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In Hollywood erpressten sie berühmte Regisseure, Busenstars und Drehbuchautoren. Wer nicht zahlte, den legten sie um. Als Stuntman getarnt, nahm ich die Ermittlungen auf. Eine wahnsinnige Doppelbelastung, die mir alles abverlangte, wie Amantha Turner, das männermordende Busenwunder Hollywoods. Sie führte mich auf die Spur der Prominentenkiller ...
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Der Prominentenkiller
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
In Hollywood wurden berühmte Regisseure, Busenstars und Drehbuchautoren erpresst. Wer nicht zahlte, der wurde brutal umgelegt. Als Stuntman getarnt, nahm ich die Ermittlungen auf. Eine wahnsinnige Doppelbelastung, die mir alles abverlangte, wie Amantha Turner, das männermordende Busenwunder Hollywoods. Sie führte mich auf die Spur des Prominentenkillers ...
Mein rechter Haken sah gut aus. Ich fand, er hätte ein wenig Wirkung zeigen können, aber er zuckte nicht einmal mit den Wimpern.
Er hämmerte mir zwei kurze Linke in die Rippen und tauchte kunstvoll unter meinem Schwinger weg. Weit holte er zu dem dramatischen Superschlag aus, der mir den Rest geben sollte.
Ich war dämlich genug, mein Kinn hinzuhalten. Dampfhammerhart knallte seine Faust darauf. Meine Innenbeleuchtung geriet ins Flackern, und ich verlor die Übersicht, kippte rücklings über die niedrige Brüstung und stürzte zwei Etagen tief ab.
Um einen Inch, so wurde mir später erzählt, verfehlte mein Kopf den solide gemauerten Rand des Swimmingpools. Ich klatschte ins Wasser wie eine abgeschossene Ente, schluckte die lauwarme, von Kaliforniens Sonne aufgeheizte Brühe, mit der der Pool gefüllt war, und hustete mich ins Bewusstsein zurück.
»Cut!«, rief Elmer Harder, der Regisseur. »Bei mir war's gut! Wie war's bei euch, Nic?«
Ich trieb noch im Wasser. Von der Brüstung grinste Jo Lash auf mich herunter, zupfte die Smokingfliege gerade und pustete kühlend über die Knöchel seiner Faust.
»Bei mir war's scheiße!«, rief Nic Dibble, der Chef der zweiten Kameraeinheit. »Der Kerl kam runter wie ein Mehlsack. Keine Bewegung! Keine Gestik! Außerdem klatschte er viel zu nah am Rand ins Wasser. Ich brauche den Aufschlag in der Poolmitte. Wir müssen wiederholen!«
»Kommt nicht infrage!«, heulte Harder. »Wir liegen zwei Tage hinterm Drehplan zurück und ...«
Meine Perücke trieb davon. Ich fing sie ein und schwamm mit schweren Gliedern zur Leiter. Als ich aufs Trockene kroch, hatten sich Harder und Dibble geeinigt.
»Nur der Sturz wird wiederholt!«, trompetete Harder durch den Handlautsprecher. »Marcusos Stunt, zieh 'nen trockenen Dress an und melde dich beim zweiten Kamerateam. Wir anderen drehen Szene 338, den Wortwechsel zwischen Dexter und Marcuso, der der Schlägerei vorausgeht, in Dekoration 18 A.«
Ich schüttelte mir das Wasser aus den Haaren und blickte zu Jo Lash hoch, diesem gemeinen Bastard, der die Stunts für den edlen Barry Dexter machen durfte, während ich die heiklen Szenen des Schurken Rod Marcuso übernehmen musste. Warum hatte er echt zugeschlagen? Um mir zu zeigen, dass er der Boss war?
»Steh nich rum, Stunt!«, brüllte Dibble. »Zieh dich um, Mann! Beeil dich!«
Ich trabte über das Gelände zum gemeinschaftlichen Garderobenwagen der Stuntmänner, riss mir den nassen, übereleganten Marcuso-Anzug vom Leib, trocknete mich ab und suchte nach einem zweiten Handtuch, weil ich keinen eigenen Bademantel besaß.
