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Sicher in die Prüfung und im klinischen Alltag
Die Intensivmedizin erfordert schnelle Entscheidungen bei oftmals komplexen Krankheitsbildern. Dieses Buch gibt Ihnen den aktuellen Überblick über die gesamte Bandbreite der klinischen Intensivmedizin. Praxisnah geschrieben findet es die richtige Balance zwischen notwendigen Grundlagen und klinisch anwendbarem Wissen.
Damit sind Sie nicht nur bestens auf die Facharztprüfung vorbereitet, sondern auch für die Zeit danach mit einem umfassenden Nachschlagewerk ausgestattet.
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Seitenzahl: 1831
Veröffentlichungsjahr: 2025
Herausgegeben von
Markus A. Weigand, Andreas Hecker, Konstantin Mayer, Dominik Michalski
Ibrahim Alkoudmani, Michael Bernhard, Janina Trauth, István Vadász, Florian Wagenlehner, Hans-Dieter Walmrath, Tobias Warnecke, Kay Weipert, Thomas Wichter, Franziska Willis, Biruta Witte, Christopher Beynon, Matthias Wolff, Athiththan Yogeswaran, Kai Zacharowski, Alexander Zarbock, Frank Bloos, Andreas Böning, Monica Boxberger, Thorsten Brenner, Suma Choorapoikayil, Joseph Claßen, Marko Dahmer, Rainer Dziewas, Marc Altvater, Fabian Edinger, Mascha O. Fiedler-Kalenka, Philippe Grieshaber, Marco Gruß, Albrecht Günther, Ulf Günther, Erdem Özer Güresir, Marit Habicher, Christian Hamm, Jonathan M. Harnoß, Anastasia Antonopoulou, Christina-Maria Hecker, Marina Heilig, Matthias Hecker, Alexandra Heininger, Christian Heiß, Fabian Hemm, Rüdiger Hörbelt, Katrin Hornemann, Felix Arlt, Hagen B. Huttner, Nils Jennewein, Hristos Karakizlis, Lars Kihm, Matthias Klein, Christian Koch, Norbert Krauss, Nils Kremer, Stefan Kuhnert, Christoph Lichtenstern, Ingolf Askevold, Tobias Liebregts, Juliane Liese, Dirk Lindner, Caren Martin, Lukas Martin, Gernot Marx, Andreas Meisel, Jürgen Meixensberger, Patrick Meybohm, Mark Michael, Carsten Bantel, Achmed Mrestani, Annekatrin Müller, Kurt G. Naber, Simon Nagel, Peter P. Nawroth, Thomas Neumann, Bernd Niemann, Christian Nusshag, Manuel Obermaier, Frank Oehmke, Michael Bauer, Philip Ulrich Oppelt, Johann Pelz, Eike Pfefferkorn, Karim Plath, Peter Karl Plinkert, Erik Popp, Diethard Prüfer, Aniella Katharina Reichert, Martin Reichert, Alexander Reinisch-Liese, Matthias Bayer, Christian Reyher, Daniel Richter, Katrin Richter, Jens Riedel, Jost-Julian Rumpf, Michael Sander, Stefan Schaller, Franziska Scheibe, Karsten Schmidt, Thomas Schmoch, Fabienne Bender, Emmanuel Schneck, Franziska Schneck, Martin A. Schneider, Andreas A. Schnitzbauer, Stefan Schob, Samuel Sossalla, Maximilian Sprügel, Christian Strauß, Moritz J. Strowitzki, Khodr Tello
162 Abbildungen
Liebe Leserinnen und Leser,
nach der erfolgreichen ersten Auflage möchten wir mit der zweiten, aktualisierten Auflage von „Intensivmedizin compact“ vor allem eines erreichen: Ihnen ein kompaktes, ansprechendes Lehrbuch und Nachschlagewerk an die Hand zu geben, mit dem Sie den herausfordernden Alltag auf der Intensivstation erfolgreich meistern, sich für die Intensivmedizin begeistern und Ihr vorhandenes Wissen vertiefen können. Ebenso sind wir bei der Aktualisierung darauf bedacht gewesen, die Weiterbildungsinhalte für die fachärztliche Prüfung und den Erwerb der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin zu berücksichtigen.
Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Arbeit auf einer modernen Intensivstation ist ein breites, fundiertes und vor allem das gesamte Spektrum der internistischen, anästhesiologischen, neurologischen und operativen Intensivmedizin abdeckendes Fachwissen, welches von Jahr zu Jahr durch evidenzbasierte Forschungs-, Studien- und Leitlinienaspekte erweitert und aufgefrischt werden muss. Daher haben zahlreiche Expertinnen und Experten die Kapitel dieses Buches auf den neuesten Stand des Wissens gebracht. Wir möchten Ihnen durch unser interdisziplinäres Werk das breite Fachwissen, welches sich in der Intensivmedizin permanent erweitert, gebündelt, strukturiert und vor allem kompakt vermitteln.
Bei Ihrer alltäglichen, herausfordernden Arbeit wünschen wir Ihnen alles erdenklich Gute und größtmöglichen Erfolg bei der Behandlung Ihrer kritisch kranken Patientinnen und Patienten.
Es grüßen Sie herzlichMarkus A. WeigandAndreas HeckerKonstantin MayerDominik Michalski
Titelei
Vorwort
Teil I Allgemeine Intensivmedizin
1 Intensivmedizinische Techniken und Überwachungsverfahren
1.1 Orientierende Untersuchung
1.1.1 Anamnese
1.1.2 Körperliche Untersuchung
1.1.3 Literatur
1.2 Kardiorespiratorisches Monitoring
1.2.1 Allgemeine Aspekte
1.2.2 Physiologische und pathophysiologische Erwägungen zum kardiorespiratorischen Monitoring
1.2.3 Monitoring des pulmonalen Organsystems
1.2.4 Monitoring der Hämodynamik
1.2.5 Monitoring der pulmonalarteriellen Strombahn
1.2.6 Literatur
1.3 Atemwegsmanagement
1.3.1 Einleitung
1.3.2 Atemwegsevaluation und Risikoantizipation
1.3.3 Atemwegssicherungsalgorithmus
1.3.4 Tracheotomie
1.3.5 Literatur
1.4 Gefäßzugänge
1.4.1 Zentralvenöser Zugang
1.4.2 Arterieller Zugang
1.4.3 Intraossärer Zugang
1.4.4 Literatur
1.5 Punktionen
1.5.1 Perikardpunktion
1.5.2 Thoraxdrainage und Pleurapunktion
1.5.3 Lungenultraschall zur Diagnostik des Pneumothorax
1.5.4 Literatur
1.6 Ultraschalldiagnostik in der Intensivmedizin
1.6.1 Definition, Inhalte
1.6.2 Voraussetzungen
1.6.3 MOPOCUS-Strategie
1.6.4 Anwendungsgebiete der Sonografie
1.6.5 Literatur
1.7 Echokardiografie
1.7.1 Einleitung
1.7.2 Echokardiografieausbildung
1.7.3 Anwendungsgebiete
1.7.4 Transthorakale Anlotungspositionen für die Standardeinstellungen
1.7.5 Literatur
1.8 Bronchoskopie
1.8.1 Indikationen
1.8.2 Durchführung
1.8.3 Komplikationen
2 Kardiopulmonale Reanimation (CPR)
2.1 Außerklinischer und innerklinischer Kreislaufstillstand
2.2 Durchführung der CPR
2.2.1 Basic Life Support (BLS)
2.2.2 Advanced Life Support (ALS)
2.3 Beyond ALS
2.3.1 Reversible Ursachen und Besonderheiten im innerklinischen Setting
2.3.2 Erweiterte und invasive Techniken
2.3.3 Mechanische CPR (mCPR)
2.3.4 Extrakorporale CPR (eCPR)
2.4 Postreanimationsbehandlung
2.4.1 Atemweg und Beatmung, Sauerstoff und Kohlendioxid
2.4.2 Koronare Reperfusion und Hämodynamik
2.4.3 Temperaturmanagement und Sedierung
2.4.4 Prognose
2.5 Qualifikation
2.5.1 Ausbildung
2.5.2 Training
2.6 Literatur
3 Analgesie und Sedierung
3.1 Analgesie
3.1.1 Schmerzmonitoring
3.1.2 Bedeutung der Physiotherapie bei der Schmerztherapie
3.1.3 Das WHO-Stufenschema
3.2 Sedierung
3.2.1 Sedierungstiefe – Assessment
3.2.2 Delirassessment
3.2.3 Sedativa
3.3 Literatur
4 Beatmung und Weaning
4.1 Einleitung
4.2 Beatmungsmodi
4.2.1 Terminologie und häufigste Modi
4.2.2 Beatmungskurven
4.3 Indikationen
4.3.1 Hypoxämische respiratorische Insuffizienz
4.3.2 Hyperkapnische respiratorische Insuffizienz
4.4 Ziele
4.5 Komplikationen der mechanischen Beatmung
4.5.1 Beatmungsinduzierter Lungenschaden
4.5.2 Neuropsychiatrische Folgen
4.6 Mechanische Beatmung bei speziellen Zuständen
4.6.1 Akutes Atemnotsyndrom (ARDS)
4.6.2 Schweres Asthma und COPD
4.6.3 Lungengesunde und Adipositaspatienten
4.7 Nicht invasive Beatmung (NIV)
4.7.1 Kontraindikationen
4.7.2 Akutes respiratorisches Versagen
4.7.3 Hyperkapnisches respiratorisches Versagen
4.7.4 Chronisches respiratorisches Versagen
4.8 Entwöhnung von der mechanischen Beatmung
4.9 Literatur
5 Volumentherapie
5.1 Einleitung und allgemeine Vorbemerkungen
5.2 Diagnose des Volumenmangels
5.3 Plasmaersatzlösungen
5.3.1 Balancierte kristalloide Plasmaersatzlösungen und 0,9 % NaCl
5.3.2 Kolloidale Plasmaersatzlösungen
5.4 Steuerung der Volumentherapie
5.5 Literatur
6 Katecholamine und Kreislauftherapie
6.1 Einführung
6.2 Rezeptoren
6.3 Therapieziele
6.4 Unerwünschte Wirkungen
6.4.1 Vasopressoren
6.4.2 Inotropika
6.5 Substanzen und Substanzklassen
6.5.1 Katecholamine
6.5.2 Weitere kreislaufwirksame Medikamente
6.6 Literatur
7 Transfusionen und Patient Blood Management
7.1 Allgemeine Bemerkungen
7.2 Transfusionen
7.2.1 Erythrozytenkonzentrate
7.2.2 Thrombozytenkonzentrate
7.2.3 Gefrorenes Frischplasma
7.2.4 Transfusionsreaktionen
7.3 Patient Blood Management
7.3.1 Säule 1: Diagnostik und Therapie der präinterventionellen Anämie
7.3.2 Säule 2: Minimierung von Blutverlusten und Nutzung fremdblutsparender Maßnahmen
7.3.3 Säule 3: Evidenzbasierter Einsatz von Erythrozytenkonzentraten
7.4 Fazit
7.5 Literatur
8 Gerinnungsstörungen und Antikoagulation
8.1 Vorbemerkung
8.2 Physiologische Grundlagen der Gerinnung beim kritisch kranken Patienten
8.2.1 Störungen der primären Hämostase
8.2.2 Störungen der sekundären Hämostase
8.3 Diagnostik
8.4 Therapie
8.5 Antikoagulation auf der Intensivstation
8.6 Literatur
9 Ernährung und metabolische Kontrolle
9.1 Einleitung
9.2 Steuerung der Ernährungstherapie
9.3 Grundsätze der enteralen Ernährung
9.4 Grundsätze der (supplementierenden) parenteralen Ernährung
9.5 Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen
9.6 Ernährungsgrundsätze beim prolongierten Weaning
9.7 Literatur
10 Mobilisation
10.1 Einleitung
10.2 Grundlagen
10.3 Konzepte zum Erhalt der Funktionalität
10.3.1 Mobilisation
10.3.2 Frühmobilisation
10.3.3 Bettergometrie
10.3.4 Neuromuskuläre elektrische Stimulation (NMES)
10.4 Konzepte zur Umsetzung von Frühmobilisation
