Irgendwann erwacht das Glück - Viola Maybach - E-Book

Irgendwann erwacht das Glück E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Es ist ein glatter Bruch, Herr von Kant, sagte Walter Brocks, der schon zu Hause gewesen war, als ihn die Nachricht vom Unfall Eberhard Hagedorns erreicht hatte. Also war er auf dem schnellsten Weg in seine Klinik zurückgekehrt. »Eine Operation wird nicht nötig sein.« »Wenigstens eine gute Nachricht«, erwiderte Baron Friedrich. »Aber ich möchte Herrn Hagedorn trotzdem bis morgen hier behalten«, fuhr der Klinikchef fort. »Er will natürlich nichts davon wissen, er macht sich Sorgen, weil ja auch Jannik Weber derzeit nicht im Dienst ist, und er denkt, bei Ihnen im Schloss versinke alles im Chaos.« Baron Friedrich versuchte zu lächeln, was ihm jedoch misslang. »Wollen Sie die Wahrheit wissen? Herr Hagedorn hat mit seiner Annahme völlig Recht. Jedenfalls war das Abendessen chaotisch, anders kann man es nicht ausdrücken. Unsere Köchin hat ja auch noch einen kleinen Schwächeanfall erlitten, als sie von Herrn Hagedorns Sturz erfuhr. Und das alles am achtzehnten Geburtstag unseres Sohnes! Dabei hatten wir nach den vorangegangenen Katastrophen wenigstens auf einen schönen entspannten Abend gehofft, aber auch diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Geht es wenigstens Frau von Hohenbrunn und Janniks Eltern besser?« »Frau von Hohenbrunn bereitet uns Sorgen, das muss ich sagen. Sie redet kaum, ihre Werte sind instabil. Aber sie hat ja auch ihre Krebserkrankung überstanden, mit großem Kampfeswillen, und sie hat Frau Maurer an ihrer Seite, was für uns eine nicht zu unterschätzende Hilfe ist. Um Janniks Eltern muss man sich keine so großen Sorgen mehr machen.

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Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Der kleine Fürst – 302 –Irgendwann erwacht das Glück

Christian wird fast erwachsen

Viola Maybach

»Es ist ein glatter Bruch, Herr von Kant, sagte Walter Brocks, der schon zu Hause gewesen war, als ihn die Nachricht vom Unfall Eberhard Hagedorns erreicht hatte. Also war er auf dem schnellsten Weg in seine Klinik zurückgekehrt. »Eine Operation wird nicht nötig sein.«

»Wenigstens eine gute Nachricht«, erwiderte Baron Friedrich.

»Aber ich möchte Herrn Hagedorn trotzdem bis morgen hier behalten«, fuhr der Klinikchef fort. »Er will natürlich nichts davon wissen, er macht sich Sorgen, weil ja auch Jannik Weber derzeit nicht im Dienst ist, und er denkt, bei Ihnen im Schloss versinke alles im Chaos.«

Baron Friedrich versuchte zu lächeln, was ihm jedoch misslang. »Wollen Sie die Wahrheit wissen? Herr Hagedorn hat mit seiner Annahme völlig Recht. Jedenfalls war das Abendessen chaotisch, anders kann man es nicht ausdrücken. Unsere Köchin hat ja auch noch einen kleinen Schwächeanfall erlitten, als sie von Herrn Hagedorns Sturz erfuhr. Und das alles am achtzehnten Geburtstag unseres Sohnes! Dabei hatten wir nach den vorangegangenen Katastrophen wenigstens auf einen schönen entspannten Abend gehofft, aber auch diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Geht es wenigstens Frau von Hohenbrunn und Janniks Eltern besser?«

»Frau von Hohenbrunn bereitet uns Sorgen, das muss ich sagen. Sie redet kaum, ihre Werte sind instabil. Aber sie hat ja auch ihre Krebserkrankung überstanden, mit großem Kampfeswillen, und sie hat Frau Maurer an ihrer Seite, was für uns eine nicht zu unterschätzende Hilfe ist. Um Janniks Eltern muss man sich keine so großen Sorgen mehr machen. Seine Mutter können wir eigentlich schon entlassen, und sein Vater ist auch über den Berg. Es wird noch dauern, bis er wieder ganz gesund ist, aber das Schlimmste ist überstanden.«

»Gut, wenigstens das«, murmelte Friedrich. »Ich rede noch einmal mit Herrn Hagedorn und bitte ihn, hier zu bleiben. Wenn es ihm morgen besser geht und Sie nichts dagegen haben, hole ich ihn dann ab. Aber wir werden ihm klar machen müssen, dass er nicht arbeiten darf. Wie das gehen soll, weiß ich allerdings nicht.«

