Jenseits der stillen Schuld - Pointing Globe - E-Book

Jenseits der stillen Schuld E-Book

Pointing Globe

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Beschreibung

Manchmal ist das Überleben nur der Anfang. Als Lena Meier und Rafael Mantori in der nordafrikanischen Wüste stranden, ahnen sie nicht, dass ihre Rettung sie tiefer in ein Netz aus Schuld, Macht und Lügen führen wird. Ein Mann bleibt zurück - Kareem Taleb - und mit ihm eine Entscheidung, die nicht vergessen werden kann. Zurück in Europa holt sie die Vergangenheit ein. Beobachtet, verfolgt und benutzt, erkennen sie, dass Wahrheit gefährlicher ist als jede Lüge. Zwischen politischen Interessen, alten Rechnungen und persönlichen Loyalitäten müssen sie sich fragen, wie viel ein Menschenleben wert ist - und wer den Preis bezahlt. Dieses Buch ist ein intensiver Thriller über Verantwortung, moralische Grauzonen und den Mut, nicht länger zu schweigen...

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Seitenzahl: 65

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Jenseits der stillen Schuld

Ein Thriller über Macht, Wahrheit und den Preis des Schweigens

 

 

“Manchmal ist das Überleben nur der Anfang...”

 

 

 

DEUTSCHE AUSGABE

© 2026

 

 

 

„Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit einem Ereignis, sondern mit einem Schweigen. Mit einer Entscheidung, die niemand bemerkt - und deren Folgen niemand mehr aufhalten kann.“

 

 

 

Kapitel 1: Der Flug ins Ungewisse

Die Turbinen des kleinen Flugzeugs schnitten mit monotonem Dröhnen durch die Stille des Himmels. Unter ihnen erstreckte sich die Sahara wie ein endloses Meer aus Gold und Schatten - schön, erbarmungslos und vollkommen gleichgültig gegenüber menschlichem Leben.

 

Lena Meier saß am Fenster, den Blick fest auf die Dünen gerichtet. Als Archäologin hatte sie schon viele abgelegene Orte gesehen, doch diese Weite war anders. Sie war nicht nur leer - sie war still. Eine Stille, die drückte.

 

Neben ihr saß Rafael Mantori, Fotograf, Abenteurer, ein Mann mit zu vielen Geschichten und zu vielen unausgesprochenen Gedanken. Seine Kamera lag auf seinen Knien, als wäre sie ein Teil seines Körpers. Er tat so, als würde er die Landschaft fotografieren, doch in Wahrheit starrte er durch das Glas, ohne wirklich zu sehen.

 

In seiner Jackentasche steckte ein gefalteter Brief. Ungelesen. Und doch schwerer als alles Gepäck an Bord.

 

„Schon verrückt, oder?“ sagte Lena schließlich und brach die Stille.

 

„Diese Wüste… sie wirkt friedlich. Aber sie tötet ohne Zögern.“

 

Rafael nickte langsam. „Die schönsten Orte sind oft die gefährlichsten.“

 

Ein paar Reihen hinter ihnen saß Kareem Taleb. Er sprach nicht, beobachtete nur. Seine dunklen Augen wanderten von den Passagieren zu den Instrumenten im Cockpit. Er war kein Tourist. Das verriet seine Haltung, seine Ruhe - und die Art, wie seine Hand instinktiv seinen Rucksack berührte.

 

Kareem kannte die Wüste. Und er wusste: Wenn hier etwas schiefging, gab es keine zweite Chance.

 

Ein plötzliches Ruckeln ließ das Flugzeug erzittern.

 

Die Gespräche verstummten.

 

Ein leises Knacken aus den Lautsprechern, dann die angespannte Stimme des Piloten: „Meine Damen und Herren… wir haben ein technisches Problem. Bitte bleiben Sie ruhig.“

 

Lena spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.

Rafael umklammerte seine Kamera.

Kareems Blick verfinsterte sich.

 

Er sah es sofort: Das war kein kleines Problem.

 

Schreie. Metallisches Kreischen.

Das Ruckeln wurde stärker.

 

Nicht mehr dieses harmlose Zittern, das man von Turbulenzen kannte - sondern ein hartes, unkontrolliertes Schlagen, als würde etwas im Inneren des Flugzeugs zerreißen.

 

Lena klammerte sich an die Armlehne. Ihr Atem ging flach.

„Das… das ist nicht normal“, flüsterte sie.

 

Rafael hatte die Kamera längst fallen lassen. Er war aufgesprungen, so weit es der Sicherheitsgurt zuließ, und suchte den Blickkontakt mit dem Piloten durch die offene Cockpittür. Was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren.

 

Der Pilot schwitzte. Seine Hände zitterten über den Instrumenten.

 

Im hinteren Teil der Kabine stand Kareem Taleb langsam auf. Ruhig. Zu ruhig. Er hielt sich nicht fest, sondern blickte prüfend durch den Mittelgang, als würde er bereits einen Fluchtweg berechnen.

 

Dann kam der Knall.

 

Ein lautes, metallisches Bersten, gefolgt von einem schrillen Alarmton.

Die Maschine neigte sich abrupt zur Seite. Gepäck fiel aus den Ablagen, jemand schrie hysterisch.

 

„Maske aufsetzen!“ brüllte der Co-Pilot, doch seine Stimme ging im Chaos unter.

 

Lena spürte, wie das Flugzeug an Höhe verlor. Ihr Magen hob sich, als würde die Schwerkraft verschwinden.

 

Rafael griff instinktiv nach ihrer Hand.

„Hör mir zu“, sagte er gepresst. „Egal, was passiert - bleib bei mir.“

 

Sie nickte, unfähig zu sprechen.

