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Autoaufbrüche waren im Big Apple ein ebenso großes Problem wie in anderen Metropolen. Allerdings sorgte ein Fall für besondere Aufmerksamkeit. Ein Autoknacker war vor einem Officer des NYPD zu einem verlassenen Haus in der Bronx geflohen, das unmittelbar darauf in die Luft flog. Darin entdeckten die Beamten ein Lager der Droge Fentanyl - und ein weiteres Opfer. Was zunächst nach einer Drogenermittlung aussah, entpuppte sich als Hetzjagd auf einen rücksichtslosen Schwerverbrecher, der im Gangstermilieu New Yorks eine steile Karriere anstrebte und dabei vor nichts zurückschreckte ...
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Seitenzahl: 145
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Aufstieg in die Hölle
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
»Es geht los«, sagte Officer David Rodriguez. »Da sind sie.«
Er saß neben seinem Kollegen Allan Smith auf dem Fahrersitz des Streifenwagens, der im Schatten zwischen zwei Straßenlampen geparkt war.
»Wo?«, fragte Smith. »Ich sehe nichts.«
»Dann mach die Augen auf, verdammt!«, zischte Rodriguez.
Smith war ein Greenhorn und erst seit einem Monat dabei. Leider bemerkte man seine Unerfahrenheit bei jeder Gelegenheit nur zu deutlich.
Bevor Smith etwas erwidern konnte, heulte vor ihnen eine Alarmanlage auf, und die Lichter eines geparkten Toyota begannen rhythmisch zu leuchten.
»Scheiße, du hast recht«, stieß Smith hervor, während Rodriguez den Motor startete.
Der weiß-blaue Streifenwagen schoss auf die enge Straße.
Es waren etwa hundert Yards bis zu einer Einmündung. Jenseits davon befand sich ein ausgedehntes Sportgelände, das jetzt, mitten in der Nacht, dunkel dalag. Davor reihten sich Parktaschen aneinander.
An einer hatte Rodriguez gesehen, wie sich im Dunkeln ein paar Gestalten zusammengerottet hatten. Eine hatte mit so etwas wie einem Brecheisen ausgeholt und die Seitenscheibe des Toyota zertrümmert.
Smith checkte so was natürlich nicht.
Smith war praktisch blind.
Als der Streifenwagen an dem Parkstreifen stoppte, waren die Typen in verschiedene Richtungen auseinandergestoben. Einer hatte den Fehler begangen, an dem Zaun des Sportplatzes hochzuklettern.
»Den schnapp ich mir!«, rief Rodriguez. »Informier die Kollegen!«
Smith rief ihm etwas hinterher. Wahrscheinlich brauchte er Hilfe bei der Bedienung des Funkgeräts. So ein Idiot.
Er würde einen von den Typen schnappen, die hier in seinem Revier in der West Bronx ständig Autos aufbrachen. Der würde auspacken und die Namen der anderen Bandenmitglieder nennen.
Rodriguez hätte endlich mal wieder bei Captain Bannister, dem Chef des 48. Reviers, einen Punkt gemacht. Und vielleicht konnte er den Captain dann dazu bringen, ihm einen anderen Partner zuzuteilen als diesen Versager. Oder eine Partnerin. Das wäre Rodriguez noch lieber.
Jetzt musste er erst mal diesen Zaun hochklettern.
Gerade als er damit begann, hatte es der Typ in dem Maschengeflecht ganz nach oben geschafft. Er trug einen Kapuzenpulli, der sein Gesicht verdeckte.
Rodriguez konnte an seinen Bewegungen erkennen, dass er jung war, höchstens zwanzig. Fünfzehn Jahre lagen zwischen Rodriguez und dem Kerl. Rodriguez hatte jedoch keinen Termin beim Polizeisport ausgelassen.
