(K)ein Millionär für immer - Paris Sanders - E-Book
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(K)ein Millionär für immer E-Book

Paris Sanders

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Beschreibung

Er liebt sie, er liebt sie nicht, er liebt sie, er … Nein! Kevin Kovak ist definitiv nicht in Kayla Hart verliebt. Warum auch? Die ehrgeizige Journalistin hat ihn, dank ihrer sogenannten "Berichterstattung", um sein Geld gebracht. Jetzt muss der Sohn eines Multimillionärs auf der Couch seines besten Freundes übernachten. Was Kevin von Kayla will, ist einfach: Rache! Und die bekommt er am besten, wenn er Kayla verführt um sie danach wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen. Liebe? Spielt keine Rolle, das weiß er ganz bestimmt … Kevin Kayla ist eine Nervensäge. Eine attraktive, rothaarige, s.e.x.y. Nervensäge, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich sie kaum ertragen kann. Noch dazu rennt sie ständig mit einer Videokamera hinter mir her und filmt jeden Fehlschlag, jeden Fehler, den ich begehe. Und davon gibt es eine ganze Menge. Nur eines weiß sie nicht, ich habe einen Plan. Kayla Kevin Kovak ist ein rotes Tuch für mich. Ich kann weder seine arrogante Art, noch seinen Lebensstil leiden. Die meiste Zeit über treibt er mich in den Wahnsinn, aber ich weiß, warum ich mir das antue, er ist der Schlüssel zu meiner Karriere. Dummerweise ist er auch noch verdammt attraktiv, aber damit kann ich umgehen. Kevin wird mich nicht ins Bett bekommen. So viel ist klar! "(K)ein Millionär für immer" ist Buch 1 der "Milliardäre zum Verlieben" Reihe von Paris Sanders. Alle Bücher sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.

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(K)ein Millionär für immer

Paris Sanders

Impressum

Copyright © 2018 OBO e-Books

M. Kluger

Fort Chambray 

Apartment 20c Gozo, Mgarr

GSM 2290

Coverdesign: TociljDesigns - Michelle Tocilj

Inhalt

1. Kevin

2. Kayla

3. Kevin

4. Kayla

5. Kevin

6. Kayla

7. Kevin

8. Kayla

9. Kevin

10. Kevin

11. Kevin

12. Kayla

13. Kevin

14. Kayla

15. Kevin

16. Kayla

17. Kevin

18. Kayla

19. Kevin

20. Kayla

21. Kevin

22. Kayla

23. Kevin

24. Kayla

25. Kevin

26. Kayla

27. Kevin

28. Kayla

29. Kevin

30. Kayla

31. Kevin

32. Kayla

33. Kevin

34. Kayla

35. Kevin

36. Kayla

37. Kevin

38. Kayla

39. Kevin

40. Kayla

Epilog - Kevin

Epilog - Kayla

OBO e-Books

1

Kevin

New York Bachelor – Der Frauenflüsterer?

Man sagt, Kevin Kovak, auch der New York Bachelor genannt, bekommt jede rum.

Die Bässe wummerten aus den Lautsprechern. Die Musik war so laut, dass ich kaum etwas von den Worten verstand, die mir die Frau neben mir ins Ohr hauchte. Aber das war nicht so schlimm, denn ihre Hand strich an meiner Seite entlang nach unten. Ich hielt sie fest, zog sie wieder zurück nach oben und sagte: „Nicht jetzt.“ Normalerweise hatte ich nichts dagegen, wenn eine Schönheit wie sie schon in der Öffentlichkeit an mich ranging, aber jetzt gerade passte es mir überhaupt nicht. Ich schob sie ein wenig zur Seite, denn es war jemand anders, der meine Aufmerksamkeit erregte. Eine Frau mit langen, roten Locken, tollen Kurven und einem Lächeln, das eine heiße Nacht versprach.

Ich schaute zu ihr hinüber, sie lachte gerade den Typen an ihrer Seite an. Den Idioten, der scheinbar nichts dagegen hatte, dass wir uns schon den ganzen Abend lang mit unseren Blicken auszogen. Es wurde Zeit, etwas zu unternehmen, aber bisher hatte ich gezögert. Zum einen, weil ich schon mit drei anderen Frauen hier war, und zum anderen, weil die Rothaarige, abgesehen von den lasziven Blicken, die sie mir hin und wieder zuwarf, manchmal aussah, als wollte sie mich lieber ermorden, als mit mir ins Bett zu steigen. Aber wahrscheinlich bildete ich mir das nur ein.

Im In’n out, dem Nachtclub, in dem wir uns befanden, zuckten die Lichter wie irre und malten manchmal die seltsamsten Fratzen auf die Gesichter der Besucher. Klar, der Club war angesagt, wahnsinnig teuer und, wenn man zum ersten Mal hier war, auch irgendwie beeindruckend. Immerhin kam man sich vor wie in einem Aquarium, denn rings um einen herum schwammen Fische, selbst unter dem verdammten Fußboden glitten sie entlang. Der Eigentümer, irgend so ein durchgeknallter Milliardär, hatte überall riesige Wassertanks einbauen lassen, in denen exotische Fischschwärme lebten.

All das war in diesem Moment vollkommen egal, denn ich hatte nur eines im Sinn. Mit der Rothaarigen in mein Hotelzimmer zu gehen. Ich schaute zu ihr hinüber. Als hätte sie meinen Blick bemerkt, hob sie den Kopf. Zuerst verzog sie keine Miene, doch dann formten ihre rot geschminkten, vollen Lippen ein einladendes Lächeln. Ich hob meine Hand und bedeutete ihr, zu mir zu kommen. Normalerweise ging ich auf Frauen zu, ich wollte schon den ganzen Abend lang zu ihr, aber die drei Frauen, die um mich herumstanden und so taten, als sei jedes Wort, das ich sagte, so geistreich, als würde Buddha zu ihnen sprechen, hatten mich davon abgehalten. Ich hatte die drei Freundinnen eingeladen, bevor mir die Rothaarige aufgefallen war, die mich wirklich interessierte. Da war es schon zu spät gewesen. Ich hatte vielleicht nicht die besten Manieren, aber selbst ich war nicht so abgebrüht, die drei einfach stehen zu lassen.

