Jerry Cotton 3580 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton 3580 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Eine der berühmtesten Frauen Amerikas war entführt worden. Riley Marks, ehemaliges Supermodel und nun Ehefrau des Techmoguls Leon Marks. Er war einer der reichsten Männer der Welt. Die Entführer forderten hundert Millionen Dollar Lösegeld. Marks weigerte sich jedoch zu zahlen. Stattdessen ging er mit einem radikalen Plan an die Öffentlichkeit. Ganz wie im Film Kopfgeld mit Mel Gibson setzte er fünfzig Millionen Dollar auf die Köpfe der Kidnapper aus. Was in Hollywood funktionierte, wurde in der Realität zum Albtraum: Kopfgeldjäger, Glücksritter, sogar Polizisten verwandelten die Stadt in ein Schlachtfeld. Chaos brach aus. Und plötzlich standen mein Partner Phil und ich zwischen allen Fronten ...

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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Kidnapping ist ein blutiges Geschäft

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Kidnapping ist ein blutiges Geschäft

Schattengleich huschten sie auf den Lift in der Tiefgarage zu, der sie in das oberste Stockwerk bringen sollte.

Die Operation war minutiös geplant. Sie hatten in den letzten Tagen jede Einzelheit mehr als hundertmal durchgesprochen.

Dennoch erkannte er durch die Augenschlitze der Sturmhauben seiner Mitstreiter die Anspannung. Jene unvermeidliche Nervosität, die solche Einsätze begleitete.

Er nahm es hin. Denn als Anführer wusste er, dass er sich trotzdem auf seine beiden Komplizen verlassen konnte.

Jetzt standen sie im Lift, entsicherten ihre kurzläufigen Gewehre und nickten sich ein letztes Mal zu. Phase eins, die verdammt heikelste Etappe, hatte begonnen.

Ihre Mission war nichts Geringeres, als in das Penthouse eines der reichsten und mächtigsten Männer der Welt einzudringen – und seine Frau zu entführen!

Dienstag, 5:42 Uhr, Upper East Side, New York

Die Morgendämmerung legte einen silbrigen Schleier über die erwachende Stadt.

Bedingt durch die Lage im zweiunddreißigsten Stockwerk fühlte sich Riley Marks in ihrem Penthouse fast von der Außenwelt isoliert, als sie barfuß auf die Terrasse trat.

Der Natursteinboden lag kühl unter ihren Sohlen, und sie fröstelte leicht. Sie trug nur ein langes, weiches Baumwollnachthemd, das sich sanft an ihren Körper schmiegte. Der Stoff fiel locker über ihren leicht gewölbten Bauch.

Sie war im sechsten Monat schwanger. Das war inzwischen deutlich sichtbar und auch spürbar, aber es schränkte sie nicht ein. Noch konnte sie sich frei bewegen.

Riley atmete tief durch. Sie war glücklich.

In ihren Händen hielt sie eine Tasse Pfefferminztee. Der aufsteigende Dampf kräuselte sich im Licht der aufgehenden Sonne.

Sie lehnte sich an die Brüstung, und ihr Blick glitt die zweiunddreißig Stockwerke hinunter auf die 74th Street. Von hier oben sahen die Menschen nicht mehr viel größer als Ameisen aus.

Diese Ameisen bewegten sich trotz der frühen Stunde bereits hektisch über den Bürgersteig, während sie hier oben den flüchtigen Moment der Ruhe genoss.

Seit Riley mit Leon Marks verheiratet war, waren solche Augenblicke selten in ihrem Leben geworden.

Leon.

Er schlief vermutlich noch oder, was ebenso wahrscheinlich war, saß in einem seiner endlosen Videocalls mit Singapur oder Zürich. Es war manchmal schwer zu sagen, ob er noch oder schon wieder arbeitete.

Seine Konferenzen dauerten die ganze Nacht. Immerhin lebten viele seiner Gesprächspartner in anderen Zeitzonen.

Das war einer der Gründe, warum sie längst getrennte Schlafzimmer hatten.

Sie seufzte und nahm einen kleinen Schluck Tee. Das Aroma beruhigte sie.

Dann hörte sie ein Geräusch hinter sich.

Ein leises Klicken.

Sie drehte sich langsam zur Glastür ins Wohnzimmer um.

Das Fenster spiegelte, und sie konnte den Raum dahinter nur schemenhaft erkennen.

Hatte sich dahinter gerade etwas bewegt? Sie glaubte, einen Schatten zu sehen.