Der Autoknacker machte sich nicht die Mühe, auf der anderen Seite hinunterzuklettern, sondern sprang. Zehn, fünfzehn Fuß waren das. Als er aufkam, schrie er kurz auf. Doch als er losrannte, war er verdammt schnell. Er hatte sich nicht verletzt.
»Stehen bleiben, du hast keine Chance!«, schrie Rodriguez der Gestalt hinterher, die jetzt in den dunklen Bereich eintauchte.
Er sprang hinterher. Ihm wurde klar, wie lächerlich das geklungen hatte. Egal, er musste dranbleiben.
Die Figur mit dem Kapuzenshirt erreichte die andere Seite des Sportgeländes. Mindestens fünfzig Yards lagen zwischen ihm und dem Verbrecher.
Gerade tauchte der Typ wieder in einen helleren Bereich ein. Der Schein einer Straßenlampe, deren Licht von einigen Bäumen getrübt wurde, drang bis zu ihm hin.
Rodriguez rannte weiter und erkannte, warum gerade diese Stelle das Ziel des Autoknackers war. Es gab auf dieser Seite des Geländes ebenfalls einen Zaun. Der war an einigen Stellen kaputt, man brauchte nicht zu klettern. Man musste nur hindurchschlüpfen.
Dahinter lag die nächste Straße, gesäumt von kleinen Wohnhäusern auf der anderen Seite. Wenn der Typ es erst einmal bis dahin geschafft hatte, war er über alle Berge. Rodriguez würde zurück zum Streifenwagen laufen und Smith von seinem Misserfolg erzählen müssen. Und dann noch mal Captain Bannister.
Allein der Gedanke mobilisierte in Rodriguez weitere Kräfte. Er holte mächtig auf.
Er war nur noch zehn, fünfzehn Yards entfernt, als der Typ durch das Loch im Zaun steigen wollte. Rodriguez jubelte innerlich, als er sah, wie sich das Kapuzenshirt in den drahtigen Maschen verfing.
Er hörte den Autoknacker, der an dem Kleidungsstück zerrte, fluchen. Mit einer einzigen Bewegung riss sich der junge Mann los. Das Shirt blieb am Zaun hängen.
Rodriguez war nicht nah genug dran, um ihn zu packen.
Zumindest würde er nicht ohne eine Trophäe nach Hause gehen. In so einem verschwitzten Shirt steckten genug Spuren, die man mit der Verbrecherdatenbank abgleichen konnte.
Er war sich sicher, dass es da einen Treffer geben würde. Die Typen, die seit Wochen die West Bronx unsicher machten, waren alles andere als Anfänger.
Das Kapuzenshirt war dunkel. Das T-Shirt, das der Typ darunter trug, weiß.
Bestens zu sehen.
Bestens zu verfolgen.
Abgesehen davon, dass es jetzt genug Licht gab. Die Chancen des Autoknackers schwanden. Rodriguez, langsam, aber sicher außer Atem, überlegte, ob er einen Warnschuss abgeben sollte.
Der Typ hielt an. Dann sprang er über einen niedrigen Vorgartenzaun und verschwand im Schatten eines Wohnhauses. Hinter den Fenstern war es dunkel. Der Vorgarten war verwildert. In der Garageneinfahrt hatte Unkraut das Terrain erobert.
Rodriguez war lange genug Cop, um mit einem Blick zu sehen, dass das Haus wahrscheinlich unbewohnt war.
Hatte der Autoknacker dort sein Domizil? Oder spekulierte er nur darauf, dass ihm Rodriguez nicht ins Innere des Gebäudes folgen würde?
Als er das Haus erreicht hatte, aktivierte er das Funkgerät auf Höhe seines Schlüsselbeins, gab die Adresse durch und forderte Verstärkung an.
Das Kapuzenshirt.
Die Adresse.
Das waren schon zwei Hinweise, die er nun vorzuweisen hatte.
Gut gemacht, lobte er sich innerlich.