10.4.1 SOMS-Konzept
10.4.2 IMS-Konzept
10.5 Sicherheit und Mobilisation
10.6 Lücken in der Evidenz
10.6.1 Mobilisation in Neurocritical Care
10.6.2 Adäquate Dosierung
10.7 Mobilisierung eingebettet in ein Gesamtkonzept
10.8 Literatur
Teil II Spezielle Intensivmedizin
11 Schock
11.1 Klassifikation und klinische Zeichen
11.2 Allgemeine Pathophysiologie
11.2.1 Sauerstoffangebot
11.2.2 Perfusionsdruck
11.2.3 Kompensationsmechanismen
11.2.4 Organbeteiligungen
11.2.5 Zelluläre Auswirkungen
11.3 Allgemeines Vorgehen in Diagnose und Therapie
11.3.1 Orientierende Untersuchung und erste Maßnahmen
11.3.2 Weitere Versorgung
11.4 Spezifisches Vorgehen nach Art des Schocks
11.5 Anaphylaktischer Schock
11.5.1 Pathophysiologie
11.5.2 Diagnose
11.5.3 Therapie
11.5.4 Latexallergie
11.6 Neurogener Schock
11.6.1 Pathophysiologie
11.6.2 Diagnose
11.6.3 Therapie
11.7 Literatur
12 Infektion und Sepsis
12.1 Diagnose der Sepsis
12.1.1 Definition Sepsis und septischer Schock
12.1.2 Abgrenzung der Sepsis von Infektionen
12.1.3 Diagnosestellung von Sepsis und septischem Schock
12.1.4 Diagnose der Infektion
12.1.5 Fokussuche
12.1.6 Rolle von Biomarkern beim mikrobiologischen Monitoring
12.1.7 Literatur
12.2 Allgemeine Antibiotikatherapie
12.2.1 Grundlagen der antiinfektiven Therapie bei Sepsis und septischem Schock
12.2.2 Spezielle Aspekte der antiinfektiven Therapie bei Sepsis und septischem Schock
12.2.3 Individualisierte Dosierung anhand definierter PK/PD-Ziele
12.2.4 Literatur
12.3 Pilze, Viren und bakterielle Infektionen
12.3.1 Vorbemerkung zur infektiologischen Erregerdiagnostik
12.3.2 Invasive Pilzinfektionen
12.3.3 Bakterielle Infektionen
12.3.4 Virale Infektionen
12.3.5 Literatur
12.4 Therapie der Sepsis
12.4.1 Startzeitpunkt und Grundsätze
12.4.2 Kausale Therapie
12.4.3 Flüssigkeitstherapie
12.4.4 Weitere Kreislauftherapie
12.4.5 Weitere Bausteine der supportiven Therapie in Kürze
12.4.6 Adjunktive Therapie
12.4.7 Literatur
12.5 COVID-19
12.5.1 Einleitung
12.5.2 Virologie
12.5.3 Symptomatik, Diagnostik
12.5.4 Therapie
12.5.5 Prophylaxe
12.5.6 Literatur
12.5.7 Internetadressen
13 Respiratorische Erkrankungen
13.1 Pneumonie
13.1.1 Einleitung
13.1.2 Definition
13.1.3 Ambulant erworbene Pneumonie (CAP)
13.1.4 Nosokomial erworbene Pneumonie (HAP)
13.1.5 Literatur
13.2 Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)
13.2.1 Einführung
13.2.2 Definition
13.2.3 Epidemiologie, Prognose
13.2.4 Pathophysiologie
13.2.5 Klinisches Bild, Diagnostik
13.2.6 Therapie
13.2.7 Literatur
13.3 Chronisches respiratorisches Versagen
13.3.1 Einleitung
13.3.2 Ventilatorische Insuffizienz
13.3.3 Chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
13.3.4 Thorakal-restriktive Erkrankungen (TRE)
13.3.5 Obesitas-Hypoventilationssyndrom (OHS)
13.3.6 Neuromuskuläre Erkrankungen (NME)
13.3.7 Literatur
13.4 Pulmonale Hypertonie und Rechtsherzversagen
13.4.1 Übersicht
13.4.2 Definition
13.4.3 Diagnostik
13.4.4 Allgemeine Therapie
13.4.5 Therapie spezieller Formen der pulmonalen Hypertonie
13.4.6 Perioperatives Management
13.4.7 Literatur
13.5 Lungenersatzverfahren
13.5.1 Extrakorporale Membranoxygenierung und CO2-Elimination
13.5.2 Venovenöse extrakorporale Membranoxygenierung (vv-ECMO)
13.5.3 Indikationen
13.5.4 Kontraindikationen
13.5.5 Komplikationen
13.5.6 Maschinelle Beatmung an der vv-ECMO
13.5.7 Extrakorporale CO2-Elimination
13.5.8 Literatur
13.6 Intensivmedizinische Therapie nach thoraxchirurgischen Eingriffen
13.6.1 Thoraxchirurgie in 5 Minuten
13.6.2 Ziele der perioperativen Thoraxmedizin
13.6.3 Normaler Verlauf nach thoraxchirurgischen Eingriffen
13.6.4 Typische Komplikationen nach thoraxchirurgischen Eingriffen
13.6.5 Thoraxchirurgische Maßnahmen in der Intensivtherapie
13.6.6 Literatur
13.7 Lungenembolie
13.7.1 Begriffe, Definition und Epidemiologie
13.7.2 Pathophysiologie
13.7.3 Diagnostik
13.7.4 Therapie
13.7.5 Besondere Fälle
13.7.6 Literatur
14 Kardiologische/kardiochirurgische Erkrankungen
14.1 Endokarditis
14.1.1 Definition, Epidemiologie
14.1.2 Ätiologie
14.1.3 Klinik
14.1.4 Komplikationen
14.1.5 Diagnostik
14.1.6 Therapie
14.1.7 Prophylaxe
14.1.8 Literatur
14.2 Akutes Koronarsyndrom
14.2.1 Begriffe, Epidemiologie
14.2.2 Definition und Pathophysiologie
14.2.3 Diagnostik
14.2.4 Therapie
14.2.5 Besondere Fälle
14.2.6 Literatur
14.3 Herzinsuffizienz und Linksherzversagen
14.3.1 Allgemeine Bemerkungen
14.3.2 Definition und Einteilung
14.3.3 Ätiologie
14.3.4 Klinik
14.3.5 Diagnostik
14.3.6 Therapie
14.3.7 Literatur
14.4 Herzrhythmusstörungen
14.4.1 Diagnostik
14.4.2 Bradykarde Herzrhythmusstörungen
14.4.3 Tachykarde Herzrhythmusstörungen
14.4.4 Literatur
14.5 Erworbene Herzklappenfehler
14.5.1 Allgemeine Aspekte
14.5.2 Spezielle Aspekte
14.5.3 Perioperative und intensivmedizinische Therapie nicht kardialer Operationen
14.5.4 Dekompensation erworbener Herzklappenfehler
14.5.5 Literatur
14.6 Aortenerkrankungen
14.6.1 Einteilung
14.6.2 Klinik
14.6.3 Diagnostik: Bildgebung
14.6.4 Therapie
14.6.5 Intensivmedizinische Besonderheiten
14.6.6 Literatur
14.7 Kardiogener Schock und mechanische Unterstützungssysteme
14.7.1 Kardiogener Schock
14.7.2 Mechanische Herzunterstützungssysteme
14.7.3 Literatur
14.8 Intensivtherapie nach herzchirurgischen Eingriffen(4)
14.8.1 Monitoring
14.8.2 Postoperative Behandlung des herzchirurgischen Standardpatienten
14.8.3 Komplikationen nach einer Herzoperation
14.8.4 Kardiovaskuläre Therapie
14.8.5 Besonderheiten nach Herzklappenoperationen
14.8.6 Literatur
15 Gastrointestinale Erkrankungen
15.1 Peritonitis
15.1.1 Vorbemerkungen
15.1.2 Klassifikation und Epidemiologie
15.1.3 Diagnostik
15.1.4 Therapie
15.1.5 Literatur
15.2 Gastrointestinale Blutung
15.2.1 Einleitung
15.2.2 Diagnosestellung
15.2.3 Therapie
15.2.4 Nachsorge
15.2.5 Literatur
15.3 Pankreatitis
15.3.1 Akute Pankreatitis
15.3.2 Chronische Pankreatitis
15.3.3 Literatur
15.4 Mesenterialischämie
15.4.1 Einleitung
15.4.2 Klinik
15.4.3 Pathophysiologie der akuten Mesenterialischämie
15.4.4 Diagnostik der akuten Mesenterialischämie
15.4.5 Prognose der akuten Mesenterialischämie
15.4.6 Therapie der akuten Mesenterialischämie
15.4.7 Literatur
15.5 Ileus: Obstruktion und Paralyse
15.5.1 Allgemeine Bemerkungen
15.5.2 Klassifizierung, physiologische und pathophysiologische Besonderheiten
15.5.3 Diagnostik
15.5.4 Differenzialdiagnostik
15.5.5 Therapie
15.5.6 Nachsorge, Prognose
15.5.7 Literatur
15.6 Abdominelles Kompartmentsyndrom(5)
15.6.1 Allgemeine Bemerkungen
15.6.2 Definition, Ätiologie, Pathogenese
15.6.3 Pathophysiologie
15.6.4 Leitsymptome
15.6.5 Diagnostik
15.6.6 Therapie
15.6.7 Literatur
15.7 Dekompensierte Leberinsuffizienz
15.7.1 Physiologische und pathophysiologische Besonderheiten
15.7.2 Hepatische Dekompensation und Leberversagen
15.7.3 Komplikationen der Zirrhose
15.7.4 Anästhesiologische Aspekte
15.7.5 Nach der Intensivtherapie
15.7.6 Literatur
15.8 Vergiftungen
15.8.1 Allgemeine Bemerkungen
15.8.2 Ausgewählte Intoxikationen im Einzelnen
15.8.3 Literatur
16 Renale Erkrankungen
16.1 Urosepsis(6)
16.1.1 Einleitung
16.1.2 Diagnostik
16.1.3 Systemische antiinfektive Therapie
16.1.4 Spezielle Krankheitsbilder
16.1.5 Literatur
16.2 Akute Nierenschädigung
16.2.1 Einleitung, Epidemiologie
16.2.2 Definition, Klassifikation
16.2.3 Risikostratifizierung und Ursachen
16.2.4 Abschätzung der Nierenfunktionsveränderung
16.2.5 Diagnostik
16.2.6 Ursachen
16.2.7 Prävention, Therapie
16.2.8 Nierenersatztherapie
16.2.9 Literatur
17 Wasser- und Elektrolythaushalt, Säure-Basen-Haushalt
17.1 Flüssigkeitsvolumen
17.2 Regulation des Wasserhaushalts
17.3 Flüssigkeitsbedarf
17.4 Elektrolythaushalt
17.4.1 Natrium
17.4.2 Kalium
17.4.3 Kalzium
17.4.4 Phosphat
17.4.5 Magnesium
17.5 Säure-Basen-Haushalt
17.5.1 Grundlagen
17.5.2 Säure-Basen-Haushalt im Detail
17.6 Gastransport im Blut
17.6.1 Physiologische Grundlage
17.6.2 Sauerstoff
17.6.3 Dyshämoglobin
17.6.4 Kohlendioxid
17.7 Literatur
18 Endokrine Störungen
18.1 Einleitung
18.2 Kortikotrope Achse
18.2.1 Relative Nebenniereninsuffizienz
18.2.2 Primäre Hypophyseninsuffizenz
18.2.3 Primäre Nebennierenrindeninsuffizienz
18.3 Thyreotrope Achse
18.3.1 Low-T3-Syndrom
18.3.2 Thyreotoxische Krise
18.3.3 Myxödemkoma
18.4 Somatotrope, gonadotrope und laktotrope Achse
18.5 Glukosestoffwechsel
18.5.1 Diabetische Ketoazidose
18.5.2 Hyperglykämes hyperosmolares Syndrom
18.5.3 Hypoglykämie
18.5.4 Blutglukosekontrolle bei kritisch kranken Patienten mit Hyperglykämie
18.6 Literatur
19 Erkrankungen des Nervensystems
19.1 Spezielle neurologische Untersuchung und apparatives Monitoring
19.1.1 Allgemeine Bemerkungen
19.1.2 Neurologische Untersuchung
19.1.3 Apparatives Monitoring
19.1.4 Literatur
19.2 Hirninfarkt und rekanalisierende Therapien
19.2.1 Begriffsbestimmung
19.2.2 Klinische Präsentation
19.2.3 Ursachen und Pathogenese
19.2.4 Bildgebende Diagnostik
19.2.5 Rekanalisierende Therapien
19.2.6 Sonderfall Verschluss der A. basilaris
19.2.7 Literatur
19.3 Raumfordernder (maligner) Mediainfarkt
19.3.1 Einleitung
19.3.2 Klinische und bildgebende Merkmale
19.3.3 Diagnostische Kriterien
19.3.4 Therapie
19.3.5 Spezielle Problemfelder
19.3.6 Literatur
19.4 Intrazerebrale Blutung
19.4.1 Definition, Ätiologie
19.4.2 Klinisches Bild
