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Gott in der Lehre des Geheimen erfahren
Um die Kabbala ranken sich viele Mythen. Höchste Zeit, mit den Missverständnissen aufzuräumen und diese ganz spezielle Denktradition im Judentum einmal genauer zu betrachten: Denn Kabbala ist vor allem ein theologischer Ansatz, um Gott zu erfahren. Mitsamt all den Fragen zu Theodizee, Ontologie und Theosophie, die solch ein Ansatz aufwirft. Was das heißt? Autor Arthur Kurzweil erklärt es Ihnen und bringt sein ganzes Wissen über Kultur und Schriften des Judentums ein, beschreibt die Historie und die moderne Anwendung dieser Lehren. Um einmal genau zu erklären, was die Kabbala ist – und was sie eben nicht ist.
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Seitenzahl: 611
Veröffentlichungsjahr: 2025
Kabbala für Dummies
Das Verständnis der Kabbala beginnt mit dem Studium der grundlegenden Essenzen, der Sefirot, und der zentralen Schriften, die für Kabbala-Traditionalisten von höchster Bedeutung sind. Entdecken Sie einige allgemeine Segnungen und Gebete, die Sie täglich sprechen können, sowie die wichtigsten Feiertage der Kabbala.
Ein grundlegender Gedanke der Kabbala ist der Glaube, dass die Welt durch zehn Kanäle göttlicher Fülle erschaffen und erhalten wird. Diese Sefirot sind komplex und haben jeweils viele verschiedene Bedeutungen und Abstufungen. Eine von ihnen, Da'at, gehört nicht zu den zehn Sefirot, sondern wirkt als ein äußerer Aspekt der höchsten Sefira, Keter, der Krone.
Die unteren sieben Sefirot wirken direkt auf die Welt (während die darüberliegenden Sefirot abstrakte Aspekte des Bewusstseins sind) und sind jeweils mit einer biblischen Persönlichkeit verbunden. Diese Verbindungen wirken auf zweierlei Weise: Man kann die biblischen Figuren durch die mit ihnen verbundenen Sefirot besser verstehen und man kann mehr über die Natur jeder Sefira erfahren, wenn man die entsprechende biblische Figur betrachtet.
Keter (Krone): Keter ist der göttliche Wille und die Quelle aller Freude und des Vergnügens. Keter enthält alle Kräfte, die die Seele aktivieren.Chochmah (Weisheit): Chochmah ist intuitives Erfassen und intuitives Wissen. Es ist auch das, was unterscheidet und erschafft.Binah (Verständnis): Binah ist die analytische und synthetische Kraft des Geistes. Sie ist die Quelle logischer Analyse.Da'at (Wissen): Da'at ist die Ansammlung von Wissen. Es ist die abstrakte Feststellung von Fakten und die Kristallisierung des Bewusstseins in Form von Schlussfolgerungen.Chesed (liebende Güte): Chesed ist der unbändige Impuls, sich auszudehnen. Es ist die Quelle der Liebe, die Neigung zu den Dingen und das, was von sich selbst gibt. Die biblische Persönlichkeit, die mit Chesed in Verbindung gebracht wird, ist Abraham.Gewura (Stärke): Gewura bedeutet Zurückhaltung und Konzentration. Sie ist der Rückzug von Kräften nach innen und die Energiequelle von Hass, Angst, Terror, Gerechtigkeit, Zurückhaltung und Kontrolle. Die mit Gewura verbundene biblische Persönlichkeit ist Isaak.Tiferet (Schönheit): Tiferet steht für Harmonie, Wahrheit, Mitgefühl und Schönheit. Sie ist das Gleichgewicht der Kräfte von Anziehung und Abstoßung. Die mit Tiferet verbundene biblische Persönlichkeit ist Jakob.Netzach (Sieg): Netzach ist die Quelle der Eroberung und die Fähigkeit zur Überwindung. Es ist der Drang, Dinge zu erledigen. Die biblische Persönlichkeit, die mit Netzach in Verbindung gebracht wird, ist Moses.Hod (Pracht): Hod steht für Beharrlichkeit oder Durchhaltevermögen. Es ist die Kraft, Hindernisse zu überwinden und durchzuhalten; es ist auch die Quelle der Demut. Die biblische Persönlichkeit, die mit Hod in Verbindung gebracht wird, ist Aaron.Yesod (Fundament): Yesod ist das Vehikel oder der Träger von einer Sache oder einem Zustand zu einem anderen. Es ist die Kraft der Verbindung und die Fähigkeit oder der Wille, Brücken zu bauen, Verbindungen herzustellen und Beziehungen zu anderen aufzubauen. Die mit Yesod verbundene biblische Persönlichkeit ist Josef.Malchut (Königreich): Malchut steht für Souveränität, Herrschaft und den ultimativen Gefäßraum. Es ist die Verwirklichung des Potenzials und der göttlichen Gegenwart. Die mit Malchut verbundene biblische Persönlichkeit ist David.Wenn Sie mehr über die Kabbala erfahren möchten, finden Sie in der hier alphabetisch aufgelisteten Sammlung von Büchern die wichtigsten schriftlichen Überlieferungen der traditionellen Kabbalisten der Geschichte:
Bahir: Ein mystischer Kommentar zu Versen aus dem Buch Genesis; gilt als eines der wichtigsten frühen Werke der KabbalaMidrasch: Eine Sammlung von Schriften, die in den Jahrhunderten nach der Zusammenstellung des Talmuds entstanden sind und der Erläuterung des biblischen Textes dienen. Die beiden Hauptbereiche sind der Midrasch Halacha (rechtliche Erläuterungen) und der Midrasch Aggada (Folklore).Mischna: Zusammenstellung der mündlichen Überlieferungen des Judentums, kodifiziert von Rabbi Judah, dem Prinzen um 200 u. Z.Sefer Jetzira: Eines der frühesten kabbalistischen Bücher; behandelt die Grundlagen der Kabbala, insbesondere die zehn SefirotSchulchan Aruch: Wörtlich »der gedeckte Tisch«; der maßgebliche Kodex des jüdischen Gesetzes, zusammengestellt vom großen Kabbalisten Rabbi Joseph Karo im 