Japan - Françoise Hauser - E-Book

Japan E-Book

Françoise Hauser

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Beschreibung

Egal, ob Sie nach Japan reisen möchten oder einfach nur neugierig auf die Traditionen und den Alltag in Japan sind, dieses Buch ist genau das Richtige für Sie! Wieso laufen in der Stadt Nara so viele Hirsche herum? Warum werden in Nagoya Leute dafür bezahlt, dass sie auf Rolltreppen stillstehen? Und wieso fahren so viele in Japan kleine Autos? Wenn Sie durch Japan reisen oder sich für die Kultur des Landes interessieren, stoßen Sie immer wieder auf solche Fragen. Françoise Hauser nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise in die Kultur und Lebensweise Japans. Mit einem lockeren, zugänglichen Stil und einer Prise Humor widmet sich die Ostasienwissenschaftlerin und Japan-Kennerin den vielen unentdeckten Facetten Japans. Dieses Buch bietet nicht nur unbekannte Einblicke in Ihr Traumreiseziel, sondern auch viele praktische Tipps, um Japan respektvoll und neugierig zu erkunden. Es erklärt komplexe Verhaltensregeln und hilft Ihnen, die japanischen Schriftzeichen zu verstehen.

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Seitenzahl: 254

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Françoise Hauser

Japan

Einblicke in ein faszinierendes Land

 

 

Über dieses Buch

 

 

Wieso laufen in der Stadt Nara so viele Hirsche herum?

 

Warum werden in Nagoya Leute dafür bezahlt, dass sie auf Rolltreppen stillstehen?

 

Und wieso fahren so viele in Japan kleine Autos?

 

Wer durch Japan reist oder sich für die Kultur des Landes interessieren, stößt immer wieder auf solche Fragen. Françoise Hauser nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise in die Kultur und Lebensweise Japans. Locker, zugänglich und mit einer Prise Humor widmet sich die Ostasienwissenschaftlerin und Japan-Kennerin den vielen unentdeckten Facetten Japans.

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Biografie

 

 

Françoise Hauser, geboren 1967, ist Journalistin mit einem Fokus auf Asien und schreibt für Magazine wie F.A.Z., Asien, Welt, Asia Bridge und Business Traveller. Sie kombiniert ihre journalistische Tätigkeit mit ihrer Arbeit als Buchautorin und Trainerin bei der Burda Journalistenschule.

 

Ihre Publikationen umfassen zahlreiche Sachbücher und Reiseführer, darunter »Reise nach China«, »Reise nach Japan«, »Alles Mythos – 20 populäre Irrtümer über China«, sowie humorvolle Werke wie »In 80 Fettnäpfchen um die Welt«. Besonders erfolgreich ist »Japan für die Hosentasche«, das 2016 bei S. Fischer erschien.

Nach Abschluss ihres Sinologie-Studiums 1995 mit einem Magister in Modernem China und Studienaufenthalten in Taiwan und China, kehrt sie oft nach China zurück, um aktuelle Eindrücke zu sammeln.

 

Impressum

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

 

 

Covergestaltung: Kosmos Design, Martin Denker

Coverabbildung: Japanese Government Railways / Wikimedia Commons

Icons: freepik.com, unsplash

ISBN 978-3-10-492195-2

 

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Inhalt

Karte

(K)Ein Vorwort

Kapitel 1 In die Vollen – nur in Japan

1. Wie klingt die Tokyoter U-Bahn?

2. Wer ist Kumamon?

3. Warum sind alle verrückt nach Kirschblüten?

4. Warum ist es in Japan (manchmal) so still?

5. Was verbirgt sich hinter den bunten Türen der Pachinko-Salons?

6. Warum sind hier alle so höflich?

7. Warum tragen so viele Japaner einen Mundschutz?

8. Wieso schlafen Japaner überall?

9. Warum fuchteln die Zugführer und Schaffner in der Luft herum?

10. Warum gibt es in Japan so viele Automaten?

11. Wo bekommt man Geld fürs Rumstehen?

Kapitel 2 Diesseits und Jenseits

12. Ist Buddhismus immer gleich Buddhismus?

Gar nicht so friedlich: Die Tendai-Schule 天台宗

Esoterisch schön: Shingon-Schule 真言宗

So simpel: Die Schule des Reinen Landes Jodo-shu 浄土宗

Verführerisch einfach: Die Jodo-shinshu 浄土真宗

Die Sofort-Erleuchtung: Der Nichiren-Buddhismus 日蓮宗

Alles ist nichts: Die Zen-Schule 禅

13. Wer ist Jizo?

14. Wer ist die marienähnliche Figur?

15. Ein Schrein ist ein Schrein ist ein Schrein –

Besuch im Schrein oder im Tempel: Darauf sollte man achten

Beten oder Wünsche adressieren, so geht’s:

16. Wer fesselt denn Bäume und Felsen?

17. Warum ist Nara voller Hirsche?

18. Kann man gleichzeitig dem Shinto-Glauben und dem Buddhismus anhängen?

19. Was hat Jesus mit Japan zu tun?

Kapitel 3 Japan und das Glück

20. Was versteckt sich in den kleinen Beutelchen?

21. Warum sind an Tempeln und Schreinen so viele Papierschnipsel festgeknotet?

22. Wer hilft wo?

Haarige Sachen

Partnersuche

Eine einfache Geburt

Scheidung, Trennung, Laster

Lotterie-Glück

Mit den Göttern gegen die Flugangst

Küche und Kulinarik

Computer-Glück

Alles mit Elektrik

Weg mit den Warzen!

