung dafür ist, dass handlungsorientiertes Wissen und Methodenkompetenz didaktisch perfekt aufbereitet und präsentiert werden. Dies ist dem Autorenteam um Rudi Amberger in diesem Buch in hervorragender und vorbildlicher Art und Weise gelungen. Besonders beeindruckt mich die hochwertige grafische Gestaltung des Buchs. Damit trägt es wesentlich zur Verbesserung der Methodik und Didaktik des Fachs bei.

Ich wünsche diesem umfassenden und sehr gelungenen Lehrbuch der Manuellen Therapie den Erfolg und die Verbreitung, die es verdient.

Professor Dr. Erich Wühr, MSc Bad Kötzting im Dezember 2016

Zahnarzt, Osteopath BAO, BVO

Gesundheitscampus Bad Kötzting der Technischen Hochschule Deggendorf

Lehrgebiet Gesundheitsförderung und Prävention

Leiter des Bachelor-Studiengangs Physiotherapie Schwerpunkt Manuelle Therapie

Vorwort

Warum kann ein Talus posterior extern zu einer Rotationsläsion von LWK V führen?

Was ist ein depressed sacrum?

Warum kann ein Zwerchfell Schulterschmerzen verursachen?

Das sind nur drei der Fragen, denen wir in diesem Buch und in unseren Kursreihen zur Integrativen Manuellen Therapie zusammen mit den Kursteilnehmern auf den Grund gehen. Wir verstehen dabei die Manuelle Therapie als in der Osteopathie verwurzelt und üben daher das Denken in Ursache-Folgen-Ketten und den Blick auf die Zusammenhänge aller Ebenen – parietal, viszeral, nerval. Das Ergebnis ist die Fähigkeit, Schmerzen zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen und so zum Beispiel von den Schulterschmerzen zum Zwerchfell zu gelangen – und durch eine Behandlung der Ausgangsläsion dem Patienten nachhaltig zu helfen. Die Integrative Manuelle Therapie von das mediABC ist ein undogmatisches, praxisnahes Modell mit Schwerpunkt auf der funktionellen Anatomie und der Integration verschiedener Behandlungsebenen. In unseren Kursen wird sehr viel Wert auf funktionelle Denkweise gelegt. Diese ist die Voraussetzung dafür, Läsionen in einer Ursache-Folgen-Kette (UFK), wie sie in der osteopathischen Medizin unabdingbar ist, zu erkennen und in einer sinnvollen Reihenfolge abbauen zu können.

Der Lehrplan umfasst sowohl Extremitäten und Wirbelsäule – mit besonderem Schwerpunkt auf Biomechanik und funktioneller Anatomie – als auch das parietale System und vermittelt darüber hinaus Einblicke in die Bedeutung viszeraler und neuraler Strukturen für die Manuelle Therapie.

Theorie visualisieren und verstehen

Doch gerade die funktionelle Anatomie ist hoch komplex und erschließt sich oft nicht sofort. Deswegen hat das mediABC bei der Integrativen Manuellen Therapie auch einen didaktisch-methodischen Anspruch – wir visualisieren die Theorie. In diesem Buch vermitteln wir kompliziertes Wissen in anschaulichen Bildern. Diese bildhaften Vorstellungen von Abläufen ermöglichen ein tiefes und nachhaltiges Verständnis der Zusammenhänge, welches die Grundlage für eine analytisch-logische und eigenständige Herangehensweise bildet, mit der Physiotherapeutinnen und -therapeuten ihre Patienten effektiv befunden und behandeln können.

Blick über den Tellerrand

Mit dem vorliegenden Werk vermitteln wir Ihnen keine fertigen „Behandlungsrezepte“, sondern wir trainieren mit Ihnen das Denken in logischen Ketten. Da sich diese Ursache-Folgen-Ketten oft nicht an die Grenzen der Fachbereiche halten, war es uns ein besonderes Anliegen, immer wieder den Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen und die Erkenntnisse und Sichtweisen der verschiedensten Behandlungsmethoden für die Erweiterung Ihres eigenen Verständnisses heranzuziehen. Wir möchten nicht, dass Sie das Konzept der IMT von das mediABC eins zu eins umsetzen; es ist uns vielmehr sehr wichtig, dass Sie die Manuelle Therapie verstehen und begreifen, um die zahlreichen Techniken sicher und mit Freude einsetzen zu können. Durch das aufmerksame und interessierte Lesen dieses Buches und durch den Besuch unserer Kursreihe werden Sie in der Lage sein, die Erkenntnisse verschiedener Konzepte zu bewerten und zu einem patientenorientierten Behandlungskonzept zu vereinen. Auch wenn es einige Skeptiker und Kritiker auf die Barrikaden treiben wird, so bleibt es dennoch eines unserer wichtigsten Ziele, eine perfekte Synergie aus evidenzbasierter Wissenschaft und empirischer Erfahrungsmedizin (-therapie) zu bilden. Die wissenschaftliche Beweisführung der UFKs hinkt dem praktischen Handeln zwar weit hinterher, aber wenn wir sie deswegen über Bord werfen, laufen wir Gefahr, einen Erfahrungsschatz, der sich über Jahrzehnte hinweg empirisch entwickelt hat, zu verlieren.

Sehr gerne möchten wir unsere Leidenschaft für die faszinierenden Zusammenhänge der Manuellen Therapie mit Ihnen teilen – und würden uns freuen, Sie zu unserem Zertifikatskurs begrüßen zu dürfen!

Herzlichst

Rudi Amberger, Senior Teacher IMT

Vorwort zur 2., aktualisierten und erweiterten Auflage

Das Physiofachbuch „Integrative Manuelle Therapie“ hat alle Vorstellungen von Verlag und Autoren bei Weitem übertroffen. Nach nur 4 Jahren erscheint bereits die 2., aktualisierte und erweiterte Auflage dieses Buches. Eine Vielzahl von Rezensionen haben uns in dieser Zeit erreicht und darin bestätigt, dass wir mit diesem Werk den richtigen Weg beschritten haben. Aber nicht nur die veröffentlichten Rezensionen, sondern auch die Anregungen von Florian Kohlmann, Marcus Schmidt, Matthias Schulte und Julian Knaack, alles Dozenten der IMT Kursreihe, halfen uns, das hier vorliegende Werk zu korrigieren, aktualisieren und neu zu gestalten.

