Jahrbuch der Baumpflege 2021 -  - E-Book

Jahrbuch der Baumpflege 2021 E-Book

0,0
33,80 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Trotz der pandemiebedingten Verschiebung der Deutschen Baumpflegetage auf das Jahr 2022 wird es das „Jahrbuch der Baumpflege 2021“ geben! Im Juni 2021 soll die 25. Ausgabe unabhängig von der Tagung als Jubiläumsausgabe „25 Jahre Jahrbuch der Baumpflege“ erscheinen. Themenschwerpunkt ist der „Baumschutz auf Baustellen“. Ein umfassendes Fachbuch zu diesem wichtigen Thema gibt es bislang nicht. Dabei ist aktuelles Wissen darüber angesichts der vielfältigen Bautätigkeiten in unseren Städten und an unseren Straßen wichtiger denn je! Mit dem kommenden Jahrbuch der Baumpflege soll sich das ändern – gleichzeitig ist das der Beitrag der Deutschen Baumpflegetage für die Bäume im Jahr 2021! Der Jubiläumsband soll insgesamt 30 Fachartikel enthalten. Die meisten davon sind Nachdrucke aus überwiegend nicht mehr lieferbaren Jahrgängen, die nach wie vor hoch aktuell und wichtig für die Baumpflege sind. Die drei Hauptkapitel der Jubiläumsausgabe sind: • Boden, Wurzeln und Leitungsbau • Bäume und Straßenbau • Organisation von Baumschutzmaßnahmen Die einführenden Artikel mit einer Darstellung der aktuellen Normen und Regelwerke, die den Hauptkapiteln jeweils vorangestellt werden, stammen von Thomas Amtage, Dirk Dujesiefken und Markus Streckenbach aus dem Fachbeirat der Deutschen Baumpflegetage. Wie in jedem Jahr wird es zu Beginn des Jahrbuches auch einen aktuellen Artikel zum Baum des Jahres 2021, der Stechpalme (Ilex aquifolium), von Andreas Roloff geben. Des Weiteren finden sich im Jahrbuch der Baumpflege 2021 die Adressen von Verbänden und Forschungseinrichtungen sowie das Adressverzeichnis Baumpflege. Das Gesamtregister 1997 bis 2021 mit dem Autoren- und Stichwortverzeichnis im Anhang des Buches umfasst über 750 Fachartikel Das Jahrbuch der Baumpflege ist Nachschlagewerk und Fachbuch in einem. Hier findet der Leser aktuelles Fachwissen zum Thema Baumpflege – wissenschaftlich korrekt und zugleich verständlich und plausibel aufbereitet. Das Buch wird von erfahrenen Praktikern, Arboristen, Sachverständigen und Wissenschaftlern gleichermaßen als Informationsquelle genutzt. Das Jahrbuch der Baumpflege erscheint 2021 als Jubiläumsausgabe in der 25. Ausgabe.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 732

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Herausgeber: Prof. Dr. Dirk Dujesiefken, Hamburg

Redaktionelle Betreuung: Dipl.-Ing. Agrar Martina Borowski, Braunschweig

Herausgeber-Beirat 2021:

Dipl.-Ing. Thomas Amtage, amtage Landschaftsarchitektur und Sachverständigenbüro, Berlin

Tanja Büttner, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), Bonn

Dr. Maria Dobner, Baureferat Gartenbau der Landeshauptstadt München

Dipl.-Biol. Gerhard Doobe, Redaktion der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz, Hamburg

Prof. Dr. Rolf Kehr, HAWK Göttingen, Studiengang Arboristik

Dipl.-Biol. Thomas Kowol, Institut für Baumpflege Hamburg

Prof. Dr. Klaus Richter, Dr. Michael Risse, Holzforschung München, TU München

Dr. Markus Streckenbach, Sachverständigenbüro für urbane Vegetation, Bochum

Dipl.-Biol. Anette Vedder, Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen, Stadt Augsburg

Die Deutsche Bibliothek – CIP Einheitsaufnahme

Jahrbuch der Baumpflege … :

Yearbook of Arboriculture

Braunschweig: Haymarket Media

Erscheint jährlich – Aufnahme nach 1997

ISSN 1432–5020

ISBN 978–3–87815–274–3

Haymarket Media GmbH

Postfach 83 64, 38133 Braunschweig

Telefon: +49 531 38 00 4–0, Fax: –25

[email protected]

www.baumzeitung.de

Satz und Umbruch: Sigert GmbH, Braunschweig

Druck: Kunst- und Werbedruck GmbH & Co KG, Bad Oeynhausen

Die Veröffentlichungen erfolgen trotz sorgfältiger

Bearbeitung ohne Gewähr. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann Schadenersatz nicht geleistet werden. Alle Rechte vorbehalten. Für die namentlich gekennzeichneten Beiträge zeichnen die jeweiligen Autoren verantwortlich.

Redaktionsschluss: Mai 2021

© 2021 Haymarket Media GmbH, Braunschweig

25. Jahrgang

Das „Jahrbuch der Baumpflege 2021“ ist auch als E-Book erhältlich:

ISBN 978–3–87815–275–0 im PDF-Format

ISBN 978–3–87815–276–7 im ePub-Format

ISBN 978–3–87815–277–4 im Mobi-Format

Auf www.united-kiosk.de/kiosk-haymarket/ steht das „Jahrbuch der Baumpflege 2021“ ebenfalls zum Download bereit und kann hier erworben werden.

Das Buch und alle in ihm enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine anderweitige Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sie halten die Jubiläumsausgabe vom Jahrbuch der Baumpflege in den Händen: 25 Jahre gibt es nun schon dieses Nachschlagewerk und Fachbuch mit insgesamt über 750 Fachartikeln über Kontrolle, Pflege und Schutz von Bäumen in Städten und an Straßen.

Leider mussten in diesem Jahr die Deutschen Baumpflegetage ausfallen und wurden auf das Jahr 2022 verschoben. Wir haben uns aber entschieden, auch ohne Tagung in Augsburg ein Jahrbuch der Baumpflege herauszubringen, und zwar zum Baumschutz auf Baustellen.

Baumschutz ist viel mehr als ein Schutzzaun auf der Baustelle oder ein paar Bretter am Stamm. Notwendig sind umfassende Kenntnisse über den Wurzelraum und dessen Bedeutung für die Baumgesundheit. Zudem muss man die Möglichkeiten und Grenzen des Baumschutzes bei den verschiedenen Baumaßnahmen berücksichtigen. Beim Leitungsbau sind andere Anforderungen notwendig als beispielsweise beim Bau von Geh- und Radwegen oder beim Hochbau.

Im Jahrbuch der Baumpflege finden sich seit 1997 verschiedene Beiträge zum Themenkomplex „Baumschutz auf Baustellen“. Leider sind viele Ausgaben davon inzwischen vergriffen. Die Inhalte der Artikel sind aber nach wie vor hochaktuell. Lediglich bei den erwähnten Normen und Regelwerken handelt es sich unter Umständen um frühere Ausgaben. Eine Übersicht über die aktuellen Normen und Regelwerke zum Baumschutz auf Baustellen enthält die Übersicht auf der Seite 3.

Die aktuellen Normen und Richtlinien zum Baumschutz auf Baustellen in Deutschland

•DIN 18920, 2014: Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen, Beuth Verlag, Berlin, 8 S.

•ESAB, 2006: Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Köln, 12 S.

•H ArtB, 2017: Hinweise zum Artenschutz beim Bau von Straßen. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Köln, 56 S.

•MA-StB 92, 1992: Merkblatt Alleen. Verkehrsblatt-Verlag Borgmann GmbH & Co. KG, Dortmund, 26 S.

•Merkblatt DWA-M 162, 2013: Bäume, unterirdische Leitungen und Kanäle. Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA), Hennef, 24 S.

•RAS-LP 4, 1999: Richtlinien für die Anlage von Straßen, Teil: Landschaftspflege, Abschnitt 4: Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Köln, 32 S.

•ZTV-Baumpflege, 2017: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege, 6. Ausgabe, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), Bonn, 82 S.

Mit dieser Jubiläumsausgabe erscheint erstmals ein umfassendes Buch zum Baumschutz auf Baustellen. Viele der vergriffenen Beiträge werden durch diesen Nachdruck wieder verfügbar. Das Jahr der Ersterscheinung wird jeweils am Anfang des Artikels erwähnt. Die Mailadressen am Ende der Beiträge wurden nach Möglichkeit aktualisiert.

Dieses Jahrbuch der Baumpflege wurde in folgende Hauptkapitel gegliedert:

- Boden, Wurzeln und Leitungsbau

- Bäume und Straßenbau

- Organisation von Baumschutzmaßnahmen.

Jedes Hauptkapitel beginnt mit einem neuen, aktuellen Artikel zu dem jeweiligen Themenschwerpunkt. Weiterhin enthält dieses Buch traditionell den Beitrag zum „Baum des Jahres “, der nunmehr seit 25 Jahren von Prof. Dr. Andreas Roloff verfasst wird. Der Baum des Jahres 2021 ist die Stechpalme. Außerdem gibt es das aktualisierte Kapitel über „Verbände und Forschungseinrichtungen“, ein „Adressverzeichnis Baumpflege“ sowie das „Gesamtregister 1997 – 2021“.

Ich hoffe, dass dieses Jahrbuch eine weite Verbreitung findet und dass viele Bäume so geschützt werden, dass sie noch lange Zeit vital und verkehrssicher erhalten bleiben können! Ein gut geplanter und durchgeführter Baumschutz trägt maßgeblich zum Baumerhalt bei. In Zeiten des Klimawandels kommt dem Baumschutz eine ganz besondere Bedeutung zu.

Danken möchte ich dem Verlag Haymarket Media, der dieses Buch möglich gemacht hat. Besonders danken möchte ich Martina Borowski, Silke Burkert und Anja Pieper für die sorgfältige Bearbeitung der verschiedenen Texte, Bilddateien und Informationen, wodurch ein hochwertiges Buch zum 25-jährigen Jubiläum entstanden ist.

Hamburg, im Mai 2021 DIRK DUJESIEFKEN

Für Ihren Terminkalender:

Die nächsten Deutschen Baumpflegetage finden statt vom 10. – 12. Mai 2022.