23. Wo kann man die Finanzen aufbessern?

Kapitel 4 Das Beste draus machen!

24. Warum gibt es in Japan so viele Onsen-Bäder?

25. Was macht den Flughafen Kansai International Airport so besonders?

26. Wie lebt es sich am Fuße eines Vulkans?

27. Wie lebt es sich im Vulkan?

28. Wer wohnt in Nagoro?

29. Wie kommen die Bilder ins Reisfeld?

30. Wer singt denn da (nicht)?

Kapitel 5 (Un-)Gefährliches Japan

31. Wie sicher ist Japan?

32. Welche Japaner sind wirklich gefährlich?

33. Wem gehören die riesigen Netze?

34. Wer steht vor so vielen Läden und Kneipen herum?

35. Wer ist eigentlich Godzilla?

36. Wer lauert da im Wasser?

37. Fukushima – strahlt das noch?

Kapitel 6 Schräge Importe

38. Wo wurde der japanische Eiskunstlauf erfunden?

39. Wo finden Japans größte Partys statt?

40. Warum ist Sapporo wie ein Schachbrett gebaut?

41. Wie feiert Japan Weihnachten?

42. Wieso stammen die besten Jeans der Welt aus Japan?

Kapitel 7 Männerkram

43. Wieso fahren Japaner (gefühlt) allesamt so kleine Autos?

44. Wer röhrt da über die Straße?

45. Wieso sind heute fast alle elektrischen Geräte auf 50 bis 60 Hertz ausgelegt?

46. Was, bitte, steht auf den Knöpfen?

47. Warum sind japanische Kanaldeckel so schön?

48. Zug fahren in Japan, lohnt sich das?

Kapitel 8 Für Sprachen-Nerds

49. Wie schwer ist Japanisch?

50. Wieso sind Japaner peko-peko hungrig und knabbern zaku-zaku Kekse?

51. Warum schreibt man in Japan mit drei Schriften?

52. Wie funktionieren die Kanji-Zeichen?

53. Wie schreibt man neue Wörter mit uralten Zeichen?

Kapitel 9 Unbekannte Japaner

54. Wer war Date Masamune?

55. Wer förderte das Ende der Samurai – und rebellierte dann dagegen?

56. Wer wohnt im Norden?

57. Wer war Kitasato Shibasaburo

58. Was macht eigentlich der Tenno?

Kapitel 10 Kulinarisches

59. Was essen eigentlich Schulkinder?

60. Wie kam das Curry nach Japan?

61. Woher stammen die Ramen?

62. Kann man das wirklich essen?

63. Welches Obst ist das denn bitte?

Mikan 蜜柑

Yuzu 柚子

Sudachi 酢橘

Kabosu カボス

Jabara じゃばら

Daidai 橙

Tachibana 橘

Dekopon デコポン

Buntan 文旦

Hassaku 八朔

64. Was knabbern die Japaner?

65. Wo darf man essen?

Register

(K)Ein Vorwort

Warum kein Vorwort? Weil ich selbst Vorwörter nie lese und es mir eigentlich wichtig ist, dass Sie doch einen kurzen Blick hineinwerfen.

 

Wer nach Japan fährt, kommt mit Hunderten Fragen an – und fährt mit mindestens genauso vielen Fragen wieder ab: Wer sind die Steinfiguren mit Lätzchen, die überall herumstehen? Wieso fahren gefühlt alle Japaner kleine, kastenförmige Autos, die es wirklich nur in Japan gibt? Was steckt hinter den Melodien, mit denen die U-Bahn-Haltestellen angekündigt werden? Und wieso sind die Japaner so Baseball-verrückt?