»Er hat einen starken Willen«, sagte der Klinikchef nachdenklich. »Ich traue ihm zu, auch einarmig zu arbeiten, irgendwie.«

Dieses Mal gelang dem Baron ein richtiges Lächeln. »Ja, ich auch. Danke, dass Sie noch einmal hergekommen sind, Herr Doktor.«

»Ich kann doch nicht zu Hause bleiben, wenn Herr Hagedorn bei uns in der Klinik ist! Er ist übrigens noch in der Notaufnahme, aber wir könnten ihn in einem schönen Einzelzimmer unterbringen für die kommende Nacht.«

»Dann tun Sie das bitte, ich ­werde ihn schon überzeugen können.«

»Dann warte ich noch, bis er sich entschieden hat.«

Also machte sich Baron Friedrich auf den Weg zu Eberhard Hagedorn. Dieser lag mit seinem verbundenen Arm auf einer Liege und machte ein so unglückliches Gesicht, dass Friedrich erschrocken fragte: »Geht es Ihnen schlechter, Herr Hagedorn? Sind die Schmerzen zu schlimm?«

»Ich spüre gar nichts, Herr Baron, ich habe eine Spritze bekommen, die hat mich außerdem ziemlich müde gemacht. Bitte, nehmen Sie mich wieder mit, ich will auf keinen Fall hier bleiben. Es tut mir so leid, dass mir dieses Missgeschick ausgerechnet heute passiert ist, an Baron Konrads besonderem Geburtstag.«

»Der ist fast vorüber, und immerhin ist heute so viel passiert, dass er diesen Geburtstag garantiert niemals vergisst. Außerdem war der Unfall offenbar nicht Ihre Schuld. Eine unserer Angestellten hat gestanden, dass sie vergessen hat, den Teppich glattzuziehen.«

»Mia, ich weiß«, sagte Eberhard Hagedorn. »Sie leistet sonst gute Arbeit, aber manchmal ist sie ein bisschen verträumt. Was passiert ist, ist trotzdem meine Schuld, Herr Baron. Ich habe sie ja aus dem grauen Salon kommen sehen, und ich wusste, dass der Teppich dort seine Tücken hat …«

»Wir werden ihn sofort entfernen«, erklärte der Baron. »Meine Güte, Herr Hagedorn, wieso haben Sie uns denn nichts davon gesagt? Wir können doch einen andern Teppich in den grauen Salon legen!«

»Er ist aber außergewöhnlich schön, außerdem hat er eine besondere Geschichte«, erwiderte der alte Butler. »Es war ein Hochzeitsgeschenk von Prinz Christians Urgroßvater an seinen Sohn, also an Prinz Christians Großvater.«

»Was Sie alles wissen, Herr Hagedorn!«

»Ich bin eben schon lange im Sternberger Schloss, und ich habe mich ausführlich mit der Geschichte der Fürstenfamilie beschäftigt.« Eberhard Hagedorns Erklärung klang beinahe wie eine Entschuldigung. »Ich wollte wissen, für wen ich arbeite, und mich haben solche Familiengeschichten schon immer interessiert.«

»Vielleicht sollten Sie das alles einmal aufschreiben.«

»Aber nein, Herr Baron – außerdem haben andere das längst getan.«

Friedrich räusperte sich. Das Gespräch hatte eine unerwartete Wendung genommen, jetzt musste er es wieder auf sein eigentliches Anliegen lenken. »Herr Dr. Brocks möchte, dass Sie eine Nacht hier bleiben, Herr Hagedorn, und ich halte das auch für vernünftig. Sie haben einen leichten Schock erlitten, und hier kann man sich besser um Sie kümmern, falls Sie Hilfe brauchen sollten, als bei uns im Schloss.«

»Aber Jannik ist doch auch nicht da, und …«

»Wir kommen zurecht!«, behauptete Friedrich, während er versuchte, nicht an das Chaos beim Abendessen zu denken, bei dem ohne Herrn Hagedorn und seinen Auszubildenden rein gar nichts mehr in geordneten Bahnen verlaufen war. »Und ich verspreche Ihnen, Sie morgen abzuholen, wenn Herr Dr. Brocks damit einverstanden ist. Sie bekommen ein Einzelzimmer, wo niemand Sie stört, außerdem wird man Ihnen ein Schlafmittel geben, und morgen sieht die Welt schon wieder viel freundlicher aus.«

Das Gesicht des alten Butler war immer noch unglücklich, aber er widersprach nicht mehr.

