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Dieses Buch ist etwas für Liebhaber kleiner Geschichten. Es geht sich ein wenig um Liebe, Sex und auch um Probleme einer 19. Jährigen. Es zeigt auf, dass Auch psychischer Erkrankungen einen Jeden treffen könne. Die Junge Isabell, welche in einem tollen Elternhaus aufwächst hat dennoch Probleme mit ihrer Psyche. Ihre jüngere Schwester macht ihr das Leben zusätzlich deutlich schwerer. Da ihr Schwester und Dubiose Kreise versinkt wird Isabell gezwungen trotz ihrer Erkrankung in diese Welt mit einzutauchen. Hilfe kommt unerwartet.
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Seitenzahl: 200
Veröffentlichungsjahr: 2022
ISI
Angst, Panik und Soldaten
Kapitel 1
Isabell, die 19 Jährige Schülerin aus Nord-Rhein-Westfalen steht auf. Es sind gerade erst 5 Uhr am Morgen.
Isabell muss sich für die Schule fertig machen und recht früh aufstehen. Ihre Mitschüler stehen vermutlich erst so in einer Stunde auf. Doch Isabell muss Medikamente nehmen um ihren Tag zu schaffen.
Sie steigt wie jeden Morgen aus ihrem Bett. Müde wandert sie barfuß und nur in ein Top und Schlafhose gekleidet in Richtung Küche.
Leise muss sie sein, denn ihre Familie schläft noch und sie möchte niemanden Wecken.
Sie steht in der Küche, schüttet sich ein Glas Wasser ein welches sie aus dem Wasserhahn zapft und nimmt sich ihre morgendliche Tablette aus dem Blister, welcher auf der Küchenarbeitspatte liegt.
Venlafaxin ist ihr tägliches Frühstück.
Ein Mittel gegen Depression und Angst.
Eine Angst, welche sie schon ein paar Jahre begleitet aber nun durch das Mittel seid ein paar Tagen mit Hilfe von Ärzten behandelt werden soll.
Kurz nach der Einnahme hat sie immer mit Übelkeit zu Kämpfen. Dieses wird aber nach ein paar weiteren Tagen der Einnahme nachlassen sagt ihr Arzt.
Iabell setzt sich auf den Küchenstuhl und wartet wie jeden Morgen dort sitzend bis es ihr besser geht.
Nach einer halben Stunde trudelt ihre Mutter Beate in die Küche. Sie schaut sofort nach dem Zustand ihrer Tochter. Nachdem sich Beate einen Kaffee aus der Maschine gezapft hat, setzt sie sich wortlos zu ihrer kleinen und greift nach ihrer Hand.
Sie bemerkt direkt, dass die Ängte niht weg sind und dass das Mittel bei Isabell nur negativ anschlägt. Blass ist ihre Tochter und hätte mit Sicherheit einfach länger geschlafen und würde gerne auf den Weg zur Schule verzichten.
Gerne würde sie ihre Tochter zuhause behalten. Jedoch steht Iabell kurz vor ihrem Abitur und schreibt gute Noten. Ihr Abi wird sie in den kommenden Wochen mit Sicherheit bestehen wenn sie bis dahin durchziet.
Wie jeden Morgen kommen Isabell die Tränen. In ihr schwankt es zwischen Mut und Panik. Sie hat Angst in die Schule zu gehen. Keine Angst vor etwas bestimmten. Sie hat einfach Angst zu Versagen oder nicht mehr heil nach Hause zu kommen. Am liebsten würde sie sich zuhause einsperren und niemals das Haus verlassen müssen. Auf der anderen Seite mag sie auch gerne in die Schule und verbringt gerne Zeit mit ihren Mitschülern. Ihr fällt der Stoff leicht.
In ihr Herrscht ein Kampf der jeden Tag aufs neue Beginnt.
Die Übelkeit nach der Einnahme der Tablette macht es ihr jedoch umso schwerer einfach in den Tag zu starten und den Weg zur Schule anzutreten.
Beate steht auf und geht zu ihrer Tochter rüber welche mit den Füßen auf der Sitzfläche in Embryostellung kauert.
Sie küsst sie auf die Strin und tätschelt ihr über die Haare.
´´Nur Mut. Heute den Tag schaffst du auch und ansonsten kommst du wieder zurück!´´: äußert sie ihrer Kleinen.