Eine kleine Geste dagegen war etwas anderes. Und eine weitere Frau dem Zirkel um mich hinzuzufügen, auch. Denn eines war klar: Alle drei wussten, was ich heute noch vorhatte, und sie waren damit einverstanden. Jetzt musste sich nur noch herausstellen, ob die Frau, die auf mich zukam, ebenfalls dabei sein würde. Sie lächelte mich noch einmal an, warf ihre langen, roten Haare über die Schulter und kam mit wiegenden Hüften auf mich zu. Jeder Schritt ein sinnliches Versprechen. Verdammt! Ich würde die anderen nach Hause schicken. Eine solche Frau musste man für sich alleine haben. Ich konnte es kaum erwarten, ihr die Kleider vom Leib zu reißen, ihren Körper zu erforschen und mit meinen Händen über ihre samtweiche Haut zu streichen.

„Hallo, schöne Frau“, begrüßte ich sie, als sie endlich vor mir stand. Aus der Nähe betrachtet war sie noch attraktiver, ihr Lächeln noch verführerischer, ihr Körper noch sinnlicher. Verdammt! Ich verlor schon jetzt jeden Bezug zur Realität und dabei hatte sie noch nicht einmal ein Wort zu mir gesagt.

„Hi.“ Ihre Stimme klang wie ein geflüstertes Versprechen.

„Kann ich dich auf was einladen?“, fragte ich und setzte „Oder wollen wir gleich gehen?“ in Gedanken hinzu. Fast hätte ich die Worte laut ausgesprochen, aber ich konnte mich gerade so zurückhalten. Ich wollte nicht zu forsch auftreten. Wollte nicht, dass sie dachte, es ginge mir nur um Sex, auch wenn das der Wahrheit entsprach.

„Nein, danke.“ Sie hob ihr Bierglas. Bier? Wow. Ich traf selten eine Frau, die so etwas trank. Ich wollte gerade eine Bemerkung machen, irgendein Kompliment, als mich der eiskalte Inhalt ihres Glases traf. Sie hatte tatsächlich ihr verdammtes Bier über mir ausgeschüttet. Mit einem lauten Knall zersprang die rosarote Seifenblase, in der ich mich befunden hatte, seit sie sich in Bewegung gesetzt hatte.

„Scheiße! Was soll das?“ Ich sprang auf. Mein Hemd und meine Hose waren total durchweicht. Ohne eine Antwort drehte sich die Rothaarige um und ging an ihren Platz zurück und ich stand da wie ein Vollidiot.

2

Kayla

Mattek sah mich mit großen Augen an. „Was hat er dir getan?“, fragte er, als ich mich neben ihm auf meinen Barhocker gleiten ließ.

„Nichts. Hast du das aufgenommen?“

„Was? Nein! Du hättest mich vorwarnen sollen. Woher soll ich wissen, dass du so eine Aktion planst?“

„Mensch, Mattek. Das wäre das Foto gewesen. Das hätte etwas Bewegung in die Sache gebracht. Worüber soll ich denn jetzt schreiben?“

Mattek warf einen Blick über seine Schulter. „Keine Ahnung. Hast du das wirklich nur für ne Story getan?“, fragte er dann.

„Nein. Das wollte ich schon seit Langem tun!“

„Warum?“

„Weil ich den Typen hasse. Er hat noch nichts im Leben geleistet, aber tut so, als sei er der Größte. Kevin Kovak gibt an einem Abend mehr aus, als ich im Monat verdiene. Er muss nie einen Finger rühren. Alles wird ihm hinterhergetragen. Ich finde, die kleine Dusche hat er verdient.“

Mattek musterte mich mit einem zweifelnden Gesichtsausdruck. „Kayla, ich glaube, du bist schon zu lange in dem Job. Wenn du jedem Promi dein Bier überkippen willst, der reich ist und nicht arbeiten muss, dann kannst du dich bald nirgends mehr blicken lassen.“

„Ich weiß auch nicht. Ich glaube, es war sein überhebliches Getue und dann diese ‚Komm zu mir, Baby‘-Geste. Die hat mir echt den Rest gegeben. Der glaubt, jede Frau springt, wenn er nur mit dem kleinen Finger winkt.“

„Ich schätze, diese Idee hast du ihm ausgetrieben.“ Wieder schauten wir zu Kevin hinüber. Die drei Frauen, die den ganzen Abend schon an seiner Seite klebten, umschwärmten ihn gerade. So als könnten sie seine Klamotten trocknen, wenn sie sich nur eng genug an ihn pressten. Hin und wieder warf mir eine von ihnen einen giftigen Blick zu. Mir war es egal. Schon lange hatte es mir in den Fingern gejuckt, ihm eins auszuwischen, und zwar nicht nur mit geschriebenen Worten, sondern mit Taten. Jetzt fühlte ich mich besser. Kevin war es garantiert nicht gewohnt, dass eine Frau ihn abblitzen ließ, und noch weniger, dass er ein Getränk übergeschüttet bekam. Geschah ihm ganz recht. Natürlich würde er sein Leben nicht ändern, nur weil ich mein Bier über ihm ausgoss, aber vielleicht würde es ihm wenigstens den Abend vermiesen.

„Kevin Kovak müsste man sein.“ Mattek seufzte. Sah ganz so aus, als würde mein Kollege jederzeit eine Bierdusche in Kauf nehmen, wenn er dafür mit drei Frauen am Arm einen Nachtclub verlassen durfte.

