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Das Thema der Jugenddelinquenz wird in diesem Band interdisziplinär durch Vertreter der Psychologie, der Jugendpsychiatrie, der Kriminologie, der Sexualwissenschaft und der Justiz abgehandelt. Dabei werden drei zentrale Themen herausgestellt: Bedingungsfaktoren für die Entstehung von delinquentem Verhalten, die Untersuchung delinquenter Jugendlicher aus der Perspektive der forensischen Diagnostik und Begutachtung sowie Ansätze zur Intervention und Prävention.
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Seitenzahl: 438
Veröffentlichungsjahr: 2008
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Das Thema der Jugenddelinquenz wird in diesem Band interdisziplinär durch Vertreter der Psychologie, der Jugendpsychiatrie, der Kriminologie, der Sexualwissenschaft und der Justiz abgehandelt. Dabei werden drei zentrale Themen herausgestellt: Bedingungsfaktoren für die Entstehung von delinquentem Verhalten, die Untersuchung delinquenter Jugendlicher aus der Perspektive der forensischen Diagnostik und Begutachtung sowie Ansätze zur Intervention und Prävention.
Wichtiger Hinweis:
Die Verfasser haben größte Mühe darauf verwandt, dass die Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entsprechen.
Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.
Hans-Christoph Steinhausen Cornelia Bessler (Hrsg.)
Jugenddelinquenz
Entwicklungspsychiatrische und forensische Grundlagen und Praxis
Mit Beiträgen von Andreas Beelmann, Cornelia Bessler, Christiane Bosold, Corinne Bouvard, Andreas Brunner, Volker Dittmann, Theo A. H. Doreleijers, Jörg Fegert, Patrick Frottier, Daniel Gutschner, Frank Hässler, Sandrine Haymoz, Leslie Herrmann, Daniela Hosser, Matthias Jäger, Niranjan S. Karnik, Peter Keiper, Martin Killias, Maya Krischer, Friedrich Lösel, Sonia Lucia, Belinda Plattner, Friedemann Pfäfflin, Renate Schepker, Detlef Schläfke, Klaus Schmeck, Kathleen Schnoor, Kathrin Sevecke,
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
1. Auflage 2008 Alle Rechte vorbehalten © 2008 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-019411-3
E-Book-Formate
pdf:
978-3-17-026622-3
epub:
978-3-17-027334-4
mobi:
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Vorwort
1 Neue Ansätze zur Jugenddelinquenz: Neurowissenschaften und Entwicklungspsychiatrie
2 Screening und Diagnostik bei delinquenten Jugendlichen1
3 Die Entwicklung von antisozialen Persönlichkeitsstrukturen
4 Zunehmende Jugenddelinquenz – eine Herausforderung auch für die Schule
5 Das Psychopathy-Konzept für Jugendliche – empirische Ergebnisse und forensischpsychiatrische Aspekte
6 Moralische Entwicklung und Strafreife aus jugendpsychiatrischer Sicht
7 Grenzen und Unzulänglichkeiten der psychiatrischen Diagnosesysteme in der Forensischen Jugendpsychiatrie
8 Entwicklungspsychopathologische Verläufe externalisierender Störungen vom Jugendzum frühen Erwachsenenalter
9 Entwicklungsorientierte Prävention dissozialen Verhaltens durch Eltern- und Kindertrainings – Theoretische Grundlagen und Stand der Forschung1
10 Jugendgewalt: Befunde – öffentliche Wahrnehmungen – Präventionspolitik
11 Maßregelvollzug für Jugendliche
12 Erziehung im Jugendvollzug
13 Jugendliche Sexualstraftäter Persönlichkeitsmerkmale, Beurteilungsverfahren und Behandlungsansätze
14 Standards zur Behandlung von Sexualstraftätern
15 Qualität der Schuldfähigkeitsbegutachtung in Strafverfahren wegen Sexual-, Tötungs- und Brandstiftungsdelikten
16 Vom Opfer zum Täter
Stichwortverzeichnis
Prof. Dr. phil. Andreas Beelmann,
Universität Jena, Institut für Psychologie, Humboldtstr. 26, D-07743 Jena