Isabell findet ein kleines Lächeln für die aufmunternden Worte welche ihre Mutter leider mittlerweile abspielt wie eine Schallplatte und meist das selbe wiederholt als würde diese Platte hängen.
Isabell steht auf und begibt sich in Richtung Badezimmer denn die Zimmertüre von Mimi ist aufgegangen. Mimi ist die 17 Jährige welche nach Isabell aus der Mutter geflutscht ist.
Mimi ist ein typischer Teenager. Sie ist laut und schrill und zickig....und sie mopst ihrer großen Schwester immer ihre Kleidungsstücke.
Ab jetzt wird es im Haus laut. Mimi dreht die Musik auf ihrem Handy auf und kann sich nicht entscheiden ob sie sich in ihrem Zimmer oder dem Badezimmer fertig machen soll und wechselt de Räumlichkeiten fast sekündlich.
Isabell steht mit ihren Klamotten gerade im Bad als die Türe wieder aufplatzt und Mimi einfach rein kommt. Sie schnappt sich den Lockenstab aus der Box neben dem Waschbecken und verlässt den Raum wieder. Dabei lässt sie die Badezimmertüre einfach geöffnet stehen und kümmert sich nicht weiter darum, dass Isabell geade nur im Höschen im Bad steht und sich dieses gerade auch ausziehen wollte um es zu wechseln.
Isabell hat jedoch keine Kraft und nicht den Willen jetzt hinter Mimi her zu brüllen, dass diese sich einen Dreck benimmt.
Isabell schmeißt die Türe nur mit einem Schwung wieder zu und wechselt ihre Wäsche.
Kurz noch das Morgengeschäft erledigt bei dem Mimi nicht wieder rein geplatzt ist und dann den Rest der Kleidung an.
Isabell hüpft in eine enge Jeanshose und ist ansonsten eher legere gekleidet. Sie zieht sich nur ein Top und einen Hoodie an. Schminke trägt sie bis auf ein bisschen Kajal und Wimperntusche keine auf. Dann ein kurzer Pferdeschwanz und sie ist fertig gekleidet.
Mimi kommt auch in ein paar Augenblicken und Zimmerwechseln zu Beate und Isabell in die Küche.
Mimi sieht aus als würde sie jeden Moment auf den Strich gehen wollen.
Zwar eine Jogginghose an welche ihren kleinen Po unterstreicht aber der Rest ist kürzer und knapper.
Bauchfrei trotz noch kaltem Wetter, Powerlocken und mehr Schminke im Gesicht als eine Transe. Lippenstift knalliger als die Schuhe und direkt wird morgens schon für TikTok posiert um den Followern zu zeigen, was sie heute an hat.
Beate belächelt das Verhalten von Mimi einfach und tut es als jugendlich modern ab.
Die Stullen hat Beate schon in die Brotdosen der beiden gesteckt und fordert nun beide zur Eile auf. Schnell ist die Schultasche voll und Mimi und Isabell werden aus der Türe gekehrt. Ihr Bus kommt jeden Augenblick und sie müssen noch ein paar Straßen bis zur Haltestelle zurücklegen.
Auf dem Weg äußert Mimi direkt die Frage nach einer Kippe bei ihrer Schwester.
Isabell hat vor ein paar Wochen angefangen heimlich zu rauchen. Mimi ist da schon ein paar Wochen länger dabei. Da sie aber ihr Taschengeld für Schwminke und Kleidung rauswirft, gammelt sie lieber für Zigaretten in ihrem Umfeld.
Die Antwort, dass Isabell selber nicht mehr viele hat, beschwichtigt Mimi nicht. Sie reagiert nur mit den Worten: ´´Gib mir mal eine du Egofucker!´´
Damit jetzt keine Diskussion und Zickenkrieg aufkommt, holt Iabell ihre Packung aus dem Seitenfach ihrer Schultasche. Noch 4 Zigaretten sind in der Schachtel. Sie hält die geöffnete Schachtel ihrer Schwester hin welche prompt einfach 2 Kippen aus der Schachtel zieht.
Jede von Beiden zündet sich eine an und sie gehen wortlos weiter bis zur Haltestelle.
Kaum an der Haltestelle angekommen nähert sich der Bus bereits von Hinten. Isabells Zigarette ist gerade bis zur Hälfte geraucht. Sie zieht die Glut ab um diese dann später erneut weiterrauchen zu können. Die Kippe von Mimi ist nicht viel weiter Abgebrannt. Sie jedoch schmeißt Diese einfach im hohen Bogen von sich und schnippst sie auf die Straße.