Viele positive Eindrücke unserer Kursteilnehmer aus den gleichnamigen Kursreihen bestätigten uns in der richtigen Auswahl der Kapitel. Im Besonderen sind hier Anatomie in vivo, Bindegewebe in der Therapie, Schmerzphysiologie sowie Integration Teil I und Teil II zu nennen. Dank der hervorragenden grafischen Unterstützung durch den Thieme Verlag gelang es uns, im Kapitel Anatomie in vivo die beschreibende Anatomie der wichtigsten Strukturen in vivo zu visualisieren. Dank der ausführlichen Beschreibung der Herangehensweise ist es jedem Teilnehmer möglich, anhand der Abbildungen seine eigene Palpation zu vergleichen und die benannten Strukturen zu finden. Ergänzt durch die Kapitel Bindegewebe in der Therapie und Schmerzphysiologie erhält der interessierte Leser mit diesem Werk nicht nur die Grundlagen der Manuellen Therapie, sondern bekommt, wie es der Titel der Ausgabe auch schon verrät, einen tiefen Einblick in therapeutisch wichtige physiologische Aspekte. Zu guter Letzt tragen die Kapitel Integration Teil I und II dazu bei, einen Ausblick in funktionelle Zusammenhänge zu erlangen. Der menschliche Körper besteht eben nicht nur aus einzelnen Knochen, Muskeln, Gelenken und anderen Strukturen, sondern ist ein funktionelles Konglomerat, welches nur in einer vorherrschenden Synergie beschwerdefrei funktionieren kann.

Im Vorwort zur 1. Auflage steht bereits geschrieben, dass dieses Werk eine Synergie aus evidenzbasierter Wissenschaft und empirischer Erfahrungsmedizin (-therapie) darstellt. Umso mehr freut es uns, dass es in dieser Ausgabe gelungen ist, empirische Mutmaßungen durch gesicherte Studien, welche einen deutlichen Hinweis darauf geben, dass Erfahrungsschätze ihre Berechtigung in der manualtherapeutischen Landschaft haben, zu untermauern. Für uns zeigt sich darin, dass „Verteufelungen empirischer Erfahrungswerte“ nicht immer der richtige Weg sind. Leider ist es in der Tat immer noch so, dass das Forschungsdesideratum bei funktionellen Zusammenhängen weit hinterherhinkt. Nichtsdestotrotz werden wir auch in der Zukunft offen, aber auch kritisch mit empirischem Wissen umgehen.

Herzlichst

Rudi Amberger, Senior Teacher IMT

Autorenvorstellung

Rudi Amberger

Senior Teacher IMT, PT, Osteopath

D.O. M.Sc. päd. Ost.

Der Grundstein meiner fantastischen Reise in die Welt der manuellen Therapie wurde dank meiner inspirierenden und motivierenden Lehrer in den Jahren 1992–1994 gelegt.

Sie vermittelten mir auf diesem komplexen Gebiet viel Wissenswertes auf sehr anschauliche Weise und vor allem die Verknüpfungen zur funktionellen Denkweise der Osteopathie fesselten mich immer wieder aufs Neue.

In den darauffolgenden Jahren (1995–2000) absolvierte ich meine Assistenzzeit zum Fachlehrer Manuelle Therapie in Donaustauf und Bayreuth und begann auf parallelem Weg mein erstes Osteopathiestudium.

Begeistert und zutiefst beeindruckt von den vielfältigen Denkansätzen, die uns die Manuelle Therapie und die Osteopathie bieten, fasste ich den Entschluss, eine eigene Kursreihe an den Start zu bringen. In den nachfolgenden Jahren vertiefte ich mein Wissen und meine Erfahrung durch das Sammeln von Erkenntnissen aus vielen unterschiedlichen manualtherapeutischen Konzepten.

Bereichert mit der empirischen Erfahrungsmedizin und -therapie aus den Bereichen Manuelle Therapie und Osteopathie und durch die intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit den aktuellen evidenzbasierten Erkenntnissen entwickelte sich die Kursreihe der integrativen Manuellen Therapie. Hierbei legte und lege ich auch heute noch ein ganz besonderes Augenmerk auf die Visualisierung von funktioneller Anatomie. Mein Leitspruch aus dieser Zeit, von dem ich bis heute überzeugt bin und den ich auch meinen Kursteilnehmern stets mit auf den Weg gebe, lautet: „Manuelle Therapie ist Anatomie mit Anatomie & Anatomie, gepaart mit Physiologie, Neurophysiologie & Biomechanik.“

Thomas Brucha

Physiotherapeut seit 1997 und aktuell tätig in Jena und Weimar

Senior Teacher IMT seit 2015 und Fachlehrer Krankengymnastik am Gerät seit 2014

Betreuer des Olympiastützpunktes Jena von 1998 bis 2002

Vater von zwei Söhnen (Kevin 19 J. und Lasse 10 J.)

Die körperliche Problematik eines jeden Patienten ist eine ganz eigene individuelle Geschichte. Dass diese Individualität eines Problems und das Erforschen desselbigen nicht einfach sind, hat jeder schon in seiner täglichen Arbeit herausgefunden. Aber genau das ist das Interessante daran!

Der Erfolg einer Therapie liegt neben einer guten Befunderhebung in der Kombination von physiotherapeutischen Komponenten. Genauso verhält es sich im Fachbereich Manuelle Therapie. Die Individualität einer körperlichen Dysfunktion verbietet förmlich ein eingleisiges Konzeptdenken, denn diese Eingleisigkeit vermindert die Chance einer erfolgreichen Behandlung. Je integrativer ich tätig bin, je mehr ich über meinen eigenen Tellerrand hinausblicke, umso erfolgreicher bin ich in der Therapie meiner Patienten. Dies verdanke ich vielen Konzepten. Der Erfolg war stets unabhängig davon, ob es große, namhafte oder „no-name“-Konzepte sind und waren. Ich habe aus ihnen immer bestimmte Teile in meine Arbeit integriert. Das Konglomerat aller Konzepte bringt uns und unseren Berufsstand weiter. Es schafft uns die Möglichkeit, auf Individualität einzugehen, fallbezogen und intensiv zu forschen.

Daniel Dierlmeier

Physiotherapeut, Heilpraktiker, Osteopath D. O., Kinderosteopath MSc.

Senior Teacher IMT, Fachlehrer KGG, Autor, Inhaber Zentrum für osteopathische Medizin

Schon während der Ausbildung zum Physiotherapeuten erkannte ich, dass der menschliche Körper mehr als die Summe seiner einzelnen Teile darstellt. Gewissermaßen entsteht durch das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln, Gelenke, Bänder und Sehnen ein einzigartiges Ganzes. Auf meiner Suche nach einer effektiven Form der Behandlung führte mein Weg nach dem Staatsexamen über die Manuelle Therapie zu einem 5-jährigen Studium der Osteopathie.