Kontaktanschrift: Forum Baumpflege GmbH & Co. KG, Geschäftsstelle: Brookkehre 60, 21029 Hamburg

Tel.: +49 (0)40 55 26 07 07, Fax: +49 (0)40 55 26 07 28, www.Deutsche-Baumpflegetage.de

Redaktionsschluss für das Jahrbuch der Baumpflege 2022 ist der 1. Dezember 2021.

Dear Readers,

You are holding in your hands the anniversary edition of the Yearbook of Arboriculture: 25 years of this reference book with a total of around 750 papers on the inspection, maintenance and protection of trees in cities and along roads.

Unfortunately, the German Tree Care Conference had tobe cancelled this year and was postponed until 2022. However, we have decided to publish a yearbook even without the conference in Augsburg, namely on tree protection on construction sites.

Tree protection is much more than just a protective fence on the construction site or a few boards attached to a trunk. What is needed is a comprehensive knowledge of the root zone and its importance for tree health. In addition, one must consider the possibilities and limitations of tree protection in regard to the various construction measures. Different requirements are necessary for pipeline laying than for the construction of sidewalks and bike paths or for building construction, for example.

The current standards and guidelines for tree protection on construction sites in Germany

•DIN 18920, 2014: Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen (Vegetation technology in landscaping – Protection of trees, plantations and vegetation areas during construction work), Beuth Verlag, Berlin, 8 S.

•ESAB, 2006: Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume (Recommendations for protection against accidents with collisions with trees). Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Köln, 12 S.

•H ArtB, 2017: Hinweise zum Artenschutz beim Bau von Straßen (Information on species protection during road construction). Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Köln, 56 S.

•MA-StB 92, 1992: Merkblatt Alleen (Factsheet Alleys). Verkehrsblatt-Verlag Borgmann GmbH & Co. KG, Dortmund, 26 S.

•Merkblatt DWA-M 162, 2013: Bäume, unterirdische Leitungen und Kanäle (Trees, underground pipes and ducts). Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA), Hennef, 24 S.

•RAS-LP 4, 1999: Richtlinien für die Anlage von Straßen, Teil: Landschaftspflege, Abschnitt 4: Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen (Guidelines for the Construction of Roads, Part: Landscape Management, Section 4: Protection of Trees, Vegetation and Animals during Construction Work). Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Köln, 32 S.

•ZTV-Baumpflege, 2017: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege (Additional Technical Terms of Contract and Guidelines for Tree Care). 6. Ausgabe, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), Bonn, 82 S.

Since 1997, the Yearbook of Arboriculture has included various articles on the subject of „tree protection on construction sites“. Unfortunately, many issues are now out of print. However, the contents of the articles are still highly relevant. In some instances the standards and regulations mentioned in earlier articles may now have changed. An overview of the current standards and regulations on tree protection on construction sites can be found on page 5.

This anniversary edition is the first comprehensive book on tree protection on construction sites. Many of the out-of-print articles are once again available through this reprint. The year of first publication is mentioned at the beginning of each article and mail addresses at the end of the articles have been updated.

This Yearbook has been organized into the following main chapters:

- Soil, Root, Line Construction

- Trees and road construction

- Organization of tree protection measures.

Each main chapter begins with an article of current news on the main topic of interest. Furthermore, this book continues the tradition of an article on the „Tree of the Year“, written for the last 25 years by Prof. Dr. Andreas Roloff. The tree of the year 2021 is the holly. There is also the updated chapter on „Associations and Research Institutions“, an „Address Register for Tree Care“ and the „Overall Index 1997–2021“.

I hope that this yearbook will be widely distributed and that many trees will be protected so that they can be kept vital and safe for a long time! Well planned and executed tree protection contributes significantly to tree retention. In times of climate change, tree protection takes on a very special importance.

I would like to thank the publisher Haymarket Media for making this book possible. I would especially like to thank Martina Borowski, Silke Burkert and Anja Pieper for their careful work on the various texts, image files and information, resulting in a highquality book to mark the 25th anniversary.

Hamburg, May 2021 DIRK DUJESIEFKEN

For your calendar:

The next German Tree Care Conference will be held May 10th–12th, 2022.

Contact address: Forum Baumpflege GmbH & Co. KG, Office: Brookkehre 60, 21029 Hamburg

Tel.: +49 (0)40 55 26 07 07, Fax: +49 (0)40 55 26 07 28, www.Deutsche-Baumpflegetage.de or www.wetree.de

The editorial deadline for the Yearbook of Arboriculture 2022 is December 1st, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Baum des Jahres 2021: die Stechpalme (Ilex aquifolium) – Ihre Eigenschaften und Besonderheiten

A. ROLOFF

1Boden, Wurzeln und Leitungsbau

Bäume, Böden und Leitungsbau – Herausforderungen für ein notwendiges Miteinander

M . STRECKENBACH

Baubedingte alte Schäden im Boden von Parkanlagen und deren Folgen für die Parkpflege

K. BECKER

Kurz- und langfristige Auswirkungen von Baumaßnahmen auf Bäume

H. BALDER

Stadtbäume im Spannungsfeld von Evolution und technischer Infrastruktur

K. SCHRÖDER

Bäume und Leitungen – Untersuchungen zur Einwurzelung in moderne PVC- und Betonabwasserleitungen

D. RIDGERS, K. ROLF, Ö. STÅL

Gesunde Bäume trotz Leitungsbau – Handlungsempfehlungen für einen fachgerechten Baumschutz

H. STOBBE, T. KOWOL

Atemnot im Wurzelraum – Der Einfluss der Gasdurchlässigkeit des Bodens auf die Feinwurzel erschließung und die Vitalität von Bäumen

T. GAERTIG

Durch Wurzeln verursachte Schäden an Rohrleitungen und vergleichbaren Bauwerken

M. STRECKENBACH, C. BENNERSCHEIDT, T. STÜTZEL

Geht unseren Bäumen die Luft aus? Möglichkeiten und Grenzen der Diagnose von Bodenbelüftungsstörungen städtischer Baumstandorte

K. WELTECKE, T. GAERTIG

Urbane Böden – eine Lebensgrundlage für Gehölze?

M. STRECKENBACH

Baumsubstrate – Spektrum der Substrate in der Stadtgrünpraxis

P. SCHÖNFELD

2Bäume und Straßenbau

Straßenbau und Bäume – die aktuellen Normen und Regelwerke zum Baumschutz

D. DUJESIEFKEN

Unterschiedliche Arten und Ursachen von Schäden durch Gehölzwurzeln an Verkehrswegen

T. STÜTZEL, C. BENNERSCHEIDT, M. STRECKENBACH

Zum Umgang mit Baumwurzeln unter Wegebelägen aus bau- und vegetationstechnischer Sicht

S. REICHWEIN

Möglichkeiten des unterirdischen Baumschutzes durch technische Maßnahmen

K. SCHRÖDER

Wurzelwachstum in der Tragschicht: Erfahrungen mit überbaubaren Baumsubstraten in Dänemark

O. BÜHLER, M. INGERSLEV, C. NØRGÅRD NIELSEN, I. M. THOMSEN

Wurzelraum und Baumstabilität von Straßen- und Stadtbäumen

C. NØRGÅRD NIELSEN

Straßen-Neugestaltung unter den Aspekten Alleenschutz, Verfahrensrecht und Öffentlichkeit – ein Beispiel aus Bad Doberan

P. POLZIN

Planungshinweise für klimaangepasste Städte im Umgang mit Niederschlagswasser

C. BENNERSCHEIDT

3Organisation von Baumschutzmaßnahmen

Die baumschutzfachliche Baubegleitung: Ein Instrument zur Umsetzung des Baumschutzes auf Baustellen

T. AMTAGE, T. BÜTTNER

Fachgerechter Baumschutz auf Baustellen

R. RÜPPEL

Baumschutz und Schadensbegrenzung bei Baumaßnahmen – die neue RAS-LP 4

D. DUJESIEFKEN

Die Osnabrücker „KOST“ – ein Modell zur Koordinierung von Baumaßnahmen und Verminderung von Konflikten

J. SCHMIDT

Baumschutz in allen Planungsphasen – Das Basler Baumschutzkonzept

L. PAGANELLI

Zukunftsfähige Baumstandorte richtig planen – Neue Richtlinie in den Niederlanden verbindet Baumfachleute, Tiefbauer und Freiraumplaner

J. HILBERT

Mangelnde Standsicherheit von Bäumen nach Baumaßnahmen – Gründe für einen sinnvollen Baumschutz

M. POMMNITZ

Erhalt von Altbäumen auf Dämmen: Konflikte – Lösungen – Umsetzung am Beispiel der Stör- Wasserstraße

K. DUJESIEFKEN, F. C. HAGEN

Wurzelschutz an Straßenbäumen – Beispiele für eine konsequente Umsetzung bei Tiefbaumaßnahmen

M. STRECKENBACH, J. DREß

Baumschutz auf Baustellen vorausschauend planen, ausschreiben und überwachen

T. AMTAGE

4Verbände und Forschungseinrichtungen

Institute, Forschung und Lehre

Verbände

Weitere Organisationen und Vereine

Pflanzenschutzdienste

5Adressverzeichnis Baumpflege

Hinweise zur Benutzung

5.1 Baumpflegefirmen

5.2 Sachverständige

5.3 Produkte und Dienstleistungen

Inserenten-Verzeichnis

6Gesamtregister 1997-2021

Hinweise zur Benutzung

Autorenverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Content

Tree of the year 2021: Holly (Ilex aquifolium) – Features and Characteristics

A. ROLOFF

1Soil, Roots and Sewer Lines

Trees, soils and sewer lines – Challenges for a necessary cooperation

M . STRECKENBACH

Baubedingte alte Schäden im Boden von Parkanlagen und deren Folgen für die Parkpflege (without English title & summary)

K. BECKER

Kurz- und langfristige Auswirkungen von Baumaßnahmen auf Bäume (without English title & summary)

H. BALDER

Urban trees in the conflict between evolution and technical infrastructure

K. SCHRÖDER

Trees and pipes – Investigation in penetration of tree roots in modern PVC- and concrete sewer pipes

D. RIDGERS, K. ROLF, Ö. STÅL

Healthy trees despite trenching – recommendation for tree protection

H. STOBBE, T. KOWOL

Respiratory distress in rooting space – The impact of soil aeration deficiencies on fine root distribution and vitality of trees

T. GAERTIG

Damages to sewer lines and the like caused by tree roots

M. STRECKENBACH, C. BENNERSCHEIDT, T. STÜTZEL

Assessment of soil aeration deficiencies at urban sites – potentialities and limits

K. WELTECKE, T. GAERTIG

Urban soils – do they really suit tree plantings?