16. JahrhundertTalmud: Bestehend aus der Mischna, der Gemara (rabbinische Kommentare zur Mischna, die juristische Diskussionen, Legenden, Geschichte, technische Informationen und mehr enthalten) und wichtigen Kommentaren zu beiden; ein mehrbändiges Werk, das erstmals um 550 u. Z. herausgegeben und im Laufe der Jahrhunderte erweitert wurdeTanach: Die Heiligen Schriften des Judentums, bestehend aus 24 Büchern, beginnend mit den Fünf Büchern Mose, weiter mit den Büchern der Propheten (wie Jesaja und Jeremia) und abschließend mit den Büchern der Schriften (wie Psalmen, Sprüche und Hohelied)Thora: Die fünf Bücher Mose (Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium)Sohar: Wörtlich »Pracht«; eine Sammlung von Büchern zu vielen mystischen Themen. Gilt oft als das wichtigste Werk der Kabbala und wird traditionell Rabbi Schimon bar Jochai zugeschrieben, einem jüdischen Weisen des 2. Jahrhunderts.Beim Praktizieren der Kabbala ist jeder Moment des Tages eine Gelegenheit, einen Segen zu erteilen. Diese allgemeinen Segnungen sind Möglichkeiten, den ganzen Tag lang Dank zu sagen:
Beim Aufwachen am Morgen: »Ich bin dir dankbar, lebendiger und ewiger Gott, denn du hast meine Seele mit Mitgefühl in mein Inneres zurückgebracht. Deine Treue ist groß.«Vor dem Studium heiliger Texte: »Gesegnet bist du, oh Herr, unser Gott, Herrscher des Universums, der uns mit den heiligen Geboten geheiligt und uns geboten hat, uns in die Worte der Thora zu vertiefen.«Zweimal täglich, morgens und abends, wird gebetet: »Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist eins.«Gebet, mit dem Sie Ihre Kinder jeden Freitagabend segnen: »Möge Gott euch segnen und behüten. Möge Gott euch sein Angesicht erleuchten und euch gnädig sein. Möge Gott euch sein Angesicht zuwenden und euch Frieden schenken.«Segensspruch beim Hören schlechter Nachrichten: »Gesegnet sei der wahre Richter.«Segen, der jederzeit zum Lob Gottes ausgesprochen werden kann: »Baruch HaShem« (Gepriesen sei Gott)In der Kabbala sind Feiertage besonders fokussierte spirituelle Erfahrungen mit dem ständigen Bewusstsein, dass Gott der Mittelpunkt von allem ist. Die wichtigsten Feiertage der Kabbala, die den Feiertagen im jüdischen Kalender entsprechen, beginnen bei Sonnenuntergang und enden bei Sonnenuntergang.
Jede Woche:
Schabbat. Der Schabbat ist der wöchentliche Ruhetag und der heiligste Tag im Kalender der Kabbalisten. Er wird einmal wöchentlich begangen, beginnend am Freitag kurz vor Sonnenuntergang und bis Samstag nach Sonnenuntergang. (Lesen Sie die Sonnenuntergangstabelle Ihrer Gemeinde nach, um zu wissen, wann der Schabbat an einem bestimmten Freitag beginnt.)Jeden Monat:
Rosch Chodesch. Wörtlich übersetzt »Kopf des Monats«, ist Rosch Chodesch der erste Tag eines jeden neuen Monats und wird durch besondere Gebete gekennzeichnet. In der Antike war Rosch Chodesch ein bedeutender Festtag, an dem jeder neue Monat mit dem Eintreffen des Neumonds festgelegt wurde.Feiertage im Herbst:
Rosch Haschana (Neujahr): Mit Rosch Haschana beginnt eine zehntägige Zeit intensiven Gebets und der Selbstbesinnung, die unter Kabbalisten als die Tage der Ehrfurcht bekannt ist. Dieser Feiertag wird im Frühherbst begangen und am ersten und zweiten Tag des hebräischen Monats Tischri gefeiert.Jom Kippur (Versöhnungstag): Jom Kippur ist ein Tag des Betens, Fastens und ausgelassenen Feierns, der zehn Tage nach Rosch Haschana begangen wird. Er markiert das Ende der Tage der Ehrfurcht.Sukkot (Laubhüttenfest): Sukkot, auch bekannt als die Zeit unserer Freude, ist ein achttägiger Feiertag, an dem die Gaben Gottes gefeiert werden. Wie der Name schon sagt, essen und studieren Kabbalisten, empfangen Gäste und schlafen manchmal sogar in provisorischen Hütten oder Laubhütten, die an die provisorischen Unterkünfte der Kinder Israels in der Wildnis erinnern. Sukkot beginnt am 15. Tag des hebräischen Monats Tischre, dem fünften Tag nach Jom Kippur.Schemini Azeret (achter Versammlungstag): Dieser besondere Feiertag markiert das Ende der hohen Feiertage, die in den Tagen vor Rosch Haschana beginnen. Schemini Azeret folgt unmittelbar auf den letzten Tag von Sukkot.Simchat Thora (Freude an der Thora): Ein freudiger Feiertag, der das Ende des jährlichen Zyklus der öffentlichen Thora-Lesung an jedem Schabbat und den Beginn eines neuen Zyklus kennzeichnet. Er findet am achten Tag nach dem ersten Tag von Sukkot statt.Winterfeiertage:
Chanukka (Lichterfest): Chanukka feiert die Hingabe des Lebens an Gott und die Anerkennung seiner Wunder. Es ist ein achttägiges Fest, das durch das Anzünden von Kerzen und die Meditation über das Licht der Flammen gekennzeichnet ist. Chanukka beginnt am 25. Tag des hebräischen Monats Kislew.Purim (Lotterie): Purim feiert die Wunder in jedem Moment des Tages und konzentriert sich auf das Bewusstsein von Gottes verborgener Hand in der gesamten Geschichte. Es wird durch die öffentliche Lesung des biblischen Buches Esther am 14. Tag des hebräischen Monats Adar im Spätwinter gekennzeichnet.Frühlingsfeiertage:
Pessach (Passah): Pessach, bekannt als das Fest der Freiheit, ist ein Gedenken an den Auszug der Kinder Israels aus dem alten Ägypten und eine Zeit der spirituellen Vorbereitung auf den Empfang der Thora. Pessach ist ein achttägiger Feiertag, der am fünfzehnten Tag des hebräischen Monats Nissan beginnt. (In Israel dauert Pessach nur sieben Tage.)Das Omer-Zählen: Kabbalisten zählen jeden der 49 Tage zwischen Pessach und Schawuot in Erinnerung an das Zählen eines Gerstenopfers, als der Heilige Tempel in Jerusalem stand. Kabbalisten nutzen die 49 Tage, die sieben Wochen zu je sieben Tagen umfassen, um über die Bedeutung der zehn Sefirot zu meditieren.Lag BaOmer: Der Überlieferung zufolge endete am 33. Tag des Omer-Zählens eine Plage, was den Tag zu einem Fest machte. Auch der Autor des Sohar, Rabbi Schimon bar Jochai, starb an diesem Tag, weshalb an Lag BaOmer jedes Jahr an seine Größe erinnert wird.Schawuot (Wochenfest): Schawuot erinnert an die Gabe der Thora durch Gott am Berg Sinai. Kabbalisten begehen diesen Feiertag, indem sie die ganze Nacht wach bleiben und heilige Texte studieren. Schawuot fällt 50 Tage nach dem ersten Tag von Pessach.Sommerfeiertage:
Tischa beAv (der neunte Tag des Monats Av): Tischa beAv ist ein Tag der Trauer und des Fastens zum Gedenken an die Katastrophen der jüdischen Geschichte, darunter die zweimalige Zerstörung des Heiligen Tempels in Jerusalem. Tischa beAv wird üblicherweise im August begangen.Kabbala für Dummies
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Coverfoto: Michaela Carl – stock.adobe.comKorrektur: Petra Heubach-Erdmann
Print ISBN: 978-3-527-72381-2ePub ISBN: 978-3-527-85484-4
Arthur Kurzweil ist Schriftsteller, Lehrer und Zauberer. Seine Freundschaft mit Rabbi Adin Steinsaltz betrachtet er als seine größte Errungenschaft. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter From Generation to Generation: How to Trace Your Jewish Family History and Genealogy; On the Road with Rabbi Steinsaltz; The Torah for Dummies; Pebbles of Wisdom from Rabbi Adin Steinsaltz und The Persistence of Memory: My Father's Ukrainian Shtetl–A Holocaust Reckoning.
Als Mitglied der Society of American Magicians und der International Brotherhood of Magicians führt er häufig seine One-Man-Show »Searching for God in a Magic Shop« auf. Er erhielt den Distinguished Humanitarian Award für seinen einzigartigen Beitrag zur jüdischen Bildung, ist Mitglied von Beta Phi Mu, der International Honor Society for Library and Information Studies, und wurde von der International Association of Jewish Genealogical Society mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Er und seine Frau Bobby haben gemeinsam acht Kinder und 13 Enkelkinder.
Für Bobby
Rabbi Akiva lehrte: »Wenn Mann und Frau würdig sind, wohnt die göttliche Gegenwart zwischen ihnen.« (Talmud: Sotah 17a)
Mein tief empfundener Dank geht an Rick Blum, Chavrusa und Freund; das Team bei Wiley und insbesondere Rick Kughen, Shannon Kucaj und Nicole Shelly; Ken Kurzweil für seine Geduld und Computerkenntnisse; Rabbi Adin Steinsaltz, Mentor und Freund; Elie Wiesel, der mich immer einließ, wenn ich anklopfte; die Schüler in meinem Montagabendkurs: »Ich habe viel von meinen Lehrern gelernt, noch mehr von meinen Kollegen, aber am meisten habe ich von meinen Schülern gelernt« (Rabbi Chanina, Talmud: Ta'anit 7a.); Moshe Kurzweil, Malya Levin und Miriam Plumer für das Obst; und meine Frau Bobby für ihre Inspiration und dafür, dass sie immer an mich geglaubt hat.
Cover
Titelblatt
Impressum
Über den Autor
Widmung
Danksagungen des Autors
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Über dieses Buch
Konventionen in diesem Buch
Was Sie nicht lesen müssen
Törichte Annahmen über die Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie geht es weiter?
Teil I: Was also ist das große Geheimnis? Die Enthüllung der Kabbala
Kapitel 1: Was
ist
Kabbala?
Die Kabbala kennenlernen – die überlieferte Tradition
Und was sind die großen Ideen?
Eine ständige Suche nach Gott
Wer kann die Kabbala studieren?
Verschiedene Ansätze zum Studium der Kabbala
Wählen Sie eine Kabbala, die für Sie funktioniert
Kapitel 2: Magie, Mishegoss und andere Dinge, die Kabbala nicht ist
Die Dinge richtigstellen
Der Versuch, herauszufinden, wer seriös ist und wer nicht
Kapitel 3: Rückblick: Eine kurze Geschichte der Kabbala
Kabbalisten in der Bibel
Kabbala in der rabbinischen Zeit
Blütezeit in Spanien im 13. Jahrhundert
Reifen in der mystischen Stadt Safed
Je höher du steigst, desto tiefer fällst du: Die Schabbtai-Zvi-Affäre
Die große Wiederbelebung: Der Chassidismus
Kabbala heute
Teil II: Zum Kern der Kabbala vordringen
Kapitel 4: Die Verbindung zwischen Himmel und Erde: Die zehn Kräfte des Universums
Ein Blick unter die Oberfläche der Welt
Kelipot: Wie eine Nussschale
Die zehn grundlegenden Kräfte, die die Welt erhalten
Expansion: Der Impuls, zu geben
Kontraktion: Der Impuls, zu empfangen
Sieg: Der Drang, Dinge zu erledigen
Souveränität: Das ultimative Gefäß
Möglichkeiten, den Lebensbaum zu betrachten
An den Fäden der Existenz ziehen: Die Arbeit des Kabbalisten
Das Geistige in körperliche Handlungen umwandeln
Kapitel 5: Alles (sogar ein Stau) geschieht zum Besten
Die richtigen Worte finden: Gam zu l'tovah
Eine wichtige Regel für die Aussage »Alles ist zum Besten«
Verwechseln Sie Akzeptanz nicht mit Passivität
Sich darin üben, wie ein Kabbalist zu sehen
Scherben aufsammeln: Am Anfang wurde ein Gefäß zerbrochen
Persönliche göttliche Aufgaben finden
Was können Sie am besten?
