Jerry Cotton 3562 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton 3562 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Auf Bruno De Luca, den führenden Mafiaboss in Los Angeles, wurde ein Attentat verübt, bei dem unter anderem der Chef seiner Bodyguards den Tod fand. Diese Gelegenheit nutzten wir vom FBI, um mich als dessen Nachfolger in die Organisation einzuschleusen. Ziel unserer Operation war es, nicht nur gegen De Luca, sondern auch gegen die mit ihm verfeindeten drei anderen Mafiafamilien L. A.s genügend Beweise zu sammeln, um ihnen den Prozess zu machen. Als ich De Luca bei einer Geschäftsreise nach Costa Rica begleiten musste, entdeckte ich unter seinen Kooperationspartnern einen Mann, der mir bekannt vorkam. Kaum hatten wir herausgefunden, wer dieser Mann war, mussten wir nicht mehr nur gegen die Mafia kämpfen, sondern auch gegen einen weitaus bedrohlicheren Gegner, dessen Verbündete bis weit in unsere Regierung hinein Unterstützer hatten ...

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Im Auftrag der Regierung

Vorschau

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Im Auftrag der Regierung

Bruno De Luca setzte sich neben seinen dritten Leibwächter auf die Rückbank seiner Limousine und zog die Wagentür zu.

»Fahren wir und erklären diesen Hurensöhnen, wer hier das Sagen hat«, knurrte er und hauchte dem Mann am Steuer seinen Atem in den Nacken.

»Unsere Leute sind schon vor Ort und warten auf uns«, sagte der Mann auf dem Beifahrersitz.

De Luca nickte und sah noch einmal aus dem Fenster zurück zum Haus, wo sich gerade die Haustür öffnete und seine Enkelin Sofia herausstürmte. In ihren kleinen Händen hielt sie ein Blatt Papier, auf dem undeutlich ein Bild zu erkennen war. Ein Porträt von ihrem Großvater, gemalt mit all der Liebe, zu der eine Siebenjährige fähig war.

»Moment!«, rief er und öffnete die Tür, um auszusteigen und seiner Enkelin entgegenzugehen. Also zwängte er seinen massigen Leib aus dem Wagen, schlug die Seitentür hinter sich zu und ging auf den kleinen Wirbelwind zu, der ihm entgegenrauschte wie der Frühling, fröhlich und ausgelassen.

Hinter sich hörte er, wie der Fahrer den Wagen anließ. Ein lautes Aufheulen des Motors, dann ertönte ein infernalischer Knall, der ihm fast den Schädel sprengte. Er spürte eine unsichtbare Hand, die ihn im Rücken traf und nach vorne schleuderte. Er fiel auf die Knie, konnte gerade noch verhindern, dass er seine Enkelin unter sich begrub, stützte sich im letzten Moment auf dem Boden ab, während er sie mit dem anderen Arm schützend an sich riss.

Eine Feuergarbe fegte über sie hinweg.

Aber sein Wertvollstes, seine Sofia, wurde von der Druckwelle der Explosion, die den Wagen mitsamt seinen Bodyguards in der Luft zerriss, verschont.

»Patricio Marino hat Sie empfohlen«, sagte Bruno De Luca und sah mich misstrauisch an. »Er meinte, Sie hätten ihm vor ein paar Jahren in Guatemala mehrmals das Leben gerettet.«

Ich nickte stumm, tat auf schweigsam, während ich den Mafiaboss ansah, der mir gegenüber hinter seinem Schreibtisch saß.

»Erzählen Sie, Mister Mason«, knurrte De Luca. »Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe.«

»Die dortige Polizei war hinter ihm her«, sagte ich. »Und die Armee und seine ehemaligen Geschäftspartner, denen er den Arsch versohlt hat, weil sie ihn über den Tisch ziehen wollten. Sie haben ihm eine Bombe unter sein Bett gelegt. Ich habe das Ding entdeckt und entschärft. Drei Tage später wollte ein Spezialtrupp der Armee das Gelände stürmen. Ich konnte mit meinen Leuten verhindern, dass sie bis zum Haus kamen. Daraufhin mussten wir das Land verlassen.«

De Luca fixierte mich, ohne mit der Wimper zu zucken. Es verging eine Weile, in der niemand etwas sagte, weder De Luca noch ich noch einer der beiden Bodyguards, die hinter seinem Rücken Aufstellung genommen hatten, die Arme über der Brust gekreuzt. Nur De Lucas Kaumuskeln bewegten sich und zermalmten den Zahnstocher, den er sich zwischen die Lippen gesteckt hatte. Es war also genug Zeit, mir mein Gegenüber genauer anzusehen.