M . STRECKENBACH

Trees substrates – spectrum of substrates in the urban greenspace practice

P. SCHÖNFELD

2Trees and Road Construction

Road construction and trees – the current standards and regulations for tree protection

D. DUJESIEFKEN

Damage to pavements caused by tree roots

T. STÜTZEL, C. BENNERSCHEIDT, M. STRECKENBACH

Dealing with tree roots below pavements

S. REICHWEIN

Options for underground protection of trees against damage by the use of technical measures

K. SCHRÖDER

Root growth in load bearing layers: Structural soils in Denmark

O. BÜHLER, M. INGERSLEV, C. NØRGÅRD NIELSEN, I. M. THOMSEN

Rooting space and anchorage of urban trees

C. NØRGÅRD NIELSEN

Reconstruction of an avenue considering the protection of tree-lined roads, procedural law and public participation – an example from North-east Germany

P. POLZIN

The Sponge City principle: Notes of planning for climate adapted cities dealing with stormwater management

C. BENNERSCHEIDT

3Organisation of Tree protection

Tree protection supervision during construction – a management instrument

T. AMTAGE, T. BÜTTNER

Fachgerechter Baumschutz auf Baustellen (without English title & summary)

R. RÜPPEL

Baumschutz und Schadensbegrenzung bei Baumaßnahmen – die neue RAS-LP 4 (without English title & summary)

D. DUJESIEFKEN

The „KOST’-model for coordinating construction work and preventing conflicts

J. SCHMIDT

Tree protection as an element of a continuous planning process – the Basel tree protection concept

L. PAGANELLI

Integration of tree protection in the designing process – A new guideline in The Netherlands brings tree specialists, technical engineers and designers together

J. HILBERT

Tree failure after building projects – reasons for an expedient tree protection

M. POMMNITZ

Preservation of old trees on dams – Conflicts – Solutions – Implementation using the example of the Stör-waterway

K. DUJESIEFKEN, F. C. HAGEN

Tree root protection in streets – Examples for a consequent implementation at construction sites

M. STRECKENBACH, J. DREß

Proactive planning, tendering and monitoring of tree protection on construction sites

T. AMTAGE

4Associations and Research Institutes

Institutes, research and teaching

Professional associations

Other organisations and associations

Plant protection services

5Address register for tree care

Reference for use

5.1 Tree care companies

5.2 Experts

5.3 Products and services

Index of advertisers

6Overall Index 1997–2021

Reference for use

Index of authors

Index of catchwords

Baum des Jahres 2021: die Stechpalme (Ilex aquifolium) – Ihre Eigenschaften und Besonderheiten

Tree of the Year 2021: Holly (Ilex aquifolium) – Features and Characteristics

von Andreas Roloff

Zusammenfassung

Die Stechpalme ist wohl eine der ungewöhnlichsten einheimischen Laubbaumarten, da sie ledrige, glänzende, auffällig gezähnte Blätter hat, die mehrere Jahre am Leben bleiben. Die kleinwüchsige Baumart ist also immergrün und sorgt daher auch im Winter für angenehmes Grün und Abwechslung. Zudem ist sie so schattentolerant, dass sie sogar im Unterstand von Buchenbeständen sogenannte Stechpalmenwälder als zweite Baumschicht bilden kann. Im Herbst und Winter sind ihre vielen leuchtend roten Früchte attraktiv und beliebt in Adventsgestecken. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in wintermilden Gebieten, sodass zukünftig von einer weiteren Ausbreitung auszugehen ist. Wildexemplare sind so selten, dass sie als eine von wenigen Baumarten bei uns nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt sind.

Summary

Common holly is one of the most remarkable indigenous broadleaved tree species, for its leathery, glossy, conspicuously dentate leaves which stay alive for several years. The small tree species is evergreen with the effect of pleasant green and variety in winter.

Furthermore it is so shade tolerant that it survives in beech forests as undergrowth tree layer, called holly woods. In autumn and winter its bright red fruits are attractive and popular for Advent twig arrangements. The centre of its native area is in winter-mild regions, so it is expected that it will extend its spread. Wild specimens are so rare that they are strictly protected by law in Germany.

1Charakteristika und Erkennungsmerkmale

Viele Stechpalmen wachsen strauchförmig, aber man findet auch regelmäßig baumförmige Exemplare, sodass es sich eindeutig um eine Baumart handelt (Abbildung 1). Der Habitus der Krone kann kegelförmig aussehen oder ist aufrecht oval. Die Triebe bleiben bis zu 10 Jahre grün (Abbildung 2), können also neben den Blättern ebenfalls Photosynthese betreiben. Die dabei produzierte Zuckermenge ist allerdings gering im Vergleich zu den immergrünen mehrjährigen Blättern.

Abbildung 1: Beeindruckender Solitär der Stechpalme als Hausbaum auf Rügen
Abbildung 2: Grüne Triebe betreiben Photosynthese

Die graue Rinde bleibt lange glatt (Typ Glattrinde), in hohem Alter entwickelt sich bisweilen eine Schuppenborke (Abbildung 3). Die Stammumfänge können 1–2 m erreichen, das Höchstalter beträgt 200 Jahre, selten mehr. Das dickste Exemplar Deutschlands wächst in Braunfels bei Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis, Hessen, Abbildung 3) in einem Vorgarten. Mit 2,90 m Stammumfang und einem geschätzten Alter von 270 Jahren fragt man sich, wie diese Ausmaße zustande kommen können, noch dazu ist dieser Baum vor einigen Jahren sehr stark eingekürzt oder sogar gekappt worden.

Abbildung 3: Deutschlands dickste Stechpalme mit 2,90 m Stammumfang steht in Braunfels.

Im subatlantischen Klimagebiet erreicht die Stechpalme Höhen bis 10 m, in England und Norwegen bis 15 m, während sie an der französischen Atlantikküste sowie auf den britischen Inseln im Freistand auch über 20 m hoch werden kann.

Die Stechpalme wächst nach dem Architekturmodell Massart, das durch senkrechtes Wachstum des Wipfeltriebes und waagerechte Seitenäste charakterisiert ist. Baumlaien denken meist, dies wäre die häufigste Wuchsform, nach der fast alle Bäume wachsen. Dieses Architekturmodell tritt jedoch fast nur bei Nadelbaumarten auf (z. B. bei Fichte, Tanne, Douglasie) und resultiert in einem für Laubbäume ungewöhnlichen Habitus.

Das ganz Besondere der Stechpalme sind ohne Zweifel ihre Blätter: Sie fallen vor allem im Winter auf, wenn fast alle anderen Laubbäume kahl sind. Dann glänzen sie in der Wintersonne und wirken durch ihre großen Blattrandzähne bizarr (Abbildung 2). Die glänzende Blattoberfläche kommt durch verstärkte Wachsauflagerungen zustande, welche die Blätter vor Austrocknung und Kälte schützen, denn sie sollen mehrere (bis zu 4) Sommer und Winter überleben. Vor dem Laubfall der ältesten Blätter im Spätsommer findet keine nennenswerte Blattfärbung statt.

Es gibt nur männliche oder weibliche Bäume (sog. Zweihäusigkeit), daher ist zur Fruchtbildung die Nähe beider Geschlechter notwendig: Sie sollten dann nicht weiter als 50 m voneinander entfernt stehen. Die von Insekten im Mai (bis Juni) bestäubten Blüten duften angenehm und sind grünlich- bis cremeweiß, aber durch ihre geringe Größe relativ unauffällig (Abbildung 4). Im Gegensatz dazu fallen die Steinfrüchte im Herbst und Winter durch ihre leuchtend rote Farbe zwischen den dunkelgrünen Blättern sehr auf. Das bemerken auch Vögel, die sie im Winter fressen, wenn sie bei Frost weich geworden sind.

Abbildung 4: Hübsche Blüten im Mai mit Bienen als Bestäuber

In natürlichen Beständen überwiegen vermutlich männliche Exemplare. Eine genaue Erfassung ist schwierig, da weibliche Pflanzen nicht jedes Jahr sowie erst in fortgeschrittenem Alter blühen und dann nicht als solche erkannt werden. Außerdem sind weibliche Zweige wegen ihrer attraktiven Früchte bei der Bevölkerung sehr begehrt, was zu einem Rückgang weiblicher Exemplare und in der Folge ganzer Bestände geführt hat. Die Früchte werden durch Vögel (Drosseln, Wildtauben, Feld- und Moorhühner) über größere Entfernungen transportiert und tragen so zur Ausbreitung der Stechpalme bei. Sie dienen den Vögeln allerdings meist nur in sehr harten, schneereichen Wintern als Nahrung. Deshalb verbleiben die Früchte oft noch bis zur nächsten Blüte (Mai/Juni) am Baum.

Eine natürliche Verjüngung über Samen kommt im Wald nur selten und nur an Standorten mit Altholzschirm vor. Die Vermehrung erfolgt dann vornehmlich über Wurzelaustriebe. In Gärten und Parks sieht man deutlich mehr Sämlinge. Die Samen unterliegen zunächst einer ein- bis dreijährigen Keimruhe, die auch in Versuchen unter keimungsfördernden Bedingungen (chemische Mittel, Phytohormone, mechanisches Ritzen, Temperaturwechsel) nicht zu brechen war. Grund dafür ist der zum Zeitpunkt der äußerlichen Fruchtreife noch kleine, ungenügend entwickelte Embryo.

Die Stechpalme entwickelt ein Herz- oder Senkerwurzelsystem: Horizontal verlaufende Hauptwurzeln verzweigen sich zu einem dichten Netz von Feinwurzeln in der Humusschicht, von den Hauptwurzeln dringen Senker in größere Bodentiefen vor. Die horizontale Ausdehnung des Wurzelsystems entspricht in Beständen etwa derjenigen der Krone, im Freistand kann sie auch deutlich darüber hinausgehen.

