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Mit Sinn und Herz für Frau und Mann, mit Kriminalität und Wissenschaft, da kann man optimistisch sagen: es geht voran!
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Seitenzahl: 683
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ja! Ich will!
Eine romantisch e Trilogie,
eingebettet in drei Kriminalfälle welche hochgradig filmverdächtig sind
in einem Essay!
“Ab 18 Jahre zugelassen”
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“Mitten in der Gesellschaft angekommen”
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Alle Rechte für das Gesamtwerk vorbehalten bei Autor Bruno Kumeisson
Wir schreiben das Jahr 2078
Jim Bordaz arbeitet an seiner Dissertation,
welche er zum Thema :
“Ethik und Moral”
zu Beginn des 3. Jahrtausends in Europa
in der Bostoner Universität
im Jahr 2080 zu verteidigen hat.
Diese Arbeit benötigte großen Aufwand, da er sich nicht nur auf die zehn,
im Jahr 2002 in diesem Raum sozial führenden Länder beziehen kann.
Kapitel 2: Igor Miller und Ceri Veslav
Kapitel 3: Elies Müller und Wolfgang Bretschneider
Kapitel 4: und Schluss
Nachwort zu den soziologischen, kriminellen und teils neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen des Roman
Die Europäische Union umfasst im Jahr 2010 fast alle europäischen Länder und hatte bereits begonnen, sich auf den asiatischen Raum auszuweiten.
Jim Bordaz, der von seinen nächsten Freunden scherzhaft “Professor Unrat” genannt wird, ist der Sohn einer renommierten Bankkaufmannsfamilie, welche auch ein Juweliergeschäft der exquisiten Klasse ihr Eigen nennt.
Im Laufe seines Lebens, besonders aber im Zeitraum seines Studiums an der Universität interessiert er sich - obwohl aus gutem Haus - oder gerade aus diesem wohlhabenden Umfeld heraus, für die Hintergründe der menschlichen Exesse seiner Zeit aber auch der früheren Epochen.
Um eine reale Grundlage für die Bearbeitung seines Dissertationsthemas zu finden, stell er sich nach einigen Ansätzen nunmehr die Aufgabe, die vergangenen Jahrzehnte anhand der allgemeinen Ereignisse seines Heimatlandes Amerika und dem Entwicklungsgang Europas, einer Untersuchung zu Unterwerfen.
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Jim besucht nun bereits seit Monaten die “Staatliche Amerikanische Bibliothek“ in New York.
Er hatte sich als sensibler, gründlicher und zur Pedanterie neigender, über das normale Maß hinaus gewissenhafter und fleißiger junger Mann, regulär in die Flut der Datenträger, von Büchern, Journalen, Gerichts- und Polizeiakten hinein gegraben.
Die Möglichkeiten der Nutzung der digitalen Wiedergaben aus dem Bibliothekfundus konnte sein Interesse nicht so sehr finden. Er bevorzugte, gemäß seiner bisherigen Gewohnheiten immer mehr die Originaltexte, wenn irgendwie möglich, auf bereits vergilbten Papier zu lesen.
So in die jeweilige Situation hinein gezogen, ruhte er auch im sonstigen Leben, nicht bevor auch das am tiefst liegende Detail an das Licht des Tages befördert war.
Ein Teilergebnis seiner nunmehr begonnen Forschungsarbeit war, dass er immer mehr von dem angehendem Sozialwissenschaftler zum Historiker mutierte.
Als Quartalszeitzeuge eines bereits dreiviertel vergangenem Jahrhundert, hatte er Rückblick und Gegenwart einer rasenden Entwicklung der Wissenschaft, der Modernisierung der Technik, überhaupt einer unendlich schnellen Anhäufung und Erweiterung von Forschungsergebnissen und Erkenntnissen auf nur denkbaren und bisher nicht vermuteten Gebieten, miterleben können.
Solche Worte wie “Globalisierung und Krise”, oft im Andenken an die ersten zwanzig Jahre des neuen Jahrhunderts von seinen Eltern benutzt, hatten ihre Realität im Bewusstsein seiner Generation verloren.
Ein ständiges “Auf und Ab” in der Wirtschaft ist für ihn das Normalste was es gibt.
“Job” oder “Arbeit”, dieser Begriff für menschliche Tätigkeit ist zum Relikt der Vergangenheit geworden.
Heute spricht man nur noch von :
- “word for time have you, - was für Zeit hast du?” -
Die Zeit ist zum alleinigem Wertfaktor einer Ware geworden!
Der Mensch wird von “Handelsgesellschaften” für die vielfältigsten Aufgaben und Tätigkeiten in allen Bereichen der Gesellschaft vermittelt, ausgeliehen und wenn erforderlich ausgesondert, an die Seite gestellt.
Verbraucht - - - - Abfall! - - - - Schluss und Ende!
Immer wird ihm nur Zeit angerechnet, für welche er mit einer Chipkarte alles kaufen kann, was er für das täglich Leben benötigt und darüber hinaus, wenn die nötige “Verrechnungszeit” noch geladen ist, was er sich sonst noch zu leisten gedenke.
“Diese Zeitabrechnung, ist in Amerika und Japan bereits üblich, in China fast genauso gängig und in Europa bereits im Anlauf begriffen.”
Jim vermerkt :
“Die Minute ist zur Zwangsjacke des Individuums ``Mensch'' geworden!” Die Frage : “Hast du Zeit”, versteht man nicht mehr als Freiraum, sonder nur noch als, “kannst du dir noch etwas kaufen oder leisten?”
“Also Jim!”, sagte er so zu sich selbst,
“leiste etwas“! “Du hast sonst nach deiner ``Galgenfrist 2080'' keine Zeit
mehr zur Verfügung und man wird dir sagen :
Deine Zeit ist abgelaufen!
Aus, Ende der Erdenlebenszeit''!”
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Mit diesen Gedanken betritt Jim Bordaz den Airport von Boston um nach Deutschland zu reisen.
Sein erstes Ziel soll dort die Hauptstadt dieses Landes sein, von wo er nach Bedarf und Notwendigkeit weitere Unternehmungen angehen wolle.
Schnell und zügig kann er die Isotopenkontrolle vor der Gangway passieren.
Der superschnelle, für eine 3 - Mach - Geschwindigkeit gebaute Jet stand schon startbereit.
Bei dem Betreten des Fluggeräts hörte er :
“Wir begrüßen den dreiundzwanzigsten Gast,
Mister Jim Bordaz, mit der Bitte,
den Liegeplatz unverzüglich einzunehmen!”
Dann kam der Hinweis : “Es wird im eigenem Interesse jedes Passagiers empfohlen, für den Zeitraum des Aufleuchtens der grünen Bordlampen, den Mund leicht geöffnet zu halten.
Damit können Sie Belastungen, die bei dem Katapultstart des Flugzeuges und dessen Beschleunigung in den ersten zehn Sekunden auf ein Mach, das sind 330 Meter pro Sekunde, kompensieren.
Bitte achten sie auf die Ansage :
“ Von - - fünf bis 0 - - Start!”
“ Die Besatzung wünscht ihnen einen guten Flug!”
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Jim erlebte die ersten Minuten, als ob es ein Flug in das Universum wäre. Sein geliebtes Amerika verschwand in Eile am Himmelshorizont. Da sich auf der nördlichen Erdhalbkugel eine riesige Tiefdruckfront tummelte, war weit und breit, unter und seitlich des Flugzeuges nichts weiter als ein Wolkenmeer zu erkennen.
Nach reichlich einer Stunde ging das Spiel mit Zeit und Raum dem Ende entgegen.
Fast unbemerkt, mit einem sanften Knicks setzte der superschnelle Vogel auf dem Euroairport Berlin auf.
Die Abbremsvorrichtung funktionierte tadellos, doch Jims Magen war trotzdem nicht ganz damit einverstanden.
Mit der Magnetschwebebahn erreichte er sein Hotel in wenigen Minuten in einem Satellitenstädtchen, dieser inzwischen mehrere Millionen beherbergenden Metropole Mitteleuropas.
Sein Domizil im Hotel hatte er bereits von Boston aus virtuell besichtigt und kannte bereits alle Stockwerke mit ihren auf alle Bedürfnisse ausgerichteten Funktions-, Aufenthalts- und Wohnräumen.
In der Empfangshalle sollte Jim die erste Überraschung in Europa ereilen, welche auch für sein späteres Leben große Bedeutung erreichen sollte!
Der sonst, vor allem in seinem Heimatland übliche männliche Empfangsdirektor, war hier eine schlanke, brünette Dame, zirka 25 Jahre alt, mit leuchtend blauen Augen!
Mit einem wunderbar anmutendem Sopran in ihrer Stimme, erhielt er die Einweisung in die geschäftlichen Gepflogenheiten des Hauses.
Dabei erfasste ihn eine, von ihm bis dahin nicht gekannte innere Begeisterung.
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Jim begab sich gefolgt von einem Hotelboy in den dritten Stock, wo sich sein zukünftiges “Zuhause auf Zeit”, zwei Zimmer, Bad, ein gemütliche Vorraum, Türnummer 365, befand.
Von hier aus, beabsichtigte er seine wissenschaftlichen Untersuchungen, welche ihn auch in die angrenzenden EU-Länder führen sollte, durchzuführen.
In der Tagespresse und den Fachjournalen war für
den 11. September 2080 ein Kolloquium in der
Universität Boston
angekündigt, welches die Zielstellung erhielt :
Verteidigung der Dissertation
Ethik und Moral zu Beginn
des 3. Jahrtausends in Europa
durch Mister Jim Borrdaz
Begleitende Wissenschaftler :
Professor Dr.disc pol., Dr.phil. Felix Baumann
Universität Boston
Professor Dr.sc.hum. Anton Zschirmer
Universität San Francisco
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Pünktlich 11 Uhr eröffnete Prof. Dr. Dr. Baumann das Kolloquium
mit einem zehnminütigem Trauergedenken an den
Tod der über 6 Tausend Menschen
vom 11. September 2001 in New York.
Begleitet wurden diese Minuten voller Schmerz mit dem Song von Frank Sinatra - “My Way“.
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Im Konferenzsaal der Universität hatten über 750 Personen Platz genommen. Das Fernsehen Europas und Asiens war außer den regionalen Anstalten ebenfalls vertreten.