Riley ging auf die Tür zu und schob sie sacht auf. Die wärmere Luft aus dem Inneren des Apartments wehte ihr entgegen. Das Wohnzimmer lag im Halbdunkel.

»Leon?«, fragte sie leise. »Bist du wach?«

Keine Antwort.

Sie trat hinein. Ihre nackten Füße spürten die Wärme des dicken Teppichbodens.

Vielleicht war er ins Bad gegangen. Sie hätte sich gewünscht, dass er einige Minuten zu ihr auf die Terrasse gekommen wäre. Vielleicht hatte er keine Lust auf Konversation. Es fiel ihr schwer, sich an seine Launen zu gewöhnen.

Sie wollte in die Küche gehen, um ihn mit einem Frühstück zu überraschen. Frisches Obst und ein warmes Croissant würden seine Laune heben. Und dann würden sie ...

Sie erstarrte.

Ein eiskalter Strom jagte ihr den Rücken hinunter. Ihre Finger krampften sich um die Tasse.

Zwei Männer standen im Raum.

Sie waren ganz in Schwarz gekleidet und trugen Sturmhauben über den Gesichtern, die einzig ihre Augen freiließen.

Sie waren mit kurzläufigen Gewehren bewaffnet. Die Männer schienen nicht überrascht von ihrer Anwesenheit zu sein und waren völlig ruhig und kontrolliert.

Riley öffnete den Mund, doch der größere der beiden hob warnend einen Finger.

Die Geste war beinahe höflich, aber in der Ruhe, in der sie ausgeführt wurde, lag eine unmissverständliche Drohung.

Instinktiv wich Riley zurück, die Teetasse noch in der Hand, als sich hinter ihr eine dritte Gestalt bewegte.

Wie ein Schatten war diese Person plötzlich hinter ihr aufgetaucht, ohne das leiseste Geräusch.

Riley sah zu der Gestalt, die etwas kleiner als die Männer vor ihr war.

Sie wirkte drahtig, fast hager.

Ist das eine Frau?, fragte sich Riley.

Auch sie war völlig in Schwarz gekleidet und trug eine Sturmhaube über ihrem Gesicht. Als Riley der Person in die Augen sah, war sie sich sicher, dass sie eine Frau vor sich hatte.

Riley war von den drei Gestalten umzingelt. Schützend legte sie die freie Hand an ihren Bauch.

»Bitte ... ich ... ich bin schwanger«, flüsterte sie.

Ihre Stimme war kaum hörbar. Ihre Knie zitterten, und sie betete, dass sie nicht einfach unter ihr nachgeben würden.

Die Frau nickte.

»Wir wissen«, flüsterte sie in einem undefinierbaren Akzent.

Der größere Mann trat einen Schritt vor. Riley wankte rückwärts. Ihre Knie gaben nach, sie stolperte nach hinten.

Bevor sie fiel, war die Frau bei ihr und fing sie auf. Sie hatte einen festen Griff, ging aber trotzdem sanft mit ihr um.

»Sie mit uns kommen«, sagte sie ruhig. »Dann Ihnen nichts geschehen.«

»Was ... was wollen Sie?« Rileys Stimme war brüchig. »Geld? Mein Mann ... Leon wird zahlen, was immer Sie verlangen.«

Keine Antwort. Nur ein kurzer Blickaustausch zwischen den dreien.

Der große Mann nickte der Frau zu. Diese griff in ihre Jacke und zog einen kleinen metallischen Zylinder hervor. Ein Injektor!

Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete Riley, wie die Frau den Injektor hochhielt, wie eine Krankenschwester vor der Impfung.

»Beruhigungsmittel«, sagte sie. »Keine Gefahr für Baby.«

»Was? Nein ... bitte nicht!«

Der kalte Stich kam schneller, als Riley reagieren konnte. Ein durchsichtiger Nadelkopf berührte ihren Hals.

Der Schmerz war minimal, kaum mehr als ein Mückenstich.

Sekunden später begann alles zu schwanken. Ihre Beine fühlten sich schwer an. Die Welt verlor an Kontur, als würde sie durch eine dicke gläserne Wand hindurchsehen.

Die Bewegungen um sie herum wurden langsamer.

Der Tee glitt ihr aus der Hand. Der kleinere Mann fing die Tasse im Bruchteil einer Sekunde auf, ohne einen Tropfen zu verschütten.

Ein Teil von ihr war beeindruckt. Dass er sie so geschickt auffing, beruhigte sie auf eine absurde Weise.

Sie wusste, dass dieser Gedanke irrational war. Dass sie in Lebensgefahr schwebte. Dass sie nicht mehr Herrin ihres Körpers war.

