Jerry Cotton 3561 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton 3561 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

In einem Spielzeugladen von Cowper Toys explodierte ein Sprengsatz. Der Laden gehörte Adam Cowper, einem strammen Republikaner, der als gewähltes Ratsmitglied im New Yorker Council saß und einen extrem harten Kurs gegen die ständig wachsende Kriminalität fuhr. In zwei Jahren wollte er Bürgermeister werden. Während wir vom FBI uns noch mit dem Anschlag beschäftigten, wurde die fünfzehnjährige Flora Saunders gekidnappt. Dass die beiden Fälle zusammenhingen, erfuhren wir beinahe zu spät ...

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Seitenzahl: 143

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Wir und die toten Mädchen

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Wir und die toten Mädchen

Der Teddy unter dem riesigen Fliegenpilz aus Pappmaché zwinkerte verwirrt. Was war das? Hatte er nicht einen Schatten vorüberhuschen sehen?

Das Licht der Straßenlaterne tauchte den Laden in trübes Zwielicht. Eine zerzauste Spottdrossel landete mit großem Getöse auf dem Fenstersims, warf einen Blick herein und stürzte gleich wieder zurück in die vibrierende Straßenschlucht.

Da! Wieder! Ein Schatten! Kein Zweifel! Der Teddy sah zum Fuchs rüber, doch der lag zusammengerollt zwischen den beiden gefleckten Bobtails und schlief den Schlaf des Gerechten.

Hier stimmte was nicht! Wenn er bloß an den Alarmknopf käme! Aber der war zu weit entfernt und außerdem ...

In dem Moment zerriss ein ohrenbetäubender Knall die Nacht und verwandelte die Kuscheltierabteilung in eine grelle Flammenhölle.

Ich hatte ein großartiges Wochenende gehabt. Am Samstag setzte ich mit der Fähre nach Fire Island über und ließ mich anschließend den ganzen Tag an dem herrlichen Sandstrand von der heißen Junisonne verwöhnen.

Abends checkte ich in einer gemütlichen Familienpension in Fair Harbor ein und aß ausgezeichnet in einem ländlich-rustikalen Burgerrestaurant mit Blick auf die Great South Bay.

Und nach einem weiteren entspannten Tag zwischen meinem Badetuch und den erfrischenden Wellen des Atlantik war ich erst am späten Sonntagabend in mein Apartment zurückgekehrt, wo ich sofort ins Bett und in einen traumlosen Schlaf fiel.

Nicht ganz so erholt schien mein Partner Phil Decker zu sein, als er am frühen Montagmorgen zu mir in den Jaguar stieg.

»Frag mich nicht nach meinem Wochenende«, grummelte er statt einer Begrüßung. »Auf einer Skala von null bis zehn hat es nicht mal einen einzigen Punkt verdient.«

»Was ist passiert? Warst du krank?«

»Schlimmer. Ich hab einem Kumpel beim Umzug geholfen. Bis dahin wusste ich nicht mal, dass ich einen Rücken habe.«

»Soll das heißen, es gibt in unserer schönen Stadt noch immer Häuser ohne Aufzug?«

»Es gibt genau noch zwei. In dem einen hat mein Kumpel bisher gewohnt, in das andere ist er gerade eingezogen.«

»Shit happens«, kommentierte ich und wich im letzten Moment einem grünen Dacia aus, der unvermittelt die Spur wechselte.

»Wie war dein Wochenende?«, wollte Phil wissen und machte einige vorsichtige Lockerungsübungen mit dem Rücken.

Ich schluckte. Ein begeisterter Bericht über meine großartige Zeit auf Fire Island schien mir an dieser Stelle irgendwie unpassend.

»Ganz okay«, antwortete ich ausweichend. »Ich bin ein bisschen rausgefahren und hab das schöne Wetter genossen.«

»Klingt auch nicht gerade prickelnd«, befand mein Partner abschätzig.