Bei meiner Arbeit als Osteopath und Heilpraktiker darf ich tagtäglich feststellen, dass kein Patient dem anderen gleicht. Aus diesem Grund dürfen wir nicht dazu übergehen, „Kochrezepte“ – besser gesagt Schemata – zur Behandlung einzelner Krankheitsbilder zu entwickeln. Vielmehr ist es wichtig, den Patienten in kurzer Zeit effektiv zu untersuchen und die Ursache der Beschwerden, die teilweise weit von der Schmerzregion entfernt liegen kann, zu finden. Die Integrative Manuelle Therapie schlägt eine Brücke zwischen der Genauigkeit der klassischen Manuellen Therapie und dem ganzheitlichen Denkansatz der Osteopathie.

„Nimm nie die Hand von deinem Patienten, bevor du nicht alle Einschränkungen an den Arterien, Venen und Nerven beseitigt hast.“ (nach Andrew Taylor Still). Die Heilung von Gewebestrukturen ist nur möglich, wenn die zugehörigen Leitungsbahnen unbehindert verlaufen, versorgen und steuern können. Im Jahr 2007 konnte ich dieses osteopathische Prinzip anschaulich untermauern im Fachbuch „Mobilisation nervaler Strukturen“, welches im Eigenverlag erschienen ist. 2015 durfte ich im Haug-Verlag das Standardwerk „Nervensystem in der Osteopathie“ veröffentlichen.

Derzeit leite ich das Zentrum für osteopathische Medizin in Furth im Wald. Mein Tätigkeitsschwerpunkt liegt hier in der Kinder- und Säuglingsosteopathie und in Naturheilverfahren. Als Lehrer unterrichte ich Manuelle Therapie, Chiropraktik, Gehirnnerven in der Osteopathie, Mobilisation nervaler Strukturen sowie Praxismanagement und biete eine eigene einjährige Ausbildung zum Heilpraktiker an.

Lernen soll Spaß machen, weil es dann auch umso leichter fällt. Daher ist es mir wichtig, auf trockene Theorie zu verzichten und die Inhalte der IMT als aufregende Reise durch den Körper zu präsentieren. Mein Ziel ist es, den Schüler genauso für die Manuelle Therapie zu begeistern, wie sie mich begeistert, und ihn anzuspornen, über den Tellerrand des Konventionellen hinauszublicken.

Thomas Mummert

MSc./BSc. Osteopathie BAO, Senior Teacher IMT

BSc. Physiotherapie

Meine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolvierte ich von 1995 bis 1998 an der Medizinischen Akademie des Internationalen Bundes (IB) in Zittau. Nach einer zweijährigen angestellten Tätigkeit in der Physiotherapiepraxis des IB entschloss ich mich, selbstständig tätig zu werden und eröffnete 2001 eine eigene Praxis für Physiotherapie in Görlitz.

Meine Begegnung mit der Manuellen Therapie begann während meines Bachelor-Studiums an der Hochschule von Amsterdam 2002 – 2005. Neben den vielfältigen Modulen zum Thema Physiotherapie und Wissenschaft, beinhaltete dieser Studiengang auch den Zertifikatskurs „Manuelle Therapie nach dem Kaltenborn/Evjenth-Konzept“.

Rudi Amberger und das integrative Manuelle Therapie-Konzept von das mediABC lernte ich 2009 kennen. Von 2009 bis 2012 absolvierte ich die Ausbildung zum Fachlehrer für Manuelle Therapie. In meinen Assistenzen wurde mir sehr schnell klar, dass hier verschiedene Herangehensweisen an die Manuelle Therapie, wie ich sie auch damals in meinem Studium erlebt habe, in einem Konzept integriert werden.

Die Manuelle Therapie mit unterschiedlichen Denkmodellen zu betrachten und zu unterrichten ist für mich eine der wichtigsten und schönsten Herausforderungen in den IMT-Kursen.

Um meinen Teilnehmern in den IMT-Kursen die Faszination der Manuellen Therapie und die Kombination mit verschiedenen Denkmodellen noch besser vermitteln zu können, setzte ich mich nochmal auf die Schulbank. 2011 begann ich das fünfjährige Studium für Osteopathie an der OSD/DIU und schloss es 2016 mit dem Titel MSc./BSc. Osteopathie BAO ab.

Eine wichtige Stütze und ein Ausgleich nach den Kursen ist für mich meine Familie, mit Ehefrau Susann und meinen beiden Kindern Emelie und Nele. Ruhe und Entspannung genieße ich unter anderem in unserem Haus in Reichenbach, bei ausgedehnten Spaziergängen mit unserer Pudeldame „Ginger“ und sportlich bei meinen Golfrunden mit Freunden.

Dirk Pechmann

Physiotherapeut, Diplommedizinpädagoge

Advanced Teacher IMT, Fachlehrer KGG

Nach meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten von 1995 bis 1998 an der Medizinischen Berufsfachschule der Universität Leipzig begann ich im Herbst 1998 mit der Weiterbildung zum Manualtherapeuten.

Dabei führte mich mein Weg über viele Stationen von Leipzig nach Mainz und Bad Tölz, bis ich im Jahr 2000 meine Zertifikatsausbildung Manuelle Therapie im Kaltenborn-Evjenth-Konzept abschloss. Währenddessen arbeitete ich von 1998 bis 2001 in der Moritzklinik Bad Klosterlausnitz im Bereich der orthopädischen und neurologischen Rehabilitation. Ab dem Jahr 2001 war ich am Bildungszentrum für medizinische Heilhilfsberufe in Gera als Lehrer im Fachbereich Physiotherapie und nebenberuflich in der Praxis Graupner als freier Mitarbeiter tätig.

Einmal von der Manuellen Therapie infiziert, ahnte ich nicht, welch langer Weg, aber auch wie viele positive Erfahrungen auf mich warteten.

Von Anfang an faszinierte mich die Logik, welche hinter vielen Behandlungsansätzen steht, das damit verbundene funktionelle Denken und das direkte Zusammenspiel von Ursachen, Interventionen und Folgen. So entwickelte sich die Manuelle Therapie immer mehr zu einem Steckenpferd, das ich weniger als Arbeit oder gar Belastung ansah.

Damit lag es für mich auf der Hand, meiner Zertifikatsausbildung die im Jahr 2000 in Mainz begonnene OMT-Ausbildung bei der DGOMT folgen zu lassen. Diese Zeit bescherte mir unglaublich viele positive Erfahrungen fachlicher und menschlicher Art und endete 2002 mit dem OMT-Examen.

Die Essenz aus dieser Zeit ließ mich schätzen, welch hohes Gut das Wissen und dessen Vermittlung darstellt. Somit öffneten sich für mich auch neue Denkweisen, die mir den Weg in die Pädagogik bescherten.

Diese Ambitionen führten mich einerseits zum 5-jährigen Studium der Diplommedizinpädagogik an die Charité nach Berlin und andererseits, von 2003 bis 2006, zur Assistentschaft im Konzept der Integrativen Manuellen Therapie am Institut „das mediABC“.

