Jerry Cotton 3584 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton 3584 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Walter Johnson fuhr mit einer Leiche im Kofferraum durch New York. Er war nervös und schwitzte am ganzen Leib. Plötzlich erlitt er einen Herzinfarkt, durchbrach drei Zäune und landete mit seinem Fahrzeug in einem Hafenbecken. Die Notärzte konnten Johnson nicht mehr retten. Das NYPD barg den Unfallwagen und entdeckte die Leiche. Es handelte sich um den seit Tagen vermissten Superreichen George Davis. Wir vom FBI erhielten den Fall und nahmen eine Hausdurchsuchung bei Walter Johnson vor. Allerdings lieferte diese keinen einzigen Anhaltspunkt darauf, dass Davis hier festgehalten oder gar ermordet worden war ...

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Die Robin-Hood-Bande

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Die Robin-Hood-Bande

Wie jeden Morgen sammelte ich Phil an der gewohnten Straßenecke auf der Upper West Side ein. Der Frühling hatte endlich Einzug gehalten, die kaltnassen Tage wurden immer seltener.

Phil ließ sich gut gelaunt auf den Beifahrersitz fallen. »Hast du's schon gelesen? Die Niners haben mit Brock Purdy verlängert. Fünf Jahre, hundertachtzig Millionen garantiert. Ich sag dir, der holt uns dieses Jahr den Super Bowl.«

Ich lenkte meinen Jaguar in den Verkehr und kam gleich an einer Ampel zum Stehen.

»Das sagst du jedes Jahr«, erwiderte ich. »Und dann verlieren die Niners in den ...«

Im Rückspiegel sah ich einen Audi heranrasen. Er war schnell. Viel zu schnell!

Dann krachte er ungebremst in meinen Wagen hinein ...

»Was, zum Teufel ...!«, fluchte Phil, als der erste Schreck nachgelassen hatte.

Ich stieg wortlos aus, die Hand an der Dienstwaffe, und umrundete das Fahrzeug. Aus dem Augenwinkel warf ich einen Blick auf meinen Wagen und seufzte innerlich. Der Schaden an der roten Raubkatze war erheblich. Aber zunächst blieb die Anspannung. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir auf diese Weise von Kriminellen attackiert wurden.

Uns hatte ein blauer Audi TT Roadster gerammt. Wider Erwarten stieg kein Mobster aus dem Wagen, der es auf uns abgesehen hatte. Stattdessen schälte sich eine Frau in unserem Alter heraus. Sie trug einen kurzen Businessrock mit rot-schwarzem Hahnentrittmuster samt Blazer. Die hellbraunen Haare fielen ihr über die Schultern. Mit ihren runden Rehaugen sah sie Phil und mich entsetzt an.

»O mein Gott. Ich ... ich weiß nicht, wie das passieren konnte«, sagte sie.

»Sind Sie verletzt?«, wollte ich wissen und schenkte dabei auch Phil einen prüfenden Blick, der sich neben mich gestellt hatte.

»Ich glaube nicht. Es ... es tut mir so leid«, stammelte sie und kämpfte mit den Tränen.

»Das ist die Hauptsache. Lieber ein Blechschaden, als dass jemand ernsthaft zu Schaden kommt«, stellte Phil lächelnd fest. »Stimmt's, Jerry?«

Ich war mit meinem Job verheiratet, längere Beziehungen konnte ich dadurch vergessen. Die einzige Konstante in meinem Leben waren meine Kollegen beim FBI und mein Jaguar F-Type in Firenze Red, 575 PS, das letzte Sportwagenmodell, das zum Firmenjubiläum des Herstellers vom Band gelaufen war.

Nun war die makellose Kurve des Hecks eingedellt wie ein zusammengekniffenes Auge, der Stoßfänger hing schief und tief, als wollte er sich beschämt abwenden. Die markanten Endrohre standen verkrümmt, die Rückleuchten waren zerborsten. Ihre rot glitzernden Splitter bedeckten den Asphalt.

Natürlich hatte Phil recht.

»Nichts, was sich nicht reparieren lässt«, stellte ich fest.

