Intrigen & Rache des Gutsherrn - Clemens Jainöcker - E-Book

Intrigen & Rache des Gutsherrn E-Book

Clemens Jainöcker

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Beschreibung

Clemens Jainöcker erzählt in seinem Roman "Intrigen & Rache des Gutsherrn" eine Beziehungsgeschichte auf Gut Reichental. Die klangvollen Protagonisten Christoph von Föhrenwald und seine Freundin Delia Agatakis werden zu Hauptfiguren. Der Gutsherr sein Vater, Bernhard von Föhrenwald, tröstet die ungarische Adelige Christine von der sich Christoph getrennt hat und als sie von ihm schwanger wird, will er seinen Sohn zum Kindesvater erkoren, womit die Intrigen, Lügen und Affären beginnen. Bernhard, der Lebemann und Gönner finanziert seine teuren Reisen und Feste mit bis zu 40 Freunden, indem er Gelder veruntreut. Als die Machenschaften auffliegen und sein Sohn das Gut übernimmt sucht er nach Rache. Alle Personen auf dem Gut tragen dazu bei, dass die unterschiedlichen Motiven einen amüsanten Spannungsbogen zwischen Intrigen und Rache die Leser von der ersten Seite an fesseln.

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EPUB
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Seitenzahl: 702

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Clemens Jainöcker

Intrigen & Rache des Gutsherrn

Impressum

© 2019 Clemens Jainöcker

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Personen, Ort und Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig. Impressum

Der Inhalt des Romans spiegelt die Gedankenwelt des Autors wieder. Damit sind auch sämtliche Personen sowie ihre Identität frei erfunden, ebenso die Dialoge. Der Guts-Name „Gut Reichental“ sollte dem Luxus seiner Ideen gerecht werden und ist frei erfunden und kommt vom „Reich“ und sein Gut liegt im “Tal“. Damit ist auch der Inhalt des Romans sein geistiges Eigentum und es unterliegen ihm sämtliche Urheberechte.

Der Autor

Clemens Jainöcker A-1100

Eigentümer der Domaine www.clemens-jainöcker.at:

Vorwort

Als die Gutserbin Isabell ihrem Vater, Magnus von Reichental, gegenüber durchsetzt, Bernhard von Föhrenwald zu heiraten, ist es auf Gut Reichental vorbei mit dem geregelten und beschaulichen Leben. Nicht lang nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Christoph sucht der neue Gutsherr sein Vergnügen immer öfter außerhalb der Gutsmauern und verbirgt die hohen Kosten dafür viele Jahre erfolgreich vor seiner Frau.

Die Ereignisse spitzen sich zu, als sein Sohn sich von seiner Kurzzeitfreundin Christine von Könytvar trennt und Bernhard als ihr Tröster auftritt sowie unverhohlen seine Ablehnung gegenüber der neuen Frau an Christophs Seite, Delia Agatakis, zum Ausdruck bringt.

Unvorhergesehenes ereignet sich in weiterer Folge.

Wer ist der Vater von Christines Tochter Ines?

Ist Verena Schimmelpflug tatsächlich Bernhards außereheliche Tochter?

Und sind die Zwillingsschwestern Karoline und Grete die Halbschwestern von Isabell?

Was führt der geschasste Gutsverwalter Konrad im Schilde?

Was treibt Christine in Italien und wer begegnet ihr dort?

Welche Rolle spielt Rüdiger von Hagenberg?

Was verbindet Christoph und Esmeralda?

Und was sollen wir von DDr. Julius Habenichts halten?

Aber das sind längst nicht alle Fragen, die sich auftun und im Verlauf der Geschichte beantwortet werden.

Weitere einprägsame Charaktere beeinflussen die Geschehnisse auf Gut Reichental. Diese verzweigte Figurenkonstellation gibt der Geschichte ihre Dynamik. Wir begleiten die Akteure bei ihren Freuden und in ihrem Kummer, erleben sie in leidenschaftlichen Dialogen und tauchen ein in die Tiefe ihrer Gedankengänge.

Über den Autor

1939 in Baden bei Wien geboren. Kaufmännische Ausbildung. Ab 1971 im Bundesdienst tätig. 1999 Übertritt in den Ruhestand. Im Juni 2000 Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich.

Seit frühesten Jahren Talent und Leidenschaft für das Zeichnen und Malen. Später Mitglied einer Band als Bassist. Seit dem Eintritt in den Ruhestand vermehrt schriftstellerische Tätigkeit.

Constantin und die Frauen, Novum Verlag 2008, siehe Anhang; Katjas amouröse Abenteuer, Tredition 2018, Leseprobe; Homepage: http://www.clemens-jainɆcker.at/

Wie jeden Wochentag entstieg Christoph von Föhrenwald an einem wunderschönen Junitag des Jahres 1970 dem Regionalzug. Dieses Mal erweckte ein weißer Hut mit breiter Krempe, unter dem schwarze Locken zu sehen waren, seine Aufmerksamkeit. Sein Blick wanderte tiefer - ein weißes Sommerkleid und wunderschöne Beine, welche in weißen Pumps endeten, boten sich seinem Auge. Wer ist diese Frau? Christoph konnte sich nicht erinnern, sie jemals zuvor gesehen zu haben. Man kannte die Reisenden, die um diese Zeit aus dem Zug stiegen. Er folgte der Unbekannten, die einen kleinen Koffer trug und ihre Schritte zum Taxistand lenkte, wo eben der letzte Wagen wegfuhr.

Christophs Neugierde war geweckt, er näherte sich. Augenblicke später stand er einer wunderschönen, rassigen Frau gegenüber, die etwas ratlos wirkte.

„Entschuldigen Sie, dass ich Sie anspreche, ich sah das letzte Taxi gerade wegfahren. In der Regel dauert es mindestens 30 bis 40 Minuten bis wieder eines den Standplatz anfährt. Er wird nur frequentiert, wenn ein Zug hält.“

„Gibt es denn keinen Bus, mit dem ich auf den Hirschentanz gelangen kann?“

„Doch, in einer Stunde, dann müssten Sie von der Haltestelle noch 20 Minuten bergauf gehen. Der Bus, der den Hirschentanz direkt anfährt, geht erst in zwei Stunden.“

„Das klingt nicht sehr verlockend“, antwortete die Unbekannte ziemlich genervt.

„Wenn Sie erlauben? Für Ihr Problem wüsste ich die Lösung."

Zum ersten Mal trafen sich ihre Blicke. Christoph sah die schwarzen Augen in dem scharfkantigen Gesicht und dachte, sie könnte eine Griechin sein.

„Und die wäre?“ fragte sie mit einem entwaffnenden Lächeln.

„Gestatten, Christoph von Föhrenwald. Ich arbeite auf dem Gemeindeamt, zu dem auch der Hirschentanz gehört, ich befinde mich auf dem Heimweg.“ Christoph wunderte sich, wie leicht ihm diese Lüge über die Lippen kam. „Wenn Sie sich mir anvertrauen, könnten wir zu meinem Wagen gehen, er steht unter der großen Linde.“

„Kennen Sie auch den Weg zur Pension der Familie Gruber?“

Christoph war erleichtert, das Schicksal meinte es gut mit ihm. Er kannte die Pension und den Weg. „Die Pension liegt auf meinem Weg, es wäre mir ein Vergnügen, Sie dorthin zu bringen“, was im ersten Halbsatz wiederum eine Lüge war.

Soll ich mich ihm anvertrauen? Der Mann sieht gut aus, macht einen sehr gepflegten Eindruck, darüber hinaus hat er eine sonore Stimme. Wie war das, er hat sich als ‚von Föhrenwald‘ vorgestellt? Außerdem arbeitet er auf dem Gemeindeamt - ich denke ich kann mich ihm anvertrauen. „Ich werde Ihr Angebot annehmen.“ Sie reichte ihm die Hand. „Ich bin Delia Agatakis.“

Christoph öffnete ihr die Wagentür, nahm den Koffer, verstaute ihn, setzte sich ans Steuer und lenkte den Wagen zur Ausfahrtsstraße. Er frohlockte. Die Unbekannte saß tatsächlich neben ihm. ‚Delia‘ passt zu ihr, sie sieht aus wie eine griechische Göttin, der Duft, den sie verströmt, erinnert mich an Chloe. „Werden Sie länger in der Pension verweilen?“

„Ich denke, einige Tage, da ich einen geschäftlichen Termin wahrnehmen muss.“ Seine Frage, wie lange ich bleibe, lässt vermuten, dass Christoph von Föhrenwald an mir interessiert ist. So wie dieser Mann aussieht, kann man schon schwach werden. Aber alles zu seiner Zeit. Ihre Gedanken wurden von Christoph unterbrochen.