19.4.3 Diagnostik
19.4.4 Therapie
19.4.5 Verlauf, Prognose
19.4.6 Literatur
19.5 Subarachnoidalblutung und Subduralhämatom
19.5.1 Subarachnoidalblutung
19.5.2 Akutes und chronisches Subduralhämatom
19.5.3 Literatur
19.6 Zerebrale Sinus- und Venenthrombose
19.6.1 Definition
19.6.2 Epidemiologie
19.6.3 Symptome
19.6.4 Verlauf, Prognose
19.6.5 Ätiologie
19.6.6 Diagnostik
19.6.7 Therapie
19.6.8 Literatur
19.7 Status epilepticus
19.7.1 Epidemiologie
19.7.2 Definition
19.7.3 Klassifikation
19.7.4 Akutdiagnostik
19.7.5 Differenzialdiagnosen
19.7.6 Therapie
19.7.7 Literatur
19.8 Meningitis
19.8.1 Grundsätzliches
19.8.2 Nosologie
19.8.3 Epidemiologie
19.8.4 Verdachtsdiagnose
19.8.5 Diagnostik
19.8.6 Prioritäten in der Akutsituation
19.8.7 Hygienemaßnahmen
19.8.8 Spezifische Therapie
19.8.9 Allgemeine Therapie
19.8.10 Komplikationen
19.8.11 Literatur
19.9 Akinetische Krise
19.9.1 Definition und Epidemiologie
19.9.2 Ursachen
19.9.3 Klinisches Profil
19.9.4 Therapie
19.9.5 Prävention
19.9.6 Literatur
19.10 Neuromuskuläre Übertragungsstörungen, Polyneuropathien, Polymyopathien
19.10.1 Allgemeine Bemerkungen
19.10.2 Neuromuskuläre Übertragungsstörungen
19.10.3 Polyneuropathien
19.10.4 Myopathien
19.10.5 Literatur
19.11 Überwachung nach neurochirurgischen Eingriffen
19.11.1 Allgemeines
19.11.2 Übergabe des Patienten
19.11.3 Monitoring
19.11.4 Postoperative Komplikationen
19.11.5 Prophylaxe
19.11.6 Literatur
19.12 Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie
19.12.1 Allgemeine Bemerkungen
19.12.2 Pathophysiologie, Ätiologie
19.12.3 Neurologische Untersuchung
19.12.4 Elektrophysiologie
19.12.5 Bildgebung
19.12.6 Biomarker
19.12.7 Neuroprognostizierung
19.12.8 Fallstricke und ethische Aspekte
19.12.9 Begleitende therapeutische Maßnahmen
19.12.10 Zusammenfassung und Ausblick
19.12.11 Literatur
19.13 Organprotektive Behandlung und irreversibler Hirnfunktionsausfall
19.13.1 Organspende
19.13.2 Identifikation potenzieller Organspender
19.13.3 Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls
19.13.4 Organprotektive Behandlung
19.13.5 Organisatorische Prozesse und Untersuchungen
19.13.6 Literatur
20 Polytraumaversorgung auf der Intensivstation
20.1 Schockraummanagement
20.1.1 Allgemeine Bemerkungen
20.1.2 Schockraumdefinition und Ausstattung
20.1.3 Teamzusammensetzung
20.1.4 Ausbildungskonzepte
20.1.5 Kommunikation und Crew Resource Management
20.1.6 Schockraumindikationen
20.1.7 Alarmierung und Vorbereitung
20.1.8 Übernahme des Patienten
20.1.9 Primary Survey
20.1.10 Diagnostik im Schockraum
20.1.11 Narkose im Schockraum
20.1.12 Blutstillung, Volumen- und Hämotherapie
20.1.13 Besondere Situationen in der Schockraumversorgung
20.1.14 Reevaluation, Schnittstellen und Übergabe
20.1.15 Literatur
20.2 Allgemeine Intensivtherapie
20.2.1 Allgemeine Bemerkungen
20.2.2 Pathophysiologie der traumainduzierten Entzündungsreaktion
20.2.3 Primäre intensivmedizinische Stabilisierung
20.2.4 Monitoring
20.2.5 Labordiagnostik
20.2.6 Analgosedierung
20.2.7 Beatmung
20.2.8 Volumentherapie, Transfusions- und Gerinnungsmanagement
20.2.9 Ernährung und Blutglukosesteuerung
20.2.10 Thromboseprophylaxe
20.2.11 Übersehene Verletzungen
20.2.12 Literatur
20.3 Thoraxtrauma
20.3.1 Vorbemerkungen
20.3.2 Untersuchung
20.3.3 Pneumothorax
20.3.4 Spannungspneumothorax
20.3.5 Thoraxdrainage
20.3.6 Punktionstechnik
20.3.7 Lungenkontusion
20.3.8 Stabilisierung und Intensivmedizin für den Thoraxverletzten
20.3.9 Notoperation
20.3.10 Rippenfrakturen und Brustwandstabilisierung
20.3.11 Literatur
20.4 Abdominaltrauma
20.4.1 Allgemeine Prinzipien der prähospitalen und innerklinischen Versorgung
20.4.2 Schockraum
20.4.3 Verletzungsmuster und Graduierung von Abdominaltraumata
20.4.4 Management spezifischer Verletzungsmuster
20.4.5 Literatur
20.5 Muskuloskelettale Verletzungen
20.5.1 Dritter Untersuchungsgang (Tertiary Survey)
20.5.2 Operationsphasen bei Damage Control Orthopedics (DCO)
20.5.3 Mobilisierung des polytraumatisierten Patienten
20.5.4 Operative Strategien am Körperstamm
20.5.5 Operative Strategien an den Extremitäten
20.5.6 Operative Strategien bei offenen Verletzungen
20.5.7 Literatur
20.6 Schädel-Hirn-Trauma
20.6.1 Definition, Klassifikation
20.6.2 Epidemiologie
20.6.3 Pathophysiologie
20.6.4 Behandlung
20.6.5 Neurorehabilitation und Prognose
20.6.6 Literatur
21 Intensivmedizin bei besonderen Patientengruppen
21.1 Intensivmedizin in der Schwangerschaft und postpartale Blutungen
21.1.1 Intensivmedizin in der Schwangerschaft
21.1.2 Peripartale Blutungen
21.1.3 Literatur
21.2 Der Krebspatient auf der Intensivstation
21.2.1 Einleitung
21.2.2 Krebsassoziierte Komplikationen
21.2.3 Infektionen
21.2.4 Triagierung von Krebspatienten
21.2.5 Literatur
22 Dysphagie
22.1 Dysphagie aus neurologischer Sicht
22.1.1 Einleitung
22.1.2 Problembewusstsein auf der Intensivstation
22.1.3 Ätiologie und Pathogenese
22.1.4 Diagnostik
22.1.5 Therapie
22.1.6 Literatur
22.2 Dysphagie aus HNO-ärztlicher Sicht
22.2.1 Allgemeine Definition
22.2.2 Akute Dysphagie
22.2.3 Chronische Dysphagie
22.2.4 Literatur
23 Organisatorische, rechtliche und ethische Grundlagen
23.1 Struktur, organisatorische Grundlagen und Vergütung der Intensivmedizin in Deutschland
23.1.1 Struktur und organisatorische Grundlagen
23.1.2 Ökonomie in der Intensivmedizin
23.1.3 Literatur
23.2 Rechtliche und ethische Aspekte
23.2.1 Rechtliche Aspekte
23.2.2 Ethische Aspekte
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Access Code
Wichtige Hinweise
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Impressum
1 Intensivmedizinische Techniken und Überwachungsverfahren
2 Kardiopulmonale Reanimation (CPR)
3 Analgesie und Sedierung
4 Beatmung und Weaning
5 Volumentherapie
6 Katecholamine und Kreislauftherapie
7 Transfusionen und Patient Blood Management
8 Gerinnungsstörungen und Antikoagulation
9 Ernährung und metabolische Kontrolle
10 Mobilisation
Birgit Hecker, Andreas Hecker
Vor der Untersuchung steht eine ausführliche Anamnese, vor allem bei Übernahme des Patienten auf die Intensivstation. Das Einholen von Informationen über die Entwicklung des akuten Krankheitsbilds und die Übergabe der Krankenunterlagen (einschließlich OP-Berichte, Befunde, Ergebnisse von Labor, Histologie, Zytologie) stehen am Anfang, gefolgt von einer detaillierten Medikamenten- und Sozialanamnese, die auch die Frage nach einer etwaigen Vorsorgevollmacht einschließt. Die anschließende Dokumentation sollte so gründlich erfolgen, dass auch nachfolgende Schichten alle Informationen der Patientenakte entnehmen können.
Merke
Während des Aufenthalts auf der Intensivstation sollte der Patient mindestens einmal pro Schicht körperlich untersucht werden.
Bei der täglich mehrfach durchgeführten Untersuchung auf einer Intensivstation schließt die orientierende körperliche Untersuchung immer auch ein, sich ein Gesamtbild des Gesundheitszustands des Patienten zu machen. Zudem muss der Intensivmediziner sein Handeln kritisch hinterfragen und Ziele für die eigene Schicht, den Tag oder die Woche definieren. Hier können die sogenannten „Daily Goals” eine Hilfestellung sein ▶ [11]:
Was müssen wir für diesen Patienten tun, damit er von der Intensivstation entlassen werden kann?
Was ist das größte Sicherheitsrisiko für diesen Patienten und was können wir tun, um dieses Risiko zu vermindern?
Bekommt er ausreichend Schmerzmedikamente bzw. Sedierung?
Wie ist der Zustand von Herz, Kreislauf und Volumen?
Wie steht es mit Atmung, Beatmungseinstellung, Spontanatmungsversuch und Weaningmöglichkeit?
Wie weit ist eine Mobilisierung möglich bzw. erfolgt?
Bestehen Infektionen? Sind Abstriche, Kulturen und Medikamentenspiegel geprüft?
Wie ist der Status des Magen-Darm-Trakts? Wie erfolgt die Ernährung?
Hat sich etwas an den Medikamenten geändert, können Medikamente abgesetzt werden?
Stehen heute Untersuchungen oder Prozeduren an?
Sind vorgesehene Laborwerte, Routinewerte und Röntgenbefunde kontrolliert?
Sind Konsiliaruntersuchungen vorgesehen und eventuell organisiert?
Müssen Mitarbeiter von Sozialdienst, Seelsorge oder weiteren Diensten einbezogen werden?
Wie ist der Stand der Kommunikation mit den Angehörigen des Patienten?
Können Katheter oder Drainagen entfernt werden?
Sind Prophylaxen gegen Thrombose und Stressulkus verordnet?
Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI), die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIN) haben 10 Indikatoren erarbeitet, anhand derer die Qualität einer intensivmedizinischen Behandlung ermittelt werden kann.
Merke
Qualitätsindikatoren für die Intensivmedizin
Oberkörperhochlagerung
Monitoring von Sedierung, Analgesie und Delir
lungenprotektive Beatmung
Weaningprotokoll mit Spontanatmungsversuch
frühzeitige und adäquate Antibiotikatherapie
therapeutische Hypothermie nach Herz-Kreislauf-Stillstand
frühe enterale Ernährung
Dokumentation von Angehörigengesprächen
Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln
24-stündige Besetzung der Intensivstation mit Experten
Initial sollte der wache Intensivpatient angesprochen werden, um sich anhand der Reaktion einen subjektiven Eindruck von dessen Zustand zu verschaffen. Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung zur Objektivierung des Ersteindrucks.