Ein leichtes Kopfnicken hin zu Jim Bordaz, bedeutete die Aufforderung von Prof. Baumann, er möge mit seiner Einleitung beginnen.
Jim, welcher zwischen seinen “Professorenvätern” auf der Bühne vor einem mehrere Meter langem, mit Mikrophonen regulär gespicktem Tafeltisch Platz genommen hatte erhob sich darauf hin, um noch etwas nervös wirkend hinter das Podium zu treten.
Professor Zschirmer quittierte Jims Regung mit einem für andere nicht zu erkennendem, leichtem lächeln und ermunterndem Ausdruck seiner tiefbraunen Augen.
So ergriff Jim das Wort und stellte sich kurz, mit Angaben zu seinem Alter, seinem bisherigem Lebensweg und seiner sozialen Herkunft vor, um danach, die bisher schwersten Tage seines Lebens mit folgenden Worten zu beginnen :
„Sehr geehrte Herren Professoren!“
„Sehr geehrte Damen und Herren!”
“Es ist eine große Ehre, welche sie mir durch ihre zahlenmäßig große und vor allen Dingen hochrangige Teilnahme zuerkennen.
Ich möchte ihnen dafür meinen herzlichen Dank erbieten!”
“Die von mir heute zu verteidigende Dissertation hat in meinem Denken und auch für mein zukünftiges Handeln tiefe Spuren hinterlassen.
Die nunmehr über dreijährige, detaillierte Untersuchung der sozialen Bedingungen in Europa des beginnendem drittem Jahrtauend haben erschreckende Ereignisse, einer sich damals fast seuchenhaft ausbreitenden Mortalität aufgezeigt.
Die Lebensverlustziffer stand in dieser Zeit im direktem Widerspruch zu der, dank des Wissenschaftlichen Fortschritts möglichen, längeren Lebenserwartungszeit der Menschheit.
Auch heute hat sich diese Kluft bei uns hier nicht wesentlich geändert!
In meiner, auf Grund dieser Erkenntnis erforderlichen weit tieferen Schürfung nach den Ursachen dieses Umstandes musste ich erkennen, dass “einzig und allein” der Urgeist der Menschheit, nach Macht über den Nächsten die entscheidende Triebkraft war!
Wir wissen heute, fast am Ende dieses neuen Jahrhunderts, wie mühsam es war und noch ist, eben diesen Instinkt der Urzeit, welcher in Jedem von uns noch schlummert in ein “Eckendasein” zurückzudrängen.
Es ist eine heroische Leistung, dass es zu mindestens einem Teils der Menschheit unseres Globus gelang, die noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbare Möglichkeit, das Gold, also auch die Geldwährung als entscheidenden Bewertungsmaßstab in allen Lebensbereichen zurück zu drängen oder bereits zu einem großen Teil abzuschaffen.
In einer Epoche, wo wir immer noch nach den Gesetzmäßigkeiten von Zeit und Raum suchen, bietet sich nunmehr der Begriff : “Zeit”, für uns Menschen, die wir ja darin keinen unendlichen Bewegungsraum haben, als Faktor und Bewertungskoeffizient für unser Leben in der Gesellschaft an.
Wir, von Kindesbeinen daran gewöhnt, immer nicht genügend Zeit zu haben, empfinden diese uns damit angelegte “Zwangsjacke”, welche uns vom Anfang bis an das Ende unserer Tage umgibt, nun nicht mehr als etwas Wesensfremdes.
Zeitgutschriften bei unserer menschlichen Tätigkeit, beziehungsweise auch eine Verringerung dieses Verrechnungsvolumen bei der Befriedigung unserer Bedürfnisse, so glaube ich zu mindestens mit einem großen Teil von ihnen überein zu stimmen, könnte eine immer größere, allseitige wohltuende Atmosphäre schaffen.
Ich bin jedenfalls als amerikanischer Bürger stolz darauf, dass eine solche Idee in England im Jahr 2005 seinen Anfang genommen hat in unserem Land, den weltweiten Durchbruch seiner Anwendung erzielte.
Ich möchte jedoch in diesem Zusammenhang herausstellen, dass meine augenblicklichen, diesbezüglichen soziologischen Feststellungen uns auf keinen Fall zu der Annahme führen dürfen, dass es möglich sein könne, die in uns über Jahrtausende eingeprägten Vorsätze und Vorstellungen, in zwei oder drei Menschheitsgenerationen zu überwinden!
Immer noch müssen wir, wenn glücklicherweise auch rückläufig, von einer sehr hohen Kriminalrate sprechen.
Die Selbstmordrate ist noch überdimensional groß, die Ehescheidungen bei 70% der geschlossenen Ehen.
Dieses ist eine sehr ernste Warnung an unser freiheitsliebendes Land! Der am stärksten dadurch betroffene Teil unserer Menschen sind die Kinder und Jugendlichen welche noch nicht wissen, wohin ihr Weg gehen wird!
Diese brauchen in unserer heutigen Zeit weit mehr Zuwendung, als wir uns bisher überhaupt vorstellen konnten!
Bitte betrachten sie die gesellschaftliche Realität an jeden aufkommenden Tag immer wieder auf das Neue!
Das uns aus der alten Geschichte der Menschheit gut bekannte “Babylon“ verfolgt uns noch bis heute mit seinen moralischen und ethnischen Auswüchsen.
Ich bin davon überzeugt, dass es uns dank der Mikrobiologie möglich geworden ist, genetische Fehlinformationen im Erbgut auch auf diesem Gebiet zu erkennen.
Damit ist die Möglichkeit gegeben davon betroffene Männer und Frauen zu verstehen und nicht auszugrenzen.
Wie Sie meinen ihnen vorliegenden Untersuchungen entnehmen können, habe ich auch diesbezüglich bestimmt Ursachen erkennen können.
Ich danke Ihnen für Ihr dargebrachtes Interesse und stehe Ihnen, ab jetzt und die nächsten Tag zu der Verfügung!”
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Nach diesen Worten konnte sich Jim Bordaz wieder zu seinem Platz zurückbegeben und Prof. Baumann eröffnete den “Kreuzverhör”.
- Igor Miller, von der “New York Tribun”.
“Mister Bordaz, ich habe in Ihrem Quellennachweis den Vermerk auf eine Kriminalakte Nummer 678 / 2 - 2005 gefunden und mich in Deutschland um die Herausgabe oder Einsicht bemüht.
Da Sie sich intensiv um fündig zu werden bis in die letzten Gedankenansätze von Menschen, entschuldigen Sie bitte den Ausdruck “hineingewühlt” haben, bitte ich mir die Frage zu beantworten :
“Sehen Sie einen geistigen Zusammenhang zwischen dem in der von mir genannten Akte aufgenommenen Tatbestand, ich zitiere daraus : ``Auf der rechtsseitigen Straßenböschung, der von Annewitz nach Rodberg bergwärts führenden Straße entdeckte am'', das Datum möchte ich auslassen, “ein Lastkraftfahrzeug führender Mann, zwei im Abstand von 3,80 Meter auf Stubensesseln abgesetzte weibliche Leichen”.
Ich wiederhol und erweitere meine Frage :
“Sehen Sie, oder können Sie zu mindestens einen Zusammenhang dieser Handlung, eines oder mehrerer Verbrecher, mit der Zerstörung der beiden Türme des World Centers mitten in New York herstellen?”
Diese Frage schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel in den Konferenzsaal ein!
Den lähmenden ersten Sekunden folgten Stürme des Protestes.
Der Korrespondent Miller wurde erfasst und in einem nicht wiederzuerkennendem Tumult durch einen Saalnotausgang, mit seinen wie Hornissen an ihm hängenden, sich schlagendem und drängendem Menschenknäuel, auf den Gang hinaus befördert.
Da es keinen vorherrschenden Grund gab, für diese Veranstaltung besondere Sicherheitskräfte zu beordern, sorgten unter großen Mühen hauseigene Ordnungskräfte dafür, dass Igor Miller weitgehend ungeschoren in einen gegenüber liegenden Sitzungsraum entkommen konnte.
Professor Zschirmer hatte inzwischen die Initiative im Konferenzsaal ergriffen und trotz empörten Rufen und Pfiffen erklärt, dass wir, die in einer freie Demokratie leben, auch Fragen stellen dürften, welche auch unsere innersten patriotischen Gefühle berühren würden!
Er sagte zu, da die Tageszeit schon erheblich vorangeschritten sei, Mister Bordaz zu bitten, seine Auffassung dazu in den nächsten Tagen zu äußern.
Die Übertragung der Szene aus dem Konferenzsaal war für Amerika für zirka 15 Minuten im Rundfunk und Fernsehen unterbrochen worden.
Einer der Berichterstatter für diese Medien sprach als Grund dafür, von einer durch einen Journalisten an Jim Bordaz gestellten “peinlichen Frage”.
Die seit längerer Zeit in der weltweiten Fachpresse angekündigte Verteidigung dieser soziologischen Dissertation, könne jedoch ohne Kürzungen im Internet verfolgt werden.
Nachdenklich stimmte jedoch journalistische Fachkreise die Tatsache, dass nunmehr in der Abendausgabe der bedeutendsten Zeitungen großformatige, nicht viel aussagende Fotos anstelle präsenter Berichte zu sehen waren. Der Verdacht, dass diese, sogar die ganze Nation aufreizende Fragestellung eine abgekartete Sache sein könne, kochte wie wild in den Spekulationsküchen.
Allgemein wollte man erkannt haben, dass die Amerikanische Seele erneut mit dieser Frage hart getroffen werden sollte.
Aber : Zum Trotz dieses Orakels, der Sturm blieb aus!
Die Völker Amerikas hatten im Laufe ihres Bestehens bewiesen, dass sie noch ganz andere vermeintliche Demütigungen zu überwinden gewöhnt waren.
“ Schwäche nein!” Ein Wort was Amerikaner mit Ignoranz, als unter ihrer Würde abtun!
Trotzdem, die folgende Nacht war eine der unruhigsten der letzten Jahre.
Der Central Intelligence Agency , kurz CIA und andere Geheimdienste begannen sich hektisch für eventuelle Hintergründe Millers “Vergleichsfrage” zu interessieren.
