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Wir hatten die entführte Riley Marks endlich gefunden. Sie war jedoch seit Stunden tot! Ihr Entführer hatte sie mit einem einzigen Schuss in die Brust hingerichtet. Damit hatte er nicht nur sie, sondern auch ihr ungeborenes Kind getötet. An ihrer Leiche schwor ich, dass wir ihren Mörder finden und zur Strecke bringen würden. Und nur wenig später war es so weit ...
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Caine, der Rächer
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Caine, der Rächer, hatte auf der Brooklyn Bridge auf uns gewartet. Der Auftritt des völlig in Schwarz gekleideten und mit einer Sturmhaube vermummten Mannes war bis ins kleinste Detail inszeniert und wurde von einer Kameradrohne live ins Netz übertragen – in die ganze Welt.
Aufrecht und erhaben stand er da, während sein Opfer gefesselt und mit blutender Stirn neben ihm auf dem Asphalt saß. Bei dem Gefesselten handelte es sich um Leon Marks, Tech-Tycoon, einem der mächtigsten und reichsten Männer der Welt.
Um seine Brust war ein Sprengstoffgürtel geschnallt. Den Zünder hielt Gabriel Caine in der Hand.
Er drohte damit, die Brücke und jeden, der sich darauf befand, in die Luft zu jagen, also auch Phil und mich ...
Caine schüttelte den Kopf. »Wir sind noch lange nicht fertig.«
»Was wollen Sie noch, Caine?«, fragte Phil. »Sein Blut? Sollen wir alle hier auf der Brücke hochgehen? Wir haben jetzt die Wahrheit. Sie haben bekommen, was Sie wollten.«
Caine sah Phil an. Dann mich. Dann Marks.
Er blickte direkt in die Kamera an der Drohne und nickte leicht.
Die Drohne machte plötzlich kehrt und schwebte fast lautlos davon.
Caine senkte den Blick. Er hob beide Hände. Sein Daumen blieb auf dem Schalter.
»Nehmt ihn. Ich bleibe hier. Wenn einer von euch näher kommt, fliegt alles in die Luft.«
Caine sah mir durch die Öffnungen seiner Maske direkt in die Augen.
»Holt ihn euch.« Er ging drei Schritte nach hinten von Leon Marks weg.
Phil atmete hörbar neben mir auf. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu dem Gefangenen, der mit gesenktem Kopf auf dem Asphalt der Brooklyn Bridge saß.
Seine Hände waren an den Rücken gefesselt. Phil und ich zogen ihn vorsichtig links und rechts hoch. Der Sprengstoffgürtel um seine Brust hielt ihn umklammert.
Caine stand einen knappen Yard vor uns.
»Und Sie, entschärfen Sie bitte die Bombe, und kommen Sie mit uns mit.«
Gabriel Caine sagte kein Wort.
Er starrte uns durch die Augenöffnungen seiner Maske hindurch kalt an.
Er atmete langsam ein. Und aus.
Die Fernzündung in seiner Hand war scharf. Er hielt den Daumen darauf und schüttelte den Kopf.
»Das reicht nicht«, sagte er mir sachlicher Stimme. »Die Gerechtigkeit endet nicht mit seinem Geständnis.«
Er hob den Blick, sah mich an.
»Caine, hören Sie mir zu«, sagte ich so ruhig, wie es mir möglich war.
Der Wind kehrte zurück und zerrte an unseren Kleidern, ließ seinen langen Mantel flattern.
Leon Marks wimmerte in unserem Griff.
Caine schloss die Augen. Nur für eine Sekunde.
Als er sie öffnete, brach die Hölle los.
Sein Daumen löste sich vom Schalter in seiner Hand.
Ein Donnerschlag zerriss die Luft, und alles ging in einem gleißenden Licht unter.
Sieben Jahre zuvor
Der Staub lag wie ein grauer Schleier über allem.
Ihre Stiefel wirbelten kleine Wolken auf, während sie endlich die ersten Ausläufer der ehemaligen Siedlung erreichten.
Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel. Es war so heiß, dass sich der Staub mit dem Schweiß auf Gabriel Caines Haut vermischte.
Er gab den Befehl zum Anhalten und sah sich zu seinen Männern um, die der Staub ebenso grau wie ihn selbst gemalt hatte.
Caine kniff die Augen zusammen und betrachtete die verlassenen Hütten aus Lehm und Wellblech.
