Jossa und die Junggesellen -  - E-Book

Jossa und die Junggesellen E-Book

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Beschreibung

Ein Schwabing-Roman, heiter, satirisch, um den großen Bibliophilen C. G. von Maaßen, in einer Neuausgabe

Das E-Book Jossa und die Junggesellen wird angeboten von Emig, Günther und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Schwabing, Bibliophilie, Schlüsselroman, Bohéme, E.T.A.Hoffmann, Carl Georg von Maassen

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Seitenzahl: 233

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Willy Seidel

Jossa und die Junggesellen

Roman

Herausgegeben von Günther Emig

ISBN 978-3-921249-83-3

© 2014 by Günther Emig

Alle Rechte vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis
Kleiner Exkurs über Privatgelehrte
Das Wohnungsamt und Herr von Uzbach
Intimeres
Von Privatdrucken und gesundem Schlaf
Diogenes
Die Gewissensfrage
Aufmarsch der Charakterköpfe
Die Zelebrierung
Genie und Xanthippe
Zapp »rutscht aus«
Der Alpdruck der Verständnisinnigkeit
Siebenrogg mordet Goethe
Nächtliches Finale
Vom inneren Frösteln
Leiden des »freien Schaffens«
Gundermann als Krankenpfleger
Hoch, alter Raspel!
Familie und Le Nu au »Salon«
Wenig erfrischendes Zwiegespräch
Postillon d’Amour
Die Katastrophe des Badeofens
Der Groß-Kophta
Jossa rediviva
Die Sache mit dem Schutzengel
Hübsche Aussicht und Examensangst
Allerhand Nasenstüber
Die »Braut« und behindertes Diktat
Faschingskatastrophe
Melancholisches Intermezzo
Historischer Spaziergang
Von Hoch- und Tiefen-Ehen

Kleiner Exkurs über Privatgelehrte

Wo heute noch (so muß der Verfasser allen Ernstes fragen) gibt es eine Behausung wie die des Herrn von Uzbach? Behausung kommt von hausen, und es ist eine seltsame Tatsache, daß eingefleischte Junggesellen selten wohnen, sondern meistens hausen. Darunter stellt sich ein Bürger stets etwas irgendwie Ungebundenes, Zufälliges, Ungeputztes – jedenfalls Antisoziales vor.

Mit dem munteren Wort hausen ist damit gleichzeitig eine leise Abkehr von den Tugenden angedeutet, die man staatserhaltend nennt, und das Drohnenhafte solcher Existenz kann nur durch emsige Mitwirkung am Gemeinwohl entschuldigt werden. – Ein Beamter jedoch wiederum, selbst als Junggeselle, würde nie hausen, sondern stets wohnen, indem er nämlich die Systematik seiner Lebensführung auch durch Sofaschoner, stets geglättete Plumeaus, nüchtern polierte Mahagonimöbel oder grimme Mottenabwehr erglänzen ließe. Und um den beklagenswerten Individualisten unter ihnen, die auch ohne die Brutwärme eines Heims, ohne löblich reguliertes Sinnenventil auszukommen vermeinen – um selbst diesen noch gefällig zu sein, schuf der Staat jene staunenswerte Organisation: das Wohnungsamt. Damit ist die Wohnungsfrage für einen großen Teil der deutschen Bevölkerung bereits glücklich gelöst, – nämlich für die Angestellten eben dieses Wohnungsamtes.

Hat der Rest der Beamtenbevölkerung Heiratsabsichten, so gelingt es wohl einigen durch sture Geduld und Einpökelung ihres Vermehrungstriebs der heiteren Daseinsverklärung nahezukommen, dem »Besitz einer Wohnung«. Damit ist schon beinahe für das ganze deutsche Volk gesorgt. Der winzige Bruchteil, der sich unabhängig gebärdet, das Völkchen also der wahrhaft »freien« Berufe, ist mit strengem Finger aufs Hausen verwiesen. Und König Lear, von seinen Töchtern an die Luft gesetzt, bekäme in Deutschland seinen Terminbescheid und hätte Muße, sich über den Segen der freien Berufe klar zu werden oder jenen Spezialfall von Psychose zu entwickeln, der in »Möblierten Zimmern« gedeiht. Der Staat würde schließlich den lallenden Greis, vom Blut einer musikalischen Aftermieterin oder einer »streng soliden« Pensionsmutter besudelt, trotz seiner Wertlosigkeit für das Allgemeinwohl irgendwo zu Ende verköstigen…