Im Bus trennen sich die Wege.
Mimi ist cool und sitzt ganz hinten bei den Coolen. Naja eher bei den Asis welche 2 Stufen über ihr sind und im Bus den Lautstärkepegel weit oben halten.
Isabell setzt sich in den Mittelbereich des Busses da keine freien Plätze mehr Frei sind. Auf dem Boden sitzend, holt sie ihr Handy raus und flitscht durch Instagram. Noch ein Dorf weiter bis ihre Freundin dazu steigt.
Jule steigt ein.
Jule ist genauso Alt wie Isabell und beide kennen sich erst seid 2 Jahren. Jule hatte auf die Schule gewechselt. Da sie übergewichtig ist findet sie kaum Anschluss obwohl sie eine herzensgute Freundin ist. Jule dackelt sofort bis zu Isabell durch und lässt sich einfach rumpsend neben sie auf den Busboden fallen. Dann folgt eine ganz herzliche und starke Umarmung vom Moppelchen wie sie sich selbst beschreibt.
Sofort fragt sie ihre beste Freundin wie es ihr heute geht.
Iabell schwankt auf die Frage nur mit dem Kopf hin und her als wolle sie Solala andeuten.
´´Das bekommst du und wir hin´´: äußert Jule direkt.
Schnell holt auch sie ihr Handy raus und scrollt ebenfalls durch Instagram. Um Isabell abzulenken, werden ihr sofort viele Reels gezeigt.
Der Bus hält und es Herrscht die reine Hektik. Taschen fliegen, das Gebrülle der ganz kleinen Schüler geht los und es wird gegen die Scheiben gebollert um Mitschülern, welche auf dem Bushof stehen, Bescheid zu geben das man angekommen ist.
Jule und Isabell quetschen sich durch die Traube von Rucksäcken und Schultaschen aus dem Bus. Geordnet will dort niemand aussteigen.
Moritz kommt auf die zwei Mädels zu. Auch wenn er solch einen Namen trägt ist Moritz ein Dunkelhäutiger mit riesengroßer Brille im Gesicht. Um nicht wegen seines Namens gemobbt zu werden, stellt er sich immer überall als ´´Mo´´ vor, Dann passt auch sein aussehen eher. Moritz Müller würde niemals auf einen farbigen Südafrikaner deuten. Da Mo aber als Säugling bereits adoptiert wurde und seine Eltern der Auffassung sind, dass er mehr Chancen mit einem deutschen Namen hat, wird er gezwungen damit nun klar zu kommen.
Mo ist auch keiner der beliebten Schüler. Da er jedoch durch sein Aussehen recht stark auffällt, switcht er oft mal zwischen den Schülergruppen. Am wohlsten fühlt er sich jedoch bei Jule und Isabell.
Nicht nur, dass die beiden ihn einfach als Normal behandeln, sie machen auch nie Witze über seine Hautfarbe. Des weiteren mag Mo ein wenig sehr die Jule. Oft sagt er ihr, dass sie so gut aussieht und sich nicht immer pummelich nennen soll. Es gäbe schließlich auch Personen, welche auf ganz Füllige stehen.
Der Schultag verläuft mehr oder weniger mit nur keinen Problemen. Zwischendrin hatte Isabell mal eine Panikattacke. Diese war jedoch erst auf dem Schulhof während der Pause und konnte somit von den anderen Mitschülern durch Missachtung wieder schnell abklingen. Jule stellt sich mit ihrer massigen Gestalt dann auch gerne vor ihre Freundin und verdeckt diese vor den Blicken der anderen. Wenn Isabell mal weinen muss, dass kann man sich hinter dem breiten Kreuz von Jule perfekt unsichtbar machen.
Auf dem Heimweg im Bus lockert sich die Stimmung bei Isabell sichtlich. Umso näher sie ihrem Zuhause kommt, desto mehr sinkt die Anspannung in ihr. Von Haltestelle zu Haltestelle wird es ihr angenehmer denn sie weiß, das sie auh jederzeit aus dem Bus hüpfen kann und würde zu Fuß heim laufen.