Selbst der Präsident der USA hatte durch seinen innenpolitischen Berater, Mister J. Asjef einen Vermerk über diese Angelegenheit erhalten.
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Für Igor Miller waren nun kritische Tage angesagt.
Bei ihm wollte man unbedingt herausfinden, wessen geistigen Kindes er in Wirklichkeit war oder welche “Köpfe” ihn dabei im Vorfeld beraten, bzw. sogar aufgefordert hatten , solch eine Frage aufzuwerfen.
Miller hatte man einen Aufenthaltsort zugewiesen, welcher es keinem ungebetenen Gast ermöglichte ihn entweder zu sehen noch zu sprechen.
Da eine Konspiration nicht auszuschließen war, konnte man diese Vorgehensweise innenpolitisch schon verstehen.
Von Europa aus signalisierte man allerdings Unverständnis darüber. Aber zu welcher Zeit hat die amerikanische Regierung das denn schon einmal gestört?
Allerdings war man sich auch darüber sicher, dass dieser Mann irgendwann, an einer nicht vorherzusehenden Stelle wieder auftauchen werde.
Diese Auffassung beunruhigte aber manchen weniger, als es augenblicklich denkbar gewesen war.
Die Kurbel der Sicherheitsdienste und der Kriminalmaschinerie war jedoch erst einmal angeworfen und deren Schwungkraft nahm immer rascher zu.
Verdächtigungen, Vermutungen und irrig erscheinende Prognosen wechselten sich schneller ab, als je ein Mensch seine Zunge bewegen kann.
In diesen Tagen wird der Ausspruch bei Jakobus in der Bibel, Kapitel 3, Vers 8 deutlicher denn je, wo es da heißt : “Die Zunge aber, kein einziger Mensch kann sie zähmen. Ein widerspenstiges, schädliches Ding voll todbringendem Giftes ist sie!”
Diese Auswirkungen waren so einfach logisch, wie unvorstellbar dubios.
So erwog man zuerst, kriminelle Absichten, welche erneut Unruhe, Verunsicherung und neue Heraufbeschwörungen von Terrorgelüsten von “bösen Mächten”, wie in Zeitdokumenten von den Jahren 2000 bis 2005 beschrieben, dahinter zu sehen.
Auf mögliche soziale Hintergründe dieser Millerschen Frage, kamen die um Hintergrundwissen bemühten Instanzen, genau wie um die Jahrtausendwende einfach nicht, oder wollten bestimmte Leute bewusst nichts davon hören oder sogar wissen.
Untersuchungen im Redaktionsgebäude der New York Tribun bereits am nächsten Tag, hatte kein erhofftes Quellenmaterial hervorgebracht.
Auch die Fahndung in Druckereien nach vorbereiteten Artikelentwürfen für die Abendausgabe der Zeitungen blieben ohne Erfolg.
Im Ergebnis verfügten die Presseräte nach Absprache mit den Untersuchungsinstanzen eine Informationssperre zu dieser Problematik.
Allgemein erhofften sich die Verantwortlichen für das öffentliche Leben, dass der Doktorand Jim Bordaz in seiner Stellungnahme einleuchtende Erklärungen finden werde.
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Am zweiten Tag nach dem Eklat im Konferenzsaal tagte erneut der wissenschaftliche Rat der Universität um zu prüfen, ob es erforderlich sei die Wissenschaftliche Kompetenz bei der Abnahme der Verteidigung der Doktorarbeit zu erhöhen.
Nach ausreichender Abwägung der Erfordernisse einigten sich die beteiligten Herren Wissenschaftler
Herrn Prof. Dr. jur. Elex Merworth von der Universität Paris und
Herrn Prof. Dr. Phil. Max Herbisch von der Universität Berlin dafür zu gewinnen.
Das war auch kurzfristig möglich, da beide Professoren zur Zeit als Gastdozenten an der hiesigen Universität wirkten.
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Der Saal mit einer Kapazität von 1.500 Plätzen war vollkommen ausgelastet.
An den Notausgängen hatten sich Ordnungskräfte postiert und nach einem kurzem Klingelzeichen schlossen sich die breiten Flügeltüren des Hauptportals.
Die Atmosphäre im Raum erschien ruhig und gelassen.
An dem leisen und verhaltenem Sprechen von Teilnehmern der Veranstaltung konnte jedoch eine innere Spannung der Gemüter auf das, was nun zu erwarten sei nicht übersehen werden.
Mit dem zweiten Klingelzeichen erschienen die Professoren und Jim Bordaz auf der Bühne um dort ihre Plätze einzunehmen.
Professor Anton Zschirmer übernahm an diesem Tag mittels Läuten einer Tischglocke, die Leitung der Anhörung.
Einleitend brachte er sein Bedauern, für die eintägige Unterbrechung zum Ausdruck, um ohne weitere Umschweifungen das Wort Jim Bordaz, für dessen Erläuterung der am ersten Tag unbeantwortet gebliebenen Frage zu übergeben.
Jim, welcher sich den ganzen Abend des verunglückten sowie des folgendem Tag mit seiner, inzwischen jung verheirateten Frau Irena, inzwischen selbst Doktor jur. über der Gerichtsakte abgemüht hatten, empfand so etwas wie innere Selbstvorwürfe.
Sie empfanden beide, dass sie schon vor zwei Jahren, viel zu viel Zeit damit vergeudet hätten!
Bei der Zusammenstellung des Quellennachweises hatte Jim schon mehrmals gezögert, diese Angaben darüber überhaupt aufzunehmen. Irgendetwas, so meinte er sich erinnern zu können, störte ihn schon damals. War es vielleicht die Aktennummer oder der Inhalt?
Oder schwang ihm wie ein Hauch, eine unangenehme Ahnung voraus?
Seine Charaktereigenschaft, gründlich und gewissenhaft zu sein, auch Notlügen als komplette Unwahrheit zu registrieren veranlasste ihn, Ehrlichkeit, notfalls bis zur Selbstaufgabe als seinen Lebensinhalt zu sehen.
Der Wahrheit verpflichtet, ließ er also auch diese schwierige Akte menschlichem, exzentrisch - soziologischem Verhaltens nicht verschwinden.
Ihn quälte während der Eröffnung des heutigen Tages seiner Offenbarung immer noch die Frage, ob er diese Gedanken in der anstehenden Beantwortung irgendwie einbringen solle?
Als er jedoch von Prof. Zschirmer das Wort für die Stellungnahme übertragen erhielt, entschied er sich für ein klares “nein”!
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Mit einer angedeuteten Kopfbewegung zu den Professoren hin, begann Jim Bordaz mit den Worten :
“ Sehr geehrte Herren!”,
-- kurze Pause, dann zu dem in Totenstille gefallenem Publikum, mit ein, zweimaligem Kopfnicken in die Runde,
“ meine Damen und Herren!”
“Ich bin erfreut, Ihnen heute erneut zu einer Verfügung zu stehen!”, - - - kleine Kunstpause - - - dann weiter,
“Sie gestatten mir bitte, die vorgestern gestellte Frage aus meiner ganz persönlichen Sicht zu beantworten.
Die Erarbeitung meiner Dissertation hatte laut Vorgabe des Themas das Ziel :
„Die soziologischen Vorgänge zu Beginn unseres jetzigen Jahrhunderts in Europa einer Untersuchung zu unterziehen.“
Dabei ging es, komplexe Erscheinungen und deren Zusammenhänge in der menschlichen Gesellschaft dieser Jahre, möglichst genau zu erkennen.
Aus eben diesem Grund bitte ich Sie verstehen zu wollen, dass ich bei dem mir dabei bekannt gewordenen Details keine, ich wiederhole, keine, - - kriminalistischen Untersuchungen vorgenommen habe.
Eine solche Tätigkeit hätte den Rahmen meines Auftrages, nicht nur überspannt sondern zu einer vollkommenen Entartung meiner Dissertation geführt .”
- - - - - Im Saal war ein leichtes unzufriedenes
Raunen zu vernehmen. - - - - - - - - -
“ Was aber den speziellen von Herrn Miller angeführten Vergleich betrifft, würde ich feststellen wollen, dass es sich dabei um eine exzentrische Verhaltensweise und Tatbestände handeln könnte, welche sich aus einem psychischem Ohnmachtwahn heraus entwickelt haben mögen.
Da diese meine Einschätzung bereits in einen anderen Wissenschaftsbereich eingreift, möchte ich diese Aussage auch nur als Andeutung und nicht als Erklärung verstanden wissen.
Die genauen Umstände, welche zu einer Tötung der zwei weiblichen Personen geführt haben heute hier zu erläutern, wäre vollkommen fehl am Platze und sollte, sofern es spezielle Gründer dafür gibt, zu einem anderem Zeitpunkt getrennt abgehandelt werden.
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- - - Wilmar Lachord, Journal of the Kanada
Meine Frage ist : “Herr Bordaz, Sie beginnen in ihrer Dissertation nicht mit dem 3. Jahrtausend, sondern mit weltweiten Ereignissen die zeitlich weit vorher geschehen sind.
Kann man in diesem Zeitraum soziologische Zyklen entdecken?”
- - - Friederiko Castano, Spanien
Herr Bordaz, Sie führen in Ihrer Arbeit Beispiele von schwierigen soziologischen Erscheinungen, ja sogar sozialen Zerwürfnissen zu Beginn des dritten Jahrtausends an.
Ich bitte Sie, etwas spezifischer auf diesen Terminus einzugehen!
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Um für die Befragung an den zwei nächsten Tagen einen überblickbaren Rahmen zu schaffen wendete sich Professor Zschirmer mit den Worten :
“Ich gedenke vorerst noch zwei Anfragen zuzulassen!”, an die Zuhörerschaft.
Da sich viele Hände in die Höhe streckten entschied er sich erst einmal : “Bitte Sie da hinten, der Herr mit dem ergrautem Haar, -- ja! Sie!
- - - Ari Murasec, Algerien
Herr Boraz, Sie sprechen in Ihrer Dissertation, ich glaube, zweiunddreißig Mal das Wort “ Moral “ gezählt zu haben, sehr ausführlich das Zusammenleben verschieden geprägter kultureller Menschengruppen zu Beginn des 3. Jahrtausends an.