Kapitel 6: Unsere Körper haben keine Seelen – unsere Seelen haben Körper
Ein Funke Gottes in jedem
Der Kern der Sache auf den Punkt gebracht
Abstieg um des Aufstiegs willen – so ist das Leben
Einführung in die vier Welten der Kabbala
Aufstieg? Die Reise der Seele durch die fünf Ebenen
Kapitel 7: Wie ein Déjà-vu: Reinkarnation in der Kabbala
Wahrheit ist Wahrheit
Was ist Reinkarnation?
Geburt und Tod (auch Heimkehr und Abschluss)
Die Bedeutung der Reinkarnation für die Kabbala verstehen
Kapitel 8: Instant Karma holt dich ein
Alles hat einen Sinn – alles
Engel: Der kabbalistische Schlüssel zum Karma
Leiden tut weh, ist aber nicht zufällig
Teil III: Das Leben eines Kabbalisten
Kapitel 9: Einen Tag nach dem anderen leben
Drei tägliche Aufgaben des Kabbalisten
Aufwachen
Waschen und Anziehen
Gebete und Meditation
Konzentration auf die Einheit des Universums: Eine tägliche kabbalistische Meditation
Einen Happen essen
Die Welt reparieren
Bettlaken und Bilanzen: Den Tag beenden
Kapitel 10: Eine Woche nach der anderen leben
Das Ende der Woche ist auch der Anfang
Den Schabbat im Auge behalten
Vorbereitung auf das Geschenk des Schabbats
Den Schabbat auf kabbalistische Weise begrüßen
Den Schabbat-Esstisch in einen heiligen Altar verwandeln
Den Schabbat einhalten und genießen
Abschied vom Schabbat: Ein liebevoller und wohlriechender Abschied
Die Vorbereitungen für den Schabbat sind wieder da
Kapitel 11: Ein Jahr im Leben eines Kabbalisten
Das neue Jahr ohne Krachmacher einläuten
Zehn Tage im Frühherbst zur Selbstreflexion und Wende
Der Tag der »Einigkeit«
Mit Freude anerkennen, dass das Leben vergänglich ist
Acht Tage lang über das Licht meditieren
Gott in allem sehen
Sich aus der Enge befreien
Eine 49-tägige kabbalistische Meditation über den Aufstieg zu Gott
Ständig Gottes Lehren empfangen
Trauer über den Verlust der Ganzheit
Geburtstage kabbalistisch feiern
Kapitel 12: Der Lebenszyklus eines Kabbalisten
Ein Knall am Anfang: Die Geburt
Kabbalistisch erwachsen werden
Kabbalistische Ehe
Tod und Sterben in der Kabbala
Teil IV: Feinabstimmung der wesentlichen Fähigkeiten des Kabbalisten
Kapitel 13: Die wirklich wichtigen kabbalistischen Bücher entdecken
Die wesentliche Kabbala-Bibliothek
Klassische rabbinische Literatur
Der Sohar: Der kabbalistische Klassiker aller Zeiten
Weitere klassische Bücher, die Sie Ihrer Sammlung hinzufügen könnten
Bauen Sie Ihre Kabbala-Bibliothek auf
Kapitel 14: Bücher schlagen – und sie küssen: Lernen wie ein Kabbalist
Wenn Kabbalisten in die Bücher eintauchen, tun sie das wirklich!
Die Bedeutung des Studiums der Kabbala verstehen
Wo und wann fange ich an?
Kann ich Kabbala in meiner Muttersprache studieren?
Wenn der Schüler bereit ist: Einen guten Lehrer finden
Mit einem Lernpartner zusammenarbeiten
Studium der alten Schriften: Die Thora
Mit den Weisen über die Probleme des Lebens sprechen: Der Talmud
Kapitel 15: Beten wie ein Kabbalist
Ein Überblick über das Gebet im Leben eines Kabbalisten
Wie man sich beim Beten einen unvorstellbaren Gott vorstellt
Sich direkt an Gott wenden
Die meisten öffentlichen Gebete im Plural sprechen
Auf die innere Einstellung kommt es an
Das Gebetbuch des Kabbalisten
Die tägliche Gebetsroutine eines Kabbalisten
Kapitel 16: Den unerkennbaren Gott kennen
Zu verstehen, dass man nicht verstehen kann, ist der erste Schritt zum Verständnis
Was Kabbalisten über Gott wissen, obwohl sie nichts über Gott wissen
Eine persönliche Beziehung zu einem unergründlichen Gott aufbauen – ja, das ist möglich
Gott beim Namen nennen (obwohl Gott namenlos ist)
Teil V: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 17: (Fast) zehn Mythen über das Studium der Kabbala
Sie müssen ein Mann sein
Sie müssen verheiratet sein
Sie müssen ein orthodoxer Jude sein
Sie müssen zumindest jüdisch sein
Sie müssen über 40 sein
Sie müssen teure Bücher auf Hebräisch kaufen
Sie müssen eine Kleiderordnung einhalten
Sie müssen Hebräisch können
Kapitel 18: Zehn große Kabbalisten der Geschichte
Adam
Abraham
Rabbi Akiva
Rabbi Schimon bar Jochai
Rabbi Isaac Luria, der Heilige Ari
Der Schela HaKodesch, Rabbi Jesaja Horowitz
Rabbi Israel Baal Schem Tow
Gaon von Wilna
Rabbi Adin Steinsaltz
Wie konntest du sie nur auslassen …
Kapitel 19: Zehn Kabbala-Lehrer auf YouTube
Rabbi Adin Steinsaltz
Dr. Daniel Matt
Rabbi David Aaron
Abraham Abulafia
Rabbi Zalman Schachter-Shalomi
Rabbi Yitzchak Ginsburgh
Sarah Yehudit Schneider
Rabbi Manis Friedman
Rabbi Simon Jacobson
Rabbi DovBer Pinson
Kapitel 20: Zehn Ideen aus der Kabbala, die ich meinen Kindern unbedingt beibringen wollte
Ein Körper hat keine Seele; eine Seele hat einen Körper