Er zog seine Dienstwaffe. Wenn er das richtig gesehen hatte, war der Typ neben dem Gebäude in dem schmalen Durchgang verschwunden, der zwischen Garage und Haus auf die Rückseite führte.
Den Bereich vor sich mit der Pistole sichernd, schlich Rodriguez weiter. Er erreichte das hintere Ende des Hauses und blickte um die Ecke.
Da stand der Typ im T-Shirt. Rodriguez konnte wenig erkennen. Nur, dass er eine Waffe in der Hand hatte, die er auf Rodriguez gerichtet hielt.
»Mach keinen Mist«, sagte Rodriguez. »Leg die Pistole hin. Wenn du schießt, wird alles noch viel schlimmer. Verstärkung ist unterwegs.«
Der Typ war wie erstarrt.
Er schien darüber nachzudenken, was Rodriguez gesagt hatte.
Und er schien zu einem Ergebnis zu kommen.
Rodriguez sah sogar, wie er den Mund bewegte.
Was er sagte, bekam er nicht mehr mit.
Eine Explosion riss das Haus nieder.
Für einen Moment blendete Rodriguez eine helle Flamme. Dann wurde alles dunkel.
»Guten Morgen, ihr beiden«, begrüßte uns unser Kollege Steve Dillaggio, als Phil und ich aus dem Aufzug stiegen. Er hatte Papierkram in der Hand und befand sich offenbar auf dem Weg zu unserem Chef Mr High. »Alles im grünen Bereich?«
»Stau wie immer«, brummte ich. »Ansonsten bin ich richtig froh, dass Montag ist. Das Wochenende war so was von langweilig.«
Steve grinste. »Bei mir nicht. Ich habe eine neue Bar ausprobiert. Upper West Side. Ganz in der Nähe deines Apartments, Jerry. Und du glaubst nicht, wen ich da kennengelernt habe ...«
»Und das nennt man Kollege«, sagte Phil mit gespielter Entrüstung. »Wieso hast du uns nicht Bescheid gesagt? Wir wären mitgekommen. Und wie heißt sie? Susi? Jane? Oder wie deine letzte Bekanntschaft ... Ich komme gerade nicht auf den Namen.«
Steve grinste anzüglich.
»Vielleicht erzähle ich es euch noch«, erklärte er verheißungsvoll. »Erst mal schauen, ob sie nächstes Wochenende wieder dort ist. Ich hab jetzt zu tun.« Er wischte eine Strähne seines hellblonden Haars zurecht und ging weiter.
Wir sahen ihm nach, bis er in Mr Highs Vorzimmer verschwunden war. In unserem Gemeinschaftsbüro fuhren wir die Computer hoch. Die Geräte hatten gerade unsere Passwörter entgegengenommen, da klingelte mein Festnetztelefon neben der Tastatur.
Es war Mr High, der uns bat, ebenfalls zu ihm zu kommen.
»Wahrscheinlich hat Steve das in die Wege geleitet, damit uns nicht auch noch im Büro langweilig wird«, meinte Phil.
Im Büro des Chefs saß außer Mr High und Steve ein weiterer Mann in der Besprechungsecke. Als wir eingetreten waren, stand er auf.
Er war hochgewachsen und um die vierzig. Seine stahlblauen Augen wirkten geradezu stechend. Nachdem Mr High uns vorgestellt hatte, schenkte er uns ein Lächeln, das sofort wieder erlosch.
Der Chef erklärte, dass Agent Gordon Mitarbeiter von der Drug Enforcement Administration, kurz DEA, war. Die Behörde bekämpfte die illegale Herstellung von Drogen und den Drogenhandel. Wir arbeiteten oft mit der DEA zusammen.
Mr High forderte uns auf, uns zu setzen. Vor sich hatte er die Papiere liegen, mit denen Steve uns begegnet war.