Sind Sie in der Lage, uns heute, nach vergangenen 80 Jahren einen Entwicklungstrend, wenn möglich auch eine diesbezügliche Vorausschau zu offerieren?”
Prof. Zschirmer, jetzt mit liebenswürdiger Geste :
“Und nun für heute die letzte Anfrage, bitte Sie dahinten,
die junge Dame im grünen Pulli!”
- - - Mein Name ist Beadrise Cennore, Paris
Ich bedauere die Frage des ersten Tages neu ansprechen zu müssen, aber mir ist aufgefallen, dass dort nur über eine Akte “678 / 2” aus 2001 gesprochen wurde!”
Erneut äußerten sich einige Teilnehmer im Saal unruhig.
Professor Zschirmer erkannte sofort die Gefahr einer erneuten Eskalation und rief energisch zurück :
“Moment, und was wollen sie damit sagen?”
Die junge Frau musste jetzt schon laut zurückrufen um die entstehende Lärmkulisse zu übertönen :
“Wo befindet sich denn die Akte 678 / 1?
Ich wiederhole, wo ist die erste Akte und was steht denn darin?
Etwas, was niemand wissen soll?”
Schlagartige Ruhe im Konferenzsaal!
Professor Dr. jur. Elex Merworth sprang spontan am Expertentisch auf und erklärte in kurzen Worten, dies sei eine berechtigte Frage, welche jedoch den Rahmen der Dissertationsverteidigung bei weitem verfehle.
Er wäre bereit, im Interesse der Wahrheitsfindung eine Untersuchung auf dem Weg der Justiz zu beantragen und deren Ergebnis zu einem späteren Termin, unabhängig von der jetzigen Veranstaltung zu veröffentlichen.
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Jim Bordaz, welcher sich im geistigen “ non Stopp” die ersten drei Fragen zurechtgelegt hatte erschrak.
Ein innerlicher Schauer durchfuhr ihn, wurde ihm doch jetzt bewusst, dass auch er selbst diese Akte 678 / 1 auch schon vermisst hatte.
Blitzschnell fraß sich der Gedanke in sein Hirn, ob ihm dadurch nicht etwa ein wichtiges Phänomen im soziologischem Handeln von Menschen entgangen sei?
Damit sich die Gemüter im Saal beruhigen konnten, legte Professor Zschirmer eine Pause von eineinhalb Stunde ein.
Auf den Gängen und in der Mensa ging es wie in einem Bienenstock zu, in welchem sich eine Spitzmaus an den noch in der Wiege liegenden Bienenlarven labte.
Es hatten sich Gruppen verschiedener Größen gebildet, die mehr oder wenige intensiv den verschiedensten Themen nachzugehen schienen.
Doch lieh man von etwas Entfernung sein Ohr dieser oder jener Diskussionsrunde, waren die tollsten Spekulationen, aber immer wieder die Akte 678 / 1 zu vernehmen.
In dem sich hinter der Bühne des Kongresssaal befindlichem Raum hielten die Herren Professoren währenddessen ein Beratung zum weiteren Verlauf der Tagesordnung ab.
Dabei ging es auch darum, in welcher Reihenfolge die gestellten Fragen eine Beantwortung finden sollten.
Die Herren waren sich auch nicht ganz darüber einig, ob Jim zu der von Beadrise Cennore gestellten Frage überhaupt etwas sagen müsse.
Von Prof. Zschirmer kam der Hinweis, Jim Bordaz möge sich auch der heute gestellten ersten Frage nicht so weit ausschweifend stellen.
Der zweiten und dritten Frage könne er dann so viel Raum geben, wie er für angemessen halte, auch wenn der nächste Tag noch dazu benötigt würde.
Prof. Dr. Phil. Herbisch meinte dazu, wenn die philosophische Fragestellung nach dem
“ Wieso, Weshalb, Warum” ins Kalkül gezogen würde, wäre dieser Gedanke sehr akzeptabel!
Prof. Dr. disc. Pol., Dr. Phil. Baumann, der ja auch der Schirmherr der Veranstaltung war bezog seine Meinung dahingehend, da Jim Bordaz ihm vor der Beratung gesagt habe, die Akte auch vermisst zu haben, könne er diesen Tatbestand auch ruhig gestehen.
Also, er meinte, Jim solle die vierte Frage einfach so beantworten und damit wäre die Sache erst einmal für den Moment ausgestanden.
Danach wolle er, egal wie die Teilnehmer im Saal reagieren würden die Verteidigung der Dissertation abschließen und Jim Bordaz mit der Doktorwürde auszeichnen.
Dieser Vorschlag fand dann auch die Zustimmung der anderen beteiligten Professoren.
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Jim hatte sich im Zeitraum der Pause zu einem kleinen Imbiss in die Kantine der Uni zurück gezogen.
Hier ging es zwar auch wie in einem Taubenschlag im beginnenden Frühjahr zu, aber nur Studenten hatten Zugang, was ihnen wieder in seine Erlebnisse vor drei Jahren zurück versetzte.
Jim, welcher als sehr zugänglicher Student bekannt geworden war konnte sich, aber auch hier vor Fragen zum neuesten Stand seiner Forschungsergebnisse nicht retten.
Er hatte somit große Mühe, seinen Drang nach Auffüllung seiner körperlichen Energie nachzukommen.
Darüber hinaus kannte er die Festlegungen des Professorenkollegiums über die Einordnung der Anfragen noch nicht.
Sein Gehirn warf aus diesem Grund, aller paar Minuten eine neue Variante zu der Frage : “ Wie, Wo, Was, Wann “ zu erst einordnen , in den Raum.
Aus diesen Gedanken schreckte er, durch das einmalige, früher als Student gehasste, aber immer im Unterbewusstsein erwartete, Klingelzeichen vom Gang herauf.
Drei Minuten Zeit also bis zum aufsuchen des Konferenzsaales.
Auf den Gängen entstand wieder Platz und alle konnte ungehindert ihren Weg nehmen.
Pünktlich zum zweimaligen Klingeltons erreichte Jim die Professoren in deren Beratungszimmer.
Hier erhielt er den weiteren Verlauf mitgeteilt und als das dritte Klingelzeichen ertönt, betraten die Professoren, gefolgt von Jim die Saalbühne.
Das Publikum hatte sich klatschend von den Plätzen erhob. Die Herren nahmen wieder ihre gewohnten Plätze hinter dem Konferenztisch ein.
Prof. Felix Baumann, selbst als Professor an der hiesigen Universität, also sozusagen auf heimischen Boden tätig, verkündete den weiteren Verlauf der Anhörung.
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Jim Bordaz begann seine Ausführungen mit dem Gedanken:
“ Nun, was sind schon zwei oder drei Jahrhunderte
Menschheitsgeschichte gegenüber der Unendlichkeit
von Zeit und Raum und dem für sehr viele von uns
nicht einzuordnendem Begriff der “ Ewigkeit “?
Unter dieser Sicht könnte fast Jeder von uns sagen :
“War das Jahr Null unserer heutigen Zeitrechnung
nicht gerade erst vorgestern?”
Der Orient von Römerheeren besetzt, andere Völker unterjocht und “Einer”, wenige Jahrzehnte danach, weil er der Menschheit neue Erkenntnisse bringen sollte und auch inbrünstig wollte, aus Unverständnis und angenommener Vermutung, er würde die Machtausübung über unterdrückte Menschenmassen untergraben , an den “ Pfahl” genagelt!
Knappe 1000 Jahre später, -- also, erst “gestern”
-- das Jahr 909, befreiten sich die Menschen der
nördlichen Länder Europas von der Geisel dieses
römischen Weltreiches.
Wie eh und je, wollten Herrscher über Macht nicht einsehen und begreifen, dass jede Sache “ nur eine bestimmte Zeit hat ”!
Gehen wir jetzt nochmals eintausend Jahre vorwärts und schreiben das Jahr 2000 in den Kalender.
Heute, 80 Jahre später, sehen wir noch sehr genau,
was “Die Geisel der Macht” für die Menschheit bedeutet.
Müssen “ Wir”, heute nicht immer noch der Frage nachgehen :
“ Wie viel Zeit wir überhaupt noch haben?”
Ist diese Zeitspanne, die wir vermuten noch zu haben, ich meine hier nicht nur Europa, sondern die ganze Welt, nicht schon lange dem Ende nahe gekommen?
Wenn so meine ich, heute 99 Prozent der Menschen sich von nur einem Prozent gefallen lassen müssen, ihren politischen und geistigen Führern bedingungslos, ob da einer will oder nicht, folgen zu müssen, dann, ja dann befinden wir uns schon mittendrin im Umschlag in einen neuen Zeitabschnitt.
Wie sonst könnte ein Jeder von uns heute noch verstehen, dass in der damaligen Wirtschaftskrise 2000/ 2005 in einem, des wirtschaftlich stärksten Landes von Europa ohne genügend Absatz, ständig den Menschen von damaligen Politikern und Personen, die sich den Titel eines Wirtschaftsfachmannes angenommen hatten, die Gründung von neuen Unternehmen und Selbstständigkeit angepriesen werden konnte?
Diese Empfehlung neue Unternehmen ohne Absatzchancen neu zu installieren, das hat selbst noch heute, nach 80 Jahren den Geruch nach einer Empfehlung zum Selbstmord.
Wollte man damals, so kann man heute feststellen, bewusst neben den Milliardenverlusten an den Börsen auch noch unzählige Menschen, wider besseren Wissens in den finanziellen Ruin treiben, nur damit Banken neue Kredite, die Anwälte neue Klienten bekommen?
Die Geschichte der letzten Jahrzehnte unseres dritten Jahrtausends hat gezeigt, dass die Globalisierung alle Bereiche menschlicher Tätigkeit erfasst, dass es daraus kein Entrinnen gibt.
Nur wer erkennt, dass es in der Geschichte kein Zurück, sondern immer nur ein Vorwärts gibt und in dieser Richtung tätig wird, kann in Zeit und Raum bestehen.
Wenn den Verantwortlichen damals, wie auch heute bei uns, doch wenigstens mal die Idee gekommen wäre, dass es bereits im 18. bis 20.
Jahrhundert, heute immer noch verfemte Philosophen gab, deren Auffassung, wenn man sie kritisch untersucht noch heute Gültigkeit haben, dann hätte Europa und auch wir in Amerika viel Leid nicht kennen lernen brauchen.