Das ließ ich einfach mal so stehen.

Auf Höhe der West 55th Street klingelte mein Handy.

»Einen wunderschönen guten Morgen, Helen«, begrüßte ich den guten Geist des Field Office aufgeräumt. »Was können wir für dich tun?«

»Wo steckt ihr? Der Chef sucht euch.«

»Wir sind auf dem Weg. Was ist denn so dringend?«

»Gerade sind zwei Cops vom 1st Precinct gekommen. Es geht um die Explosion in SoHo letzte Nacht.«

Ich hatte davon in den Nachrichten gehört. Betroffen war das Cowper Toys, ein großes Spielzeuggeschäft an der Ecke Wooster und Spring Street.

Eigentümer war Adam Cowper, ein strammer Republikaner und eine schillernde Persönlichkeit, der seit zwei Jahren kräftig in der Kommunalpolitik mitmischte.

»Sag dem Chef, wir sind in spätestens zwanzig Minuten da.«

Ich schaltete das Handy aus, das Warnlicht hinter dem Kühlergrill an und drückte das Gaspedal durch.

Sechzehn Minuten später betraten wir unsere Büroräume im dreiundzwanzigsten Stock des Jacob K. Javits Federal Building. Helen telefonierte und winkte uns stumm, aber nachdrücklich durch zum Büro von Mr High.

Unser Chef saß mit zwei uniformierten Beamten des NYPD am Konferenztisch zusammen. Nachdem wir uns für die Verspätung entschuldigt hatten, stellte er uns gegenseitig vor.

»Das sind Deputy Chief Bert Hopper und Sergeant Elmore Stiles vom 1st Precinct. Die beiden Special Agents Jerry Cotton und Phil Decker.«

Die Cops erhoben sich, und wir schüttelten uns die Hände. Der Deputy Chief war knapp sechs Fuß groß, und sein Gesicht sah aus, als bestünde es aus grob zusammengepressten Fleischresten.

Sergeant Stiles war einen Kopf kleiner und etwa dreißig Jahre jünger. Er trug einen dieser Schnurrbärte, die bequem unter einen Fingernagel passten.

»Ich nehme an, Sie haben von der Explosion in SoHo gehört?«, wandte sich Mr High an Phil und mich, nachdem alle Platz genommen hatten.

»Keine Einzelheiten«, schränkte ich ein.

»Dann werden wir Sie jetzt auf den aktuellen Stand der Ermittlungen bringen«, versprach er und nickte Sergeant Stiles auffordernd zu.

Der junge Cop räusperte sich nervös. Sicher war es das erste Mal, dass er dem FBI Rede und Antwort stehen musste.

»Der erste Notruf ging um 2:39 Uhr bei uns ein«, begann er zögernd. »Er kam von einem älteren Mann, der schräg gegenüber auf der anderen Seite der Wooster Street wohnt. Er gab an, von einem lauten Knall wach geworden und um ein Haar aus dem Bett gefallen zu sein. Als er auf die Straße hinunter sah, schlugen bereits die Flammen aus den geborstenen Fenstern des Spielzeugladens.« Er warf einen Blick auf den Spiralblock, der vor ihm auf dem Tisch lag. »In den folgenden Minuten trafen weitere Notrufe ein. Insgesamt waren es vierzehn, ausnahmslos aus der näheren Umgebung.«

»Steht schon fest, dass es sich um einen Anschlag handelt?«, hakte Phil nach. »Oder kann die Ursache auch ein Leck in der Gasleitung gewesen sein oder der fahrlässige Umgang mit den entsprechenden Anschlüssen?«

Der Sergeant hob vage die Schultern. »Ich will den laufenden Ermittlungen nicht vorgreifen, wir stehen noch ganz am Anfang. Aber der Eindruck ist, dass es sich um ein vorsätzliches Geschehen handelt.«

»Woran machen Sie das fest?«, bohrte Phil weiter. »Ein Eindruck ist mir zu wenig. Ich halte mich lieber an überprüfbare Tatsachen.«

Das blasse Jungengesicht des Cops lief feuerrot an. Hilfe suchend sah er zu seinem Deputy Chief hinüber, der für ihn übernahm.