Während dieser Zeit vervollständigte sich mein Bild von den verschiedensten Behandlungsmaßnahmen zunehmend, insbesondere auch durch die von Rudi Amberger vorgenommene, gelungene Integration osteopathischer Sichtweisen in das Ausbildungscurriculum der IMT. Die flexible Verkettung von funktioneller Anatomie, manualtherapeutischen Anwendungen, osteopathischen Interventionen und das Bemühen, dieses Konzept nachhaltig und logisch zu vermitteln, faszinierten mich von Beginn an.

Meinen beruflichen Weg als Lehrer in der Ausbildung von Physiotherapeuten setzte ich ab 2009 an der Hei­merer Schule in Leipzig fort. Im Jahr 2016 wechselte ich als Lehrer an die Medizinische Berufsfachschule der Universität Leipzig, womit sich für mich der Kreis schloss.

Meine überaus positiven Erfahrungen während meiner Ausbildung, meiner Unterrichts- und Weiterbildungstätigkeit sowie die Behandlungserfolge am Patienten bestätigen mich bis zum heutigen Tag auf meinem Weg.

Der Wechsel der Perspektive vom Schüler zum Lehrer ermöglicht es mir, das erlernte Wissen weiterzugeben in der Hoffnung, dass der Funke für die Manuelle Therapie überspringt und ich ein Stück meiner Begeisterung verbreiten kann.

Ich denke, dass meine Mitarbeit an dem vorliegenden Buch dem geneigten Leser und Kursteilnehmer dieses Anliegen nahebringt und ihm auf seinem Weg eine gute Hilfe bietet.

Ich danke meiner Familie und vor allem meiner Frau Antje für die Unterstützung und das Verständnis in all den Jahren und der kommenden Zeit. Ich hoffe, dass wir weiterhin den Spagat zwischen beruflicher Belastung und Freizeit meistern.

Daniel Josef

Physiotherapeut, staatl. gepr. Sport- und Gymnastiklehrer, Junior Teacher IMT, Fachlehrer für MT und KGG, DOSB-Sportphysiotherapeut, zurzeit Studium in der Berufspädagogik (B.A.).

Die Welt des Sports fasziniert mich seit meinen Kindertagen. Deshalb absolvierte ich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Sport- und Gymnastiklehrer mit Zusatzqualifikation Sporttherapie in Waldenburg. Meine Tätigkeit als Sporttherapeut zeigte mir, dass für eine erfolgreiche Prävention und Rehabilitation der Patienten und Sportler eine tiefere Kenntnis von funktionellen Zusammenhängen notwendig ist.

Nach der Ausbildung zum Physiotherapeuten in Mutlangen 2011 sammelte ich praktische Erfahrungen in meinem Beruf. Als Lehrkraft an meiner Ausbildungsschule vermittle ich seit 2012 den angehenden Physiotherapeuten, dass jeder Patient eine individuelle Biografie hat und nur eine ausführliche und strukturierte Befunderhebung zum Therapieerfolg führt.

Ich vertiefte meine Kenntnisse vorwiegend im orthopädischen und sportmedizinischen Bereich. Bei der Zertifizierung zum Manualtherapeuten lernte ich das iMT-Konzept kennen und schätzen. Vor allem der ganzheitliche Blick auf den Patienten und die Berücksichtigung diverser therapeutischer Ansätze in der Behandlung spiegeln meine Idee einer erfolgreichen Rehabilitation wider.

Seit meiner Assistenz von 2014–2017 bei „das mediABC“ zum Fachlehrer der Manuellen Therapie verinnerliche ich das Denkmodell und die Herangehensweise dieser ganzheitlichen Therapie. In meinen iMT-Kursen möchte ich meine Begeisterung und meine Erfahrungen an die Teilnehmer weitergeben.

Neben meiner Tätigkeit in der physiotherapeutischen Praxis am Patienten betreue ich schon seit dem Beginn meiner beruflichen Karriere Jugendliche und Erwachsene im Leistungssport. 2019 erwarb ich die Lizenz zum DOSB-Sportphysiotherapeuten. Im Spitzensport ist eine schnelle und differenzierte Analyse der funktionellen Problematik, wie sie in der iMT vermittelt wird, ein wichtiger Aspekt einer erfolgreichen Therapie.

Zeichenerklärung

Hier finden Sie die Erläuterungen zu den Symbolen in den Abbildungen:

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Zeit um Danke zu sagen

Geleitworte

Vorwort

Vorwort zur 2., aktualisierten und erweiterten Auflage

Autorenvorstellung

Rudi Amberger

Thomas Brucha

Daniel Dierlmeier

Thomas Mummert

Dirk Pechmann

Daniel Josef

Zeichenerklärung

1 Einleitung

2 Grundlagen der Manuellen Therapie

2.1 Allgemeine Gelenklehre

2.1.1 Knochenverbindungen

2.1.2 Gelenkflächen

2.1.3 Achsen und Ebenen

2.1.4 Gelenkstellungen in der Manuellen Therapie

2.2 Allgemeine Bewegungslehre

2.2.1 Osteokinematik

2.2.2 Arthrokinematik

2.3 Grundtechniken der Manuellen Therapie

2.3.1 Intensitätsstufen

2.3.2 Indikationsgeleitete Vorpositionierungen

2.3.3 Verriegelungen

3 Befund und Therapieplanung

3.1 ICF der WHO

3.1.1 Grundlagen der ICF

3.1.2 ICF in der iMT

3.2 Evidence-based Practice in der iMT

3.3 Clinical Reasoning in der iMT

3.4 Befunderhebung

3.4.1 Anamnese

3.4.2 Inspektion

3.4.3 Palpation

3.4.4 Funktionsprüfung

3.5 Befundanalyse und Auswahl der Maßnahme

3.5.1 Befundanalyse der rotatorischen und translatorischen Bewegungsprüfung

3.5.2 Analyse der neurologischen Untersuchung

4 Anatomie in vivo

4.1 Einführung in die Palpation

4.1.1 Palpation in Ruhe

4.1.2 Dynamische Palpation

4.2 Schulter/Schultergürtel

4.2.1 Schulter/Schultergürtel – dorsale Ansicht

4.2.2 Schulter/Schultergürtel – ventrale Ansicht

4.2.3 Schulter/Schultergürtel – kraniale Ansicht

4.3 Ellenbogen

4.3.1 Ellenbogen – posteriore Ansicht

4.3.2 Ellenbogen – laterale Ansicht

4.3.3 Ellenbogen – mediale Ansicht

4.4 Hand

4.4.1 Hand – dorsale Ansicht

4.4.2 Hand – radiale Ansicht

4.4.3 Hand – volare Ansicht

4.5 Knie

4.5.1 Knie – laterale und mediale Ansicht

4.5.2 Knie – anteriore Ansicht

4.5.3 Knie – posteriore Ansicht

4.6 Fuß

4.6.1 Fuß – laterale Ansicht

4.6.2 Fuß – mediale Ansicht

4.6.3 Fuß – dorsale Ansicht

4.7 Becken

4.7.1 LBH-Region

4.7.2 LBH-Region – ventrale und laterale Ansicht

4.7.3 LBH-Region – ventrale und mediale Ansicht

4.7.4 LBH-Region – dorsale Ansicht

4.8 Wirbelsäule und Thorax

4.8.1 Wirbelsäule und Thorax – dorsale Ansicht

4.8.2 HWS – dorsale Ansicht

4.8.3 Oberer Thorax – ventrale Ansicht

4.9 Schädel und Kiefer

4.9.1 Schädel und Kiefer – laterale Ansicht

5 Muskelanatomie und Muskelphysiologie

5.1 Einleitung

5.2 Aufbau der quergestreiften Skelettmuskulatur

5.2.1 Allgemeiner Aufbau der Muskulatur

5.2.2 Mikroskopischer und makroskopischer Aufbau der Muskulatur

5.3 Muskelphysiologie

5.3.1 Die motorische Einheit

5.3.2 Erregungsleitung und Erregungsübertragung

5.3.3 Energiestoffwechsel

5.4 Fasertypen der Skelettmuskulatur

5.5 Begriffe und ihre Deutung

6 Neuroanatomie und -physiologie

6.1 Gliederung des Nervensystems

6.2 Gehirn

6.2.1 Allgemeiner Überblick

6.3 Rückenmark

6.3.1 Allgemeiner Überblick

6.3.2 Anatomische Gliederung des Rückenmarks

6.3.3 Funktionelle Gliederung des Rückenmarks (Substantia alba)

6.4 Aufbau und Einteilung der Nervenfasern

6.4.1 Allgemeiner Aufbau einer Nervenzelle

6.4.2 Einteilung der Nervenfaserarten

6.4.3 Rezeptorsysteme und Reflexe

7 Bindegewebe in der Therapie

7.1 Aufbau des Bindegewebes

7.1.1 Fibroblasten

7.1.2 Matrix

7.2 Pathophysiologie des Bindegewebes

7.2.1 Folgen einer Immobilisation

8 Myofasziale Behandlungstechniken

8.1 Muskeldehnung

8.1.1 Mechanische Grundlagen der manuellen Dehnung

8.1.2 Neurophysiologische Grundlagen der manuellen Dehnung

8.1.3 Möglichkeiten zur Muskeldehnung

8.2 Funktionsmassage

8.2.1 Wirkungsweise der Funktionsmassage

8.2.2 Durchführung der Funktionsmassage

8.3 Querfriktionen nach Cyriax

8.3.1 Wirkungsweise der Querfriktion

8.3.2 Durchführung der Querfriktion

8.4 Fasziendistorsionsmodell

8.4.1 Fasziendistorsionstypen

8.4.2 Wirkungsweise des Fasziendistorsionsmodells

8.4.3 Durchführung

8.5 Myofasziale Releasetechniken

8.5.1 Behandlungsprinzipien der myofaszialen Releasetechnik

8.6 Triggerpunkttherapie

8.6.1 Wirkungsweise der Triggerpunkttherapie

8.6.2 Durchführung der Triggerpunkttherapie

9 Wundheilung

9.1 Phasen und Wundheilungszeiten des Bindegewebes

9.2 Ablauf und Klinik der Wundheilungsphasen

9.2.1 Blutungsphase

9.2.2 Exsudationsphase

9.2.3 Proliferationsphase

9.2.4 Remodulationsphase

9.3 Störende Einflüsse auf die Wundheilung

9.3.1 Kortison

9.3.2 Acetylsalicylsäure

9.3.3 Eisanwendung

10 Schmerzphysiologie

10.1 Einleitung

10.2 Physiologie des Schmerzes und der Nozizeption

10.2.1 Nozizeptives System

10.2.2 Physiologie der Nozizeption

10.2.3 Pathophysiologie der Nozizeption

11 Lendenwirbelsäule

11.1 Theorie

11.1.1 Allgemeine Anatomie der Knochen und Gelenke

11.1.2 Funktionelle Anatomie der LWS

11.2 Praxis

11.2.1 Untersuchung LWS

11.2.2 Behandlungen der LWS

12 Thorax

12.1 Theorie

12.1.1 Allgemeine Anatomie

12.1.2 Funktionelle Anatomie und Biomechanik des Thorax

12.1.3 Zusammenfassung

12.2 Praxis

12.2.1 Untersuchung

12.2.2 Behandlung

13 Fuß und Unterschenkel

13.1 Theorie

13.1.1 Übersicht

13.1.2 Funktionelle Anatomie und Biomechanik

13.2 Praxis

13.2.1 Befund Fuß- und Unterschenkelgelenke

13.2.2 Behandlung

14 Knie – Articulatio genus

14.1 Theorie

14.1.1 Übersicht

14.2 Anatomie und Biomechanik des Kniegelenks

14.2.1 Die Bewegungsachse des Kniegelenks

14.2.2 Kinematik von Femur und Tibia bei Flexion und Extension

14.2.3 Kinematik von Femur und Tibia bei axialer Rotation

14.2.4 Kinematik der meniskalen Bewegungen

14.2.5 Kinematik der Kreuz- und Seitenbänder

14.2.6 Kinematik der Articulatio femoropatellaris

14.3 Praxis

14.3.1 Befund Kniegelenk (KG)

14.3.2 Behandlung

15 Hüftgelenk

15.1 Theorie

15.1.1 Allgemeine Anatomie der Knochen und Gelenke

15.1.2 Funktionelle Anatomie des Hüftgelenks

15.2 Praxis

15.2.1 Untersuchung Hüftgelenk

15.2.2 Behandlung Hüftgelenk

16 Becken

16.1 Theorie

16.1.1 Knöcherne Architektur

16.1.2 Funktionelle Anatomie

16.2 Praxis

16.2.1 Screening Becken

17 Integration Teil I

17.1 Wie entsteht eine Läsionskette?

17.1.1 Kompensierende Körperregionen

17.1.2 Typ-I- oder Typ-II-Wirbelsäulen-Läsionen

17.2 Beispiele von Ursache-Folgen-Ketten

17.3 Integration Becken

17.3.1 Strategie „Tendenz instabiles Becken“

17.3.2 Strategie „Tendenz fixiertes Becken“

17.4 Aufsteigende UFK nach einem Inversionstrauma

17.4.1 Allgemeine Übersicht

17.4.2 Behandlungsziele

17.5 Absteigende UFKs durch veränderte Iliumpositionen

17.5.1 Position Ilium posterior

17.5.2 Position Ilium anterior

18 Hand

18.1 Theorie

18.1.1 Übersicht der allgemeinen Anatomie der Knochen und Gelenke

18.1.2 Funktionelle Anatomie

18.2 Praxis

18.2.1 Untersuchung Hand

18.2.2 Behandlungen der Articulatio manus

19 Ellenbogengelenk

19.1 Theorie

19.1.1 Allgemeine Anatomie der Knochen und Gelenke

19.1.2 Funktionelle Anatomie der Articulatio cubiti

19.1.3 Stellungen des Ellenbogens

19.2 Praxis

19.2.1 Befunderhebung des Ellenbogens

19.2.2 Behandlungen

20 Halswirbelsäule

20.1 Theorie

20.1.1 Übersicht