Walter Brocks erschien an der Tür. »Bleiben Sie, Herr Hagedorn?«

»Ich muss ja wohl, Herr Doktor.«

»Sie müssen nicht, aber es wäre besser für Sie – und eine Beruhigung für uns.«

»Aber morgen möchte ich nach Hause!«

Walter Brocks lächelte, als er hörte, wie der alte Butler Schloss Sternberg sein Zuhause nannte, Baron Friedrich jedoch fand das völlig normal, denn schließlich lebte Eberhard Hagedorn schon länger dort als alle anderen jetzigen Bewohner des Schlosses. Er hatte eine kleine Wohnung, deren Eingang sich hinter der Treppe in der Eingangshalle versteckte, und diese Wohnung liebte er.

»Aber eins müssen Sie mir versprechen«, fuhr Eberhard Hagedorn fort. »Ich möchte auf keinen Fall, dass Jannik von meinem Missgeschick erfährt. Auch wenn ich vielleicht nicht voll arbeitsfähig bin, so kann ich trotzdem dafür sorgen, dass im Schloss alles reibungslos abläuft. Jannik soll nicht denken, dass er mich vertreten muss. Bitte, versprechen Sie mir das.«

»Von mir erfährt er nichts«, versicherte Dr. Brocks.

»Von mir auch nicht, Sie können sich darauf verlassen, Herr Hagedorn.«

»Ich weiß, Herr Baron, dass es mir nicht zusteht, so etwas zu sagen, aber ich finde, der Junge soll sich um seine Familie kümmern können, so lange er das möchte.«

»Das sehe ich genau so, machen Sie sich deshalb keine Gedanken.«

»Vielen Dank, Herr Baron.« Endlich schien sich der alte Butler zu entspannen.

Friedrich blieb noch in der Klinik, bis zwei Pfleger Eberhard Hagedorn in das für ihn vorgesehene Zimmer brachten. Dr. Brocks hatte nicht zu viel versprochen: Es war ein schönes Zimmer mit Aussicht auf den kleinen Park, der die Klinik umgab.

Als eine Schwester kam, um sich um den neuen Patienten zu kümmern, verabschiedete sich der Baron und fuhr langsam und in nachdenklicher Stimmung ins Schloss zurück. Was für ein Tag lag hinter ihnen!

Es kam ihm sehr merkwürdig vor, das Hauptportal selbst öffnen zu müssen. Wie lange war es her, dass er das zum letzten Mal getan hatte? Sonst stand Eberhard Hagedorn hier, mit seinem sechsten Sinn, der ihm gesagt zu haben schien, dass jemand kam, den er einlassen musste. Jetzt stand dort niemand. Wie abweisend so eine verschlossene Tür wirken konnte!

Er betrat die Eingangshalle, dachte aber daran, die Alarmanlage einzustellen, bevor er sich auf den Weg zur Bibliothek machte. Er hatte richtig vermutet: Dort saß seine Frau ganz allein in einem der bequemen alten Ledersessel, die zur gemütlichen Ausstrahlung der Räume beitrugen, und sah ihm erwartungsvoll entgegen.

»Hast du Herrn Hagedorn in der Klinik gelassen?«, fragte sie.

Er gab ihr einen Kuss, bevor er sich in den Sessel neben ihrem fallen ließ. »Gegen seinen Willen, wie du dir denken kannst, aber Herr Dr. Brocks hielt es für besser. Er hat ja einen leichten Schock erlitten, und die Schmerzen müssen auch ziemlich schlimm gewesen sein, bis sie ihm eine Spritze gegeben haben. Es ist ein glatter Bruch, also zumindest nichts Kompliziertes, was noch operiert werden muss. Der Arm ist eingegipst, er hat etwas zum Schlafen bekommen, und morgen kann ich ihn dann wieder abholen, hoffentlich.«

»Was für ein Tag, Fritz!«

»Das habe ich eben auf der Rückfahrt auch gedacht.« Friedrich warf einen Blick auf seine Uhr. »Noch fünf Minuten, dann ist er vorüber.«

»Und unser Konny ist volljährig. Schade, dass sein neues Lebensjahr so beginnen musste.«

»Ich hoffe nur, es geht nicht so weiter. Ich muss sagen, das waren heute genug Unglücksfälle für ein ganzes Jahr. Oder auch zwei.«

Sie griff nach seiner Hand und hielt sie fest. »Ab jetzt läuft alles wieder normal, du wirst sehen!«

Er schloss die Augen. Auf einmal war er sehr müde. Es war einfach zu viel gewesen für nicht einmal vierundzwanzig Stunden.

*

»Hallo, Charly«, sagte Konrad, als sich wenige Sekunden nach Mitternacht sein Handy meldete. »Ich hatte gehofft, dass du dich noch einmal melden würdest.«

»Ehrlich gesagt wäre ich beinahe eingeschlafen eben, ich bin ziemlich müde. Aber natürlich musste ich dich noch einmal anrufen. Hattet Ihr wenigstens ein schönes Essen nach all den Aufregungen vorher?«

»Ein schönes Essen? Ganz im Gegenteil!«

»Was soll das heißen: ganz im Gegenteil?«

»Herr Hagedorn hat sich bei einem Sturz den rechten Arm gebrochen.«

»Du machst Witze, Konny!«, rief Charlotte ungläubig.