Als die junge Frau in die Garderobe kam, trug ich genau die Bekleidung, die ich als Stuntman für Adam I. benötigt hätte. Ich rettete mich mit einem Sprung hinter eine Spindtür.
»Was soll die Show?« Die junge Frau zog die Brauen hoch, sehr hübsche Brauen. »Zieh das Kostüm an, Stunt!«
Sie trug einen zweiten Marcuso-Anzug überm Arm und in der rechten Hand auf einem Plastikkopf eine zweite Kraushaarperücke.
»Wenn du falsch aussiehst, macht Dibble dich nieder.«
Sie stellte den Plastikkopf ab, warf den Anzug über eine Stuhllehne.
»Beeil dich!«, wiederholte sie den Haupt- und Staatsbefehl der gesamten US-Filmindustrie. Dabei zeigte sie nicht die leiseste Absicht, die Garderobe zu verlassen.
»Könntest du dich umdrehen?«
Sie zog die hübschen Brauen noch höher, zuckte mit den Schultern und wandte mir ihre Kehrseite zu. Blitzschnell stieg ich in die kurze Badehose, die bei Stuntmen die Unterwäsche vertrat.
Das Garderobenmädchen hatte prächtiges nussbraunes Haar, das in üppigen, glänzenden Wellen bis auf die Schulter fiel. Sie hätte mit Sarah Fawcett konkurrieren können und nicht nur, soweit es die Haare betraf. Unter dem blauen Arbeitskittel zeichnete sich eine sportlich straffe Figur mit verheißungsvollen Kurven und langen Beinen ab.
»Wo ist das Hemd?«, fragte ich.
Sie drehte sich um. Abschätzend glitt ihr Blick über meinen Körperbau. Unter diesem Blick fühlte ich mich wie ein Gaul auf einer Versteigerung.
»Kein zweites Hemd vorrätig, Stunt. Du musst das alte anziehen. Man sieht nur den Jackenausschnitt.«
Ich griff nach dem nassen Hemd, streifte es über. Es klebte auf der Haut.
Sie warf mir die Hose zu.
»Nicht verknittern!«, warnte sie.
Der Marcuso-Anzug war so verdammt knapp geschnitten, dass ich die Luft anhalten musste, um die Hose schließen zu können. Bei der Jacke krachten die Nähte.
»Vorsichtig, Stunt, du trägst das letzte Exemplar.«
Die weiß-schwarzen Lackschuhe des Marcuso-Kostüms waren nass wie das Hemd und umschlossen meine Füße wie Schraubstöcke.
Das Garderobenmädchen ging um mich herum, zupfte hier und zupfte da. Dann stülpte sie mir die Kraushaarperücke auf und rückte sie zurecht. Sie stand dicht vor mir und musste sich ein bisschen recken. Die Spitzen ihrer Brüste unterm blauen Kittel streiften für eine Sekunde Marcusos nasses Hemd. Bekanntlich leitet Nässe gut. Bei mir gab's einen heftigen elektrischen Schlag.
»Steh still, Stunt!«, knurrte sie. Zwischen den Lippen hielt sie ein paar Streifen Klebefolie, mit denen sie die Perücke an meinen Ohren befestigte.
»Warum, zum Teufel, reden alle Leute mich mit der Berufsbezeichnung an? Wo bleibt die menschliche Wärme?«
Sie trat einen Schritt zurück und begutachtete ihr Werk.
»Woher soll ich wissen, wie du heißt?«, sagte sie, und es klang so gleichgültig, als spräche sie zu einer frisch dekorierten Schaufensterpuppe.
»Jerry! Leicht zu behalten, oder?«
»Vermutlich. Gehen wir, Stunt!«
Sie war schon ein harter Brocken, durch Erfahrung gestählt. Alle attraktiven jungen Frauen waren in dieser Glimmer- und Glamourstadt hundertfach Anmachversuchen ausgesetzt. Jeder Kerl, der ihren Weg kreuzte, versprach ihnen Rollen beim Film und Ruhm als Star, auch wenn er mit dem Geschäft nicht mehr zu tun hatte, als dass er die Studiofenster putzen durfte.