Der komplette Untersuchungsablauf sollte nicht länger als 10 Minuten dauern und so standardisiert sein, dass die Ergebnisse unterschiedlicher Schichten miteinander vergleichbar sind. Auf die orientierende neurologische Untersuchung wird an dieser Stelle bewusst nicht eingegangen. Hier wird auf Kap. ▶ 19.1 „Spezielle neurologische Untersuchung und apparatives Monitoring“ verwiesen.
Inspektion: Hierbei liegt die Aufmerksamkeit auf Hautturgor und -farbe, möglichen Ödemen, Thoraxexkursionen und Atemmustern sowie Körperhaltung und Asymmetrien bei Bewegungen.
Palpation/Pulsstatus: Palpiert werden unter anderem die Extremitäten, um mögliche Temperaturunterschiede zu detektieren. Insbesondere bei kardio- und gefäßchirurgischen Patienten schließt dies die Kontrolle der Durchblutung und des Pulsstatus mit ein. Bei der abdominellen Palpation kann dagegen zum Beispiel eine Abwehrspannung auffallen.
Perkussion: Sie wird vor allem abdominal durchgeführt, um geblähte von flüssigkeitsgefüllten Darmschlingen unterscheiden zu können. Thorakal hat sie beim Beatmeten kaum einen Stellenwert, da die Sonografie verlässlichere Ergebnisse liefert.
Auskultation: Auskultiert werden im Allgemeinen Herz, Thorax und Abdomen. Bei der Auskultation des Herzens liegt die Aufmerksamkeit auf Rhythmus, Lautstärke der Herztöne, Herzgeräuschen und möglichem Perikardreiben. Bei der Thoraxauskultation achtet man auf die Atemgeräusche und mögliche Atemnebengeräusche wie Rasselgeräusche oder Giemen. Die abdominelle Auskultation fokussiert sich auf das Vorhandensein und die Qualität der Darmgeräusche.
Zugänge/Drainagen: Diese sind in ihrer Lage zu kontrollieren (eventuell mit Verbandswechsel verbinden). Die Fördermenge von Drainagen ist regelmäßig zu dokumentieren. Natürlich sollte täglich reevaluiert werden, ob Drainagen, Dauerkatheter, Venenverweilkatheter oder Ähnliches noch gebraucht werden.
Geräte: Auch die Einstellung der Geräte (z.B. Perfusoren, Patientenmonitor, Beatmungsgerät) sollte überprüft und Alarmgrenzen bei Bedarf angepasst werden.
Die repetitive Untersuchung des Intensivpatienten sollte so standardisiert wie möglich erfolgen. Hierbei können Checklisten sehr hilfreich sein. Im Jahr 2005 etablierte J.-L. Vincent das FAST-HUG-Konzept in der Intensivmedizin. „FAST HUG“ stellt ein Akronym dar, das die tägliche Arbeit auf der Intensivstation erleichtern soll ▶ [13].
F: Feeding (Ernährung)
A: Analgesia (Schmerztherapie)
S: Sedation (Sedierung)
T: Thromboembolic Prophylaxis (Thromboseprophylaxe)
H: Head and Bed elevated (Oberkörperhochlagerung)
U: (Stress) Ulcer Prophylaxis (Ulkusprophylaxe)
G: Glucose Control (Blutzuckerkontrolle)
Ernährung. Mangelernährung auf Intensivstation verschlechtert das Outcome intensivmedizinischer Patienten signifikant ▶ [4]. Leider gibt es keinen spezifischen Marker, der den Ernährungszustand des Patienten genau widerspiegelt. Die einfache Erfassung von Gewichtsverlust ist vermutlich genauso verlässlich wie komplexere Tests ▶ [7].
Es existieren mehrere Leitlinien zur Ernährung kritisch kranker Patienten. Im Allgemeinen liegt das Ernährungsziel pro Tag bei bei 24 kcal/kgKG/d. Trauma- und Sepsispatienten bedürfen jedoch häufig einer deutlich höheren Energiemenge.
Falls eine orale Ernährung nicht möglich ist, sollte eine vorübergehende parenterale Ernährung möglichst innerhalb von 24–48 Stunden nach Aufnahme auf die Intensivstation initiiert werden ▶ [5].
Um die optimale Zusammensetzung der Ernährung für unterschiedliche Erkrankungsbilder und -stadien benennen zu können, sind weitere Studien notwendig.
Schmerztherapie. Kein Patient sollte unnötig Schmerzen auf der Intensivstation ausgesetzt sein, da dies die psychologische und physiologische Rekonvaleszenz beeinträchtigt. Bei wachen Patienten ist der Einsatz von visuellen oder numerischen Schmerzskalen sinnvoll, um Schmerzen zu detektieren und klassifizieren. Bei Sedierten ist auf schmerzassoziiertes Verhalten wie Grimassieren, Abwehrbewegungen und physiologische Indikatoren (Tachykardie, Hypertension) zu achten, z.B. BPS-(NI) (BPS: Behavioral Pain Scale; NI: nicht intubiert).
Regelmäßige Analgetikagaben nach Schema sind der Gabe nach Bedarf überlegen und helfen, chronischen Schmerzsyndromen vorzubeugen. Eine Orientierung ist anhand des WHO-Schemas möglich (s. Kap. ▶ 3 „Analgesie und Sedierung“).
Sedierung. Sedativa sind individuell zu titrieren. Eine Übersedierung ist zu vermeiden, um einem erhöhten Risiko für Thrombose, Darmparalyse, Hypotensionen und ICU-Polyneuropathie vorzubeugen ▶ [13]. Vincent et al. verwenden die CCC-Regel (Calm, Comfortable, Collaborative), um eine angemessene Sedierung des Patienten einzustellen (s. Kap. ▶ 3 „Analgesie und Sedierung“).
Thromboseprophylaxe. Patienten, die keine Thromboseprophylaxe erhalten, haben ein Risiko zwischen 13 und 31 % eine tiefe Venenthrombose zu entwickeln ▶ [3]. Deshalb wird empfohlen, dass alle Intensivpatienten zumindest Heparin subkutan in prophylaktischer Dosis verabreicht bekommen sollten, sofern dies nicht kontraindiziert ist. Natürlich muss der Nutzen der Thromboseprophylaxe gegen das Blutungsrisiko abgewogen werden.
Oberkörperhochlagerung. Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Oberkörperhochlagern um 45 Grad die Inzidenz von gastroösophagealem Reflux bei beatmeten Intensivpatienten senken kann ▶ [6]. Eventuell lässt sich somit auch das Risiko nosokomialer Pneumonien reduzieren.
Cave
Es ist darauf zu achten, dass nicht nur das Kopfteil des Patientenbetts verstellt und damit die Wahrscheinlichkeit für ein Herunterrutschen des Patienten im Bett (mit dann überstreckter HWS) erhöht wird, sondern der Patiententhorax in eine erhöhte Lage gebracht wird.
Stressulkusprophylaxe. Es gibt wahrscheinlich keinen Vorteil für eine standardmäßige Stressulkusprophylaxe bei jedem Intensivpatienten. Aber bei Patienten mit Atemstörungen, Hämorrhagien oder Dauerkortikoidtherapie erscheint die medikamentöse Prophylaxe eines Stressulkus sinnvoll ▶ [2].
Die optimale Medikation ist zurzeit trotz mehrerer Metaanalysen ungeklärt. Auch nach den Ergebnissen der europäischen SUP-ICU Studie (40 mg Pantoprazol i.v. versus Plazebo) bleibt unklar, welche Subgruppe von Intensivpatienten von einer Protonenpumpeninhibition zur Blutungsprophylaxe profitiert. Hinzu kommt, dass Protonenpumpeninhibitoren bisher nicht zur Stressulkusprophylaxe zugelassen sind, sondern allein zur Rezidivulkusprophyaxe oder bei gleichzeitiger NSAR-Medikation (NSAR: nicht steroidale Antirheumatika) eingesetzt werden sollen. Bis auf Weiteres gilt, dass der routinemäßige Einsatz auf der Intensivstation nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen sollte ▶ [8].
Blutzuckerkontrolle. Dass intensivmedizinische Patienten von einer Blutzuckerkontrolle profitieren, geht auf eine Studie an vorwiegend chirurgischen Patienten von van den Berghe et al. zurück ▶ [1]. Seine strikten Vorgaben (Blutzuckerwerte zwischen 80 und 110 mg/dl) sind in der täglichen Routine schwer umzusetzen. Gemeinhin gilt ein Blutzucker unter 180 mg/dl als adäquat. Wie von Krinsley gezeigt wurde, kann durch eine konsequente Überwachung des Blutzuckers und ein Gegensteuern auf Werte < 140 mg/dl die Letalität um 29,3 % gesenkt werden ▶ [9]. Bei Patienten mit Sepsis empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Sepsis-Gesellschaft (DSG) die Anwendung eines protokollierten Blutzuckermanagements unter Einsatz von Insulin, sofern in zwei nacheinander durchgeführten Messungen ein Blutzuckerwert > 180 mg/dl nachgewiesen wird. Zielbereiche von 110–140 mg/dl können laut dabei erwogen werden, wenn sie nicht durch vermehrte Hypoglykämien erkauft werden. Letztere gehen mit einer erhöhten Mortalität einher und treten – wie unter anderem in der NICE-SUGAR-Studie gezeigt – häufiger unter Nutzung einer intensivierten Insulintherapie mit Zielwerten von 80–110 mg/dl auf ▶ [10]. Neben Hypoglykämien gehen auch größere Schwankungen des Blutglukosespiegels, d.h. eine erhöhte Blutglukosevariabilität, mit einer erhöhten Sterblichkeit einher und sollten daher im Rahmen der Blutzuckerkontrolle ebenfalls vermieden werden. Ob die kontinuierliche Überwachung der Blutglukosekonzentration (Continuous Glucose Monitoring, CGM) auf der Intensivstation Standard werden wird, ist noch nicht sicher einzuschätzen.
FAST-HUG-BID. Grundlage des FAST-HUG-Prinzips sind die in der Luftfahrt gängigen Checklisten, die zuverlässig verhindern sollen, dass wichtige Punkte übersehen werden. Unter dem Akronym FAST-HUG-BID schlugen 2009 Kollegen eine Erweiterung der FAST-HUG-Checkliste vor, wobei BID für Bowel Regimen, Indwelling Catheter/Removal und Deescalation of Antibiotics steht ▶ [14].
FAST-HUG EACH HOUR. Vincent selbst erweiterte sein FAST-HUG-Konzept dagegen um das Akronym EACH HOUR (Elektrolyte, Atemweg, Katheter, Hämatologie, Hämodynamik, Mundhygiene, Urinanalyse, Angehörige). Wie man sich leicht vorstellen kann, wird die „einfache“ Checkliste auf diese Weise immer komplexer und bei der täglich vom Intensivmediziner durchzuführenden Untersuchung umständlicher. Auch hier darf man sich an der Luftfahrt orientieren: Dort umfassen Checklisten maximal neun Punkte, um sie alltagstauglich zu halten.