»Sie müssen verstehen, dass wir mit Aussagen über das tatsächliche Geschehen vorsichtig sind, solange die Spurensuche am Tatort – denn für uns ist der Laden bis auf Weiteres ein Tatort –, solange diese Spurensuche noch nicht abgeschlossen ist.«

»Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?«, fragte ich.

»Nun, tatsächlich konnten wir den Tatort erst gegen sechs Uhr betreten. So lange brauchte die Feuerwehr, bis auch die letzten Glutnester gelöscht waren. Und der Laden erstreckt sich über drei Etagen. Es wird also noch eine ganze Weile dauern.«

»Wurde jemand bei der Explosion verletzt?«

»Glücklicherweise nicht, Agent Cotton. Zumindest ist das unser aktueller Kenntnisstand.«

Mr High schaltete sich ein. »Adam Cowper, der Eigentümer, war einer der Ersten am Tatort. Ist das richtig?«

»Genau«, ergriff Sergeant Stiles wieder das Wort. »Er hatte auch gleich einen Kameramann von irgendeinem Fernsehsender dabei und hat vor dem abgebrannten Gebäude ein Statement abgegeben.«

Phil runzelte die Stirn. »Wer hat ihn denn informiert? War der Brand zu dem Zeitpunkt überhaupt schon in den Nachrichten?«

Allgemeines Schulterzucken.

Ich wandte mich an Sergeant Stiles. »Was hat er denn in die Kamera gesagt? Haben Sie irgendwas davon mitbekommen?«

»Nur Bruchstücke. Angeblich galt der Anschlag ihm. Man wolle ihn politisch erledigen. Fertigmachen. Er habe viele Feinde im Council. Aber er werde seinen Kampf gegen das Verbrechen nicht aufgeben. Er werde immer weitermachen. So in dem Stil.«

Das war der typische Cowper-Style. Adam Cowper war gewähltes Ratsmitglied im New Yorker Council. Vor zwei Jahren hatte er verkündet, er wolle bei der nächsten Wahl Bürgermeister von New York werden.

Seitdem sah man ihn in jeder Talkshow, in den lokalen Nachrichten, bei jedem spektakulären Showevent. Adam Cowper war allgegenwärtig, und es gab sicher Leute, die der Meinung waren, dass er längst Bürgermeister dieser Stadt war.

»Und zwischendurch hat er immer wieder die Faust geballt und gerufen: Hang them up! Hang them up!«, sagte Stiles. »Das Ganze vor den rauchenden Trümmern seines zerstörten Ladens. Ziemlich spooky.«

Dieses Schlagwort hatte Cowper zum Motto seiner Kampagne gemacht. Hang them up! Hängt sie auf! Um den Menschen klarzumachen, dass ihm die Zero-Tolerance-Politik seines Vorvorgängers nicht weit genug ging.

Adam Cowper wollte mehr. Er plädierte für die Wiedereinführung der Todesstrafe, um der ständig wachsenden Kriminalität in unserer Stadt Einhalt zu gebieten.

Und damit sprach er vielen rechtschaffenen Bürgern leider aus der Seele.

Mr High wollte offenbar zum Ende kommen. Vermutlich wartete ein Zoom-Call auf ihn oder ein wichtiges Telefonat mit Washington.

»Da das FBI New York, wie Sie wissen, unter anderem auch für den Schutz der Mitglieder des Council verantwortlich ist, werden wir die Ermittlungen des NYPD nach Kräften unterstützen.« Er wandte sich an mich und meinen Partner. »Jerry, Phil, Sie sehen sich am Tatort um und sprechen mit den zuständigen Beamten. Und halten Sie mich über den Fortgang der Untersuchungen auf dem Laufenden.«

»Verstanden«, sagte ich.