Herr Castano, in meiner Vorbereitung auf ihre Frage, welche ich jetzt auch mit zu beantworten versuche, muss ich Sie nun direkt mit dem Gedanken konfrontieren : “ Wieso sollte es nicht möglich gewesen sein, in einem EU-Land, Ihrem Spanien, einem Kulturkreis welcher unter großen Opfern auf beiden Seiten, um seine Eigenständigkeit kämpfte in die Selbständigkeit zu entlassen?”
Es hätte doch dabei keinerlei Probleme geben können da beide Teile fest im Völkerbund der EU eingefasst waren!
Damit wäre die entstandene Feindschaft in einem Staat beseitigt gewesen und die Frage steht einfach so:
“ Warum wollte man den Wunsch der dortigen
Menschen einfach nicht verstehen?”
Also stehen wir wieder vor der Frage der Soziologie, welche ich so formulieren möchte :
“ Die Macht liegt den Menschen näher als der Wille
etwas zu verändern!”
Wenn ich dabei noch ein weiteres Beispiel nenne, dann Nordirland, wo sich Menschen bei gleichem Grundglauben, nur wegen ganz geringe Unterschiede darin bekämpfen, als ob dieses für sie ein wahres Freudenfest wäre, die andere Seite zu demütigen.
Wenn ich nun zum Schluss meiner Beantwortung zu Ihrer Frage komme, möchte ich als amerikanischer Bürger Ihnen folgendes mit auf den Weg nach Europa geben :
“Einige Staaten Europas, hatten um die Jahrtausendwende Angst vor dem Verlust ihrer, durch viele Kriege der vergangen 2000 Jahre errungene nationale Identität!
Wir Amerikaner waren da besser daran, unsere Eigenheiten erhielten wir durch Einwanderer aus der alten Welt.
Wir sind multinational!
Sie in Europa kämpften zum Teil hemmungslos um die “Reinheit” ihrer Völker und konnten eine Vermischung ihrer `` so gepriesenen abendländischen Kultur '' doch nicht verhindern!
Die Europäer hatten schlichtweg Angst vorm
`` Abendland '' zum `` Land der aufgehenden
kulturellen Sonne'' zu werden!
Die sozialen Unterschiede, welche sich besonders zu der Jahrtausendwende heftig herauszubilden begann, der sich mit ungeahnter Geschwindigkeit entwickelnde Fortschritt auf allen wissenschaftlichen Gebieten, die globale Entwicklung der verschiedenen menschlichen Kulturen, das merken wir bereits nach 80 Jahren, hat sich nicht aufhalten lassen.
Wir in Amerika aber werden aufpassen müssen, dass wir mit diesen, sich in Europa vollziehendem kulturellen Aufschwung, über kurz oder lang mithalten können.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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Professor Baumann ergriff jetzt sofort das Wort, dankte den Anwesenden für ihre Interessen und räumte ein, dass die Journalisten sicher ausreichend Informationen für ihre Berichterstattung erhalten hätten.
Da er annehme, dass die Anfragen von Miss Cennore und Mister Ari Murasec etwas mehr Vorbereitungszeit für den Doktoranden Jim Bordaz erfordere, vertagte er dessen weitere Verteidigung auf den nächsten Tag um 14:00 Uhr.
Igor Miller war nach seiner Fragestellung im Konferenzsaal, aus Gründen des darin enthaltenem dubiosem Vergleich bei dem Verlassen des Universitätsgebäudes von drei, sehr modern gekleideten Herren zu einem Mitkommen aufgefordert worden.
Dieses war, so könnte man feststellen, eine ganz normale Sache.
Eben, “ Seelenleiden” lässt man nicht ungestraft gern vorübergehen! Da sich niemand, den Hintergrund solch einer Frage , oder besser gesagt “Vergleich” erklären konnte war eine intensive Befragung und der zeitgemäße Lügendetektortest vorprogrammiert.
Die Personalien und die Herkunft war schnell offen gelegt.
Sein Alter 51 Jahre, verheiratet, nein. Sein unstetes Leben als Journalist im In- und Ausland, erklärte er, verbiete jegliche enger menschliche Bindung und Beziehung, an Familiengründung sei überhaupt nicht zu denken.
Das schien, den Jim befragenden Herren zu genügen.
Seine erläuterte Herkunft brachten auch keine neuen Erkenntnisse und so entschloss man sich, seine Vorfahren etwas mehr unter die Lupe zu nehmen.
Sein Vater A. Miller, Chemiker von Beruf, in Amerika lebend, wäre der Sohn eines bekannten Biologen aus Kanada.
Dessen Vorfahre väterlicherseits ein Arzt in England, mit Namen, Roland Miller, dessen Vater Erald Miller, Eigentümer eines bekannten englischen Handelshaus, dessen Sohn ein, hoher Offizier der englischen Armee in Indien dort seinen Sohn Edward Miller, bei einem kurzem Verhältnisses mit einer Inderin, ins Leben brachte.
Die mütterliche Linie von Miller wurde bei der Vorfahrenprüfung als uninteressant empfunden und fand somit keine Beachtung.
Da auch der Lügendetektor keine verdächtigen Ergebnisse gebracht hatte, konnte Igor Miller bereits am nächsten Tag der Dissertationsverteidigung wieder beiwohnen .
Auch Professor Baumann nahm man in das Visier.
Die Frage stand : “Wieso kam es denn gerade zu dem Verteidigungstermin der Dissertation am 11. September?”
Da nur er, als Doktorvater die Arbeit von Jim Bordaz kannte, nahm der CIA an, es könne sich eine bestimmte Absicht dahinter verbergen.
Nach einigen tieferen Untersuchungen konnte man sich aber nicht zu einer einheitlichen Meinung durchringen.
Es blieb, nach wie vor die gewagte Meinung offen, wollte Professor Baumann etwa die Dissertation von Jim Bordaz dazu nutzen,
die Vergangenheit Amerikas neu aufzuarbeiten?
Oder, war es ein purer Zufall!
Letztendlich brachte der CIA hervor, dass Professor Baumann sein Onkel im Kosorov als Soldat gegen die Serben gekämpft hatte und dabei längere Zeit mit der dort verwendeten uranabgereicherten Munition in Berührung gekommen war.
Im Nachhinein hatten sich bei ihm Geschwüre gebildet, deren Herkunft aber nach öffentlichen Äußerungen, angeblich nicht auf Strahlungsschäden zurückzuführen gewesen seien und da war zu überdenken, ob eine Beeinflussung aus diesem Familiendrama entstanden sein konnte.
Irgendwelche geistigen Zusammenhänge konnten aber auch da nicht festgestellt werden.
Was nun die Terminfestsetzung betraf, war und blieb, zu mindestens nach außen hin, dieses ein Zufall.
Nachgewiesen war allerdings, dass der Universitätssaal erst ein halbes Jahr später, für mehrere Tage hätte genutzt werden können.
So war der Stand der Ermittlungen spärlich und entsprechend dem deutschen Lied : “ Wie es da drinnen aussieht -- geht niemanden etwas an!” legten sich erst einmal ein weißes Tuch über diesen Fall.
Aber, eben nur , “ erst einmal!”
Igor Miller, welcher am Abend des Vortages wieder auf “ freien Fuß “ gesetzt worden war, musste sich allerdings mit einer für die nächsten Tage verkündeten Auflage abfinden.
Sie legte fest, dass er sich allabendlich 21:00 Uhr bei der, seinem augenblicklichen Wohnort nächsten Police zu melden habe.
“ Reine Routine”, sagte man ihm.
In der Zeit seines Aufenthalts bei dem CIA hatte sich Igor Miller vorgenommen, Jim Bordaz persönlich aufzusuchen.
Diesen, seinen Vorsatz wollte er, sobald als möglich in die Tat umsetzen, da er ja auch nicht wusste, wohin sich dieser nach seinem Auftritt hin wenden werde .
So verließ er, nach den Abschlussworten des Professor Baumann und der Vertagung der Verteidigung auf den nächsten Tag, schnell die Universität um ein Taxi zu ergattern .
Dabei musste er seine eigene Ungeduld, besonders aber die des Taxifahrers, welcher eine Reihe von Bestellungen zu bedienen hatte, von Minute zu Minute immer mehr im “Zaum” behalten.
Da ihm sein Beruf auf das Warten “ eingeschworenen” hatte, überstand er diese Zeit, gegen hohe Kasse beim Fahrer noch ganz gut.
Dann endlich kam Jim mit seiner Frau , sichtlich guter Laune, aber immer noch mit einem “Rattenschwanz” wissensdurstiger Leute aus dem Unigebäude um sich seinem, auf dem gegenüberliegendem Parkplatz abgestelltem Pkw, einer Ford-Limousine, wenigstens zu nähern.
Nach zirka einer halben Stunde war es dann so weit, dass die Fahrt führt das Ehepaar frei gegeben werden konnte.
Miller gab den Taxifahrer zu verstehen, dass er diese Limousine im angemessenem Abstand verfolgen möge.
Fragende Blicke des Chauffeurs quittierte er nur mit Achselzucken.
Als Jim und seine Frau an ihrem Ziel angekommen und das Fahrzeug eingeparkt war, meinte Miller so nebenbei zu seinem Taxifahrer, er habe sich geirrt und nannte ihm seine Wohnadresse als neues Fahrtenziel.
Seitens des CIA hatte man sich geeinigt, das Domizil des Ehepaares Bordaz observieren zu lassen.
Es bestand immer noch der Verdacht, jetzt auch gegen Jim Bordaz gerichtet, dass mit ihm ein heimliches “ Abkarten” der Anfragen und der Art und Weise, wie seine Antworten darauf erfolgen sollten, vorgenommen worden sei.
Als Tarnung des CIA- Dienstes stand zirka 50 Meter weiter stadtauswärts ein dunkelgrün - metallicfarbiger Porsche, hinter einer starken Rosskastanie.
Von hier aus war gesichert, dass jeder Besucher des verdächtigten Grundstücks bemerkt werden konnte.