De Luca war Ende fünfzig, massig, hatte zwei wach blickende graue Augen und einen kahl geschorenen Kopf. Auf seinen Unterarmen, die er aus hochgerollten Hemdsärmeln zeigte, waren keine Tattoos zu sehen, eine Seltenheit heutzutage.

Auch an den Fingern seiner Hände, die breit waren wie Schaufeln und kräftig wie die eines Mannes, der das Zupacken gewohnt war, steckten keine Ringe. Nur eine Halskette, an der ein goldenes Kreuz hing, schmückte den Boss der gefährlichsten Familie L. A.s, dessen Vertrauen ich irgendwie, und das möglichst schnell, gewinnen musste.

Man sah es dem Mafiaboss deutlich an, dass ihm das Attentat, das man vor knapp einer Woche auf ihn verübt hatte, noch in den Knochen steckte. Drei seiner Leibwächter, seine besten Männer, wie man uns berichtet hatte, waren bei der Explosion ums Leben gekommen.

Nun war er auf der Suche nach einem echten Profi, einem Mann mit Erfahrungen, die über das hinaus gingen, was man in einem normalen Gangsterleben an Erfahrungen sammeln konnte. Und wie uns der Staatsanwalt, der seit Jahren hinter De Luca und einigen anderen Mafiafamilien in L. A. hinterher war, erzählt hatte, hatte sich De Luca bei einigen anderen Gangstergrößen im ganzen Land umgehört, ob sie jemanden kannten, dessen Referenzen seinen Vorstellungen entgegenkamen.

Und wie der Zufall es wollte, schuldete ein anderer Gangster, der seit einigen Monaten mit einer tödlichen Krankheit in einer Klinik in New York lag, Mr High einen Gefallen und hatte von De Lucas Suche gehört. Er wusste, dass die Polizei einen Spitzel in dessen Reihen sicher gebrauchen konnte.

Nicht dass er sich für sich selbst einen Vorteil von der Einlösung seiner Schulden erhoffte, aber unser Chef hatte ihm versprochen, für eine seiner Töchter, die unbedingt die Seiten wechseln und Polizistin in ihrer Heimatstadt werden wollte, ein gutes Wort bei den Behörden einzulegen. Dafür war dieser Mann sofort bereit gewesen, seinen ehemaligen Weggefährten zu opfern.

»Seien Sie nicht so bescheiden«, knurrte De Luca. »Patricio hat mir erzählt, dass Sie sich für ihn eine Kugel eingefangen haben. Sie haben sich vor ihn geworfen, als einer von den Cops auf ihn geschossen hat. Die Kugel ging durch ihre Weste und hätte Sie fast das Leben gekostet.«

Ich nickte nur, rieb mir die Stelle unter meinem Herzen, wo mich tatsächlich vor ein paar Jahren bei einem Einsatz eine Kugel erwischt hatte, und schwieg.

De Luca stand auf.

»Zeigen Sie es mir«, sagte er.

»Wie bitte?«

»Zeigen Sie mir die Wunde«, wiederholte De Luca. »Ich will wissen, aus welchem Holz der Mann geschnitzt ist, der meine Bodyguards anführen soll.«

Ich stand auf, knüpfte mein Hemd auf, zog mein T-Shirt so weit hoch, dass er die Einschusswunde sehen konnte, und wollte das T-Shirt wieder hinunterziehen, als De Luca mich aufhielt.

»Und was ist das da?«, wollte er wissen uns deutete auf eine Narbe, die sich längs von meiner untersten linken Rippe bis zu meinem Bauchnabel zog.

»Das da?«, fragte ich und sah meine Narbe an, als müsste ich mich erst einmal daran erinnern, wo und wann ich mir diese Auszeichnung geholt hatte. »Das war ein Hieb mit einer Machete, einige Jahre bevor ich zu Marino kam. Ein afghanischer Terrorist, der meinen damaligen Offizier bedrohte, als ich noch bei der Army in der Antiterroreinheit war.«

»Sie waren bei der Army?«, meinte De Luca mit einer Mischung aus Überraschung und Respekt.

»Ja«, antwortete ich. »Aber ich hatte keine Lust mehr, für ein paar lumpige Dollars mein Fell zu riskieren. Also habe ich die Branche gewechselt.«

De Luca nickte, setzte sich, nahm den Zahnstocher aus dem Mund und warf ihn in den Aschenbecher, der vor ihm auf dem Schreibtisch stand.