Diese Erfahrungen hatte mein Garderobenmädchen vermutlich längst hinter sich. Sie wusste, was von Versprechungen zu halten war.
Leicht und locker lief sie mit ihren langen Beinen neben mir her zur Kulisse.
»Na, endlich!«, schrie Dibble, der Chef des zweiten Kamerateams. Seine Kamera stand am Rand des Swimmingpools. »Geh rauf auf die Kulisse, Stunt. Stell dich mit dem Rücken zur Brüstung. Stoß dich ab, damit du weit genug rausfliegst. Beweg Arme und Beine während des Sturzes, damit ein bisschen Dramatik reinkommt. Und noch eins, Stunt. Ich will, dass du eine halbe Drehung machst und mit Gesicht und Körper flach aufschlägst. Es muss spritzen! 'ne satte Aufschlagfontäne bringt die Zuschauer zum Lachen. Wir sind hier nicht bei der Olympiade. Hier gibt's keine Punkte für spritzerloses Eintauchen. Alles klar, Stunt?«
Das Haus, von dessen Dachterrasse ich in den Swimmingpool stürzte, bestand auf der Rückseite zur Hälfte aus Stahlstreben, Stützen, Gerüsten, Leitern und so weiter. Es war ein Kulissenbau, der am Ende des Films kunstvoll in die Luft geblasen wurde.
So stand es im Drehbuch. Lash als Stuntman für die Barry-Dexter-Rolle und Louella Pergan als Stuntgirl für den weiblichen Star würden in dieser Szene ihren großen Einsatz haben.
Jo Lash erwartete mich auf dem Dach. Unter der blonden Perücke und mit dem aufgeklebten Dexter-Schnurrbart sah er sich selbst kaum noch ähnlich, aber das galt für uns alle, die wir in die Rolle der Schauspieler schlüpften, die ihrerseits wieder irgendwelche Filmgestalten verkörperten.
»Habe ich dich gestreift, Carron?«, fragte er arglos. »Tut mir leid!«
»Du hast voll hingelangt, Jo.«
»War ein Versehen.« Er log, ohne rot zu werden.
»Vergiss es!«
Dibbles Regieassistent stellte uns in Positur. Die Szene wurde neu eingeleuchtet, obwohl die Sonne vom Himmel schien. Dibble brüllte Anweisungen von unten. Endlich war alles arrangiert, die Klappe fiel, und Dibble kommandierte: »Action!«
Lash brachte seinen Overkill-Schwinger an. Routiniert ließ er die Faust dicht an meiner Nase vorbeizischen. Da die Szene nur unten im spitzen Winkel gefilmt wurde, blieb Lash nahezu vollständig verdeckt.
Ich hob ab, wie Dibble es vorgeschrieben hatte. Wild ruderte ich mit Armen und Beinen und gab mir Mühe, im Sturz den Körper zu drehen, damit Dibble seinen flachen Aufschlag bekam. Platt wie eine Flunder klatschte ich aufs Wasser. Unter bestimmten Bedingungen war der Unterschied zwischen Wasser und Beton nur begrenzt. Man starb nicht, aber es tat fast genauso weh.
Ich sackte weg, tauchte langsam wieder auf.
»Gestorben!«, schrie Dibble. »Einpacken!«
Um mich kümmerte sich niemand. Aus dem Drehbuch wusste ich, dass der nächste Take nach meinem Sturz eine Großaufnahme des auftauchenden Marcuso war, und diese Szene würde mit dem Schauspieler der Rolle, mit Evert Nelson, in einer wohltemperierten Badewanne gedreht werden.
Ich schwang mich aufs Trockene, landete vor den Füßen der Garderobenlady.
»Beeil dich, Stunt«, sagte sie. »Ich brauche das Kostüm. Es muss für morgen in Ordnung gebracht werden.«
Sie trabte an meiner Seite zurück zum Garderobenwagen.
»Wie war ich?«, fragte ich.