Bei fast jeder Haltestelle, bei der Jule noch neben ihrer Freundin sitzt teilt sie dieser mit, dass sie jederzeit mit aussteigen würde und ihren pummeligen Körper auch zu Fuß heim trägt. Nur alleine will sie Isabell nicht lassen.
Wieder zuhaue Angekommen liegt Leopold schlafend auf der Couch. Leopold ist der Vater von Isabell und Mimi. Er hat meist Spätdienst im Werk und schläft morgens dann länger. Meist macht er dann wie jetzt auch einen Powernap auf der Couch kurz bevor er dann gleich wieder in den nächsten Dienst fährt.
Leopold ist wie die meisten Väter.
Er versucht alles immer ganz locker zu sehen und tut ernsthafte Dinge immer schnell ab. Auf alles gravierende Muss Beate ihn hinweisen, eher er von sich aus mal den Ernst der Lage versteht.
Leopold arbeitet eigentlich nur. Zuhause schläft er meist oder man sieht ihn etwas essen. Seinen Bierbauch trägt er wohlgenährt vor sich her.
Beide Mädels kennen die erste Regel im Umgang mit ihrem Vater. Die erste ist, dass man ihn nicht weckt, weil er ansonsten schlimmer als Mimi zicken kann. Die zweite ist, dass niemand nach ihm das Badezimmer betreten sollte wenn dieser nicht durch einen Giftgasanschlag sterben will.
Mit einem Brot mit Marmelade in der Hand setzt sich Isabell neben ihren schlafenden Vater auf die Couch. Der Fernseher läuft noch mit leisem Ton und das Handy ist schnell wieder griffbereit.
Kaum macht Leopold die Augen auf und begrüßt seine neben sich sitzende Tochter mit einem ganz provanen ´´Hallo´´, geht auch schon die Haustüre auf und Beate kommt herein gepoltert.
Sie war einkaufen und arbeiten. Die Einkaufstaschen knallen beim betreten des Flures gegen die Gästeklotüre und der Garderobe.
´´Kann mir mal Jemand beim ausladen helfen?´´: ruft sie laut ins Haus.
Leopold schaut Isabell an, grinst hämisch, macht die Augen wieder zu und lässt sich wieder in sein Kissen fallen.
Ein wenig muss Isabell deswegen ja schon lachen. Sie spingt aber auf, stopft sich den Rest von ihrem Marmeladenbrot in den Mund und begibt sich in den Flur.
´´Das Auto ist auch noch voll´´: kommandiert Beate direkt los als Isabell ihr eine Einkaufstüte aus der Hand nehmen will. Isabell geht bis ans Auto.
Beate hat den Wocheneinkauf mal wieder übertrieben. Nicht das mehrere Pakete von allem dabei sind, sondern auch Kisten an Getränken, Blumenerde und all mögliche Topfpflanzen, welche aussehen, als würden sie lieber den Freitod gewählt haben.
Kaum sind die Einkäufe in die Schränke gestopft und ´´verräumt ´´ worden, die Topfpflanzen zur Quarantäne auf der Terasse gestapelt worden , kommt Beate direkt mit ihrem Nächsten Kommandieren.
´´Isabell? Denkst du bitte daran, dass wir in 5 Minuten auch losfahren müssen? Zieh dir bitte schon einmal die Schuhe und hol deine Versichertenkarte´´
Glatt verdrängt hat Isabell ihr erstes Aufnahmegespräch in der LVR-Klinik. Heute soll sie erneut mit einem Facharzt über ihre Angst sprechen und dieser Entscheiden, was nun als Therapieansatz vorgeschlagen wird.
Auch wenn Isabell innerlich wieder total angespannt ist und ihr die Angst, jetzt eventuell negative Nachrichten beim Arzt zu bekommen,in die Karten spielt, zieht sie sich die Schuhe an und steht zeitnah zur Abfahrt bereit.
Beide Frauen hüpfen ins Auto. Mit jedem Meter wird Isabell angespannter im Sitz. Sie knetet und Massiert ihre Hände und Finger. Sie rutscht im Sitz hin und her und zappelt mit den Füßen.
Beate bemerkt die Art und legt ihre Hand während der Fahrt auf Isabells Schoß
´´Wir warten einfach mal ab was der Arzt sagt. Er wird sich sicher nicht einfach da behalten´´: äußert die Mutter.