Dr. med. Cornelia Bessler,
Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9, Postfach, CH-8032 Zürich
Dr. Christiane Bosold,
Kriminologisches Forschungsinstitut, Niedersachsen (KFN), Lützerodestr. 9, D-30161 Hannover
Lic.iur. Corinne Bouvard,
Oberstaatsanwaltschaft des Kt. Zürich, Florhofgasse 2, Postfach, CH-8090 Zürich
Dr. iur. Andreas Brunner,
Oberstaatsanwaltschaft des Kt. Zürich, Florhofgasse 2, Postfach, CH-8090 Zürich
Prof. Dr. med. Volker Dittmann,
Universitäre Psychiatrische Kliniken UPK, Psychiatrische Klinik, Abt. Forensische Psychiatrie, Wilhelm-Klein-Str. 27, CH-4025 Basel
Prof. Dr. med. Th. A. H. Doreleijers,
Freie Universität Amsterdam, Paedologisches Institut, Po Box 303, NL-1115ZG Duivendrecht
Prof. Dr. med. Jörg Fegert,
Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, Steinhövelstr. 5, D-89075 Ulm
Dr. med. Patrick Frottier,
Justizanstalt Mittersteig, Mittersteig 25, A-1050 Wien
Dr. Daniel Gutschner,
Institut für forensische Kinder- und Jugendpsychologie, -psychiatrie und -beratung, Marktgasse 29, CH-3000 Bern 7
Prof. Dr. med. Frank Hässler,
Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Universität Rostock, Ulmenstr. 44, D-18057 Rostock
Sandrine Haymoz, MA,
Institut für Kriminologie und Strafrecht, Ecole des sciences criminelles, Université de Lausanne, CH-1015 Lausanne
Leslie Herrmann, MA,
Institut für Kriminologie und Strafrecht, Ecole des sciences criminelles, Université de Lausanne, CH-1015 Lausanne
Dr. phil. Daniela Hosser,
Kriminologisches Forschungsinstitut, Niedersachsen (KFN), Lützerodestr. 9, D-30161 Hannover
Dr. med. Matthias Jäger,
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Lenggstr. 31, CH-8032 Zürich
Niranjan S. Karnik,
Division of Child Psychiatry and Child Development, Stanford University School of Medicine, 4021 Quarry Road, Stanford, California 94305-5719, USA
Dr. med. Peter Keiper,
Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Universität Rostock, Ulmenstr. 44, D-18057 Rostock
Prof. Dr. iur. Lic. phil. Martin Killias,
Rechtswissenschaftliches Institut, Universität Zürich, Rämistr. 74/39, CH-8001 Zürich
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Maya Krischer,
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität zu Köln, Robert-Koch-Str. 10, D-50931 Köln
Prof. Dr. phil. Friedrich Lösel,
University of Cambridge, Institute of Criminology, Sidgwick Avenue, Cambridge, CB3 9DT, United Kingdom
Sonia Lucia, MA,
Institut für Kriminologie und Strafrecht, Ecole des sciences criminelles, Université de Lausanne, CH-1015 Lausanne
Dr. phil. Belinda Plattner,
Division of Child Psychiatry and Child Development, Stanford University School of Medicine, 4021 Quarry Road, Stanford, California 94305-5719, USA
Prof. Dr. med. Friedemann Pfäfflin,
Universitätsklinikum Ulm, Forensische Psychotherapie, Am Hochsträss 8, D-89081 Ulm
Prof. Dr. med. Renate Schepker,
Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie, Die Weissenau (ZfP), Weigartshofer Str. 2, D-88214 Ravensburg-Weissenau
Prof. Dr. med. Detlef Schläfke,
Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Universität Rostock, Ulmenstr. 44, D-18057 Rostock
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Klaus Schmeck,
Kinder- und Jugendpsychiatrische Universitätsklinik und -poliklinik (KJUP), Schaffhauserrheinweg 55, CH-4058 Basel
Ref. iur. Kathleen Schnoor,
Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, Steinhövelstr. 5, D-89075 Ulm
Dr. med. Kathrin Sevecke,
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität zu Köln, Robert-Koch-Str. 10, D-50931 Köln
Melissa Silverman,