»Ein Mehlsack hätte nicht eleganter fallen können«, antwortete sie zynisch.
Vor dem Wagen stoppte sie.
»Ich bleib draußen, weil du so empfindlich bist, Stunt. Lass mich die Perücke abnehmen.«
Sie riss mir die Klebestreifen ab, dass ich fürchtete, die Ohren wären daran hängen geblieben, kassierte die Perücke. Ich legte einen Arm um ihre Taille, zog sie an mich.
»Lass los, Idiot!«, fauchte sie. »Du bist nass wie ein ersäufter Kater.«
»Hör zu, Süße!« Unter dem Druck meiner Arme musste sie mit offenem Mund nach Luft schnappen. »Ich will wissen, wie du heißt und ob du mit mir zu Abend isst.«
Ihre blauen Augen bildeten einen reizvollen Kontrast zum braunen Haar.
»Ich heiße Judy Mart«, keuchte sie, »und ich verzichte auf die zwei Hamburger, die du mir zum Abendessen spendieren würdest. Für so etwas besitze ich bessere Adressen. Kapiert, Stunt?«
»Beiß dir nicht in die Zunge, Judy«, sagte ich. »Du bekämst eine Blutvergiftung.«
Ich gab sie frei, trat zwei Schritte zurück, zog Jacke, Hemd, Hose und Schuhe aus und warf ihr die Klamotten vor die Füße. Dann riss ich die Tür zum Garderobenwagen auf, ging hinein und zog die Tür ins Schloss.
»He, Jerry!«, rief sie von draußen.
Ich traute meinen Ohren nicht. Jerry? Nicht Stunt, nicht Idiot, sondern Jerry?
Mit einem Griff öffnete ich das Fenster neben der Tür. »Noch irgendetwas unklar zwischen uns?«
Sie stand da mit den nassen Marcuso-Kleidern über den Armen und lächelte. Wahrhaftig, sie lächelte.
»Wenn ich's mir richtig überlege, wären zwei Hamburger nicht das schlechteste Abendessen«, sagte sie. »Du erreichst mich unter dem Studioanschluss 8864. Ruf gegen sechs Uhr abends an. Willst du?«
»In Ordnung, Judy.«
Wir brachen beide in Gelächter aus.
Sal Shellows Telefone besaßen Griffe in Form des Dollarzeichens. Das war einer von zahllosen Gags, mit denen seine Villa in Beverly Hills vollgestopft war.
Seit fünfzig Jahren lebte Shellow in Kalifornien. Seit fünfzig Jahren verdiente er seine Dollars im Filmgeschäft, anfangs als Laufjunge in einem Studio der Paramount, dann über eine Menge Zwischenstationen, bis er genug Erfahrung, Überredungskunst und Bankkredit erworben hatte, um sich als Filmproduzent zu betätigen.
Die Wände im Bürotrakt der Villa hingen voller Plakate. Alles Filme, die Sal Shellow produziert hatte. Die Plakate der Hits waren goldgerahmt, die der Flops schwarz. Fünf andere Farben bedeuteten Reingewinne pro Film zwischen einer und fünf Millionen Dollar.
An diesem Abend gab Shellow eine Party für Amantha Turner, den Erfolgsstar, die auch die Hauptrolle in Diamantenmond spielte, dem Film, der zurzeit unter der Regie von Elmer Harder gedreht wurde.
Außer Amantha waren Alvin Terrell, der Darsteller des Barry Dexter, und Evert Nelson, Spezialist für Bösewichte à la Rod Marcuso, erschienen. Dazu jede Menge Starlets, Chorusgirls, Drehbuchschreiber, Journalisten, Agenten.
In Wahrheit veranstaltete Shellow die Party nicht für Amantha, sondern für ein halbes Dutzend dollarschwere Rinderzüchter aus Texas, denen er ein paar Millionen zur Finanzierung seines nächsten Projekts abschwätzen wollte. Zufrieden stellte er fest, dass die sich Texaner unter der Wirkung gewaltiger Cocktails bei den Starlets festgebissen hatten. Den reichsten Burschen hatte Shellow Amantha selbst an den weltberühmten Busen gelegt.