Die Frau entschuldigte sich erneut. »Ich muss zu einem wichtigen Meeting. Leider habe ich meiner Nachbarin versprochen, mich ein paar Tage um ihre Katze zu kümmern. Das Mistvieh hat mich heute Morgen zum Dank erst mal gekratzt. Und dann stand ich im Stau ... ich musste mich beeilen. Das Telefon klingelte und ...«

»Jetzt stehen wir hier«, beendete Phil ihre Erzählung. »Lassen Sie uns die Cops rufen. Das FBI darf den Unfall nicht aufnehmen. Das könnte als Interessenskonflikt gewertet werden.«

Die Frau wurde bleich. »Sie sind ...?«

»... vom FBI«, sagte mein Partner mit einem breiten Grinsen. Er hatte offenbar Gefallen an der Frau gefunden und reichte ihr die Hand. »Special Agent Decker. Das ist mein Partner Special Agent Cotton.«

Ihre Augen weiteten sich.

»Ich kenne Sie!«, stieß sie hervor. »Sie waren in den Nachrichten!«

»Häufiger als uns lieb wäre«, sagte ich emotionslos und nickte, während ich die Kollegen vom NYPD anrief.

»Und ich hohle Nuss fahre ausgerechnet einem FBI Agent in den Wagen. Haben Sie nicht neulich diesen Mafiaboss verhaftet? Ricki? Ricci? Ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie ihr Leben riskieren, um uns zu schützen.«

Die Unterhaltung begann, mich zu nerven. Mein Partner hingegen war gerade erst warmgelaufen.

»Wenn wir das nicht machen würden, würde es jemand anderes tun. So wissen wir wenigstens, dass wir am Ende des Tages etwas Sinnvolles bewirkt haben.«

»Lassen Sie uns die Handy- und Versicherungsnummern tauschen«, schlug ich vor. »Die Kollegen sind gleich vor Ort.« Ich wandte mich zu Phil. »Steve holt uns ab.«

»Wo dürfen wir Sie bringen, Miss ...?«, wollte mein Partner wissen und legte den besten Casanova-Blick auf, zu dem er imstande war.

»Taylor. Zoe Taylor. Und das kommt gar nicht infrage. Ich möchte Ihnen nicht noch mehr Umstände bereiten, als ohnehin schon entstanden sind. Ich informiere meinen Chef, dass ich später komme, und nehme mir ein Taxi.«

»Wie Sie möchten. Das Angebot meines Partners steht«, sagte ich.

Nach einer Stunde hatten die Officers vom NYPD den Unfall aufgenommen, und die Fahrzeuge wurden auf Abschlepper geladen. Inzwischen hatte sich ein immenser Stau gebildet, weil wir in der Rushhour eine ganze Spur blockierten, mit den Pannenfahrzeugen zwischenzeitlich sogar zwei.

»Miss Taylor, es war mir eine Freude, Ihre Bekanntschaft zu machen, auch wenn mir andere Umstände lieber gewesen wären«, versuchte ich mich an einem versöhnlicheren Ton. »Wir hören voneinander?«

»Auf jeden Fall«, sagte sie. »Ich verspreche Ihnen, sollte meine Versicherung den Schaden nicht übernehmen, komme ich dafür auf.«

Als wir endlich bei Steve im Wagen saßen, konnte er sich einen Kommentar nicht verkneifen. »Das war mal eine Schönheit, Jerry. Du hast den Unfall doch nur eingefädelt, um an ihre Nummer zu kommen.«

Ich seufzte. »Fahr uns einfach zur Arbeit, okay?«

Walter Johnson zitterte am ganzen Körper. Schweißgebadet saß er hinter dem Steuer seines Ford Transit Connect. Seine Hände waren so nass, dass er kaum das Lenkrad greifen konnte.

Den alten Firmenwagen hatte er behalten, als er vor ein paar Jahren in den Ruhestand gegangen war und seinen Delikatessenladen in Brooklyn verkauft hatte. Noch immer prangte das Logo auf den Seiten: WJ's Pickle & Deli.

Einen treuen Weggefährten stieß man nicht einfach von sich, pflegte er zu sagen, wenn ihn jemand auf den rostigen Wagen ansprach. Außerdem leistete ihm der Transporter als Kleingärtner gute Dienste, wenn er die Abfälle und Ernten aus seinem idyllisch Obstgarten transportieren musste, der zwischen Woodybrook und Croton-on-Hudson lag.