„Wer will schon so einen dämlichen Namen haben“, sagte ich zu Mattek und nahm einen Schluck aus seinem Glas.

„Ich rede nicht von dem Namen“, murmelte Mattek.

„Die haben es doch eh nur auf sein Geld abgesehen.“

„Ja. Aber dafür sind sie bereit, mit ihm ins Bett zu gehen.“

„Das kannst du in Hookers Hell auch bekommen“, sagte ich und spielte damit auf das Viertel in Manhattan an, das man aufsuchte, wenn man für Sex bezahlen wollte.

Mattek sah mich entsetzt an. „Bist du verrückt? Ich meine echt geile Tussies. Wie die von Kovak. So was findest du dort nicht.“

„Mattek, ich mache mir langsam Sorgen um dich. Du kennst dich in Hookers Hell aus?“

„Klar. Ich bin Fotograf. Außerdem arbeite ich für VIP Gossip. Mit ein bisschen Glück kannst du die besten Fotos schießen, wenn du dich in den einschlägigen Gegenden auskennst.“

„Prima.“

„So ein Typ wie Kevin hat das nicht nötig. Der geht nur in die angesagtesten Clubs und braucht sich nicht mal anzustrengen, um eine Frau abzuschleppen.“ Gemeinsam schauten wir zum Ausgang, erhaschten noch einen letzten Blick auf Kevin. „Oder auch drei“, murmelte Mattek. „Der Mann hat ein Leben!“

„Ja, super. Aber er ist ein Idiot.“ Trotz meiner großen Worte schlug eine Welle der Frustration über mir zusammen. Frust, weil Kevin Kovak alles hatte, was ich nicht hatte. Geld, Ansehen, ein Leben im Luxus. Dabei war ich gar nicht mal so scharf auf goldene Wasserhähne und teure Autos. Nein, mir hätte es schon gereicht, wenn ich mich am Ende des Monats nicht fragen müsste, wie ich die nächste Rechnung bezahlen sollte oder ob ich mir einen Drink leisten konnte. Und das, obwohl eine Vierzigstundenwoche für mich wie eine Fata Morgana war, denn meist arbeitete ich mindestens sechzig bis siebzig Stunden. Und was tat Kevin? Nichts. Er war von Beruf Sohn eines reichen Mannes. Kevin hatte in seinem Leben bisher nicht mehr tun müssen, als Daddys Geld auszugeben. Und das tat er mit Überzeugung. Damit nicht genug, dachte der Typ auch noch, er sei Gottes Geschenk an die Menschheit. Es war mir ein Rätsel, woher er sein Selbstbewusstsein nahm. Der Typ hatte noch keinen Tag in seinem jämmerlichen Dasein gearbeitet.

„Macht er eigentlich auch noch was anderes, als Frauen in Nachtclubs abzuschleppen?“

„Nicht, dass ich wüsste. Aber das reicht doch, oder?“

„Und was soll ich deiner Meinung nach in meinen Artikel schreiben? Kevin Kovak: Ein flotter Dreier im Nobelhotel?“

„Klingt doch nicht schlecht.“

„Die Ayers reißt mir den Kopf ab, wenn ich mit so einer lahmen Nachricht komme. Das ist doch Schnee von gestern. Außerdem könnte ich das in jedem Artikel über Kevin Kovak schreiben. Er tut nämlich nichts anderes, als sich flachlegen zu lassen.“

„Ich sag‘s ja. Der Mann führt ein geiles Leben.“

„Mattek, du bist echt ein Idiot.“

„Ich weiß. Deshalb arbeitest du ja auch so gerne mit mir zusammen.“ Mattek zwinkerte mir zu. Gegen meinen Willen lächelte ich ihn an. Ich schaffte es nie, auf Mattek wütend zu sein. Er nahm das Leben mit Humor, war entspannt und easy-going. Mit ihm zu arbeiten machte Spaß. Da konnte ich ihm selbst seine Begeisterung für Kevins degenerierten Lebensstil nicht übel nehmen. „Außerdem hast du es dir selbst zuzuschreiben, dass aus deinem Artikel nichts geworden ist.“

„Ich weiß.“ Ich seufzte. Manchmal bereute ich meine spontane Art, aber nicht heute. Nein, dazu war das Gefühl viel zu gut gewesen, als ich Kevins erstaunten Gesichtsausdruck gesehen hatte.

3

Kevin

Die Ehe ist etwas für Männer, die mit dem Leben bereits abgeschlossen haben.

(Kevin Kovak – Interview in V.I.P. Online)

Was für eine Scheiße! Mein Hemd war tropfnass, meine Hose hatte ebenfalls etwas abgekommen. Außerdem stank ich nach Bier. Den drei Frauen, die mit mir das In’n Out verließen, war es egal. Klar, für die hätte ich auch komplett durchweicht sein können. Hauptsache, ich hatte Geld und konnte ihnen was bieten.

Für einen kurzen Augenblick durchfuhr mich ein Gefühl, das sich verdächtig nach Hass anfühlte. So als könnte ich mich selbst nicht leiden. Natürlich verdrängte ich das sofort wieder. Es gab keinen Grund dafür. Ich war ehrlich. Jede der drei wusste, dass ich nur eine gute Zeit haben wollte. Feiern, Sex. Und dann auf Wiedersehen. Keiner hatte ich irgendwelche Versprechungen gemacht, die ich nicht halten würde.

Also tat ich so, als würde es mir überhaupt nichts ausmachen, von einer Frau, die ich nicht kannte und die ich bestenfalls freundlich angesprochen hatte, eine Bierdusche verpasst zu bekommen. Ich wusste noch immer nicht, was ich verbrochen hatte, um diese Aktion herauszufordern. Soweit ich mich erinnern konnte, hatte ich sie nur gefragt, ob ich sie zu einem Drink einladen dürfe. Was zur Hölle war daran unfreundlich? Es war ja nicht einmal eine blöde Anmache gewesen.