 

Andere Fragen drängen sich erst im Laufe der Zeit auf: Wieso nutzt man in Japan gleich drei Schriften, von denen eine auch noch verflixt schwer zu lernen ist? Wie schreibt man eigentlich neue, oft importierte Wörter in einer so alten Schrift? Und wer ist der schwarze Feldherr mit Augenklappe, der an Darth Vader erinnert und dem man (vor allem im Norden) immer wieder mal begegnet? Spätestens im dritten Souvenirshop wird Ihnen zudem auffallen, dass sich das Sortiment vom europäischen Schnickschnack unterscheidet und Sie ziemlich viel davon nicht einmal zuordnen können – ist es Kunst oder essbar? Oder was, bitte, sonst? All dies sind nur einige Beispiele – dieses Buch beantwortet eine subjektive Auswahl an Fragen, die ich mir selbst irgendwann einmal gestellt habe oder vor Ort immer wieder höre. Sicher ist: Kein Reiseführer dieser Welt könnte sie alle erklären, es ist ja schon schwer genug, die Liste an Sehenswürdigkeiten in einem druckbaren Ausmaß unterzubringen. Dieses Buch soll daher auch keinen Reiseführer ersetzen, sondern ergänzen. Und falls Sie keine Japan-Reise in Aussicht haben, wird es Ihnen hoffentlich trotzdem Spaß machen, darin zu stöbern, denn man muss nicht dort gewesen sein, um sich für die Hintergründe von Kultur und Alltag zu interessieren (und dabei auch mental ein wenig in Fernost abzutauchen). Und ein bisschen klugscheißen kann man nach der Lektüre ja auch …

Viele der Themen sind mit einem »Wo?« konkret verortet, einer Adresse, die Sie direkt unter der Überschrift finden. Nicht weil man unbedingt genau dorthin fahren müsste, um das beschriebene Phänomen zu beobachten, sondern weil man sich an diesem Ort entweder unweigerlich die entsprechende Frage stellt oder die Hintergründe besonders gut sehen oder erleben kann.

Zur Umschrift gibt es noch anzumerken, dass ich bewusst auf die Längenzeichen über den Vokalen verzichtet habe, um Text und Adressen lesbarer zu machen.

Falls Sie bereits mein Buch Japan für die Hosentasche besitzen: Keine Angst, die Dopplungen halten sich sehr in Grenzen. Ich habe bewusst versucht, meinen treuen Lesern nicht dieselbe Kost vorzusetzen. Und nicht zuletzt: Falls Ihnen eine Frage auf der Seele brennt, die Sie in diesem Buch nicht beantwortet bekommen, dann schreiben Sie mir unter [email protected] – vielleicht wird ja ein dritter Band daraus!

 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

 

Françoise Hauser

Kapitel 1In die Vollen – nur in Japan

Es gibt Dinge, die sind so anders, so japanisch, dass man sie nie vergisst. Manche davon würde man am liebsten mit nach Hause nehmen, wie die Melodien der Tokyoter U-Bahn, die Stille, die dort manchmal herrscht, oder die unglaubliche Höflichkeit im Alltag. Und nicht zu vergessen die allgegenwärtigen Getränke-Automaten, an denen man sich sogar mitten im Nirgendwo morgens um fünf einen heißen Kaffee ziehen kann – oder im Hochsommer ein kaltes Wasser oder schräge Getränke, die man noch nie gesehen hat! Die Kakophonie der Pachinko-Salons, die Saufgelage und Alkoholleichen zur Kirschblüte und die allgegenwärtige Kawaii-Goldigkeit dürfen dagegen gerne in Japan bleiben. Interessant sind sie aber allemal – und oft steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick sieht …

発車メロディー

1. Wie klingt die Tokyoter U-Bahn?

Die geniale Idee der Station-Jingles

Wo? In jeder U-Bahn und S-Bahn von Tokyo (und anderswo im Land)

Unterwegs im U-Bahn- und S-Bahn-System von Tokyo fällt auf: Viele Passagiere sind völlig in ihr Buch (Japaner sind passionierte Leser!) oder ihr Handy vertieft. Dann, mit einem Mal, springen sie auf, kurz bevor der Zug die Türen wieder schließt, und hasten hinaus. Dies übrigens, ohne vorher ein einziges Mal aufgeblickt zu haben. Woher wissen sie, dass sie an der richtigen Station sind? Die Antwort auf diese Frage ertönt immer während des Halts an der Station: Es ist die sogenannte Hassha-Merodi (発車メロディー, wörtlich: Abfahrtsmelodie). Jede Station hat einen eigenen, kurzen Jingle, an dem die Passagiere erkennen, wo sie sich gerade befinden. Mühsam im vollbesetzten Waggon einen Blick aus dem Fenster auf das Stationsschild zu erhaschen oder während der Fahrt auf die Ansagen zu lauschen, ist unnötig. Sogar Schläfer sind auf diese Melodien so konditioniert, dass sie bei der richtigen Melodie sofort aufwachen. Große Stationen wie Tokyo oder Shinjuku haben, je nach Gleis und Fahrtrichtung, gleich mehrere unterschiedliche Jingles. Train Spotter und andere Zug-Enthusiasten sammeln diese Aufnahmen (die man mittlerweile auch in Hülle und Fülle im Internet findet), aber natürlich zählt nur, wenn man sie auch selbst live gehört hat.