Ich stopfte mein Hemd zurück in die Hose, setzte mich, und wir sahen uns wieder eine Weile schweigend an.

»Okay, Mister Mason«, sagte De Luca schließlich, stand auf und reichte mir die Hand. »Sie haben den Job.«

Ich erhob mich ebenfalls und nahm seine Hand.

»Ich habe meine drei besten Bodyguards verloren«, fuhr De Luca fort. »Insgesamt sind es neun Männer, die sich ständig um mein Wohlergehen kümmern. Ich werde Ihnen in den nächsten Tagen meine Leute vorstellen, die für den Job infrage kommen. Die beiden Jungs hinter mir und ein paar andere gehören dazu. Sie werden also nur zwei weitere ...«

»Entschuldigen Sie«, unterbrach ich meinen neuen Arbeitgeber, entzog ihm die Hand und deutete auf die Kerle hinter ihm, deren Gesichter deutlich verrieten, dass sie nicht begeistert über ihren neuen Vorgesetzten waren. »Ich würde mir meine Truppe gerne vollständig selbst besetzen. Ich muß wissen, wer neben mir steht, wenn es schwierig wird. Und mit diesen beiden Gentlemen kann ich leider nichts anfangen.«

De Lucas Brauen sprangen in die Höhe. Er drehte sich um.

»Der Knabe links hinter Ihnen hat mehr auf sein Handy gestarrt als darauf geachtet, was ich tue. Und sein Kollege wäre fast im Stehen eingeschlafen. Seine Augen waren mehrere Male für Sekunden geschlossen. Was, wenn ich nicht derjenige wäre, der ich vorgebe zu sein? Ich hätte sie alle drei leicht umbringen können, wenn ich gewollt hätte.«

»Wir haben Ihnen ihr Schießeisen weggenommen, Sie Schlaumeier«, knurrte der eine der beiden und lupfte sein Jackett, um mir meine Waffe zu zeigen, die er sich in den Gürtel gesteckt hatte.

»Und was ist hiermit?«, wollte ich wissen, bückte mich, zog ein Stilett aus dem Stiefelschaft und hielt es hoch.

»Aber das ...«, versuchte sich der andere an einer Verteidigung.

De Luca schnitt ihm das Wort ab.

»Raus mit euch!«, knurrte er. »Raus! Und ich will euch ein paar Tage lang nicht mehr sehen, sonst vergesse ich mich.«

Die Kerle verließen den Raum, nachdem ich meine Waffe zurückerhalten hatte, und damit war mein Vorstellungsgespräch auch schon erfolgreich beendet.

»Bis vor einigen Monaten stimmte die Chemie zwischen den Familien noch«, erklärte Staatsanwalt Michael Hanson mir, als ich ihm gegenübersaß, um von meinem Erfolg zu berichten. »Das Drogengeschäft, die Prostitution, das illegale Glücksspiel. Alles war bis vor Kurzem sauber in vier Bezirke eingeteilt, sodass jede Familie ihr Auskommen hatte. De Lucas Clan ist der erfolgreichste von ihnen.«

Ich nickte.

»Die Familien von Carlo Lombardi, Angelo Rizzo und Pete O'Brian sind enger geschäftlich miteinander verbunden als mit De Luca. Bisher ist man sich gegenseitig nicht in die Quere gekommen. Dann hat De Luca angefangen, an den Grenzen zu kratzen, die sie durch Los Angeles gezogen haben. Daraufhin haben sich die drei übrigen Familien gegen ihn verschworen.«

»Im Moment bin ich noch dabei, mir geeignete Kandidaten für meine neue Truppe auszusuchen«, sagte ich. »De Luca verreist demnächst für einige Tage. Ich hoffe, dass ich näher an ihn herankomme, wenn er wieder da ist. Was genau wollen Sie über ihn wissen?«

»Alles, was geeignet ist, ihn unter Druck zu setzen«, antwortete Hanson und fuhr sich durch das schüttere Haar, sodass sich eine Wolke aus Schuppen über seine Schultern ergoss. Sein schmaler Oberkörper war tief über die Papiere gebeugt, sein glatt rasiertes Gesicht leuchtete vor Anstrengung. »Bis jetzt haben wir nichts, rein gar nichts gegen ihn persönlich in der Hand.«