Dann nickte er dem Deputy Chief zu. »Ein Detail haben Sie bei Ihren Ausführungen unerwähnt gelassen. Wahrscheinlich weil Sie sich erst hundertprozentig sicher sein wollen, dass es mit dem Vorfall in Verbindung steht.«

Bert Hopper nickte. »Richtig, das war der Grund.«

»Nun, ich bin überzeugt, dass Sie genau das schon sehr bald herausfinden werden. Außerdem werden die Agents die Botschaft ohnehin sehen, wenn sie den Tatort besichtigen.«

Ich sah den Deputy Chief fragend an. »Welche Botschaft?«

Er nickte einmal kurz, als müsste er sich selbst erst offiziell die Erlaubnis erteilen, über dieses Detail zu sprechen. »Auf die Hauswand unmittelbar gegenüber dem Spielzeugladen hat jemand zwei Worte gesprüht: Letzte Warnung!«

Der Tatort war weiträumig abgesperrt. Wooster und Spring Street waren jeweils einen ganzen Block tief abgeriegelt. Und obwohl es sich in beiden Fällen nicht um Hauptverkehrsstraßen handelte, herrschte um die Absperrungen herum auch noch Stunden nach der Explosion ein heilloses Chaos.

Ich parkte den Jaguar einen halben Block entfernt vor einer Änderungsschneiderei. Als wir ausstiegen, roch die Luft nach kaltem Rauch.

»Wie geht's dem Rücken?«, erkundigte ich mich.

Phil machte ein paar leichte Dehnübungen und nickte zufrieden. »Läuft.«

Auf dem Weg zur Brandstelle begleitete uns ein fröhliches Hupkonzert. Wenn ein New Yorker in seinem automobilen Bewegungsdrang eingeschränkt wurde, verlor er schnell die Nerven und hatte das Bedürfnis, seinem Ärger Ausdruck zu verleihen.

An diesem Morgen konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich alle Hupen dieser Stadt im Herzen von SoHo zu einem munteren Stelldichein versammelt hatten.

Schon von Weitem erkannten wir vor dem abgebrannten Gebäude drei Patrol Cars und zwei Fahrzeuge der Crime Scene Unit. Frauen und Männer in Uniformen liefen geschäftig über die Straße. Und etwas abseits, hinter dem gelben Absperrband, hatte sich eine Handvoll Schaulustiger versammelt. Noch vor einer Stunde waren es sicher mehr gewesen.

Ich fragte einen Cop nach der Einsatzleitung. Er wies auf einen kleinen, gedrungenen Mann, der gerade damit beschäftigt war, Fotos von der verkohlten Frontseite des Gebäudes zu machen.

»Der Mann mit dem Handy, Lieutenant Scott Dalton.«

Wir stellten uns vor, und seine Miene verriet, dass er alles andere als begeistert von der Anwesenheit des FBI war.

»Wer hat Sie gerufen? Wir kommen hier ganz gut allein zurecht.«

»Deputy Chief Bert Hopper war bei uns im Field Office«, erwiderte ich freundlich.

»Allright. Was kann ich für Sie tun?«

Ich nickte Phil zu.

»Ihr Boss scheint sich noch nicht sicher zu sein, ob es sich hier um einen bedauerlichen Unfall handelt oder um einen Anschlag. Wie schätzen Sie die aktuelle Spurenlage ein?«

Der Lieutenant runzelte die Stirn und deutete auf die andere Straßenseite. »Hat er Ihnen von dem Schriftzug erzählt?«

Jetzt sahen wir die Botschaft auch: Letzte Warnung! Die Worte waren mit giftgrüner Farbe zwischen zwei Fensterreihen auf die Hauswand gesprüht.