Nichts bewegte sich. Bis auf die Türen, die im heißen Wind aufschwangen und zufielen.
Die Bevölkerung war vor Monaten evakuiert und dieses Gelände als Testgelände für die U. S. Army okkupiert worden.
Er griff zu seiner Feldflasche und gönnte sich einen Schluck. Als er die Flasche an seine Hüfte zurückhängen wollte, glaubte er das Lachen eines Kindes zu hören.
Ganz kurz nur, aber es reichte aus, um Caines Alarmglocken zum Läuten zu bringen.
»Haben Sie das auch gehört, Lieutenant?«, fragte Caine den Mann neben ihm.
»Was meinen Sie, Sir?«
Caine schüttelte den Kopf. Das hatte er sich doch nicht eingebildet, oder?
Wurde er zu alt für den Job und begann tatsächlich hier draußen in dieser von Hitze und Staub geprägten Einöde den Verstand zu verlieren?
Nein, er glaubte nicht daran und hob die Hand. Er gab das Zeichen zur Warnung.
Sein Team bestand aus zwölf Männern. Sie waren allesamt Profis und brachten sofort ihre Waffen in Anschlag.
»Zentrale, hier Team Alpha«, murmelte Caine ins Headset seines Funkgeräts. »Bitte um Bestätigung: Handelt es sich beim Zielgebiet tatsächlich um ein evakuiertes Testgelände?«
»Bestätigt.«
Caine schüttelte den Kopf. Soeben hatte er eine Bewegung hinter einem der Fenster erkannt.
»Ich bin dafür, dass wir den Test abbrechen«, sagte er ins Mikrofon. »Ich habe keine Ahnung, warum, aber es befinden sich Menschen auf dem Testgelände. Ich schlage eine vorherige Aufklärung und eventuelle Evakuierung der Umgebung durch mein Team vor.«
»Negativ. Der Test ist bereits angelaufen. Ihre Sorge ist unbegründet, das Gebiet wurde evakuiert und mehrmals geprüft.«
Wie um endgültig Bestätigung zu erhalten, sprang plötzlich die Tür einer der Lehmhütten auf, und zwei Jungen, acht oder neun Jahre alt, liefen aus dem Haus.
Caine rann ein kalter Schauer über den Rücken.
»Aufenthalt von Zivilisten bestätigt. Sichtkontakt!«, gab er mit scharfem Ton per Funk durch. »Wie müssen abb...«
Ein dumpfer Knacklaut erklang, als bräche die Frequenz zusammen, und er erhielt nur noch statisches Rauschen als Antwort.
Caine wechselte den Kanal. Er versuchte, wieder zur Zentrale durchzukommen.
»Funkprobleme?«, fragte Lieutenant Reyes leise.
Caine nickte. »Teilen Sie den Männern mit, dass wir den Test abbrechen. Ich nehme das auf meine Kappe. Das Dorf ist bewohnt. Ich habe keine Ahnung, was der Stab vorhat. Hier können wir auf keinen Fall weitermachen. Geben Sie das an die Männer weiter, ich versuche weiterhin, die Zentrale zu erreichen.«
Reyes nickte und kehrte zurück zu den Männern, die auf weitere Befehle warteten.
Während Caine die Stimmen seiner Männer im Hintergrund hörte, funkte er.
Inzwischen trug der Wind immer mehr Stimmen spielender Kinder zu ihnen herüber. Er hoffte, dass die Zentrale seinen letzten Funkspruch aufgefangen hatte.
Funkprobleme bedeuteten in dieser Gegend entweder Sandsturm oder Störsender.
Caine sah sich um. Der Wind trieb zwar Staub und Sand vor sich her, von einem Sandsturm konnte aber nicht die Rede sein.
Hatte die Zentrale Störsender eingesetzt?
Caine spürte, wie sich ihm der Magen zusammenzog.
Etwas stimmte nicht.
Ein leises Summen vibrierte durch die Luft.
Zuerst dachte er, es wäre nur der Wind. Dann hörte er es deutlicher. Er warf einen Blick nach oben.
Zwei, drei, ein ganzes Dutzend dunkler Punkte schälten sich aus dem gleißenden Himmel.
Die Drohnen waren unterwegs! Schnell und wendig, jede kaum größer als ein Rucksack.