»Verstehe.«

»Ich brauche möglichst bald etwas, womit ich ihn gegen die drei anderen Familien ausspielen kann, bevor ein Krieg losbricht. Es könnte den Gouverneur sein Amt kosten, wenn es Tote auf den Straßen von L. A. gibt. Bringen Sie mir etwas, womit ich De Luca erledigen kann. Dann würde ich ihm Zeugenschutz anbieten, wenn er bereit ist, mir die drei anderen Familien auf einem Silbertablett zu servieren.«

Hanson schien mir mehr an seiner Karriere interessiert als daran, De Lucas Kopf zu kriegen. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Er hatte den Zenit seiner Karriere bereits überschritten und sah diesen Fall, den größten seiner bisherigen Laufbahn, wahrscheinlich als die letzte Chance an, zum Oberstaatsanwalt befördert zu werden.

»Es wird seine Zeit dauern«, sagte ich. »Da kann man nichts provozieren. Ich muss zunächst sein Vertrauen gewinnen. Bis jetzt sitze ich nur mit zwei anderen Männern in seinem Wagen und passe auf, dass ihm auf dem Weg vom Auto zu seinem Haus oder vom Auto zu seinen Besprechungen nichts passiert. Zu den Besprechungen selbst begleitet ihn sein Consigliere, ein Mann namens Matteo Coletti. Aber unsere Leute observieren sowohl De Luca als auch die Oberbosse der drei anderen Familien rund um die Uhr. Wir müssen einfach abwarten, was uns das bringt.«

Hanson blätterte nervös in seinen Papieren und nickte.

»Coletti«, las er dann von einem Blatt ab. »Vierzig Jahre alt. Vorbestraft wegen schwerer Körperverletzung. Studierte Jura in Yale. Seit sieben Jahren De Lucas Berater in juristischen Dingen, engster Vertrauter und das Sprachrohr zu den unteren Etagen.«

»Ich brauche alles, was wir über ihn wissen«, meinte ich. »De Luca hat keine männlichen Verwandten, die für ihn den Unterboss geben könnten und denen er später die Geschäfte übertragen würde. Coletti ist der Einzige, dem er wirklich vertraut. Seit dem Attentat weicht er nicht mehr von De Lucas Seite. Praktisch hat er momentan noch den Job des Chefleibwächters inne, auch wenn ihm das nicht sonderlich zu gefallen scheint.«

»Aha.«

»Ich selbst soll Coletti erst nach seiner Reise ersetzen.«

»Gut« meinte Hanson. »Ich schicke Ihnen die komplette Akte zu. Auch die zu den anderen Familien. Wissen Sie schon, wohin De Lucas Reise gehen soll?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Man hüllt sich mir gegenüber in Schweigen. Ich werde es wohl erst erfahren, wenn er zurück ist.«

»Gut, gut«, murmelte Hanson und schob die Papiere auf dem Tisch hin und her, ohne mich anzusehen. »Halten Sie mich auf dem Laufenden.«

Ich wohnte mit meinen Männern, die ich mir im Laufe der letzten vierzehn Tage in einer Reihe von Bewerbungsgesprächen aus De Lucas Organisation ausgesucht hatte, in einem Haus auf dem Gelände, auf dem De Luca seine Villa hatte, am Rande von L. A. in Angels Point, mit Blick auf das Dodgers Stadion.

Mit mir waren wir nun insgesamt zehn Mann und arbeiteten, ganz wie normale Angestellte, in drei Schichten mit jeweils acht Stunden rund um die Uhr. Das hieß, dass sogar nachts, wenn De Luca schlief, drei seiner Männer, zwei vor seinem Schlafzimmer, einer unten vor dem Fenster, Wache hielten.

An einem Morgen, die aufgehende Sonne schien durch das Fenster auf mein Bett, in dem ich vor mich hin döste, stürmte einer meiner Männer in mein Zimmer, ohne anzuklopfen.

»De Luca will, dass Sie sofort kommen, Mister Mason«, sagte der Kerl, ein Mann groß wie ein Schrank, mit einer Narbe im Gesicht, die er sich von einer Messerstecherei mit drei Zuhältern in Bangkok zugezogen hatte, wie er mir in unserem Bewerbungsgespräch mitgeteilt hatte.

Ich sprang sofort aus dem Bett und sah auf die Uhr. Es war gerade einmal sechs Uhr in der Frühe.

»Was will er?«, fragte ich, während ich mir die Hose anzog.