„Dass Sie Termine haben, finde ich schade, gerne hätte ich Ihnen die Schönheiten unserer Gegend gezeigt: einen sehr idyllischen Waldsee oder das kleine Ausflugslokal mit dem wundervollen Fernblick. So wie es aussieht, kann ich nur davon träumen, Ihnen meine Heimat zu zeigen.“ Aber schnell aufgeben ist nicht meine Art. In seine Gedanken hinein hörte Christoph: „Wieweit ich tatsächlich gebraucht werde, das könnte ich abklären.“

„Sollten Sie heute noch allein sein und eventuell Lust haben, mit mir eine Vernissage zu besuchen, so würde ich Sie gern gegen 18 Uhr abholen. Es wäre mir eine Freude, wenn Sie mich begleiteten. Sie nicht mehr zu sehen, würde mir sehr leid tun.“

„Zeit hätte ich, meinen Besuch erwarte ich erst morgen.“ So wie er mich immer von der Seite ansieht und nichts unversucht lässt, zeigt mir mal wieder, wie sehr ich auf Männer wirke, aber die wenigsten haben den Mut mich anzusprechen. Dieser Mann ist eine Ausnahme, vielleicht sollte ich seine Einladung annehmen, mit ihm kann man sich durchaus sehen lassen. Dass sich mein Verleger gerade hier mit mir treffen möchte, um über mein Manuskript zu sprechen, könnte ein Wink des Schicksals sein. „Sie wohnen in einer schönen Gegend. Hier kann sich das Auge an den Bergen, Wäldern und den gepflegten Feldern erfreuen. Ist Ihnen das bewusst? Oder sehen Sie das nicht mehr, da es für Sie alltäglich ist, wo Sie doch hier wohnen?“

„Für mich nicht. Ich liebe meine Heimat, ich weiß wie schön es hier ist.“ Christoph steuerte den Wagen auf eine nicht asphaltierte Waldstraße.

„Wohin fahren Sie mit mir?“ fragte Delia etwas irritiert. In diesem Augenblick erreichten sie eine Lichtung und vor ihnen lag die Pension.

„Das ist aber ein verträumter Platz, hier kann man die Seele baumeln lassen. Danke, dass Sie mich hergebracht haben. Wie findet man als Ortsunkundiger hierher?“

„Wenn Sie mit dem Bus gekommen wären - die Haltestelle ist genau dort, wo wir in den Wald eingebogen sind. Bin eventuell ich schuld, dass Sie abgelenkt waren?“

„Nun, Herr von Föhrenwald, so ganz unschuldig sind Sie nicht. Sie haben sich angeboten mich mitzunehmen, haben gleichzeitig versucht, sich mit mir zu verabreden, laden mich zum Besuch einer Vernissage ein und würden am liebsten meine Tage verplanen. Dass ich da etwas abgelenkt bin, ist wohl verzeihlich. Sie haben eine ungemein charmante Art, Ihre Wünsche in Worte zu verpacken und Ihrem Lächeln zu widerstehen ist nicht leicht. Auf der anderen Seite war ich schon sehr verwirrt, als Sie von der Straße in den Waldweg eingebogen sind.“

„Es tut mir leid, wenn Sie deswegen verunsichert waren. Nun muss ich Ihnen etwas gestehen. Ich arbeite nicht auf der Gemeinde, sondern in der Bezirksstadt. Zu dieser Pension war es ein kleiner Umweg. Ich wohne hinter dem Wald. Sie zwangen mich zu dieser Notlüge. Sie wären doch nie in mein Auto gestiegen? Vielleicht war es Schicksal, dass sich unsere Wege kreuzten. Alles andere ist die reine Wahrheit. Meinen Besuch bei der Vernissage habe ich schon angekündigt, wusste aber nicht, dass ich mit einer so reizenden Dame dort erscheinen werde. Ich hoffe, Sie verzeihen mir und nehmen die Einladung trotzdem an?“

„Darüber werde ich nachdenken. Reichlich Zeit habe ich ja bis Sie mich abholen“, und sie reichte Christoph mit den Worten: „Nennen Sie mich Delia“, die Hand. Eigenartig, auch Christoph spricht vom Schicksal.

Der Händedruck war fest und ihr Lächeln verzauberte Christoph. Er küsste ihre Hand, nahm den Koffer aus dem Wagen, wollte ihn zur Pension tragen.

„Danke, das werde ich hoffentlich ohne Ihre Hilfe schaffen. Auf Wiedersehen, Herr von Föhrenwald.“

„Nicht so förmlich, ich heiße Christoph und freue mich auf den Abend mit Ihnen.“

Winkend ging sie auf den Eingang zu.

Wird sie die Einladung zur Vernissage annehmen? Hätte ich warten sollen? Zweifel kamen ihm, ob er nicht mit dem Geständnis zu voreilig gewesen war. Bei all seinen Gedanken war ihm gar nicht bewusst, dass er bereits die Landstraße verlassen hatte und die Allee, welche zum Gut führte, entlangfuhr. Die ersten Weide- und Pferdekoppeln, die Stallungen, Wagenremisen sowie die kleinen ebenerdigen Wohnhäuser mit den Dachspeichern hatte er eben passiert. Nun fuhr er die Steinmauer entlang, welche den Park samt dem Gutshaus umfriedete, um beim Tor anzuhalten. Josef öffnete das Tor, als er Christophs Wagen erblickte. Es war Großvaters Idee gewesen, dass der Stallmeister, der auf dem Gut wohnte und sich auf Grund seines Alters zurückziehen durfte, die Aufgabe bekam, das Tor zu bewachen. Außer der Familie und dem Personal hatte niemand Zutritt.

Christoph fuhr durch den Park, am imposanten Gutshaus vorbei, das mit der Längsseite nach Süden ausgerichtet war. Er durchfuhr das angrenzende Waldstück, ließ den Wagen am Kiesplatz vor seinem Anwesen ausrollen und war mehr als verblüfft, Christine zu sehen. Was will sie hier? Wieso kann sie nicht akzeptieren, dass es zwischen uns aus ist? Vor nicht ganz zwei Jahren hatte er Christine anlässlich der Eröffnung des Autosalons der Familie Müller, welcher außer Christophs Lieblingsmarke Jaguar ebenso Maserati und Chevrolet zum Verkauf anbot, kennen gelernt. Sie hatte sich unter den erlesenen Gästen befunden und wurde ihm damals als Bekannte von Carolin, der Schwester seines langjährigen Freundes Stephan Müller, vorgestellt. Christine war eine sehr adrette, intelligente junge Frau. Wie sich jedoch schon bald herausstellte, litt sie unter einer regelrechten Kaufsucht und konnte von Partys nicht genug bekommen, was letztlich zur Trennung führte. Mit einer solchen Lebenseinstellung kam Christoph nicht klar. Sie hingegen wollte dies nicht akzeptieren. In Gegenwart seiner Eltern, besonders bei seinem Vater, spielte sie nach wie vor das ‚brave‘ Mädchen, welches unsterblich in den Sohn verliebt war. Seine Mutter war mit der Trennung einverstanden gewesen, doch von seinem Vater wurde sie nach wie vor als zukünftige Herrin favorisiert. Bernhard von Föhrenwald war mit den bisherigen Bekanntschaften seines Sohnes nie einverstanden gewesen. Christine wäre die richtige Frau für ihn, stammte sie doch aus einer ungarischen Adelsfamilie. Sein Vater legte auf Titel und Herkunft größten Wert, was sich bei seinen Freunden widerzuspiegeln hatte. Christine wiederum verstand es blendend, Bernhard das Gefühl zu geben, dass sein Sohn der Richtige wäre.

Als Christoph aus dem Wagen stieg, fiel ihm Christine stürmisch um den Hals. „Liebling, ich musste kommen. Heute ist dein großer Tag. Du stellst das erste Mal deine Bilder aus, da gehöre ich an deine Seite.“

„Christine, ich kann mich nicht erinnern dich eingeladen zu haben. Es ist aus zwischen uns, begreif das endlich. - Übrigens, wie war es in Salzburg?“

„Danke, wunderbar.“

„Deine Unverfrorenheit empfinde ich gelinde gesagt nicht nur als eine Frechheit, sondern sie grenzt an kriminelle Handlungen. Erst gestern habe ich die Rechnungen jener Geschäfte aus Salzburg erhalten, wo du ohne meine Erlaubnis auf meinen Namen eingekauft hast. Es ist aus zwischen uns. Kapier‘ das endlich!“

„Na und! Du wusstest doch, ich hatte Geburtstag. Nicht einmal einen Anruf war ich dir wert. Geschweige denn, dass du mich beschenkt hättest. Also musste ich mich, natürlich in deinem Namen, beschenken.“

„Christine, ich hatte keinen Grund dich anzurufen, und warum sollte ich dir etwas schenken, wo du nicht mehr meine Freundin bist.“

„Aber du bist meiner, lass uns ins Haus gehen, ich hab für uns gekocht.“

„Christine, ich habe dir doch den Schlüssel für mein Haus abgenommen.“

„Na und, Gundi hat die Terrassentüre offen gelassen.“

„Christine, du bist unverschämt, nimm deine Sachen und verlass augenblicklich mein Haus.“

„Dass du das wirklich willst, das glaub ich dir nicht. Ich weiß doch, dass du seit dem wir angeblich Schluss gemacht haben, keinen Sex hattest. Es kennt dich Keine so wie ich. Du selbst hast behauptet, der den du mit mir erlebst, ist absolut das Schärfste. Komm! Treiben wir es gleich auf der warmen Motorhaube.“ Und schon lag sie darauf, den Rock hochgeschoben, die Beine gespreizt, das Ende ihrer Strümpfe und ihre nackte Scham raubten ihm die Sinne. Sie wusste, wie sie ihn aus der Reserve locken konnte, doch Christoph blieb eisern.

„Christine, lass das, es ist aus, verschwinde. Du siehst, ich kann dir widerstehen“, und er ließ sie stehen und ging zu seinem Haus. Er hatte kaum die Haustüre geöffnet, da war sie schon bei ihm, kniete sich vor ihn und griff nach seinem Gürtel. Christoph entwand sich ihren Armen und flüchtete in sein Arbeitszimmer, welches er hinter sich zusperrte. Er war aufgewühlt, seine Hose spannte und er musste sich eingestehen, dass ihn ihre Art nach wie vor faszinierte. Hatte sie es doch immer wieder verstanden ihn, teils an ungewöhnlichen Orten, zum schnellen Sex zu verführen. Christoph war mit sich zufrieden, denn er hatte ihr widerstanden. Er wusste, auf ihre Spielchen sollte er sich nicht mehr einlassen.