»Achtung, Zentrale! Ziehen Sie die Lufteinheiten über uns wieder ab! Sie gefährden Zivilisten!«, bellte Caine ins Funkgerät, obwohl er ahnte, dass ihm niemand antworten würde.
Caine sah die unabwendbare Katastrophe bereits vor seinem inneren Auge.
Die Drohnen glitten summend wie ein Hornissenschwarm über ihren Köpfe hinweg auf die Siedlung zu.
Das Summen schwoll an, und das Geräusch fraß sich in seine Knochen.
»Captain, wie lauten Ihre Befehle?«, fragte Sergeant Holt, der zu ihm gelaufen war und nun neben ihm kauerte.
»Wir müssen die Menschen in der Siedlung warnen. Irgendetwas läuft schief. Entweder wurde das Dorf gar nicht evakuiert, oder man hat uns zum falschen Ort geschickt.«
»Warnschüsse?«, fragte Holt.
Caine nickte, und Holt gab mehrere Feuerstöße in die Luft ab.
Plötzlich klackte etwas in der Luft. Ein schnappendes metallisches Geräusch, scharf wie das Durchladen einer Waffe.
Eine der vorbeigezogenen Drohnen kehrte um. Die erste Rakete schlug neben Caine ein und zerfetzte Sergeant Holt.
Caine reagierte einen Sekundenbruchteil zu spät.
»In Deckung!«, brüllte er, während er Holt am Kragen packte und ihn hinter eine Mauer zog.
Er bemerkte erst als er selbst am Boden lag, dass er nur den Torso des Sergeants mit sich gezogen hatte.
Caine stieß den blutigen Oberkörper von sich und lugte aus seiner Deckung hervor.
Er traute seinen Augen kaum. Die Drohnen hatten sich in zwei Gruppen aufgeteilt. Die größere, etwa acht dieser gefährlichen Waffen, kehrten zu Caine und seiner Einheit zurück.
»Verdammt, sie halten uns für Feinde!«
Die Drohnen schwärmten über ihren Köpfen aus, und Feuerstöße entluden sich.
Caine hörte die panischen Schreie der völlig überraschten Bewohner. Das Weinen von Frauen und Kindern drang an seine Ohren.
Caines Männer setzten sich zur Wehr und schossen mit ihren Gewehren auf die tödlichen Fluggeräte.
Caine verfolgte aus seiner Deckung heraus, wie ein Projektil in das Haus neben ihm einschlug und Trümmer und Staub in die Luft schleuderte.
Sie befanden sich zusammen mit den unschuldigen Zivilisten in einer grauen Hölle.
Die Drohnen kannten keine Gnade.
»Zurückziehen!«, brüllte Caine, in der Hoffnung, dass die KI den Rückzug erkennen und die Drohnen aufhören würden, auf seine Männer zu schießen.
Eine weitere Explosion schleuderte Sergeant Pike durch die Luft.
Die Einschläge der Projektile kamen immer näher. Caine versuchte verzweifelt, seine Deckung zu wechseln.
Er sprang aus der Hocke und hetzte geduckt zu dem schwer verletzten Pike hinüber. Das Summen der Drohnen hatte er wie einen Schwarm wütender Hornissen im Nacken.
Endlich packte er Pike am Gurt und schleifte ihn hinter eine zerborstene Mauer.
»Pike! Halten Sie durch, das ist ein Befehl!«, keuchte er, während er hektisch Pikes Wunden überprüfte.
Aber er sah es in seinen Augen.
Auch Pike war tot.
Caine presste die Zähne zusammen, zwang sich auf die Beine.
»Alpha-Team!«, brüllte er über das Chaos hinweg. »Raus aus dem Zielgebiet! Zurück zur Evakuierungszone, verdammt noch mal!«
Reyes und zwei andere tauchten aus der Staubwolke auf, rannten, feuerten blind nach oben.
Eine Drohne explodierte mit einem metallischen Klirren, taumelte brennend vom Himmel.
Sie hetzten durch die engen Gassen der Siedlung, sprangen über umgestürzte Wände, duckten sich unter zerschossenen Balken hindurch.
Die Drohnen jagten sie erbarmungslos.
Dawson stolperte über einen herausragenden Balken, kaum einen Herzschlag später bohrte sich ein Geschoss in seinen Rücken.
Er schrie nicht einmal mehr.