20.1.2 Funktionelle Anatomie der HWS

20.2 Praxis

20.2.1 Untersuchung HWS

20.2.2 Behandlungen der oberen und unteren HWS

21 Kiefergelenk

21.1 Theorie

21.1.1 Allgemeine Anatomie

21.1.2 Bewegungen und Biomechanik des TMG

21.1.3 Ursachen und Symptome von Kiefergelenkbeschwerden

21.1.4 Beziehung des TMG zu anderen Körperregionen

21.2 Praxis

21.2.1 Untersuchung

21.3 Behandlung

21.3.1 Arthrogen

21.3.2 Myogen

21.3.3 Neurogen

22 Schulter- und Schultergürtelkomplex

22.1 Theorie

22.1.1 Übersicht

22.1.2 Skapulothorakales Gleitlager

22.1.3 Articulatio humeri

22.1.4 Articulatio acromioclavicularis

22.1.5 Articulatio sternoclavicularis

22.1.6 Zusammenfassung der Schultergürtelgelenkflächen

22.1.7 Stellungen der Gelenke des Schulter- und Schultergürtelkomplexes

22.1.8 Subakromialer Gleitraum

22.1.9 Biomechanik des Schultergelenkkomplexes

22.2 Praxis

22.2.1 Untersuchung von Schulter- und Schultergürtelkomplex

22.2.2 Behandlungen des Schulter- und Schultergürtelkomplexes

23 Integration Teil II

23.1 Einführung

23.2 Integration C0–C2

23.3 Integration obere Thorax­apertur, C6–Th5

23.4 Kompensatorische Mechanismen der Region Th1–Th5

23.4.1 Flexionstendenz Th1–Th5

23.4.2 Extensionstendenz Th1–Th5

23.5 Kompensatorische Mechanismen der Region C6 und C7

23.5.1 Allgemeine Übersicht bei Funktionsstörungen im Gebiet C6/C7

23.5.2 Mögliche Ursachen

23.5.3 Mögliche posturologische Kompensationen

23.6 Kompensatorische Mechanismen des Schultergürtels

23.7 Mögliche absteigende UFK der oberen Extremität

24 Mobilisation nervaler Strukturen®

24.1 Aufbau eines Rückenmarksegments

24.2 Aufbau des Spinalnervs (N. spinalis)

24.2.1 Qualitäten eines Spinalnervs

24.2.2 Anteile eines Spinalnervs

24.3 Rückenmarkshäute

24.3.1 Dura mater spinalis

24.3.2 Arachnoidea spinalis

24.3.3 Pia mater spinalis

24.4 Fixierung des zentralen Nervensystems

24.5 Bindegewebshüllen der peripheren Nerven

24.6 Pathomechanismen

24.6.1 Arterielle und venöse Schutzmechanismen

25 Segmentale Stabilisation

25.1 Stabilität

25.2 Neutrale und elastische Zone

25.3 Eigenschaften globaler und lokaler Muskelsysteme

25.4 Dysfunktion der neutralen und elastischen Zone

25.4.1 Instabilität

25.5 Dysfunktion des lokalen Systems

25.6 Zusammenfassung

25.6.1 Klinische Konsequenzen

25.7 Testung und Training der lokalen Muskulatur

25.7.1 Testung und Training des M. transversus abdominis

25.7.2 Testung und Training des M. multifidus

25.8 Steigerung und Eingliederung der globalen Funktion

26 Funktionelles Training

26.1 Einleitung

26.2 Trainingsgeräte

26.2.1 Trainingsmethodik

26.3 Praxis

27 Literaturverzeichnis

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

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1 Einleitung

Die Anforderungen an Physiotherapeuten wandeln sich. Noch vor einigen Jahren war die Maßgabe, Krankheiten mit ihren Symptomen zu kennen und dann je nach Diagnose eine bestimmte Behandlungsmaßnahme auszuführen. Diese Herangehensweise trägt der modernen Physiotherapie und im konkreten Fall der Manuellen Therapie kaum noch Rechnung. An diese Stelle sollte heute eine symptomorientierte Untersuchung treten, die es dem Therapeuten ermöglicht, aufgrund seiner Kenntnisse und Erfahrungen, die betroffenen Strukturen zu identifizieren und somit den adäquaten Therapieansatz auszuwählen. Physiotherapeuten der heutigen Zeit sollten in der Lage sein, ihre Interventionen zu begründen, zu bewerten und damit die Behandlung den Behandlungsergebnissen anzupassen. Diese Fähigkeiten setzen ein hohes Maß an Wissen im Bereich Anatomie sowie der klinischen Untersuchungs- und der therapeutischen Interventionsmöglichkeiten voraus. Wir möchten mit diesem Buch und dem darin vorgestellten Konzept der IMT einen Beitrag leisten, dieses Wissen zu generieren und zielgerichtet anzuwenden. Infolgedessen ist diese Publikation aus didaktischen Gründen in die Grundlagen der Manuellen Therapie, sowie den Befund und die Behandlung der einzelnen Körperabschnitte gegliedert. Dabei folgen die Ausführungen immer dem gleichen Muster, was die Wiederholung der Anatomie, der daraus entstehenden funktionellen Anatomie und auch die sich ergebenden Behandlungen betrifft. Es ist uns wichtig, nicht nur Bezug zu den einzelnen Gelenken und Muskeln zu nehmen, sondern auch eine sinnvolle Verbindung zwischen Nervensystem, faszialen Strukturen, Gefäßen und dem Erkennen und Behandeln von Instabilitäten zu schaffen. Um das kausale Denken anzuregen, werden Ursache-Folgen-Ketten beschrieben, die es exemplarisch ermöglichen sollen, nachhaltig zu behandeln und den Ort für die Ursache der Beschwerden zu finden. Darin begründet sich die Integrative Manuelle Therapie, mit der wir im Jahr 2001 unseren ersten Kurs in Furth im Wald starteten. Den organisatorischen Rahmen bildete von Anfang an das Institut „das mediABC“, welches seit dem Jahr 2007 in Nürnberg angesiedelt ist. Seit diesem ersten Kurs war es uns immer ein Anliegen das Konzept der IMT weiterzuentwickeln. Das umfasst für uns nicht nur den fachlichen Aspekt, sondern auch das methodisch-didaktische Vorgehen, die Bereitstellung von Lehrmaterialien und die Qualifikation unserer Dozenten. Somit haben wir es geschafft, in den zurückliegenden Jahren unser Konzept kontinuierlich zu verbessern, indem wir vielseitige Erfahrungen sowie neue Erkenntnisse zahlreicher Autoren umsetzten. Diese kontinuierliche Arbeit ermöglicht es uns heute, ein gut illustriertes und strukturiertes Buch zur Verfügung stellen zu können. Unser derzeit neun Fachlehrer und drei Assistenten umfassendes Lehrteam ist international tätig und unterrichtet an 19 Standorten in Deutschland sowie in Winterthur und Bad Zurzach in der Schweiz und Hefei und Weifang in China. Damit ist es uns bis jetzt gelungen, über 3600 Teilnehmer durch insgesamt 207 Kursreihen mit 2070 Modulen zur Zertifikatsprüfung zu führen. Diese Unterrichtserfahrung und die fachliche Qualifikation unseres Lehrteams bilden die Substanz des vorliegenden Buches und sollen dem Leser ermöglichen, in der täglichen Praxis einen „roten Faden“ zu finden. Durch zahlreiche Anmerkungen möchten wir unsere eigenen praktischen Erfahrungen einbringen, um bestimmte Behandlungsansätze plastischer zu gestalten und somit den Zugang zu erleichtern. Auch vergehen zwischen der Verordnung und der ersten Behandlung oft mehrere Tage, die den Zustand des Patienten verändern und eine gewisse Sorgfalt des Therapeuten unabdingbar machen. Aus diesem Grund sind zahlreiche Sicherheitstests aufgeführt, die schwerwiegenden Komplikationen vorbeugen sollen. Wir haben durch die Struktur des Buches versucht, dem Leser die praktische Umsetzung zu erleichtern und dem Kursteilnehmer einen optimalen Lernerfolg zu ermöglichen. In der Zuversicht, dass uns dieses Anliegen gelungen ist, wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Studium der Lektüre und therapeutischen Erfolg bei der Behandlung.