»Nein, wirklich nicht, ich sage die Wahrheit! Ein Rettungswagen hat ihn in die Klinik gebracht, mein Vater ist hinterhergefahren, damit Herr Hagedorn nicht allein ist. Hier ist das blanke Chaos ausgebrochen, ohne Herrn Hagedorn und Jannik hat plötzlich niemand mehr gewusst, was zu tun war. Zwei der Angestellten sind sogar zusammengestoßen beim Servieren, die Teller sind auf dem Boden gelandet. Ach ja, und dann ist Frau Falkner noch ohnmächtig geworden, aber zum Glück ist sie bald wieder zu sich gekommen. Wir haben dann doch noch etwas gegessen, aber eigentlich hatten wir schon vorher keinen richtigen Appetit gehabt, also ist das meiste in die Küche zurückgegangen. Wenn ich ehrlich sein soll: So einen Tag habe ich vorher noch nie erlebt, und ich wünsche mir keine Wiederholung.«

Charlotte brauchte einen Augenblick, um sich von diesen unerwarteten Neuigkeiten zu erholen. Dann sagte sie: »Jetzt ist der Tag ja vorüber, ab jetzt läuft alles normal, du wirst schon sehen.«

»Das kann ich nur hoffen. Vorhin hatte ich kurz mal diese Idee, wie es wäre, wenn das jetzt immer so weiterginge mit den kleinen und großen Katastrophen. Das wäre echt nicht zum Aushalten.«

»Dann hör auf, es dir vorzustellen! Wir sehen uns also heute nach der Schule?«

»Heute? Ach so, ja, ist ja schon Dienstag, mein Geburtstag ist vorüber, zum Glück. Ja, natürlich sehen wir uns, wie verabredet. Schlaf gut.«

»Du auch, Konny.«

Aber das war leichter gesagt als getan. Wie sollte man nach einem solchen Geburtstag einfach schlafen? Konrad hatte seinen Vater zurückkommen hören und beschloss, noch einmal nach unten zu gehen.

Tatsächlich fand er seine Eltern in der Bibliothek, sie hielten sich an den Händen, sein Vater hatte die Augen geschlossen, und Konrad erschrak, als er ihn sah. Zum ersten Mal kam er ihm alt vor. Seine Gesichtshaut war grau, tiefe Falten schienen sich ganz plötzlich in sein Gesicht gegraben zu haben. Seine Augen waren geschlossen, er öffnete sie aber, als Baronin Sofia leise: »Hallo, Konny«, sagte.

»Was ist mit Herrn Hagedorn?«

»Sie behalten ihn über Nacht in der Klinik, er ist ja nicht mehr jung, und sie wollen sichergehen, dass alles in Ordnung ist. Der Arm ist in Gips, er wird erst einmal nicht arbeiten können.«

»Und Jannik …«

»Jannik wird nicht über Herrn Hagedorns Unfall informiert, das musste ich versprechen. Herr Hagedorn geht davon aus, dass er ab morgen zwar nicht wie sonst arbeiten, aber zumindest hier im Schloss für geordnete Abläufe sorgen kann.«

Baronin Sofia schüttelte energisch den Kopf. »Wir werden selbst für geordnete Abläufe sorgen«, sagte sie. »Herr Hagedorn soll sich ausruhen!«

»Das klappt doch nie im Leben, Mama«, widersprach Konrad. »Du kennst doch Herrn Hagedorn. Wenn er nicht arbeitet, ist er unglücklich. Und mit einem gebrochenen Arm muss man ja nicht im Bett liegen.«

»Wir werden sehen«, sagte Sofia, die natürlich wusste, dass Konrad nicht Unrecht hatte. »Ich möchte schon, dass er sich schont und sich nicht gleich wieder für alles verantwortlich fühlt.«

Baron Friedrich gähnte. »Ich muss ins Bett«, sagte er. »Denkt dran, dass euch morgen niemand weckt.«

»Mein Wecker ist schon gestellt, der von Anna und Chris auch«, erklärte Konrad. »Wir schaffen das schon, Papa.«

»Frau Falkner wird morgen früh hier sein und Herrn Hagedorn im Salon vertreten. Ich habe versucht, ihr das auszureden, aber sie wollte unbedingt kommen.«

Sie löschten die Lichter und vergewisserten sich, dass alle Türen und Fenster geschlossen waren – in Gedanken bei Eberhard Hagedorn, der diese Aufgabe normalerweise übernahm.

Das Schloss fühlte sich leer an ohne ihn.

*