Als Barbara noch lebte, hatten sie sich gemeinsam dieses abgelegene Häuschen mit dem weitläufigen Grundstück und den alten Obstbäumen zugelegt – ein Rückzugsort, um mit ihr und den Kindern gelegentlich dem Lärm der Großstadt zu entfliehen. Schöne Tage waren das gewesen.

Diese Zeiten lagen lange zurück. Zu lange, wenn man ihn fragte. Die Stille in ihrem alten Haus in Brooklyn wurde ihm von Jahr zu Jahr unerträglicher. Ein Grund mehr, sich ganz auf die Gärtnerei zu konzentrieren, solange es seine Gesundheit zuließ.

Immerhin waren Clara und Charlie, ihre beiden Kinder, in der Nähe geblieben. Der Kontakt war nicht abgebrochen, trotz Auszug und Studium. Im Gegenteil, sie meldeten sich regelmäßig und besuchten ihn häufig. Das tröstete ihn mehr, als er zugeben mochte.

Johnsons Tag hatte begonnen wie so viele zuvor. Nach dem Aufwachen dehnte er erst einmal eine halbe Stunde das Rheuma aus seinen Gelenken. Anschließend frühstückte er sein Porridge und schaute in aller Ruhe seine Lieblingssendung Morning Joe auf MSNBC. Wenn es ihm gut ging, machte er sich danach fertig, um im Garten nach dem Rechten zu sehen. In den letzten Tagen hatten ihn seine Wehwehchen davon abgehalten. Höchste Zeit also, dem Grün wieder einen Besuch abzustatten.

Der Verkehr hatte sich an diesem Tag durch mehrerer Unfälle besonders herausfordernd gestaltet. Walter Johnson begann einmal mehr darüber nachzudenken, ob es nicht besser wäre, ganz nach Croton-on-Hudson zu ziehen und das Haus in Brooklyn mit samt seiner Vergangenheit hinter sich zu lassen. Dann gäbe es auch keine anderthalbstündige Fahrt mehr, die ihn von seinem Garten trennte.

Jetzt waren Croton und der Garten aber die Gründe für seine ... ja, was war es eigentlich? Innere Unruhe? Panik? Angst, bei einer Verkehrskontrolle angehalten und sofort weggesperrt zu werden, falls die Cops seinen Wagen durchsuchen sollten? Er hatte einen Plan, sollte es so kommen. Er würde behaupten, sich eine Grippe gefangen zu haben, um seine Verfassung zu erklären. Vielleicht würden die Beamten dann auf weitere Maßnahmen verzichten.

Er hatte fast eine ganze Stunde länger gebraucht, um zu seinem Garten zu gelangen. Eine leichte Brise wiegte die mit Blüten übersäten Bäume friedlich hin und her. Erst als er einen Blick in die Gartenlaube warf, um die Gießkanne zu holen, ereignete sich das erste Unvorhergesehene an diesem Tag, und seine Vergangenheit holte ihn ein.

Auch wenn er nichts mit dem zu schaffen hatte, was ihn dort erwartete, hing er nun mittendrin. Wer war für diese Überraschung verantwortlich? Steckten seine Kinder in Schwierigkeiten? In diesem Augenblick war jedenfalls er es, dem das Wasser bis zum Hals stand.

»Heilige Scheiße, was habe ich getan?«, murmelte er und kollidierte dabei fast mit einem Fahrzeug, dem er die Vorfahrt nahm. »Reiß dich zusammen, Walter, konzentrier dich!«

Nach dem Beinaheunfall fuhr er umso vorsichtiger. Außerdem mied er die Hauptstraßen. Schnell hatte er einen Plan gefasst. Danach würde alles wieder so sein wie vorher. Niemand würde ihn verdächtigen.

Als er in die Kemeys Avenue einbog, begann sein Herz immer heftiger zu schlagen. Hatte er seine Medikamente genommen? Das war der letzte klare Gedanke, der ihm durch den Sinn ging. Dann stieg nebelartige Taubheit in seinem Schädel auf, gefolgt von einem stechenden Schmerz in seiner Brust.

Nicht mehr Herr seines Körpers, drückte Walter Johnson das Gaspedal weiter durch. Der Wagen durchbrach einen Zaun, kam von der Straße ab und landete in der Kemeys Cove. Das Wasser drang durch alle Ritzen und Öffnungen ins Fahrzeuginnere.