E: Electrolytes (Elektrolyte)
A: Airway (Atemweg)
C: Catheters (Katheter)
H: Hematology (Hämatologie)
H: Hemodynamics (Hämodynamik)
O: Oral Care (Mundhygiene)
U: Urin Analysis (Urinanalyse)
R: Relatives (Angehörige)
[1] Berghe G Van Den. Intensive insulin therapy in critically ill patients. N Engl J 2001; 345: 1359–1367
[2] Cook DJ. Risk factors for gastrointestinal bleeding in critically ill patients. Canadian Critical Care Trials Group. N Engl J Med 1994; 330: 377–381
[3] Geerts W, Selby R. Prevention of venous thromboembolism in the ICU. Chest 2003; 124: 357–363
[4] Giner M, Laviano A, Meguid MM et al. In 1995 a correlation between malnutrition and poor outcome in critically ill patients still exists. Nutrition 1996; 12: 23–29
[5] Gramlich L, Kichian K, Pinilla J et al. Does enteral nutrition compared to parenteral nutrition result in better outcomes in critically ill adult patients? A systematic review of the literature. Nutrition 2004; 20:843–848
[6] King W. Pulmonary aspiration of gastric contents. Updat Anaesth 2010; 26: 28–31
[7] Kondrup J. Nutritional-risk scoring systems in the intensive care unit. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2014: 17:177–82
[8] Krag M, Marker S, Perner A et al. Pantoprazole in patients at risk for gastrointestinal bleeding in the ICU. N Engl J Med 2018; 379:2199–2208
[9] Krinsley JS. Effect of an intensive glucose management protocol on the mortality of critically Ill adult patients. Mayo Clin Proc 2004; 79:992–1000
[10] Nice-Sugar Study Investigators. „Intensive versus conventional glucose control in critically ill patients.“ N Engl J Med 2009; 360(13): 1283–1297
[11] Pronovost P, Berenholtz S, Dorman T et al. Improving communication in the ICU using daily goals. J Crit Care 2003; 18:71–75
[12] Singer P, Blaser AR, Berger MM et al. ESPEN guideline on clinical nutrition in the intensive care unit. Clin Nutr 2019; 38:48–79
[13] Vincent JL. Give your patient a fast hug (at least) once a day. Crit Care Med 2005; 33: 1225–1229
[14] Vincent WR, Hatton KW.Critically ill patients need “FAST HUGS BID” (an updated mnemonic). Crit Care Med 2009; 37(7):2326–2327
Marit Habicher, Matthias Wolff, Michael Sander
Neben der klinischen Untersuchung stellt ein apparatives Monitoring des Intensivpatienten eine wichtige Grundsäule der intensivmedizinischen Therapie und Überwachung dar. Grundsätzlich sollten bei Anwendung von apparativen Monitoringverfahren individuelle physiologische und anatomische Gegebenheiten des Intensivpatienten Berücksichtigung finden. Entsprechend sollte im Rahmen von gewissen Grenzen auch das intensivmedizinische Monitoring individuell ausgewählt werden und sich an der Erkrankung des Patienten orientieren. Natürlich werden aufgrund des typischen Patientenguts auf Intensivstationen einige Monitoring-Verfahren bei allen Patienten standardmäßig festgelegt sein. Hierzu sollten entsprechende Standards schriftlich auf den einzelnen Stationen vorhanden sein und die Ausrüstung eines intensivmedizinischen Arbeitsplatzes hinsichtlich des Monitorings festgelegt sein.
Monitoring per se kann nicht die Erkrankung oder das intensivmedizinische Problem des Patienten beheben. Nur die Therapie, welche aufgrund von erhobenen Daten durch Monitoring eingeleitet wurde, hat die Chance entsprechende Störungen zu beheben und dem Patienten zu helfen. Einen weiteren Aspekt stellt der sinnvolle Einsatz von Monitoringverfahren dar. Grundsätzlich sollten nur Parameter erhoben werden, die bei dem betreffenden Patienten möglicherweise pathologisch sind oder gezielt beeinflusst werden sollen. Ein Monitoring von Parametern, die derzeit und auch in naher Zukunft für den Patienten keine pathophysiologische Bedeutung haben, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für den Patienten keine Therapieänderung ergeben und sollte daher auch unterbleiben, zumal vielfältige Monitoringverfahren auch durch ihre Invasivität entsprechende Nebenwirkungen haben können ▶ [26]. In ▶ Tab. 1.1 sind einige wichtige hämodynamische Parameter und deren Zielwerte für die intensivmedizinische Therapie aufgeführt.
Die routinemäßige Anwendung eines pulmonalarteriellen Katheters nach herzchirurgischen Bypassoperationen bei Patienten mit geringem perioperativem Risiko (normale Herzfunktion, kein Risiko für postoperative Rechtsherzdysfunktion, kein pulmonalarterieller Hypertonus) sollte unterlassen werden, da mit hoher Wahrscheinlichkeit die erhobenen Parameter die Behandlung nicht beeinflussen werden. Hingegen sollte durchaus ein entsprechendes Monitoring erfolgen, wenn Patienten postoperativ mit Stickstoffmonoxid (NO) behandelt werden, da eine der Zielgrößen hier der pulmonalarterielle Widerstand ist und dieser zur Steuerung der Therapie entsprechend überwacht werden sollte.
Tab. 1.1
Hämodynamische Variablen und Zielwerte in der Intensivtherapie. Modifiziert nach den Empfehlungen der S3-Leitlinie zur postoperativen Therapie herzchirurgischer Patienten
▶ [17]
.
Variable
Zielwert
MAD
≥ 65 mmHg
ZVD
≤ 15 mmHg1)
SzvO2/SvO2
≥ 70 %/≥ 65 %
HI
3,0–5,0 l/min/m2 Körperoberfläche
SVI
> 35 ml/min/m2 Körperoberfläche
SVV/PPV
< 10–13 %
PAOP
≤ 15–18 mmHg1)
GEDVI
680–800 ml/m2
EVLWI
3,0–7,0 ml/kg
SVRI
1700–2400 dyn × s × cm-5 × m2
Diurese
> 0,5 ml/kg KG/h
EVLWI: extravaskulärer Lungenwasserindex, GEDVI: global enddiastolischer Volumenindex, HI: Herzindex, MAD: mittlerer arterieller Blutdruck, PAOP: Pulmonary Artery Occlusion Pressure, PPV: Pulsdruckvariation, SVI: Schlagvolumenindex, SvO2: gemischtvenöse Sauerstoffsättigung, SVRI: systemisch vaskulärer Widerstandsindex, SVV: Schlagvolumenvariation, SzvO2: zentralvenöse Sauerstoffsättigung, ZVD: zentraler Venendruck
1) individuelle Grenzwerte nach Volumenoptimierung durch TTE/TEE (transthorakale oder transösophageale Echokardiografie) oder nach dynamischen Parametern bestimmen
Schon 1872 stellte Prof. Pflüger fest, dass das kardiorespiratorische System seine physiologische Aufgabe erfüllt, indem es die zelluläre Sauerstoffversorgung gewährleistet. Damit ist zu erkennen, dass eigentliche Parameter wie Blutdruck und Herzfrequenz, aber auch Herzzeitvolumen in ihrer Bedeutung in den Hintergrund treten und bestenfalls Surrogatparameter einer adäquaten Funktion des kardiorespiratorischen Systems sind. Von wesentlicher Bedeutung ist also der Sauerstofftransport in der Mikrozirkulation bis an die Zelle und damit gewinnen Parameter wie Sauerstoffangebot und Sauerstoffverbrauch sowie die davon abgeleiteten Größen wie venöse Sättigungen an Bedeutung, da sie es ermöglichen, abzuschätzen inwieweit der Organismus seinen Sauerstoffbedarf aktuell zu decken im Stande ist.
Das arterielle Sauerstoffangebot (DO2) berechnet sich aus dem Herzzeitvolumen (HZV) und dem arteriellen O2-Gehalt (CaO2). Der Sauerstoffverbrauch (VO2) des menschlichen Körpers berechnet sich aus dem Sauerstoffangebot, dem HZV und dem venösen O2-Gehalt (CvO2) des Blutes. Unter physiologischen Umständen sind DO2 und VO2 ausgeglichen. Bei Abnahme des Sauerstoffangebotes kann der Körper bis zu einem bestimmten Punkt weiterhin den gleichen Sauerstoffverbrauch aufrechterhalten. Bei Unterschreiten eines kritischen Werts kommt es jedoch zu einer signifikanten Abnahme des Sauerstoffverbrauchs, zu einem zunehmend anaeroben Stoffwechsel und zur Entstehung einer Sauerstoffschuld des Körpers ( ▶ Abb. 1.1).
Daraus ergeben sich entsprechende Therapieoptionen, die idealerweise physiologisch orientiert einem sinnvollen Behandlungsplan folgen. Häufige Fragen, die der Intensivmediziner durch ein entsprechendes hämodynamisches Monitoring besser beantworten kann sind daher Fragen nach der Sinnhaftigkeit einer Volumentherapie, einer Therapie mit inotropen Substanzen und/oder mit vasoaktiven Substanzen wie Vasopressoren ▶ [23]. Im weiteren Abschnitt werden hierzu Parameter und Monitoringverfahren dargestellt, die dies ermöglichen und mit ihren Limitationen diskutiert.
Kardiorespiratorisches Monitoring.
Abb. 1.1 Formeln für das Sauerstoffangebot und den Sauerstoffverbrauch (DO2)/Sauerstoffverbrauch (VO2) (HZV: Herzzeitvolumen, CaO2: arterieller Sauerstoffgehalt, SAO2: arterielle Sauerstoffsättigung, Hb: Hämoglobin, paO2: arterieller Sauerstoffpartialdruck, CvO2: venöser Sauerstoffgehalt, SvO2: venöse Sauerstoffsättigung, PvO2: venöser Sauerstoffpartialdruck.
Das Monitoring der pulmonalen Funktion spielt bei intensivmedizinischen Patienten neben der kardialen Funktion eine wichtige Rolle. Bei einigen Intensivpatienten ist die pulmonale Funktion kritisch eingeschränkt, sodass eine Unterstützung der Atmung, sei es in Form einer Sauerstoffapplikation oder aber auch eine Unterstützung mittels einer nicht invasiven oder invasiven Beatmung notwendig ist. Zur allgemeinen Überwachung der pulmonalen Funktion bei Intensivpatienten sollte standardmäßig bei jedem Patienten die arterielle Sauerstoffsättigung mittels Pulsoxymetrie kontinuierlich überwacht werden. Darüber hinaus sollten regelmäßig arterielle und venöse Blutgasanalysen durchgeführt werden.
Bei invasiv beatmeten Patienten sollte darüber hinaus über die Bestimmung des Kohlendioxid-Partialdrucks im Atemgas mittels Infrarotspektrometrie (Kapnometrie) nachgedacht werden. Die grafische Darstellung des Kohlendioxid-Partialdrucks im Atemgas wird als Kapnografie bezeichnet und muss bettseitig auf einer Intensivstation verfügbar sein. Sie ermöglicht bei einem beatmeten Patienten die Überwachung der Normoventilation und in Notfallsituationen die Verifizierung der korrekten Lage des Beatmungstubus.
Die Blutgasanalyse ermöglicht u.a. die Bestimmung der Parameter pH, pO2, pCO2 und SaO2. Der pO2 und die SaO2 erlauben die Einschätzung einer adäquaten Oxygenierung, der pCO2 die Einschätzung einer adäquaten Ventilation und der pH ermöglicht eine Einschätzung des Säure-Base-Gleichgewichtes. Zusätzlich kann über die Durchführung einer zentralvenösen Blutgasanalyse eine Einschätzung über den Sauerstoffverbrauch und somit auch die Berechnung des Sauerstoffangebotes erfolgen (s. ▶ Abb. 1.1).
In Bezug auf Parameter, die eine Beatmung adäquat überwachen, sowie die sinnhafte Manipulation dieser Parameter sei auf die entsprechende Leitlinie verwiesen (S3-Leitlinie Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz), welche gerade aktualisiert wird.
Bei jedem intensivmedizinischen Patienten ist die kontinuierliche Erfassung der Herzfrequenz und des Herzrhythmus mittels EKG obligatorisch und als Basismonitoring anzusehen. Nur so können schnell Veränderungen des klinischen Zustands des kritisch kranken Patienten, welche mit einem kontinuierlichen EKG erfasst werden können (u.a. Tachykardien, Bradykardien), erkannt und behandelt werden. Um frühzeitig Rhythmusstörungen oder Anzeichen einer kardialen Ischämie zu erkennen und rechtzeitig behandeln zu können, empfiehlt sich der Einsatz einer kontinuierlichen Arrhythmie- und ST-Streckenanalyse. Das Standardmonitoring besteht daher aus einem EKG mit 2 Ableitungen (II und V5) mit aktivierter ST-Strecken- und Arrhythmieanalyse (Sensitivität für Ischämieepisoden etwa 80 %) ▶ [17].