Wenn Sie glauben, angekommen zu sein, sind Sie verloren
Abstieg um des Aufstiegs willen
Gott ist nicht der CEO des Universums
Das Philtrum
Zeitpunkt und Dosierung
Die Unendlichkeit und der alte Mann im Himmel
Alles ist zum Guten
Der Rhythmus der Heiligkeit
Die Stimme Gottes
Teil VI: Anhänge
Anhang A: Bücher und Autoren, für deren Empfehlung Sie mir dankbar sein werden
»Die dreizehnblättrige Rose« von Rabbi Adin Steinsaltz
Die Bücher von Rabbi Aryeh Kaplan
»Wir sind der Kosmos: Jüdische Mystik und moderne Psychologie« von Edward Hoffman
»Souls on Fire« von Elie Wiesel
»Nine and a Half Mystics: The Kabbala Today« von Rabbi Herbert Weiner
Das Artscroll-Gebetbuch
»Mischne Tora« von Rambam
Eine Liste mit empfehlenswerten wissenschaftlichen Werken zum Thema Kabbala
Anhang B: Gematria: Das Geheimnis der Buchstaben und Zahlen
Grundlagen der Gematria
Kameya-Amulett
Die Atbash-Methode
Anhang C: Ein Glossar zu allem, was die Kabbala betrifft
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 11
Tabelle 11.1: Die sieben Hirten von Sukkot
Kapitel 18
Tabelle 18.1: Gebet, gelehrt vom Schela HaKodesch
Kapitel 4
Abbildung 4.1: Die zehn Sefirot als Baum des Lebens
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Jede Hand muss vollständig nass sein. Die beiden Griffe ermöglich...
Abbildung 10.2: Eine Familie begrüßt den Schabbat mit Kerzen, Wein und zwei Chall...
Kapitel 11
Abbildung 11.1: Die Sukka ist ein wesentlicher Bestandteil des Feiertags Sukkot.
Abbildung 11.2: Eine Chanukka-Menora
Kapitel 13
Abbildung 13.1: Eine Beispielseite aus dem Talmud
Abbildung 13.2: Die Eröffnungsseite des Sohar
Cover
Titelblatt
Impressum
Über den Autor
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fangen Sie an zu lesen
Anhang A: Bücher und Autoren, für deren Empfehlung Sie mir dankbar sein werden
Anhang B: Gematria: Das Geheimnis der Buchstaben und Zahlen
Anhang C: Ein Glossar zu allem, was die Kabbala betrifft
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
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Die Kabbala ist die Theologie des jüdischen Volkes. Sie beschreibt das jüdische Verständnis von Gott und seiner Beziehung zur Welt. Für Kabbalisten sind alle Gesetze, Bräuche, Praktiken, Feiertage und Rituale des Judentums am besten im Lichte der kabbalistischen Lehren über Gott zu verstehen. Sie achten darauf, was Gott von den Menschen erwartet.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kabbala immer weiter systematisiert. Brillante jüdische Gelehrte erforschten, entwickelten und verfeinerten die daraus gewonnenen Erkenntnisse, bis sie in den letzten sechs Jahrhunderten zu einem eigenständigen System von Ideen, Glaubenssätzen, Fachbegriffen und Werten mit eigener Geschichte, großen Persönlichkeiten, Kontroversen und einem eigenen Vokabular wurde. Doch Kabbala, was so viel wie »die überlieferte Tradition« bedeutet, war seit ihrer Entstehung ein integraler Bestandteil der jüdischen Gelehrten und Gemeinden, die diese Lehren aufgenommen haben.
Wie andere Studien der Göttlichkeit und Spiritualität beschäftigt sich die Kabbala mit den grundlegenden Fragen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wozu? Warum?
Die Kabbala wird oft als geheime Lehre angesehen, die seit jeher die Köpfe ihrer elitären Schüler beschäftigt. Doch die »Geheimnisse« der Kabbala sind nicht die typischen Geheimnisse, bei denen Informationen nur wenigen offenbart werden.
Es gibt zwei Arten von Geheimnissen:
Geheimnisse, die vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten werden:
Wenn diese Geheimnisse ans Licht kommen, werden sie als das erkannt, was sie sind: clevere Illusionen, die, einmal enthüllt, nie wieder täuschen können. Welche »Geheimnisse« diese Illusionen einst auch immer bargen, sie verschwinden.
Wahre Geheimnisse, die für alle sichtbar sind:
Wenn wahre Geheimnisse erforscht werden, werden sie tiefer und tiefgründiger. Sie werden reicher und bringen noch größere Geheimnisse hervor, während ihre Enthüllungen die Welt erleuchten. Das sind die sogenannten »Geheimnisse« der Kabbala.
Mit diesem Buch möchte ich Dinge richtigstellen und die Öffentlichkeit darüber informieren, was die Kabbala ist – und auch darüber, was die Kabbala nicht ist.
In den letzten Jahren hat sich die Kabbala zu einem Phänomen der Popkultur entwickelt. Diese Entwicklung hat zur Verbreitung zahlloser Unrichtigkeiten und Fehlinformationen geführt. Dieses Buch richtet sich sowohl an Neugierige als auch an alle, die die tiefgründigen Lehren der Kabbala aufrichtig verstehen und kabbalistische Weisheit in ihren Alltag integrieren möchten.