2Vorkommen und Ökologie

Die Stechpalme war im Tertiär-Zeitalter ein weitverbreitetes Gehölz, vor allem in subtropischen Wäldern. Während der Eiszeiten überdauerte sie im südlichen iberischen Raum. In der postglazialen wärmezeitlichen Massenausbreitung erreichte sie aus dem atlantisch-submediterranen Raum bereits vor 8.000 Jahren die heutige Ostgrenze der Verbreitung. In kontinentalen Bereichen ging sie sogar über ihr heutiges Areal hinaus, wie fossile Funde bei Cottbus und Weimar belegen. Außerdem stammen Fossilien aus England, dem Westrand der Lüneburger Heide (Honerdingen), der Schweiz (St. Gallen) und Oberitalien (Provinz Bergamo). Blüten zweier Ilex-Arten wurden in samländischem Bernstein gefunden, wodurch das hohe Alter der Familie und Gattung in Europa unterstrichen wird.

Die Stechpalme konnte jedoch erst mit dem Eingreifen des Menschen in der ehemals geschlossenen Waldlandschaft des atlantischen Eichenmischwaldes bessere Entwicklungsbedingungen finden. Deshalb erscheint sie erst zu Beginn neusteinzeitlicher Siedlungstätigkeit verstärkt in Pollendiagrammen, sodass ein synchrones Verhalten dieser Gehölzart mit siedlungsintensiven Phasen und Siedlungsdepressionen zu beobachten ist. Es wurde zudem eine Korrelation zwischen Buchen-Ausbreitung und stellenweiser Anreicherung von Ilex nachgewiesen, sie wird deshalb auch als Buchenbegleiterin bezeichnet. Ilex-reiche Bestände kommen aber auch in bodensauren Eichenmischwäldern vor.

Die Bodenansprüche sind indifferent. Man findet die Art deshalb auf den verschiedensten Bodenarten und sogar auf felsigem Untergrund und in Heidelandschaften (Abbildung 5). Sie kommt dabei vorwiegend auf mäßig trockenen, humusreichen Sand- und Lehmböden vor und geht bei entsprechenden lokalklimatisch günstigen, luftfeuchten und frostgeschützten Situationen auch auf kalkreiche Böden über.

Abbildung 5: Vorkommen in Heidefläche, unten stark gezähnte und oben glattrandige Blätter

Die Stechpalme ist relativ frosthart, aber empfindlich gegenüber Früh- und Spätfrösten. Keimlinge besitzen bereits im ersten Winter eine Frostresistenz bis –20 °C, wobei im Alter einige Herkünfte bis maximal –25 °C ertragen. Die Art ist aber gegen austrocknende Nord- und Ostwinde im Winter empfindlich. Frostschäden treten auch an ungeschützten Pflanzenteilen auf, die aus der Schneedecke oder aus schützender Begleitvegetation herausragen. Als (sub)atlantische Art ist die Stechpalme empfindlich gegenüber großer Trockenheit, wobei die Hitzeresistenz junger Blätter geringer ist als die älterer und eine fortlaufende Anpassung erfolgen kann. Ihre Verbreitungsgrenze ist temperaturbedingt: Sie kommt vor allem in Regionen vor, wo die mittlere Januartemperatur über –0,5 °C liegt und die Durchschnittstemperatur des wärmsten Monats 12 °C übersteigt.

Ilex aquifolium gedeiht sowohl in tiefem Schatten als auch in direktem Sonnenlicht, wobei sie in schattigen Wäldern allerdings nur geringere Wuchshöhen erreicht – optimal ist Halbschatten. In England und Irland mit dem dortigen atlantisch-milden Klima findet man auch Stechpalmenbestände, die ohne eine beschattende Baumschicht wachsen. Ehemalige Waldweiden erkennt man bisweilen an starken Vorkommen von auch hochgewachsenen Stechpalmen. Es wird vermutet, dass die Stechpalme heute in den verschieden differenzierten Forsten ein Relikt aus alter Zeit darstellt, in der in Deutschland Ilex-reiche Mischwälder vorgeherrscht haben. Die damalige Vielzahl von Stechpalmen ist auf die Hutewirtschaft zurückzuführen, sodass Ilex-reiche Wälder heute weitgehend als Relikte der ehemaligen Waldnutzung aufzufassen sind. Denn durch die Waldweide wurde die Stechpalme gefördert, da sie vom Großvieh gemieden wurde. Hinzu kamen ihre Schattentoleranz (Abbildung 6) und die Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung, sodass oftmals ein dichter Unterwuchs entstehen konnte.

Abbildung 6: Exemplar im Waldschatten: erhält nur im Winter Licht.

Das natürliche Areal der Stechpalme erstreckt sich über die Mitte, den Süden und den Nordwesten Europas. Daraus kann ein gewisser Wärmebedarf abgeleitet werden. Vor allem etwas mildere Winter sind wegen der immergrünen Blätter günstig, denn für deren Frosthärte ist ein gewisser Aufwand nötig. Die Ostgrenze des Areals verläuft von der Odermündung in südwestlicher Richtung durch Deutschland bis Rheinland-Pfalz, biegt dann scharf entlang des Nordrandes der Alpen nach Osten ab, wo sich das Verbreitungsgebiet über den Balkan, Vorderasien, Kaukasien bis zum Iran erstreckt. Die südliche Arealgrenze durchläuft Algerien und Tunesien. Im atlantischen Klimabereich mit milderen, feuchteren Wintern wie in Großbritannien und Irland tritt die Stechpalme (Holly) viel deutlicher in Erscheinung und fühlt sich dort sichtlich besonders wohl (Abbildung 7).

Abbildung 7: Wilde Stechpalme (im Englischen Holly) in Somerset, England

Aufgrund der Klimaerwärmung breitet sich die Stechpalme in den letzten Jahrzehnten bereits in Norwegen entlang der Westküste weiter nach Norden und in Dänemark weiter nach Osten aus und hat es inzwischen sogar bis nach Südschweden geschafft. Entlang der südlichen Ostseeküste wandert sie inzwischen in Polen ein, auf Bornholm kommt sie schon seit mindestens 150 Jahren vor, wie eigene Jahrringuntersuchungen gezeigt haben. Die Höhenverbreitung erstreckt sich vom Tiefland in Norwegen und England bis auf über 2.000 m im Kaukasus, in den Alpen steigt sie bis auf 1500 m.

Die Stechpalme ist eine der wenigen Baumarten, die durch die Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz stehen, weil Wildvorkommen so selten sind. Dies trifft unter unseren Gehölzen nur noch für Eiben und Buchsbaum sowie einige Kleinsträucher zu. Sie dürfen also nicht beschädigt oder gar entnommen werden.

Die Stechpalme ist bei uns die einzige einheimische immergrüne Laubbaumart (der ebenfalls immergrüne Buchsbaum ist eine Strauchart). Als immergrün bezeichnet man Baumarten, deren Blätter länger als ein Jahr am Baum hängenbleiben. Die meisten Nadelbaumarten sind immergrün (Ausnahme z. B. Lärche). Immergrüne Laubbaumarten haben Vorteile in wintermilden Regionen, besonders da, wo die Sommer so heiß und trocken sind, dass sie zeitweise nicht für Photosynthese genutzt werden können, wie im Mittelmeerraum. Winter- und immergrüne Bäume können so auch warme Perioden im Winterhalbjahr, vor allem im Frühjahr ausnutzen, die dann über das gesamte Jahr betrachtet ebenfalls wichtige Zeiträume für die Photosynthese darstellen. Solche immergrünen Laubbaumarten deuten daher auf eine teilweise oder schwerpunktmäßige Verbreitung in wärmeren oder zumindest wintermilden Gebieten hin, z. B. in Meeresnähe. Die Frosthärte ist bei diesen Arten oft geringer, denn bei regelmäßig tiefen Wintertemperaturen sind Blattfall oder nadelförmige Blätter der beste Schutz vor Frostschäden.

Beeindruckend ist die hohe Schattentoleranz, sodass die Stechpalme sogar in geschlossenen Buchenbeständen überlebt und dort sog. „Stechpalmenwälder“ im Unterstand bildet (Abbildung 8). Dadurch werden die Waldbestände im Unterwuchs dicht und stellenweise undurchdringlich, womit sich die Art bei Förstern unbeliebt macht, im Winter aber einen wichtigen Schutz für Wild und Vögel bietet. Berühmt und bedeutsam ist das „Naturwaldreservat Stechpalmenwald“ östlich der Lüneburger Heide in Niedersachsen. Es entsteht ein sehr ungewöhnliches Bestandesbild, welches durch die Ilex-Blätter etwas mediterranes Flair erhält. So wird die Baumart gelegentlich auch als „Wilder Lorbeer“ bezeichnet.

Abbildung 8: Stechpalmenwald: eine zweite Bestandesschicht unter den Altbuchen

Sehr ausgeprägt ist die Xerophyllie der Blätter, daher ist sie ein sog. Hartlaubgewächs, mit Anpassung an Hitze, intensive Bestrahlung und Trockenstress durch verdickte Zellwände und eine verstärkte Wachsschicht auf der Blattoberseite sowie die großen Stacheln am Blattrand.

Etwas Bemerkenswertes ist weiter die Verschiedenblättrigkeit der Stechpalme (Heterophyllie): An demselben Zweig kommen sowohl glattrandige ungezähnte als auch unterschiedlich gezähnte Blätter vor (Abbildung 9), die Blattgestalt ist also sehr variabel. Die Blattrandzähne stellen tatsächlich einen sehr wirksamen Verbissschutz dar.

Abbildung 9: Heterophyllie: verschiedene Blattformen an einem Trieb

Auffällig ist das Fehlen der Wellung und Randzähne der Blätter in den höheren Kronenbereichen. Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze, die im Folgenden in abnehmender Plausibilität genannt werden:

1. Die Bestachelung stellt eine Anpassung als Schutz vor Wildverbiss in den unteren Kronenbereichen und bei jungen Bäumen dar. Bestachelte Blätter werden höchstens beim Austreiben vom Wild verbissen, da sie dann noch weich sind. Weidevieh verschmäht in der Regel die Blätter, da sie auch sehr bitter und schleimig sind. Bei eigenen eingehenderen Untersuchungen konnte tatsächlich festgestellt werden, dass die Blätter in den unteren Kronenbereichen stärker gezähnt sind als die im höheren Kronenbereich. Als Ursache ist anzunehmen, dass die Blätter nur in Verbisshöhe den Schutz durch Blattrandzähne benötigen und dieser in höheren Kronenbereichen überflüssig ist.

