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The setting of Joseph and Aseneth is well known from Genesis: Joseph travels through Egypt collecting grain to ease the great famine to come. At the house of Pentephres, high priest of Heliopolis, he meets Aseneth. Young and beautiful, she rejected all men who asked for her hand in marriage, detesting everybody whom she did not consider as equal. Joseph is the first man whom she is impressed by. But when he refuses her greetings as unsuitable for him, as he bound his life to the God of Israel and she worships Egyptian idols, her world falls apart. Deeply offended, her search for the god of Joseph begins.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Kleine Bibliothek der antiken jüdischenund christlichen Literatur
Herausgegeben von Jürgen Wehnert
Vandenhoeck & Ruprecht
Joseph und Aseneth
Ein Roman über richtiges undfalsches Handeln
Übersetzt und eingeleitetvon Stefanie Holder
Vandenhoeck & Ruprecht
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sindim Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-647-99787-2
Weitere Ausgaben und Online-Angebote sind erhältlich unter: www.v-r.de
© 2017, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG,Theaterstraße 13, 37073 Göttingen/Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.www.v-r.deAlle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlichgeschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällenbedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.
Satz: SchwabScantechnik, Göttingen EPUB-Erstellung: Lumina Datamatics, Griesheim
Inhalt
Einleitung
Der Aufbau des Romans
Zum Inhalt des Romans
Überlieferung und Entstehung
Entstehungsort und kultureller Kontext
Der literarische und intellektuelle Kontext
Zur Theologie
Der Gottesbegriff
Konversion
Lichtmetaphorik, Namen und Beinamen
Ethik
Einordnung der Figuren in die biblische Tradition
Zur Übersetzung
Literatur
Übersetzung
Aseneth
Joseph
Die erste Begegnung
Aseneths Umkehr und Buße
Aseneths Bekenntnis vor Gott
Aseneths Begegnung mit dem Engel
Aseneths Hochzeit
Bekenntnislied der Aseneth an den höchsten Gott
Jakob in Ägypten
Der Anschlag auf Aseneth
Abkürzungen der biblischen Bücher
Einleitung
Der Aufbau des Romans
Wie sich Aseneth, die Tochter eines ägyptischen Priesters, zum Judentum bekehrte, beschreibt der erste Teil des Romans Joseph und Aseneth, Kapitel 1,1–21,9. Aseneth sieht Joseph, den Minister des Pharao, als er sich mit seinem Gefolge im Haus ihres Vaters zu Gast lädt, und ist beeindruckt von der Präsenz Gottes in seiner Erscheinung (5,1–6,8). Joseph aber distanziert sich von ihr, da sie anderen Göttern als dem Gott des jüdischen Volkes opfert. Aus Treue zu seinem Gott weist Joseph Aseneth ab und stellt damit auch die Verpflichtungen der Gastfreundschaft zurück. Seine Fürbitte um den göttlichen Segen leitet Aseneth auf den Weg der Gottessuche (7,1–9,2) und Buße (10,1b–17,10). Sie entfernt alle Götzenbilder aus ihren Räumen und trägt Trauer. In Abgeschiedenheit (10,1b–8a) tritt sie vor Gott, bekennt Gott ihre Reue, ihn missachtet zu haben, und bittet um seinen Beistand gegen die Nachstellungen ihrer alten Götter (10,8b–13,15). Ein Engel erscheint Aseneth und schließt die Bekehrung ab durch ein Mahl, an dem er sie teilhaben lässt (14,1–17,6). So geläutert, kann Aseneths Heirat mit Joseph stattfinden (19,1–21,9).
Im zweiten Teil des Romans, Kapitel 22–29, versucht der Sohn des Pharao Aseneth gewaltsam für sich zu gewinnen (23,1). In den Anschlag zu ihrer Entführung kann er jene Halbbrüder Josephs hineinziehen, die von den Nebenfrauen Jakobs abstammen, indem er ihnen die Lüge glaubhaft macht, Joseph plane, sie aus dem Land zu treiben (24,1–25,7). Der Anschlag wird vereitelt von Benjamin und denjenigen Halbbrüdern Josephs, die von Lea, der zweiten Hauptfrau Jakobs, geboren wurden (26,1–27,11). Als letztere für den Anschlag Rache nehmen wollen an den verräterischen Brüdern, kann Aseneth dies verhindern durch einen Appell an das biblische Gebot der Feindesliebe (28,1–17). Josephs Brüder kann sie überzeugen, doch für den Sohn des Pharao kommt jede Hilfe zu spät. Er erliegt seiner Kampfverletzung (27,3; 29,1–7). So übernimmt Joseph nach dem Tod des Pharao die Herrschaft über Ägypten (29,8–9).