Oft hatte Isabell Befürchtungen, dass wenn sie in der Klinik ankommt, man sie wie in Filmen oft gesehen, in einen Raum sperrt und sie dort bleiben muss. Oft stellt sie sich eine Gummizelle vor in der man sie alleine zurück lässt und sie alle paar Minuten Medikamente einnehmen müsse.
In der LVR-Klinik angekommen läuft Isabell wie von Sinnen neben ihrer Mutter richtung Ambulanzgebäude. Dort haben sie in 10 Minuten einen Termin.
Am liebsten würde sich Isabell jetzt eine rauchen vor Nervosität obwohl ihr die Übelkeit bis zum Hals steht.
Da sie aber keine Zigaretten mehr hat und ihre Mutter nichts vom Qualmen der Glimmstängel weiß, fällt das jetzt Eine rauchen flach.
Beate zieht noch hastig an ihrer eigenen Fluppe bis sie Isabell auffordert mit rein zu kommen.
Die junge Mitarbeiterin am Empfang bitte beide nachdem sie die Versichertenkarte in Empfang genommen hat, noch ein paar Minuten im Wartezimmer Platz zu nehmen.
Isabell betritt als zweites den Wartebereich. Beate schubste unachtsam die große Glastüre mit Schwung auf, dass diese bereits gegen die Spielzeugecke für die Kinder hinter der Türe schmierte und die dort aufgebauten Spielsteine umwirft. Da sich aber kein Kind in dem Raum oder im Flugbereich der Türe befand, ist es halb so schlimm. Dennoch ist es beiden peinlich.
Zwei gestalten hinter Zeitungen sitzen ebenfalls im Raum.
Ein älterer Mann hatte beim Umfallen der Steine und dem ´´Scheiße´´ was aus dem Mund von Beate entfleucht ist, seine Zeitung direkt runter gehalten um sich das Geschehen anzugucken. Der ältere Mann schüttelte nur abgetan seinen Kopf und verschwand mit seinem Gesicht wieder wortlos hinter seiner Zeitung.
Selbst das ´´Guten Tag´´ , was beide Frauen freundlich zur Begrüßung in den Raum danach sagen, wird von beiden Personen gekonnt ignoriert. Isabell und ihre Mutter setzen sich nach rechts außen. Lieber würden beide direkt am Fenster sitzen um raus in den Klinik-Park zu blicken. Doch dort sitzt der mürrische ältere Herr und zwei Plätze daneben ein weiterer Mann.
Die Minuten vergehen und nach einer Weile knistert die Zeitung des zweiten Mannes. Isabell hatte ihn bereits gemustert.
Er trägt Motorradstiefel und eine Lederhose. Scheinbar ein Motorradfahrer.
Der junge Mann legt die Zeitung neben sich ab und schaut in den Raum.
Isabell guckt ihn an, hat aber keinen genauen Blick für sein Gesicht, da sie innerlich wieder auf eine Panikattacke zusteuert. Das stille Warten im Raum macht sie wahnsinnig und das sie dort auch noch warten muss, triggert in ihr alles Negative.
Der junge Mann schaut rüber zu Beate, welche ihn ebenfalls musterte. Er zieht sich seine Bluetoothkopfhörer aus den Ohren und stopft sie sich in die Innentasche seiner Motorradjacke.
Dann schaut er zu Beate rüber und nickt bei einem lächeln höflich um wenigstens nach dem Zeitraum quasi einen guten Tag zu wünschen.
Beate kann nicht anders als freundlich zurück lächeln und damit bricht der Augenkontakt auch wieder ab.
Der junge Mann schaut dann auf sein Handy und scheint ebenfalls durch Instagram zu flitschen.
Isabell schaut nur noch stur zu Boden und hofft, dass der Arzt sie jeden Moment rein ruft.
Die Wartezimmertüre geht auf. Ein dicker, vollbärtiger Mann in einem Arztkittel steht im Türrahmen.
Mit tiefer Stimme fordert er den älteren Mann auf ihm in den Behandlungsraum zu folgen.
Isabell zuckte bei der tiefen Stimmlage zusammen und war sichtlich eingeschüchtert von dem Bär in Menschengestalt.
Die Türe geht wieder auf und ein kleiner, braunhaariger Mann mit Brille und Arztkittel kommt in den Raum.