Division of Child Psychiatry and Child Development, Stanford University School of Medicine, 4021 Quarry Road, Stanford, California 94305-5719, USA
Richard Shaw,
Division of Child Psychiatry and Child Development, Stanford University School of Medicine, 4021 Quarry Road, Stanford, California 94305-5719, USA
Prof. Dr. med. Hans Steiner,
Division of Child Psychiatry and Child Development, Stanford University School of Medicine, 4021 Quarry Road, Stanford, California 94305-5719, USA
Prof. Dr. med. Dr. phil. Hans-Christoph Steinhausen,
Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Universität Zürich, Neumünsterallee 9, Postfach, CH-8032 Zürich
Prof. Dr. iur. Michael Walter,
Universität zu Köln, Institut für Kriminologie, Albertus-Magnus-Platz, D-50923 Köln
Dr. phil. Christa Winkler Metzke,
Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünserallee 9, Postfach, CH-8032 Zürich
Der vorliegende Band widmet sich in einem Dialog zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen – der Psychologie, der Jugendpsychiatrie, der Kriminologie, der Sexualwissenschaft und der Justiz – einem gesellschaftlich äußerst bedeutsamen Gegenstand. Die Jugenddelinquenz wird aus zahlreichen, einander ergänzenden Perspektiven dieser Disziplinen analysiert, wobei sich die Reflexion des Wissenstandes mit der Frage nach effizienten Maßnahmen für die betroffenen Jugendlichen verbindet. Dieses von internationalen Experten erstellte Werk wird durch mehrere große Themen verbunden.
Ein erstes zentrales Thema stellt die Entwicklung dar. In verschiedenen Beiträgen werden sowohl die Entstehungsbedingungen als auch die Konzeptualisierungen für dissoziales und delinquentes Handeln systematisiert und dargestellt. Dabei wird verdeutlicht, in welcher Art individuelle und kontextuelle Faktoren in der Verursachung der Jugenddelinquenz in transaktionalen Zusammenhängen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven modellhaft und zugleich auf umfangreiche empirische Forschungsergebnisse gestützt zusammenwirken. Mit Ansätzen aus Entwicklungspsychologie und -psychiatrie, Neurowissenschaften und Kriminologie wird eine Zusammenschau der zahlreichen Bedingungselemente delinquenten Handelns Jugendlicher erstellt, in der sowohl persönlichkeitsgebundene als auch kontext- und umweltvermittelnde sowie gesellschaftliche Faktoren einen bedeutsamen Platz einnehmen. Es wird deutlich, dass die interdisziplinäre Forschung in diesem Schwerpunkt besonders umfangreiche Beiträge geleistet hat, die zum Verständnis der Entwicklungsbedingungen und des Verlaufs der Jugenddelinquenz wesentlich beitragen.
In einem zweiten Hauptthema des vorliegenden Buches werden spezifische Aspekte der Untersuchung von delinquenten Jugendlichen speziell aus der Perspektive der forensischen Diagnostik und Begutachtung behandelt. Unter Berücksichtigung verschiedener europäischer strafrechtlicher Systeme z. B. in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Fragen zur Wertigkeit, Struktur und Qualität forensischer gutachterlicher Aktivitäten aufgeworfen. In diesem Zusammenhang werden Untersuchungsmethoden und -inhalte, Probleme der Risikoabschätzung und Qualifikationen der beteiligten Fachpersonen erörtert. Dabei werden auch kritisch die Grenzen sowohl der vorhandenen Klassifikationen und Diagnosesysteme als auch die Defizite beispielsweise in der praktischen Schuldfähigkeitsbegutachtung aufgezeigt. Wegen der besonderen Bedeutsamkeit im Rahmen der Jugenddelinquenz wird das Thema der jugendlichen Sexualstraftäter in speziellen Beiträgen dieses Buches dargestellt, um u. a. den Notwendigkeiten der spezifischen gutachterlichen Abklärung und Begutachtung Rechnung zu tragen.