Er zuckte mit den Schultern. Ich hatte in den letzten Wochen gelernt, dass De Luca nur selten vorher Bescheid gab, wohin es ging. Er zog es vor, uns zu überraschen.

Ich zog mich weiter an, vergaß meine schusssichere Weste nicht, dann liefen wir aus dem Haus über die Wiese und den großen Vorplatz zu der Limousine, die, frisch aufgetankt und blitzsauber geputzt, vor der Freitreppe zu De Lucas Villa parkte.

Coletti saß auf dem Fahrersitz, sah mich missmutig an und wartete, bis ich mich mit meinem Mitarbeiter zum dritten Mann hinten in den Wagen gezwängt hatte. Es war deutlich zu spüren, dass ihm die Rolle als Fahrer und erster Mann der Leibgarde De Lucas langsam auf die Nerven ging.

De Luca war nirgends zu sehen, aber die Anspannung, die Coletti ausstrahlte, sprang sofort auf meine Männer und mich über. Bisher war ich nur bei Fahrten in die Stadt oder abends zu Verabredungen mit verschiedenen Geschäftspartnern zu irgendwelchen Restaurants dabei gewesen.

Jetzt schien es um etwas anderes zu gehen. Mehrmals überprüfte Coletti, ob er seine Waffe dabeihatte. Anscheinend war er es nicht mehr gewohnt, bewaffnet zu sein, und musste sich daran erinnern, was im Notfall auf ihn zukommen würde.

»Gefährlicher Ausritt heute?«, versuchte ich die Stimmung aufzuhellen.

Coletti drehte sich zu mir um.

»Das geht Sie gar nichts an, Mason!«, blaffte er. »Sie sitzen nur da und halten die Schnauze, bis ich etwas anderes sage, verstanden?«

Colettis schmale dunkle Augen in dem sonnengebräunten Gesicht. Der perfekt gestutzte Bart. Die Brille, die nur ein Fake war, um intelligenter auszusehen, wie ich herausgefunden hatte. Der ganze Kerl roch nach Anmaßung und war durchaus mit Vorsicht zu genießen.

Wie Ben inzwischen für mich recherchiert hatte, waren seine Vorstrafen keine Kneipenschlägereien gewesen, sondern Überfälle auf unbescholtene Bürger, ausgeführt, um Rache zu üben wegen kleinerer Vorfälle, die jeden normalen Menschen kalt gelassen hätten. Ein blockierter Parkplatz. Ein Kassierer in einem Supermarkt, der ihn fälschlich des Ladendiebstahls verdächtigt hatte. Eine Frau, deren Hund in dem Mietshaus, in dem er wohnte, des Nachts keine Ruhe gab.

Coletti war ein Mann ohne Gewissen, der nur Jura studiert hatte, um zu lernen, wie man kriminell sein konnte, ohne Bestrafung fürchten zu müssen. Und dieses Wissen stellte er nun ziemlich erfolgreich seinem Boss zur Verfügung.

Ich wurde in meinen Gedanken durch De Luca unterbrochen, der die Wagentür öffnete und sich auf den Beifahrersitz setzte.

»Zu Carlo Lombardis Restaurant in der Temple Street«, knurrte er Coletti an. »Dieser Drecksack möchte mit mir über einen Verkauf reden. Er ist tatsächlich der Meinung, wir sind daran schuld, dass er seinen Laden schließen musste, weil wir nebenan in den Neubau eines Kaufhauses investiert haben. Er will, dass ich ihm seinen Schuppen abnehme, aber ich werde ihm schon erklären, was er damit machen kann.«

Ich wusste inzwischen, De Luca war sich sicher, dass es einer der drei Bosse der anderen Familien gewesen sein musste, der das Attentat auf ihn befohlen hatte. Erst wenn er wusste, wer es gewesen war oder ob sich alle drei Familien gegen ihn verschworen hatten, würde er geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen. Und solange das nicht so war, musste er wohl oder übel die üblichen Geschäftsverbindungen mit allen drei Familien aufrechterhalten, So sehr ihm das auch gegen den Strich ging.

Wir fuhren auf die Interstate 110, hielten uns Richtung City Hall und bogen schließlich auf die Temple Street ab.

Als wir das betreffende Restaurant in Blickweite hatten, hielt Coletti den Wagen an. Ich und meine beiden Männer stiegen zuerst aus, sahen uns kurz um und gaben dann ein Zeichen, dass Coletti und De Luca aussteigen könnten.