Er schaut zu dem jungen Mann in Motorradkleidung rüber und teilt diesem mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht mit, dass dieser nun seine Rezepte und Unterlagen vorne am Empfang gleich mitnehmen könnte. Es würde noch ein paar Minuten dauern bis alles Notwendige vom Hausarzt da ist. Wenn es also nicht zu Mühe macht, solle er sich bitte noch ein paar Minuten gedulden.
Isabell folgt der Stimme des Arztes aber würdigt ihm keinen Blick da ihrer immer noch stur auf den Boden gerichtet ist.
Plötzlich hört sie den Arzt in ihre Richtung sprechen:´´ Und Sie sind Isabell? Sie können mir gerne folgen wenn sie möchten´´
Isabell schaut hoch und blickt in das lächelnde Gesicht des Arztes.
´´Na dann kommen sie beide mit, wir beißen nicht´´: äußert er und dreht sich flink um und huscht in Richtung seines Büros.
So schnell wie der Arzt war, kann Beate kaum ihre Handtasche greifen und Isabell vor sich hertreiben.
Im Behandlungsraum angekommen werden beide sofort Sitzplätze angeboten. Der Arzt setzt sich Isabell gegenüber an seinen Tisch und bittet sie einfach, einfach mal drauf los zu reden, was für sie denn das Problem oder die Gefühlslage sei.
Isabell ist erst einmal schweigsam. Die ersten Begriffe, die ihren Mund verlassen sind:´´ Ich weiß es nicht genau´´
Der Arzt wartet geduldig Isabells Gesprächspause ab. Dann jedoch erzählt sie etwas mehr.
``Von jetzt auf gleich wurde mir damals irgendwie alles zu viel. Ich hab dann einfach alles weiter gemacht und fühlte mich oft ausgelaugt. Manches machte einfach keinen Spaß mehr. Irgendwie musste einfach immer alles klappen und irgendwann bin ich morgens aufgestanden und hätte nur weinen können.´´
´´Weinen wovor?´´ fragt der Arzt
´´Es hat einfach nichts mehr Spaß gemacht und je mehr ich mich trotz weinen gequält habe, umso mehr hatte ich plötzlich Angst manches zu machen´´
´´Jetzt habe ich oft Angst einfach das Haus zu verlassen weil ich Angst habe unterwegs eine Panikattacke zu bekommen. Immer wenn ich eine Massive habe, muss ich mich übergeben, was mir dann auch peinlich ist. Dann habe ich Angst, dass ich es nicht wieder heil nach hause schaffe´´
´´Und wie ist es aktuell?´´ stellt er ihr die Frage
´´Aktuell ist es unverändert und die Medikamente die ich jetzt nehme machen es nicht besser. Wenn ich abgelenkt bin dann klappt es meist den Tag zu meistern. Abends fühle ich mich jedoch total erschöpft und mag dann morgens am liebsten nicht mehr aufstehen und nur noch im Bett liege bleiben.
Dinge, welche ich gerne gemacht habe, machen keinen Spaß mehr. Oder es dauert Ewig, bis sie wenigstens ein bisschen noch Spaß machen´´: äußert Isabell
Nach vielen weiteren sehr ruhig gestellten Fragen, darf Isabell den Behandlungsraum zusammen mit Beate wieder verlassen.
Da der Arzt noch nicht genau weiß, worin genau die Ursache ihrer Angststörung liegt, möchte er sie gerne Ambulant erst einmal weiter betreuen und sie mit in der Tagesklinik nach ihrem Abitur aufnehmen. Bis Dato soll sie jedoch die aktuellen Medikamente weiter nehmen. Eine Besserung kann sich meist erst nach ein paar Wochen einstellen und er bittet sie, ein wenig Geduld zu haben. Nur bei gravierenden Nebenwirkungen soll sie sich sofort melden. Ansonsten verbleiben beide, dass sie nur einmal in der Woche zu einem kurzen Gespräch rein kommen soll.
Sichtlich erleichter verlässt Isabell den Behandlungsraum und marschiert mit Beate zusammen nach vorne zur Anmeldung.
Dort wartet immer noch der junge Mann in der Motorradkleidung. Der Arzt folgt den zwei Frauen auf kurzem Fuße und trifft nahezu Zeitgleich mit den Damen in der Anmeldung ein.
Schnell überreicht er dem Mann in der Motorradkleidung noch ein Dokument was er bei den Frauen an der Anmeldung noch unterzeichnet
Dann reicht der Arzt auch noch Isabell eine Visitenkarte.