Ein weiterer, wichtiger Bestandteil des Basismonitorings bei intensivmedizinischen Patienten ist die Messung des arteriellen Blutdrucks. Die Messung des arteriellen Perfusionsdruckes ist prinzipiell nicht invasiv (oszillometrisch oder Volume-Clamp-Methode) oder invasiv, durch eine arterielle Gefäßkanülierung, möglich. Bei der Wahl der Methode zur Blutdruckmessung ist die klinische Verfassung des Patienten ausschlaggebend. Die invasive Messung des arteriellen Blutdrucks erlaubt eine kontinuierliche Überwachung des Kreislaufs und somit eine schnelle Beurteilung von klinischen Veränderungen oder Therapiemaßnahmen. Bei Patienten in klinisch stabilem Zustand mit normotonen Blutdruckwerten in der nicht invasiven Messung und fehlender Notwendigkeit der Gabe von vasoaktiven und inotropen Substanzen ist zunächst eine nicht invasive oszillometrische Messung des arteriellen Blutdrucks ausreichend. Jedoch sollte der klinische Zustand des Intensivpatienten engmaschig reevaluiert werden und das Messintervall der nicht invasiven Blutdruckmessung regelmäßig angepasst werden. Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass oszillometrisch nicht invasiv gemessene Blutdruckwerte eine Messwertabweichung im Vergleich zu invasiv gemessenen Werten von > 10 % haben können. Für die Oszillometrie ist allgemein zu sagen, dass niedrige Blutdruckwerte systematisch überschätzt werden und hohe Blutdruckwerte systematisch unterschätzt werden ▶ [27], ▶ [19]. Dadurch könnte es unter Umständen zu einem verspäteten Erkennen von Hypo- bzw. Hypertension kommen. Bei klinischer Verschlechterung des Patienten mit der zunehmenden Notwendigkeit der kontinuierlichen Blutdrucküberwachung kann auch zeitweise eine kontinuierliche, nicht invasive Blutdruckmessung in Betracht gezogen werden.
Gerade in den letzten Jahren fand eine neue Technologie zur kontinuierlichen, nicht invasiven Blutdruckmessung, welche auf der Volume-Clamp-Methode beruht, zunehmende Beachtung und Verwendung im klinischen Bereich. Bei dieser Methode, die in den 1970er Jahren erstmalig durch den tschechischen Physiologen Prof. J. Peñáz vorgestellt wurde, wird der arterielle Blutdruck am Finger mithilfe eines Fingercuffs gemessen. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung der Methode wurden in den letzten Jahren mehrere Technologien auf den Markt gebracht, die eine kontinuierliche Blutdruckmessung und auch Herzzeitvolumenmessungen anhand von Pulskonturanalysen möglich machen ▶ [28], ▶ [24], ▶ [16]. Diese wurden auch schon in einigen Studien untersucht in Bezug auf die Genauigkeit im Vergleich zum invasiven Blutdruck und auch zum oszillometrisch gemessenen nicht invasiven Blutdruck. Die Ergebnisse waren dabei, ebenso wie die eingeschlossenen Patientenkollektive, uneinheitlich. Jedoch kann diese Methode als Alternative angesehen werden zum oszillometrisch nicht invasiv gemessenen Blutdruck oder zur Überbrückung, bis eine invasive Blutdruckmessung etabliert ist ▶ [15]. Nach der Empfehlung der S1-Leitlinie zum intraoperativen Monitoring sollen Patienten, die aufgrund von anästhesiologischen oder operativen Maßnahmen oder aufgrund von Begleiterkrankungen ein Risiko für Hypo- bzw. Hypertensions-assoziierte Komplikationen haben, eine kontinuierliche Blutdruckmessung erhalten, die mit einem arteriellen Katheter erfolgen sollte. Diese Messung kann jedoch bei geeigneten Patienten auch nicht invasiv kontinuierlich durchgeführt werden. Nach den aktuellen Erkenntnissen scheint es im perioperativen Bereich Hinweise zu geben, dass eine Unterschreitung eines mittleren arteriellen Blutdrucks unter 65 mmHg mit einem erhöhten Risiko für postoperative Komplikationen einhergeht. Demensprechend wird auch in der aktuellen S1-Leitlinie zum intraoperativen Monitoring ein Zielblutdruck von MAD ≤ 65 mmHg empfohlen ▶ [22].
Bei intensivmedizinischen Patienten mit zunehmender klinischer Instabilität und Hypotonie stellt die invasive Blutdruckmessung das Verfahren der Wahl dar. Durch die invasive Blutdruckmessung wird eine kontinuierliche Überwachung des Kreislaufs gewährleistet und damit die unmittelbare klinische Beurteilung. Bei der Gabe von vasoaktiven und positiv inotropen Substanzen sind die Therapieeffekte kontinuierlich eruierbar und zudem sind repetitive Blutentnahmen für Blutgas- und Laboranalysen problemlos durchzuführen.
Für die Messung des Herzzeitvolumens stand lange Zeit der Pulmonalarterienkatheter als einzige Technologie zur Verfügung und gilt immer noch als der Goldstandard der Herzzeitvolumenmessung auf der Intensivstation. Durch technologische Weiterentwicklungen haben in den letzten Jahrzehnten zunehmend andere Technologien (u.a. transpulmonale Thermodilution, Pulskonturanalyse) Einzug in den klinischen Alltag auf der Intensivstation gehalten, sodass der Pulmonalarterienkatheter heutzutage immer weniger auf den Intensivstationen zum Einsatz kommt. Der Pulmonalarterienkatheter hat jedoch weiterhin seine Indikationen und Vorteile in der intensivmedizinischen Therapie, die weiter unten im Abschnitt „Monitoring der pulmonalarteriellen Strombahn“ (Kap. ▶ 1.2.5) näher beschrieben werden.
Das Herzzeitvolumen kann alternativ auch mittels eines kalibrierten Verfahrens, der sogenannten transpulmonalen Thermodilution, bestimmt werden oder aber durch unkalibrierte Verfahren, bei denen sich die HZV-Messung nur auf die Pulskonturanalyse stützt, geschätzt werden ▶ [29].
Kalibrierte Verfahren. Die kalibrierten Verfahren zu Herzzeitvolumenmessung nutzen zur Kalibrierung das durch transpulmonale Thermodilution nach der Stewart-Hamilton-Methode bestimmte Herzzeitvolumen (HZV), die spätere kontinuierliche Messung des HZV erfolgt danach mittels Pulskonturanalyse. Mit dieser Methode kann nicht nur das Herzzeitvolumen bestimmt werden, es können auch kardiale und intrathorakale Volumina geschätzt werden, sowie die dynamischen Parameter Schlagvolumenvarianz und Pulsdruckvarianz, welche einen guten Überblick über den Volumenstatus des Patienten geben können. Zur Messung des Herzzeitvolumens mittels transpulmonaler Thermodilution ist eine stammnahe arterielle invasive Blutdruckmessung über einen Katheter mit einem speziellen Thermistor notwendig und es muss ein zentraler Venenkatheter vorhanden sein. Der arterielle Zugang erfolgt in der Regel über die Arteria femoralis. Die Kalibrierung erfolgt ähnlich wie bei der pulmonalarteriellen Thermodilution mittels eines Indikators, in der Regel wird dafür heutzutage kalte isotonische Kochsalz- oder Glukose-Lösung verwendet.
Transpulmonale Thermodilution.
Abb. 1.2 Berechnung des Herzzeitvolumens durch Analyse der Thermodilutionskurve nach modifizierter Stewart-Hamilton-Methode.
Neben der Bestimmung des HZV durch die Thermodilution können weitere Parameter berechnet werden: u.a. der intrathorakale Blutvolumen-Index (ITBVI) und der globale enddiastolische Volumen-Index (GEDVI) als Parameter der Vorlast, der kardiale Funktionsindex (CFI) als das Verhältnis zwischen Fluss (Herzzeitvolumen) und Vorlastvolumen (GEDVI) und der extravasale Lungenwasserindex (EVLWI) als Parameter für Kapillarleck, Überwässerung und Stauungsödem, sowie der systemische Gesamtwiderstand (SVRI). Nach der ersten Kalibrierung des Herzzeitvolumens können über die Pulskonturanalyse kontinuierlich die Schlagvolumenvariation (SVV) und die Pulsdruckvariation (PPV), das Pulskontur-HZV und der systemische Gesamtwiderstand abgeschätzt werden. Nachteilig ist, dass bei Änderungen des klinischen Zustands des Patienten oder nach Therapieänderungen regelmäßig eine Rekalibration (alle 4–8 h) durchzuführen ist, damit die durch die kontinuierliche Pulskonturanalyse angezeigten Werte valide dargestellt werden können ▶ [21]. Klinisch zeigte sich bei Einhaltung der regelmäßigen Rekalibration eine gute Übereinstimmung der HZV-Messung im Vergleich zur pulmonalarteriellen HVZ-Messung. Ob die Verwendung von HZV-Monitoringverfahren bei intensivmedizinischen Patienten das Outcome der Patienten verbessern kann, ist wissenschaftlich nicht sicher belegt, da aufgrund der Komplexität des intensivmedizinischen Patienten und der dementsprechenden Therapie nicht sicher nachgewiesen werden kann, inwiefern das Monitoring Einfluss auf das Outcome hat ▶ [20]. Sicher ist jedoch, dass, wenn ein HZV-Monitoring verwendet wird, dieses im Zusammenhang mit einem zielgerichteten Therapiekonzept verwendet werden sollte.
Unkalibrierte Verfahren. Die unkalibrierten Verfahren zur HZV-Messung verwenden im Wesentlichen die Methode der Pulskontur-HZV-Messung. Die kontinuierliche Messung des HZV wird durch einen peripheren arteriellen Katheter mittels einer Pulskonturanalyse durchgeführt, welche ohne initiale, externe Kalibrierung stattfindet. Die interne Kalibrierung der Systeme erfolgt mit Hilfe eines mathematischen Algorithmus, in den verschiedene Parameter wie Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht des Patienten eingehen. Als Gefäßzugang ist eine arterielle Kanülierung notwendig. Diese muss jedoch nicht mit einem speziellen arteriellen Katheter durchgeführt werden, sodass die Aufrüstung von einer „normalen“ invasiven Blutdruckmessung auf ein nicht kalibriertes HZV-Monitoring ohne eine weitere Punktion des Patienten erfolgen kann. Notwendig dafür ist nur der Anschluss eines speziellen Sensors an den bereits liegenden arteriellen Zugang, der auf der anderen Seite mit einem speziellen Monitor verbunden ist. Die verfügbaren verschiedenen Technologien bieten damit die Option, mittels arterieller Druckkurvenanalyse das kontinuierliche Herzzeitvolumen, das Schlagvolumen, die Schlagvolumen-Variation und den systemischen Gefäßwiderstand unter Einbeziehung des ZVD ohne externe Kalibration zu bestimmen. Berechnet wird primär das Schlagvolumen, welches nach Multiplikation mit der Pulsfrequenz das HZV ergibt. Im intensivmedizinischen Alltag zeigte sich jedoch, dass es divergierende Ergebnisse hinsichtlich der Reliabilität und Validität dieses Monitoring-Verfahrens im Vergleich zur pulmonalarteriellen und auch zur transpulmonalen Thermodilution gibt. Es zeigten sich bei Untersuchungen an Patienten mit Vorhofflimmern oder mit hohen Katecholamindosen, aber auch bei Patienten mit akuten Änderungen des peripheren Widerstands oder Spontanatmung, deutliche Unterschiede in den HZV-Messungen im Vergleich zum Standardverfahren mittels Pulmonalarterienkatheter (PAK).
Der Pulmonalarterienkatheter gilt seit Jahren als Goldstandard des erweiterten hämodynamischen Monitorings zur Messung des Herzzeitvolumens beim operativen Patienten und in der Intensivmedizin und ist ein nützliches Instrument zur Diagnostik und Therapie einer hämodynamischen Instabilität ▶ [25]. Jedoch wird der PAK in den letzten Jahren zunehmend kontrovers diskutiert und weniger verwendet durch die Einführung alternativer, weniger invasiver Verfahren zur Herzzeitvolumenbestimmung und auch aufgrund der zunehmenden Verbreitung der Echokardiografie in der Intensivmedizin. Dennoch ist der PAK das einzige Monitoringverfahren, welches die Messung der gemischt-venösen Sauerstoffsättigung zulässt und auch das einzige kontinuierliche Verfahren zur Evaluation der rechtsventrikulären Pumpfunktion und der Druckverhältnisse in der pulmonalarteriellen Strombahn. Demensprechend hat der PAK nach Indikationsstellung eine große Bedeutung zur Differenzierung der Ursache und Steuerung der Therapie eines schweren Low Cardiac Output Syndroms (LCOS), zur Steuerung der Therapie im akuten respiratorischen Versagen und zur Diagnostik und Therapie der akuten und chronischen pulmonalen Hypertonie ▶ [17], ▶ [18].