*

Delia betrat die Pension und wurde von einer älteren Dame mit einem herzlichen „Grüß Gott!“ willkommen geheißen.

„Ich freue mich, Frau Agatakis, Sie persönlich kennen zu lernen, mein Neffe hat Sie schon angekündigt“.

„Ebenfalls einen wunderschönen guten Tag, Frau …?“ Waldmüller, habe Ihnen das schönste Zimmer, mit Blick auf die Felder und Berge, gerichtet. Es liegt gegen Südwest, so haben Sie auf Ihrem Balkon den ganzen Tag Sonne.“ Frau Waldmüller blickte dabei auf die riesige Standuhr im Raum und stellte fest: „Frau Agatakis, wer hat Sie hergebracht, der Bus kommt doch erst in zwei Stunden.“

„Zum Glück habe ich Herrn Christoph von Föhrenwald kennen gelernt, der ebenfalls mit dem Zug ankam und mich liebenswürdigerweise mitnahm.“

„Den Christoph haben Sie kennen gelernt? Der war sicher wegen seiner Bilderausstellung in der Bezirksstadt.“

„Wie bitte, seiner Bilderausstellung?“

„Alle sind schon gespannt auf seine Kunst, denn um das Gut kümmert er sich nicht, obwohl er mit 31 Jahren und seiner Ausbildung alt genug wäre. Umso größer ist die Neugierde auf den malenden Christoph. - Kommen Sie, ich zeige Ihnen das Zimmer.“ Sie stiegen die knarrenden Holzstufen hinauf.

Sehr interessant, er will mit mir nicht zu irgendeiner Vernissage gehen, nein, der Künstler selbst hat mich eingeladen.

„Hier wäre Ihr Zimmer.“ Frau Waldmüller sperrte mit den Worten auf: „Ab 19 Uhr gibt es Abendessen und ab sieben Uhr Frühstück. Beim Frühstück sollten Sie sich entscheiden, was Sie zum Abendessen möchten, es stehen fünf verschiedene Speisen zur Auswahl und alle werden frisch zubereitet“, und gab Delia den Schlüssel.

„Frau Waldmüller, heute brauchen Sie sich keine Gedanken wegen meines Abendessens machen, mich holt Herr von Föhrenwald ab. Er hat mich zu seiner Vernissage eingeladen“. Sie betrat das Zimmer. Es war hell, freundlich, das Mobiliar teils antik, Teppiche und Vorhänge aufeinander abgestimmt, was einen sehr wohnlichen Eindruck machte.

So ist das also, mein Verleger ist der Neffe, deshalb hat er sich hier mit mir verabredet. Er könnte natürlich damit spekulieren, dass ich hier die nötige Ruhe habe, um an meinem Roman weiter zu arbeiten. Ob er sich da nicht getäuscht hat, denn ich habe meine Reiseschreibmaschine mit Absicht nicht mitgenommen. Zurzeit möchte ich etwas ausspannen.

Später ging sie in das Badezimmer, um sich frisch zu machen. Welche Geheimnisse werden noch zu Tage kommen, wenn ich mich später mit Christoph treffe? Sie wählte ein rotes Seidenkleid und betrachtete sich zufrieden im Spiegel.

*

Christoph hatte sich beruhigt, ging in die Küche, traf aber Christine nicht an. Wo war sie? Vielleicht drüben bei den Eltern, im Gutshaus. Sie gibt nicht so leicht auf. Er konnte sie auch in den anderen Räumen nicht finden, und in seinem Schlafzimmer war ihr Köfferchen nicht zu sehen. Christoph stellte sich unter die Dusche und überlegte. Was soll ich tun? Ich muss die Probleme mit Christine in den Griff bekommen. Das warme Wasser ließ das Bild wieder vor seinem Auge erscheinen, wie sie gerade vorhin auf dem Auto gelegen hatte. Er konnte sich nicht beruhigen, so dass er Abhilfe schaffen wollte und das Wasser kälter drehte. Da wurde der Duschvorhang beiseite geschoben. Christine, nur mit einem seidenen Hemdchen bekleidet, drängte ihn an die Wand, ergriff seine Lust, küsste seine Brust und sagte: „Komm, fick dein ungehorsames Mädchen.“ Sie wusste, solche Sprüche machten ihn scharf. Christoph schoss ein einziger Gedanke durch den Kopf. Sie ist und bleibt ein berechnendes, raffiniertes Luder. Und dennoch konnte er der Versuchung nicht widerstehen, drehte sie um, umklammerte ihre Mitte, drückte ihren wohl geformten Po an seine heißen Lenden. Es war ein wildes Nehmen und Geben, bis sie keuchend voneinander abließen.

„Christoph, heute wirst du mich in dem Dirndl sehen, welches ich mir in Salzburg gekauft habe. Es ist ein Teil deines Geburtstagsgeschenks. Ich verzeihe dir, denn vor lauter Vorbereitungen für deine Ausstellung hast du auf meinen Geburtstag vergessen.“

„Ich hatte keinen Grund daran zu denken, musste aber die Rechnungen bezahlen. Warum lässt du mich nicht in Ruhe, ich will mit dir nichts mehr zu tun haben und für heute habe ich schon eine Begleitung.“

„Jetzt hör aber auf, eben konntest du nicht genug von mir bekommen.“

„Das will ich nicht bestreiten. Es muss dir aber bewusst sein, dass der Sex allein die fehlende Liebe nicht ersetzen kann.“

„Christoph, du lügst! So wie du mich eben gefickt hast, das kann nicht geheuchelt sein, du liebst mich.“

„Du verwechselst Lust auf Sex mit Liebe. Es war reine Begierde, die allein ist keine Basis für ein gemeinsames Leben. Wie schon erwähnt, ich gehe ohne dich zur Vernissage.“

„Das kannst du nicht machen, was werden die Leute sagen, wenn sie mich nicht an deiner Seite sehen?“

„Christine, meine Freunde und Bekannten wissen, dass ich mich von dir getrennt habe.“ „Ich mich aber nicht von dir, ich liebe dich.“

„In erster Linie liebst du mein Geld und meine Großzügigkeit, aber von Liebe war nie die Rede. Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit, aber die große Liebe war es nicht, das weißt auch du.“

„Christoph, wie kannst du das sagen? Ich bin doch dein Ein und Alles. Erinnere dich, das sind deine eigenen Worte.“

„Christine, ich habe jetzt keine Zeit, wir haben über all das schon so oft gesprochen, aber du willst die Trennung nicht akzeptieren.“ Er drehte sich um und ging in seinen Ankleideraum.

*

Als Delia im Gastgarten an ihrem Cappuccino nippte, sah sie wie der Jaguar von Christoph aus dem Wald auftauchte. Er winkte ihr zu, ließ den Wagen ausrollen, stieg aus und schritt mit einem charmanten Lächeln auf ihren Tisch zu.

„Ein ganz herzliches Grüß Gott. So bezaubernd wie Sie in diesem Kleid aussehen, lässt mich hoffen, dass Sie meine Einladung annehmen.“

„Es freut mich, dass Sie mit der Wahl meines Kleides einverstanden sind, wo mich doch der Künstler zu seiner eigenen Vernissage eingeladen hat. So ist es doch, Herr von Föhrenwald?“

Christoph wollte etwas erwidern, Delia hob jedoch die Hand. „Ich bin mir dieser Ehre sehr bewusst, frage mich aber, ob Sie mit der Einladung nicht andere Menschen vor den Kopf stoßen. Haben Sie sich das gut überlegt? Ich bin Ihnen nicht böse, wenn Sie meine Bedenken umstimmen. Es ist doch Ihr Tag! Das Erscheinen mit einer Unbekannten wird in Ihrem Bekanntenkreis für Aufsehen sorgen.“

„Delia, all das ist mir bewusst, aber es geschah nicht aus einer Laune heraus. Es war die Angst, dieses bezaubernde Wesen, welches in mir ein Gefühlschaos ausgelöst hat, nicht an meiner Seite zu wissen. Darf ich bitten?“ Er reichte ihr die Hand, küsste die von ihr dargebotene und führte Delia zum Wagen.

Christoph von Föhrenwald wurde von der Besitzerin der Galerie schon mit Sehnsucht erwartet, denn es waren schon viele, zum Teil auch neugierige, Gäste anwesend.