Shellow genehmigte sich eine Spur echten Whisky in dem eisgekühlten Kamillentee, den er zu trinken pflegte.
»Du wirst lasterhaft, Sal«, sagte Irwin Leek, der Shellows Griff zur Flasche beobachtet hatte.
Shellow schüttelte den Kopf.
»Schnaps zu trinken, ist kein Laster, sondern eine Dummheit, und ich bin nicht dumm«, sagte er. Seine Stimme krächzte, und in fünfzig Kalifornienjahren hatte sein Englisch nicht den harten Akzent der Muttersprache verloren, die er als Salomon Shelowsky bis zur Ankunft in den USA gesprochen hatte.
»Ich kenne dein Laster, Sal!« Irwin Leek rührte in seinem Cocktail. »Girls, Girls und noch einmal Girls! Damit ist bald Schluss, Sal!«
»Wieso Schluss? Jeden Tag kommen zwei Dutzend Girls in mein Office und bitten mich um eine Rolle. Meine Couch ist die breiteste in ganz Hollywood.«
»Okay, Sal, aber du wirst bald siebzig.«
Shellow runzelte die Brauen.
»Ich bin sehr gesund, Irwin«, knurrte er, »und leistungsfähiger als mancher Typ, der seine Eier in Whisky sterilisiert.«
»Meinst du mich, Sal?«, fragte Leek lachend. »Soll ich meine Cocktails kastrieren wie du? Mich machen scharfe Drinks scharf, doch ich suche mir meine Partnerinnen aus und nehme nicht jedes Girl, das blond, jung und dumm genug ist, allen Versprechungen zu glauben. Ich achte auf Qualität, Sal.«
»Nebbich!« Shellow zuckte mit den Schultern. »So viel Zeit habe ich nicht. Ich muss mich ums Geschäft kümmern.«
»Das musst du, Sal«, bestätigte Leek.
Der Tonfall ließ Shellow aufhorchen.
»Was ist los, Irwin?«, fragte er scharf.
»Ich hörte, dass ein Schauspieler in der Stadt herumläuft und verzweifelt zwanzigtausend Dollar aufzutreiben versucht.«
»Einer meiner Schauspieler?«
»Genau, Sal.«
»Das interessiert mich nicht, Leek. Ich gebe den Jungs pünktlich den Wochenscheck. Wenn sie mit Geld nicht umgehen können, wenn sie's verspielen, verkoksen oder mit Weibern durchbringen, so ist das allein ihre Sache.«
»Du irrst dich, Sal. Wenn der Mann umgelegt wird, weil er keine zwanzigtausend Dollar aufbringen kann, wirst du dir deine letzten Haare vor Gram ausraufen.«
»Nichts in dieser Stadt lässt sich so schnell ersetzen wie ein Schauspieler.«
»Wie viel Szenen vom Diamantenmond hat Harder abgedreht?«
»Zwei Drittel.«
Leek nahm genüsslich einen Schluck seines Cocktails.
»Stell dir vor, Sal, der Mann wird umgelegt, bevor das letzte Drittel im Kasten ist. Dann musst du alles Material wegwerfen, auf dem er mitgewirkt hat. Alle seine Szenen müssen mit einem anderen Schauspieler nachgedreht werden. Das würde dich Millionen kosten.«
Shellow packte Irwin Leek an den Jackenaufschlägen. »Wer ist es?«
»Das weiß ich noch nicht, Sal. Ich bin dabei, es herauszufinden.«
»Verdammt, es ist sinnlos, einen Mann umzubringen, der Geld schuldet. Ein Toter kann nicht zahlen.«
»Er steht auf der Liste der Prominenten.«
Shellows spürte, wie ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg.