Und dennoch war es der letzte Gedanke, den sie klar fassen konnte.

Dann wurde es dunkel.

6:16 Uhr

Die Operation hatte genau neun Minuten und zweiunddreißig Sekunden gedauert.

Vom Betreten des Penthouses bis zur sicheren Verladung der Zielperson war keine einzige Sekunde mehr als geplant vergangen. Die Planung war bis ins kleinste Detail präzise gewesen.

Weder wurde ein Alarm ausgelöst, noch würden in den Sensorlogs der smarten Haussteuerung Auffälligkeiten zu erkennen sein.

Der sogenannte Jammer, ein tragbarer Signalstörer in Zigarettenschachtelgröße, hatte zuverlässig sämtliche WLAN-‍, GPS- und Mobilfunkfrequenzen im Umkreis von fast dreißig Yards lahmgelegt.

Er war gerade lange genug aktiv gewesen, um alle vernetzten Sensoren, Kameras und Bewegungsmelder während der Operation zu neutralisieren, und gleichzeitig kurz genug, um keinen anhaltenden Netzausfall zu erzeugen, der IT-Techniker oder Servicekräfte auf den Plan gerufen hätte.

Wenn später jemand versuchen würde, die Systemprotokolle zu rekonstruieren, würde er lediglich einen flüchtigen Netzverlust feststellen.

Sie verließen das Penthouse auf demselben Weg, auf dem sie gekommen waren: über den Servicelift.

Bereits am Vortag war er manipuliert worden. Nicht durch rohe Sabotage, sondern durch ein kompromittiertes Wartungsupdate der internen Steuerplatine. Der Aufzug hatte sich gegenüber der offiziellen Fahrstuhlsteuerung als nicht verfügbar ausgegeben und war somit für alle anderen Nutzer des Hauses blockiert. So waren sie auch an Leon Marks' Leibwächter vorbeigekommen, der den angeblich nicht funktionierenden Lift nicht überwacht hatte.

Für sie jedoch reagierte er auf ein bestimmtes Signal, gesendet von einem handlichen Controller.

Der Lift fuhr lautlos und ruckfrei in die Tiefgarage.

Auch dort war jede Kameraüberwachung im Vorfeld digital unterwandert worden.

Die Bilder der letzten zwanzig Minuten waren in Echtzeit durch redundante Aufzeichnungen kurz davor ersetzt worden.

Die gespeicherten Videodaten würden bei einer späteren Überprüfung einen leeren Gang zeigen sowie einen leeren Lift und einen leeren Stellplatz.

Vorsichtig verluden sie Riley Marks in den Laderaum eines weißen Lieferwagens. Es war ein Modell, wie es zu Hunderten durch New Yorks Straßen fuhr, unauffällig und ohne Werbung oder Firmenlogos auf den Seiten.

Das Fahrzeug war drei Tage zuvor in New Jersey gestohlen worden. In einer abgelegenen Halle war es neu lackiert, mit gefälschten Kennzeichen versehen und innen so ausgekleidet worden, dass keine Faserspur zurückbleiben konnte.

Die Männer stiegen vorne ins Führerhaus ein. Der kleinere übernahm das Steuer und startete den Motor.

Sie blieb hinten bei Riley.

Sie hatte die Injektion gesetzt und würde auch dafür sorgen, dass Riley während der Fahrt keine Schwierigkeiten machte.

Der Wagen setzte sich langsam in Bewegung, ohne Hektik und ohne quietschende Reifen.

Sie verließen die Tiefgarage und reihten sich in den beginnenden Strom des morgendlichen Berufsverkehrs ein.

Inmitten anderer Lieferwagen, Yellow Cabs und den Autos von Pendlern waren sie nun nichts weiter als Teil des städtischen Berufsalltags.

Im Inneren des Wagens war es kühl.

Riley lag angeschnallt in einer speziell gepolsterten Trage, die den Körper stützte. Ihr Atem war ruhig, aber flach. Das Mittel war exakt dosiert worden.

Sie war bei Bewusstsein, dämmerte jedoch in einem Zustand zwischen Traum und Ohnmacht.

Ihre Muskeln gehorchten ihr nicht mehr, ihre Sinne arbeiteten schwach.

Sie hörte die beruhigende Stimme der Frau. Sie spürte das Vibrieren des Motors und roch das antiseptische Material der Trage, auf der sie lag.

Die Frau überprüfte Rileys Puls mit einem Fingersensor.

»Alles gut«, flüsterte sie.