Kannte ich sie? Hatte ich sie aus irgendeinem Grund vor einiger Zeit verletzt und konnte mich jetzt nicht mehr daran erinnern? Nein. Dieses Gesicht hätte ich niemals vergessen. Das und ihre roten Locken. Dazu noch diese Figur. Okay, sie war nicht so extrem schlank wie die drei Frauen, die gerade mit mir zur wartenden Limousine stolperten, aber das war auch gut so. Im Grunde mochte ich es nicht, wenn eine Frau zu dünn war. Die Unbekannte hatte an genau den richtigen Stellen phänomenale Kurven gehabt. Kurven, die ein Mann mit der Hand nachfahren wollte – oder mit dem Mund.

Egal, immer noch besser, mit drei Frauen, die in ihren hautengen Kleidern verdammt gut aussahen, eine heiße Nacht zu verbringen, als allein.

„Herr Kovak.“ David, der Chauffeur, stand schon bereit und hielt die hintere Tür der Limousine für mich und meine Gäste auf.

„Vielen Dank, David.“

„Cooler Schlitten“, hauchte die Dunkelhaarige. Ich hatte mir ihren Namen nicht gemerkt. Irgendetwas ausländisches, Chloe, Carmen. Irgendwas mit C, da war ich sicher.

„Ja, total geil. Wo ist der Champagner?“ Die Frage kam von Su, eigentlich hieß sie Susan, aber Su klang natürlich exotischer. Die Blondine mit den endlos langen Beinen rückte näher an mich heran.

„Champagner kommt sofort.“ Ich machte mich an der Flasche zu schaffen, die bereits in einem Eiskübel auf uns wartete. Während David sich in den Verkehr einfädelte, schenkte ich den drei Frauen und mir Champagner ein. Dann lehnte ich mich zurück. Es war geil, Kevin Kovak zu sein.

Chloes Hand – oder war ihr Name doch Carmen – glitt an meinem Bein hinauf. Sehr weit hinauf, dann öffnete sie meinen Gürtel. Sie hieß bestimmt Carmen, entschied ich, und im Grunde war es auch vollkommen egal, denn nach dieser Nacht würde ich sie nie wiedersehen. Ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus, ich liebte es, wenn eine Frau die Initiative ergriff. Zum Glück war sie nicht die Einzige, denn Su beugte sich plötzlich über mich und gab mir einen Kuss, der es in sich hatte. Das Gefühl von Carmens Hand, Sus Mund und ihrem Busen, den sie gegen meinen Arm drückte, bis ich es irgendwie schaffte, mein Glas abzustellen und meine Hand unter den Saum ihres Ausschnitts zu schieben, all das war, als wäre ich geradewegs im siebten Himmel gelandet.

Carmens Atem kitzelte mein Ohr. „Wie wäre es mit einer Line? Und dann blase ich dir einen“, hauchte sie. Die Frage war wie ein Stromschlag. Ich schob Su mit einem Ruck weg, setzte mich auf und drehte mich zu Carmen.

„Was?“

„Komm schon. Du hast doch bestimmt was dabei.“ Sie kicherte. „Wenn nicht, teile ich halt mit dir.“

„Teilen? Du hast Koks bei dir?“

„Ja, natürlich. Wir wollen doch feiern.“

„Spinnst du?“ Ich lehnte mich nach vorne und klopfte an die Trennscheibe.

„Halte beim nächsten Hotel, die Damen brauchen ein Taxi“, sagte ich, kaum dass David die Scheibe heruntergefahren hatte.

„Hey, was ist denn los?“

„Ich nehme keine Drogen. Und noch weniger nehme ich Frauen mit, die welche dabeihaben.“

„Du bist ja vielleicht ein Spielverderber. Eine Line bringt dich doch nicht um.“

„Das ist meine Sache.“ Die Limousine kam neben einem Hotel zum Stehen. Zum Glück warteten dort genügend Taxis, um jede der Frauen zu ihrem Ziel zu bringen. Ich holte ein Bündel Banknoten aus meiner Tasche und drückte jeder einen Hunderter in die Hand, damit sie nach Hause fahren konnten. Allerdings bezweifelte ich, dass sie dies tun würden. Wahrscheinlicher war, dass sie im nächsten Nachtclub einen Mann aufreißen würden, der keine Abneigung gegen Drogen hatte. Aber das war mir egal. Solange sie es nicht in meiner Gegenwart taten.

Nachdem ich mich versichert hatte, dass jede in einem Taxi saß – die Blonde und die Dunkelhaarige teilten sich eines –, lehnte ich mich wieder in meinem Sitz zurück.

„Ins O5“, antwortete ich auf Davids fragenden Blick im Rückspiegel. Dann hob ich mein Glas und trank es in einem Zug aus. So viel also zu heißem Sex mit drei Frauen. Sah ganz so aus, als würde ich stattdessen die Nacht alleine verbringen.

Was für ein beschissener Abend!

4

Kayla

Okay, ich hätte Kevin nicht mein Bier überschütten sollen. Ich hatte kein schlechtes Gewissen deswegen, aber ich hatte ihn praktisch aus dem In’n Out vertrieben. Deshalb fehlte mir jetzt eine Story. Und genau das war der Grund, weshalb die Ayers gerade vor mir stand.

„Guten Morgen“, nuschelte ich und tat so, als wüsste ich nicht, weshalb die Redakteurin von VIP Gossip neben mir stand und mit einem ihrer Louboutins ein nervöses Stakkato hinlegte, das mir in den Ohren hallte. Und das, obwohl das Büro mit einem industriegrauen Teppichboden ausgelegt war. Trotzdem konnte ich das wütende Tappen hören.