2. Die jährliche Anzahl der neugebildeten Blätter steigt progressiv an, während die leitende Stammquerschnittsfläche nicht im gleichen Maße steigt, sodass die Wasser- und Nährstoffzufuhr mit der zunehmenden Blattfläche nicht Schritt hält und die fehlende Bestachelung als Mangelsymptom gewertet werden kann. Dafür spricht auch die Beobachtung, dass die Blätter der Haupttriebe die Bestachelung oft bis ins hohe Alter beibehalten und dass Blätter, die während der Zeit des stärksten Treibens gebildet werden, eine stärkere Bestachelung aufweisen als die Blätter, die zu Beginn oder zum Ende des Laubaustriebes gebildet werden.

3. Fehlende Wellung und Bestachelung und somit eine Verkleinerung der Blattspreite stellen möglicherweise einen Schutz gegen zu starke Verdunstung in den oberen Kronenbereichen dar. Gegen diese Theorie spricht, dass gezähnte/gelappte Blätter wegen ihres geringeren effektiven Schattenwurfes und ihrer besseren Kühlung bei anderen Baumarten vor allem in den oberen Kronenbereichen zu finden sind.

4. Gelegentlich werden auch eine reduzierte Entwicklung von Blattzähnen mit zunehmendem Alter festgestellt und stachellose Blätter als eine Art Altersform interpretiert, was aber im Widerspruch zu eigenen Erhebungen steht.

In den ersten Jahren gelangen nur je 1–3 Laubblätter zur Ausbildung, das Höhenwachstum beträgt dann nur ca. 1 cm jährlich (Abbildung 10). Bei optimalen Wachstumsbedingungen in der Jugend kann die Stechpalme aber bald ein jährliches Höhenwachstum von bis zu 90 cm erreichen. Im Alter sind sowohl Dickenals auch Höhenwachstum nur noch sehr gering. An alten Exemplaren werden innerhalb einer Vegetationsperiode oft Jahrestriebe mit nicht mehr als fünf Laubblättern ausgebildet.

Abbildung 10: Langsamwüchsigkeit in den ersten Lebensjahren, hier ein vierjähriger Sämling

Eigene Zuwachsuntersuchungen an Bäumen aus dem Halbschatten haben extrem schmale Jahrringe und bei 10 cm dicken Stämmchen ein Alter von bis zu 100 Jahren ergeben.

In einem Naturschutz-Projekt erforschen wir derzeit die Ursache der Langsamwüchsigkeit von Stechpalme und Eibe: Wir möchten wissen, warum sie auf bessere Lichtverhältnisse nicht mit einer Wachstumssteigerung reagieren. Unsere Vermutung ist, dass es am Wassertransport liegt, der aufgrund der Holzanatomie nicht steigerungsfähig ist. Daher müssen (halb)schattige Verhältnisse dann am günstigsten sein.

Da die Stechpalme sehr stockausschlagfreudig ist, entstehen infolge von Verbiss oder sonstiger Beschädigung strauchförmige Exemplare, die ausgedehnte Gebüsche bilden können und wiederum anderen Pflanzenarten einen Lebensraum bieten, in dem sonstige Gehölze und krautige Arten durch die Stechpalme vor Verbiss geschützt werden.

Die Stechpalme ist widerstandsfähig gegen Luftverschmutzung, mäßig SO2-tolerant und verträgt höhere Ozonbelastung.

3Nutzung, Verwendung und Heilkunde

Das relativ schwere, helle Holz ist für feinere Tischler-, Drechsler- und Schnitzarbeiten beliebt und gilt als wertvollstes „weißes Holz“ für Einlegearbeiten, z. B. in Schachbrettern. Seine Dichte ist so hoch, dass es in frischem Zustand in Wasser untergeht. Der hohe Schwindsatz des Holzes bedingt bei zu schneller Feuchteabsenkung innere Spannungszustände und ausgedehnte radiale Schwindrisse.

Die häufigste Verwendung der Stechpalme erfolgt bei uns als Stadtbaum: Sie ist sehr beliebt als Ziergehölz für Gärten, Parks und als Hausbaum (Abbildung 11). Dabei muss man nur auf Schutz vor zu starker Sonnenstrahlung und vor kaltem Nord- und Ostwind im Winter achten. Meist werden Sorten verwendet, die besondere Blattformen, -größen, -färbung und -bestachelung, Fruchtfarbe oder einen speziellen Habitus zeigen: Es sind weit über 100 Kultivare beschrieben.

Abbildung 11: Verwendung als Ziergehölz/ Hausbaum

Die Art eignet sich auch sehr gut zur Anlage von Hecken, da sie sehr schnittverträglich ist. Solche Hecken können durch die stechenden Blätter undurchdringlich werden, weshalb die Stechpalme in England zu den beliebtesten Heckenpflanzen gehört. Hierzulande finden sich derartige Hecken vor allem in NW-Deutschland, aber viel seltener.

Wegen ihrer Immissions- und Salztoleranz ist sie für Pflanzungen im urbanen Bereich sehr gut geeignet, allerdings wegen ihrer Langsamwüchsigkeit und der immergrünen Blätter, die Streusalzgischt nicht vertragen, nicht als Straßenbaum.

Ilex-Zweige sind wegen ihres immergrünen Laubes und ihrer leuchtend roten Früchte sehr geeignet und beliebt für die Kranzbinderei, als Gräberschmuck und zur Ausschmückung bei Festlichkeiten, insbesondere gerne zu Weihnachten. Das stachelige Laub machte man sich auch zum Schutz von zum Räuchern aufgehängtem Fleisch gegen Katzen zunutze. Bereits vor über 100 Jahren wurde der Stechpalme allerdings ihre Beliebtheit für Adventskränze und Weihnachtsgestecke zum Verhängnis, da man damals Unmengen von Frucht-Zweigen schnitt und Wagenladungen per Lkw und Eisenbahn überall hin verfrachtete. In den 1920er Jahren wurden daher erste lokale Verbote und dann auch regionale Schutzverordnungen erlassen.

Vor allem im angelsächsischen Raum hat sich die Stechpalmenverehrung bis heute erhalten, man schmückt immer noch gerne Weihnachten das Haus mit „Holly“-Zweigen (Abbildung 12). Sie werden zur Zierde der Haustür und Zimmer sowie zum Schmuck von Speisen (Pudding/Fleischwaren) verwendet, wobei man sie aber nicht mitessen darf. Stechpalmenzweige sind dabei eng mit der Weihnachtszeit verbunden. Diese Tradition wird inzwischen in den USA noch ausufernder gepflegt als im britischen Mutterland: In riesigen „Holly-Farmen“ angepflanzt werden die Ilex-Plantagen zum Schutz vor Vögeln in jedem Herbst mit Netzen überspannt und im November/Dezember Zweige geschnitten.

Abbildung 12: Gesteck mit Ilex zu Weihnachten

Die als giftig eingestuften Blätter wurden früher als aufmunternder Tee getrunken – so ändern sich die Zeiten. Mate-Tee stammt übrigens von einer südamerikanischen Ilex-Art. In der Heilkunde wurden die ebenfalls giftigen Früchte gelegentlich bei Fieber, gegen Rheuma und Gicht sowie als Abführmittel und gegen Epilepsie eingesetzt, was die Patienten teilweise nicht überlebten. Aus diesem Grund ist bei Pflanzungen im Garten oder auch Dekoration und Gestecken zu beachten, dass 10 Früchte für Kinder bereits tödlich sein können. Für Vögel sind sie ungiftig und sogar ein wichtiges Winterfutter, werden aber erst durch Frost weich.

4Mythologie, Geschichte und Literatur

Aufgrund der ungewöhnlichen Eigenschaften – immergrüne, glänzende, stachlige Blätter mit roten Früchten – hat die Stechpalme in der Mythologie schon seit langer Zeit Bedeutung. Bereits die Kelten verehrten sie: Für die Druiden sollen die roten Früchte Lebensenergie symbolisiert haben. Den Römern galt sie als zukunftsdeutender Baum. Durch ihre immergrünen Blätter gilt sie als Symbol für Unvergänglichkeit und ist daher auch auf Friedhöfen so beliebt.

Der Zauberstab Harry Potters war aus einem Stechpalmenzweig; auch für Wanderstöcke waren und sind die Zweige beliebt, so z. B. bekannt von GOETHE und LISZT.

Die Bezeichnung „Hülse“ wie auch das englische „Holly“ gehen auf althochdeutsch hulis zurück, eine Bezeichnung für stechende Sträucher, und wurde schließlich auf weitere immergrüne, stechende Gehölze wie die Stechpalme übertragen. Noch heute lassen viele Flur- und Ortsnamen mit der Silbe „Hüls-“ auf das einstige Vorkommen der Stechpalme schließen, z. B. Hülsfeld, Hülsenhain und Hülsebusch. Auch in Familiennamen wie DROSTE-HÜLSHOFF und HÜLSMANN findet man sie wieder.

Der Bezug zur Palme im Namen rührt von dem Brauch, in katholischen Gegenden am Palmsonntag Ilex-Zweige als Palmzweige in die Kirche zu bringen, die dort geweiht werden und dann in Stube und Stall gegen Heimsuchung durch böse Gewalten (z. B. Gewitter) aufgehängt oder in den Dachgiebel gesteckt werden.

Verwendete Literatur

BARTELS, H., 1993: Gehölzkunde. Ulmer, Stuttgart.

BÄRTELS, A.; SCHMIDT, P. A., 2014: Enzyklopädie der Gartengehölze. 2. Aufl., Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV), 2005: Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten. BGBl. I, S. 258/896.

BUTIN, H., 2019: Krankheiten der Wald- und Parkbäume. 3. Aufl., Ulmer Verlag, Stuttgart.

CALLAUCH, R., 1983: Untersuchungen zur Biologie und Vergesellschaftung der Stechpalme (Ilex aquifolium L.). Diss. Gesamthochschule Kassel.

CITREE, 2019: Planungsdatenbank Gehölze für urbane Räume. www.citree.de [Zugriff 11.11.2020].

ELLENBERG, H.; LEUSCHNER, C., 2010: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 6. Aufl., Ulmer Verlag, Stuttgart.

FENNER, R., 2020: Die Europäische Stechpalme – Baum des Jahres 2020. www.baum-des-jahres.de.

GALLE, F. G., 1997: Hollies – The genus Ilex. Timber Press. Portland, Oregon.

LANGE, O. L., 1961: Die Hitzeresistenz einheimischer immer- und wintergrüner Pflanzen im Jahreslauf. Planta 56, 666–683.

MARZELL, H., 1975: Gattung Ilex. In: HEGI, G.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Bd. V/1. P. Parey Verlag, Hamburg/Berlin, 234–243.