So verborgen, nahm der CIA- Mitarbeiter die Ankunft von Ehepaar Bordaz gegen 17:45 Uhr zur Kenntnis, bemerkte aber nicht, dass das darauf folgende Fahrzeug seine Fahrt ebenfalls verlangsamte, dann überholte, um mit schneller Fahrt hinter der nächsten Kurve zu verschwinden.
Die Ankunft von J. Bordaz, so hoffte Weller, der CIA-Mitarbeiter, könne die Beendigung seines Auftrags für diesen Tag bedeuten.
Eigentlich hätte er schon vor einer Stunde Dienstschluss gehabt.
Aber der Befehl seiner Dienststelle lautete, nach kurzer Funkrückfrage : “ Beendigung nicht vor 24:00 Uhr!”
So blieb ihm nichts anderes übrig, als den mit seiner neuen Freundin abgesprochenen Discobesuch ,
--sicher auf Nimmerwiedersehen ----
zu verschieben.
So in einen Trancezustand verfallen, übersah er das Kommen und Gehen Igor Millers.
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Das Ehepaar Bordaz, hatte eine Woche vor dem Termin Jim seiner Dissertationsverteidigung in einem Vorort von Boston, ein Privatquartier bei netten älteren Leuten bezogen.
Die grüne Kulisse der Wohngegend hatte so etwas verlockendes wie ein Urlaubshappyend an sich.
Nach dem Abendessen zog es Jim wie ein Magnet, in eine im Grundstück abgelegenen, mit Büschen umgebene stille Ecke.
Hier stand einladend, einer aus früheren Zeiten stammende breit auslehnende Bank, welche zum schlummern verführte.
Jim gedachte, hier die nächsten Stunden allein zu verweilen, um sich einige Aufzeichnungen für die Beantwortung, der am nächsten Tag anstehenden zwei Anfragen, vorzubereiten.
Der Abend war angenehm, ein laues Lüftchen ließ die Blätter hinter ihm leise flüstern.
So war es ihm möglich, seine Vorbereitungen nach geraumer Zeit abzuschließen und so halb im Dämmerzustand das Ganze nochmals an sich vorbei ziehen zu lassen.
Plötzlich zuckte er erschrocken zusammen als er mit den Worten : “ Entschuldigen Sie bitte die Störung” rechts neben der Bank einem Mann, zirka vierzig bis fünfzig Jahre alt, jugendlich gekleidet stehen sah.
Die Stimmlage, in welcher er angesprochen wurde, schien Jim irgendwie im Unterbewusstsein bekannt zu sein.
Und, dann nochmals, jetzt mit ruhiger, etwas heiserer aber leiser, zurückhaltender Stimme :
“ Bitte entschuldigen Sie, mein Name ist Igor Miller.
Wie Fischschuppen fiel es von Jims Augen, ja, das war also der Korrespondent Miller, welcher den Aufruhr am ersten Tag seiner Dissertationsverteidigung hervorgerufen hatte.
Aus dem Überraschungseffekt heraus, entwickelte sich in Jim Empörung und Widerlichkeit gegen den Ruhestörer.
Dennoch versuchte er die Ruhe, zu mindestens äußerlich wiederzufinden, da er ja Millers Absichten noch nicht kannte.
Ein Anruf nach Hilfe hätte ohnehin die Situation nicht erleichtert, da Miller sofort die Flucht ergriffen hätte und Jim in den Augen der Miliz als Komplize verstanden werden konnte.
Das wäre dann, möglicherweise als Beweis für ein abgekartetes Spielchen zwischen Bordaz und Miller gewertet worden, was der CIA ohnehin vermutete.
Also siegte der Verstand in Jim und er ermunterte Miller sich zu ihm zu setzen.
Lang umschweifend versuchte Miller die Beweggründe seiner Frage zu erläutern.
Er erzählte von seinem Erlebnissen und auch Erfahrungen, welche er als Korrespondent im Ausland bei den nicht enden wollenden kriegerischen Auseinandersetzung der letzten 30 Jahre, besonders in Afrika und Asien, sammeln musste.
Er führte Begriffe wie Rachsucht , Unversöhnlichkeit, Niederträchtigkeit, Hilflosigkeit, Raubsucht, Willkür, Selbstherrlichkeit als immer noch vorhandene Schranken eines vernünftigen Miteinanderleben an.
Er verwies besonders darauf hin, dass in den eben genannten Bereichen der Erde zum Teil vollkommen andere Begriffe und Deutungen für menschliche Charakterzüge und gesellschaftliche Verhaltensweisen existieren.
Somit ein Vergleich und sinnliche Einordnung kaum möglich ist. Durch dieses gegenseitige Unverständnis, meinte er, sei die Menschheit zu Beginn des dritten Jahrtausends unserer Zeitenrechnung in einen, sich zur Menschheitsplage entwickelnden Terrorismus hineingeraten.
Jim hörte Miller aufmerksam zu und wollte diese Gedanken auch nicht weiter hinterfragen.
Er stellte jedoch erschüttert fest, dass er ähnliche Gedankenansätze bei seinen Untersuchungen der Jahrtausendwende erkannt hatte.
Nach kurzem Überlegen fasste Igor Miller dann noch einmal zusammen :
“Er sei zu der Auffassung gekommen, dass sein Großvater, der Biologe, mit seiner Voraussage für die Menschheit recht habe, welche da laute :
“Mit wachsender Intelligenz dieser Individuen werde es zu einer immer größeren Differenzierung der Lebensauffassungen kommen, dessen Ergebnis bedeute, ---
einen einerseits hohen geistigen Reichtum und
andererseits eine Armut im menschlichem Handeln”.
Mit dieser Erkenntnis hatte der Mann neben Jim zum ihm eine Brücke geschlagen und die vor kurzem gestellte Frage, welche Jim wie eine Provokation erschienen war, hatte mit einem Mal ein ganz anderes Angesichts erhalten.
Kein schöneres Ansehen!
Sondern eine viel realistischere und warnendere Fratze!
Für Jim war damit, der zum Anfang beschauliche Abend zum Lehrkabinett in Sache philosophische Soziologie geworden.
Igor Miller hatte sich inzwischen erhoben, um seinen ungebetenen Besuch zu beenden.
Er versprach Jim, ihm eine ererbte, sehr vielseitige Niederschrift seines Ururgroßvaters bei passender Gelegenheit zu überlassen und verließ mit diesen Worten das Grundstück über dessen niedrige Umfriedung .
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Die kommende Nacht kündigte sich mit schwarzen unwetterverdächtigen Wolken an, welchen nach geraumer Zeit starke, zum Teil orkanartige Windböen folgten.
Die alten, großkronigen Bäume im Garten ächzten und stöhnten unter der Last der auf sie zu stürmenden Luftmassen.
Unter dem Einfluss dieser Geräuschskulisse, welche bis in die Morgendämmerung anhielt und dem abendlichem Gespräch mit Igor Miller, war an Jims nötige Nachtruhe nicht mehr zu denken.
Sein, von den Ereignissen der letzten Tage gequältes Gehirn, war von Aufruhr gekennzeichnet.
Das Gespräch mit Miller hatte eine tiefe Hinterlassenschaft erzeugt.
Stand doch an diesem, heute erwachendem Tag, die Anfrage von Ari Murasec, zur Grundfrage der Soziologie:
“Die Moral” zur Debatte.
Gerade aber auf diesen Gebieten, hatte Igor Miller ganz pragmatische, von hoher Wertigkeit beinhaltete Begriffe genannt.
Von der augenblicklichen nächtlichen Warte aus gesehen, stellte Jim fest , dass sein am Abend gereiftes Konzept, für die am Morgen zu beantworttenden Fragen, nicht nur eine Erweiterung erfahren hatte, sondern eine fast vollständige neue Umstellung erfordert.
Nach dieser allseitigen stürmischen Nacht, begann mit der aufgehenden Sonne eine geheimnisvolle Ruhe in der Natur zu entstehen, welche sich auch auf die Menschheit, Jim einbegriffen , wohltuend auswirkte.
So konnte Jim mit seiner jungen Frau, von einem Taxi ohne “ Begleitschutz” zu dem Tagungsort gebracht werden , wo er pünktlich zur festgesetzten Zeit, äußerlich ruhig erscheinend, am nunmehr dritten Tag seiner Dissertationsverteidigung, eintraf.
Im Kongresssaal erwartete man ihn wieder in angespannter Ruhe .
Der Raum war erneut bis auf den letzten Sitzplatz besetzt, auch die möglichen Stehplätze waren ausgelastet .
In der Tagespresse war mit dicken Buchstaben zu lesen :
“ Bordaz scheut sich nicht vor heißem Eisen,
das Feuer kann ihm nicht hell genug brennen!”
Jim Bordaz verneigt sich in bekannter Weise vor dem Professorenkollegium, sah heute, ohne das Publikum weiter mit Blicken oder Gesten zu beehren, zu seinem Fragesteller Ari Murasec, welcher in der ersten Reihe Platz genommen hatte und begann mit den Worten :
“ Laut den heutigen Schlagzeilen in den Zeitungen und Journalen, erwartet man heute :
“ Glut und Hitze” in meinen Ausführungen!
Ich werde Sie aber enttäuschen, denn das Blut, was uns alle warm durchströmt, könnte dabei kalt und frostig werden!
Was hört die Menschheit, seit das Wort “ Moral” für uns ein Begriff geworden ist seit Kindesbeinen bis zum Tod ständig?
Moral sei etwas “Gutes”, “ Unmoral” etwas verwerfliches!
Wenn man ein Wörterbuch zur Hand nimmt kann man feststellen, dass Moral als Sittlichkeit verstanden wird.
Im Gegensatze dazu, Unsittlichkeit, die Unmoral .
Wenn man den DUDEN, die neue deutsche Rechtschreibweise der Schweiz, Österreich und Deutschland, am Ende des zweiten Jahrtausends herbeizieht, so wird man als nächstes Wort nach Moral
Moräne ( Gletschergeröll)
und danach Morast, als Sumpflandschaft
bezeichnet, finden.
Welche erstaunliche Chronologie, - - - ein Zufall? - - -
Aber als “ Dreieinigkeit” gesehen, ein äußerst dramatischer,
aber sehr passender Umstand .
Sicher sind bei dieser Feststellung ein paar Leute auf die Idee gekommen, nun gleich Moral mit Morast ist in einen Topf zu werfen.
