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Der Band präsentiert aktuelle Forschungsarbeiten unterschiedlicher sozial-, kultur- und kommunikationswissenschaftlicher Disziplinen, die auf dem gleichnamigen Symposium an der Hochschule Fulda zur Thematik Interkulturalität und Europäische Integration basieren. Das Hauptaugenmerk gilt den Schnittstellen zwischen interkulturellen und integrationspolitischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Problemstellungen. In insgesamt neun Beiträgen wird die vielschichtige Forschungslandschaft mit ihren jeweiligen disziplinären Diskursen exemplarisch reflektiert und zugleich unter einem interdisziplinären Horizont erkundet, um gemeinsame thematische Bezüge zu identifizieren und empirische und theoretische Erkenntnisse wechselseitig fruchtbar zu machen.
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Seitenzahl: 387
Veröffentlichungsjahr: 2014
ibidem-Verlag, Stuttgart
This series is intended as a publication panel of the Centre of Intercultural and EuropeanStudies (CINTEUS) at Fulda University of Applied Sciences. The series aims at making research results, anthologies, conference readers, study books and selected qualification theses accessible to the general public. It comprises of scientific and interdisciplinary works on inter- and transculturality; the European Union from an interior and a global perspective; and problems of social welfare and social law inEurope. Each of these are fields of research and teaching in the Social- and Cultural Studies Faculty at Fulda University of Applied Sciences and its Centre for Intercultural and European Studies. We also invite contributions from outside the faculty that share and enrich our research.
Gudrun Hentges, Volker Hinnenkamp, Anne Honer, Hans-Wolfgang Platzer
Editorial
Die Buchreihe versteht sich als Publikationsforum des Centrums für interkulturelle und europäische Studien (CINTEUS) der Hochschule Fulda. Ziel der CINTEUS-Reihe ist es, Forschungsergebnisse, Anthologien, Kongressreader, Studienbücher und ausgewählte Qualifikationsarbeiten einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Reihe umfasst fachwissenschaftliche und interdisziplinäre Arbeiten aus den Bereichen Inter- und Transkulturalität, Europäische Union aus Binnen- und globaler Perspektive sowie wohlfahrtsstaatliche und sozialrechtliche Probleme Europas. All dies sind Fachgebiete, die im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda University of Applied Sciences und dem angegliederten Centrum für interkulturelle und Europastudien gelehrt und erforscht werden. Ausdrücklich eingeladen an der Publikationsreihe mitzuwirken sind auch solche Studien, die nicht ’im Hause’ entstanden sind, aber CINTEUS-Schwerpunkte berühren und bereichern.
Gudrun Hentges, Volker Hinnenkamp, Anne Honer, Hans-Wolfgang Platzer
Die Themenfelder Interkulturalität und europäische Integration nehmen in Forschung und Lehre des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda traditionell einen hohen Stellenwert ein. In zwei Studiengängen, dem Bachelor-Studiengang „Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen“ (BASIB) und dem Masterstudiengang „Intercultural Communication and European Studies (ICEUS) bilden interkulturelle und europäische Themen das Kerncurriculum. Im Bereich der Forschung hat der Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften die Initiative ergriffen, auf der Ebene der Hochschule einCentrum für interkulturelle und europäische Studien(CINTEUS) einzurichten. Mit CINTEUS wurde Anfang 2010 eine Struktur geschaffen, die es ermöglicht, Forschungsaktivitäten an der Hochschule Fulda, die sich in den verschiedenen sozial- und kulturwissenschaftlichen Fachdisziplinen mit den Themenfeldern gesellschaftliche Entwicklungen in Europa, Europäische Integration, Migration, interkulturelle Beziehungen und interkulturelle Kommunikation befassen, zu koordinieren und interdisziplinär auszurichten. In Lodz fand 2009 bereits eine Konferenz mit dem Titel „Intercultural Europe“ statt. Das Ergebnis des Bandes wurde 2010 in der Reihe von CINTEUS veröffentlicht. Er versammelt eine Anzahl von Beiträgen, die eher die Vielfalt interkultureller Spielfelder Europas präsentieren denn den Nexus von Interkulturalität und europäischer Integration.[1]
Diesem Ziel, aktuelle Forschungsarbeiten unterschiedlicher sozial- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen zusammenzuführen, die sich mit der Thematik „Interkulturalität und europäische Integration“ befassen, diente eine Fachtagung, die vom 1. bis 3. Dezember 2011 an der Hochschule Fulda stattfand. Das Hauptaugenmerk dieses Symposions galt den Schnittstellen zwischen interkulturellen und integrationspolitischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Problemstellungen. Eine vielgestaltige Forschungslandschaft mit ihren jeweiligen disziplinären Diskursen sollte exemplarisch reflektiert und zugleich unter einem interdisziplinären Horizont erkundet werden, um gemeinsame thematische Bezüge zu identifizieren und empirische und theoretische Erkenntnisse wechselseitig fruchtbar zu machen. Dieses Tagungsprojekt war von vorneherein auch als Publikationsprojekt angelegt. Das Symposion trug somit auch den Charakter eines AutorInnen-Workshops.