Detective Ray Delgado wusste schon beim ersten Hupen auf der Upper West Side auf dem Weg zum Police Department in Briarcliff Manor, dass ihm dieser Tag nichts Gutes bringen würde.

Aufgrund des außergewöhnlichen Staus war er viel zu spät dran, und zu allem Überfluss hatte die Kaffeemaschine ihren Dienst quittiert. Zur Krönung blaffte ihn sein Sergeant an, als Delgado gerade Mittagspause machen wollte, und verdonnerte ihn zu einem Einsatz mit einem Namen, der ihm seit dem letzten Dezember Kopfschmerzen bereitete.

»Du fährst mit Morales raus. Ein Auto ist in die Kemeys Cove gerast. Viel Spaß.« Sein hämisches Grinsen war nicht zu übersehen.

Ausgerechnet mit Lina Morales, jener Kollegin, mit der er nach der Weihnachtsfeier im Bett gelandet war. Ein angenehmer Flirt, zwei Menschen ohne viel Zeit für ein Privatleben, ausgelassene Stimmung, eine Menge Alkohol ... und da war es schon passiert.

Danach ging Delgado ihr ein paar Wochen aus dem Weg, kam aber zu dem Entschluss, dass das keine Dauerlösung war. Irgendwann fasste er den Mut, um klarzustellen, dass es sich bei den beiden nur um einen wenn auch schönen Ausrutscher gehandelt habe, den man ohne Verbindlichkeiten jederzeit wieder begehen könnte. Morales verübelte ihm diesen Vorschlag bis heute.

Sie stand bereits am Einsatzwagen, als er zur Garage kam. Er spürte selbst durch die Gläser ihrer Ray-Ban, dass sie ihn mit ihrem Blick am liebsten getötet hätte.

»Hallo, Lina«, sagte er und warf seine Tasche auf die Rückbank.

»Bringen wir es hinter uns«, erwiderte sie und setzte sich auf den Beifahrersitz.

»Allright«, seufzte Delgado, ließ sich hinters Steuer fallen und startete den Motor.

Er hatte keine Lust auf Diskussionen und schaltete das Radio ein. Alles, was es seiner Meinung nach zu sagen gab, war längst gesagt.

Die kleine Kemeys Cove lag ruhig wie immer da. Die Wellen des Hudson schwappten träge ans Ufer, und die Möwen flogen über das Wasser. Über die Eisenbahnbrücke, die über die Bucht führte, bretterte ein Zug auf der Hudson Line nach Norden. Die Bucht war ohnehin kein idyllischer und erst recht kein sehenswerter Ort. Die Armada von Einsatzfahrzeugen half kein bisschen, das Ganze zu verbessern.

Der Lieferwagen war schon halb aus dem Wasser gezogen. Schlick tropfte aus den Radkästen, die Seiten waren zerkratzt, und das Wasser schoss aus allen Ritzen heraus. Die Fahrertür stand offen, die Scheibe war kaputt. Entweder vom Unfall oder vom Rettungsteam eingeschlagen, dachte Delgado.

Sanitäter standen mit einem Notarzt um einen korpulenten, faltigen Körper herum. Sie hatten den Fahrer geborgen.

Delgado parkte hinter der Straßensperrung. Ein Uniformierter trat an sie heran.

»Hallo, ihr zwei Hübschen. Wie ich sehe, versucht ihr es noch mal miteinander«, begrüßte er sie mit einem süffisanten Lächeln.

»Halt's Maul, Edgar«, sagten sie unisono.

»Schon gut.« Der Kollege lachte und winkte ab. »Der Fahrer hieß Walter Johnson, Pensionär, siebzig Jahre alt. Ehemaliger Inhaber eines Delikatessenladens. Die Leiche weist keine offenen Verletzungen vor, vermutlich ist er am Steuer gestorben.«

»Herzinfarkt?«, fragte Morales.

»Ja, irgendwas in der Art vermutet der Notarzt. Ist geradewegs durch den Zaun die Böschung hinunter. Er war wahrscheinlich schon tot, bevor er das Wasser erreichte.«

Delgado ließ den Blick schweifen. Er konnte keine Bremsspuren ausmachen. Es gab keine Anzeichen einer Ausweichbewegung. Auch lagen keine Autoteile herum, die auf einen weiteren Unfallbeteiligten schließen ließen.