OBESO, J. R., 1997: Costs of reproduction in Ilex aquifolium: effects at tree, branch and leaf levels. J. Ecology 85, 159–166.

PETERKEN, G. F.; LLOYD, P. S., 1967: Biological Flora of the British Isles. Ilex aquifolium. J. Ecology 55, 841–858.

PIETZARKA, U.; SCHMIDT, C.; ROLOFF, A., 2003: Ilex aquifolium (Stechpalme, Hülse). Enzyklopädie der Holzgewächse 33, 1–12.

POTT, R., 1990: Die nacheiszeitliche Ausbreitung und heutige pflanzensoziologische Stellung von Ilex aquifolium L.. Tuexenia 10, 497–512.

ROLOFF, A., 2013: Bäume in der Stadt – Besonderheiten, Funktion, Nutzen, Arten, Risiken. Ulmer Verlag, Stuttgart.

ROLOFF, A., 2017: Der Charakter unserer Bäume – ihre Eigenschaften und Besonderheiten. Ulmer Verlag, Stuttgart.

ROLOFF, A.; BÄRTELS, A., 2018: Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. 5. Aufl., Ulmer Verlag, Stuttgart.

ROTH, L.; DAUNDERER, M.; KORMANN, K., 1994: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Ecomed Verlag, Landsberg.

SCHRÖTTER, H., 1995: Die Stechpalme Ilex aquifolium an der Nordostgrenze ihres Verbreitungsgebietes. Forst und Holz 50, 785–787.

SCHRÖTTER, H., 1999: Zum Wuchsverhalten der Stechpalme (Ilex aquifolium L.) – ein Orientierungsversuch. Beitr. Forstwirtsch. u. Landsch.ökol. 33, 139–140.

STURM, A. M. (Hrsg.), 2016: Giftmorde III: weitere tödliche Anwendungen. Edition Krimi, Hamburg.

VONARBURG, B., 1997: Homöotanik. Haug Verlag, Heidelberg.

www.championtrees.de: Rekordbäume. Gehölzdatenbank der Deutschen Dendrolologischen Gesellschaft [Zugriff 1.1.2021].

Autor

Prof. Dr. Andreas Roloff leitet das Institut für Forstbotanik und Forstzoologie sowie den Forstbotanischen Garten der TU Dresden in Tharandt, ist Inhaber des Lehrstuhls für Forstbotanik und beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Fragen der Baumbiologie, Gehölzverwendung und Baumpflege. Er ist Fachreferent für Parks, Gärten und städtisches Grün im Rat der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft und Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume.

Kontakt: [email protected]

1Boden, Wurzeln und Leitungsbau

Bäume, Böden und Leitungsbau – Herausforderungen für ein notwendiges Miteinander

Trees, soils and sewer lines – Challenges for a necessary cooperation

von Markus Streckenbach

Zusammenfassung

An Standorten von Stadtbäumen kommen unterschiedliche Gewerke mit oft sehr gegensätzlichen Ansprüchen zusammen. Dies führt zu einem spannungsgeladenen Nebeneinander, das gegenseitige Rücksichtnahme erfordert. Im Wurzelraum von Straßenbäumen ergibt sich eine besondere Situation da die Bedürfnisse von Bäumen dort, wo ein allgemeiner Platzmangel herrscht, besonders hart auf jene des Leitungsbaus treffen. Um den wachsenden Anforderungen an die Leistungen des städtischen Grüns und der zugleich bestehenden Ver- und Entsorgungssicherheit gerecht werden zu können, bedarf es einer Umkehr von der bisherigen Praxis. Ein Blick auf die Entwicklung des Konfliktes zeigt, dass hierfür vor allem bestehende Prioritäten zu überdenken sind, der Wurzelraum von Bäumen eine größere Beachtung finden muss und auch beim Thema „Baumwurzeln und Leitungen“ mehr Lösungen angeboten werden müssen, um ein konfliktfreies Miteinander zum größtmöglichen Nutzen aller zu ermöglichen.

Summary

At the locations of city trees, different trades with often very contradicting requirements come together – which leads to a tense parallel existence that requires mutual consideration. A special situation arises in the root area of street trees, where there is generally a lack of space and the needs of trees strongly collide with those of pipeline construction.

A reversal of previous practice is strongly required in order to meet the growing demands on the benefits of urban greenery while also fulfilling the security for supply and disposal in cities. A look at the development of the conflict shows that above all, existing priorities have to be reconsidered. The same applies to the root area of trees, which so far has received mostly one-sided or no attention, and there is still a great need to develop and establish solutions that enable a conflict-free cooperation between tree roots and pipes to the benefit of all.

1Einleitung

Konflikte im Zusammenhang mit Bäumen in unseren Städten bestehen, seitdem sie in einem Umfeld gepflanzt werden, das zugleich städtebaulichen Anforderungen genügen muss. Eine triviale Erkenntnis, die den Ursprung dieser Konflikte jedoch korrekt anspricht. Es sind die zum Teil krassen Gegensätze von Meinungen, Bedürfnissen und Interessen, die vor allem im Straßenraum einem konfliktfreien Miteinander von Bebauung und städtischem Grün entgegenstehen.

Besonders hitzig wird es regelmäßig bei der Diskussion über den unterirdischen Raumbedarf von Bäumen. Die Folgen dieser Kontroversen begleiten viele Baumpflanzungen von Beginn an und verschärfen sich dann oft mit zunehmendem Baumalter. Solchen tagtäglichen Erfahrungen aus der Praxis stehen bislang nur wenige Veröffentlichungen über die unerwünschten Auswirkungen dieser Konkurrenz gegenüber (z. B. KOPINGA 1992; HEIDGER & LIESECKE 1997; KOPINGA 1997; REICHWEIN 2009; STÜTZEL et al. 2009; STRECKENBACH et al. 2009; HILBERT 2014; s. S. 160, 153, 88 und 63).

Die überschaubare Anzahl von Artikeln zu diesem Thema kann so interpretiert werden, dass unerwünschte Entwicklungen lange Zeit als gegeben hingenommen wurden. Womöglich gab es einmal einen pragmatischen Umgang damit, wie auch mit den Folgen der bisherigen Praxis („so ist es nun einmal“). Straßenbäume haben in aller Regel jedoch einen eingeschränkten Wurzelraum. Allein deshalb sind Bau tätigkeiten in ihrer Nähe eine besondere Herausforderung – auch weil es hierdurch zu Wurzelverlusten und weiteren Einschränkungen kommen kann. Da es sich um ein grundsätzliches Problem handelt, und diese Konflikte großflächig bestehen, ist eine fachübergreifende Diskussion hierzu notwendig.

2Ein historisch gewachsener Konflikt

Mit Blick auf die Stadtbegrünung hat es in den zurückliegenden Jahrzehnten bedeutsame Veränderungen gegeben. Hier sind vor allem der Klimawandel (vgl. MAIER & DEUTSCHLÄNDER 2010) und die gestiegene Anzahl von Eingriffen in den Wurzelraum von Bäumen hervorzuheben. Sie erschweren zunehmend sowohl die Etablierung als auch die Aufrechterhaltung eines vitalen, leistungsfähigen und verkehrssicheren Baumbestandes in unseren Städten (vgl. KEHR 2020).

Zugleich erhitzen sich die Gemüter unverändert an der Frage, ob das Pflanzen von Bäumen im Straßenraum tatsächlich eine Notwendigkeit darstellt. Seit Jahrzehnten wird auch kontrovers über die Sanierung von Schäden diskutiert, sobald diese nicht mehr tolerierbar sind. Einen Hauptstreitpunkt bildet dabei immer wieder der Umgang mit Bestandsbäumen (Abbildung 1). Ein ausgewogener Dialog zur Verhinderung solcher Schäden von Beginn an findet zumeist jedoch gar nicht erst statt.

Abbildung 1: Derartige Standortsituationen führen geradewegs zu berechtigter Kritik an deren Planung, die in aller Regel jedoch Baumverantwortliche trifft.
Abbildung 2: Unverständnis, Gedankenlosigkeit und Leichtsinn führen bei Bautätigkeiten regelmäßig noch immer zu heftigsten Beschädigungen und dem anschließenden Niedergang von Bäumen.

Es erscheint zudem, als flammen diese Konflikte regelmäßig neu auf. Mit jeder nachrückenden Generation von im Straßenraum Verantwortlichen sehen sich diese einer Problematik ausgesetzt, die von ihren Vorgängern bereits intensiv diskutiert wurde und eigentlich mit Zustimmung aller behoben schien. Aufseiten der „Berufsgrünen“ ist dann beispielsweise nicht nachvollziehbar, woher das Selbstverständnis der für die Ver- und Entsorgung der Städte Verantwortlichen rührt, mit ihren Belangen sehr deutlich den Vortritt vor Bäumen und allem, was im Straßenraum mit Baumpflanzungen zu tun hat, einzufordern und ihre Ansprüche konsequent durchzusetzen.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterlag in Deutschland die Anpflanzung und Unterhaltung von Bäumen im Straßenraum ersten Regeln (z. B. VDG 1901). Trotz der steigenden Anzahl an Straßenbäumen verlor der Bereich der städtischen Grünplanung dennoch relativ früh an Einfluss. Die Zuständigkeit für Baumpflanzungen wurde bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend von den ehemals dafür zuständigen Landschaftsarchitekten an die Abteilungen der Wasserversorgung, des Kanalisationswesens und des Straßen- oder Tiefbaus übertragen.

Dies war der Beginn einer Entwicklung mit merk lichen Folgen für Bäume im Straßenraum, denn konsequenterweise stand damit auch der Schutz der technischen Anlagen zur Ver- und Entsorgung der Städte vor den Belangen des Stadtgrüns. So ist beispielsweise bekannt, dass bereits um 1900 eine Reihe von Straßenbäumen durch die Berliner Park- und Gartendeputation mit der Begründung abgelehnt wurde, eventuelle Beschädigungen der Kanalisation zu vermeiden (HENNEBO 1978). Somit ist im Laufe der Zeit fast beiläufig etwas entstanden, das bis heute weitestgehend Bestand hat.