„Wo bleibst du? Komm!“

„Warte, Barbara, darf ich dir Delia, eine liebe Freundin, vorstellen?“ Die Frauen reichten einander die Hände und zu Christoph gewandt meinte Barbara: „Wie ist es dir gelungen, diese Frau solange vor uns zu verstecken?“ Für Erklärungen war keine Zeit, sie durchschritten das Büro, Barbara öffnete eine Tapetentür und schon drangen Stimmen aus dem anschließenden Raum. Barbara ergriff das Mikrophon und ersuchte die Anwesenden um ihre Aufmerksamkeit: „Liebe Freunde der Kunst, es ist mir ein besonderes Vergnügen, Ihnen den Maler dieser phantastischen und ausdrucksvollen Bilder, Christoph von Föhrenwald, vorzustellen.“ Applaus erfüllte den Raum. Nun war es an Christoph, einige Worte zu sagen. Er erzählte, dass er sich zum Leidwesen seiner Eltern seit seiner Kindheit ausgiebig mit Zeichnen und Malen die Zeit vertrieb. Nach dem Studium der Agrar- und Betriebswirtschaft hatte er einige Jahre im Ausland auf verschiedenen Gütern gelebt, um sein Wissen in der Praxis zu erproben. „Daher werden Sie Motive finden, die nicht nur unsere Heimat zeigen. Die Bilder, die hier ausgestellt sind, wurden in all diesen Jahren gemalt. Nach dem Tod meines geliebten Großvaters, der der Einzige war, welcher meine Bilder kannte, wurde ich auf unserem wunderschönen Gut sesshaft und erfüllte mir den Traum eines Ateliers. Barbara, die Galeristin, hatte bei einem Besuch einige meiner Bilder entdeckt und überredete mich zur Ausstellung. Ich danke für Ihr Interesse und Ihr zahlreiches Erscheinen. Nun stehen Barbara und ich zu Ihrer Verfügung.“

Christophs Augen suchten Delia. Sie war, seitdem sie den Raum betreten hatten, wie vom Erdboden verschwunden. Als Barbara das Mikrophon ergriffen hatte, benutzte Delia die Gelegenheit, sich unter die Besucher zu mischen. Mit einem Glas Sekt in der Hand betrachtete sie Christophs Bilder. Christoph hat mit keinem Wort erwähnt, eine besondere Ausbildung genossen zu haben. Er hat ein gutes Auge fürs Detail und dennoch sind seine Landschaftsbilder mit einer gewissen Naivität gemalt. Ein Bild gefiel Delia besonders. Es zeigte auf einem abgemähten Getreidefeld immer größer werdende Getreidemanderln, jenes im Vordergrund beherrschte nahezu völlig das Bild. In seinem Schatten standen Körbe mit Speisen sowie zwei Mostbluzer. Damit der Most in den riesigen, ovalen Flaschen kühl blieb, waren sie mit dicken, geflochtenen Sisalschnüren ummantelt. Das Muster erinnerte an eine Häkelarbeit. Die Ähren der Getreidegarben glänzten im Sonnenlicht. Das ganze Bild war eine Symphonie von Gelb- und Goldtönen, nur in der Ferne war ein lichtgrüner Windschutzgürtel zu sehen, der den sommerlichen Himmel begrenzte. Delia fand, dass Christoph seine Bilder mit den Farben zum Leben erweckte. Sie lauschte den Gesprächen der Besucher und war nicht verwundert über das positive Echo.

Christoph versuchte, zu Delia vorzudringen, wurde aber immer wieder in Gespräche verwickelt, sodass sie nur Blicke tauschen konnten.

Delia fiel eine blonde, junge Frau im Dirndlkleid auf, die Christoph für sich allein haben wollte, wobei diese seine abweisenden Reaktionen ignorierte. Delia beobachtet einige Zeit das Geschehen und stellte fest, dass sich die junge Frau sehr aufgeregt mit einem älteren Ehepaar unterhielt. Der Mann trug einen eleganten Jagdanzug und die Frau an seiner Seite ein wunderschönes Dirndl aus Seide. Nun legte der Mann sehr vertraut seinen Arm um die junge Frau, was den Eindruck machte, er würde ihr Trost zusprechen. Es schien, als wäre seiner Begleitung diese Vertraulichkeit unangenehm, sie wandte sich ab.

Christoph hatte es endlich geschafft. Seine ersten Worte waren: „Delia, Sie machen ganz schön Furore. Alle fragen mich, wer die schöne, geheimnisvolle Dame ist, die mit mir durch die Tapetentür gekommen ist.“

„Und was hat der begehrte Künstler geantwortet?“

„Es war das Schicksal, welches unsere Wege zusammenführte. Ich habe sie festgehalten, damit sie mir nicht entschwebt, bevor ich sie näher kennen lerne.“

„Damit haben Sie aber die Neugierde umso mehr geweckt. Christoph erklären Sie mir, wer die junge Dame ist, die Sie hartnäckig verfolgt hat und nun bei dem Ehepaar steht.“

„Das, Delia, ist Christine, ich betone, eine - ehemalige - Freundin, und sie unterhält sich mit meinen Eltern.“

Kaum waren die Worte ausgesprochen, da kam die junge Dame schon auf beide zu. „Christoph, ich gratuliere dir“, hakte sie sich sehr Besitz ergreifend unter und drückte sich an ihn. „Eine wundervolle Vernissage! Hast du schon gesehen, wie viele Bilder einen Punkt haben? Ich wusste immer, du bist ein Genie. Ich hoffe, du beteiligst mich an deinen Einnahmen, denn ich habe viele Nächte allein im Bett zubringen müssen, weil du lieber im Atelier warst als mir deine Liebe zu beweisen.“ Bei diesen Worten warf sie Delia einen triumphierenden Blick zu. Christoph befreite sich mit den Worten: „Christine, darf ich bekannt machen. Delia, meine Begleitung, und nun sei so nett und lass uns allein.“

In diesem Moment kam Barbara auf Christoph zu: „Komm, ich will dich dem Kommerzienrat Klause vorstellen“, und beide verschwanden in der Menge.

Ein giftiger Blick traf Delia und schon sprudelte es aus Christines Mund hervor: „Christoph von Föhrenwald ist mein Verlobter, ich bin eine ungarische Adelige, und was sind Sie?“

Delia blickte der sehr aufgebrachten Christine ins erhitzte Gesicht und sagte: „Ich bin seine heutige Begleitung, falls Sie das überhört haben sollten“, drehte sich um und ging. Schon wurde sie am Ärmel zurückgehalten. „Sie bilden sich doch nicht ein, dass Sie die geringste Chance haben. Er kann ohne mich nicht sein, auch wenn er es versucht. Seine Eltern lieben mich und stehen voll hinter der Verlobung.“ Delia antwortete mit einem außergewöhnlich charmanten Lächeln: „Um mir das zu sagen, müssen Sie mich festhalten? Wenn Sie sich so sicher sind, was soll dann der verzweifelte Versuch, mir Christoph auszureden? Glauben Sie wirklich, dass ich deswegen auf die Gesellschaft des Herrn von Föhrenwald verzichte?“ Sie wandte sich ab, und ließ Christine mit vor Zorn verzerrtem Gesichtsausdruck stehen.

Barbara schlug vor, noch zu Giorgio, dem Italiener, zu gehen, um auf Christophs erfolgreiche Ausstellung anzustoßen. Umgeben von seinen Freunden, saß Delia an Christophs Seite. Christine hatte bis zuletzt um diesen Platz gekämpft. Sowohl von Barbara als auch von Christophs Freunden wurde ihr klargemacht, dass sie in dieser Runde nicht erwünscht war. Delia dagegen wurde sofort von seinen Freunden akzeptiert, was zur Folge hatte, dass sie sich wohl fühlte. Christoph war ganz euphorisch angesichts der Tatsache, dass seine Bilder solchen Anklang gefunden hatten. Seine Freunde waren voll des Lobes, denn auch sie hatten die Bilder nicht gekannt.

Christoph brachte Delia zu ihrer Pension, wo er ihr für die reizende Gesellschaft dankte und sich mit Handkuss verabschiedete. Als er zum Wagen gehen wollte, kam Frau Waldmüller aus ihrer Pension und fragte: „Kann ich Ihnen zu Ihrer Ausstellung gratulieren, Herrn von Föhrenwald?“

„Das können Sie, danke, Frau Waldmüller.“

„Wollen Sie schon fahren? Es ist ein so schöner lauer Abend. Ich könnte mir vorstellen, viel Zeit zum Plaudern mit Frau Agatakis hatten Sie bis jetzt nicht. Ich bringe Ihnen gerne noch etwas zum Trinken.“

Christoph fragte Delia: „Was halten Sie davon oder wollen Sie schon schlafen gehen?“

„Ich hätte nichts dagegen, wenn wir noch ein wenig plaudern. Allein waren wir wirklich nicht und wenn Sie in den nächsten Tagen mein Fremdenführer sein möchten wäre das eine gute Gelegenheit uns näher kennen zu lernen. Außerdem, über Christine will ich schon Genaueres wissen.“ Frau Waldmüller brachte einen Krug Zitronenlimonade und sie saßen bis lange nach Mitternacht beisammen.

„Stimmt meine Vermutung, dass Sie griechischer Abstammung oder sogar Griechin sind, Delia? Der Name Agatakis ist doch griechisch?“

„Auch mein Vorname. Ich habe eine italienische Mutter und einen griechischen Vater. Das Verhältnis zu meinen Eltern war etwas getrübt, denn ich sollte wie mein Vater Arzt werden oder Dolmetscherin wie Mutter. Ich ging meinen eigenen Weg, der von ihnen nicht gut geheißen wurde. Also verließ ich bald das Elternhaus, wohnte in einer Wohngemeinschaft und studierte Journalistik. Leider sind meine Eltern vor sechs Jahren verunglückt. Ich vermisse sie sehr.“

Es war der Augenblick des sich näher Kennenlernens. Christoph erzählte von seiner Arbeit auf den Gütern und dies mit so viel Freude, dass sich vor Delias Augen die Szenen in all ihren Facetten und Farben ereigneten.

„Ich stellte bald fest, nicht unter meinem Vater arbeiten zu können, also bewarb ich mich beim Ministerium für Landwirtschaft. Es wurde mir in der Bezirkstadt eine Stelle angeboten, die mir erlaubt viel unterwegs zu sein. Eine reine Büroarbeit hätte ich nie angenommen, und nun bin ich viel in unserer Heimat unterwegs. Der Bahnhof liegt gegenüber meiner Arbeitsstelle. Im Zug kann ich bequem Zeitung lesen oder Notizen über das Tagesgeschehen anfertigen.“

Christoph fand immer wieder Gelegenheit, mit Delia zu flirten und das eine oder andere Mal ruhte seine feingliedrige Hand auf der ihren. Sie empfand diese Momente als sehr angenehm. Delia erzählte von ihrem Traum, Schriftstellerin zu werden, wofür sie schon seit der Schule fleißig geübt hatte. Ob Taufen, Geburtstage, Hochzeiten, immer fand sie einen Anlass, eine kurze Geschichte zu schreiben. Über Christine hatte sie an diesem Abend nichts erfahren, jedoch sprach Christoph zum Abschied eine Einladung aus, die sie freute.

„Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie mit mir morgen auf meiner Terrasse frühstücken. Wann immer es Ihnen Recht ist, ich werde Sie abholen. Danach könnten wir, wenn es Ihre Zeit erlaubt, gemeinsam ausreiten. Entschuldigen Sie, ich habe gar nicht nachgefragt, ob Sie reiten können.“

„Keine Sorge, wenngleich ich vielleicht ein wenig aus der Übung bin. Aber Sie wissen, dass ich morgen meinen Besuch erwarte und es wäre unhöflich nicht hier zu sein, wenn er eintrifft. Aber herzlichen Dank für die Einladung. Wie wäre es mit übermorgen, und für einen Ausritt würde ich mir gerne Zeit nehmen.“

„Die Antwort macht mich sehr glücklich, ich hole Sie gegen acht Uhr ab. In Ordnung?“

Beim Abschied hielt Christoph Delias Hand, während er seine Gefühle in Worte fasste: „Delia, Sie wissen gar nicht wie sehr Sie mich mit Ihrer Gegenwart verzaubert haben. Vor mir entsteht ein Bild – wie Sie aus dem Nebel kommen und ich nicht erwarten könnend, um von Ihrer Aura gefangen genommen zu werden.“ Er küsste ihre Hand und wünschte ihr eine gute Nacht.

„Auch Ihnen eine Gute Nacht, Sie kleiner Poet.“

Christophs Gedanken waren bei Delia. Welch eine interessante Frau. Ihrer Ausstrahlung kann man kaum widerstehen. Auf die Idee, dass sie Schriftstellerin ist, wäre ich nie gekommen. Gut möglich, dass ich ihre Romane unter meinen Büchern habe, ich kann mich nicht erinnern, ihr Bild darin gesehen zu haben. Sie hat eine makellose Figur und schöne lange Beine. In dem eng anliegenden Kleid konnte man ihre erotischen Konturen erkennen und ihren wohlgeformten Po bewundern. Was für eine umwerfende Frau! Ich muss unbedingt mehr über sie erfahren. Selbst meine engsten Freunde waren von ihrem Esprit fasziniert und alle waren der Meinung, dass Delia besser an meine Seite passen würde. Mit ihr gäbe es solche Probleme wie mit Christine sicher nicht.

Delia saß am Fenster und blickte auf die riesige Scheibe des Mondes, ihre Gedanken waren bei Christoph. Er ist ein überaus charismatischer Typ. In dem dunklen Rollkragenpullover, den super engen Jeans wirkt er leger, gar nicht wie ein Gutsbesitzer. Vielleicht sollte ich doch einige Tage hier Urlaub machen, um zu sehen, wie sich Christoph weiterhin verhält. Seine charmante Art hat mich ganz schön verwirrt. Ich finde, er hat große Ähnlichkeit mit seiner Mutter, die den Eindruck einer eleganten Dame erweckt. Seinem Vater dagegen sieht man nicht nur aufgrund der Kleidung den Gutsbesitzer an, sondern er repräsentiert diesen Typ förmlich.

Delia liebte seit ihrer Kindheit hügelige Landschaften mit ihren gepflegten Feldern, Wiesen und Wäldern. Die Windschutzgürtel mit den Fliederbüschen und die vereinzelten Bäume im Gelände prägen diese Landschaft zu jeder Jahreszeit. Zu ihren ganz besonderen Erlebnissen zählte, wenn sich die Wiesen im lauen Sommerwind bewegen und die Grashalme ihren eigenartigen Klang erzeugen. Wenn Schmetterlinge lautlos über den Grashalmen tanzen, wird Stille hörbar. Solche Augenblicke werde ich in den nächsten Tagen hier erleben und neue Energie aus der Natur tanken. Ich würde mich freuen, wenn ich es mit Christoph genießen könnte. Ich finde es so wertvoll einem Menschen begegnet zu sein, der die Natur ebenso liebt wie ich.

*

Als Christoph die Terrasse betrat, deckte Gundi, die Haushälterin, gerade den Frühstückstisch.

„Guten Morgen, Herr vom Föhrenwald, darf ich fragen wie Ihre Vernissage verlaufen ist?“

„Danke, Gundi, es war fabelhaft. Wie oft soll ich es noch sagen, es genügt Christoph, wenn wir allein sind.“

„Herr von Föhrenwald, Sie wissen, dass das für mich nie in Frage kommt. Sie sind der Herr von Föhrenwald, wie Ihr Herr Vater. Auch wenn Sie viel Zeit in meinem Reich verbracht haben, als Sie noch klein waren und mit Ihren Wehwehchen zu mir gekommen sind und Trost gesucht haben. Nun hatten Sie Ihre erste, noch dazu erfolgreiche, Vernissage. Ich darf auch ein wenig stolz sein, habe ich doch die Bilder vor Ihren Eltern versteckt.“

„Ich weiß, Gundi, Sie haben immer zu mir gehalten. Sie waren ja auch Großvaters Verbündete. Ich fand es schön, wenn Sie mich mitkochen ließen oder erlaubten, beim Zubereiten so mancher Köstlichkeit, zu helfen. Heute bin froh, dass Sie mich in die Geheimnisse des Kochens und Backens eingeweiht haben.“

Gundi war seit vielen Jahren die Haushälterin auf dem Gut und hatte unbedingt zu Christoph ins Haus wechseln wollen, was man ihr auch gestattete, denn die Einladungen seines Vaters, an denen oft bis zu vierzig der so genannten Freunde teilnahmen, wurden mit der Zeit zu viel für sie. Nun durfte sie Christoph verwöhnen, den sie sehr verehrte.

Christoph hörte Schritte auf dem Kiesplatz. Er wandte den Kopf nach rechts und sah seinen Vater.

„Guten Morgen, Vater, ein seltener Anblick. Darf dir Gundi ein Gedeck bringen? Oder bist du hier, um mir zum Erfolg der Ausstellung zu gratulieren. Ich habe mich übrigens sehr gefreut, dass du mit Mutter dort warst.“

„Christoph, ich bin hier, weil ich wissen will, warum du gestern Christine so behandelt hast und wer die Frau war, mit der du gekommen bist.“

„Vater, du weißt, dass ich mit Christine schon vor einiger Zeit Schluss gemacht habe, leider will sie es nicht akzeptieren. In Salzburg hat sie, auf meinen Namen, größere Einkäufe getätigt, ersuchte aber, mir die Rechnungen zu senden. Ich kann ja kaum juristisch gegen sie vorgehen, solange du ein offenes Ohr für sie hast. Wenn du dich nicht von ihr distanzierst, werde ich die Rechnungen dir zur Begleichung übermitteln. Vater, ich weiß, eine ungarische Adelige wäre für dich die ideale Schwiegertochter, doch sie ist keine. Ich habe mir den Stammbaum angesehen. Sie stammt aus der dritten Generation, weshalb sie das ‚Gräfin von‘ vor ihrem Namen gar nicht verwenden dürfte. Durch die nicht standesgemäße Heirat einer Gräfin ist der richtige Familienname ‚von Rádózcay‘ bereits verloren gegangen, und aus dieser Linie stammt Christine. Ich bin mir sicher, dass sie das weiß und dennoch stellt sie sich gerne als ungarische Adelige vor. - Die Frau an meiner Seite war Frau Agatakis, eine Schriftstellerin. Wie ich dich kenne, wirst du sofort sagen, sie geht ebenfalls einer brotlosen Tätigkeit nach.“

„Mein Sohn, ich habe gestern gemerkt, dass du anscheinend Talent hast, denn es wurden fast alle Bilder verkauft. Auch wir haben ein Bild, die Heuernte, gekauft, da es den Sauwald mit seinen Wiesen darstellt. Du siehst, ich habe mir deine Bilder genau angesehen Mutter will es im großen Esszimmer aufhängen, damit es die Gäste sehen können. Christoph, warum hast du Christine vor allen Leuten so brüskiert? Es war mehr als peinlich mit anzusehen, wie du mit ihr umgegangen bist. Mag sein, dass sie über ihre finanziellen Verhältnisse lebt, Partys liebt und gerne shoppen geht, aber Christine ist ein guter und liebenswerter Mensch und das zählt. Außerdem würdet ihr ein schönes Paar abgeben.“

„Vater, ich halte das Mädel mit ihrer Kaufsucht und den Allüren nicht aus. Ich frage mich, ob sie überhaupt aufrichtig lieben kann. Vielleicht war mein Geld für sie der wichtigste Grund für die Beziehung.“

„Christoph, ihr hattet doch auch schöne Zeiten?“

„Vater, ich habe für Christine in den letzten eineinhalb Jahren für Einkäufe, welche sie ohne mein Wissen getätigt hat, fast 70.000 Schilling ausgegeben. Das beinhaltet aber nur Kleidung und Schmuck. Nein, wenn du sie nicht zur Vernunft bringst, werde ich all jenen Geschäften mittels Anwalt mitteilen, dass ich keine weiteren Rechnungen mehr begleiche, wenn ich nicht selbst zugegen bin. Mein Freund Peter, der Anwalt, hat mir nahe gelegt so vorzugehen. Falls sich Geschäfte nicht daran halten, müssen sie den Verlust selbst tragen.“