Die Idee für diese kleinen, gefälligen Melodien entstand in den 1970er Jahren und soll auf den Jazz-Musiker Takahito Sakurai zurückgehen, der erstmals für Stationen in Kyoto Musik komponierte. Wirklich populär wurden sie jedoch erst gut zehn Jahre später, als der Zugbetreiber JR East in großem Stil Melodien einführte. Heute dürften Sie vor allem in Tokyo, aber auch in anderen Stationen, den Werken des Komponisten Minoru Mukaiya lauschen. Lange Zeit als Profi-Musiker tätig, begann der Zug-Fan in seiner Freizeit (und später hauptberuflich), Zugsimulatoren zu entwickeln. Dies gelang ihm so realistisch, dass seine Simulatoren sogar als Unterrichtsmaterial für Zugführer eingesetzt wurden – und er letztlich seine beiden Leidenschaften als Zug-Melodien-Komponist vereinen konnte. Falls Sie ihm persönlich folgen möchten: Unter https://x.com/minorumukaiya?lang=en ist er auf der Plattform X zu finden.

Auch wenn es diese Melodien mittlerweile nahezu überall gibt, sind es natürlich besonders viele in Tokyo mit seiner unglaublichen Dichte an U-Bahn- und innerstädtischen Zugstrecken. Die Wahl des Jingles ist dabei keineswegs zufällig: Alte Stadtviertel bekommen Melodien, die mit traditionellen Instrumenten gespielt wurden, vielleicht mit einem kleinen Hauch japanischer Klassik. Andere wiederum sind peppig modern. Eines allerdings haben sie gemeinsam: Sie sind nie länger als zehn Sekunden. Manch eine Melodie dürfte dabei auch ausländischen Besuchern bekannt vorkommen: An der Ebisu-Station beispielsweise erklingen die ersten Takte des Films Der dritte Mann, des Spionage-Thrillers von 1949, denn diese Melodie wurde in Japan als Hintergrund der Werbespots für das lokale Yebisu-Bier bekannt. Anime-Fans wiederum erkennen wahrscheinlich das Jingle der Takadanobaba-Station, denn es handelt sich um die Erkennungsmelodie der Serie Astro Boy, die hier entstand, während man an der Maihama-Station nahe Tokyo-Disneyland wechselnde Disney-Melodien hört.

Tipp: Fahren Sie alle Stationen der Tozai Line in Tokyo hintereinander ab – die einzelnen Jingles ergeben eine zusammenhängende Melodie!

くまモン

2. Wer ist Kumamon?

In Kumamoto tanzt der Bär

Wo? In Kumamoto 熊本 auf Kyushu – und anderenorts

Spätestens bei der Ankunft am Bahnhof von Kumamoto ist es so weit: Sie betreten das Reich von Kumamon くまモン. Der kleine schwarze Bär mit roten Backen, das Maskottchen der Stadt, ist überall, wirklich überall in der Stadt präsent – selbst die Müllautos ziert er. Doch wieso?

Im Jahr 2010 wurde Kumamon offiziell zur Eröffnung der Shinkansen-Strecke, die Kumamoto mit der Hauptinsel verbindet, erschaffen. Der Gedanke dahinter: Kumamoto wollte bekannter werden, denn es reicht ja nicht, eine schnelle Anbindung zu haben, die Menschen müssen auch kommen wollen – und da sollte die Figur Kumamon die Stadt und die umliegende Präfektur ins Rampenlicht rücken. Mit Erfolg übrigens! Bei einer Pressekonferenz in Osaka (dem anderen Endpunkt der neuen Strecke) verkündete der Gouverneur von Kumamoto, sein Assistent – ein liebenswerter, plüschiger Schwarzbär – sei verschwunden. Schlimmer noch, eigentlich hätte er 10000 Werbe-Flyer an Passanten in der Stadt verteilen sollen, hatte aber plötzlich keine Lust mehr und lief weg. Ob das Publikum vielleicht bei der Suche helfen könnte …? Was die Figur seither ausmacht, sind ihre menschlichen Seiten: Sie ist nicht perfekt, frech, manchmal faul, ein bisschen zu dick, aber immer lieb. Natürlich wurde Kumamon schnell gefunden, und seither lieben ihn die Japaner. An die 112000 Follower schauen sich auf Instagram, gelinde gesagt, wenig aufregende Videos des lebensgroßen Bären an, wie er im Zoo spaziert oder tanzt, auf X (Twitter) sind es sogar mehr als 806000 Menschen! Sein »Geburtstag« am 12. März wird natürlich öffentlich gefeiert. Mit Fan-Artikeln erzielt die Stadt Einnahmen in Millionenhöhe, und für viele Japaner ist es ein echter Herzenswunsch, den Plüschbären (beziehungsweise den verkleideten Studenten, der im heißen Kyushu in das schwitzige Kostüm schlüpft) persönlich kennenzulernen. Mit dieser Methode des Tourismus-Marketings ist Kumamoto übrigens nicht allein – um die 3000 goldige Maskottchen gibt es in Japan, jede Region hat mittlerweile eines, genauso wie jedes anständige Produkt und sogar die Online-Präsenz des Finanzamts. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie sind sooooo kawaii! Übersetzt bedeutet dies »süß« oder »goldig« – ein Konzept, dem man sich in Japan nicht entziehen kann. Wörtlich übersetzt bedeutet kawaii (かわいい oder 可愛い) so etwas wie »kann man liebhaben« und ist doch viel mehr als nur niedlich. Es ist regelrecht ein Lebenskonzept, das von der Reklame über die Kleidung und Inneneinrichtung bis zum weiblichen Schönheitsideal reicht. Ist es möglich, irgendetwas auch in einer niedlichen Version zu erschaffen, dann tun es die Japaner.