Leider stellen einige Bücher die Kabbala als eine mystische New-Age-Bewegung dar, die sich mit Amuletten, obskuren Meditationsformen, Aberglauben und okkulten Praktiken beschäftigt. Manche Bücher über die Kabbala trennen die Kabbala vom Judentum, informieren arglose Schüler falsch und verleiten sie dazu, die Kabbala als allgemeine Lebensphilosophie zu betrachten und nicht als eine spirituelle Praxis, die untrennbar mit jüdischem Recht, Ritual, Gebet und Studium verbunden ist.
Kabbala für Dummies erklärt in einfachen Worten sowohl die wichtigsten abstrakten Ideen der Kabbala als auch die kabbalistischen Praktiken, die Teil des jüdischen Alltagslebens sind. Obwohl das Studium der Kabbala eine große Verpflichtung sein kann, die das gesamte Leben eines Praktizierenden beeinflusst, kann man allein durch die Auseinandersetzung mit den Ideen und Perspektiven der Kabbala viele tiefgründige Lebensansätze gewinnen.
Die Kabbala ist ein komplexes und oft kontroverses Thema, deshalb musste ich beim Schreiben einige Konventionen festlegen, um die Dinge so offen und einfach wie möglich zu halten. Bitte beachten Sie beim Lesen von Kabbala für Dummies meine folgenden Konventionen:
Bezugnahmen auf Gott:
Zu den kabbalistischen Gottesvorstellungen gehört der grundlegende Glaube, dass der Allmächtige kein Geschlecht hat. Deshalb versuche ich möglichst, die Verwendung männlicher Pronomen für Gott zu vermeiden. Da jedoch Hebräisch, die Hauptsprache des Judentums, kein neutrales Geschlecht kennt, sind die meisten hebräischen Substantive männlich. Zudem gibt es zwar einen weiblichen Begriff, der Gottes innewohnende Präsenz in der Welt beschreibt, doch die männlichen Formen der Gottesnamen haben ihre eigene spirituelle Bedeutung (in der kabbalistischen Tradition gibt es viele Namen für Gott, wie ich in
Kapitel 16
erkläre). In jüdischen Gebeten wird Gott beispielsweise als »Er« bezeichnet. Das ist kein Sexismus; Gott ist weder Er noch Sie. Fühlen Sie sich also bitte nicht diskriminiert, wenn Gott als »Er« bezeichnet wird.
Das Wort »Kabbalist«: In diesem Buch beziehe ich mich auf Dinge, die Kabbalisten tun oder glauben. Tatsächlich hat sich keiner der großen (oder auch nicht so großen) Kabbalisten jemals als Kabbalist bezeichnet. Alle großen Kabbalisten der Geschichte waren Juden, genauer ausgedrückt traditionelle, gläubige Juden. Heute würde man sie wohl als orthodoxe Juden bezeichnen.
Ich verwende in diesem Buch den Begriff »Kabbalist«, um mich auf jene Menschen zu beziehen, große Gelehrte oder ganz normale Menschen wie mich, die die schönen jüdischen Praktiken und tiefgründigen Ideen, die Teil der jüdischen Tradition sind und eine ausdrückliche Verbindung zu jüdischen theologischen – und daher kabbalistischen – Ideen haben, in ihr Leben integrieren.
Ein großer Gelehrter wird als Kabbalist bezeichnet, wenn er über die Theologie des Judentums geschrieben oder gelehrt hat und sich besonders für die Anwendung des Vokabulars und der wesentlichen Ideen der theologischen und esoterischen Erforschung des Judentums interessiert hat. Auch heute noch werden Lehrer, die als Meister der Kabbala gelten, nicht allgemein als Kabbalisten bezeichnet. Stattdessen weist der Begriff Mekubal darauf hin, dass ein bestimmter Lehrer ein qualifizierter Kabbala-Lehrer ist und für seine kabbalistischen Lehren bekannt ist.
Chassidismus
:
In den letzten Jahrhunderten gab es zwei Strömungen des Kabbala-Studiums.
Eine davon wird durch den großen Rabbi repräsentiert, der im Jahr 1720 geboren wurde: Rabbi Elijah (auch bekannt als der Gaon von Wilna). Für ihn war die Kabbala ein Fach, das nur den besten Schülern vorbehalten war.
Die andere Seite wird durch den etwa zur gleichen Zeit, 1698, geborenen Rabbi Israel (auch bekannt als Baal Schem Tow) repräsentiert. Der Schwerpunkt seiner Lehre bestand darin, die Weisheit und Praxis der Kabbala dem Durchschnittsbürger näherzubringen, nicht nur den Elite-Gelehrten. Dieses Bestreben wird als
Chassidismus
bezeichnet.
Viele der in diesem Buch zitierten Gelehrten und viele der kabbalistischen Praktiken, die ich beschreibe, stammen aus dem Chassidismus. Dieser war im Grunde das Bestreben des Judentums der letzten Jahrhunderte, die Kabbala den Massen nahezubringen. Da Kabbala für Dummies ein Versuch ist, die Kabbala möglichst vielen Menschen zu erklären, ist es voller Lehren des Chassidismus, der Kabbala für jedermann.
Daten:
Ich verwende in diesem Buch nicht die Abkürzungen v. Chr. und n. Chr., da diese Bezeichnungen die Zeit im Verhältnis zur christlichen Geschichte messen. Stattdessen verwende ich v. u. Z., was »vor unserer Zeitrechnung« bedeutet, und u. Z., was »unserer Zeitrechnung« bedeutet. Beispielsweise würde das Jahr, in dem Kolumbus Amerika entdeckte, als 1492 u. Z. angegeben.
Gleichberechtigung
der Geschlechter:
Religiöse Gruppen haben im Laufe der Geschichte die Rollen von Männern und Frauen auf vielfältige Weise definiert. In diesem Buch gehe ich davon aus, dass sowohl Männer als auch Frauen an fast allen jüdischen Ritualen teilnehmen können. Es ist jedoch zu beachten, dass die kabbalistische Tradition nicht geschlechtsneutral ist; sie geht davon aus, dass Männer und Frauen spirituell unterschiedlich sind. Wenn Männer und Frauen diese Unterschiede durch geschlechtsspezifische Praktiken und Rollen würdigen und feiern, erkennen sie die tiefere spirituelle Dimension ihres Lebens und die einzigartigen Beiträge zur Welt, die von diesen unterschiedlichen spirituellen Rollen ausgehen.