Riley beruhigten ihre Worte seltsamerweise.

Von vorne aus dem Fahrerhaus erklang die Stimme eines Mannes.

»Phase eins ist abgeschlossen«, sagte er. Es klang ruhig, aber kalt. »Der schwierigste Teil ist geschafft.«

7:02 Uhr

Leon Marks betrat die Küche. Er war barfuß, sein Haar völlig zerzaust. In der Hand hielt er sein Tablet, mit der anderen hantierte er an der Espressomaschine.

Während der Kaffee durchlief, murmelte er etwas über die Börse in Tokio. Als ihm bewusstwurde, dass er ein Selbstgespräch führte, worauf niemand reagierte, sah er auf und machte sich Gedanken um seine Frau.

Schlief Riley noch?

Er wollte sie in ihrem Schlafzimmer aufsuchen und entdeckte ihre Teetasse, die im Wohnzimmer auf dem Tisch stand.

Sie war kalt, es befand sich ein Rest Pfefferminztee darin.

Riley musste also vor ihm aufgestanden sein.

»Riley?«, rief er quer durch das Apartment. »Darling?«

Keine Antwort.

Er bemerkte die offene Terrassentür.

Ein Luftzug blähte sanft die Vorhänge auf.

Er legte das Tablet neben Rileys Tasse auf den Tisch und trat hinaus.

Marks sah sich um, die Terrasse war leer. Ein leises Unbehagen keimte in ihm auf.

Er kehrte in die Wohnung zurück.

»Riley?«, rief er, diesmal lauter.

Er durchsuchte das Schlafzimmer, das Badezimmer, sogar das Gästezimmer.

Leer.

Es war mucksmäuschenstill. Nur die Geräusche der Kaffeemaschine drangen aus der Küche.

Er spürte ein Kribbeln im Nacken.

Riley hätte ihm Bescheid gesagt, wenn sie die Wohnung verlassen hätte, oder ihm zumindest eine Nachricht hinterlassen!

Er griff nach seinem Handy und rief sie an. Der Klingelton kam aus dem Schlafzimmer.

Marks betrat es mit einem dumpfen Druck in der Brust und starrte auf das Smartphone seiner Frau, dessen leuchtendes Display höhnisch vom Nachtkästchen zu ihm herüberstrahlte.

Sein Magen zog sich zusammen. Der Raum schien plötzlich enger zu werden.

Leon Marks, Multimilliardär, CEO eines der mächtigsten Tech-Unternehmen der Welt, stand in seiner eigenen Wohnung und war den Tränen der Verzweiflung nahe.

Er wusste, dass Riley etwas Furchtbares zugestoßen sein musste.

Marks nahm sein Tablet wieder zur Hand und öffnete die App, mit der er die Webcams seines Penthouses steuerte.

Sie überwachten fast jeden Quadratinch seiner Wohnung.

Wenn Riley gegangen war, müsste darauf zu sehen sein, wann genau das gewesen war.

Doch Riley hatte die Wohnung nicht verlassen.

Der Zeitstempel der Kameraaufzeichnung zeigte, dass Riley um 5:42 Uhr auf die Terrasse hinausgegangen war.

Siedendheiß kam ihm der irrationale Gedanke, dass sie von der Brüstung gefallen oder gar gesprungen sein könnte.

Er ließ das Tablet fallen, das scheppernd auf dem Boden aufprallte, und rannte auf die Terrasse hinaus.

Er rief ihren Namen und stürzte regelrecht an die Brüstung, um nach unten zu sehen.

Marks war sich sicher, dass er gleich den völlig zerschmetterten Körper seiner toten Frau auf der Straße unter ihm sehen würde – doch nichts!

Nur Asphalt. Autos. Fußgänger.

Leon Marks atmete tief durch.

Alles drehte sich um ihn, er schüttelte den Kopf. Was war mit Riley passiert? Wo war sie hingegangen?

Er kehrte in die Wohnung zurück, hob das Tablet auf und sah sich die Aufzeichnung noch einmal an.

Und nun bemerkte er einen Fehler.

Riley hatte ihre Teetasse in der Hand, als sie auf die Terrasse hinausgetreten war.

Dieselbe Tasse stand auf dem Tisch vor ihm. Sie musste noch einmal im Wohnzimmer gewesen sein, um die verdammte Tasse dort abzustellen.

Riley kam nicht mehr ins Bild zurück.

Dennoch, auf einmal stand die Tasse wieder auf dem Tisch.

Leon Marks erschrak regelrecht, als sie im Video wie aus dem Nichts erschien.