»Heute Nacht hat es einen seltsamen Vorfall in der West Bronx gegeben«, sagte der Chef. »In der Gegend nördlich des Highway 95 an der Hughes Avenue. Ein Officer des 48. Reviers hat zu Fuß einen Autoknacker verfolgt. Der Täter gehörte zu einer Bande, die seit einiger Zeit die Gegend dort unsicher macht. Schließlich hat er ihn im Garten eines Hauses gestellt. Als er ihn festnehmen wollte, ist das Haus explodiert.«
»Explodiert, Sir?«, wiederholte Phil.
Mr High nickte. »Allerdings. Der Officer, sein Name war David Rodriguez, ist tot. Der Autoknacker ebenso. Das ist aber nicht alles, wie Sie sich denken können.«
Natürlich war das nicht alles, sonst wäre es kein Fall für uns gewesen.
»Die Explosion war so stark, dass das Haus komplett zerstört wurde und einige angrenzende Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden«, berichtete Mr High weiter. »Dort gab es ein paar Leichtverletzte. Abgesehen von den Menschen, die unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden.« Er räusperte sich. »In dem zerstörten Haus hat die Feuerwehr einen weiteren Toten entdeckt. Und das ist immer noch nicht alles. Könnten Sie bitte übernehmen, Agent Gordon? Ich denke, jetzt kommt Ihr Part.« Mr High sah den Besucher auffordernd an.
»Gerne«, sagte Gordon. »In dem Haus gab es ein Drogenlager. Die Feuerwehr fand unter den Trümmern eine große Menge von Fentanyltabletten. Ich nehme an, das sagt Ihnen etwas.«
Es war Phil, der antwortete. »Fentanyl ist ein Medikament, ein Schmerzmittel. Mittlerweile wird es auch als Droge genutzt. Mit schlimmen Folgen. Es gibt an die vierzigtausend Todesfälle im Jahr. Die Süchtigen kombinieren Fentanyl mit anderen Drogen, was die Sache verschlimmert.«
Wieder kam ein kurzes Lächeln von Agent Gordon. »Sie sind gut informiert. Und Sie wissen genauso gut wie ich, dass dagegen etwas unternommen werden muss.«
»Agent Gordon glaubt, dass diese große Menge an Fentanyl, die in dem Haus gefunden wurde, einen bestimmten Schluss zulässt«, sagte Mr High. »Es muss Verbindungen über die Staatsgrenzen hinweg geben. Deshalb habe ich im Austausch mit den Kollegen der DEA und des NYPD heute in aller Frühe veranlasst, dass wir den Fall übernehmen.«
»Alles klar, Sir«, sagte ich. »Aber wir sollten das noch mal rekapitulieren. Dass der Autoknacker Zuflucht in dem Garten gesucht hat, war das Zufall? Hatte er etwas mit den Drogen zu tun? Oder mit der Explosion? Wodurch wurde die eigentlich herbeigeführt?«
»Das wissen wir nicht, Jerry«, erklärte Mr High. »Die Explosion könnte durch einen Konkurrenten des Drogendealers, der sich in dem Gebäude befand, herbeigeführt worden sein. Wenn das der Fall ist, befinden wir uns mitten in einem Drogenkrieg, den wir unbedingt stoppen müssen.«
Agent Gordon klärte uns über den aktuellen Stand der Bekämpfung der Droge Fentanyl auf. Wir erfuhren etwas über die Herstellungszentren, die illegalen Vertriebswege und die Kundschaft. New York war ein Knotenpunkt im Handel mit dem Zeug.
»Viel Theorie, trotzdem ganz interessant«, meinte Phil, als wir wieder in unserem Büro vor unseren Rechnern saßen. Wir hatten uns aus Mr Highs Vorzimmer Kaffee mitgebracht. Helen, Mr Highs Assistentin, war die ungekrönte Königin des Kaffeekochens.