So richtig Aufwind bekam die Kawaii-Bewegung übrigens erst in den 1970er Jahren: Goldige Snoopys ebneten den Weg (und sie sind bis heute sehr beliebt), dann erschuf die japanische Designerin Yuko Shimizu 1974 die vermeintliche Katze Hello Kitty (laut Shimizu übrigens einfach nur ein kleines Mädchen, wie sie einige Jahrzehnte später zum Entsetzen der Fans verriet), und Japan versank in der totalen Goldigkeit. Gute Voraussetzungen für Kumamon also. Dass ausgerechnet dieser Bär so einen unglaublichen Erfolg erzielte, hat aber noch eine andere Ursache: Die Stadtregierung von Kumamoto beschloss recht schnell nach der Erschaffung des Bären, auf die Lizenzgebühren zu verzichten, die traditionell mit beliebten Maskottchen einhergehen. Im Inland darf jeder das Bild von Kumamon lizenzfrei verwenden, solange für ein Produkt aus Kumamoto oder die Präfektur geworben wird. Kein Wunder, dass Kumamon überall in der Region und sogar im Ausland zu sehen ist. Der Bär ist eben nicht nur in Kumamoto unterwegs, sondern reist fleißig durch die asiatischen und manchmal sogar westlichen Großstädte – in Thailand hat er sogar eine eigene Instagram-Präsenz.

Alles in allem war und ist dieses Maskottchen ein Riesenerfolg: Aus der Stadt im Hinterland wurde die »Stadt, aus der Kumamon stammt«. Und weil sie in der Tat mit ihrer Burg, netten Innenstadt und lauschigen Einkaufspassagen eigentlich ganz sehenswert ist – gar nicht zu reden davon, dass man von hier aus prima zum Mount Aso fahren kann –, ist Kumamoto heute eine echte Touristen-Destination.

Tipp: Falls Sie ihn selbst tanzen und putzig dreinschauen sehen wollen, finden Sie Kumamon auf seiner Webseite https://kumamon-land.jp, oder auf Instagram unter http://www.instagram.com/55_kumamontai/?hl=en.

花見

3. Warum sind alle verrückt nach Kirschblüten?

Hanami – wenn Japan in die Blüte schaut

Wo? Überall in Japan zwischen Ende März und Mai. Top-Spots sind in Tokyo der Ueno-Park 上野恩賜公園, der Park Shinjuku Gyoen 新宿御苑 und der Yoyogi-Park 代々木公園, in Kyoto lohnt sich ein Spaziergang entlang des Philosophenwegs 哲学の道. Den absoluten Kirschblüten-Overkill gibt es in den Yoshino-Bergen 吉野山 von Nara, wo rund 30000 Sakura-Bäume die Berge rosa färben.

Wenn es historisch sein darf: Der Kirschbaum Jindai Zakura des Jissoji-Tempels 実相寺 in Yamanashi ist mehr als unglaubliche 2000 Jahre alt und damit der wahrscheinlich älteste noch lebende der Welt.