»Erzähl mir nicht diesen verdammten Unsinn!«, krächzte er. »Diese Liste existiert nicht! Es gibt keine Killergang, die Stars, Regisseure, Agenten, Produzenten et cetera, mehr oder weniger prominente Leute also, auf eine Liste setzt und sie umzubringen droht, wenn sie die geforderte Summe nicht zahlen. Die Story ist eine Erfindung von schreibenden Schmierfinken, wie du einer bist, Irwin.«
»Arthur Quantico, Schauspieler, erschossen vor zwei Monaten. Gloria Rhomes, Star einer Serie, erdrosselt in ihrem Apartment. Bill Frazer, Drehbuchautor, gestorben an den Folgen eines Messerstichs. Brad Shuler, Komponist, erschlagen aufgefunden am Strand von Santa Monica. Eve Sutton, Schauspielerin ...«
»Hör auf!«, schrie Shellow wütend. »Jeder weiß, dass in Hollywood schnell gestorben wird. Diese verrückte Gesellschaft aus Exhibitionisten, Irren, Säufern, Koksern, Sexmaniacs lebt mit vollem Risiko. Von Zeit zu Zeit muss einer von ihnen dafür bezahlen. Bis jetzt hat die Polizei keinen Beweis für organisiertes Bandenverbrechen gefunden. Quantico war schwul. Vermutlich wurde er von einem Liebhaber umgebracht. Gloria Rhomes holte sich ganze Baseballmannschaften ins Bett. Lauter Riesenkerle mit solchen Händen!« Shellow zeichnete den Umriss einer Kohlenschaufel in die Luft. »Eifersucht! Streit! Zu viel Alkohol beim Liebesspiel! Einen kurzen Druck solcher Hände hält kein Kehlkopf aus. Frazer und Shuler benutzten Koks, rauchten Crack, und der Coroner stellte bei der Leichenschau fest, dass beide wahrscheinlich von Rauschgiftdealern umgebracht wurden.«
»Sal, bist du jemals erpresst worden?«, fragte Leek.
»Dauernd werde ich erpresst! Schauspieler wollen mehr Geld. Agenten verlangen Unsummen für lausige Filmstoffe. Das Finanzamt quetscht mich aus wie eine Zitrone, und manches Girl, das eine Viertelstunde auf meiner Couch zugebracht hat, versucht daraus eine lebenslängliche Rente zu machen.« Shellow reckte den Kopf. »Ich zahle nie!«
»Du willst nicht verstehen!« Leek hob die Schultern. »Du bist ein großer, unabhängiger Produzent. Dir kann niemand drohen. Du bist der Mann, der die anderen beschäftigt, all die Schauspieler, Kameramänner, Regisseure. Würdest du einem Schauspieler eine wichtige Rolle in deinem nächsten Film geben, wenn du von ihm wüsstest, dass er auf der Prominentenliste stünde?«
»Diese Liste gibt's nicht, Irwin! Noch nie ist jemand zur Polizei gekommen und hat gesagt: Ich werde erpresst. Ich stehe auf einer Killerliste.«
»Weil sich niemand erlauben kann zuzugeben, dass die Prominentenkiller ihn im Visier haben, und du kennst den Grund, Sal. Der Mann oder die Frau erhielte kein Engagement. Film ist ein knallhartes Geschäft. Kein Produzent beschäftigt einen Schauspieler, einen Regisseur, einen Komponisten oder Bühnenbildner, bei dem die Gefahr besteht, dass er mitten während der Produktion abgeschossen wird. Siehst du, Sal, das macht die Idee der Prominentenkiller so höllisch raffiniert, dass sie fast deinem Köpfchen entsprungen sein könnte. Die Opfer müssen schweigen, sonst sind sie weg vom Fenster. Wer zur Polizei läuft, begeht beruflichen Selbstmord.«
Leek leerte sein Glas und stellte es auf einer Mahagonivitrine ab.
»Natürlich müssen die Killer von Zeit zu Zeit einen Prominenten umbringen, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren.«
»Wer ist es?«, wiederholte Shellow. »Terrell, Nelson oder etwa Amantha?«
»Ich weiß es nicht, Sal. Die Kredithaie sind diskret. Bis jetzt habe ich nur Andeutungen gehört.«
»Bring mir den Namen!«, verlangte Shellow.