Wir schätzen uns glücklich, dass wir für dieses Projekt hochrangige, ausgewiesene ExpertInnen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen – Politikwissenschaft, Soziologie. Sozial-und Kulturanthropologie, Kommunikations- und Sprachwissenschaften – gewinnen konnten. Im nunmehr vorliegenden Band sind die Erträge und Ergebnisse dieses Vorhabens versammelt.
Den Autorinnen und Autoren möchten wir auch an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich danken. Großen Dank schulden wir auch Janina Henning, MA und Kristina Nottbohm, MA, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen unseres Fachbereichs, die in unterschiedlichen Phasen dieses Tagungs- und Publikationsprojekts wertvolle organisatorische und inhaltliche Arbeit geleistet haben.
Volker HinnenkampHans-Wolfgang Platzer
Fulda im September 2013
[1]Lewandowska-Tomaszczyk, Barbara/Pulaszewska, Hanna (Hg.)(2010):Intercultural Europe: Arenas of Difference, Communication and Mediation.Stuttgart: Ibidem.
Vorwort
Volker Hinnenkamp/Hans-Wolfgang Platzer
Einleitung: Interkulturalität und Europäische Integration
Gisela Welz
Europäisierung beobachten: Forschungsansätze der Sozial- und Kulturanthropologie
Kerstin Poehls
Präsente Abwesenheit. Interkulturalität und ethnologische Perspektiven auf Machtfelder in der EU und Repräsentationen Europas
Viktoria Kaina
Europäische Identität aus politikwissenschaftlicher Analyseperspektive – Forschungsstand und Desiderata
Jürgen Endres
Alternativlos und grenzenlos überfrachtet. Das Konzept des «interkulturellen Dialogs» bei Europarat und Europäischer Union. Eine Bestandsaufnahme
Frank-Olaf Radtke
Die romantische Sehnsucht nach Vergemeinschaftung. Interkulturelle Dialoge zwischen Konsens und Kompromiss
Nikola Tietze
Das europäische Vielfaltsnarrativ im semantischen Wirbel der Religions- und Sprachkategorie
Peter A. Kraus
Europäisierung, sprachliche Identität und Demokratie
Hans-Jürgen Lüsebrink
Mediatisierte interkulturelle Kommunikation und interkulturelles Lernen – Problemaufriss, methodische Ansätze, Fallbeispiele
Volker Hinnenkamp
Hans-Wolfgang Platzer
„Si c’était à refaire, je commencerais par la culture“–dieseAussage wird Jean Monnet, einem der Architekten und Gründerväter der heutigen Europäischen Union, zugeschrieben. Obgleich die Fundstelle nicht belegt ist (Wessels 2001),taucht dieser Gedanke – zumal in krisenhaften Zeiten der Integration – immer wieder in europapolitischen Diskursen auf. Der provokative Charme dieser Aussage besteht darin, dass ein historisch denkbarer, alternativer Integrationspfad angesprochen wird, der mit einer Integrationslogik kontrastiert, die seit einem halben Jahrhundert maßgeblich das Integrationsgeschehen prägt und just nach Jean Monnet benannt ist: die „Methode Jean Monnet“.
Der mit diesem Label gekennzeichnete, integrationsgeschichtlich beschrittene Pfad „beginnt“ nicht „mit der Kultur“. Am Anfang und im Zentrum steht die politische Ökonomie. Die Methode Jean Monnet setzt einen gemeinsamen Bestand an gesellschaftlichen Werten und kulturellen Traditionen bestenfalls voraus, macht diese Dimensionen aber nicht zum vorrangigenGestaltungsfeld einer gemeinschaftlichen Politik. Die treibenden Kräfte der Integration sind Eliten und supranationale Institutionen, während grenzübergreifende Kommunikationsprozesse in der Breite der Gesellschaft und Erwartungen, dass diese– nicht zuletzt im Bereich und durch das Mediumder Kultur – eine kollektive europäische Identität hervorbringen würden, nachrangig sind. Die strategische Entwicklungsachse der Europäischen Einigung ist die Wirtschaft. Nach einer funktionalistischen Prozesslogik in Teilschritten vergemeinschaftet und in supranationales Recht gegossenwird die Ökonomie zum Instrument politischer Integration.
