Iris auf der Ölplattform -  - E-Book

Iris auf der Ölplattform E-Book

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Beschreibung

Nach ihrem bestandenen Examen in Mineralogie wird Iris auf die Ölförderinsel "Mittelplate" im schleswig-holsteinischen Wattenmeer berufen. Anfänglich beeindruckt von der zuvorkommenden Aufnahme durch den Betriebsleiter van der Laahe, wird sie bald dazu beauftragt, das aufkommende Problem rückgängiger Ölfördermengen unter die Lupe zu nehmen. Dabei gerät sie einerseits in beinahe gefahrenvolle Situationen, begegnet andererseits dem Windanlagen-Entwickler Janne, der ihr auch privat nicht ganz gleichgültig zu sein scheint.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

1

Iris rollte mit dem Zug in den Bahnhof von Husum ein. Als sie die Tür öffnete und auf den Bahnsteig trat, wurde sie von einem klaren Sonnenschein begrüßt. Ihr Rollkoffer ließ sich auf den hellen ebenen Steinplatten wie von selbst ziehen. Bei der Unterführung angekommen, stellte sie den Koffer auf das Transportband, das automatisch anlief und ihr das Gepäckstück hinuntertransportierte. Ebenso kam sie die hinaufführende Treppe empor, von der sie in die Bahnhofshalle trat.

Durch die graugestrichene Flügeltür ging sie auf den Vorplatz und erinnerte sich an die Worte von Professor Greinlich: „Wenn Sie aus der Bahnhofsvorhalle treten, brauchen Sie nur geradeaus der Hauptstraße zu folgen und sich dann rechts zu halten.“ Iris hielt sich an diese Wegbeschreibung und bog schließlich nach kurzer Zeit in die Süder-straße ein, wo sie sich in ein Café begab und einen Irish Coffee bestellte.

Von ihrem Sitzplatz aus hatte sie durch die große Fensterscheibe freien Blick auf das große Ziegelgebäude, in dem sie in der nächsten Zeit vor Anker gehen würde, wie man hier vermutlich zu sagen pflegte. Über dem Eingang ihrer künftigen Unterkunft stand Romantikhotel Altes Gymnasium. Romantik und Schule bissen sich irgendwie, wie Iris fand, aber im Nachhinein, quasi rückwirkend, dachte sie insgesamt gerne an ihre Schulzeit zurück. Den Gedanken, wie ihre Erinnerungen wären, wenn sie durch die Abschlussprüfung gerasselt wäre, schob sie an diesem sonnigen Tag lieber beiseite. Stattdessen nahm sie einen weiteren Schluck Kaffee und sah der Verkäuferin zu, die einer Kundin verschiedene Tortenstücke einpackte. Ein Herr in heller Jacke kam jetzt an die Reihe. Die Verkäuferin reichte ihm das bestellte Getränk und einen Teller mit einem Stück Kuchen darauf. Damit setzte der Mann sich an einen der freien Tische, richtete aber sogleich die Frage an Iris: „Haben Sie vielleicht ein Feuerzeug?“

„Feuerzeug?“, war Iris überrascht, „ja, hier, bitte.“ Er setzte das Feuerzeug mit dem Rand der Unterseite an den festen Verschluss seiner Flasche Orangensaft und öffnete sie mit einer geschickten Handbewegung.

Als er Iris das Feuerzeug zurückreichte, konnte sie ein leichtes Schmunzeln nicht verbergen und sagte: „Ich dachte, Sie wollen rauchen, und dann machen Sie so was. Warum haben Sie sich keinen Flaschenöffner von der Theke geholt?“

„Ich rauche nicht, und mit der Feuerzeug-Technik haben die Jungs aus dem Fußballverein immer die Flaschen geöffnet“, erklärte er, „die Methode ist äußerst praktisch, Sie sollten es auch einmal versuchen.“

Ohne eine bestimmte Reaktion zu zeigen, schob Iris das Feuerzeug zurück in ihre weiße Handtasche. Sie führte zumeist ein Feuerzeug mit sich, weil sie für die mineralogischen Experimente am Institut gelegentlich eines benötigte.

Den Rollkoffer hinter sich herziehend, überquerte Iris die Straße aus Kopfsteinpflaster und ging auf den Eingang des großen Ziegelbaus zu, der unübersehbar einmal eine Schule gewesen war.

Als sie an der Eingangstür ankam, wurde ihr diese von einem zuvorkommenden Hotelangestellten aufgehalten. Der ebenso freundliche Empfang an der Rezeption, die aus schwerem dunklen Holz gefertigt war, erleichterte Iris den Start in ihre neue berufliche Aufgabe, die sie zudem an einem Ort ausführen sollte, den sie bisher nicht kennengelernt hatte.

Im Hotelzimmer stellte sie ihren Koffer vor den Schrank und warf sich mit dem Rücken aufs Bett. Ihr Blick fiel auf die weiße Decke und die hölzernen Stützbalken. Erst als sie den Kopf etwas zur Seite wandte, sah sie durch das Fenster den blauen Himmel, der nur zum Teil von einer Erle verdeckt wurde, deren Blätter sich leicht im Wind bewegten, von dem sie hier drinnen jedoch nichts verspürte. Am Horizont, in dessen Richtung Iris die Nordsee vermutete, begannen sich einige helle Wolken aufzutürmen.