»Dafür musst du einen Tausender springen lassen.«
»Du verdammter Erpresser!«, krächzte Shellow.
Irwin Leek lachte. »In dieser Stadt gibt es nichts umsonst, Sal.«
Judy trug ein einfaches weißes Sweatshirt, eine Hose aus rotem Saffianleder, einen mexikanischen Revolutionsgürtel, breit wie ein Ochsengeschirr und pfundweise mit Silber beschlagen. Ihr Haar hatte sie mit einem bunten Seidenfetzen zusammengebunden. Weißes Hemd und roter Saffian umhüllten ihren Körper, als wäre sie reingeboren. Wieso hatte nie ein Regisseur den atemberaubenden Reiz dieser schier endlosen Beine entdeckt?
»Mach den Mund zu, Stunt«, sagte sie und hakte sich bei mir ein.
»Ich dachte, wir hätten es bis zu Judy und Jerry geschafft.«
»Nicht, wenn du mich so anglotzt, Bursche!«
Ich führte sie zu meinem Wagen. Wer in Hollywood etwas auf sich hielt, fuhr entweder einen sehr teuren oder einen aufgemotzten Schlitten und investierte nötigenfalls den letzten Dollar. Ohne Rotlicht, Sirene und Sprechfunkanlage befand sich der Jaguar in passender Gesellschaft.
Judy bemerkte das New Yorker Kennzeichen.
»Noch nicht lange im Land, Jerry?«
»Diamantenmond ist mein erster Job in einer Filmproduktion. Vorher fuhr ich Crashrennen, arbeitete bei einer Sensationsshow in Florida und holte mir massenweise Schrammen als Stunt in einer europäischen Fernsehserie.«
Was ich Judy vorlog, war mein offizieller Lebenslauf als Jerry Carron, Artist, Sensationsdouble, Stuntman.
Sie stieg in den Jaguar, hantierte an den Griffen herum, bis sie den richtigen gefunden hatte, und kippte die Rückenlehne in Liegestellung.
»Fahr nach Santa Monica«, sagte sie. »Ich kenne ein gutes mexikanisches Restaurant an der Palisades Beach.«
Sie verschränkte die Arme hinterm Kopf. Unter dem straffen Sweatshirt zeichneten sich Hügel und Spitzen ab, deren Anblick die Kehle verengte. Verbissen konzentrierte ich mich auf den Straßenverkehr.
»Seit wann bist du im Geschäft?«, fragte ich.
»Im Filmgeschäft?« Sie lächelte mit geschlossenen Augen. »Ich arbeite in der Garderobenschneiderei.«
»Hast du nie versucht, vor die Kamera zu kommen?«
»Ein Dutzend Filmrollen sind mir angeboten worden, sogar Starrollen. Ich habe alle abgelehnt.«
»Warum?«
»Weil ich in keiner Rolle ein Kostüm gebraucht hätte. In dieser Stadt werden jedes Jahr an die tausend Pornofilme gedreht.«
Sie drehte den Kopf, öffnete die Augen.
»Ich bin ein Mädchen vom Land, Jerry Carron, geboren und aufgewachsen in Shadehill, South Dakota. Mit altmodischen Ansichten. Ich zieh mich nicht für Dollars aus, sondern aus Spaß oder besser noch aus Liebe.«
»Eine Filmrolle kann ich dir nicht anbieten«, sagte ich. »Davor bist du bei mir sicher.«
»Darum habe ich deine Einladung angenommen.«
In Santa Monica erfüllte das Rauschen der Pazifikwellen die Luft. Das Restaurant hieß El Gallo. Die Tische standen unter Palmen und um eine kleine Tanzfläche, auf der eine Mariachi-Kapelle mexikanische Musik verzapfte.
Judy wurde von vielen Tischen angerufen. Viermal wurde sie von aufspringenden Männern gestoppt, die mit ihr Wangenküsschen tauschten. Für mich fiel ein knappes »Hi, man« ab.
»Du kennst eine Menge Leute«, stellte ich fest, als wir endlich unseren Tisch erreicht hatten.