Wenn Sie Zeit und Lust haben, dieses Buch von Anfang bis Ende durchzulesen, dann nur zu! Wenn Sie jedoch nur die hilfreichsten und wichtigsten Fakten und Erklärungen suchen, können Sie die Einschübe überspringen, die im gesamten Buch immer wieder erscheinen. Sie enthalten (hoffentlich!) interessante Anekdoten und Informationen, die den Text ergänzen, aber für das Verständnis der behandelten Themen nicht unbedingt erforderlich sind.
Beim Schreiben dieses Buches musste ich einige Annahmen über Sie treffen, lieber Leser. Zunächst einmal gehe ich nicht davon aus, dass Sie jüdisch sind, und ich gehe auch nicht davon aus, dass Sie es sein wollen. Und obwohl Kabbala ebenso eine spirituelle Praxis wie eine spirituelle Theorie ist, gehe ich nicht davon aus, dass Sie jede einzelne Praxis ausüben wollen.
Nachfolgend sind einige zusätzliche Annahmen aufgeführt, die ich getroffen habe. Wenn Sie in eine dieser Kategorien passen, ist dieses Buch genau das Richtige für Sie:
Sie haben von der Kabbala gehört und sind neugierig darauf, vielleicht weil eine Persönlichkeit aus dem Showgeschäft gesagt hat, dass sie sich damit beschäftigt, oder weil Sie finden, dass dieses Wissen zur Allgemeinbildung gehört, aber Sie haben keine genaue Vorstellung davon, worum es geht.
Sie möchten mehr über die Kabbala erfahren, egal ob Sie religiös sind oder nicht.
Sie wissen wenig oder nichts über die jüdische Religionsausübung, die eigentlich den Rahmen der Kabbala bildet.
Wie so viele Menschen haben Sie versucht, zu verstehen, worum es im Leben geht, und Sie haben gehört, dass die Kabbala ihre eigene Herangehensweise an die großen, ewigen Fragen des Lebens hat.
Sie haben von Dingen gehört, die laut den Medien zur Kabbala gehören (wie das Tragen eines roten Fadens um das Handgelenk oder das Trinken von sogenanntem Kabbala-Wasser), und Sie möchten wissen, ob diese Dinge wahr sind oder eine authentische Grundlage haben.
Sie sind auf einer spirituellen Suche und haben gehört, dass die Kabbala eine spirituelle Herangehensweise an das Leben ist.
Sie kennen Leute, die sich für die Kabbala interessieren, und Sie möchten sie besser verstehen.
Sie sind vielleicht Jude oder nicht, aber Sie sind neugierig auf Juden, die sich selbst als chassidisch bezeichnen, was bedeutet, dass sie einen religiösen Lebensstil pflegen, der auf den Prinzipien und Praktiken der Kabbala beruht.
Ihnen wurde gesagt, dass die Kabbala eine geheime Tradition ist, und Sie möchten wissen, was es mit diesem Geheimnis auf sich hat.
Sie sind Jude, haben aber das Gefühl, dass es dem Judentum, das Sie kennen, an Spiritualität mangelt – und man hat Sie zu der Überzeugung gebracht, dass die Kabbala der spirituelle Weg (und manchmal sogar die Seele) des Judentums sei.
Ich habe dieses Buch so aufgebaut, dass Sie bequem darin blättern können. Damit Sie leichter in das Buch einsteigen, die benötigten Informationen finden und es wieder weglegen können, ohne es von Anfang bis Ende lesen zu müssen, habe ich es in Abschnitte unterteilt, die Ihnen jeweils einen Teil des Kabbala-Bildes vermitteln.
Dieser Teil vermittelt Ihnen die Grundlagen. Zunächst erhalten Sie einen Überblick über das gesamte Thema, insbesondere über seine wichtigsten Ideen und Konzepte. Da sich die Kabbala über die Jahrhunderte weiterentwickelt hat und im Laufe der Zeit viele bedeutende Lehrer hervorgebracht hat, ist eine Geschichte der Kabbala unerlässlich. Obwohl ich mich sehr bemüht habe, Fachsprache zu vermeiden, hat die Kabbala, wie jedes Fachgebiet, ihre eigenen, einzigartigen Begriffe und ihr eigenes Vokabular. Dieser Teil führt diese Begriffe mit verständlichen Erklärungen ein. Und da so viele Fehlinformationen über die Kabbala kursieren, erkläre ich hier auch, was die Kabbala nicht ist.
Jede Weltanschauung, Philosophie und Religion geht von Annahmen aus, und die Kabbala bildet da keine Ausnahme. Dieser Teil stellt die zwei zentralen Annahmen der Kabbala vor: Die Welt muss repariert werden, und die menschliche Seele lebt ewig. Diese beiden Annahmen stehen auch in einem Zusammenhang: Die Aufgabe der menschlichen Seele besteht darin, mit ihrem Körper die Welt zu reparieren. Dieser Teil untersucht, wie Kabbalisten an der Reparatur der Welt mitwirken und wie die menschliche Seele ihren Weg geht.
Dieser Teil setzt die Theorie der Kabbala in die Praxis um. Die Kabbala ist nicht nur eine abstrakte Philosophie und nicht nur ein System von Ideen. Die Kabbala ist eine Lebensweise. Es gibt Dinge, die Kabbalisten täglich, wöchentlich, jährlich und ihr ganzes Leben lang tun, von der Geburt bis zum Tod. Diese und andere Handlungen bringen die tiefgründigen und ewigen Ideen zum Ausdruck, die die großen Weisen der Kabbala lehrten. Die Kapitel dieses Teils behandeln die wichtigsten Aktivitäten, Feiern und Rituale, die das Leben eines Kabbalisten ausmachen.