Das dritte zentrale Thema dieses Buches ist die Intervention und Prävention in verschiedenen Kontexten. Mit Beiträgen aus zahlreichen Kapiteln wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten und Grenzen für therapeutische Ansätze beispielsweise im Maßregelvollzug für Jugendliche bestehen und welche Einschränkungen bei der Umsetzung des Erziehungsauftrags in der Jugendstrafe weiterhin bestehen. Zugleich wird aber auch deutlich, dass in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern, den Medien und der Öffentlichkeit eine aktivere Prävention betrieben werden muss, um der Jugenddelinquenz wirkungsvoll zu begegnen. Dabei zeigen die einzelnen Beiträge nicht nur Richtungen auf, sondern dokumentieren in kritischer Weise, in welcher Weise und welchem Umfang beispielsweise durch verhaltensorientierte Programme zur Förderung der sozialen Kompetenz im frühen Kindergartenalter oder Elterntrainings der Entwicklung dissozialen Verhaltens vorgebeugt bzw. korrigierend begegnet werden kann. Auch in dieses Thema ist die spezifische Perspektive auf die Gruppe der jugendlichen Sexualstraftäter einschließlich der vorhandenen Therapieansätze wie auch der noch fehlenden Defizite bei den Behandlungsstandards eingeschlossen.
Die Beiträge zu dem vorliegenden Band wurden durch den Aufbau einer Fachstelle für Kinder- und Jugendforensik am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich wesentlich angeregt. Diese für die Schweiz einmalige Referenzinstitution fühlt sich neben ihrer fachspezifischen Arbeit in der forensischen Begutachtung, Beratung, Therapie und Konsiliartätigkeit auch verpflichtet, den wissenschaftlichen Dialog über Fragen der Jugenddelinquenz zu intensivieren und damit zugleich auch die interessierte Öffentlichkeit zu erreichen. Zu diesem Zweck wurde im Herbst 2005 ein internationales Symposium mit ausgewählten Themen und Referenten veranstaltet. Die Beiträge zu diesem interdisziplinär strukturierten und inhaltlich sorgfältig abgestimmten Symposium wurden von den Referenten für das vorliegende Buch noch einmal bearbeitet. Ihnen sei für ihren großen Einsatz im Interesse der Ausweitung und Intensivierung nicht nur der fachlichen Diskussion, sondern auch des dringend gebotenen gesellschaftlichen Diskurses über die zahlreichen der Aspekte der Jugenddelinquenz herzlich gedankt.
Hans-Christoph Steinhausen und Cornelia Bessler
Hans Steiner, Niranjan S. Karnik, Belinda Plattner, Melissa Silverman und Richard Shaw
„Jedes Kind beginnt sein Leben als ein asoziales Wesen, in dem es darauf besteht, dass seine Wünsche erfüllt werden, ohne die Wünsche und Forderungen seiner Mitmenschen zu berücksichtigen. Dieses Verhalten wird für das junge Kind als normal angesehen, jedoch als asozial oder dissozial, wenn das Kind älter wird. Das Kind muss zu einem Zustand der prosozialen Anpassung erzogen werden; diese Aufgabe kann nur erfüllt werden, wenn die emotionale Entwicklung des Kindes normal verläuft.“
Verwahrloste Jugend, August Aichhorn (1930)
Jugenddelinquenz ist und verbleibt ein zentrales soziales Problem auf dem ganzen Globus. Unabhängig von den spezifischen sozialen und kulturellen Kontexten kämpfen die Gemeinschaften mit den Methoden, um ihre Kinder angemessen zu sozialisieren, so dass sie produktive und beitragende Mitglieder der Gesellschaft werden. Die Delinquenz kann als ein fehlangepasster Pfad der Entwicklung betrachtet werden, der in antisozialem und kriminellem Verhalten bei Kindern münden kann, so dass sie sich selbst, andere oder die Gemeinschaft im weiteren Sinne schädigen. Delinquente nach der Art ihrer Verbrechen und anderer kriminologischer Kriterien zu gruppieren, erbrachte nur einen geringen Erfolg bei den Bemühungen um Rehabilitation