»Hat er«, sagte ich. »Aber das reicht ihm nicht. Er ist von einer vorsätzlichen Tat erst überzeugt, wenn die CSU eindeutige Hinweise am Tatort findet.«

Lieutenant Dalton nickte. »Ich denke, die haben wir. Die Eingangstür wurde aufgebrochen. Und ein Sachverständiger hat Hinweise auf den Einsatz von Brandbeschleunigern gefunden. Kommen Sie.«

Er ging voraus und trat in den ehemaligen Ladeneingang. Die hohen Schaufenster zu beiden Seiten waren unter der Druckwelle der Explosion geborsten.

Haufen von Glasscherben lagen links und rechts auf den Steinfliesen. Dazwischen leuchteten die Bruchstücke einer roten Gasflasche. Eine von der Hitze stark deformierte Sackkarre war bis auf den Bürgersteig geschleudert worden.

»Wir gehen davon aus, dass der oder die Täter die Acetylenflasche mithilfe der Sackkarre in den Eingangsbereich des Ladens gebracht haben. Außerdem zwei oder drei Plastikkanister Benzin.« Er deutete auf die schwarzen Reste geschmolzenen Plastiks, die sich von den weißen Steinfliesen abhoben. »Wir haben Überreste des Schlauchs sichergestellt, mit dem das Gas aus der Flasche in den Geschäftsraum geleitet wurde. Ebenfalls die Zündvorrichtung, übrigens ein ziemlich altmodisches Modell.«

Phil ging in die Hocke, um sich einzelne Überreste der Explosion genauer anzusehen.

»Wurde der Zündmechanismus per Funksignal ferngesteuert?«, fragte ich den Lieutenant.

»Nein. Ein etwa zwanzig Yards langes Stromkabel lief quer über die Straße bis zum Eingang von Nummer 77.« Er zeigte auf ein Haus schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. »Von dort aus wurde der Zündmechanismus aktiviert und die Explosion ausgelöst.«

Wir betraten zusammen mit Lieutenant Dalton den zerstörten Geschäftsraum. Die meisten Regale waren umgestürzt, auf dem Boden verstreut lagen verkohlte Kuscheltiere und zerschmolzenes Plastikspielzeug.

Es roch stark nach Gas und irgendwelchen Chemikalien. Verbrannte Tapetenreste rollten von den Wänden, dahinter waren Risse im Beton zu sehen. Über allem lag ein feiner Rußfilm.

»Was ist mit den Überwachungskameras?«, wollte Phil wissen. »Haben sie die Explosion überlebt?«

»Leider nicht. Aber ich habe zwei meiner Leute losgeschickt. Vielleicht haben wir den Täter auf den Aufnahmen anderer Kameras in der Nachbarschaft.«

Ich nickte. Guter Mann. Meine anfänglichen Befürchtungen hatten sich nicht bestätigt.

Phil hob einen dicken braunen Teddy auf, dessen untere Hälfte komplett weggeschmolzen war.

»Gibt es Zeugen«, fragte er den Cop, ohne den Blick von dem Kuscheltier in seiner Hand zu nehmen. »Leute, die letzte Nacht irgendwas Ungewöhnliches gehört oder gesehen haben?«

»Da ist tatsächlich jemand«, bestätigte Lieutenant Scott Dalton. »Mister Henderson. Schon etwas älter. Wohnt gegenüber, zweite Etage. Meint, er habe den Täter gesehen.«

»Wo ist der Mann? Haben Sie seine Aussage schon protokolliert?«, fragte ich.

»Ja. Aber Sie können gerne selbst mit ihm reden. Vor einer halben Stunde habe ich ihn noch draußen bei den Schaulustigen gesehen.«

Roy Henderson hatte es sich gemütlich gemacht. Unmittelbar hinter dem gelben Absperrband saß er in einem zerschlissenen Klappstuhl, neben sich eine Thermoskanne und auf dem Schoß ein Sudoku-Rätselheft.

»Mister Henderson?«

»Kommt drauf an. Wer will das wissen?«

Ich zeigte ihm meine ID Card.