3 Befund und Therapieplanung

Daniel Josef

3.1 ICF der WHO

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) verabschiedete nach mehrjähriger Entwicklung 2001 die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (ICF) ( ▶ [63]). Die Ziele dieser Klassifikation lauten:

Vereinheitlichung der Kommunikation im Gesundheitswesen ( ▶ [188])

Möglichkeit für den Vergleich und für die Auswertung medizinischer Daten innerhalb einer Einrichtung, zwischen Ländern und unterschiedlichen Disziplinen ( ▶ [63])

Bewerten der Lebensqualität der Patienten ( ▶ [188])

systematische Verschlüsselung der Gesundheitsinformationen zum Datenaustausch der Länder, der Einrichtungen und der medizinischen Disziplinen ( ▶ [63]).

Im deutschen Gesundheitswesen und somit auch im Bereich der Physiotherapie und der Manuellen Therapie gewinnt die ICF immer mehr an Einfluss. Die Politik fordert für die Zulassung und Zertifizierung, dass neue Rehabilitationskonzepte und -leistungen auf Grundlage der ICF entwickelt werden und eine ICF-basierte Dokumentation stattfindet ( ▶ [260]).

3.1.1 Grundlagen der ICF

„Bei der ICF geht es um das Phänomen der funktionalen Gesundheit (functional health) und ihrer Beeinträchtigung“ ( ▶ [260]). Die funktionale Gesundheit definiert sich aus den Komponenten des bio-psycho-sozialen Modells der ICF ( ▶ Abb. 3.1). Hierbei werden nicht nur die Komponenten des Gesundheitsproblems und die Bestandteile der Körperfunktionen und -strukturen betrachtet, sondern vor allem die Komponenten der Aktivitäten und der Teilhabe (Partizipation) am Leben der Personen. Auch Kontextfaktoren wie personbezogene und Umweltfaktoren fließen in die Analyse und in die Beschreibung des Gesundheitszustands ein.

Abb. 3.1 Das bio-psycho-soziale Modell der ICF.

(Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) und WHO-Kooperationszentrum für das System Internationaler Klassifikationen, Hrsg. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit. Köln; 2005)

Jede Komponente kann eine andere Komponente des bio-psycho-sozialen Modells positiv oder negativ beeinflussen oder eine Ursache des Gesundheitsproblems darstellen.

3.1.1.1 Gesundheitsproblem

Das Gesundheitsproblem wird in der Praxis als ICD-Code (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), der Klassifikation für Diagnosen, angegeben.

3.1.1.2 Aktivitäten

Die Aktivitäten beschreiben die Ausführung der Aufgaben und Handlungen einer Person ( ▶ [260]), z.B. das Gehen, das Tragen eines Gegenstands, das Wechseln der Körperposition. Probleme bei der Ausführung einer Aktivität werden als Beeinträchtigungen definiert ( ▶ [63]).

3.1.1.3 Partizipation

Partizipation bezeichnet das „Einbezogensein“ einer Person in eine Lebenssituation oder in einen Lebensbereich ( ▶ [260]). Sie beschreibt die Teilhabe am Leben, z.B. die Ausübung eines Berufs oder eines Hobbys, die Pflege sozialer Kontakte oder der Kinobesuch. Die Einschränkung der Partizipation wird als Beeinträchtigung definiert ( ▶ [63]).

3.1.1.4 Körperfunktionen

Als Körperfunktionen werden die physiologischen Funktionen der Körpersysteme verstanden, wie Gelenkbeweglichkeit, Gelenkstabilität, Muskelkraft, Sinnesfunktionen, Schmerz oder Koordinierung von Bewegungen, sowie psychologische Funktionen, z.B. Emotionalität oder psychische Stabilität. Die Abweichung oder der Verlust einer Körperfunktion wird als Schädigung definiert ( ▶ [63]).

3.1.1.5 Körperstrukturen

Als Körperstruktur werden Körperteile wie Organe und Gliedmaßen bezeichnet ( ▶ [63]). Dazu zählen neurologische Strukturen des zentralen (ZNS) und peripheren Nervensystems (PNS), Strukturen des kardiovaskulären Systems (Herz, Arterien, Venen) oder des Bewegungssystems (Knochen, Gelenke, Muskeln, Bänder). Eine Beeinträchtigung der Körperstruktur wird als Schädigung definiert ( ▶ [63]).

3.1.1.6 Kontextfaktoren

Bei den Kontextfaktoren werden die Umweltfaktoren und die personbezogenen Faktoren unterschieden ( ▶ [260]). Diese können einen positiven (Förderfaktoren) oder einen negativen (Barrieren) Einfluss auf den Gesundheitszustand bzw. den Heilungsprozess haben.