Die Kernelemente dieses Integrationspfades sind bereits in der Präambel des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl von 1951 benannt. Dort heißt es: „Europa aufbauen“ erfordere „konkrete Anstrengungen“, die in Kernbereichen der Ökonomie zunächst eine „tatsächliche Verbundenheit schaffen“, so dass an die Stelle jahrhundertealter Rivalitäten ein „Zusammenschluss der wesentlichen Interessen“ der beteiligten Staaten und Völker treten könne. Dazu müssten „institutionelle Grundlagen geschaffen werden“, die einem „gemeinsamen Schicksal den Weg weisen können“. Dieser zunächst von 6 Staaten eingeschlagene Integrationspfad hat sich als historisch innovativ, politisch tragfähig und alles in allem erfolgreich erwiesen. Über weitere Stufen der Integrationsvertiefung und in mehreren Erweiterungsrunden ist in rund 60 Jahren ein historisch singulärer Staatenverbund entstanden, der gemeinhin als „Erfolgsmodell“gilt und dessen friedenspolitische Leistungen 2012 durch den Friedensnobelpreis gewürdigt wurden.
Und dochhaben die Weltfinanzmarktkrise des Jahres 2008 mit ihren politisch bis dato nicht bewältigten Folgensowiedie jüngeren Entwicklungen und Verwerfungen innerhalb der Eurozone das Integrationsprojekt in seine historisch bislang tiefste Krise geführt und in seinen Grundfesten erschüttert. Die Frage, ob und wie sich die „Logik der effektiven Problemlösung“ mit der „Logik des legitimen Regierens“ (Zürn 2006) vermitteln lässt, hat im Zuge des Krisenmanagements eine Komplexität und politische Brisanz angenommen, die in der bisherigen EU-Integrationsgeschichte beispiellos ist. Auch wenn Krisen die „Stunde der Exekutive“ sein mögen, hat das bisherige Euro-Krisenmanagement innerhalb der Machtarchitektur der EUtechnokratische, hegemoniale und intergouvernementale Politikmuster zu Lasten demokratisch-parlamentarischer Prinzipien und zu Lasten derGemeinschaftsmethode verstärkt. Fortschritte,die der im Dezember 2009 in Kraft getretene EU-Reformvertrag im Bereich einer „Demokratisierung durch Parlamentarisierung“, also durch eine Stärkung der Mitentscheidungsrechte des Europäischen Parlaments und der nationalen Parlamente als „Subsidiaritätswächter“ erbracht hat, sind auf diese Weise unterhöhlt worden. Das grundlegende Spannungsfeld zwischen „transnationaler Demokratie und postdemokratischem Exekutivföderalismus“ (Habermas 2011: 48ff.), das die institutionelle Architektur der EU seit geraumer Zeit kennzeichnet, ist im Zuge des Krisenmanagements zu Lasten desersteren Prinzips verschoben worden (Platzer 2012). Nicht zuletzt hat die Krise (in) der Euro-Zone zum Wiederaufleben nationaler Stereotype und Feindbilder geführt, die man für überwunden geglaubt hat. Eine offensichtlich leichte Mobilisierbarkeit historischer Ressentiments und sozio-kultureller Klischees verweist auf tiefer liegende Problemschichten des Integrationsgeschehens.
In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dassmittlerweile auch,wie nachstehend beschrieben,eine Diskussion über die kulturellen Ursachen der Euro-Krise begonnen hat.
Jenseits der derzeit dominanten Debatten über fiskalpolitische Regeln, bailing-outs, Europäische Semester, Bankenregulierungen etc. taucht mithin eine alte Grundsatzfrage der Integration in neuer Schärfe auf: „Wieviel Demokratie verträgt Europa und wieviel Europa verträgt die Demokratie“? (Evers 1994). Die Schwierigkeiten, diese Frage zu beantworten, werden deutlich, wenn man sich die Herausforderungen und Dilemmata vor Augen führt, mit denen – schon vor der gegenwärtigen Krise – das politisch verfasste Europa und das Regieren in der EUkonfrontiert waren:
„Europa ist buchstäblich auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, transnationales Regieren kooperativ und deliberativ zu organisieren. Dass transnationales Regieren, das sich durch diese Qualitäten auszeichnet, in der europäischen Polity vorkommt, ist beruhigend, aber auch nicht mehr. Es gibt keine Garantien dafür, dass jener inkrementalistische Such- und Lernprozess, in dem sich Europa kontinuierlich ‘verfasst‘, erfolgreich voranschreitet und das Integrationsprojekt seine Dritten Wege zwischen einer Konstitutionalisierung ‘von oben‘ und einem blinden Pragmatismus sucht“ (Joerges 2003: 214).
Nach Viktoria Kaina (2009: 209f.) haben die rasante Erweiterung und die Schritte zur Vertiefung der EU in den vergangenen eineinhalb Dekaden zu einem „Dilemma der gegensätzlichen Geschwindigkeiten“ geführt: „Demnach ist die die Entwicklung der Europäischen Union den Voraussetzungen ihres künftigen Erfolgs und den Bedingungen ihrer Bestandssicherung teilweisevorausgeeilt“ (ebd.). Diese müssen sich „zu einem Teil erst noch in langfristigen und unkalkulierbaren Prozessen supranationaler kollektiver Identitätsbi
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