»Was ich vor allem nicht wusste, ist die Gefährlichkeit dieses Zeugs«, sagte ich. »Ich meine die Gefährlichkeit nicht nur für die Junkies selbst.«
Agent Gordon hatte geschildert, dass Fentanyl gar nicht eingenommen werden musste, um seine Wirkung zu entfalten. Reiner Hautkontakt reichte. Man konnte sogar Unbeteiligte damit betäuben, wenn man es einigermaßen geschickt anstellte. Damit taten sich ganz neue Möglichkeiten für Verbrechen auf.
Ich telefonierte mit den Beamten vom NYPD, die als Erste vor Ort gewesen waren. Sie verwiesen mich an die entsprechenden Stellen im NYPD Police Crime Lab in Queens. Dort war man gerade damit beschäftigt, die Spuren zu untersuchen, was bei einer solchen Explosion nicht ganz einfach war. Es dauerte eine Stunde, bis ich den technischen Grund für das Ereignis schwarz auf weiß auf dem Rechner hatte.
»Das Haus ist durch eine ferngezündete Bombe in die Luft gesprengt worden«, fasste ich für Phil zusammen, was auf meinem Monitor zu lesen war. »Die Zündung erfolgte wahrscheinlich aus der Ferne. Offenbar durch einen Handyanruf.«
»Weiß man mittlerweile, wer der Mann war, der sich in dem Haus befand?«, fragte Phil.
»An dessen Identifizierung arbeiten sie noch«, gab ich weiter, was die Leute vom Lab gesagt hatten.
»Gehen wir mal davon aus, dass das kein Zufall war«, sagte Phil. »Dass diese Autoknacker in diesem Haus in der Bronx so eine Art Versteck hatten ...«
Er brauchte gar nicht weiterzusprechen. Ich verstand, was er sagen wollte. Wir mussten wissen, ob es Erkenntnisse über die Komplizen des Täters gab, der von dem Officer bis zu dem Haus verfolgt worden war.
Ich nahm den Telefonhörer wieder in die Hand und rief im 48. Revier in der Bronx an, das sich um die Verfolgung der Bande kümmerte. Ich ließ mich gleich mit dem höchsten Vorgesetzten dort verbinden. Captain Bannister.
»Sie haben Glück, Agent Cotton«, sagte er. »Obwohl das Ganze natürlich durch den Tod von Officer Rodriguez eine schlimme Wendung genommen hat, sind wir den Autoknackern auf die Spur gekommen. Rodriguez' Kollege Smith hat sie verfolgt. An einem Zaun in der Nähe wurde ein Kapuzenpulli entdeckt, den der Täter, den Rodriguez verfolgt hat, wahrscheinlich verloren hat. Mittlerweile kennen wir den Namen des Täters.«
»Was heißt denn, Sie sind ihnen auf die Spur gekommen?«, hakte ich nach. »Wissen Sie, wer die Komplizen sind?«
Captain Bannister lachte leise. »Viel besser, Agent Cotton. Wir haben zwei von ihnen festgenommen. Sie sitzen gerade hier in der Zelle.«
Ich bedankte mich, legte auf und nahm meine Jacke, die über der Stuhllehne hin.
»Komm Phil«, sagte ich. »Wir machen einen kleinen Ausflug in die Bronx.«
Minuten später waren wir auf dem Weg nach unten in die Tiefgarage, wo wir in meine rote Raubkatze stiegen. Ich lenkte den Jaguar Richtung East River und schlug den Weg nach Norden ein. Zum Glück war die Zeit des Berufsverkehrs vorbei, sodass wir gut durchkamen.
Das 48. Revier des NYPD war in einem hässlichen grauen Kasten neben dem als Hochstraße ausgebauten Cross Bronx Expressway untergebracht. Direkt daneben befand sich die örtliche Feuerwache. Wer hier arbeitete, hatte die ganze Zeit den Lärm von der Schnellstraße um sich, in dessen Wolke wir aus dem Wagen stiegen.
Captain Bannister war ein hochgewachsener Schwarzer mit angegrautem Haar und einer tiefen, klaren Stimme, die Autorität ausstrahlte.