„Du lügst dich doch selbst an.“

„Wieso glaubst du das, Vater?“

„Sie hat von deinen Zärtlichkeiten und deiner Leidenschaft vor der Vernissage geschwärmt und nicht verstanden, warum du dich dort so aufgeführt hast.“

„Ich denke, dies ist allein meine Sache. Es wundert mich nicht, dass sie es dir erzählte. Sie will damit nur eines erreichen, dass du Mitleid mit ihr hast. Mutter hat die Trennung akzeptiert. Dir ist nicht einmal aufgefallen, dass Mutter sich bei der Vernissage abgewendet hat, denn es war ihr peinlich wie du Christine vor allen Leuten getröstet hast. Ich glaube, es ist am besten, wenn ich Peter ersuche, für mich die Briefe zu versenden.“

„Christoph, das werde ich zu verhindern wissen, denk doch an unseren Ruf, wie sieht denn das aus?“

„Vater, dann wundere dich nicht, wenn ich dir die Rechnungen vorbeibringe. Mutter tut mir leid, wenn sie mit ansehen muss, dass du Christine unbedingt aushalten willst.“

„Was fällt dir ein, diese Unterstellung wirst du gefälligst zurücknehmen, und lass Mutter aus dem Spiel. Ich sehe, mit dir ist keine vernünftige Unterhaltung möglich, wahrscheinlich ist dir der Erfolg zu Kopf gestiegen. Dann noch deine neue Freundin, die Schriftstellerin, da haben sich ja zwei Künstler gefunden. Christoph, ich weiß nicht, warum mein Schwiegervater an dir einen solchen Narren gefressen hatte und sein ganzes Geld dir vermachte.“

„Jetzt kommen wir der Wahrheit schon näher. Großvater wusste die ganze Zeit, dass du mit deinen Hobbys, Jagen in Sibirien und Norwegen, Fischen in Alaska und Helikopter Skiing in Kanada auf dem besten Weg bist, das Gut zu ruinieren, ganz abgesehen von den vielen teuren Festen für deine so genannten Freunde. Und dein Tick für Autos - wie viele sind es derzeit?“

„Wenn du weißt, dass es um das Gut schlecht steht, warum verwendest du nicht deine ganze Energie sowie Erfahrung, um es wieder in schwarze Zahlen zu wirtschaften?“

Sie waren bei dem Thema angelangt, das stets zu erheblichen Spannungen zwischen ihm und seinem Vater führte, weil Christoph sich nicht um den Betrieb des Gutes kümmerte, sondern sich eine gut dotierte Stelle im Landwirtschaftsministerium organisiert hatte.

„Vater, die Debatte führt wie all die anderen zu nichts. Ich spiele nicht den Retter oder besser gesagt deinen Handlanger, der dir sowieso nie etwas Recht machen konnte, wenn du gelegentlich auf dem Gut anwesend warst. Es tut mir leid, aber von der Verwaltung eines modernen Gutes und dem Management verstehst du nicht das Geringste, leider wirst du das nie einsehen. Die Wahrheit ist doch, dass seit dem Tod von Großvater und dem freiwilligen Abgang des alten Verwalters du nun die Entscheidungen triffst, und seither sind die Erträge rückläufig.

„Was soll das, davor leitete ja auch ich das Gut, momentan sind eben schlechtere Zeiten.“

„Vater, du irrst dich. Tatsächlich hat es Großvater hinter deinem Rücken geleitet, der Gutsherr war ständig auf Reisen. Mit Großvater war ich immer unterwegs, auch wenn er sich mit dem Verwalter beim großen Nussbaum getroffen hat, um die weiteren Schritte zu besprechen. Dein neuer Verwalter Konrad hat genau so wenig Ahnung wie du, er sieht in dir den absoluten Herrscher auf dem Gut und genau das ist seine Qualifikation.“

„Natürlich bin ich der Herr auf dem Gut. Du bist und bleibst ein undankbarer Sohn, spielst dich auf statt dass du dankbar bist, dass ich dir die Studien finanzierte. Deine Mutter hat dich verwöhnt und statt auf dem Gut zu arbeiten spielst den Maler.“

„Vater, du kennst meine Einstellung, du übergibst mir das Gut und ich kann wirtschaften wie ich es für richtig halte. Du bist mit einem monatlichen, limitierten Zuschuss zufrieden und außerdem will ich, dass du auf keinem der Konten des Gutes mehr zeichnungsberechtigt bist. Andernfalls bleibt alles wie es ist. Mein Drauskommen habe ich. Wenn die Bilder solchen Anklang finden, brauche ich mir keine Sorgen um meine Zukunft machen. Es ist nur schade, dass mein mögliches Erbe vor die Hunde geht.“

Mit vor Zorn gerötetem Gesicht wandte sich Bernhard von Föhrenwald ab und ging seines Weges.

Christoph stand vom Frühstückstisch auf, stieg die Stufen hinunter, überquerte den Kiesplatz, lenkte seine Schritte Richtung Waldsee, welchen man von der Terrasse aus sehen konnte und dachte an Delia.

Zum Glück hat sie die Einladung zum Frühstück nicht angenommen, denn der Disput mit Vater war nicht unbedingt das, was sie hören sollte. Was wird sie heute unternehmen und wer ist der Besuch? Diesbezüglich hat sie sich in Schweigen gehüllt. Ob sie dann überhaupt für mich Zeit haben wird?

Christoph setzte sich ans Ufer des Waldsees und erfreute sich an der Spiegelung der Bäume und der dahin ziehenden Wolken, die zu jeder Jahreszeit einen eigenen Reiz auf die Wasseroberfläche zauberten. Wenn er seine Gedanken ordnen oder über seine weiteren Schritte nachdenken wollte, war er hier. Delia ist etwas ganz Besonderes. Ihre Art, wie sie sich mit anderen Menschen unterhält, ihr dunkles Lachen, die strahlenden Augen, ihre Reserviertheit, die sie gern an den Tag legt, sie ist eine faszinierende Frau. Ich freue mich auf morgen, denn sie erwartet mich, und hat hoffentlich viel Zeit für mich.

Vaters Arroganz und Impertinenz ärgerte Christoph heute nicht mehr. Als heranwachsender Jugendlicher hatte er darunter gelitten. Christoph musste mit ansehen wie Vater seine Mutter behandelte, wenn sie mit seinen Vorschlägen oder Ideen nicht einverstanden war. Wenn er sich bei Großvater deswegen beschwerte, sagte er: „Christoph, du bereitest deiner Mutter viel Freude und das macht sie glücklich.“

Großvater war ein weiser Mann. Er hatte Christophs Vater vom ersten Tag an richtig eingeschätzt und zur Heirat Bedingungen gestellt. Seine Tochter Isabell war damals 31 und mit Christoph schwanger. Bernhard von Föhrenwald sah gut aus - groß, schlank, ein markantes Gesicht. Dass er keinen Widerspruch duldete, stellte seine Mutter viel später fest. Außerdem wurden ihm mehr Liebschaften nachgesagt als er alt war, was seine Tochter in ihrer Verliebtheit jedoch nicht sah. Isabell drohte ihrem Vater das Gut zu verlassen, wenn er nicht in die Heirat einwilligte.

Großvater traf mit Bernhard von Föhrenwald folgende Vereinbarung: Ab dem Zeitpunkt der Heirat konnte Herr von Föhrenwald das Gut nach seinen Vorstellungen leiten, wenn er Großvater bis an sein Lebensende das Wohnrecht gewährte und für seinen Unterhalt aufkam. Großvater wollte für sein Enkelkind eine gesicherte Existenz und bestand auf eine entsprechende Abgeltung für das schuldenfreie Gut womit Isabell einverstanden war; er traute dem Herrn von Föhrenwald nicht, dass er es weiterhin so gewinnbringend führen würde. Großvater forderte von ihm dessen Wertpapiere in Höhe von rund 5.000.000 Schilling. Das Geld blieb ja in der Familie und Christophs Vater stimmte zu, für ihn war dies ein sehr gutes Geschäft. Der tatsächliche Wert des Gutes mit seinen Ländereien, Wäldern, Jagden sowie dem modernsten Maschinepark war mindestens dreimal so hoch. Die diversen Konten des Gutes verfügten über ein erwirtschaftetes Kapital von rund 400.000 Schilling. Mit der Heirat hatte er ein prestigeträchtiges Gut erworben, den Status eines Gutsherrn, mehr gesellschaftliche Anerkennung und zudem eine Frau, die ihm sehr ergeben war.

Es war Großvater gewesen, der Christoph letztlich zu den Studienrichtungen der Agrar- und Betriebswirtschaft zuredete. „Christoph, irgendwann wird das Gut dir gehören und da wirst du mir dafür dankbar sein.“

Christoph liebte diesen Beruf, auf dem Gut waren seine Ideen nicht erwünscht. Auf den Gütern wo Christoph sein Wissen eingebracht hatte, war seine Meinung heute noch gefragt.

Der neue Verwalter wurde von Beginn an abgelehnt. Seine Art, so von oben herab, war ungewohnt und es dauerte lange, bis sich die Arbeiter auf ihn einstellten. Diese Art kannten sie nicht einmal von Herrn von Föhrenwald. Konrad war auch hinter allem her, was einen Rock trug und dies führte zu so manchen Problemen mit ihm. Auch wenn die eine oder andere nicht verheiratet war, so gab es doch immer Einen, der als Beschützer auftrat und ihm die Stirn bot. In Franziska, der Buchhalterin, hatte er eine Verbündete. Sie verehrte ihn sehr und hatte nichts gegen seine Annäherungen. Er benahm sich zwar ihr gegenüber ebenso schroff und herablassend wie zu allen anderen, aber in Wirklichkeit hatten sich die beiden gefunden und ihre Zuneigung ging weit über die Arbeit am Gut hinaus.