WIEPKING (1963) verweist besonders deutlich auf die desaströse Entwicklung. Er berichtet davon, dass „[…] in den letzten Jahrzehnten ein unwürdiger Zustand eingetreten ist. Unverstand, Gedankenlosigkeit und Leichtsinn, bisweilen gar Flegelhaftigkeit und selbst die Bosheit dem hilflosen Baum gegenüber scheinen zu wachsen, je mehr die Handarbeit mit dem Gerät durch die gewaltigen Schub- und Hubkräfte im Erdbau ersetzt wird.“ (Abbildung 2)

Abbildung 3: Baumschutz und Leitungsbau schließen sich keinesfalls automatisch gegenseitig aus, wenn planvoll und kontrolliert vor gegangen wird wie in diesem Beispiel.

Baumverantwortlichen werden diese Worte wie aktuelle Aussagen erscheinen und sie sind mehr als ernüchternd. Die mittlerweile stark gehobenen Ansprüche an die Leistungen des städtischen Grüns machen einen achtsamen Umgang mit Bäumen dringend notwendig und dennoch werden solche Bemühungen von mehreren Seiten noch immer regelmäßig zunichte gemacht. Auch der gedankenlose Umgang mit dem Schutzgut Boden, der immerhin die Grundlage einer jeden Baumpflanzung bildet, wird von demselben Autor schonungslos aufgezeigt.

Besonders erschreckend daran ist, dass diese Berichte 60 Jahre alt sind und eine jahrzehntelang andauernde negative Entwicklung abbilden, die sich seitdem in weiten Teilen nicht verbessert hat. Einzig beim fachgerechten Umgang mit Bäumen bei Baumaßnahmen ist es in der jüngeren Vergangenheit lokal zu einer Umkehr von der gewohnten Praxis gekommen (Abbildung 3), sodass in einigen Großstädten mittlerweile beispielsweise Handschachtungen unter Wurzelerhalt oder der Einsatz eines Saugbaggers bei Eingriffen in den Wurzelraum zu einem Standard geworden sind (STRECKENBACH & DREß 2019; AMTAGE 2021; s. S. 301 und 225).

Über die Ausprägung von Wurzelsystemen gibt es ebenfalls unterschiedliche Auffassungen. Die Diskussion fußt dabei im Wesentlichen auf Ergebnissen, die aus Studien im Forst stammen (KÖSTLER et al. 1968). Sie trugen wesentlich dazu bei, dass Baumgattungen in der Praxis oft noch immer einzig nach Tiefwurzlern und Flachwurzlern unterteilt werden, ohne Rücksicht auf den Einfluss der Bodenbedingungen am Standort zu nehmen.

Auf städtischen Standorten ist die Entwicklung des Wurzelsystems jedoch besonders durch die Standortbedingungen geprägt (vgl. STRECKENBACH & STÜTZEL 2010, s. S. 159) und Erfahrungen zeigen, dass Bäume an urbanen (gestörten) Standorten tendenziell eher flach wurzeln. Derartigen Fehleinschätzungen sind in der Vergangenheit zahllose Bäume bei Bautätigkeiten zum Opfer gefallen – und tun dies noch heute (Abbildung 4).

Abbildung 4: Falsche Annahmen zum Wurzelsystem haben bei dieser Eiche maßgeblich zu ihrem unweigerlichen Niedergang in Folge der Umgestaltung des Standortes geführt.

3Der Wurzelraum von Stadtbäumen

Der Wurzelraum von Stadtbäumen stellt ein Spannungsfeld aus gegensätzlichen Ansprüchen unterschiedlicher Gewerke an den Straßenraum dar. Herausforderungen ergeben sich aber nicht nur aus den Folgen der Konkurrenz zwischen Bäumen und Leitungen um denselben, meist nur begrenzt zur Verfügung stehenden Raum. Massive Beeinträchtigungen ergeben sich hinzukommend auch durch die oft extremen Standortbedingungen in der Stadt (vgl. ROLOFF et al. 2013).

Versiegelte und verdichtete Böden, die mit jenen von Naturstandorten kaum noch etwas gemein haben, bilden dort die Lebensgrundlage von Bäumen. Das ihnen zum Zeitpunkt der Pflanzung mitgegebene Volumen an „Erde“ beträgt häufig nicht mehr als 4 m3 (BENFELD 2007). Die seitens der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) empfohlenen 12 m3 an geeignetem und dauerhaft gut durchwurzelbarem Bodenvolumen werden vielerorts noch immer nicht annähernd realisiert (Abbildung 5). Man muss in diesem Zusammenhang betonen, dass ein solcher Raum lediglich ein Mindestmaß für die Anfangsentwicklung in den ersten Standjahren ist (FLL 2010).

Abbildung 5: An einem ausgehebelten Wurzelteller eines bei einem Orkan geworfenen Silber-Ahorns zeichnet sich die Größe der ihm ursprünglich zugestandenen Pflanzgrube ab.

Wenn der Baum angewachsen ist, wurzelt er innerhalb weniger Jahre aus der Pflanzgrube in den benachbarten anstehenden Boden – wenn die Möglichkeit dazu besteht. Für die weitere Entwicklung des Baumes ist der Zustand dieser Areale daher von herausragender Bedeutung. In den an die Pflanzgrube angrenzenden Bereichen sind die Böden jedoch meist zusammengetragen und stellen Konglomerate mit zum Teil höchst unterschiedlichen Eigenschaften dar (vgl. STRECKENBACH 2012, s. S. 112). Sie sind ihrer Struktur nach oft feinkörnig und deswegen anfällig für Verdichtungen. Zugleich müssen sie hohen Druckbelastungen standhalten, wie sie beispielsweise der Straßenbau fordert.

Es ergibt sich bereits aus einfachen physikalischen, geologischen und biologischen Überlegungen heraus, dass sich dies auf das Wachstum von Bäumen negativ auswirken kann. Generell entwickeln sich Wurzeln in frischen, locker gelagerten und damit ausreichend gut durchlüfteten Böden (aktive Bodenfauna!) besonders gut. Stadtböden können solche Eigenschaften und Strukturen zwar grundsätzlich aufweisen. Sie verlieren diese in aller Regel jedoch, sobald sie maschinell bearbeitet und anschließend versiegelt werden.

In der Praxis der Baumansprache findet der Wurzelraum bisher kaum die notwendige Beachtung und eine systematische Auseinandersetzung mit dem Thema Boden findet größtenteils noch immer vor allem unter Bodenfachleuten statt. Entsprechend ist mehr als ausreichend Literatur zu Böden, deren Eigenschaften und Bewertung vorhanden (z. B. Ad-hoc-AG Boden 2005; BLUME et al. 2011; HEMKER & KUTZA 2020). Erkenntnisse sind somit grundsätzlich für jedermann zugänglich, dennoch mangelt es weiterhin an der Einbeziehung des Themas in die baumfachliche Praxis.

Einen auch für bodenkundliche Laien zugänglichen Ansatz bieten BENK et al. (2020), in dem sie die Ansprache des Wurzelraumes anhand von zumeist bereits visuell erfassbaren Merkmalen der Oberfläche darstellen (Abbildung 6). Auf diese Weise lassen sich beispielsweise schon im Rahmen der Kontrolle von Bäumen zur Verkehrssicherheit Hinweise auf womöglich vorhandene Bodendefizite erkennen, denen anschließend im Zuge der Behebung von Vitalitätseinbußen gezielt nachgegangen werden kann (vgl. WELTECKE et al. 2018, s. S. 282).

4Baumwurzeln und Leitungen

Der Themenkomplex „Interaktionen zwischen Bäumen und Leitungen“ wurde zuletzt durch Fachkollegen in Schweden und in anschließender Kooperation mit Instituten und Hochschulen in Deutschland intensiv aufgearbeitet (z. B. ROLF & STÅL 1994; STÅL 1998; STRECKENBACH 2009; ÖSTBERG et al. 2012). Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den Forschungsarbeiten war die Aufklärung der Frage, warum und wie Wurzeln in Leitungen einwachsen. Lange Zeit wurde angenommen, dass diese nur durch undichte Rohrverbindungen einwachsen, weil (Ab-)Wasser aus ihnen austritt und sie Wurzeln keinen ausreichenden Widerstand mehr entgegenbringen.

Diese bis dahin ungeprüfte Hypothese wurde zu dem Zeitpunkt bereits deshalb äußerst kritisch gesehen, weil moderne Rohrverbindungen dicht (und damit nach DIN 4060 wurzelfest) sind und dennoch nachweislich Wurzeln in diese einwachsen. Allerdings nicht zugleich in jede erdverlegte Rohrverbindung, ob intakt oder nicht, was einen zwingenden Zusammenhang zwischen einer Undichtigkeit und dem Einwachsen von Wurzeln ausschließt.

Es konnte gezeigt werden, dass die Eigenschaften von Leitungsgräben und Rohrbettungen den Wuchs von Wurzeln in Richtung der Leitungen begünstigen können und dass der von den Dichtungen der Steckverbindungen ausgehende Anpressdruck von den haarfeinen und weichen jungen Wurzeln ohne Probleme überwunden werden kann. Ein Großteil der Forschungs- ergebnisse floss daraufhin in die Überarbeitung des „Merkblattes über Baumstandorte und unterirdische Ver- und Entsorgungsanlagen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen ein (FGSV 1989).

Abbildung 6: Die Bodenoberfläche gibt zumeist sehr direkt Auskunft über im Wurzelraum vorhandene Störungen.

Ein wesentlicher Gedanke dieses Regelwerks war von Beginn an, die unterschiedlichen im Straßenraum tätigen Gewerke zu einer stärkeren Zusammenarbeit zu ermutigen. So enthält das ursprüngliche Merkblatt unter anderem den Vorschlag zur Einrichtung von Koordinierungsstellen. Über diese sollten alle Parteien bereits bei der Planung von Baumpflanzungen die Möglichkeit bekommen, ihre jeweiligen Belange darzulegen. Das Merkblatt fand jedoch kaum Beachtung, obwohl es zum ersten Mal Konflikte und die daran Beteiligten explizit ansprach und zugleich einvernehmliche Lösungsansätze aufzeigte.