»Die Leute vom Film sind eine große Familie«, antwortete sie. »El Gallo ist kein Restaurant für Stars, aber für Schauspieler der zweiten Garnitur und fürs technische Personal.«
Ich bestellte die Drinks, und Judy wählte das Dinner aus. Während wir den ersten Schluck nahmen, steuerte ein großer, schlanker Mann mit eisgrauer Mähne und einem glatten Gesicht unseren Tisch an.
»Hallo, Judy!« Er beugte sich zu ihr, küsste sie links und rechts.
»Hallo, Earl Creyghton!«
Mir fiel ein, dass ich den Mann kannte. Creyghton hatte die zweite männliche Hauptrolle in einer TV-Serie gespielt, die mit zweihundert Folgen über die TV-Schirme der ganzen Welt geflimmert war.
»Darf ich mich einen Augenblick setzen?«, fragte er.
»Nimm einen Drink mit uns, Earl«, forderte Judy ihn auf, wies auf mich. »Das ist Jerry Carron, ein Stuntman.«
Wir schüttelten uns die Hände. Creyghtons Hand hatte die Festigkeit eines nassen Waschlappens. Er zog sich einen Stuhl heran, ließ sich einen Martini bringen und redete mit Judy über alte Zeiten. Sie hatte seine Kostüme für die Erfolgsserie betreut. Beide schienen sich während der Zeit nähergekommen zu sein, und Creyghton machte ein paar Andeutungen über drehfreie Weekends und Ausflüge nach Las Vegas.
»Läuft Ihre Serie noch, Earl?«, mischte ich mich ein. »Hieß sie nicht Gold der Piraten?«
»Gold, Liebe und Tod der Piraten!«, verbesserte er. »Über die Produktion von fünfzig neuen Folgen verhandle ich augenblicklich mit den Produzenten. Der Erfolg der Serie war ungeheuer. Weltweit brachte sie über tausend Millionen Dollar Gewinn. Die Produzenten raufen sich um die Rechte, und ich habe ihnen erklärt, dass ich unter hunderttausend Dollar Gage pro Folge nicht zu haben bin.«
Ich kannte solches Gerede. Jedermann in Hollywood behauptete, dutzendweise Eisen im Feuer zu haben. Ich beobachtete Earl Creyghton, während er redete. Eitel strich er sich über das volle Haar, rückte sein edles männliches Profil ins rechte Licht, schob das markante Kinn vor. Mir entging nicht, dass tiefe Falten seine Augen umgaben und seine Lider nervös flatterten.
Schließlich stand er auf und verabschiedete sich.
Judy sah ihm nach. »Armer Earl! Ein Film mit ihm war ein Flop. Seitdem zeigen ihm die Studiobosse die kalte Schulter.«
Im Lauf des Abends vergaß ich Earl Creyghton und konzentrierte mich auf Judy Mart. Nach Mitternacht tanzten wir zur Mariachi-Musik mexikanische Tänze, von denen ich nie gewusst hatte, dass ich sie konnte.
Um zwei Uhr morgens stiegen wir in den Jaguar, und bevor ich startete, gingen Judy und ich ein bisschen in den Clinch. Das dauerte zehn Minuten.
Dann machte sie sich frei und sagte: »Um sechs Uhr habe ich Kostümprobe mit Louella Pergan. Wenn wir uns zu lange hier festbeißen, wird der gemeinsame Teil der Nacht zu kurz.«
Klar, dass ich mich beeilte, den Jaguar in Gang zu bringen. Die Zufahrtsstraße wurde auf beiden Seiten von Palmen gesäumt. Ich schaltete die Scheinwerfer ein. Die Lichtkegel erfassten zwei Männer, die dicht beieinander am Straßenrand standen. Der eine Mann war mittelgroß, breitschultrig und trug zum schwarzen Anzug einen weißen Hut, der andere steckte in einem hellen Leinenanzug, war einen halben Kopf größer, und sein Haar glänzte silbrig.
»Das ist Earl Creyghton!«, rief Judy. Dann schrie sie auf.