Mittels des Pulmonalarterienkatheters kann der pulmonalarterielle Verschlussdruck gemessen werden, der Aufschluss über die Druckverhältnisse im kleinen Kreislauf und im linken Vorhof und somit der Vorlast des linken Ventrikels unter physiologischen Bedingungen gibt ( ▶ Tab. 1.2 ).
Tab. 1.2
Direkte Messgrößen mittels Pulmonalarterienkatheter
▶ [30]
.
Variable
Normalwert
RAP
0–8 mmHg
RVPsyst.
15–30 mmHg
RVPdiast.
0–8 mmHg
PAPsyst.
15–30 mmHg
PAPdiast.
4–12 mmHg
PAPmitt.
9–16 mmHg
PAOP
2–12 mmHg
RVEF
40–50 %
PAOP: mittlerer pulmonalarterieller Verschlussdruck, PAP: pulmonalarterieller Druck, RAP: mittlerer rechtsatrialer Druck, RVEF: rechtsventrikuläre Ejektionsfraktion, RVP: rechtsventrikulärer Druck, syst.: systolisch, diast.: diastolisch, mitt.: mittlerer
[15] Ameloot K, Vijver KVD, Broch O et al. Nexfin Noninvasive Continuous Hemodynamic Monitoring: Validation against Continuous Pulse Contour and Intermittent Transpulmonary Thermodilution Derived Cardiac Output in Critically Ill Patients. Sci World J 2013; 2013: 519080
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[18] Heringlake M, Paarmann H. Perioperative Herzinsuffizienz – Akute intraoperative Herzinsuffizienz. Anästhesiol Intensiv Notfallmed Schmerzther 2015; 50 (5): 340–348
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[22] Saugel B, Annecke T, Bein B et al. Intraoperative haemodynamic monitoring and management of adults having non-cardiac surgery: Guidelines of the German Society of Anaesthesiology and Intensive Care Medicine in collaboration with the German Association of the Scientific Medical Societies. J Clin Monit Comput 2024; 1–15
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[28] Wesseling KH, Jansen JR, Settels JJ et al. Computation of aortic flow from pressure in humans using a nonlinear, three-element model. J Appl Physiol 1993; 74 (5): 2566–2573
[29] Wittkowski U, Spies C, Sander M et al. Hämodynamisches Monitoring in der perioperativen Phase. Anaesthesist 2009; 58 (8): 764–786
[30] Zink W, Graf BM. Der Pulmonalarterienkatheter. Anaesthesist 2001; 50 (8): 623–645
Karsten Schmidt
Aufgaben einer effektiven Atemwegssicherung. Die Fähigkeit zur Atemwegssicherung ist eine Kernkompetenz in der Anästhesiologie sowie der Notfall- und Intensivmedizin. Oberste Priorität jeder Atemwegssicherungsmaßnahme ist es, die Oxygenierung eines Patienten zu gewährleisten. Eine effektive Atemwegssicherung zeichnet sich durch die Vermeidung einer Hypoxämie, die Aufrechterhaltung der hämodynamischen Stabilität und die Verhinderung einer pulmonalen Aspiration aus. Die am meisten gefürchteten Folgen von Komplikationen sind der Tod oder eine hypoxische Gehirnschädigung des Patienten. Atemwegssicherungsmaßnahmen besitzen folgerichtig das inhärente Risiko, sich zu zeitkritischen und lebensbedrohlichen Notfallsituationen zu entwickeln. Das intensivmedizinische Behandlungsumfeld ist ein Hochrisikobereich für erschwerte Atemwegssicherungsbedingungen und schwerwiegende Komplikationen im Rahmen der Atemwegssicherung ▶ [37], ▶ [43], ▶ [50], ▶ [51].
Merke
Die Inzidenz für einen tödlichen Verlauf und eine hypoxische Gehirnschädigung nach Atemwegskomplikationen ist im intensivmedizinischen Bereich fast 60fach höher als im perioperativen anästhesiologischen Umfeld ▶ [37], ▶ [43], ▶ [50].
Stringentes algorithmusbasiertes Vorgehen. Mehrere Fachgesellschaften empfehlen in behandlungskontext- und risikoadaptierten Leitlinien bei erwarteten und unerwarteten Atemwegsproblemen ein stringentes algorithmusbasiertes Vorgehen zur Atemwegssicherung ▶ [33], ▶ [35], ▶ [36], ▶ [41], ▶ [43], ▶ [48], ▶ [50], ▶ [52]. Alle Algorithmen enthalten vier Eskalationsstufen mit möglichen Zugängen zur Sicherung der Atemwege:
Spontanatmung/unterstützte oder kontrollierte Beatmung mit einer Gesichtsmaske
Verwendung von extraglottischen Atemwegshilfen (EGA)
Platzierung eines Endotrachealtubus in der Trachea
translaryngealer/transtrachealer Zugang
Unter Verwendung einer konsequenten Vorwärtsstrategie müssen bei nicht beherrschbaren Oxygenierungsproblemen die Eskalationsstufen ohne Zeitverlust abgearbeitet werden. In begründeten Situationen ist es dem erfahrenen Anwender vorbehalten, vom Algorithmus abzuweichen. Institutionell sollten anästhesiologische und intensivmedizinische Abteilungen einen miteinander abgestimmten Algorithmus verwenden. Dieser sollte sich an lokalen Gegebenheiten orientieren und einfach aufgebaut sein.
Atemwegswägen müssen standardisiert und auf den verwendeten Algorithmus abgestimmt sein. Das Überwachungsmonitoring sollte nationalen Versorgungsstandards entsprechen. Die kontinuierliche Verfügbarkeit eines Bronchoskops sowie eines Videolaryngoskops wird empfohlen. Ein Behandlungsteam sollte in der Verwendung des Atemwegswagens geschult und durch regelmäßiges Training mit den Algorithmen vertraut sein.
Kognitive Hilfsmittel (grafische Darstellung von Algorithmen, standardisierte Beschriftung von Materialien, Intubationschecklisten, bettseitige Risikowarnschilder) verbessern in Stresssituationen die Handlungsfähigkeit und sind integraler Teil einer Gesamtstrategie. Institutionell sollten die Verfügbarkeit von Expertenhilfe (anästhesiologisch/chirurgisch) kontinuierlich organisiert und Notrufketten etabliert sein.
In der Intensivmedizin muss eine kombinierte Evaluation von anatomischen, physiologischen und behandlungskontextbedingten Risikofaktoren für eine schwierige Atemwegssicherung erfolgen. Die regelmäßige strukturierte Erfassung und Re-Evaluation für das Vorliegen von Prädiktoren für eine erschwerte Atemwegssicherung sollte integraler Bestandteil der Behandlung sein. Die Ergebnisse der individuellen Risikoeinschätzung sollten im Behandlungsverlauf (insbesondere die Situation bei Aufnahme und Verlegung) strukturiert dokumentiert und durch geeignete Maßnahmen sichtbar (z.B. Warnhinweise am Patientenbett; Risikomerkmal in der digitalen Patientenakte) bzw. jederzeit verfügbar gemacht werden.
Der Begriff anatomisch schwieriger Atemweg wird für Schwierigkeiten bei der Maskenbeatmung, bei der Verwendung von EGAs, der direkten/indirekten Laryngoskopie, der trachealen Intubation und bei translaryngealen/transtrachealen Verfahren verwendet. Eine strukturierte Untersuchung auf das Vorliegen von Risiken für einen schwierigen Atemweg bzw. für das Versagen der geplanten Atemwegssicherungstechnik wird von allen Leitlinien empfohlen ▶ [33], ▶ [41], ▶ [43], ▶ [50], ▶ [52].
Anamnestische Informationen der letzten Atemwegsevaluation und die Dokumentation von vorherigen Atemwegssicherungsbedingungen sollten bei intensivmedizinisch betreuten Patienten strukturiert dokumentiert werden. Komplikationen bei einer vorangegangenen Atemwegssicherung haben sich als bester Prädiktor für einen schwierigen Atemweg und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das erneute Auftreten von Schwierigkeiten erwiesen. Erkrankungsschwere und Intensivtherapie können allerdings vorher normale anatomische Atemwege zu schwierigen Atemwegen machen. Faktoren wie eine positive Flüssigkeitsbilanz, Bauchlagerungstherapie, prolongierte Beatmungstherapie, Atemwegstraumatisierungen und operative Eingriffe können zu erheblichen Veränderungen der Atemwegssicherungsbedingungen führen. Für jede Eskalationsstufe der Atemwegssicherung sollten Faktoren erhoben werden, die zu Schwierigkeiten und/oder dem Versagen des geplanten Verfahrens führen können.
Merke
Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Beurteilung der Durchführbarkeit von Notfalltechniken gelegt werden, da das Risiko für Anwendungsschwierigkeiten oder deren Versagen deutlich erhöht ist, wenn bereits die Primärtechnik erschwert war oder versagt hat. Eine standardisierte Atemwegsevaluation sollte in der Intensivmedizin immer erfolgen ( ▶ [43], ▶ [50], ▶ [52]) und mindestens die Überprüfung der Mundöffnung, der Halsbeweglichkeit und die gezielte Lokalisierung des Lig. cricothyroideum beinhalten.
Ein etabliertes Verfahren zur strukturierten Risikoevaluation bei Notfallintubationen ist die (modifizierte) LE(MO)N-Methode (Look, Evaluate, Mallampati, Obstruction, Neck Mobility) ▶ [45], ▶ [53].
Die Integration einer sonografischen Atemwegsevaluation im Rahmen des Atemwegmanagements in der Intensivmedizin wird zunehmend empfohlen (z.B. Identifizierung des Lig. cricothyroideum, Ausschluss einer ösophagealen Intubation). Um den Nutzen und das Potenzial von Ultraschallprotokollen zur Vorhersage eines schwierigen Atemwegs zu untersuchen, sind allerdings noch weiterführende Untersuchungen notwendig ▶ [43], ▶ [46], ▶ [47].
Der bislang einzige validierte Score zur Identifikation von schwierigen Intubationsbedingungen in der Intensivmedizin ist der MACOCHA-Score. Dieser Score integriert anatomische und physiologische Patientenfaktoren mit Anwenderqualifizierungsfaktoren ( ▶ Tab. 1.3 ).
Tab. 1.3
MACOCHA-Score: Es können 12 Punkte vergeben werden und die Intubationsschwierigkeit erhöht sich von 0 (einfach) auf 12 (sehr schwer)
▶ [39]
.
Faktoren
Punkte
Patientenfaktoren
Mallampati-Score III oder IV (bedeutet weicher und harter bzw. nur harter Gaumen sichtbar)
5
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
2
zervikale Beweglichkeit reduziert
1
Mundöffnung < 3 cm
1
pathologische Faktoren
Koma
1
schwere Hypoxie
1
Anwenderfaktoren
kein (ausgebildeter) Anästhesist
1
gesamt
maximal 12
Ein physiologisch schwieriger Atemweg beschreibt das Risiko des Patienten aufgrund reduzierter kardiopulmonaler Reserven im Rahmen von Narkoseinduktion und Atemwegssicherung lebensbedrohlich instabil zu werden ▶ [31], ▶ [43], ▶ [50], ▶ [51]. Die Intubationsstrategie sollte die zugrunde liegende Pathophysiologie des Patienten berücksichtigen (z.B. Risiko für erhöhten Hirndruck, Schockzustände, höhergradige Klappenvitien etc.). Beide Formen des schwierigen Atemwegs liegen häufig kombiniert mit ineinandergreifenden Komplikationspotenzialen vor und müssen im Rahmen der Atemwegssicherung antizipiert werden.
Die Leitlinien zur Atemwegssicherung im intensivmedizinischen und anästhesiologischen Bereich betonen, dass bei kritisch kranken Patienten grundsätzlich von einer potenziell schwierigen Atemwegssicherung ausgegangen werden muss ▶ [35], ▶ [36], ▶ [43], ▶ [47], ▶ [50]. Eine Optimierung der Ausgangsbedingungen mit dem Ziel der Risikominimierung und eine strukturierte Planung sind für den primären Intubationserfolg von großer Bedeutung. Effektive Atemwegssicherung beinhaltet deshalb gutes Teamwork, situatives Rollenverständnis und klare Kommunikationsregeln.