Auf dieser ist die Durchwahl zu seinem Büro und der nächste Termin mit Uhrzeit für kommende Woche aufgelistet.
Noch einmal wiederholt er sich und äußert, dass sie bitte bei einem Notfall anrufen oder sofort vorbei kommen soll.
Beate und Isabell gehen zum Auto. Schnell macht Beate ihrer Tochter Mut, dass sie die kommenden Termine auch schafft und es heute ja halb so schlimm war. Man wird ihr sicher dort super helfen können.
Beate und Isabella sind in ein Gespräch, bzw. Monolog von Beate vertieft, welche wie gewohnt mit ihrem Auto schleicht.
Beate schleicht wirklich immer mit ihrem Auto.
Isabell sitzt neben ihr und hört ich bei ihren Worten zu. Ist gedanklich jedoch bereits schon am liebsten wieder zuhause.
Sie verlassen das Gelände der Klinik und biegen auf die Landstraße nach einer langen Ampelrotphase ab. Langsam beschleunigt Beate ihre kleine Familienkutsche. Währenddessen wiederholt sie sich in ihren Worten zu Isabell, dass sie bitte bis kommende Woche weiter darauf achten soll, ob sich durch das Venlafaxin bei ihr Nebenwirkungen oder Veränderungen bemerkbar machen. Beate macht sich einfach als Mutter ja auch nur Sorgen.
Beate tukkert weil sie so im Gesprächsfluss ist mit 65km/h durch die nun aufgekommene 100er-Zone.
Ein schwarzes Motorrad donnert an den beiden Frauen vorbei. Es ist laut und brummt ungemein. Erschrecken sofort als der Raketenfahrer von hinten ihnen vorbei geflogen kommt.
Er muss die Fahrzeugschlange, welche sich hinter den Frauen durch Beate gebildet hat in einem Schwung komplett überholt haben.
Isabell´s Pulls schießt in die Höhe und Beate hätte fast das Lenkrad verrissen weil sie sich so erschrocken hat. Sie bemerken, dass sie den Verkehr aufhalten und beschleunigt auf die nötige Richtgeschwindigkeit hoch.
´´Im Wartezimmer fand ich ihn noch süß´´: meint Beate.
Isabell kann ihrer Mutter nicht ganz folgen. Scheinbar war das der Motorradfahrer von eben. Beate meint ihn zumindest an der Lederkleidung erkannt zu haben.
Zuhause wieder angekommen liegt Leopold wieder auf der Couch. Streckt aber sofort den Kopf über die Lehne als die beiden das Wohnzimmer betreten und fragt direkt nach wie es war.
´´Das musst du dir vorstellen! Kaum sind wir auf der Schnellstraße und ein bisschen zu langsam, weil wir noch am quatschen waren, gibt es schon Stress und so ein Arsch fliegt mit seinem Motorrad so an uns vorbei, dass wir fast im Grünstreifen gelandet wären´´: meckert Beate direkt herum.
´´Du musst dich schon der Geschwindigkeit anpassen´´: antwortet Leopold hinzu weil er die Fahrweise seiner Frau kennt. ´´Ich meine aber wie es in der Klinik lief´´:fügt er noch hinzu.
Isabell möchte antworten aber führt ihren Atemzug noch zu ende. Doch dann kommt ihr Beate zuvor und ergreift direkt wieder das Wort für ihre Tochter: ´´ Ganz gut. Sie soll ihr jetziges Medikament erst einmal weiter nehmen und die Nebenwirkungen beobachten und ob sich diese legen. Ansonsten ist der Arzt wirklich sehr nett und sie muss kommende Woche wieder für ein Gespräch nach da´´
´´Das ist doch schön zu höre. Was essen wir eigentlich gleich?´´: ist die Reaktion von Leopold und legt sich wieder mit dem Kopf zurück auf die Couch.
Isabell hat und möchte dazu gerade nichts weiteres sagen. Der Tag war für die anstrengend genug und dreht sich einfach herum um in ihr zimmer zu gehen.
´´Ich koche jetzt gleich mal was und dann musst du heute auch mal was essen!´´: ermahnt Beate Iabell noch in einem liebevollen aber strengen Ton.
´´Jaaaaaaaaa´´: sagt Isabell nur und trottet bis in ihr Zimmer hoch.