 

Kareem hatte sich mittlerweile an einer Sitzreihe festgehalten. Sein Blick war fokussiert, kalkulierend. Er wusste: Wenn sie hier runtergingen, dann mitten ins Nichts.

 

Die Sahara verzieh keine Fehler.

 

Der Pilot schrie etwas Unverständliches ins Funkgerät. Kein Antwortsignal. Nur Rauschen.

 

Dann stürzte das Flugzeug.

 

Die Welt verwandelte sich in Lärm, Druck und Gewalt. Metall kreischte. Glas zerbarst. Der Boden kam näher - viel zu schnell.

Lena schloss die Augen.

 

Ein einziger Gedanke blitzte auf: Das ist das Ende.

 

Der Aufprall kam wie ein Faustschlag.

 

Alles wurde schwarz.

 

Stille.

 

Keine Motoren. Keine Stimmen.

 

Nur Hitze.

 

Rafael öffnete die Augen zuerst. Sand klebte an seinem Gesicht, seine Lippen waren aufgesprungen. Er brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass er lebte.

 

Das Flugzeug war zerbrochen.

 

Nicht notgelandet.

Zerschmettert.

 

Trümmer lagen verstreut, als hätte jemand ein Spielzeug zerrissen und in die Wüste geworfen. Rauch stieg auf. Der Geruch von verbranntem Metall lag in der Luft.

 

„Lena…?“ Seine Stimme klang fremd, rau.

Ein schwaches Stöhnen.

Ein paar Meter entfernt bewegte sie sich. Blut lief ihr aus einer Platzwunde an der Stirn, doch ihre Augen waren offen.

 

„Ich… ich bin hier“, flüsterte sie.

 

Rafael kroch zu ihr, jeder Muskel schmerzte. „Bleib ruhig. Nicht bewegen.“

 

Er sah sich um - panisch, suchend.

 

„Kareem!“

 

Keine Antwort.

 

Dann hörte er es: ein Keuchen. Schwer, kontrolliert.

 

Kareem Taleb tauchte zwischen den Trümmern auf. Sein Hemd war zerrissen, sein Arm blutete, doch er stand. Aufrecht. Wachsam.

 

„Lebt der Pilot?“ fragte Kareem ruhig.

 

Rafael schluckte. „Ich… ich weiß es nicht.“

 

Kareem sah zum Cockpit. Was davon übrig war, ließ keine Hoffnung zu.

 

Er trat näher.

„Wir haben überlebt“, sagte er sachlich. „Aber jetzt beginnt der eigentliche Kampf.“

Lena blickte auf die endlosen Dünen. Die Sonne stand hoch. Keine Straßen. Kein Schatten. Kein Geräusch außer dem Wind.

 

„Wo sind wir?“ flüsterte sie.

 

Kareem antwortete ohne Zögern:

„Mitten in der Wüste.“

 

Er machte eine Pause.

 

„Und sehr weit weg von Hilfe.“

 

 

Kapitel 2: Erwachen in der Endlosigkeit

Die Sonne stand bereits hoch, als Lena Meier wieder vollständig zu sich kam.

 

Hitze drückte auf ihre Brust, als würde jemand ein unsichtbares Gewicht auf sie legen. Ihr Mund war trocken, die Lippen brannten. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war - nur, dass etwas furchtbar falsch war.

 

Dann kam die Erinnerung.

 

Der Flug.

Das Ruckeln.

Der Absturz.

 

Sie setzte sich ruckartig auf und stöhnte vor Schmerz. Ein stechender Druck zog durch ihren Kopf. Blut hatte ihre Haare verklebt, der Sand darunter war dunkel verfärbt.

 

„Langsam.“

 

Die Stimme kam ruhig, aber bestimmt.

 

Lena blickte auf. Kareem Taleb kniete ein paar Schritte entfernt neben einem Trümmerteil.

Er hatte sein Hemd ausgezogen und notdürftig um seinen Arm gewickelt. Sein Blick war wachsam, fast kühl - als wäre er nicht Teil des Chaos, sondern dessen Beobachter.

 

„Du hast eine Platzwunde“, sagte er. „Nicht tief, aber sie blutet. Du solltest dich nicht abrupt bewegen.“

 

Rafael trat von der anderen Seite heran, sichtlich erschöpft. Sein Gesicht war staubverschmiert, die Augen gerötet. „Du warst kurz weg. Ich dachte schon…“

Er brach ab.

 

Lena schluckte. „Wie lange…?“

 

„Ein paar Minuten“, antwortete Kareem.„Vielleicht mehr. Schwer zu sagen.“

 

Sie ließ den Blick schweifen.

 

Das Wrack lag wie ein Mahnmal im Sand. Teile des Rumpfes waren aufgerissen, Sitze zerfetzt, Gepäck über die Dünen verteilt. Es gab keine Bewegung mehr. Keine Stimmen. Keine Überlebenden - außer ihnen.

 

„Sind wir… wirklich die Einzigen?“ fragte Lena leise.

 

Rafael nickte langsam. „Ich habe alles abgesucht, was ich erreichen konnte.“

Stille.

 

Die Erkenntnis legte sich schwerer auf sie als die Hitze.

 

Kareem erhob sich und trat an den Rand des Wracks. Er schirmte die Augen gegen die Sonne ab und musterte den Horizont. Sand in alle Richtungen. Keine Straßen. Keine Rauchzeichen. Keine Flugspuren.

 

„Wir sind nicht auf einer regulären Route abgestürzt“, sagte er schließlich. „Und selbst wenn ein Notruf rausgegangen ist - hier sucht niemand spontan.“

 

„Also… was machen wir jetzt?“ fragte Rafael.

 

Kareem drehte sich zu ihnen um. „Jetzt entscheiden wir, ob wir überleben wollen.“

 

Lena