Im Folgenden werden zentrale Aspekte mehrerer Leitlinienempfehlungen zum algorithmusbasierten Vorgehen in der Intensivmedizin und Anästhesiologie zusammengefasst dargestellt ▶ [35], ▶ [36], ▶ [43], ▶ [47], ▶ [50], ▶ [52]. Die Verwendung einer standardisierten Intubationscheckliste bei der Vorbereitung hilft, die Intubationssituation zu optimieren und Komplikationen deutlich zu reduzieren. Die einheitliche Implementierung standardisierter Atemwegssicherungsalgorithmen mit darauf abgestimmter Infrastruktur stellt ein wesentliches Kriterium für eine patientensicherheits-fokussierte Versorgungsstruktur dar (zur Orientierung ist in ▶ Abb. 1.3 ein adaptierter Atemwegssicherungsalgorithmus als Beispiel dargestellt).
Atemwegssicherung in der Intensivmedizin.
Abb. 1.3 Algorithmus. Die halbkreisförmigen Pfeile stellen die „B nach C“-Sequenz dar. Diese ist konzeptionell sinnvoll, stellt aber für die klinische Praxis eine artifizielle Unterscheidung dar. Nach fehlgeschlagenen Intubationsversuchen werden erfahrene Anwender parallel zu EGA-Platzierungsversuchen intermittierende Maskenbeatmungsversuche durchführen. (BURP: Backward Upward Rightward Pressure, CICO: cannot intubate, cannot oxygenate, CPAP: Continuous Positive Airway Pressure, EGA: extraglottischer Atemweg, etCO2: endexspiratorische Kohlenstoffdioxid-Konzentration, FA: Facharzt, ITN: Intubation, MB: Maskenbeatmung, NIV: nicht invasive Beatmung, OA: Oberarzt, SpO2: periphere Sauerstoffsättigung, OELM: Optimal External Laryngeal Manipulation).
Intubationsteams sollten aus bis zu 6 Personen bestehen. Idealerweise übt der Teamleiter eine koordinierende Führungsrolle aus. Die Rollenverteilung muss immer vom Behandlungskontext abhängig gemacht werden. Die Zuordnung spezifischer Aufgaben vor der Narkoseeinleitung reduziert das Risiko von kognitiver Überforderung in Stresssituationen und kreiert ein gemeinsames situatives Bewusstsein. Folgende Rollen sind zu definieren:
Teamleiter
Anwender Intubationsversuch
Anwender Alternativverfahren
Anwender translarnygeales/transtracheales Verfahren
Anwender Krikoiddruck
Medikamentenapplikation und hämodynamische Stabilisierung
Atemwegmaterialassistenz
Beobachterfunktion (Vitalparameter, Zeitmanagement etc.)
Springer für Material und Alarmierung von Hilfe
Allen Beteiligten sollten Namen und Funktion der Teammitglieder bekannt sein. Das Äußern von situativen Bedenken und Fragen sollte unterstützt werden. Explizite und laute Verbalisierung von Problemen resultiert in einem besseren Situationsbewusstsein des Teams und erleichtert eine konsequente Vorwärtsstrategie. Ein strukturiertes Teambriefing sollte vor Beginn jeder Narkoseinduktion erfolgen.
Eine gemeinsame Teamaufgabe ist die Beachtung von hygienischen Schutzmaßnahmen für das medizinische Personal im Rahmen der Atemwegsicherung im Sinne des eigenen Schutzes. Die Bereitstellung und konsequente Verwendung von entsprechender Schutzausrüstung (Schutzbrillen, Mundschutz, etc.) während der unmittelbaren Intubationsphase, um das Risiko einer Übertragung von hochinfektiösen Erregern auf medizinisches Personal zu minimieren, sollte grundsätzlich gewährleistet und berücksichtigt werden.
Präoxygenierung
Um die Apnoetoleranz zu verlängern, ist eine Präoxygenierung und Denitrogenisierung obligat (optimales Präoxygenierungsziel ist eine etO2 > 85 %).
Sofern kein respiratorisches Versagen vorliegt, sollte unter Verwendung einer dicht sitzenden Maske mindestens für 3–5 Minuten mit 10–15 l/min 100 % O2 präoxygeniert werden.
Bei hypoxiegefährdeten Patienten sollten CPAP-, NIV- oder nasale High-Flow- Techniken zur Optimierung der Oxygenierung angewendet werden (CPAP: 5–10 cmH2O; supportive NIV-Techniken mit Tidalvolumina von 7–10 ml/kg; nasale High-Flow-Verfahren mit 30–70 l/min 100 % O2).
Bei allen Präoxygenierungsmaßnahmen sollte auf eine suffiziente Magenentlastung geachtet werden.
Positionierung: Eine optimierte Oberkörper-, Hals- und Kopfpositionierung (z.B. Neutralposition, Schnüffelposition, Oberkörperhochlage [≥ 20°], Rampenposition bei Adipositas) verbessert das Offenhalten der oberen Atemwege, reduziert das Aspirationsrisiko, erhöht die funktionelle Residualkapazität, verbessert die Effektivität der Präoxygenierung und Apnoeoxygenierung und optimiert den Atemwegzugang für potenzielle translaryngeale/transtracheale Notfalltechniken.
Monitoring/Material
Verwendung von gut sichtbar platziertem Standardmonitoring (SpO2, EKG, invasiver Blutdruck, Kapnografie) mit aktivierten Alarmen
Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Beatmungsgeräts/der O2-Versorgung
Die Etablierung einer invasiven Blutdruckmessung sollte außer in perakuten Notfällen vor Narkoseinduktion erfolgen; ein geprüfter intravenöser/intraossärer Zugang sollte vorhanden sein.
Das Atemwegssicherungsmaterial sollte überprüft und gebrauchsfertig gemäß der Eskalationsstufen vorbereitet sein (Plan A → B → C → D).
Double Set-up
Für alle Fälle einer vorhersehbaren schwierigen Atemwegssicherung wird ein sogenanntes „Double Set-up“ mit Durchführung der Atemwegssicherungsmaßnahme in Koniotomie-/Tracheotomiebereitschaft empfohlen.
Bei diesem Vorgehen wird das Lig. cricothyroideum bei gestrecktem Kopf und Hals des Patienten markiert – falls notwendig mit Ultraschallkontrolle. Es wird vor Narkoseinduktion im Team festgelegt, wer die Koniotomie durchführen soll. Das auslösende Ereignis und Stichwort für eine Koniotomie im Rahmen des Atemwegssicherungsalgorithmus wird im Team-Briefing definiert. Diese Strategie hilft, die Aufmerksamkeit aller Beteiligten auf die zu erwartenden Schwierigkeiten und das Patientenrisiko zu richten. Die Koniotomie wird als Teil des Plans wahrgenommen und nicht als die Rettung eines fehlgeschlagenen Plans, woraus letztendlich bei einer CICO-Situation eine schnellere chirurgische Atemwegssicherung resultieren kann.
Aspirationsprophylaxe
Das Aspirationsrisiko kann sonografisch abgeschätzt werden.
Anlage einer Magensonde bzw. Absaugen einer einliegenden Magensonde
Krikoiddruck
Die Durchführung des Krikoiddrucks im Rahmen einer Rapid Sequence Induction (RSI) wird kontrovers in der Fachliteratur diskutiert. Die Leitlinien zur Atemwegssicherung im intensivmedizinischen Bereich der Difficult Airway Society, Intensive Care Society und des Royal College of Anaesthetists empfehlen die Durchführung eines Krikoiddrucks ▶ [43]. Gemäß der deutschen S1-Leitlinie Atemwegsmanagement 2023 hat der Krikoiddruck zur Vermeidung einer Aspiration bei einer RSI keinen Stellenwert ▶ [52].
Bei korrekter Anwendung durch einen qualifizierten Anwender kann ein Krikoiddruck das Aspirationsrisiko reduzieren, weswegen er unter Risiko-Nutzen-Abwägung bei einer RSI in Betracht gezogen werden kann: manueller Druck des Krikoids gegen Halswirbelsäule; Beginn vor Bewusstseinsverlust; die applizierte Kraft wird gesteigert nach Eintreten der Bewusstlosigkeit; die ausgeübte Kraft sollte von 1 kg (10 N) auf 3 kg (30 N) gesteigert werden; Beendigung nach Inflation des Tubuscuffs; Visualisierung über einen Videolaryngoskopiemonitor erhöht die Durchführungseffektivität ▶ [43].
Bei schwieriger Maskenbeatmung, Laryngoskopie, Tubuspassage oder aktivem Erbrechen muss der Krikoiddruck gelockert werden ▶ [43].
präemptive hämodynamische Stabilisierung
Eine gezielte bzw. präemptive Flüssigkeits-, Vasopressor- und Inotropikatherapie vor und während der Narkoseinduktion wird empfohlen.
Eine fokussierte Echokardiografie kann die hämodynamische Therapieplanung der Intubationsphase auch in zeitkritischen Situationen optimieren.
Rapid Sequence Induction (RSI)
Die Rapid Sequence Induction (Synonym: Ileuseinleitung, Crushintubation, Blitzeinleitung) ist die favorisierte Narkoseeinleitungsstrategie.
RSI-Sequenz: Narkoseinduktion und neuromuskuläre Blockade → keine Zwischenbeatmung → endotracheale Intubation
„modifizierte“ RSI-Konzepte sollten unter individueller Risikoabwägung durchgeführt werden ▶ [43], ▶ [50], ▶ [52]: beatmungsdruckkontrollierte (maschinelle) Zwischenbeatmung mit und ohne Krikoiddruck bei schwerer Hypoxie, Adipositas oder zur Reduktion einer Hyperkapnie, z.B. bei erhöhtem intrazerebralem Druck
Medikamente zur Narkoseinduktion
Auswahl immer unter hämodynamischer Nutzen-Risiko-Abwägung
Ketamin ist aufgrund seines pharmakologischen Wirkprofils das präferierte Induktionsmedikament in der Intensivmedizin ▶ [43], ▶ [50], ▶ [51]; Kombinationspartner sind schnellwirksame Opiate. Alternativ sollteEtomidat erwogen werden, z.B. bei Patienten mit hochgradigen Klappenvitien.
Propofol ist aufgrund seiner pharmakologischen Eigenschaften/Nebenwirkung bei der Nutzen-Risiko-Abwägung bei kombiniertem physiologisch und anatomisch schwierigem Atemweg kein Induktionsnarkotikum der ersten Wahl.
Rocuronium wird als schnellwirksames nicht depolarisierendes Muskelrelaxans mit Antagonisierungsmöglichkeit empfohlen ▶ [41], ▶ [43], ▶ [50], ▶ [52].
Apnoeoxygenierung: Die Fortsetzung von nasaler Sauerstoffapplikation mit 15 l/min 100 % O2 oder High-Flow-Therapie kann die Oxygenierung in der Apnoephase während Intubationsversuchen verbessern und sollte erwogen werden ▶ [43], ▶ [50], ▶ [52].
Zeitmanagement: Mit Beginn der Narkoseinduktion sollte eine gut sichtbare Uhr zur Visualisierung der verstrichenen Zeit gestartet werden. Um Zeitverluste zu vermeiden, muss ein Teammitglied den Zeitverlauf beobachten und das Einhalten des Algorithmus konsequent einfordern.
Im intensivmedizinischen Bereich treten unerwartet schwierige Intubationsbedingungen fast doppelt so häufig auf wie im perioperativ-anästhesiologischen Bereich. Hiermit ist auch ein vermehrtes Fehlschlagen des primären Intubationsversuchs mit erhöhtem Risiko für konsekutive CICO-Situationen (cannot intubate, cannot oxygenate) assoziiert. Ziel ist daher eine schnelle, atraumatische tracheale Intubation mit einer minimalen Anzahl von Versuchen unter Verwendung von direkten und indirekten Laryngoskopieverfahren ▶ [38], ▶ [43], ▶ [50], ▶ [51], ▶ [52].
Vorgehen
Die Anzahl der Intubationsversuche mit direkter und indirekter Laryngoskopie sollten limitiert sein: je nach Leitlinie maximal zwei ▶ [50],