Er verzog das Gesicht, als wäre er enttäuscht, dass ich nicht mindestens zur Regierung gehörte. »Das FBI. Aha. Was führt Sie hierher?«

»Nach Ihrer Aussage haben Sie den Mann gesehen, der den Anschlag auf den Laden von Cowper Toys verübt hat. Ist das richtig?«

Er massierte eine Seite seines faltigen Gesichts, als wollte er sich überzeugen, dass es noch da wäre.

»Und wenn es so wäre?«, erwiderte er gedehnt.

Offenbar hatten wir es mit einem Spaßvogel zu tun. Für diese Leute war das ganze Leben eine Comedyshow, in der sie Gag auf Gag liefern mussten.

In der Regel waren sie allerdings die Einzigen, die darüber lachen konnten.

»Was können Sie mir über den Mann sagen? Oder war es eine Frau? Können Sie sein Äußeres beschreiben? Größe, Haarfarbe, Kleidung?«

Provozierend langsam goss er sich erst frischen Kaffee in seinen Becher und schraubte den Deckel anschließend meditativ wieder auf die Thermoskanne.

»Ich würde sagen, er war etwa so groß wie Sie.« Jedes Wort holte er wie einen Fisch mit einer Angel aus der Tiefsee. »Die Haarfarbe war nicht zu erkennen, denn er trug ein dunkles Kapuzenshirt.«

»Woher kam er? Und in welche Richtung hat er sich entfernt?«

Bevor er antwortete, kratzte er sich ausgiebig am Hinterkopf, wobei er ununterbrochen Grimassen schnitt. Die Umstehenden zwinkerten sich grinsend zu. Offenbar fanden sie seinen Auftritt unterhaltsam.

»Woher er kam, weiß ich nicht. Er stand ja schon da. Im Eingang von der 77.«

»Wie lange etwa?«

»Was?«

»Die lange stand er dort?«

»Nicht lange. Vielleicht eine Minute. Oder zwei. Hat sich das kleine Feuerchen angeschaut.«

»Und wohin ist er dann gegangen?«

Viel konnte man mit dieser Aussage nicht anfangen. Eigentlich gar nichts. Aber das sagte ich ihm nicht.

»Die Wooster runter nach Süden. Er fuchtelte fahrig mit der Hand in die angegebene Richtung.

»Danke, Mister Henderson«, sagte ich höflich und nickte ihm zu.

»Bevor er ging, hat er da noch die beiden Worte an die Hauswand gesprüht?«

Der Mann im Klappstuhl runzelte die Stirn. Über diese Frage von Phil hatte er offensichtlich noch nicht nachgedacht. Schließlich schüttelte er energisch den Kopf.

»Das muss er vorher gemacht haben. Vor der Explosion. Danach ist er gleich weg.«

Wir verabschiedeten uns von Lieutenant Dalton und gingen zurück zum Jaguar.

»Was hältst du von der Sache?«, fragte Phil, während er sich ein paar Ascheflusen vom Ärmel wischte. »Wer könnte dahinterstecken?«

Ich hob vage die Schultern. »Vielleicht ein politischer Rivale aus dem Council, der auch Bürgermeister werden will.«

»Oder es geht ums Geschäft. Ein Konkurrent aus derselben Branche, der Cowper den Erfolg neidet.«

»Auch möglich. Im Grunde gibt es nur einen Menschen, der uns dazu etwas Brauchbares sagen kann.« Ich öffnete die Fahrertür. »Adam Cowper.«

Flora würde diesen Moment nie vergessen. Sie hatte sich gerade ihre morgendliche Portion Rice Crispys auf den Teller geladen, als ihr Handy piepte.

Erst wollte sie gar nicht nachschauen. Sicher war es wieder Cindy, die den Bus verpasst hatte und Flora bat, sie bei ihrem Spotlehrer zu entschuldigen.