Jeden Frühling erwarten die Japaner allabendlich mit Hochspannung das Ende der Fernsehnachrichten, denn dann läuft der Bericht über den aktuellen Stand der Sakura-Kirschblüten: Wann werden sich die ersten Knospen öffnen? Wann sollen sie wo im Lande voll erblühen? Und wird der Frost dem Blütenzauber doch noch ein jähes Ende setzen? Zahllose Meteorologen geben sich den Vorhersagen der »Kirschblütenfront« (sakura zensen 桜前線) hin. Schlagartig explodieren die Bäume dann regelrecht und verwandeln Parks und Gärten in ein rosa-weißes Meer von Blüten, nur um sieben bis zehn Tage später anmutig vom Baum zu fallen. Kein Wunder, dass die Kirschblüte (leicht melancholisch) für die Schönheit des Vergänglichen (mono no aware 物の哀れ), für den Aufbruch, aber auch für die perfekte Ästhetik steht – und die Unbeständigkeit jeglicher Perfektion. Gerade weil die Kirschblüte so vergänglich ist, muss sie ordentlich gefeiert werden: Wer Japaner mal so richtig ausgelassen erleben will (lesen Sie dies als Euphemismus für »voll wie ein Eimer«), muss dann nur in einen Park voller Kirschbäume gehen, was so ziemlich für alle Parks im Lande zutrifft. Hanami 花見 (wörtlich »Blüten anschauen«) bedeutet nämlich, dass man es sich unter den Bäumen auf einer blauen Plastikplane gemütlich macht, das mitgebrachte Picknick verzehrt, sich mit Freunden oder Kollegen unterhält – und derweil kolossal volllaufen lässt. Egal ob klassisch japanisch bei Sake oder doch lieber bei Bier oder Wein, Hanami ist so etwas wie das japanische Oktoberfest ohne Blasmusik, dafür aber mit Bento-Box und Eigenverpflegung. Wichtigstes Utensil ist allerdings eine große blaue Plastikplane, auf der nach Feierabend möglichst viele Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen Platz finden. Gut, wenn man dann einen kleinen Bruder oder Praktikanten hat, den man tagsüber dazu verdonnern kann, bis zum Abend einen Platz unter den schönsten Bäumen frei zu halten. Aber auch jenseits der Parks hat Hanami das japanische Leben im März und April fest im Griff: Restaurants legen für diese Zeit spezielle Sakura-Menüs auf, bekannte Süßigkeitenmarken sind in einer rosa Sakura-Version zu haben (Lindt-Schokolade verkauft beispielsweise eine nur in Japan erhältliche Variante der Lindor-Kugeln), und sogar Starbucks wartet mit rosa Getränken und besonderen Tassen auf.

Egal wie feuchtfröhlich, das Blütenbestaunen hat eine lange Tradition: Die Wurzeln des Hanami lassen sich bis in die Nara-Zeit (710–794) zurückverfolgen. Ursprünglich war die Kirschblütenschau ein religiöses Ritual der Bauern, die glaubten, dass sich im Frühling die Götter in den blühenden Bäumen niederließen. Ihnen zu Ehren (und um eine reiche Ernte zu erbitten) brachten sie Opfergaben am Fuße der Bäume dar. Die Kirschblüte markierte zugleich den Beginn der Feldarbeit und war ein wichtiger Fixpunkt im bäuerlichen Jahr.

Die erste schriftliche Erwähnung von Hanami findet sich im Kojiki (712), einer der ältesten Chroniken Japans. Das erste offiziell dokumentierte Hanami-Fest wurde unter Kaiser Saga im Jahr 812 im Garten Shinsen-en in Kyoto abgehalten. Der Kaiser und sein Hof bewunderten die Blüten, dichteten Verse und feierten mit Musik und Sake – eine richtig gute Party also. Die Kirschblüte wurde damit zu einem festen Bestandteil der höfischen Kultur – und zu einem beliebten gesellschaftlichen Ereignis der Aristokratie. Kein Wunder, dass ab dem 10. Jahrhundert, immer auf der Suche nach der schönsten Blüte, auch neue Kirschbaumsorten gezüchtet wurden. Gleichzeitig nahmen sich Literaten und Künstler der sakura an: Wie hätte man ein solch schön-melancholisches Symbol auch übersehen können! Und, geradezu logisch, blieb es natürlich nicht beim Adel: Auch Samurai und Shogune übernahmen die Verklärung der Kirschbäume, ließen Gärten anlegen und veranstalteten große Feiern zur Blütezeit. Besonders berühmt ist das Hanami-Fest des Feldherrn Toyotomi Hideyoshi im Jahr 1598, bei dem 700 Kirschbäume aus ganz Japan im Daigo-Tempel in Kyoto gepflanzt wurden.

In der Edo-Zeit (1603–1868) erreichte Hanami auch das gewöhnliche Volk: Zwar gab es noch keine blauen Plastikplanen, das Picknick und den Blick in die Flasche freilich schon.

Wer zu Hanami-Zeiten genau hinblickt, stellt fest: Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Kirschsorten mit durchaus unterschiedlichen Blüten. Über 200 Sorten sollen es in Japan heute sein. Dass dies (noch) so ist, ist allerdings einem Engländer zu verdanken, dem Botaniker Collingwood »Cherry« Ingram (1880–1981). Er bereiste Japan in den 1920er Jahren und musste regelrecht entsetzt mit ansehen, wie die vergleichsweise neue, schnell wachsende Züchtung der Somei-Yoshino-Kirsche immer öfter gepflanzt wurde – zum Nachteil anderer Sorten, die nach und nach verschwanden! Also machte er sich daran, seltene Kirschsorten zu sammeln, zu züchten und zu dokumentieren. Vor allem aber brachte er etliche Exemplare nach England, wo er sie in seinem Garten weiter vermehrte und von dort nach dem Zweiten Weltkrieg wieder nach Japan zurückbrachte.

Tipp: Wer früh dran ist, kann die ersten Kirschblüten schon im Januar auf Okinawa und den umliegenden Inseln sehen – sofern es dort Kirschbäume gibt. Späte Reisende haben noch Ende Mai auf Hokkaido Chancen auf ein Blütenmeer.