»Ich dachte mir schon, dass Sie auf direktem Weg herkommen«, sagte er, als wir sein Büro betraten.
Während er uns zu den Vernehmungszellen brachte, erklärte er uns, wer die Typen waren, denen wir gleich gegenübersitzen würden. Sie waren einundzwanzig und neunzehn Jahre alt und hießen Fox Snyder und Gary Black. Ihr Komplize, der bei der Explosion umgekommen ist, hieß Scott Shapiro und war zweiundzwanzig Jahre alt gewesen.
»He, Mann, endlich kommt mal einer«, sagte einer der Typen, als wir den Raum betraten. »Sind Sie unsere Anwälte? Wir haben nichts gemacht. Holen Sie uns hier raus.«
Er hatte knallrotes Haar, nach Bannisters Beschreibung war er Fox Snyder. Rotes Haar, der Name »Fuchs« ... Es war die Frage, ob er wirklich so hieß oder ob es sich um einen Spitznamen handelte.
Der andere, der neunzehn Jahre alte Gary Black, sagte nichts und warf uns nur einen angestrengt aggressiven Blick zu.
Beide waren mit Handschellen gefesselt.
Ich erklärte ihnen, dass wir vom FBI waren.
»Wieso FBI?«, fragte Snyder. »Wir haben doch gar nichts gemacht. Nur ein bisschen da oben abgehangen. Und auf einmal schießt dieser Streifenwagen auf uns zu. Darf man nicht mal mehr über die Straße gehen?«
»Hört mal zu, Jungs«, sagte Phil. »Ihr sitzt total in der Scheiße. Wir wissen, dass ihr einen Wagen aufgebrochen habt. Euer Kumpel Scott ist tot, den hat es nach der Verfolgung durch einen der Officers, die euch gesehen haben, bei einer Explosion in einem Drogenlager erwischt.«
Sie sahen betreten drein. Besonders überrascht waren sie nicht. Offenbar hatten die Beamten vom NYPD sie damit schon konfrontiert.
»Und ihr sagt uns jetzt mal, was es damit auf sich hat. Was ist das für ein Haus da hinten in der Hughes Avenue?« Phil nannte die Hausnummer.
Fox Snyder sah mich an und kratzte sich am Kopf.
Es war sein Kumpel Black, der etwas dazu sagte. »Wovon reden Sie, Mann? Wir kennen kein Haus in der Hughes Avenue.«
»Und warum ist Scott dahin geflohen?«, hakte ich nach.
»Weil er eben weg wollte«, sagte Snyder. »Der Cop kam da angerannt. Wir hatten Angst. Wer weiß heutzutage schon, ob die Cops nicht eher schießen, bevor sie fragen? Und er hatte sich eben Scott für die Verfolgung ausgesucht. Der ist dann über den Zaun geklettert. Wir sind die Straße lang abgehauen ...«
»Hört mal, Leute«, sagte Phil. »Ihr könnt uns nicht erzählen, dass ihr gar nichts über das Haus wisst. Ihr seid hier zu Hause. Ihr seid nächtelang unterwegs und knackt Autos. Wer weiß, was ihr noch so auf dem Kerbholz habt. Ihr kennt euch hier aus.«
»Nichts haben wir gemacht!«, schrie Snyder. »Beweist uns erst mal was!«
»Das werden die Leute vom NYPD auch machen«, sagte ich. »Uns interessiert dieses Haus und was da drin vor sich ging. Also?«
Etwa zehn Sekunden herrschte Schweigen. Snyder sah zu Boden, die Lippen fest aufeinandergepresst. Gary Black rang sich ein Seufzen ab.
»Ich weiß, welches Haus Sie meinen«, sagte er schließlich. »Wir wissen wirklich nichts darüber. Außer dass es leer steht. Schon seit einiger Zeit.«
Mehr war aus ihnen nicht herauszuholen. Wir beließen es erst einmal dabei.