Das aktualisierte Merkblatt erschien 2013 als Gemeinschaftsausgabe der FGSV, der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass sich darin nun drei der wichtigsten Verbände für die im unterirdischen Straßenraum tätigen Gewerke gemeinsam für die Belange von Straßenbäumen einsetzen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Ein Bild, das es bei konsequenter Anwendung der durch den Straßen-, Tief- und Leitungsbau vorgegebenen Normen und Regelwerke nicht mehr geben sollte.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass der Abstand einer Leitung über 2,5 m vom Baum diese nicht vor potenziellen Beschädigungen durch Wurzeln schützt. Dieses Maß galt seit jeher vor allem als Mindestabstand, der aus Gründen des Baumschutzes eingehalten werden sollte. Daher ist ein solcher Abstand auch nicht mehr als Leitungsschutzmaßnahme aufgeführt. In einem 2016 erschienenen Beiblatt wurde jedoch erneut ein Mindestabstand als Leitungsschutzmaßnahme für Bäume definiert, die sich in der Nähe zu Gasleitungen befinden (DVGW 2016). Dies ist äußerst bedauerlich und, zumindest aus baumfachlicher Sicht, nicht nachvollziehbar.

Hingegen vollständig nachvollziehbar ist, dass Interaktionen zwischen Baumwurzeln und Gasleitungen äußerst unerwünscht sind. Die Herausgeber des Beiblattes führen aber beispielsweise an, dass in der Praxis gar keine nennenswerten Schäden durch entwurzelte Bäume an Gasleitungen bekannt sind. Daher steht dieses Beispiel anschaulich für die oben angesprochene Dynamik, nach der einmal im Konsens miteinander festgelegte Absprachen regelmäßig einseitig zurückgenommen und dann wiederholt mühevoll gemeinsam bearbeitet werden müssen.

Ungeachtet dessen besteht zu diesem Themenkomplex ein noch immer beachtlicher Forschungsbedarf, da die bislang vorliegenden Untersuchungen vor allem Fragen nach der Praxis zur effektiven Verhinderung solcher Interaktionen nicht beantworten. Dies ist insbesondere in Altbaumbeständen eine immer wiederkehrende Problematik, für die es keine allgemeingültige Lösung geben kann, für die aber in ihrer Praxistauglichkeit und Effektivität noch näher zu untersuchende Lösungsansätze bestehen (vgl. ALVEM & BENNERSCHEIDT 2009; STRECKENBACH 2013; FLL 2019).

5Ausblick

Böden an urbanen Standorten bieten für Gehölze eine meist problematische Lebensgrundlage. Dies gilt mit Blick auf ihre unterschiedliche Verwendung, die Intensität, mit der sie genutzt werden, und auch hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Eigenschaften. Das wirkt sich naturgemäß auch auf die Entwicklung von Stadtbäumen aus, die bereits vor dem Hintergrund einer größtmöglichen Widerstandskraft ausgewählt werden. Zugleich ist festzuhalten, dass Wurzelraum und Boden an Baumstandorten noch immer zu wenig Beachtung finden.

Zusätzlich dazu stellen vor allem die Folgen von (mit Blick auf den Baumschutz unzulänglichen) Hoch-,Tief- und Straßenbautechnischen Eingriffen Baumverantwortliche noch immer vor größte Herausforderungen. Obwohl gute Lösungsansätze bestehen (z. B. bei STOBBE & KOWOL 2005; SCHRÖDER 2012; BÜHLER et al. 2014; BENNERSCHEIDT 2017, s. S. 69, 173, 185 und 215), ist noch immer viel Aufklärungsarbeit notwendig. Dies gilt für alle Phasen eines Bauvorhabens, von der Planung bis zur Bauausführung. Zur baumschutzfachlichen Baubegleitung wird aktuell ein Fachbericht von der FLL erarbeitet (vgl. AMTAGE 2021), was einen sehr wichtigen Schritt darstellt, um die Herausforderungen des notwendigen Miteinanders zukünftig besser zu meistern.

Literatur

Ad-hoc-Boden AG, 2005: Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Auflage, E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Hannover, 438 S.

ALVEM, B.-M.; BENNERSCHEIDT, C., 2009: Baumstandortoptimierung und Regenwasserbewirtschaftung – Chancen für ein gemeinsames Vorgehen. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2009. Haymarket Media, Braunschweig, 70–78.

AMTAGE, T., 2021: Die baumschutzfachliche Baubegleitung: Ein Instrument zur Umsetzung des Baumschutzes auf Baustellen. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2021. Haymarket Media, Braunschweig, 225–233.

BENK, J. A.; ARTMANN, S.; KUTSCHEIDT, J.; MÜLLER-INKMANN, M.; STRECKENBACH, M.; WELTECKE, K., 2020: Praxishandbuch Wurzelraumansprache. Arbeitskreis Baum im Boden, Möhnesee, 204 S.

BENNERSCHEIDT, C., 2017: Planungshinweise für klimaangepasste Städte im Umgang mit Niederschlagswasser. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2017. Haymarket Media, Braunschweig, 174–182. Nachdruck im Jahrbuch der Baumpflege 2021, Haymarket Media, Braunschweig, 215–223.

BLUME, H.-P.; HORN, R.; THIELE-BRUNN, S., 2011: Handbuch des Bodenschutzes. Bodenökologie und -belastung/Vorbeugende und abwehrende Schutzmaßnahmen. Wiley-VCH, Weinheim, 758 S.

BÜHLER, O.; INGERSLEV, M.; NIELSEN, C. C. N.; THOMSEN, I. M., 2014: Wurzelwachstum in der Tragschicht: Erfahrungen mit überbaubaren Baumsubstraten in Dänemark. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2014. Haymarket Media, Braunschweig, 21–28. Nachdruck im Jahrbuch der Baumpflege 2021, Haymarket Media, Braunschweig, 185–191.

DVGW – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, DWA – Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (Hrsg.), 2013: Merkblatt DVGW GW 125 / DWA-M 162 / FGSV Nr. 939 – Bäume, unterirdische Leitungen und Kanäle. Gemeinschaftsausgabe DVGW, Bonn /DWA, Hennef /FGSV, Köln, 24 S.

DVGW – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (Hrsg.), 2016: Technischer Hinweis – Merkblatt DVGW GW 125-B1 (M). 1. Beiblatt zu GW 125 Bäume, unterirdische Leitungen und Kanäle: Beurteilungskriterien für Baumwurzel-Gasrohrleitungs-Interaktionen. DVGW, Bonn, 11 S.

FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (Hrsg.), 1989: FGSV Nr. 939 – Merkblatt über Baumstandorte und unterirdische Ver- und Entsorgungsanlagen. FGSV, Köln, 15 S.

FLL – Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (Hrsg.), 2010: Empfehlungen für Baumpflanzungen. Teil 2: Standortvorbereitungen für Neupflanzungen; Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate. FLL, Bonn, 62 S.

FLL – Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau, FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (Hrsg.), 2019: Fachbericht Erhaltung von Verkehrsflächen mit Baumbestand. FLL, Bonn, 34 S.

HEIDGER, C.; LIESECKE, H.-J., 1997: Vegetationstechnische Maßnahmen und Bauweisen zur Standortoptimierung von Straßenbäumen. In: Tagungsband 15. Osnabrücker Baumpflegetage 1997, Osnabrück.

HEMKER, O.; KUTZA, H., 2020: Bodenbearbeitungen im Garten- und Landschaftsbau. Untersuchen – Bewerten – Verbessern. Ulmer, Stuttgart, 172 S.

HENNEBO, D., 1978: Städtische Baumpflanzungen in früherer Zeit. In: MEYER, F. H. (Hrsg.): Bäume in der Stadt. Ulmer, Stuttgart,

HILBERT, J., 2014: Zukunftsfähige Baumstandorte richtig planen – Neue Richtlinie in den Niederlanden verbindet Baumfachleute, Tiefbauer und Freiraumplaner. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2014. Haymarket Media, Braunschweig, 63–78.

KEHR, R., 2020: Mögliche Folgeschäden von Trockenstress an heimischen Laubgehölzen – Einschätzungen aus Anlass der Dürre der Jahre 2018/19. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2020. Haymarket Media, Braunschweig, 103–120.

KOPINGA, I. R. J., 1992: Die Entwicklung von Baumwurzeln unter Straßenbelägen. In: Tagungsband 10. Osnabrücker Baumpflegetage 1992, Osnabrück.

KOPINGA, I. R. J., 1997: Grundlagen für die Bemessung und Anlage von Wurzelräumen für Straßenbäume. In: Tagungsband 15. Osnabrücker Baumpflegetage 1997, Osnabrück.

KÖSTLER, J. N.; BRÜCKNER, E.; BIBELRIETHER, H., 1968: Die Wurzeln der Waldbäume. Untersuchungen zur Morphologie der Waldbäume in Mitteleuropa. Parey, Hamburg, 284 S.

MAIER, H.; DEUTSCHLÄNDER, T., 2010: Stadtklima im Klimawandel – Konsequenzen für die Stadtplanung. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2009. Haymarket Media, Braunschweig, 19–37.

ÖSTBERG, J.; MARTINSSON, M.; STÅL, Ö.; FRANSSON, A.-M., 2012: Risk of root intrusion by tree and shrub species into sewer pipes in Swedish urban areas. Urban Forestry & Urban Greening 11, 65–71.

REICHWEIN, S., 2009: Zum Umgang mit Baumwurzeln unter Wegebelägen aus bau- und vegetationstechnischer Sicht. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2009. Haymarket Media, Braunschweig, 57–69. Nachdruck im Jahrbuch der Baumpflege 2021. Haymarket Media, Braunschweig, 160–172.

ROLF, K.; STÅL, Ö., 1994: Tree roots in sewer systems in Malmö, Sweden. Journal of Arboriculture 20(6), 329–335.

ROLOFF, A.; GRUNDMANN, B; KORN, S., 2013: Trockenstress-Toleranz bei Stadtbäumen – Anpassungs- und Schutzstrategien/Arteneignung. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2013. Haymarket Media, Braunschweig, 173–185.

SCHRÖDER, K., 2012: Möglichkeiten des unterirdischen Baumschutzes durch technische Maßnahmen. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2012. Haymarket Media, Braunschweig, 139–150. Nachdruck im Jahrbuch der Baumpflege 2021. Haymarket Media, Braunschweig, 173–184.

STÅL, Ö., 1998: The interaction of tree roots and sewers: The Swedish Experience. Arboricultural Journal 22, 359–367.

STOBBE, H.; KOWOL, T., 2005: Gesunde Bäume trotz Leitungsbau – Handlungsempfehlungen für einen fachgerechten Baumschutz. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2005. Haymarket Media, Braunschweig, 140–148. Nachdruck im Jahrbuch der Baumpflege 2021, Haymarket Media, Braunschweig, 69–77.

STRECKENBACH