und Prävention der ungünstigen Verläufe sowie der Wiederholungstaten. Diese Erfahrung macht es notwendig, neue Ansätze für das Thema der fehlangepassten Aggressionen bei Jugendlichen zu entwickeln. Ebenso ist es relativ erfolglos, Delinquente als eine solide psychopathologische Gruppe zu verstehen, denn das führt zu einer sehr breiten und heterogenen Kategorie, die nur geringe prädiktive Validität hat, wenn man den lang- und kurzfristigen Verlauf vorhersagen will (Steiner und Cauffmann 1998). Der Blick auf die Delinquenz durch die Linsen der Kriminologie hat insofern einigen Vorteil und muss als solcher bewahrt bleiben, als er die Gemeinschaft schützt und die Einrichtung von speziellen Einrichtungen für Haft und Rehabilitation ermöglicht. Ergänzend dazu ist jedoch die folgende Perspektive, die wir vorschlagen: Zunehmend kann ein Konsensus beobachtet werden, dass Delinquenz und Kriminalität Untergruppen eines breiteren antisozialen und aggressiven Verhaltensmusters darstellen. Umgekehrt kann die fehlangepasste Aggression und Psychopathologie am besten als eine Untergruppe von allgemeinen delinquenten Verhaltensmustern betrachtet werden (vgl. Abb. 1.1).
Hier erweitern wir die Argumente von Adrian Raine, die Kriminalität als eine Form von Psychopathologie zu betrachten (Raine 1993), und wenden diese auf Kinder und Jugendliche an. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen ergeben sich neue Perspektiven, die diejenigen der Kriminologie ergänzen und erweitern und zu ganz neuen Fragestellungen mit neuen Behandlungsmethoden kommen (s. Abb. 1.2).
Abb. 1.1: Antisoziales Verhalten, Delinquenz und fehlangepasste Aggression
Ein vielversprechender neuer Weg des Verständnisses für diese Phänomene stammt aus den Erkenntnissen der Neurowissenschaften und der Entwicklungspsychiatrie. Die hier entwickelten Erkenntnisse postulieren verschiedene Subtypen der Aggression auf der Basis verschiedener zugrundeliegender neurowissenschaftlicher und psychologischer Mechanismen und ermöglichen ein Verständnis dieser Prozesse sowohl in Begriffen der Evolution als auch der Klinik. Besonders attraktiv an diesem Ansatz ist die Möglichkeit einer Verbindung zu spezifischen Ansätzen und Behandlungen.
Delinquente können auf der Basis der zugrundeliegenden Psychopathologie klassifiziert werden und dadurch unter die Perspektive der Seelischen Gesundheit gestellt werden, zumal verschiedene methodisch angemessene Studien die außerordentlich hohen Raten und zahlreichen Formen psychischer Störungen nachgewiesen haben (Cocozza et al. 2005; Steiner et al. 2003a; Teplin et al. 2002; Vermeiren et al. 2000; Wasserman et al. 2003). Die Forschung hat zunehmend den Beweis erbracht, dass viele psychische Störungen neurobiologische und genetische Wurzeln haben. Während diese nicht notwendigerweise direkte ursächliche Pfade in Richtung Delinquenz darstellen, können sie jedoch ein Bündel von Umständen darstellen, welche die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Verhaltensweisen und Kognitionen erhöhen, welche Jugendliche für delinquentes Verhalten anfällig werden lassen. Die Berücksichtigung einer psychopathologischen Perspektive in der Rehabilitation und Behandlung von Delinquenten impliziert den Einsatz effektiver Interventionen einschließlich Psychotherapie, Psychopharmakologie und Soziotherapie, um die spezifischen Prozesse und Symptome anzugehen. Diese These ermöglicht auch die direkte Untersuchung des gegenwärtigen Systems der strafenden Intervention bei prä-delinquenten und delinquenten Populationen und ermöglicht eine Erklärung dafür, warum die gegenwärtigen Straf- und Behandlungseinsätze bei diesen Individuen oft versagen.
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