Es klopfte an der Tür, und jemand fragte: „Darf ich eintreten.“ „Bitte“, antwortete Iris, „die Tür ist offen.“ Als der Bedienstete eintrat, lag Iris immer noch ausgebreitet auf dem Bett, ihre Schuhe waren auf dem Teppichboden verstreut. Der Bedienstete stellte sie in ein flaches Holzregal und sagte: „Ich bringe nur den Begrüßungstrunk.“ Als sich Iris erhoben hatte, erblickte sie verschiedene Getränke und einige verpackte Pralinen auf der Anrichte, die man sogar schieben konnte. Für rollbare Geräte hatte Iris einen Blick entwickelt, seitdem sie auf privaten wie beruflichen Bahnreisen einen Rollkoffer mit sich führte.

„Vielen Dank“, sagte Iris, als der Hotelangestellte den Traubensaft mit einem Flaschenöffner trinkbereit machte. Der Bedienstete füllte ein Glas, das Iris entgegennahm, während sie sich ihre Haare mit der freien Hand nach hinten warf.

Der Hotelangestellte nahm das Wort wieder auf:

„Ich empfehle Ihnen, heute noch ans Wasser zu gehen. Das Wetter ist dafür bestens einladend, und die wenigen Wolken am Horizont werden den Weg bis zum Land heute nicht mehr finden.“

Mit einem verträumten und zugleich unternehmerischen Blick durchs Fenster erwog sie den Vorschlag. Als sie wieder ins Zimmer sah, war der Bedienstete bereits dabei, die Tür zu schließen. Er nickte leicht mit dem Kopf und verschwand sogleich hinter der sachte ins Schloss fallenden Tür.

Als Iris wenig später auf dem Grasdeich an der Nordsee spazieren ging, fand sie Zeit dazu, sich darüber bewusst zu werden, dass sie jetzt ganz regulär eine Geologin im Fachbereich der Mineralogie war. Vor wenigen Monaten hatte sie die Prüfungen am Kieler Institut bestanden. Noch Wochen danach drehten sich ihre Gedanken um verschiedene Abläufe und Fragen in den Prüfungen. Bei Frage 6b der Klausur in Gesteinskunde hätte sie noch zwei Begriffe ergänzen können, und bei der mündlichen Prüfung in Petrochemie wurde ihr erst zwei Wochen nach der Prüfung klar, was Professor Künkel mit seiner letzten Frage eigentlich gewollt hatte.

Aufgund ihrer zuverlässigen Arbeiten im Studium hatte sie im Labor von Professor Greinlich nach den bestandenen Examina eine Weiterbeschäftigung am Institut bekommen. Und wenn Herr Grein-lich etwas von Iris` nachträgtlichen Grübeleien mitbekam, goss er Kaffee aus der altbekannten silberfarbenen Kanne ein und sagte: „Was wollen Sie, Iris, Sie haben bestanden, und das auf ansehnliche Weise. Was wollen Sie mehr?“

Reine Heiterkeit strömte dann durch Iris` Organismus, und mit einem weiten Lächeln richtete sie ihren Blick auf das blinkende Wasser der Kieler Förde.

Solch einen hellen Tag hatte sie auch heute, als sie in langsamen Schritten den Nordseedeich entlangging. Möwen flogen über sie hinweg, und eine von ihnen fing den Brötchenhappen, den Iris in die Luft warf, mit dem Schnabel auf. Schafe drängten sich herbei, die zu begutachten schienen, was für eine Sorte Tourist hier jetzt schon wieder entlangging.

An der Badestelle setzte sie sich in einen Strandkorb und ließ den Blick über die Weite der Nordsee gleiten. Kleine Wellen schlugen gleichmäßig auf den leicht geriffelten Wattboden, in dem sich die sinkende Sonne spiegelte.

Für die nächste Zeit stand ihr der erste richtige berufliche Auftrag bevor, bei dem sie in Vorträgen die technischen Grundlagen von Ölbohrungen und Erdölförderung in der Nordsee darlegen sollte.

Auf dem Rückweg zu ihrem Fahrrad beschäftige sie sich aber wenig mit fachlichen Überlegungen. Ein angenehm warmer Wind wehte ihr ins Gesicht und weiche Strahlen der untergehenden Sonne spiegelten sich auf ihrer Sonnenbrille, die Iris über die Stirn hochgeschoben hatte.

Am Fahrrad angekommen, hängte Iris ihre weiße Handtasche an den Lenker und machte sich auf die Rückfahrt zum Hotel. Vom Westwind angeschoben, brauchte sie nur kaum selbst zu treten. Sie glitt auf der geraden Stichstraße durch die dunkelgrünen Marschwiesen hindurch. Einzelne Schafe bewegten sich auch hier, und auf ihrer linken Seite drehte sich in rasantem Tempo ein Windrad, das nur zwei Flügel besaß.