Als Isabell davon erfuhr, dass sich der neue Verwalter in die verarbeitenden Betriebe einmischen wollte, zeigte sie diesem deutlich, wo seine Grenzen sind.

„Mein Mann hat Ihnen Ihren Zuständigkeitsbereich erklärt. Sie haben sich ausschließlich um die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe zu kümmern. Hier hat jeder seine Aufgabe, ebenso geht Sie die Pferdezucht nichts an.“

„Geschätzte Frau von Föhrenwald, Sie missverstehen es, wenn Sie glauben, ich will mich in Ihre Kompetenzen einmischen. Allerdings würde ich vieles anders machen, denn es gibt Fortschritte, die auch in diesen Bereich Einzug gehalten haben.“

„Lassen Sie das ‚geschätzte‘ ruhig weg. Bei Ihnen klingt dies nicht sehr überzeugend und darauf kann ich verzichten. Glauben Sie mir, wir sind auf dem letzten Stand der Dinge, denn mein Sohn hat sowohl die agrar- als auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte gelernt. Ihre Aufgaben sind klar und wir werden sehen, ob unser Gut weiterhin so ertragreich von Ihnen geleitet wird, denn bei uns werden die einzelnen Betriebszweige genau auf ihren Gewinn kontrolliert.“

„Wenn dies so ist, wieso leitet dann der Herr Sohn nicht das Gut?“

„Ich glaube nicht, dass ich mit Ihnen Familiäres besprechen werde, ich hoffe Sie erledigen Ihre Arbeiten gewissenhaft.“

*

Delia ging mit Peterson, ihrem Verleger, in den Garten, wo sie sich einen sonnigen, aber etwas abgelegenen Tisch suchten. Peterson ergriff das Wort.

„Liebste Frau Agatakis, Sie wissen, wie sehr ich Sie schätze, aber dennoch sind Sie mir noch immer den Rest des Buches schuldig. Alles was Sie mir bis jetzt zukommen ließen, finde ich sehr gut. Wenn der Rest ebenso wird, gibt es wieder einen Bestseller.“

Kaum waren seine Worte verklungen und Delia wollte erwidern, da sah sie, dass Christine dem eben vorgefahrenen Cabrio entstieg und raschen Schrittes auf ihren Tisch zusteuerte. Noch bevor Christine den Tisch erreichte, sagte Delia: „Herr Peterson, nun werden Sie Zeuge eines theatralischen Auftritts.“

„So ist das! Gestern haben Sie sich ganz unverschämt an meinen Verlobten herangemacht und heute sitzen Sie hier mit Ihrem Mann in friedlicher Eintracht.“

Zu Peterson gewandt: „Sie hätten sehen sollen, wie sie sich anbiederte, und danach ist sie noch mit ihm bis spät in die Nacht unterwegs gewesen und glauben Sie mir, die hat Ihnen Hörner aufgesetzt, aber daran sind Sie sicherlich schon gewöhnt bei dem Altersunterschied.“

Peterson stand auf, sagte zu der ihm Unbekannten: „Ich wollte schon immer mit Frau Agatakis verheiratet sein, jedoch sie will mich nicht, und nun entschuldigen Sie mich.“ Zu Delia gewandt, fügte er hinzu: „Sie sind bitte so nett und lassen mich nicht zu lange warten, denn wir haben noch viel zu besprechen, andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass die Damen sich schnell einig werden, wer wem gehört.“

Christine holte tief Luft und schon sprudelten die Worte aus ihrem Mund. „Sie brauchen nicht weggehen und Ihre Worte sind lächerlich, aber wenn Sie so tolerant sind, wundert es mich nicht, dass sie sich an verlobte Männer heranmacht.“

*

Auch Delia war aufgestanden und wandte sich nun an Christine.

„Was soll dieser Auftritt? Gestern erklärten Sie mir noch stolz, dass Sie eine ungarische Adelige sind, und heute benehmen Sie sich, als hätten Sie keine Erziehung genossen. Was fällt Ihnen ein, diesem Herrn solche Worte an den Kopf zu werfen. Was wollen Sie eigentlich hier und wieso wissen Sie, wo ich wohne?“

Christine bekam durch diese Frage Oberwasser.

„Na, was glauben Sie? Christoph hat mich geschickt, um Ihnen ein- für allemal klar zu machen, dass er kein Interesse an Ihnen hat. Erst gestern hat er mir bewiesen wie sehr er mich liebt, und nun akzeptieren Sie, dass wir verlobt sind.“

„Wenn das alles ist, können Sie wieder gehen, denn an einer Unterhaltung mit Ihnen bin ich nicht interessiert. Falls Sie wirklich Herr von Föhrenwald geschickt hat, lassen Sie ihn ganz herzlich von mir grüßen. Und richten Sie ihm aus, dass ich es kaum erwarten kann, morgen mit ihm zu frühstücken“, und sie ließ Christine mit offenem Mund stehen und ging.

Christines Gedanken beschäftigten sich mit ihrer Situation. So kann das nicht weitergehen, ich muss mir etwas einfallen lassen. Christoph will mich nicht mehr und wenn er, wie sein Vater mir bereits mitgeteilt hat, auch die Geschäfte anschreiben lässt, ist es mir unmöglich einzukaufen. Andererseits, wie soll ich die Wohnung, das Auto und all das andere finanzieren? Bernhard hatte schon immer ein Auge auf mich. Soll ich mich an ihn ranmachen? Er ist sicherlich nicht abgeneigt, ich werde mich an ihn halten, solange er sich für mich bei seinem Sohn einsetzt. Seine Frau wird es kaum mitbekommen, er ist sowieso immer irgendwo unterwegs, muss er sich halt für mich die Zeit einteilen. Bei mir in der Wohnung können wir uns nicht treffen. Was muss auch Christophs Freund Stephan in dem Appartementwohnhaus wohnen und dessen Schwester gleich im Nebengebäude? Wenn es klappt, wird Bernhard schon eine Möglichkeit finden. Er ist zwar alt und überhaupt nicht mein Typ, aber er könnte mich über die erste Zeit hinwegtrösten, bis ich einen anderen kennenlerne, der mir unter die Arme greift. Ich versuche es. Christine stieg in ihren Wagen und auf das Gaspedal.

Auf dem Weg zu Peterson hörte Delia, wie der Kies knirschte, als die Räder durchdrehten und Christine von der Pension wegfuhr.

„Das ging aber schnell. Darf ich fragen, wer diese unverschämte Person war oder ist dies eine Privatsache?“

„Zuerst muss ich mich für diese Person entschuldigen und wenn Ihnen, Herr Peterson, eine Kurzform genügt, werde ich Sie in diese unerquickliche Sache einweihen. Ich lernte ihren angeblichen Verlobten, Herrn vom Föhrenwald, zufällig kennen. Er hat mich vom Zug hierher gebracht und bei dieser Gelegenheit eingeladen mit ihm abends eine Vernissage zu besuchen. Wie sich herausstellte, war er selbst der Künstler. Dort lernte ich bei einem ähnlichen Auftritt seine angebliche Verlobte, die ungarische Adelige, wie sie sich vorstellte, kennen. Herr von Föhrenwald sowie seine Freunde versicherten mir, dass sie nie verlobt waren und die Beziehung schon lange aus ist.“

„Jetzt weiß ich auch, warum Sie mich gewarnt haben, als sie auf unseren Tisch zukam. - Wie sieht es denn aus mit der Fertigstellung des so dringend erwarteten Romans? Sie wissen, dass sich Ihre Bücher sehr positiv auf unsere Finanzen auswirken.“

„Herr Peterson, ich habe Sie um eine längere Schaffenspause ersucht, denn noch bin ich mir nicht sicher, ob ich dort weitermachen kann, wo ich aufgehört habe. Vielleicht schreib ich das Ganze noch um.“

„Nur das nicht! Ich glaube, es ist etwas passiert, was Sie persönlich mit diesem Roman verbinden und weswegen Sie Ihre Gedanken neu ordnen möchten. Mein Wunsch wäre, Ihr neues Buch bereits im Frühjahr bei der Buchmesse vorzustellen.“

„Herr Peterson, da steckt doch Absicht dahinter, dass Sie sich gerade hier mit mir verabredet haben? Sie dachten, dort hat sie Ruhe und wird durch nichts abgelenkt, ein idealer Ort zum Schreiben, hab ich Recht?“

„Das will ich gar nicht bestreiten.“

„Ich werde hier einige Tage ausspannen und dann werden wir weitersehen, mehr will und kann ich nicht versprechen.“

„Ich habe mich bei Frau Waldmüller erkundigt, ob sie bei Ihnen eine Reiseschreibmaschine gesehen hat und aus diesem Grunde vorsorglich eine mitgenommen. „Frau Agatakis, es ist mir sehr Ernst mit der Buchmesse, ich zähle auf Sie. Übrigens, wenn Sie länger bleiben und weiter arbeiten, bezahlen wir natürlich das Zimmer.“

„Herr Peterson, lassen Sie halt die Schreibmaschine hier, versprechen will ich nichts. Sollte ich wirklich nicht schreiben, werde ich in einigen Tagen abreisen und die Rechnung selbst begleichen, anderenfalls bekommen Sie diese von Frau Waldmüller. Ich begleite Sie zum Wagen und nehme die Schreibmaschine gleich mit.“

Delia ging auf dem Wiesenweg träumend dem nahen Wald zu. Ihre Gedanken waren bei Christoph. Ich bin mir sicher, er hat Christine nicht geschickt, aber woher hatte sie meine Adresse? Ich kann mir gut vorstellen, dass er diese sehr ansehnliche Frau näher kennen lernen wollte. Welchen Charakter der Mensch wirklich hat, zeigt sich halt immer später. Christine muss ganz schön unverschämt gewesen sein, man konnte dies aus den Andeutungen seiner Freunde erahnen. - Peterson will, dass ich weiterschreibe und er hat Recht, es ist etwas passiert, das mir die Lust auf diesen Roman genommen hat: der Zusammenfall der Ereignisse in meinem näheren Bekanntenkreis und in meiner Geschichte. Meine Romanfigur hat die Diagnose Brustkrebs erhalten und Violas ältere Schwester musste tatsächlich damit leben. Nicht nur, dass man ihr eine Brust entfernt hat, ihr Mann hat sie verlassen, den Schicksalsschlag hat sie noch immer nicht verarbeitet. Es ist bizarr, wie leicht man mit dem Schicksal umgeht, wenn man fabuliert. Die Arme war kaum älter als ich und hatte ihr Leben in vollen Zügen genossen. Das Schicksal kann oft sehr hart sein, aber das Leben geht weiter.