Den Übergang zwischen beiden Teilen markiert ein Psalmgebet Aseneths (21,10–21), das dem Muster der biblischen Psalmen folgt.
Zum Inhalt des Romans
Die Rahmenhandlung von Joseph und Aseneth ist durch die biblische Josephserzählung vorgegeben (Gen 37; 39–50): Joseph durchreist als rechte Hand des Pharao Ägypten, um in der Zeit der sieben fetten Jahre Korn einzusammeln für die kommende Hungerzeit, die sieben mageren Jahre. Auf seinem Weg nimmt Joseph Quartier beim Hohenpriester von On/Heliopolis, Pentephres. Dort begegnet er Pentephres’ Tochter Aseneth, die, ebenso keusch wie schön, von allen Großen des Landes zur Braut begehrt wird. Pentephres träumt davon, sie dem mächtigen Minister Joseph zur Frau geben. Doch Aseneth widersetzt sich, zutiefst empört: Einen ehemaligen Sklaven, der mit der Frau seines Herrn verkehrte und so dessen Vertrauen gröblich missbrauchte, einen Fremden, einen Kanaanäer, den Sohn eines nomadisierenden Hirten – so einen Mann will sie nicht!
Ihr Widerstand schmilzt dahin, als sie vom Fenster ihres Zimmers, in das sie sich zurückgezogen hatte, um diesen Gast ihrer Eltern nicht begrüßen zu müssen, Joseph zum ersten Mal sieht. Sie ist überwältigt von der Präsenz Gottes in ihm und erkennt, dass ihre Ablehnung unberechtigt und vorschnell war. Tief beschämt über ihren Fehler hofft Aseneth, Joseph nicht gegenübertreten zu müssen. Doch Joseph entdeckt sie am Fenster.
Dass Aseneth ihn als einzige im Haus nicht begrüßt, ist Joseph zunächst nicht unrecht, da er es leid ist, von den Frauen der Ägypter bedrängt zu werden. Erst als er hört, dass Aseneth an Leib und Seele keusch geblieben ist, bittet er Pentephres, seine Tochter herbeizurufen. Ihre Mutter bringt Aseneth zu Joseph, damit auch sie den Gast begrüßt. Joseph begegnet ihr freundlich, ihren Willkommenskuss aber weist er zurück. Als er seine Ablehnung erklärt und um Gottes Segen für sie bittet, bricht Aseneths Welt zusammen. Ihre Suche nach dem Gott Josephs beginnt.
Joseph und Aseneth verbindet zwei zentrale menschliche Grundbestrebungen: die Suche nach einem Partner, mit dem man sein Leben teilen kann, und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Die Frage des Lebenssinns wird beantwortet mit der Suche nach dem höchsten und einzig wahren Seienden, konkret mit der Suche nach dem biblischen Gott. Was eine gelingende Partnerschaft ausmacht, wird mit Blick auf die Frage des Lebenssinns diskutiert.
Der Roman beginnt die Diskussion über den Lebenssinn, indem die äußeren Vorzüge der Hauptfiguren herausgestellt werden. Joseph ist mächtiger Minister des Pharao, von allen respektiert und Wohltäter des Landes. Aseneth ist schön und in eine vornehme Familie hineingeboren, die Pharaonen und Göttern seit Generationen dient und zu den einflussreichsten des Landes gehört. Doch die äußere Vorzüglichkeit der Charaktere wird in Joseph und Aseneth gezielt hinterfragt.