Wo aber der Staat mit Recht keinen Finger rühren würde, das ist bei jenen Schmarotzern in Reinkultur und Drohnen der Fall, nämlich bei Künstlern oder Schriftstellern. Hat doch dies Volk von jeher bewußten Gegensatz betrieben zu allem Organisierbarem. Auf Anmeldezetteln drückt es sich dunkel aus; zerfließenden Charakters, wie es ist, kann die zielbewußte Steuerpranke es kaum leichter erfassen als einen Haufen von Aalen. Eine ganz besonders anrüchige Sorte unter den Leuten der Feder sind die sogenannten »Privatgelehrten« – eine begrifflich schillernde Schicht zwischen besoldeter Wissenschaft und nebelhaftem Literatentum. Schriftsteller wollen sie sich nicht nennen lassen, da ein Rest von Bürgerlichkeit sie argwöhnisch stimmt gegen solches Pack. Andererseits zieht es sie nicht zur beamteten Wissenschaft, da sie gerne ihren Privatgelüsten folgen. So tragen sie einen Januskopf und auf diesem ein Ding, das halb als Jakobinermütze und halb als Zylinder anmutet. Ein Zwiespalt wohnt ihnen im Busen, mit dem sie alle Welt äffen. Der Staat empfindet sie als große Sorgenkinder. Bastardberufe sind das, voll von Finten. Meistens sind sie, trotz anscheinender Biederkeit und bisweilen goldener Uhrketten, Advokaten des Libertinismus und immer gleich vornedran, wo es einen Stunk gibt; wo es offene Briefe oder sonstige Nörgeleien zu unterschreiben gibt. Bisweilen paktieren sie schamlos mit dem Künstlertum und machen sich zu dessen Komplizen; ihre Erwerbsquellen sind denkbar dunkel. Kein strammer Staat dürfte solche Maulwürfe dulden. – So viel über Privatgelehrte; ich habe sie hoffentlich in die richtige Beleuchtung gesetzt, die dunklen Brüder.

Das Wohnungsamt und Herr von Uzbach

Das besonders Aufreizende an Herrn von Uzbach nun war, daß er eine geräumige Wohnung besaß und daß es einen derartigen Tumult ergab, als er sie mit andern weitaus nützlicheren Leuten, soliden Schräubchen der Staatsmaschine, teilen sollte, – ein solches Zetermordio und Gepoche auf geistige Güter, daß er den Staat breitschlug. Der Staat zog sich denn auch nach einem papiernen Ansturm von ihm zurück. Unser Freund hatte gesiegt: ein Individuum gegen die schauerlich geschlossene Front: die Beamtenorganisation. Ein Haufe von alten Büchern hatte gesiegt. Die einzugslüsternen Herren hatten Büchern weichen müssen, Büchern verdächtigen, durchaus nicht immer moralischen Inhalts, die nur den einen fragwürdigen Vorzug hatten, sogenannte Erstausgaben zu sein. – Wenn nun Herr von Uzbach Dankbarkeit gezeigt, wenn er nur mäuschenstill sein spärliches Brot weitergeknabbert hätte! Aber im Gegenteil! Er trieb es so wie bisher, nun fühlte er sich erst recht zu Hause in seiner unverantwortlichen Sphäre; er saß auf seinen finster erworbenen Privilegien wie ein Gockel und ließ den billigen Kamm noch höher schwellen, sozusagen.

Dies freche Verhalten bemäntelte er mit hergeholten Spitzfindigkeiten, die ein tüchtiger Beamter nachzukontrollieren sich gar nicht die Zeit nehmen durfte. Er faselte nämlich von der »Verpflichtung des Staates ideellen Werten gegenüber«, von Kultur, Tradition und sonstigem Schnickschnack. Er behauptete, auch er falle unter das Wesen der Tradition, indem er dem Volke geistige Güter der Vergangenheit lebendig erhalte. Wenn überhaupt als Argument verwendbar, war dies ein Standpunkt, der das Ressort in Frage, das Wohnungsamt, eigentlich gar nicht betraf. Nach einem liebreichen Briefwechsel versuchte man ihm mündlich klarzumachen, daß die betreffenden Einwände gar wohl mit den beiden ruhigen Aftermietern zur Harmonie verschmolzen werden könnten. Was tat aber er? Mit aktenaufwirbelnder Vehemenz räusperte er sich und erklärte mit schneidender Schärfe (wobei er dem Vater Staat verächtlich auf die eiserne Uhrkette schielte), man »mache seine Forschungen unmöglich«.

»Welcher Natur denn«, fragte man tastend den Privatgelehrten, »seine Forschungen seien?« Er erwiderte: »Er beschäftige sich mit Grabbe. Es sei sein Lebenswerk.« Aus allerhand Gründen ließ man es auf sich beruhen, was es mit diesem Grabbe für eine Bewandtnis habe. Nach einer Pause inquirierte man weiter: »Ob er nicht irgendeinen Beweis – eine gedruckte Ausfertigung – eine Legitimation dafür erbringen könne, – daß er sich mit – solchen Studien beschäftige?« Worauf von Uzbach gewissermaßen unbotmäßig durch die verstopfte Nase schnob und dem Wohnungsamt anheimstellte, »sich auf die zwanzigbändige Grabbeausgabe, die einzige, die wissenschaftlich in Frage komme, zu abonnieren. Die ersten sechs Bände seien bereits erschienen, und wenn Gott ihm das Leben schenke, werde er sie zu Ende führen.«

Die am Schalter angesammelten Herren besprachen sich leise miteinander in ihrer Mundart und teilten ihm dann mit, daß sie »zwar nicht die Absicht hätten sich zu abonnieren, der gewünschte Beweis aber immerhin als erbracht gelten könne. Ob aber nicht vielleicht ein einzelner Untermieter Platz finde? Wenn er seine Bücher zusammenrücke…«