Vielleicht sollte ich das als ein Zeichen sehen, dass Peterson mich hierher eingeladen hat und ich Christoph kennen gelernt habe. Ich bin niemandem verpflichtet. Es gibt zwar viele Bekannte, aber bis zu meinem Herzen hat es in letzter Zeit keiner geschafft. Ich freue mich auf Christoph.

Das Erste, das Delia wahrnahm, war das Zwitschern der Vögel, bevor sie die Augen aufschlug. Sie streckte sich wie eine Katze in ihrem Bett und freute sich auf den heutigen Tag, war sie doch mit Christoph verabredet. Gestern hatte sie noch Bedenken wegen dem, was ihr Christine in ihrer Ohnmacht erzählt hatte. Delia hatte keinen Zweifel an Christophs Worten und denen seiner Freunde. Sie stieg nackt wie sie war aus dem Bett, ging zum offenen Fenster, atmete die kühle, frische Luft ein und erfreute sich am Ausblick. Die gegenüberliegenden Felder und ein Teil des Waldes wurden bereits von der Morgensonne angestrahlt, was auf einen sonnigen Tag hoffen ließ.

Ob das Treffen mit Christoph genau so strahlend sein wird wie dieser Sommertag? fragte sie sich und ging ins Badezimmer. Unter der Dusche machte sie sich so ihre Gedanken. Was soll ich anziehen? Er will doch nach dem Frühstück mit mir ausreiten. Ich denke, die helle Jean und das Polo werden reichen. Das könnte passen, aber welche Schuhe? Nun, da müssen die Sportschuhe herhalten. Eigentlich wollte ich mein duftiges Sommerkleid mit dem verführerischen Ausschnitt anziehen, aber zum Reiten wäre es unpassend. Ich werde mich später umziehen, wenn wir vom Reiten zurück sind. Es ist schon lange her, dass ich die Möglichkeit zum Reiten hatte. Wann war das? – Ja, auf Sylt, da bin ich mit Enrique immer abends, wenn der Strand fast leer war, um die Wette galoppiert. Er nahm am Ärztekongress teil und ich verbrachte einige Urlaubstage dort. Er war ein ganz lieber Mensch, aber wie sich herausstellte, war er verheiratet und Vater von drei Kindern, so dass es bei Erinnerungen aus der gemeinsamen Zeit in diesem Urlaub blieb.

Delia stieg die knarrende Holztreppe hinunter und hörte schon Christophs Stimme, der sich mit Frau Waldmüller unterhielt. Als sie die Halle betrat, kam Christoph freudestrahlend auf sie zu. „Guten Morgen, Delia, Sie verblüffen mich. Sie strafen all die Aussagen Lüge, dass Frauen nicht pünktlich sein können. Was sagen Sie zu diesem herrlichen Morgen? Wie ich sehe, haben Sie mein Angebot, mit mir auszureiten, Ernst genommen.“

Delia wollte in den Gastgarten gehen, doch Frau Waldmüller erklärte ihr, dass sie diesmal den rückwärtigen Ausgang nehmen müssten und wünschte beiden einen schönen Tag. Delia war über diese Worte erstaunt. Als sie aus der Türe trat, sah sie den Grund. Ein Rappe und ein Fuchs standen unter der Linde. Zu Delia gewandt sagte Christoph: „Darf ich Sie mit Barabella, der Fuchsstute, und Mefisto 2 bekannt machen?“

Delia ging mit ausgestreckter Hand auf Barabella zu, damit diese sie beschnuppern konnte. „Was bist du für ein schönes Mädchen, ich hoffe du hast mit mir Geduld. Es ist lange her, dass ich geritten bin.“ Sie klopfte Barabella den Hals, schwang sich in den Sattel, legte ihr die Schenkel an, ritt eine Wolke links, rechts, ließ Barabella am Stand zurückgehen, kraulte ihr dabei die Mähne und flüsterte: „Wir verstehen uns.“

Christoph hatte ihr die ganze Zeit schweigend zugesehen, bestieg seinen Mefisto. „Delia, Sie können prächtig mit Pferden umgehen, ich bin begeistert.“ Im Schritt verließen sie die Pension, dann ging es im leichten Trab über die Wiese und in den Wald.

„Christoph, erst gestern bin ich diesen Weg gegangen, beim Marterl habe ich umgedreht. Wohin führt der Weg?“

„Wenn wir aus dem Wald draußen sind, reiten wir über ein paar Felder, durch einen Wald, am idyllischen Waldsee vorbei, bis wir vor meinen Haus anhalten. Auf der Terrasse erwartet uns ein reichlich gedeckter Frühstückstisch.“

Nach dem Wald ritten sie einen scharfen Galopp, der Reitern und Pferd so richtig Spaß machte. Kaum waren sie im nächsten Wald, lag schon wie angekündigt der kleine Waldsee vor ihnen. Delia parierte Barabella, um dieses wunderschöne friedliche Bild auf sich wirken zu lassen. Der Waldsee lag teilweise in der Sonne, Gänse und Enten schwammen friedlich umher. Der See war ringsum von Weiden umgeben, auf der gegenüberliegenden Uferseite war ein Holzhaus mit einer kleinen Wiese zu sehen. Delia fragte: „Ist dies der Waldsee, den Sie mir unbedingt zeigen wollten?“

„Ja, dieser gehört ebenfalls zum Gut. Ich freue mich, dass er Ihnen gefällt. Kommen Sie, zu meinem Haus ist nicht mehr weit.“

Kurz darauf war es in Sicht. Die Südseite hatte bis unter das Dach eine Glasfront.

„Ich bin überrascht! Mit so einem modernen Haus habe ich nicht gerechnet, eher mit etwas Ländlichem“, sagte Delia.

„Wenn Sie das Gutshaus sehen, werden diese Vorstellungen eher erfüllt. Ich wollte ein modernes Haus. Ich denke, es passt trotzdem in die Landschaft.“

„Ich finde dieses Haus wunderschön, in dem vielen Glas spiegelt sich die Natur und drinnen hat man sie vor Augen. Es muss ein herrliches Gefühl sein, sich darin zu bewegen, dennoch das Gefühl zu haben im Freien zu sein.“

Bevor Delia ihr Pferd dem Stallburschen übergab, kraulte sie Barabellas edlen Kopf zwischen den Augen, lehnte sich dabei an ihren Hals, strich dann über die Nüstern, klopfte ihr den Hals und sprach leise auf sie ein, bis Barabella sie mit den Nüstern stupste.

Erst danach stieg Delia die paar Stufen zur Terrasse hinauf. Diese wurde auf der Westseite von einer Mauer gegen den Wind abgeschirmt. Die Mauer der Ostseite war nicht bis ans Ende der Terrasse vorgezogen, damit man den Blick auf den Waldsee hatte. Der Eingang in Christophs Haus lag auf dieser Seite. Die Terrasse war somit von beiden Seiten gegen den Wind geschützt, aber nach Süden offen.

„Delia, kommen Sie, hier können Sie sich frisch machen. Ich werde Gundi sagen, dass sie das Frühstück servieren kann.“

Als Delia die Terrasse betrat, war der Tisch fertig gedeckt und Christoph stand in Gedanken versunken da. Er trug eine beige Leinenhose, ein farblich passendes Polohemd und weiche Mokassins an den Füßen. Sein Blick war auf den Waldsee gerichtet. Delia musste sich eingestehen, ihr erster Eindruck bestätigte sich. Christoph war ein sehr interessanter und fescher Mann.

Ich kann schon verstehen, dass Christine ihn mit allen Mitteln haben will.

Delia trat hinter ihn. „Darf ich fragen, ob der Künstler oder mein Gastgeber bereit für das Frühstück ist?“

„Ja! Ich kann es noch immer nicht glauben, dass ich Sie getroffen habe und wir nun gemeinsam frühstücken. Ich würde das gern wiederholen.“

„Dagegen dürfte aber Christine etwas haben, sie besuchte mich gestern und wollte mir weismachen, dass Sie sie geschickt hätten. Sie hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich ihren Verlobten vergessen sollte. Außerdem hat sie einen völlig unbeteiligten Herrn in einer Art und Weise angesprochen, die man schon als sehr stillos bezeichnen kann. Sie muss sehr verletzt sein, ich kann nicht glauben, dass sie ohne Kinderstube und so respektlos aufgewachsen ist.“