Ich würde dazu heute sagen wollen :
“ Wer eine solche Konstellation für richtig hält, soll seine
Meinung ruhig behalten “.
Allerdings müsste es dann gleichermaßen heißen :
“ Moral ist Modder”.
dieses Wort steht wenig weiter vor Moral.
Das Wichtigste für uns jedoch ist, dass wir immer im Sinn
behalten, und immer über die Anwendung,
der Wörter “Moral und Unmoral” wachen!
Denn die Geschichte der Menschheit hat bewiesen, dass der Wert dieser Worte je nach “ Mode “ von den Befürwortern der einen oder anderen Geistesrichtung benutzt, ich wiederhole, --- benutzt --- wird!
Also damit sind wir bei dem Ausgangspunkt wieder angekommen!
Nicht das Wort, gibt die Gestalt der Sache zu erkennen, sondern “der Geruch” welcher dem Begriff anhaftet!
Bei dieser Darstellung ging ein “Raunen” durch den Saal.
Ein großer Teil der Anwesenden konnten sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.
Aber es gab auch unverständliches Kopfschütteln und bedenkliche Mienen zu sehen.
Jim wendete sich nach einer kleinen “ Kunstpausen” mit den Worten : “Sehr geehrte Damen und Herren” an seine Zuhörer, ich verstehe, dass Sie sicher ein wenig deprimiert sind, aber folgen Sie mir bitte aus diesem Grund in die Jahre 470 bis 399 vor Christi “.
In dieser Zeit lebte der Philosoph Sokrates.
Seiner Meinung nach sind moralisches Wissen und Selbsteinsicht miteinander verbunden.
( aus: Geschichte der Ethik, von Truls Weller )
Im Gorgias-Dialog diskutiert Sokrates mit dem Sophisten (Vertreter einer damaligen Philosophie) namens Kallikles Fragen der Moral, des Rechts und der Gerechtigkeit. Kallikles vertritt die These, dass Macht und Recht, ein und dasselbe sei. Wer Macht besitzt, hat, per Definition, auch das Recht auf seiner Seite;
Macht ist Recht, und Recht ist Macht.
“ Einverstanden” bemerkt Sokrates! Dann sollte also die
Mehrzahl oder die “Masse”
Macht über dich besitzen , Kallikles?
Denn zusammen ist sie ja stärker als Du allein!”
Sokrates hat wahrscheinlich als Erster erkannt, dass es einen wichtigen Zusammenhang zwischen Moral und Sprache gibt.
Er stellte fest : “Will man sich zu seinen Mitmenschen stets auf gleiche Weise verhalten, können diese von uns benutzten Worte nicht willkürlich das bedeuten, was man sich gerade wünscht!”
Für uns ist heute vollkommen klar, dass früher die Sitten und Gebräuche einfach den Inhalt der Moral definierten und das Selbstbildnis der Menschen und die Gesellschaftsnormen zu prägen begannen.
Diese Normen allerdings, und dies sollten wir bei den weiteren Betrachtungen unbedingt beachten, variieren von menschlicher Gesellschaft zu Gesellschaft und von Epoche zu Epoche nicht nur oberflächlich, sondern grundlegend.
Wir kennen dieses ausreichend aus der Geschichte unserer Menschheit. Denken wir an die geführten Kriege, welche als “un - oder - moralisch” bezeichnet wurden, aber gerade danach, wem es als nützlich erschien.
Ihre Frage , Mister Murasec und Ihr Spürsinn sind für mich
ein Zeichen, welche hohe Bedeutung
der Begriff “ Moral” und der dahinter stehende
Begriff “Sittlichkeit” hat.
Greifen wir nochmals zurück nach vergangenen Zeiten.
Da war es eben “ sittlich”, dass greise alte Menschen getötet und sogar anschließend verzehrt worden.
Bei den Eskimos war es Sitte und moralisch einwandfrei und aus der Lebensformen unbedingt erforderlich, dass alte kranken Menschen vom ältesten Sohn getötet werden mussten.
Sie waren, den unter schwierigen Umwelteinflüssen lebenden Menschen nicht etwa im Weg!
Nein, sie waren unter eben diesen Bedingungen einfach nicht zu pflegen.
Denken Sie dabei an unsere Pflegeheime, welcher Aufwand allein für hygienische Betreuung und Versorgung festliegender Menschen erforderlich ist.
Bei meinen Untersuchungen des Zeitraums der Jahrtausendwende musste ich zu meinem Erschrecken feststellen, dass in Deutschland durch verantwortungslose Personen versucht wurde, eine Kluft, also ein Sperrgürtel zwischen jungen und alten Menschen zu installieren.
Obwohl in den Ländern Europas im Wesentlichem der christliche Glauben verankert ist, scheint mir aus dieser Sicht, der praktizierte Glaube des Islams, der Hindus und anderer östlichen Religionen wesentlich humaner zu sein.
Wir Amerikaner, wissen allerdings auch aus unserer Vergangenheit, dass auch unsere alten Menschen nicht immer gut aufgehoben waren.
Sofern sich nicht deren Angehörige verpflichtet fühlten, sich um das Wohl ihrer Vorfahren zu kümmern, so endete auch deren Leben zum Teil unter sehr misslichen Umständen.
Die Anzahl der auf der Straße , in Ruinen und unter Brücken aufgefundenen Toten, hat sich bis vor 10 bis 20 Jahren nicht verringert!
Ich war schon mehrfach dabei zu durchdenken, ob es möglich sei, dass der im Weltmaßstab gesehen steigende Wohlstand der Menschheit, das missverstandene Selbstwertgefühls seiner Mitglieder, zu solch einem Verhalten gegenüber den eigenen Eltern und anderen alten Menschen führen könnte.
Bei Untersuchung dieses menschlichen Fehlverhaltens stellen wir jedoch fest, dass der gravierende Unterschied zu früheren Zeitepochen und heute darin besteht, dass die von den Gesellschaften der einzelnen Regionen erwirtschafteten Werte und Güter, in erheblich großen Maß vorhanden sind, um die Bedürfnisse aller Menschen, auch der Alten ausreichend, ich betone, ausreichend befriedigen zu können.
Stellen wir die Frage so : “Ist die Wertigkeit der Moral immer nur an dem Handeln des Stärkeren im Weltgeschehen zu messen?”
Wer von uns, verehrte Zuhörer, sich ein wenig in der Geschichte auch unseres Landes auskennt, hat zur Kenntnis nehmen müssen , dass auch unsere Vorfahren vor einigen Jahrhunderten verdrehte moralische Vorstellungen hatten!
Auch, im nun schon lange vergangenen Jahr 2003, war eine multinationale Moralauffassung in Amerika noch nicht in Sicht. Wir in Nordamerika waren damals fast auf allen Gebieten der menschlichen Entwicklung auf der Erde führend .
Aber eben nur auf “ fast allen” Gebieten.
Obwohl wir von Anfang an - oh, nein, - seit Columbus Amerika entdeckte und Europäer begannen es zu besudeln, -- Sie entschuldigen bitten, ich meinte besiedelten, ist es uns bis heute nicht gelungen, die von mir geforderte Moralauffassung zu erreichen.
Ich sehe dabei zwei Gründe.
Der erste, besteht mein Erkenntnis nach in der Tatsache, dass wir Amerikaner für alle Menschen guten Willens unsere Tore weit geöffnet halten.
Ich deutete es wohl schon an, Amerika ist von Anfang an ein multinationales Land gewesen.
Diese Tatsache, hat enorm große Vorteil für die Entwicklung einer solchen Gesellschaft, bringt aber gleichzeitig eine hohe Verantwortung mit sich, andere Kulturen und sittliche Auffassungen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch anzuerkennen.
Und eben, diese historischen Vorkenntnisse über die wir verfügten, müssten doch dazu führen, in der heutigen Zeit eine schnellere Verständigung zu finden.
Leider sind die Defizite diesbezüglich, wie uns die Ereignisse zu Beginn des 21. Jahrhunderts beweisen, schmerzlich bewusst geworden und diesbezüglich noch sehr hoch.
Wenn wir also auf unserer Erde, weiterhin mit allen Völkern die Zukunft der Menschheit gestalten wollen, ist es unabdingbar erforderlich, zu allererst deren moralische Auffassungen zu studieren, vollinhaltlich, ich wiederhole mich noch einmal, vollinhaltlich zu akzeptieren, und erst danach über politisches und ökonomisches Handeln nachzudenken.
Gestatten Sie mir, dass ich zum Ende meiner Beantwortung der Anfrage komme.
Ich denke, noch den zweiten Grund unserer erworbenen Charaktereigenschaften nennen zu wollen.
Die Eroberung amerikanischen Bodens war vor mehreren hundert Jahren von Raub, Mord und Totschlag gekennzeichnet!
Von dieser Zeit bis heute, haben sich im Inneren von uns scheinbar verborgen , gewisse Erbanlagen erhalten.
In fast 48 Prozent von uns Amerikanern fließt das Blut der Urblutgruppe 0 ; zirka 82 % Rhesusfaktor ( RH) positiv )
Das ist das Blut der Jäger, der Risikobereiten, schnellen Entscheider, der Neugierigen , Ehrgeizigen und Mutigen.
Diese Menschen verfügen über viel Energie, sind Stehauftypen, Leiter und Entscheider.
Es sind Menschen die verstandsorientiert vorgehen, stark und belastbar sind , jedoch ohne auf andere zu hören oder diese sogar zu fragen, ihr Ziel mit Energie verfolgen.
Und dieses ist in dem Ablauf der letzten zwei Jahrhunderte unser großes Problem geworden.
Diese wertvollen Eigenschaften haben einen schlechten Begleiter, die Neigung zur Rücksichtslosigkeit!
Damit möchte ich, Herr Murasec, mich von der Pflicht, Ihnen zu antworten entbunden sehen.
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Die Anfrage von Herrn Lachord, vom Journal of the Kanada, denke ich im Laufe der letzten zwei Tage mit beantwortet zu haben.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!”
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Professor Baumann welcher auch an diesen Tag den Vorsitz eingenommen hatte, kündigte eine halbe Stunde Pause an, um dann, wie er sagte, die letzte Anfrage in dieser Dissertationsverteidigung zuzulassen
Die Pause verlief ohne viel erkennbaren Rummel, die meisten Anwesenden wirkten als ob sie eine kalte Dusche abbekommen hätten.