Tipp 2: Unvergleichliche Sakura-Fotos macht man in Nirasaki 韮崎 am 17 Meter hohen Kirschbaum Sakura Wanitsuka わに塚のサクラ, Kitamiyaji-624 Kamiyamamachi, Nirasaki, Yamanashi, 山梨県韮崎市神山町北宮地 624, entweder mit den grünen Reisterrassen oder dem Fuji im Hintergrund (wenn er sich denn zeigt).

4. Warum ist es in Japan (manchmal) so still?

Weniger ist mehr

Wo? In der U-Bahn von Tokyo

Klar, Tokyo ist laut: Über die Hauptstraßen rauscht der Autoverkehr, während irgendwo in der Nähe gerade eine S-Bahn vorbeirattert, Menschen unterhalten sich, aus den Lokalen perlt Musik, bei jeder Grünphase zwitschern die Ampeln wie ein Schwarm Vögel. Und trotzdem: Tokyo ist auch leise – vielleicht sogar die leiseste Großstadt der Welt. Ein, zwei Mal abgebogen, und schon scheint das urbane Leben weit entfernt. Der Verkehr rauscht nur noch leise im Hintergrund, Mütter radeln mit ihren Kindern vorbei, und aus den Häusern dringt kein Ton. Gleiches übrigens auch nachts. Ist man nicht gerade in einem der Amüsierviertel unterwegs, ist Tokyo still. Niemand lässt den Auspuff knattern oder grölt in den Straßen herum. Sogar in der U-Bahn fällt auf: Selbst zur Rushhour ist es leise. Niemand telefoniert lautstark oder schaut sich gar laut einen Film auf dem Handy an – wie ungehobelt das wäre, könnte es doch die Sphäre der anderen verletzen und stören!

Doch warum ist das so?

Stille ist in Japan weit mehr als die bloße Abwesenheit von Geräuschen. Sie ist ein zentrales Element der Kultur, das sich durch alle Lebensbereiche zieht – von der Architektur über die Kunst bis hin zu Alltag und Spiritualität. Wer Japan besucht, spürt schnell, dass dort eine andere Beziehung zur Stille herrscht als in vielen westlichen Gesellschaften. Während Schweigen und ruhige Momente im Westen oft als unangenehm oder gar peinlich empfunden werden, gilt Stille in Japan als wert- und bedeutungsvoll. Ein zentrales Konzept im japanischen Denken ist »ma« 間, die bewusste Leere zwischen Dingen, Klängen oder Worten – eine Pause, die nicht als Lücke, sondern als wichtiger Teil des Ganzen verstanden wird. In Gesprächen etwa ist es üblich, nach einer Aussage innezuhalten, um dem Gesagten Raum zu geben. Diese Stille wird als Zeichen von Intelligenz und Sensibilität gewertet, denn sie ermöglicht es, zwischen den Zeilen zu lesen und die unausgesprochenen Gefühle des Gegenübers zu erfassen. Eine Angewohnheit, die Westler schnell kribbelig werden lässt: Soll ich nun etwas sagen? Und warum reden die anderen nicht? Habe ich etwas falsch gemacht? Mit solchen Passagen der Stille kann man manch einen Besucher regelrecht in die Knie zwingen, denn wir Westler wollen sie nur zu schnell füllen.

Diese Vorliebe für Zwischenräume beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Akustik, sie ist quasi ein Minimalismus der Eindrücke: Auch Leere, also quasi das optische Pendant zur Stille, ist ein wichtiges Konzept der japanischen Ästhetik. Oder anders gesagt: Genau daran lässt sich japanische Kunst gut erkennen. Bilder sind fast nie komplett ausgefüllt, Gärten nie dicht bepflanzt, Blumengestecke nie überbordend. In der japanischen Ästhetik ist Leere ein Mittel, um Tiefe, Ruhe und Konzentration zu erzeugen. Sie wird als »Schönheit des übrig gebliebenen Weiß« (yohaku no bi, 余白の美,) bezeichnet: Ein Kunstwerk bleibt bewusst unvollständig, um Raum für Interpretation, Vorstellungskraft und das Unsichtbare zu lassen.

Tipp: Wenn Sie das nächste Mal einer teuren Vase oder einem perfekten Teller aus Versehen eine Kerbe zufügen, dann haben Sie die perfekte Entschuldigung, denn das ist die Kunst des wabi-sabi 侘寂. Dahinter steckt das japanische Ästhetik-Konzept, die Schönheit des Unvollkommenen und Unbeständigen: Erst die kleine Imperfektion lässt das Perfekte wirklich zur Geltung kommen. Eine perfekte Schale ist fast schon langweilig, unnahbar. Erst die kleine Kerbe am Rande macht sie »echt«. Auch die Schönheit, der Genuss in einem sonst schwierigen Moment können wabi-sabi sein. Nicht zuletzt gilt das auch für die Kirschblüten, die nur kurz ihre volle Schönheit entfalten und bald darauf verwelkt zu Boden sinken – jeder Schönheit wohnt also die Vergänglichkeit inne.