Jetzt erst achtete er auf den Zeitstempel.

Bevor die Tasse auftauchte, machte die Zeit einen Sprung. Es fehlten fast zehn Minuten!

Marks ließ sich schwer auf die Couch fallen.

Langsam dämmerte ihm, was in seinem Penthouse passiert sein musste.

Seine Frau war verschwunden, und auf der Aufzeichnung fehlten zehn Minuten.

Das konnte kein Zufall sein. Irgendjemand hatte das System manipuliert.

Konnte es sein, dass ...? Ja.

Je länger er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm: Riley war entführt worden.

Er zitterte am ganzen Körper.

Wie konnte das geschehen sein? Das ganze Haus und vor allem das Penthouse waren abgesichert.

Die gesamte Technik, die sein Heim überwachen und vor ungebetenen Gästen schützen sollte, stammte aus seinem eigenen Unternehmen.

Und dennoch, Riley Marks war verschwunden.

Zum ersten Mal in seinem Leben wusste Leon Marks nicht, was er als Nächstes tun sollte.

9:14 Uhr, Jacob K. Javits Federal Building, New York

Der große Besprechungsraum im dreiundzwanzigsten Stockwerk des Jacob K. Javits Federal Building platzte an diesem Morgen aus den Nähten.

Bis zum letzten Platz hatten sich die Special Agents des New Yorker Field Office darin eingefunden.

Die Atmosphäre war gespannt. Immerhin kam es nicht jeden Morgen vor, dass unser Chef Mr High alle verfügbaren Ermittler zu einer kurzfristig einberufenen Lagebesprechung einlud.

Wie in einer Schulklasse saßen wir in Reihen hintereinander. Einige Kollegen versuchten, ihre Nervosität mit Scherzen zu überspielen.

Auch die Tatsache, dass sich Mr High selbst noch nicht hatte blicken lassen, regte zu Spekulationen und Theorien an.

Die beiden Kollegen, die direkt vor Phil und mir saßen, mutmaßten flüsternd über einen möglichen Terroranschlag oder zumindest die drohende Gefahr eines solchen.

Phil wurde neugierig und scrollte neben mir auf seinem Smartphone durch die Nachrichten, in der Hoffnung, einen Hinweis auf den Auslöser dieses eilig einberufenen Meetings zu finden.

Endlich betrat Mr High den Raum. Die Gespräche verstummten. Nur gelegentliches Räuspern durchbrach die Stille, während unser Chef an den Stuhlreihen vorbeiging und vor uns allen Aufstellung nahm.

Phil steckte sein Handy in die Innentasche seines Jacketts und wartete ebenso gespannt wie ich, mit welcher Nachricht uns Mr High heute überraschen würde.

»Bitte verzeihen Sie meine Verspätung«, begann Mr High. »Ich hatte eben noch Director Fuller am Telefon.«

Sein Blick glitt über die Reihen der Frauen und Männer, die gespannt auf eine Erklärung warteten.

Er nickte Dr Ben Bruckner zu, der vor ihm in der ersten Reihe saß. Ben schien bereits über Informationen zu verfügen, die uns bisher verwehrt geblieben waren.

Ben wischte auf seinem Tablet herum, und auf dem großen Bildschirm an der Wand hinter Mr High erschien das Gesicht eines Mannes, der nach dem US-Präsidenten wohl aktuell der bekannteste Mann der USA war: Leon Marks.

»Vor etwas mehr als einer Stunde hat Marks Kontakt mit der Polizei aufgenommen. Seine Frau Riley Marks ist spurlos aus ihrem gemeinsamen Apartment verschwunden. Obwohl die Wohnung und der Rest des Hauses videoüberwacht werden, gibt es keine Kamerabilder und bislang auch keine anderen verwertbaren Hinweise.«

Gemurmel brandete auf.

»Bevor Sie fragen, Agents, nein, Riley Marks hat das Penthouse sehr wahrscheinlich nicht freiwillig verlassen. Denn kurz bevor ich diese Besprechung einberufen habe, erhielt Leon Marks eine Nachricht. Es handelt sich um eine Lösegeldforderung. Die Entführer wollen hundert Millionen Dollar in Kryptowährung.«

»Hundert Millionen?«, flüsterte Phil mir zu. »Da bekommt wohl jemand den Hals nicht voll.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Kommt darauf an, wen man fragt. Leon Marks zahlt das locker aus seiner Portokasse.«

Ich sah aus dem Augenwinkel, dass jemand die Hand hob. Es war Joe Brandenburg.