„Wo bleibt der Artikel über Kevin Kovak?“, kam die gefürchtete Frage.

„Ich arbeite dran“, antwortete ich und tat so, als läse ich gerade eine ungeheuer wichtige E-Mail.

„Der Mann ist seit vier Wochen in der Stadt und du hast es nicht geschafft, mehr über ihn zu schreiben, als dass er hier ist!“

„Das liegt daran, dass es nichts sonst zu berichten gibt.“ Ich drehte mich um und schaute zu ihr auf. Ich war in einer doofen Position. Die Ayers ragte mit ihren eins fünfundachtzig vor mir auf, während ich mich auf meinem dämlichen Drehstuhl mal wieder knapp über dem Erdboden befand. Der Stuhl war kaputt und sackte immer weiter nach unten, je länger ich darauf saß. Als Resultat kam ich mir jetzt vor wie eine Erstklässlerin, die gerade von der Rektorin gescholten wurde.

„Dann denk dir was aus!“, fauchte die Ayers, drehte sich um und stöckelte davon.

„Hmm. Ja. Klar. Mach ich. Gar kein Problem. Mrs. Rock“, setzte ich noch hinterher, jetzt, da ich sicher war, dass sie mich nicht mehr hören konnte. Den Spitznamen hatte sie bekommen, weil ihr Nachname Ayers genauso geschrieben wurde wie der berühmte Berg in Australien. Außerdem passte er, denn sie war in etwa genauso gefühlvoll wie ein Stein. Ich hasste es, wenn ich dazu gezwungen wurde, Stories zu erfinden, nur damit das Blatt etwas zum Drucken hatte. Normalerweise ging es im Leben vieler VIPs bereits chaotisch genug zu, um mich mit wahren Geschichten zu versorgen. Insbesondere Kevin war für seine Eskapaden bekannt. Warum er, seit er zurück in New York war, plötzlich wie ein Einserschüler daherkam, der kein Wässerchen trüben konnte, war mir ein absolutes Rätsel.

Wo blieben die Orgien, für die er berühmt war? Wo die Hotelmöbel, die er in den frühen Morgenstunden aus dem Fenster warf? Wo die Vaterschaftsklagen und Rauschgiftdelikte?

Was war nur mit dem Typen los? Sonst war Kevin immer für eine Schlagzeile gut, und sei es auch nur, weil er behauptete, von Aliens entführt worden zu sein. Bei dieser Story war ich mir allerdings ziemlich sicher, dass er sie erfunden hatte, um einen Aufenthalt in einer Entzugsklinik zu vertuschen.

Und jetzt? Jetzt verließ er mit drei Frauen das In’n Out. Und das wars. Ich brauchte mehr. Etwas Neues. Irgendeine abgedrehte Geschichte, die die Leser von VIP Gossip nicht erwartet hatten. Ich trommelte mit den Fingern auf den Tisch, es hörte sich fast so an wie das Stakkato, das die Ayers in den Teppich tätowiert hatte.

Was könnte ich über Kevin schreiben? Vielleicht, dass er gar nicht der leibliche Sohn von Matthew Kovak war? Hmmm. Das würde uns wahrscheinlich eine Klage einbringen, also verwarf ich die Idee wieder. Die Sache mit den Aliens war leider schon durch, sonst hätte ich so einen Blödsinn verzapft mit irgendeiner anonymen Quelle aus informierten Kreisen.

Verflixt. Ich gab ihm noch drei Tage, wenn er dann nichts anstellte, worüber ich berichten konnte, würde ich ihn vielleicht doch als Kuckucksei bezeichnen. Wenn es die Ayers dann nicht drucken ließ, konnte ich auch nichts dafür.

5

Kevin

Manche mögens nass!

Wie es aussieht, hat der New York Bachelor sein Händchen fürs Flirten verloren, denn gestern bekam er eine Dusche verpasst.

Scheiße!

Ich lehnte mich in dem Sitz zurück und fuhr mir mit einer Hand durch die Haare. Seit einem Jahr ging mein Leben langsam, aber stetig den Bach runter. Und das nur, weil mein bekloppter Vater dachte, er müsse mit einem Mal andere Seiten aufziehen. Er war der Meinung, ich solle endlich anfangen, mein Geld mit Arbeit zu verdienen, anstatt es einfach jeden Monat überwiesen zu bekommen.

Die blödeste Idee des Jahrhunderts!

Jetzt war ich hier und musste versuchen, wie jeder andere schleimige Immobilienmakler überteuerte Objekte zu verkaufen. Meine Klientel waren die Reichen und Schönen. Was bereits implizierte, dass es sich vorwiegend um versnobte Idioten handelte. Okay, ich gehörte irgendwie auch dazu, aber ich musste mir selbst ja auch nichts verkaufen.

Normalerweise hätte mich das gar nicht so sehr gestört, aber mein Vater bestand noch dazu darauf, dass ich mir eine blütenreine Weste zulegte. Sollte heißen, keine negativen Berichte in der Klatschpresse mehr. Mit drei Models eine Bar zu verlassen, war eine Sache, aber mit Drogen in Verbindung gebracht zu werden, eine ganze andere. Früher wäre es mir egal gewesen, wenn sich die drei ein paar Lines reinzogen. Hey, wenn es ihnen Spaß machte, warum nicht? Ich selbst nahm nichts. Aber das lag daran, dass ich bei meinem ersten Joint einen ziemlich üblen Trip gehabt hatte. Seitdem war ich von allem kuriert, was mit Drogen zusammenhing.