Caine zwang sich, nicht hinzusehen.
»Weiter!«, röhrte er, spürte das Adrenalin durch seine Adern jagen.
Die Evakuierungszone war vielleicht noch fünfhundert Yards entfernt. Es handelte sich um eine kleine Anhöhe, wo sie ihr Extraktionsheli erwarten sollte.
Mit jedem Schritt wurde ihm klarer, wie schwer es sein würde, dieses Ziel zu erreichen.
Eine Salve sirrte knapp an seinem Kopf vorbei und riss Splitter aus der Mauer neben ihm.
Er fühlte einen stechenden Schmerz an der Seite. Er taumelte, geriet ins Straucheln, schlug schwer auf dem Boden auf.
»Caine!«, hörte er Reyes rufen.
Er wollte antworten, bekam kaum Luft.
Die Welt drehte sich um ihn herum.
Sand, Blut und Rauch verschwammen zu einem wirbelnden Strudel.
Durch tränende Augen sah er, wie sich Reyes, Paxton und McCready um ihn scharten, Feuerstöße abgaben, Deckung suchten.
Sie hätten einfach weiterlaufen können, doch sie blieben bei ihm.
Ein Moment, der ihn mit stolzem Schmerz erfüllte, aber auch mit Verzweiflung.
Denn die Drohnen ließen ihnen keine Chance.
Ein Projektil traf McCready in die Brust. Er fiel rückwärts in den Staub, die Waffe noch in den Händen.
Paxton brüllte auf, riss eine Granate aus seiner Weste und warf sie mit letzter Kraft Richtung Angreifer. Ein Projektil drang durch seine Kehle hindurch.
Nur Reyes befand sich noch neben Caine.
»Halten Sie durch, Captain!«, keuchte er, griff unter seine Arme und schleifte ihn weiter.
Caines Beine gehorchten ihm nicht mehr. Blut rann warm an seiner Hüfte hinab.
Er hob den Blick.
Eine der größeren Drohnen schwebte über ihnen.
»Reyes ...«, brachte er hervor.
Reyes ließ Caine fallen, riss seine Waffe hoch und feuerte.
Reyes ging unter einem einzigen präzisen Treffer zu Boden und war bereits tot, bevor er ihn berührte.
Caine lag da, unfähig sich zu bewegen, unfähig zu schreien, und schaute dabei zu, wie der letzte seiner Männer fiel. Er hatte zusehen müssen, wie sein gesamtes Team ausgelöscht worden war.
Er erwartete selbst den Tod. Die Drohne entfernte sich und flog auf die Siedlung zu, um dort ein weiteres Blutbad anzurichten.
Immer noch drangen die Todesschreie von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern an Caines Ohren.
Seine Welt bestand nur noch aus Blut, Sand und dem Geschmack von Eisen auf seiner Zunge.
Wahrscheinlich hatte die Drohne ihn für tot gehalten und war deshalb weitergezogen.
Es dauerte nicht lange, da legte sich Stille über das Schlachtfeld. Eine grausame, endgültige Stille, nur durchschnitten vom bösartigen Summen der Drohnen, die sich zurückzogen.
Endlich, nach einer langen Weile, die er in Bewusstlosigkeit verbracht haben musste, spürte Caine Hände an seinen Schultern.
Er hörte undeutliche Stimmen.
Er erkannte Helme und Uniformen.
Er wurde auf eine Trage gehoben, der Schmerz ließ ihn aufstöhnen.
Er blickte nach oben und sah einen Hubschrauber, der über ihm schwebte.
Jemand drückte ihm eine Maske aufs Gesicht. Sauerstoff.
Er wollte sie wegschlagen. Er wollte aufstehen, schreien, kämpfen. Aber er hatte keine Kraft mehr.
Seine Lider wurden schwer.
Bevor er noch einmal das Bewusstsein verlor, formte sich ein letzter Gedanke in seinen Kopf.
Das war kein Unfall.
Das war kein Irrtum.
Das war Mord.
Und der Mann, der diese verdammten Maschinen gebaut hatte, würde dafür bezahlen.
Leon Marks.
Egal, wie mächtig er war.
Egal, wer ihn beschützte.
Egal, wie lange es dauern würde.
Er würde ihn finden.
Und er würde ihm alles nehmen, was er liebte.
Alles.