Umweltfaktoren

Als Umweltfaktoren werden externe Einflüsse auf die Patienten beschrieben, die deren Leistungsfähigkeit oder andere Komponenten des ICF beeinflussen. Dabei wird zwischen materiellen (z.B. Hilfsmittel, Treppen, Aufzug, Nahverkehr) und sozialen (Familie, Freunde, Gesundheitswesen) Einflüssen differenziert ( ▶ [63]).

Personbezogene Faktoren

Personbezogene Faktoren beschreiben die Gegebenheiten einer Person. Sie sind in der ICF nicht klassifiziert, da sie nicht direkt ein Teil des Gesundheitsproblems sind ( ▶ [260]). Beispiele für personbezogene Faktoren sind Geschlecht, Alter, Beruf, Hobby, Charakter und Motivation.

3.1.1.7 Dokumentation mit der ICF

Die ▶ Tab. 3.1  dokumentiert die Komponenten: Aktivität, Körperfunktion, Körperstruktur, Partizipation und die Kontextfaktoren am Beispiel des Gesundheitsproblems einer Coxarthrose.

Tab. 3.1 

Gliederung des IFC am Beispiel des Gesundheitsproblems Coxarthrose.

IFC-Komponente

Beschreibung

Gesundheitsproblem

Coxarthrose

Aktivität

Rennen

Körperfunktion

eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit

Schmerz

Körperstruktur

Hüftgelenk

Muskeln der Beckenregion

Hüftgelenk

sympathisches Nervensystem

Partizipation

einem Sport (Tennis) nachgehen

Kontextfaktoren

Förderfaktoren

Barrieren

personbezogene Faktoren

Alter: 56 Jahre

Hobby: Tennis

hohe Motivation

Familie: verheiratet + Kind

enger Freundeskreis

Mitglied im Tennisverein

Umweltfaktoren

Beruf: sitzende Tätigkeit

kein höhenverstellbarer Tisch bei der Arbeit

3.1.1.8 Grenzen der ICF

▶ [260] nennt zwei Aspekte, die die Grenzen der ICF aufzeigen. Sie ermögliche keine Einteilung funktionaler Diagnosen und eigne sich nicht für objektive Messungen, Einschätzungen und Bewertungen (kein Assessmentinstrument).

Diese Problematik lässt sich auch in der ▶ Tab. 3.1  erkennen, denn innerhalb der ICF gibt es keine genauen Differenzierungen der Körperfunktionen und der Körperstrukturen mit objektiven Messwerten. Auf der Grundlage der ICF lassen sich Analysekonzepte entwickeln.

3.1.2 ICF in der iMT

In der iMT werden auf der Grundlage der ICF die Struktur der Befunderhebung, der Befundanalyse und der Therapieplanung realisiert. Die ▶ Abb. 3.2 verdeutlicht die Befundreihenfolge (blauer Pfeil), die Befundanalyse und die Therapieplanung (grauer Pfeil).

Abb. 3.2 Befundreihenfolge (blauer Pfeil), Befundanalyse und Therapieplanung (grauer Pfeil) in der iMT.

3.1.2.1 Befunderhebung auf Grundlage der ICF

Aktivitätsprobleme werden in der Anamnese ermittelt oder in der Inspektion vom Therapeuten erkannt.

Einschränkungen der Körperfunktionen werden in der Funktionsprüfung durch Testung der einzelnen Funktionen der Aktivität ermittelt und als objektive Werte dokumentiert.

Schädigungen der Körperstrukturen werden durch spezifische Provokationstests und Differenzialdiagnostik ermittelt.

Beeinträchtigungen der Partizipation werden bei der spezifischen Anamnese aufgedeckt und als mögliche Ziele des Patienten festgehalten.

Barrieren und Förderfaktoren der Kontextfaktoren ergeben sich aus der allgemeinen und spezifischen Anamnese und dienen als Hilfe bei der Bildung der Lösungsstrategien.

3.1.2.2 Befundanalyse auf Grundlage der ICF

Die Ergebnisse des Befunds werden in Form der ICF gegliedert und analysiert. Dabei werden jeder beeinträchtigten Aktivität die passenden eingeschränkten Körperfunktionen zugeordnet und jeweils die adäquaten geschädigten Körperstrukturen dokumentiert.

3.1.2.3 Therapieplanung auf Grundlage der ICF

In der Therapie werden die gestörten Strukturen mit den passenden Maßnahmen verbessert und danach die einzelnen eingeschränkten Funktionen der Aktivität geübt, bevor die Gesamtheit der Aktivität geschult wird.

3.2 Evidence-based Practice in der iMT

Evidenz beschreibt „Nachweis, Beweis, Beleg von Hypothesen bzgl. der Wirksamkeit von diagnostischen oder therapeutischen Interventionen“ ( ▶ [308]). Es werden zwei Formen unterschieden:

externe Evidenz: Resultate aus der Forschung durch klinisch-praktische Studien

interne Evidenz: Erfahrungen eines Praktikers aus seiner Tätigkeit ( ▶ [308])

In der Evidence-based Practice (EBP) ergeben therapeutische Erfahrungen und fachliches Wissen des Therapeuten und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit daraus folgenden Überlegungen eine effektive Befundstrategie mit darauf zugeschnittener Behandlungsplanung und -durchführung. Sie ist in der modernen Medizin die Basis für jedes therapeutische Handeln ( ▶ [308]).

Deshalb werden in der iMT auf dieser Basis die Entscheidungen für den Befund und die Behandlung getroffen.

3.3 Clinical Reasoning in der iMT

Clinical Reasoning (klinische Argumentation) bezeichnet „sämtliche Denk- und Entscheidungsprozesse, die während des therapeutischen Handelns durch den Therapeuten vollzogen werden“ ( ▶ [308]).

Dabei ist besonders die Kompetenz der Selbstreflexion des Therapeuten über sein Handeln und über sein Denken ein wesentlicher Teil dieses Prozesses. Ein Experte in der Medizin besitzt die Fähigkeit, während und nach einer Therapiesitzung seine Denkprozesse und Entscheidungen zu überprüfen ( ▶ [130]) und die Anwendung und die Ausführung der zunächst gewählten Techniken und Tests zu reflektieren und ggf. zu korrigieren.

Das Clinical Reasoning beginnt mit der ersten Aufnahme von Informationen über den Patienten und endet erst mit dem Abschluss der Therapie ( ▶ [308]).

Die ▶ Abb. 3.3 zeigt den dynamischen Prozess während des Therapieverlaufs:

Zu Beginn jeder Behandlung wird der Befund bzw. ein Pre-Test durchgeführt.