Zu Beginn der Erzählung finden wir Aseneth beständig mit sich selbst beschäftigt. Sie opfert ihren Götzen, lebt inmitten aller materiellen Güter zusammen mit sieben Ziehschwestern ihres Alters, die ihr genaues Abbild sind. Aseneth definiert sich beständig über ihre Lebensumstände und braucht konstant Bestätigung durch andere. Sie lebt in einer Welt der Angst: Sie opfert ihren Göttern, getrieben von Angst, und begegnet den Menschen, getrieben von Angst. Sie ist unsicher über ihren Wert als Person, weshalb sie sich an Äußerlichkeiten klammert und auch andere nur nach deren äußeren Vermögen, ihrem Besitz und ihren Fähigkeiten, bewerten kann. Nichts ist ihr gut genug, denn sie hat Angst, anderen nicht gut genug zu sein. Sie will die Anerkennung, begehrt zu sein von den Großen ihres Landes, erst recht, wenn diese noch über ihr stehen. Doch sie will nicht selbst begehren, noch viel weniger den Schritt vom Begehrtzum Geliebtwerden tun. Sie kann nicht voll lieben, denn sie kann nicht loslassen: Sie scheut sich, das Haus ihrer Eltern zu verlassen, die kleine Welt, in der jeder ihr zugeneigt ist und sie umhegt. Sie kann nicht für sich selbst stehen, denn ihr ist unklar, was ihre Identität ausmacht. Sie schafft ein Bild von sich aus von anderen entliehenen Versatzstücken und möchte ein stummes, taubes Idol bleiben wie die Idole, denen sie opfert. So erwartet sie, angstgetrieben, dass andere jedes noch so kleine ihrer Bedürfnisse befriedigen, wie sie, angstgetrieben, jedes noch so kleine Bedürfnis ihrer Idole zu befriedigen sucht.
Joseph fürchtet weder das Ausgeliefertsein in einem Kerker, noch das Ausgeliefertsein im Lieben, denn er steht selbstbewusst für sich. Mit derselben Sicherheit, mit der sich der Minister Joseph beim Hohenpriester und Herrn über Heliopolis, Pentephres, zu Gast lädt, deutet der Sklave Joseph die Träume des allmächtigen Pharao. Joseph kann den Wert seiner Mitmenschen anerkennen und ihrer Würde Achtung entgegenbringen. Er muss sich nicht mit schwachen Menschen umgeben, um der eignen Ängste Herr zu werden, oder sich beständig in anderen spiegeln, um herauszufinden, wer er selbst sein mag. Joseph weist nicht deshalb Aseneth zurück, um sie durch ein manipulatives Spiel von Nähe und Ferne, Wärme und Liebesentzug, halber Anteilnahme und ausschließlicher Selbstbezogenheit gefügig zu machen. Joseph weist Aseneth zurück, weil er sie als wesensfremd erkennt.
Joseph und Aseneth wirft die Frage auf, wie ein Mensch zu diesen inneren Vermögen des Joseph gelangen kann. Die Antwort ist zunächst religiös gefasst: Gottesliebe und Einhaltung der mosaischen Gebote sind die zwei Hauptelemente, denen der erste Teil des Romans in diesem Fragekontext nachspürt. Gottesliebe ist dabei sowohl die Liebe des Menschen zu Gott, als auch die Liebe Gottes zum Menschen, in der sich der Mensch bergen kann.
Mit der Gottesliebe ist aber auch die Notwendigkeit verbunden, mit anderen Geschöpfen Gottes gut umzugehen. Als Richtschnur einer sittlich richtigen Handlungsweise verweist daher der erste Teil von Joseph und Aseneth auf die mosaischen Gebote, auf ein positiv formuliertes Recht also, dessen Einhaltung der Roman strikt fordert.
Wie es gelingt, von der bloßen Einhaltung eines positiven Rechts zur Entwicklung eines selbstständigen inneren Gewissens zu gelangen, das erst echte sittliche Vorzüglichkeit garantiert, wird im zweiten Teil des Romans an verschiedenen Figuren diskutiert. Feindesliebe, der gute Umgang mit anderen Menschen also, selbst wenn diese das eigene Leben und die eigene Sicherheit willentlich gefährden, ist hier das zentrale Element und der Prüfstein, an dem sich die Figuren bewähren müssen.
Überlieferung und Entstehung
Die ältesten Handschriften, die den griechischen Originaltext von Joseph und Aseneth überliefern, stammen aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Übersetzungen in Armenisch, Koptisch, Syrisch, Kirchenslavisch und Latein machen die ungebrochene Popularität des Romans deutlich. Joseph und Aseneth wurde aber schon viel früher verfasst. Wann genau, muss aus Indizien gefolgert werden.
