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Im dritten Band seiner „Männer Trilogie“ (nach „Männer Freunde-Liebespaare“ und „Mann sehnt sich nach Mann“) stellt der Autor einige Italienische Queer Schriftsteller vor, deren Bücher bei uns ziemlich unbekannt sind. In Italien kennt man erotisches Begehren und Sex zwischen reifem Mann und schönem Jüngling seit der Antike. Sokrates und der schöne Alchibiades, Zeus, der seinen Ganymed entführt hatte. Als jedoch das Christentum 300 n.Chr. in Rom Staatsreligion wurde, waren sexuelle Freuden, die nicht der Fortpflanzung dienten, sündig. Pagane, menschliche Sinnesfreude lebte dennoch weiter fort. Davon zeugen u.a. Ovids „Liebeskunst“, Michelangelos Plastik, Malerei und Sonette und die vielen Darstellungen des „Hlg. Sebastian“, zu dessen Bild nicht nur Mishima in Japan onanierte, nackte junge Männer, im Auftrag und zur Erbauung von Päpsten und Kardinälen. In der Literatur tauchen nach der Inquisition Liebesbeziehungen zwischen Jungen und Männern erst wieder im 19. Jahrhundert auf. Neben Pier Paolo Pasolini werden hier zehn Porträts weitgehend unbekannter italienischer schwuler Autoren skizziert, die von Lust und Liebe von Männern und Jungen erzählen.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Von Dieter Allers bisher im Himmelstürmer Verlag erschienen:
Männer - Freunde - LiebespaareBiographische Skizzen
ISBN print 978-3-86361-608-3 Auch als Epub978-3-98758-128-1
Mann sehnt sich nach Mann
Schwarze und weiße amerikanische Queer Autoren
ISBN print 978-3-86361-882-7ISBN Epub978-3-86361-883-4
Dieter Allers
Aufgewachsen in Berlin ging der Autor in den 1960 Jahren zum Architekturstudium mit seinem Partner Heinz nach München. Gemeinsam bauten sie neue Wohnhäuser und restaurierten denkmalgeschützte alte Häuser in München, Augsburg, Potsdam und Berlin. In Italien, auf der Insel Elba fanden sie bald „ihren Süden“. Dort bauen, schreiben und leben beide bis heute einen großen Teil des Jahres.
Dieter Allers veröffentlichte „Gelber Stern- Rosa Winkel - Schwarze Haut“ (2008), Erfahrungen und Texte über die Verfolgung der Juden, Homosexuellen und Schwarzen besonders in der Nazizeit.
„Elbaner Porträts“, ein „Italienischen Notizbuch Menschen, Orte und Elbaner Trüffel“ (2009) und sein „Berlin-(Film)Memoir“ (2011), zuletzt „Menschen im Haus“ (2014) Biografien einiger Bewohner der Franz-Joseph-Straße 19 in München, darunter die jüdischen Eheleute Schuster, für die 2016 zwei Stolpersteine im Hauseingang verlegt wurden.
Himmelstürmer Verlag, 31582 Nienburg
www.himmelstuermer.de
E-mail:[email protected]
Originalausgabe, Juli 2024
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages
Rechtschreibung nach Duden, 24. Auflage.
Coverfoto: Nach einer Zeichnung von Thomas Weczerek
ISBN print978-3-98758-127-4
ISBN epub978-3-98758-128-1
Dieter Allers
Jungen und Männer
Pier Paolo Pasolini u.a. Queer Autoren in Italien
Inhalt
Italien im Zentrum des Mittelmeers
Jüdisch/christliches Denken im römischen Reich
Kaiser Hadrian und sein schöner Antinuos
Michelangelos Sonnette an Tommaso Cavalieri
Blick vom Norden auf Jungen und Männer im Süden
Johann Joachim Winckelmann
Wilhelm von Gloeden
Italienische queer Autoren der Moderne
Luigi Settembrini
Filippo de Pisis
Pier Paolo Pasolini und seine Filme
Umberto Saba, der Poet aus Triest
Sandro Penna
Giuseppe Patroni Griffi
Lorenzo Tornabuoni
Dario Bellezza
Pier Giorgio Paterlini
Gay in Italien heute
Abbildungsverzeichnis
Ausgewählte Literatur und Filme
Danksagung
Italien im Zentrum des Mittelmeers
Italien in der Mitte des Mittelmeers hat seinen Gründungsmythos: Aeneas, der Sohn der Göttin Aphrodite, war nach dem troianischen Krieg aus Kleinasien geflohen und an der Küste Italiens gestrandet. Er gründete die Stadt Rom und so verstanden sich die Römer als Erben und Nachfolger der griechischen Kultur und Wissenschaft mit ihren Wurzeln in Persien und Ägypten. Vor allem sahen sie sich als Erben der griechischen Zivilisation und Philosophie.
Die griechischen Götter und Göttinnen kannten sinnliches Verlangen, und so hatten die Griechen ihnen auch menschliche Schwächen zugestanden: dem Göttervater Zeus einen jugendlichen Liebhaber Ganymed, Beispiel erotischen Begehrens zwischen reiferem Mann und schönem Jüngling.
Sokrates, der größte Philosoph der Griechen, war ohne den jugendlichen Alkibiades nicht die Person und Autorität, wie sie in Platons Symposion und den Dialogen geschildert wird. In den Dialogen wird die Beziehung von reifem Mann „erastes“ zu einem Jüngling „erasmos“ gehuldigt, die körperliche Liebe zwischen einem Älteren und einem Jüngeren als ein Weg zur Erlangung von Weisheit bezeichnet.