Nur weil mein Alter mir wegen meines guten Rufes im Nacken saß, hatte ich die drei Frauen gestern Abend in ein Taxi gesetzt, statt sie mit auf mein Zimmer zu nehmen und heißen Sex zu haben. Allein der Gedanke daran ließ Wut in mir aufsteigen. Verdammt. Mein Alter hatte mir gründlich den Abend vermasselt. Zusammen mit der Rothaarigen, die meinte, sie müsse ein Bier über mir auskippen. Warum sie das getan hatte, war mir noch immer ein Rätsel. Wenn man nicht einmal mehr eine attraktive Frau auf einen Drink einladen konnte, ohne irgendwie anzuecken, wusste ich auch nicht, was ich tun sollte, um mit jemandem ins Gespräch zu kommen.

Ich schenkte mir Champagner ein. Es war noch relativ früh am Tag, aber ich brauchte den Alkohol. Ich war auf dem Weg von New York nach Westfield, einem verschlafenen Kaff in New Jersey. Hier würde ich Saischa, einer früheren Klassenkameradin von mir, eine Villa zeigen. Was sie hier draußen, so weit außerhalb von New York wollte, war mir ein Rätsel. Aber hey, wenn es ihr Wunsch war, in einer amerikanischen Vorstadtidylle zu leben, war ich der Letzte, der ihr dabei im Weg stehen würde. Eines war allerdings jetzt schon klar, es würde ein anstrengender Tag werden.

„Wo ist der Landeplatz?“ Saischa drehte sich einmal um die eigene Achse und sah sich suchend um. So als erwartete sie, in dem von Bäumen gesäumten Garten einen Heliport zu entdecken. Ich war kein Pilot, aber als regelmäßiger Passagier wusste ich, wie schwer es wäre, hier eine Landung durchzuführen. Selbst für einen Helikopter war der Platz einfach zu begrenzt, zu sehr von hohen Bäumen eingeschlossen, um dies gefahrlos zu ermöglichen.

Wahrscheinlich dachte Saischa, sie müsse es nur wollen, um es möglich zu machen.

„Es gibt keinen“, erklärte ich geduldig. Genauso geduldig, wie ich ihr klargemacht hatte, dass es in Westfield, der Stadt, in der bevorzugt reiche New Yorker Banker mit ihren Familien lebten, keine Penthousewohnungen gab. Zumindest keine, die im zwanzigsten Stockwerk eines Wolkenkratzers lagen. Aus dem einfachen Grund, weil es hier, verdammt noch mal, weit und breit keine Wolkenkratzer gab. Wenn sie so etwas suchte, wäre sie in der City besser aufgehoben als hier.

„Was?“ Saischa schaute mich an, als hätte ich verkündet, es sei okay, in der Öffentlichkeit in der Nase zu bohren. „Wie soll ich dann hierherkommen?“

„Mit dem Auto?“, schlug ich vor.

„Mit dem Auto? Bei dem Verkehr? Da brauche ich ja Stunden!“

Okay, immerhin hatte sie irgendetwas mitbekommen, was mit der realen Welt zusammenhing.

„Tut mir leid. Du wolltest eine Luxusimmobilie in Westfield. Hier gibt es kein einziges Anwesen, das einen Heli-Landeplatz hat.“

„Ich wette, Jeremy Blue hat einen!“

„Jeremy Blue?“ Der Name klang wie von einem Cocktail. Wenn es einer wäre, hätte ich allerdings garantiert davon gehört.

„Der weiße Rapper!“, warf sie mir hin. So als wüsste ich gar nichts.

Genauso fühlte ich mich plötzlich auch. Ich war ein solcher Idiot! Ich kannte sogar Jeremy Blue flüchtig. Aber irgendwie hatte ich es nicht geschafft, die Verbindung herzustellen. Was wohl an dem Champagner lag, den ich vorhin getrunken hatte. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, auf den Alkohol zu verzichten, aber irgendwie hatte allein die Aussicht auf Saischas verzogenes Genörgel mich dazu genötigt, die halbe Flasche zu leeren. Leider hatte meine Erinnerung mich nicht getrogen. Die uneheliche Tochter eines arabischen Scheichs, die von ihrer französischen Mutter zuerst in Paris aufgezogen worden war, um dann in dem gleichen Schweizer Internat wie ich zu landen, war immer noch genauso nervig wie zu unserer Schulzeit.

„Nein, der hat auch keinen“, behauptete ich frech. Nicht dass ich wüsste. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass Blue ohnehin nicht in Westfield wohnte. Hier würde sich der Rapper nicht einmal tot blicken lassen.

„Ich kann das nicht gebrauchen. Das ist Schrott. Nichts als ein Haufen alter Steine mit Gras drumherum.“ Saischa wedelte mit ihrer Hand, als wollte sie damit zeigen, wie heruntergekommen die Villa war, die ich ihr gerade gezeigt hatte. 35 Räume, 10 Bäder, allesamt mit Jacuzzi, Regenwalddusche und finnischer Sauna ausgestattet. Außerdem ein Medienraum und eine riesige Bibliothek. Die Küche supermodern und natürlich von einem namhaften Designer. Das ganze Anwesen war selbst für meine Verhältnisse teuer und ich betrachtete alles, was im einstelligen Millionenbereich lag, als billig.

Wieder rang ich um Geduld. Was nicht einfach war, denn ich hatte ohnehin nicht viel davon. Und Saischa hatte es schon immer geschafft mir den letzten Nerv zu rauben. „Es ist genau das, was du wolltest. Ein Luxusanwesen in Westfield. Ein Domizil mit genügend Gästezimmern, um deine Freunde einzuladen. Eingebettet ins teuerste Viertel. Bon Jovi wohnt gleich um die Ecke“, log ich.

„Bis auf einen Heliport und eine Penthouse-Suite.“

„Beides findest du in Westfield nicht“, stieß ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Nur weil du ein miserabler Makler bist.“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und stöckelte zu der wartenden Limousine. Ohne einen Abschiedsgruß oder irgendeine andere höfliche Floskel zu verschwenden.