Die Sprache des Romans entspricht der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments. Eine besondere Nähe besteht zur Übersetzung der Psalmen (Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr.), der Genesis und den Heldenerzählungen in den Büchern Daniel, Tobit und Ester. Wesentlich später als Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. wiederum kann der Roman nicht verfasst worden sein, da sich in Joseph und Aseneth keine Auffälligkeiten in Grammatik und Wortschatz feststellen lassen, wie sie ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. bei Stilimitationen älterer Sprachstufen des Griechischen zunehmend zu finden sind. So ist der Zeitrahmen, in dem der Roman entstand, aus sprachlichen Gründen auf die Zeit vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. einzugrenzen. Dieser noch immer sehr lange Zeitraum lässt sich durch inhaltliche Aspekte weiter einschränken.
Mehrere Elemente legen nahe, dass die älteste Fassung des Romans in einem späthellenistischen jüdischen Umfeld entstand: Aseneths Angst, die Eifersucht des Gottes Israels herausgefordert zu haben (11,7); das Honigmotiv (Kapitel 16), das sonst nur aus dem Hohenlied bekannt ist (Hld 5,1); Gestaltungselemente, die sich ähnlich gehäuft nur im Buch Ester finden: die sieben Jungfrauen (Est 2,9); die Klage in Sack und Asche (Est 4,1); königliche Kleider und Diadem (Est 8,15); die Stola aus Byssosleinen (Est 6,8; 8,15); die Art der Polster, auf denen ein König liegt (Est 1,6). Aber auch Josephs betonte Abscheu vor der Unreinheit der Ägypter (7,1–5; 8,5–7) weist auf einen jüdischen Kontext der ältesten Redaktionsstufe des Romans. Die Forderung, nicht mit Nichtjuden zusammen zu essen, findet sich ähnlich vehement vertreten in den Büchern Daniel, Tobit und Judit (Dan 1,8– 16; Tob 1,11–12; Jdt 12,1–4).
Die älteste Redaktionsstufe muss zudem zu einer Zeit entstanden sein, in der man Aseneths Konversion sowohl erwarten, als auch problemlos akzeptieren konnte. In Gen 41,44–45 ist es Joseph, der einen ägyptischen Namen erhält, bevor ihm Aseneth vom Pharao zur Frau gegeben wird. Joseph passt sich also der Lebenswelt seiner Partnerin an, nicht umgekehrt, wie vom Roman vertreten. Joseph und Aseneth lässt nur eine Konversion zu, nicht aber Ehen mit Frauen, die eine andere Religion als das Judentum praktizieren. Die Aseneth des Romans setzt sich damit auch von den nichtjüdischen Frauen Davids und Salomos ab sowie von Ester, die einen nichtjüdischen Mann, wenn auch chaldäischen König, heiraten kann.
Stattdessen kehrt der Roman zurück zu Gen 26,34–35 und 28,1–2, wo Isaak seinen Sohn Esau kritisiert für dessen Ehen mit nichtjüdischen Frauen und seinen Sohn Jakob auffordert, eine Frau aus demselben Stamm zu wählen, dem er angehört. Dem väterlichen Gebot folgend geht Jakob zu Laban, einem Bruder seiner Mutter Rebekka, und nimmt dessen Töchter Lea und Rahel zu Hauptfrauen (Gen 29). Joseph und Aseneth betont, dass es „ein Gräuel ist vor dem Herrn“, wenn Juden und Fremde sich mischen, sei es bei Tisch, sei es in der Ehe (7,1; 8,7).
Anderseits folgt die älteste Fassung von Joseph und Aseneth nicht der Tradition von Esra 9–10, wo eine Heirat mit fremden Frauen abgelehnt wird, auch wenn sie konvertieren. Esra will sogar die Kinder vertrieben wissen, die Juden mit „fremden Frauen“ haben, nicht nur deren Mütter (Esr 10,44). Für das Esra-Buch und die in seiner Tradition stehenden jüdischen Gemeinden bleibt Zugehörigkeit über Abstammung definiert, nicht über religiöse Praxis. Entsprechend finden sich im gesamten Buch Esra Namenslisten derjenigen, die die mosaischen Gebote gehalten haben oder nicht.
Die Kritik in Nehemia 13,23–30 zielt auf den sozialen und kulturellen sowie auf den religiösen Aspekt. So kritisiert Neh 13,24 die nichtjüdische Sprache der Sprösslinge, und Neh 13,27 bezeichnet Mischehen als Treuebruch gegen Gott, ohne allerdings zu definieren, ob als Mischehen nur Ehen zwischen Juden und Nichtjuden, oder auch Ehen zwischen Juden und Konvertierten anzusehen sind.