Die Phalli auf der Insel Delos empfanden wir als junge Männer bei einem Besuch der Insel ungeheuerlich. Wir trauten uns kaum hinzusehen, aber so monumental, wie sie dastehen, konnten wir auch nicht wegsehen. Langsam, mit den Jahren wurde uns bewusst, wie die Erektion des männlichen Glieds bei den Griechen als wichtig und schön betrachtet wurde.
Abb. 1 Phalli des Apollon Heiligtums auf Delos
Was jeder Mann an sich stolz oder verschämt wahrnimmt, wenn sein schlaffes Glied durch Erregung zu steil aufragender Größe anschwillt, war den Griechen riesige Marmorstatuen wert, gehuldigt in eben diesem Apollon Heiligtum auf Delos.
Später sahen wir in Ägypten die Reliefdarstellungen des Gottes Horos, aus dessen erigiertem Glied sein Samen auf die Erde tropft und sie so fruchtbar macht. Auch im Hinduismus und im Buddhismus wird der Lingnam, ein Säulen großes, männliches Glied als Fruchtbarkeits- und Glücksbringer gehuldigt und mit Goldplättchen, Blumen und Tüchern geschmückt, ebenso wie in vielen afrikanischen Kulten Hockende mit erigiertem Glied aus Holz und Ton dargestellt sind.
Schon in der Bibel wird berichtet, dass Onan, der nicht die Witwe seines Bruders schwängern wollte, seinen Samen auf den Boden tropfen ließ.
Abb. 2 Phallus mit Blattgold- Opferplättchen, Asien
Jüdisch/christliches Denken im römischen Reich
Am Ende des paganen römischen Reichs wurde das Christentum um 300 n. Chr. Staatsreligion. In der Folge wurde auch die Phallusverehrung der ägyptischen und griechischen Kulte untersagt und später mit dem Konzil von Trient (1563) nicht nur queere, sondern die Emanzipation beider Geschlechter Jahrhunderte lang behindert.
Bis dahin, bis Trient, wurde Christus nackt am Kreuz dargestellt, so wie Tote nackt begraben wurden. Noch Michelangelo hat einen nackten Gekreuzigten geschnitzt. Die Plastik war unbekannt, aber wurde vor 20 Jahren im sizilianischen Trapani ausgestellt, wo wir das Kruzifix zufällig sahen. 2023 sahen wir es erneut, in der fulminanten Ausstellung „Kirche, Körper, Lust (Glaube und Sex)“ des Diözesanmuseums Freising, in der auch andere Gekreuzigte ohne schamvolle Verhüllungen ausgestellt waren. Vor Jahren hatten wir, im Monastero San Lorenzo des Escorial einen lebensgroßen, hell-marmornen nackten Gekreuzigten von Benvenuto Cellini gesehen. Er war ein Geschenk der Medici an den spanischen König Ferdinand. Der Ehemann von Isabella der Katholischen war jedoch so schockiert, dass er die Blöße mit einem dünnen Leinentuch verhüllen und dem Haupt eine Dornenkrone aufsetzten ließ. Auf alten Fotos ist diese Verfremdung zu sehen, bei unserem Besuch in Madrid waren diese Zutaten glücklicherweise entfernt.
Die Römer freskierten ihre privaten Innenräume mit lebensfrohen erotischen Darstellungen, wie wir sie aus Pompeji kennen. Der Dichter Ovid hatte in seiner „Ars amandi“ die Liebeskunst, Kunst und Technik der körperlichen Liebe in aller Vielseitigkeit beschrieben, (die Reclam Ausgabe steckten wir uns als Schüler unter der Bank eher unverständig zu).
Trotz der paganen Ursprünge der griechisch/römischen Kultur hat die sinnliche Freizügigkeit für Männer, die sich nach Hinwendung, Liebe und Sexualität mit anderen Männern sehnten mit dem jüdisch/christlichen Glaubenseinfluss an Sichtbarkeit verloren. Die Geschichten aus dem Alten Testament von David und Jonathan und auch das frühchristliche Männerpaar S.S. Sergius und Bacchus waren nur noch vage überliefert.
Mit den Schriften des Apostels Paulus wurden die Sitten der Christen reglementiert. Glaube stand höher als Gefühle. Jüdisch/christliches Denken war intolerant gegenüber Diversität, gleichgeschlechtlichen Beziehungen und Sexualität außerhalb der Ehe. Körperliche Lust, die nicht der Fortpflanzung diente, wie Onanie, wurde als Sünde bestraft.
Die scheinbar freizügige Kunst der Renaissance war meist der Darstellung biblischer Szenen, Heiligen, Engel und Figuren gewidmet, deren entscheidenden Stellen meist verhüllt oder durch ein Bein, eine Hand schamhaft verdeckt waren.
Michelangelo, der in seiner Werkstatt kräftige, junge Helfer, oft von der Straße, als Modelle für seine biblischen Darstellungen bevorzugte, litt an der kirchlichen Verurteilung seines homosexuellen Verlangens. Sein Zeitgenosse Benvenuto Cellini wurde, seit er 23 Jahre alt war, mehrmals wegen Sodomie verurteilt, zuletzt angezeigt von der Mutter des Modells seines schönen „Perseus“. Er musste aus Florenz fliehen, genauso wie Leonardo da Vinci, der wegen des gleichen Delikts mit dem 17-jährigen Giacomo Saltarelli angezeigt wurde.