»Dann hat Johnson wohl einen noch beschisseneren Tag als ich«, stellte Delgado fest und warf seiner Kollegin einen Blick zu, den sie scharf erwiderte. Wenn das so weiterging, musste er demnächst seine Versetzung beantragen.

Sie traten an den Lieferwagen heran und nahmen den Innenraum unter die Lupe. Auf dem Beifahrersitz lag die Brieftasche des Toten und sein Führerschein, den ein Kollege zur Identifizierung herausgeholt hatte. Im Handschuhfach fanden sie ein paar Medikamente und eine aufgeweichte Straßenkarte. Nichts Verbotenes, nichts Aufsehenerregendes.

»Immerhin werden wir das Ganze schnell abgeschlossen haben«, sagte Delgado und warf die Beifahrertür zu.

»Hast du schon den Kofferraum gecheckt?«, wollte Morales wissen.

»Das wollte ich gerade tun.«

Morales lachte bitter, als sie ein Foto vom Fahrerraum machen wollte. »Ist klar. So wie du dich nach der Weihnachtsfeier melden wolltest. Geh mal aus dem Bild.«

»Ich habe mich gemeldet ... Wenn es nicht nach deinen Vorstellungen war, was ich zu sagen hatte, kann ich nichts dafür.«

Delgado ging zum Heck und verfluchte den Sergeant. Er war sich sicher, dass er sie unter großer Schadenfreude zum Einsatz geschickt hatte. Der Griff klemmte ein wenig. Das Schloss war rostig, aber es sprang auf.

»Oh, Mist!«, entfuhr es Delgado.

»Was ist? Hast du was gefunden?«, rief Morales, umrundete den Wagen und stellte sich neben ihn.

Im Laderaum des Transporters lagen Kisten kreuz und quer, zwei Säcke Blumenerde waren aufgerissen. Über dem Boden hatte sich der braunschwarze Matsch verteilt. Mittendrin lag ein weiterer Körper, zusammengesackt und die Gliedmaßen verdreht, als hätte man ihn achtlos fallen lassen.

»Verdammt«, flüsterte Morales und dokumentierte die Szene mit einem Foto.

»Pack mal mit an«, sagte Delgado.

Gemeinsam drehten sie den Körper auf den Rücken.

»Den kenne ich irgendwoher«, stellte er fest.

Morales nickte. »Das ist George Davis. Dem gehört ... gehörte Quickling.«

»Dieses riesige Onlineversandhaus?«, fragte er ungläubig.

»Ja. Er wurde vor ein paar Tagen als vermisst gemeldet.«

»Woher weißt du das?«

Ein überlegener Ausdruck huschte über Morales' Gesicht. »Ich erledige meinen Job gewissenhaft und lese regelmäßig die neuen Fahndungsmeldungen. Doch die viel wichtigere Frage ist, was die Leiche eines Multimilliardärs im Kofferraum von diesem Walter Johnson zu suchen hat.«

Delgado richtete sich langsam auf. »Das ist nicht mehr mein Problem.«

Morales schaute ihn irritiert an. »Was meinst du?«

»Nun ... das ist keine Routine. Ein Milliardär ist entführt und vermutlich ermordet worden. Den Fall wird sich das FBI schnappen. Sei froh, umso schneller bist du mich wieder los.«

»Sie hat mich nun schon das zweite Mal angerufen und sich für den Unfall entschuldigt«, sagte ich und steckte mein Handy weg.

»Zoe Taylor?«, fragte Phil und grinste bis über beide Ohren. »Vermutlich traut sie sich nur nicht, dich nach meiner Nummer zu fragen.«

»Tut mir leid, daraus wird nichts. Jedes Mal, wenn ich sie mit dir sehen würde, müsste ich an den Anblick meines kaputten Wagens denken.«

»Kopf hoch. Spätestens in zwei Wochen ist der wieder so gut wie neu.«

Es klopfte an der Tür, und Helen trat ein. »Der Chef hat eine Besprechung einberufen. Die anderen sind schon bei ihm im Büro. Scheint wichtig zu sein.«