Dämliche Kuh!

6

Kayla

Um mich herum klingelten Telefone, die Kollegen, die mit mir in dem Großraumbüro arbeiteten, hackten wie die Wilden auf ihren Tastaturen herum, die Neonröhre über mir flackerte mal wieder und ich saß da. Starrte in die Luft und wusste nicht, was ich denken sollte.

Kevin Kovak war tatsächlich zum Arbeiten hier. Ich ließ den Telefonhörer sinken und studierte den Notizblock, der vor mir auf dem Schreibtisch lag, vollgekritzelt in meiner krakeligen Handschrift. Ich hatte so schnell geschrieben, dass ich kaum noch entziffern konnte, was da stand. Dafür aber hatte sich jedes Wort in mein Gedächtnis eingebrannt. Su Ann, meine Freundin aus meiner Teenagerzeit, war noch immer die beste Quelle für Insiderinformationen. Als Kind reicher Eltern hatte sie sich schon immer in Kreisen bewegt, die mir verschlossen blieben. Ich hatte immer am Rand gestanden und wie ein Kind, das sehnsüchtig in ein Eiscafé schaut, dabei zugesehen, wie meine reichen Klassenkameraden in ihren Luxusautos vor der Schule vorfuhren. Eine Schule, die ich nur deshalb besuchen konnte, weil meine Mutter die Haushälterin von Su Anns Eltern war. Meine Mutter hatte es geschafft, die Schulbildung ihrer beiden Töchter mit ihrer Stelle zu verknüpfen. Als Teenager hatte ich es gehasst, denn ich hatte nie dazugehört, aber als Journalistin verdiente ich mein Geld mit den Informationen, die ich über Su Ann oder andere Kontakte aus meiner Schulzeit bekam.

Meine Freundin hatte mich gleich heute Morgen angerufen, um mir den neuesten Klatsch zu erzählen. Saischa, uneheliches Kind eines saudischen Prinzen, hatte eine Villa besichtigt. Offensichtlich ein ziemlicher Reinfall, was laut Saischa allein daran lag, dass Kevin Kovak keine Ahnung von seinem Job hatte. Seit dem Termin, der laut Saische traumatisch verlaufen war, hatte sie nichts Besseres zu tun, als jedem zu erzählen, wie unfähig Kevin war.

Ich musste grinsen. Um Saischas Anforderungen zu erfüllen, bräuchte es auch einen Magier, keinen normalen Sterblichen, der dazu noch eine garantierte Abneigung gegen Arbeit hatte. Sah ganz so aus, als wäre Kevin Kovak genau der Typ, für den ich ihn gehalten hatte. Verwöhnt und, sobald er selbst Geld verdienen sollte, vollkommen planlos.

„Fake Millionär“. Die Worte kamen von irgendwoher und setzten sich in meinem Kopf fest. Das war genau der richtige Ausdruck, um jemanden wie Kevin zu beschreiben. Er hatte Geld, aber er war nicht derjenige, dem es gehörte, sondern sein Vater. Und plötzlich hatte ich sie. Die Eingebung für meinen nächsten Artikel über Kevin Kovak. Ohne dass ich darüber nachdenken musste, flogen meine Finger über die Tasten. Der Artikel, auf den die Ayers seit Tagen wartete, schrieb sich jetzt praktisch von selbst.

7

Kevin

New York Bachelor, der Fake Millionär?

Mehr, als das Geld seines Vaters ausgeben, kann er nicht.

Verdammt, war ich erledigt!

Nach dem Fiasko mit Saischa hatte ich mir meinen wohlverdienten Feierabend gegönnt. Komplett mit jeder Menge Alkohol und einem Zwillingspärchen. Bei dem Gedanken an die beiden Frauen musste ich grinsen. Zwillinge! Seit Jahren träumte ich davon, mit eineiigen Zwillingen im Bett zu landen. Gestern hatte es endlich geklappt. Ganz so schlimm, wie ich gedacht hatte, war der Tag also doch nicht gewesen.

Dafür war ich jetzt k. o. In der Nacht hatte ich keinen Schlaf bekommen, dazu war ich zu beschäftigt gewesen. Ausgelaugt stolperte ich auf die Rezeption des O5 zu, einer der vielen Luxusherbergen im Big Apple. Eröffnet vor zwei Jahren, konnte das Hotel schon sämtlichen anderen in New York den Rang ablaufen. Jeder Promi, der etwas auf sich hielt, stieg hier ab. Das Haus bestach durch ultramoderne Architektur, um sich von den etablierten Häusern abzuheben. In der Mitte der Lobby erhob sich eine Glassäule, die sich bis in die oberen Stockwerke zog. Inmitten dieser Säule fand eine Lightshow statt. Ein faszinierender Anblick, der mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken jagte. Jedes Mal, wenn ich die Lobby betrat, blieb ich stehen, um mir das Spektakel anzuschauen. So auch jetzt. Es dauerte eine Weile, bis ich mich der Rezeption zuwandte. Der Typ, der diese Lightshows entwarf, war ein verdammtes Genie.

„Meinen Schlüssel, bitte“, sagte ich, ohne mich mit der Zimmernummer aufzuhalten. Man kannte mich hier, schließlich logierte ich schon seit vier Wochen in der Van-Doren-Suite.

„Guten Morgen, Herr Kovak.“ Die Dame an der Rezeption lächelte mich freundlich an. Zu freundlich. Außerdem gab sie mir nicht meinen Schlüssel, so wie ich es gewöhnt war. Nein. Ihre Mimik suggerierte ein Problem. Nach all den Jahren, die ich in Luxushotels gewohnt hatte, kannte ich mich aus. Es war das „Gleich überbringe ich schlechte Nachrichten und mache vorher noch gut Wetter“-Lächeln, das einige der Rauswürfe aus Hotels begleitet hatte, die ich schon hinter mir hatte. Diese allerdings lagen schon eine Weile zurück. Ich hatte seit Jahren keine Möbel mehr aus einem Fenster geworfen oder war sonst irgendwie negativ aufgefallen. Nein, für so einen Mist war ich mittlerweile zu erwachsen. Warum also drehte sie sich nicht um und nahm die ultramoderne Schlüsselkarte aus dem Fach?