Heute
Eine Stichflamme schoss senkrecht hoch. Die Hitze und die Druckwelle trafen mich wie ein Vorschlaghammer gegen die Brust.
Ich wurde hochgehoben und nach hinten geschleudert. Instinktiv riss ich die Arme vors Gesicht. Hart landete ich auf dem Rücken.
Schwarze Rauchwolken trieben über den Asphalt auf mich zu. Meine Augen tränten, und die Wucht des Aufpralls sorgte einen Moment lang dafür, dass ich mich völlig hilflos und desorientiert fühlte.
Meine nächsten Gedanken schossen wie Blitze durch meinen Kopf. Bilder einer schwankenden Brücke flackerten darin auf. Wie sie unter der Wucht der Explosion in sich zusammenkrachte und ihre Trümmer in den East River stürzten.
Nichts davon geschah.
Der Boden unter mir bebte zwar, doch der Einsturz blieb aus.
Waren die Brücke und die Menschen darauf außer Gefahr? Ich wusste es nicht, aber ich schöpfte Hoffnung.
Das Adrenalin in meinem Körper verlieh mir die Kraft, mich in eine sitzende Position aufzurichten.
Ich schüttelte den Kopf, als könnte ich dadurch meine Gedanken sortieren. Für einen Moment war da nichts als dieses schrille, stechende Pfeifen in meinen Ohren, das jeden anderen Laut verschluckte.
Ich versuchte aufzustehen, mein Körper reagierte träge. Die Ränder meines Blickfelds flimmerten.
Ich blieb auf dem Asphalt sitzen.
Langsam drangen Geräusche zu mir durch. Gedämpft und verzerrt, als säße ich auf dem Grund eines Swimmingpools.
Ich hörte Rufe. Kommandos. Das metallische Klacken entsicherter Waffen. Schritte, die hastig über Asphalt eilten.
Jemand rief meinen Namen. Ich hob den Kopf.
Leon Marks lag neben mir. Sein rußverschmiertes Gesicht ließ nicht erkennen, ob er lebte.
Die Weste um seinen Oberkörper war zu meinem Erstaunen unversehrt. Leon Marks war nicht zerrissen worden. Was war dann tatsächlich in die Luft geflogen?
Ein Beamter in Schutzweste und Helm warf sich neben Marks auf die Knie und zerrte mit zitternden Händen an der Bombenweste herum.
Sekunden später starrte er mich fassungslos an. »Das ist eine Attrappe!«
Es waren die ersten Worte, die ich deutlich vernahm.
Phil tauchte in meinem Blickfeld auf. Ich atmete auf.
»Alles gut, Jerry?«, fragte er mit besorgter Miene.
Ich schalt mich innerlich dafür, dass ich nicht sofort nach ihm gesehen hatte.
Aber Phil war in Ordnung, und nachdem ich den Daumen gehoben hatte, kniete er sich neben den reglosen Marks.
Phil fuhr sich mit einer blutverschmierten Hand durchs Gesicht.
»Er war's nicht«, murmelte er. »Das war nicht seine Weste, die hochgegangen ist.«
Sanitäter waren auf einmal um mich herum und halfen mir auf die Beine. Taumelnd blieb ich zwischen ihnen stehen.
Mein Blick huschte über die Brücke. Der Wind vertrieb die sich kräuselnden Rauchfahnen in den wolkenlosen Himmel.
Was, zum Teufel, war hier in die Luft geflogen, wenn nicht Marks' Weste? Hatte Caine sich etwa selbst in die Luft gesprengt?
Ich sah zu der Stelle hin, an der vor wenigen Minuten unser Widersacher gestanden hatte.
Da war nichts.
Kein zerfetzter Körper, nicht einmal ein Tropfen Blut.
»Verdammt!«, fluchte ich und schwankte an den immer zahlreicher werdenden, Polizeibeamten und Rettungskräften vorbei.
Ich erreichte den Rand der Brücke, griff mit beiden Händen in das Gitter auf dem Geländer und blickte so gut es ging über die Brüstung.
Unter mir war nichts. Nur graues Wasser, das unruhig dahinfloss.
Ich fluchte keuchend.
Phil trat neben mich. Stumm sah er wie ich auf das Wasser des East River unter uns.
»Er hat uns verarscht, Phil«, sagte ich leise. »Der Bastard hat uns mit einem Zaubertrick überlistet.«