»Sie wollen mir also zumuten«, sagte er, »meine Bücher umzustellen. Fünfzehntausend Bücher, meine Herren. Ein unrettbares Chaos, meine Herren. Wo bleibt dann die systematische Forschung? Sie wird zur Farce. Schon die Vorstellung treibt mich zum Selbstmord. – Gut! Gut! Schicken Sie Ihren Mann. Schicken Sie Ihren Schützling.«

»Der Ausdruck Schützling ist absolut unziemlich.«

»Also Ihren Herrn… Gewiß einen biederen, ruhigen… o Gott! Auf den Trümmern meines Lebenswerkes wird er sein kümmerliches Behagen finden. Wenn er das Zimmer bezieht, so geht es über meine Leiche.«

Man habe ihn von Amts wegen vorgeladen. Er solle nicht so verstiegen daherreden.

Herr von Uzbach hielt nun die Zeit für gekommen, seinen Trumpf auszuspielen. »Sie wissen vielleicht nicht alles, meine Herren«, sagte er eintönig. »So zum Beispiel wissen Sie nicht, daß meine Bibliothek so wertvoll ist, daß selbst die Machthaber der Rätezeit ein Einsehen hatten. Daß sie zwei Soldaten zum Schutz vor meine Wohnung postierten. Wollen Sie Beweise? – Was selbst die Jakobiner nicht anzutasten wagten…«

Hier gab es eine erschrockene Pause. »Wenn sich das so verhält, Herr von Uzbach«, beeilte man sich darauf zu versichern, »so fällt Ihre Wohnung selbstverständlich auch heute noch unter Denkmalschutz. Warum haben Sie das nicht schon längst erwähnt?«

»Na, sehen Sie«, sagte der Privatgelehrte, »sehen Sie…« Dies klang stark provozierend und hinterließ eine Mischung von Verblüfftheit und dicker Luft.

Die soeben geschilderte dramatische Szene trägt dazu bei, daß man begreift, wie es zuging, daß unser Held den Zeitenstürmen getrotzt hatte. Ja: sein Selbstbewußtsein erfuhr durch ein vollgerüttelt Maß von Nackenschlägen eher noch einen Zuwachs. Andere wären wohl kopflos geworden. Aber seine Persönlichkeit, in zarter Jugend schon eine Nuß hart zu knacken, schärfte sich mit dem Alter und wurde zu wetterfester Originalmischung, – auf die Flasche einer Körperlichkeit gezogen, die unverwüstlich schien. So reifte sie und läuterte, relativ gesprochen, ihre Würze. Nur Bosheit oder enttäuschte Weiblichkeit konnten es über sich bringen, das köstlich Konservative, das in seinen Lastern und Tugenden lag, mit einem Kaktus oder Flederwisch zu vergleichen. Nur billige Oberflächlichkeit, seichtes Mitläufertum im Sensationstrubel unserer Zeit, konnte verkennen, daß man es hier mit einer seltenen Erscheinung zu tun hatte. Er war ein ruhender Pol, um den sich alle sammelten, die einen dumpfen Widerwillen spürten gegen das Heute; eine Heimatstätte für allerlei begabtes Gelichter, ein strenger Mentor für wurzellose Seelen, und ebenso ein Zechkumpan für bürgerlich Gefestigte, die sich »einen netten Abend« machen wollten.

Beide Typen zusammenzubringen, Gegensätze zu schüren und dann mild versöhnend seine Hand über das Gebrodel zu strecken, – das behagte ihm ungemein und war sein eigentliches Element. In dieser geistigen Luft fand auch die Erotik ihr Heimatrecht. Sie wurde bejauchzt als Zufallstreffer, als Wortspielerei beschmunzelt, – unter Umständen als Situation genossen. Da sie nun mit demselben Ernst gepflegt wurde wie alles andere, so wurde irgendwie das achtzehnte Jahrhundert wieder beschworen – das verliebte und gleichzeitig ironische…

Ein schlichtes Gemüt, (wie wir bald sehen werden) konnte wohl verblüfft dabei aufbrausen. Aber wir müssen Herrn von Uzbach zugute halten, daß auch ein Zötchen Daseinsberechtigung hat, wenn seine Augenblickseltern Witz und Geschmack heißen. Selbst bei einem kapitalen Schwips, wo andere nicht umhinkonnten sich verwildert auszudrücken, gab es bei ihm noch eine gewisse Zierlichkeit, zum mindesten Komik.

Die Grenze zwar, wo diese Komik unfreiwillig wurde, schwankte. Sie blieb sein und seines hoch geschätzten Freundes Schweikhardt Gundermann ehernes Privatgeheimnis. Daher kam die dauernde Unruhe der Mädchen, weil sie seine Achillesferse nicht fanden und nie wußten, wann sie mit gutem Gewissen über ihn losplatzen durften oder wann dies hinter die hohle Hand gehörte. So erhielt er sie alle in gemäßigtem Frohsinn, die lieben unentbehrlichen Schelme.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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