Sie räusperte sich. Ein weiteres schlechtes Zeichen. „Ihre Buchung wurde leider storniert.“

„Was?“ Auch wenn ich im Unterbewusstsein so etwas schon geahnt hatte, musste ich mich verhört haben.

„Ihr Zimmer … es wurde gecancelt.“

„Gecancelt?“, wiederholte ich.

„Ja. Entschuldigen Sie. Das Zimmer wurde storniert. Wie ich schon sagte.“ Obwohl es ihr sichtlich unbehaglich war, diese Information zu übermitteln, hielt sie meinen Blick fest. „Es tut mir leid, aber mehr kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Mehr können Sie mir nicht sagen? Sind Sie verrückt? Ich will den Manager sprechen.“

Als hätte ich ihn mit meinen Worten heraufbeschworen, erschien Ren Cheswick, der Manager des O5, an meiner Seite. Ich kannte Ren. Immerhin hatte der Mann es sich nicht nehmen lassen, mich an meinem ersten Tag zu meiner Suite zu begleiten und mir die vielen Annehmlichkeiten des Hauses aufzulisten. Jetzt griff er in einer freundlichen, aber bestimmten Geste nach meinem Arm.

„Am besten besprechen wir das in meinem Büro.“

Ich hatte zu nichts weniger Lust. Alles, was ich wollte, war, in mein Bett zu fallen. Genervt schüttelte ich seinen Arm ab. Der Typ konnte sich sein freundliches Gesülze sparen. Ich wollte wissen, was los war, die Sache in Ordnung bringen und in meine Suite gehen. Und zwar je früher, desto besser. „Da gibt es nichts zu besprechen. Ich bin müde und will auf mein Zimmer. Wenn es storniert wurde, machen Sie das gefälligst rückgängig.“

„Sehen Sie, genau das kann ich leider nicht tun.“ Cheswick sprach in einem beruhigenden, freundlichen Tonfall auf mich ein. Gleichzeitig manövrierte er mich von der Rezeption weg zu seinem Büro. Eines musste man dem Manager lassen, er wusste, wie man mit verärgerten Gästen umging.

„Geben Sie mir ein anderes Zimmer. Wo, ist mir egal. Ich will nur schlafen.“

„Setzen Sie sich doch.“ Cheswick zeigte auf einen der schwarzen, tiefen Ledersessel, die vor seinem Schreibtisch standen. „Hätten Sie gerne einen Kaffee?“

„Nein. Danke. Ein Bett reicht mir“, fügte ich sarkastisch hinzu. Allmählich hatte ich die Nase voll von dem Getue.

„Das Problem ist, wir können Ihnen kein anderes Zimmer anbieten. Wir haben Instruktionen von ganz oben.“

„Von ganz oben?“

„Ja, die Firmenleitung hat uns angewiesen, Ihre Suite zu stornieren.“

„Warum?“

Cheswick breitete seine Arme aus. „Ich weiß es nicht. Tut mir leid. Aber ich kann mich den Anweisungen nicht widersetzen.“

„Wer hat das veranlasst?“

„Sagen wir, einer der Shareholder.“

„Mein Vater.“

„Das wäre möglich.“

„Scheiße!“ Ein mulmiges Gefühl machte sich in meinem Magen breit. Wenn mein Vater dahintersteckte, hatte ich keine Chance. Vor allem würde ich in keinem anderen Hotel in der City unterkommen, denn der Alte hatte überall seine Finger drin. Wenn er keine Anteile besaß, duzte er sich mit den Eigentümern oder er schüchterte sie ein.

„Ich bin froh, dass wir das klären konnten.“ Cheswick erhob sich. Sah ganz so aus, als könnte er es nicht erwarten, mich loszuwerden. „Ihre Koffer stehen an der Rezeption. Ich lasse den Valet Ihren Wagen vorfahren.“

„Prima.“ Ich stand auf, das mulmige Gefühl in meinem Magen verstärkte sich. In Gedanken ging ich meine Aktionen der letzten Tage durch. Was zur Hölle hatte ich getan, dass mein Vater mich aus dem Hotel werfen ließ? Mir fiel nichts ein. Außer vielleicht der Sache mit den Zwillingen, aber das hatte den Alten vorher noch nie gestört. Klar wäre es ihm lieber gewesen, wenn ich eine feste Freundin gehabt hätte, aber er war ja seit der Scheidung von meiner Mutter selbst kein leuchtendes Vorbild der Tugend gewesen.

Um diese Frage zu beantworten, gab es nur eines: Ich musste den alten Herrn anrufen. Keine Aktion, auf die ich mich besonders freute. So eine Nacht mit zwei Frauen war anstrengend. Trotzdem ließ ich mich in einem der Sessel nieder, die in der Lounge standen, zückte mein Handy und rief meinen Vater an. Oder versuchte es zumindest, denn mein Anruf auf der direkten Durchwahl wurde abgelehnt. Wenig später hatte ich Sarah Howers, die Sekretärin des großen Oberbosses in der Leitung.

„Hallo, Sarah. Können Sie mich zu meinem Vater durchstellen?“, rang ich mir ab.

„Tut mir leid, Kevin. Ihr Vater möchte nicht gestört werden.“

„Nur von mir nicht oder auch von keinem anderen?“

Für einen Augenblick herrschte betretenes Schweigen in der Leitung. Dann: „Ich habe strikte Order, Ihre Anrufe nicht durchzustellen.“