Gut zu wissen: In öffentlichen Verkehrsmitteln heißt das Gebot »Stille«. Klar, man kann sich ein paar Informationen zuflüstern: Müssen wir hier aussteigen? Hast du den Namen der Station gesehen? Alles andere ist einfach unhöflich und zeigt, dass man die grundlegenden Regeln des Miteinanders nicht verstanden hat. Vor allem in Tokyo sind laute Gespräche tabu. Je weiter gen Norden im Land, so die ganz grobe Regel, desto eher fährt man still und leise in sich gekehrt.

パチンコ

5. Was verbirgt sich hinter den bunten Türen der Pachinko-Salons?

Spielen, bis der Arzt kommt

Wo? Im Maruhan Shinjuku Toho Building im Stadtteil Kabukicho, Shinjuku, Tokyo (das Gebäude mit dem Godzilla auf dem Dach).

Ganz ehrlich: Das Wort Kakophonie bekommt in Japan noch mal eine ganz besondere Bedeutung. Falls Sie gerade den vorhergehenden Text über die Stille und Leere Nippons gelesen haben, mögen Sie sich jetzt wundern – Krach im ach so ruhigen Japan? Aber was wären Regeln ohne Ausnahmen? Wer wissen will, wie man Lärm, hundert verschiedene elektronische Melodien und maximale Nervigkeit ideal kombiniert, ist in der japanischen Pachinko-Spielhalle パチンコホール richtig. Lange suchen muss man in den Innenstädten eigentlich nie – landesweit gibt es rund 7000 Pachinko-Salons –, und übersehen kann man sie auch nicht. Kreischend bunt sind sie von außen, meist mit nicht einsehbaren Glasscheiben, und jedes Mal wenn sich die Tür öffnet, schwappt ein Schwall Gedudel und Krach nach draußen.

Falls Sie das Spiel nicht kennen: Pachinko ist so eine Art vertikaler Flipper. Das Spiel ist dabei (im Prinzip) ziemlich simpel: Man kauft sich eine Schüssel voller Metallkugeln, wirft sie in einen kleinen Behälter und schießt sie von dort aus im Spielfeld hoch. Beim Herunterfallen passieren die Kugeln ein Labyrinth aus allerhand Klappen, Stiften und anderen Hindernissen. Ziel ist es, die Kugeln so abzuschießen, dass sie in bestimmte Löcher fallen, die einen Gewinn auslösen, der als Kugeln unten ins Ausgabefach purzelt. All dies geschieht vor dem Hintergrund ohrenbetäubenden Gedudels von Hunderten Pachinko-Maschinen, die hier dichtgedrängt stehen, und natürlich plärrt jede von ihnen eine andere Melodie. Auf den ersten Blick mag man daher kaum glauben, dass Pachinko süchtig macht. Wer, bitte, setzt sich diesem Krach über Stunden aus? Und doch ist es so. Vor den Maschinen harren überall zusammengefallene Gestalten aus, die mit leerem Blick endlos Kugeln nachfüttern. Immer wieder gab es in den letzten Jahrzehnten Zeitungsberichte von Müttern, die »mal kurz« spielen gehen und derweil ihre Kinder verhungern lassen. Natürlich muss das Spiel nicht so enden (mittlerweile sind die Pachinko-Hallen auch nicht mehr rund um die Uhr geöffnet), und für manch einen ist es einfach nur eine hirnlose Feierabend-Entspannung.

Falls Sie es selbst ausprobieren wollen: Stellen Sie sich mental auf den maximalen Verlust ein, denn die vielen bunten Knöpfe und Stifte, Regler sind natürlich nur auf Japanisch beschriftet. Falls Sie doch erfolgreich sein sollten: Am Ende tauscht man die Kugeln an der Theke gegen einen Preis ein: Süßigkeiten, vielleicht ein Plüschtier oder Größeres wie Elektrogeräte. Gewinne in Form von Bargeld dürfen die Salons per Gesetz nicht ausgeben. Das macht aber nichts, denn rein zufällig gibt es neben jedem Pachinko-Salon einen kleinen Laden, der genau diese Gewinne wieder in Bares verwandelt und noch ein bisschen zufälliger dem Besitzer des Pachinko-Salons gehört.

Wer Pachinko ernsthaft ausprobieren möchte, ist übrigens im oben erwähnten Maruhan Tokyo richtig. Die größte Spielhalle Japans verfügt über mehr als tausend Maschinen, mehrsprachiges Personal (es gibt also eine Chance auf verständliche Erläuterungen), kostenlose Schließfächer und sogar eine »refreshment shower«, die Gerüche aus der Kleidung entfernt. (Dies übrigens nicht ohne Grund, denn Rauchen war hier erlaubt, dürfte aber untersagt sein, wenn Sie dies lesen, denn auch in Japan wird Rauchen zunehmend gesetzlich eingeschränkt.)