Die Herren Professoren hatten sich mit Jim zurückgezogen und meinten, dass dieser Beitrag mehr wie nur eine Beantwortung war.
Es wäre in Wirklichkeit eine ernste Ermahnung an das ganze amerikanische Volk gewesen, mehr Toleranz und Vertrauen, mehr Verständnis innerhalb der Weltgemeinschaft aufzubringen.
Wie im Flug verging die Erholungspause für Jim.
Ganze 10 Minuten blieben ihm nur um sich auf die letzte Frage zu konzentrieren.
Das letzte Klingelzeichen ertönte und er trat an sein Rednerpult und begann förmlich mit :
“Sehr geehrte Damen! Sehr geehrte Herren!
Miß Beadrise Connor, Ihre Anfrage, so meine ich ist sehr berechtigt, beweist sie doch und das sehe ich als Ehre an, dass meine Dissertation von vielen Menschen gründlich zur Kenntnis genommen wurde.
Ich muss Ihnen jedoch in aller Kürze gestehen, dass ich in Deutschland damals nur diese Akte 678/2 zur Einsicht erhalten konnte und man mir versicherte, dass es keine weiteren Unterlagen gibt.
Meine weiteren Recherchen in dieser Sache, Sie alle wissen, dass ich weder Kriminalist noch Jurist bin, blieben erfolglos.
So konnte ich nur in meiner Arbeit übernehmen, was wir zur Verfügung stand. Weitere Erklärungen dazu kann ich Ihnen nicht geben, dennoch Danke ich ihnen führe Ihre Frage”.
Mit diesen Worten war die Anhörung beendet.
Professor Baumann deutete Jim an, er möge sich mit an die Tafel der Professoren setzen.
Danach trat er an das Podium und hielt eine kurze, jedoch sehr inhaltsreiche Ansprache .
Er betonte, dass es sich bei dieser Dissertation um eine außergewöhnlich anspruchsvolle Arbeit gehandelt hat.
Er habe nun die Hoffnung, dass diese wegweisenden Erkenntnisse, Eingang in die Sozialwissenschaft finden werde und auch die Administration Amerikas die nötigen Schlüsse daraus ableite.
Nach diesen Worten, forderte er Jim Bordaz auf zu ihm heranzutreten.
Unter überaus stark und lang andauerndem Beifall der Besucher des bis zum letzten Platz belegten Kongresssaales, beglückwünschten ihn die Professoren und verliehen ihm die Doktorwürde der Universität Boston.
Mit der Doktorwürde ausgezeichnet und nun ebenbürtig zu seiner Frau, Doktor Jura, Irena Bordaz stehend, verließ das Ehepaar nach einigen Tagen Boston, um den seit Monaten überfälligen Hochzeitsurlaub auf der Insel Mauritius nachzuholen
Die in dieser Gegend herrschende paradiesische Ruhe, ließ jedoch die in der Dissertationsverteidigung aufgeweckten Geister wie kleine Pelzlebübchen durch sein Hirn springen.
Jim begann zunehmend größeren Eigenvorwürfen zu unterliegen und grämte sich regelrecht, aus Zeitgründen nicht tiefer in das Räderwerk der Justiz eingedrungen zu sei.
Logischerweise musste es ja, wenn eine Akte Nummer 678/2 vorhanden war, auch eine Akte 678/1 gegebenen haben.
Wer hatte also ein Interesse daran die erste Akte verschwinden zu lassen? Zu mindestens hätte man doch einen Hinweis finden müssen, ob diese eventuell aus Nichtigkeitsgründen, vielleicht auch durch eine Wiederaufnahme des Verfahrens, ein Teil von Akte Nummer 678 /2 geworden wäre! Aber, obwohl er die gesamte Akte sehr intensiv gesichtet hatte, konnte er nicht den geringsten Hinweis darüber finden.
Jims Frau, welche die gemarterte Seele ihres geliebten Mannes nicht mehr ertragen konnte, kam ganz plötzlich, wie aus heiterem Himmel auf eine geniale Idee um ihren Jim aus dieser misslichen Lage zu befreien.
“ Jim!” rief sie, “ich habe den Ausweg gefunden!
- - - - „Was willst du?
Wir sitzen hier am Ufer eines Weltmeeres und Du sprichst von einem Weg, der hinweg von hier führt?
Willst Du von dieser Inseln auf einmal über das Wasser davon laufen können?”
“Oh mein Jim, es gibt viele Wege die zum Ziel führen!
Du, hast nur einen davon gewählt, den in “ein” Archiv.”
Ich verspreche Dir , und wenn es eine Ewigkeit dauert,
diese Akte werde ich an das Licht befördern!”
Mit diesem Versprechen erschien Jim der zu Ende gehende Tag wie ein neuer Anfang!
Er konnte aber in diesen Minuten noch nicht ahnen , dass Millers Frage an ihn, eine schwangere “Phrase” war, die im Verlauf der nächsten Zeit viele unliebsame “ Kinder” gebären sollte!
Jims Frau, die damals zum großen Teil der Vorbereitungszeit noch seine geliebte Freundin war, ihn bei der Sammlung von Daten, Forschungsergebnissen, Einschätzung, Hypothesen und Theorien so wie der Sichtung praktischer Ergebnisse begleiten konnte, begann jetzt über einzelnen Schwerpunkten zu grübeln.
Jim, der sich nach einigen Tagen wieder seelisch gefangen hatte, war aus Gründen des Erfolgs seiner Arbeit, langsam in gehobene Stimmung gekommen, empfand aber, dass nun sein geliebtes Frauchen in immer tiefsinnigere Abgründe geriet.
Er meinte zuerst, dass es damit zusammenhängen könnte, nachdem der Stress bei ihm nachlasse , sie ihre Zuwendung ihm gegenüber einkleinwenig “zurückfahren” wolle, um ihm mehr Raum für Zukunftsgedanken zu geben.
So verbrachten sie an einem wunderbaren Strand und Sonnenschein sowie bezaubernden Wasserausflügen die vier Wochen Urlaub.
Diese Zeit wäre auch vollkommen ungetrübt vergangenen, wenn nicht an dem letzten Tag bei einem gemeinsamen Tauchgang etwas absonderliches passiert wäre.
Sie schwammen beide unterhalb eines überhängendem Korallenriffs, wo die absonderlichsten Fische in Scharen miteinander zu spielen schienen.
Plötzlich kam ein Pulk Stachelrochen angeschwebt, welcher jedoch seinem Verhalten nach etwas wie Panik zu erkennen gab.
Unmittelbar danach erschienen schon die Verursacher diese Verhaltens, ---- weiße Haie!
Diese umkreisten die Rochen in wilden Spiralen und wollte sie auf den Grund der See hinabdrücken.
Im Augenblicke, als dicht vor ihnen ein Hai an einem riesigen Rochen vorbeischoss, krümmte dieser sich plötzlich und sein Schwanz mit dem Dorn am Ende schoss wie ein Pfeil in den Rücken des Hai.
Dieser erstarrte wie gelähmt , öffnete noch ein, zweimal sein Maul und trieb dann bewegungslos noch einige Minuten dahin um dann kopfüber, tot erscheinend, ihren Augen entschwindend, dem Abgrund entgegen.
Sie tauchten umgehend auf, um mit dem Besitzer der Taucherschule, welcher Jim und Irena auf seinem Boot zum Tauchgang gebrach hatte, zu sprechen.
Nachdem sie ihm von dem Erlebnis erzählt und den Wunsch nach einer Nachforschung, wo das Tier verblieben sei geäußert hatten, bot er ihnen einen Tauchgang mit einem Minitauchboot an, welches er an Bord mitführte.
Nach 20 Minuten Suchaktion entdeckten sie dann den Hai tot auf dem Meeresgrund liegen.
Er lag auf der Seite, seine Länge betrug ca. 4 m.
Immer wieder suchten sie vergeblich nach einer Wunde.
Doch fast gleichzeitig entdeckten sie dann doch, zwischen Kopf- und Rückenflosse genau auf der Mittellinie, dort wo wir auch unsere Wirbelsäule fühlen können, eine zirka fingerspitzen große Wunde, besser als Loch bezeichnet, aus welcher Körperflüssigkeit heraus zu sickern schien.
In diesem Moment schien Irena eine Erleuchtung durch den Kopf zu schießen und Sie rief halblaut :
“Jim, ich habe die Erklärung, wie man Menschen töten kann!”
Der Bootsführer stutzte, sagte aber nichts, zog das Boot nach der Wasseroberfläche um den Tauchgang zu beenden.
Am gleichen Abend standen, für die Abreise am nächsten Morgen, bereits vorsorglich die Urlaubssachen im Vorraum des Bungalows, als plötzlich mehrere Männer im märchenhaften Vorgarten ihres Domizils auftauchten .
Viel zu schnell ging es nun um etwas dagegen unternehmen zu können.
Jim und seine Frau kamen nicht einmal dazu, von der bequemen, bastge webten Couch aufzustehen, und so mussten sie zur Kenntnis nehmen, dass vier Polizisten und der Besitzer der Taucherschule vor ihnen standen .
Letzterer wies mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf sie und sagte :
“ Jawohl, das sind die zwei!”
Nun teilte man den Beiden mit, dass sie wegen dem Verdacht, terroristische Unternehmungen vorzubereiten, festgenommen sind.
Schnell hatte man sie dann, mit auf dem Rücken gefesselten Händen auf einem bereit stehendem Fahrzeug zur nächsten Polizeidienststelle gebracht.
Eine halbe Stunde später befanden sie sich dann, in dem angeblich so schönen Ferienparadies, in einem kleinen Raum mit kahlen Wände, welchem auch einmal ein Anstrich mit Kalk gut getan hätte.
Dieses Verlies war zirka 1,80 Meter hoch, 2 Meter im Quadrat, hatte ein vergittertes kleines Fenster und die Eisentür verfügte über eine kleine Klappe, durch welche sicher das Essen eingeschoben werden konnte. Der einzige Komfort war eine schmal bemessene Doppelpritsche.
Jim meinte lakonisch : “Endlich kann man mit Dir mein Schatz, so mit richtiger Tuchfühlung schlafen!”