So ist die älteste Fassung von Joseph und Aseneth in einem jüdischen Milieu der Zeit um 250 v. Chr. bis spätestens um 100 n. Chr. zu verorten, das sich mit der Notwendigkeit von Konversion und Einbindung von Proselyten in jüdische Gemeinden auseinandersetzen musste, aber nicht eine Position grundsätzlicher Abwehr einnahm. Eine erste Bearbeitung dieses Werkes stammt aus einem christlichen Umfeld. Sie kann aus sprachlichen Gründen nicht später als im 2. Jahrhundert n. Chr. entstanden sein und fügt den zweiten Teil des Romans mit seiner stark ethischen Ausrichtung hinzu. Der bearbeitete Text hält weiterhin fest an einer Konversion Aseneths, die durch Beachtung einer bestimmten religiösen Praxis definiert ist. Das Hauptmotiv des zweiten Teils, Vergebung und Feindesliebe, hier ausgedrückt in der Aufforderung, den Sohn des Pharao zu verarzten und zu seinem Vater zurückzubringen (29,3–6), dürfte jedoch christlichen Ursprungs sein (vgl. Mt 5,43–47), ebenso der eucharistische Charakter der Speisen, die Aseneth als Zeichen ihrer Konversion isst (16,16).
Nach der Überarbeitung kann Joseph und Aseneth nicht länger ausschließlich als Rechtfertigungsschrift für die Akzeptanz von jüdischen Proselyten gelesen werden. Vielmehr geht es um eine ethische Haltung, die von allen Juden und Christen gefordert wird, unabhängig davon, ob sie konvertierten oder nicht.
Eine zweite Bearbeitung von Joseph und Aseneth fällt in das 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Die Gestaltung der Wohnung Aseneths ähnelt spätantiken beziehungsweise frühbyzantinischen Kaiserpalästen (2,2; 13,6). Spätantiken Interessen und Schwerpunktsetzungen entsprechen auch die ausgeprägte Engelmystik und die für Joseph übernommene Helios-Ikonographie.
In Gen 41,42–43 erfahren wir nur, dass Joseph vom Pharao reiche Kleidung erhielt und auf dessen zweitem Wagen fahren durfte. In 5,4–5 hingegen wird Joseph, als er auf seinem Wagen das erste Mal bei Pentephres einfährt, folgendermaßen beschrieben: „Joseph kam heran, wobei er auf dem zweiten Wagen des Pharao stand, und die vier Pferde waren weiß wie Schnee, mit goldenem Zaumzeug aneinander gespannt, und der ganze Wagen war aus Gold gefertigt. Und Joseph war in ein weißes, ausgezeichnetes Untergewand gehüllt, sein Obergewand, das um ihn herumgelegt war, war purpurn, von golddurchwirktem Leinen aus Byssos, und ein goldener Kranz war auf seinem Kopf. Auf dem Reif des Kranzes waren zwölf erlesene Steine angebracht und auf den Steinen waren zwölf goldene Strahlen. Er hielt einen königlichen Stab in seiner linken Hand und in seiner rechten Hand hielt er einen Olivenzweig mit einer Vielzahl Früchte daran und in den Früchten war viel Öl.“ Auch Helios trägt seit Texten der frühen Kaiserzeit einen Kranz auf dem Kopf, von dem Strahlen abgehen (Ovid, Metamorphosen 2,40–41; 124; Proklos, Hymnen 1,1; 1,33). Bei Homer hingegen „blickt der leuchtende Helios herab mit seinen Strahlen“, wenn er am Himmel seine Bahnen zieht (Homer, Odyssee 11,16) – das Strahlen geht in Homers Text von den Augen aus. Licht, das von den Augen ausgeht, ist bei Apollonios Rhodios, der im 3. Jahrhundert v. Chr. schrieb, ein Erkennungsmerkmal für Helios’ Kinder (Argonautica 4,727–729). Da das Strahlen in 5,5 von Josephs Krone ausgeht, dürfte Joseph und Aseneth dieses Detail aus der Tradition frühkaiserzeitlicher Texte übernommen haben.
Weil auch spätantike Mosaike einen jugendlichen Helios mit einem Kranz zeigen, von dessen Steinen Strahlen abgehen wie bei Joseph in 5,5, und manche dieser Mosaike auf dem Boden von Synagogen zu finden sind, die teils noch auf das 6. Jahrhundert datieren (Beth Alpha und Isfiya), ist jedoch auch denkbar, dass Joseph und Aseneth