In diesem Teil definiere und erforsche ich die beiden nahezu ständigen Aktivitäten der Kabbalisten: Studium und Gebet. Beide Aktivitäten sind Ausdruck der Beziehung zu Gott; das Studium der heiligen Bücher der Kabbala und das Rezitieren täglicher Gebete prägen das fortwährende Gespräch der Kabbalisten mit Gott. Dieser Teil schließt mit einer eingehenden Betrachtung der kabbalistischen Sichtweise von Gott, der den Kabbalisten als der Unendliche bekannt ist.
Jedes Dummies-Buch enthält einen Top-Ten-Teil. In diesem Buch besteht er aus interessanten Listen von Personen, Orten und Mythen rund um die Kabbala. Angesichts der vielen Fehlinformationen über die Kabbala greife ich die zehn größten Mythen auf, die in Büchern und Medien kursieren. Anschließend stelle ich bekannte Kabbalisten aller Zeiten vor. Im dritten Kapitel dieses Teils stelle ich Ihnen zehn der größten Kabbalisten der Geschichte vor, und im letzten Kapitel schließlich zehn wichtige Kabbala-Lehrer mit hilfreichen YouTube-Videos.
Hier habe ich noch ein paar weitere nützliche Informationen aufgenommen, die sonst an keiner anderen Stelle im Buch Platz fanden, aber trotzdem wichtig sind. Anhang A enthält eine Liste von Büchern und Autoren mit Bezug zur Kabbala, Anhang B untersucht die Verwendung hebräischer Buchstaben und Zahlen, um die Geheimnisse der Thora zu finden (Gematria), und Anhang C ist ein praktisches Glossar zu allen Themen der Kabbala.
Alle Für Dummies-Bücher enthalten Symbole (kleine Bilder, die Ihre Aufmerksamkeit fesseln) in den Randspalten. Nutzen Sie sie als Wegweiser, die auf verschiedene Informationen in den Kapiteln verweisen.
Dieses Symbol weist Sie auf besonders wichtige Konzepte, Begriffe und Ideen hin. Behalten Sie die mit diesem Symbol gekennzeichneten Punkte im Hinterkopf, vielleicht brauchen Sie sie noch.
Dieses Symbol weist auf hilfreiche Informationen hin, die Sie nutzen können, um die Kabbala im Alltag anzuwenden und bestimmte Konzepte besser zu verstehen.
Dieses Symbol weist auf Fallstricke oder Missverständnisse in Bezug auf die Kabbala hin. Lesen Sie diese Informationen unbedingt!
Die klassischen Bücher der Kabbala beginnen nicht am Anfang; im Laufe der Jahrhunderte haben sich Kabbala-Schüler in ein bestimmtes heiliges Buch gestürzt und es immer wieder durchgelesen. Tatsächlich beginnt der Leser beim Studium eines Kabbala-Buches oft erst beim zweiten Durchgang, die Tiefe des Textes wirklich zu verstehen. Oft bauen Konzepte aufeinander auf, und erst wenn ein Schüler eine bestimmte Idee erfasst hat, kann er beginnen, Ideen auf Ideen aufzubauen.
Kabbala für Dummies funktioniert ähnlich – es beginnt nicht unbedingt am Anfang. Warum nicht einfach dort einsteigen, wo Sie anfangen möchten, wie die Kabbalisten im Laufe der Geschichte? Obwohl ich in Kapitel 1 versucht habe, eine nützliche Einführung in das gesamte Thema zu geben, können Sie einfach das Inhaltsverzeichnis durchsehen und sich etwas heraussuchen, das Sie besonders interessiert. Wenn Sie sich beispielsweise mit östlichen Religionen beschäftigt haben, wissen Sie, dass Reinkarnation ein grundlegender Begriff ist, und daher könnte Sie die kabbalistische Sichtweise zu diesem Thema in Kapitel 7 interessieren.
Bob Dylan schrieb einmal, er wolle nichts lernen, was er wieder »verlernen« muss. Leider kursieren heutzutage viele falsche Vorstellungen und Halbwahrheiten über die Kabbala. Daher sollten Sie zunächst reinen Tisch machen und das bisher Gehörte »verlernen«, indem Sie Kapitel 2 aufschlagen. Dort erfahren Sie, was Kabbala nicht ist. Und vielleicht möchten Sie diese Informationen mit denen aus Kapitel 17 ergänzen, in dem es um Mythen über das Studium der Kabbala geht.
Aber wo auch immer Sie beginnen, machen Sie sich bereit, eine tiefgründige Weltanschauung zu entdecken, die seit jeher unzählige spirituell Suchende inspiriert und unterstützt hat.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
Lernen, was die Kabbala ist – und was nichtDie Geschichte der Kabbala genauer betrachtenDie hartnäckigen Mythen über die Kabbala aus der Welt schaffenKapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Kabbala als Teil des Judentums verstehenIn einige der wichtigsten kabbalistischen Ideen eintauchenDie Regeln des Kabbala-Studiums kennenlernenZwischen verschiedenen Kabbala-Bewegungen wählenDie Kabbala ist der Teil des Judentums, der sich mit dem Verständnis von Gott, der Schöpfung, der Beziehung zwischen Gott und seiner Schöpfung sowie dem Wesen und Weg der Seele beschäftigt. Die Kabbala beschäftigt sich mit Fragen von Gut und Böse, Tod und Jenseits sowie den spirituellen Aspekten der Existenz. Sie wird oft als jüdische Mystik bezeichnet, geht aber weit über die mystischen Aspekte des Judentums hinaus. Die Kabbala ist zentral für den jüdischen Glauben und seine spirituellen Praktiken.
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Kabbala kein Buch. Diesen weitverbreiteten Irrtum habe ich immer wieder gehört. Als ich vor Jahren in einem Buchladen arbeitete, als Bibliothekar und auch erst kürzlich wurde ich gefragt, ob es gute Übersetzungen des Buches »Kabbala« gebe. Manche Leute glauben, man könne die Kabbala genauso als Buch studieren wie die Bibel. Sie ist kein Buch, aber ihre moralischen, spirituellen und ethischen Lehren finden sich in den großen spirituellen Büchern des jüdischen Volkes.
In diesem Kapitel definiere ich den Begriff »Kabbala«, um Ihnen einige ihrer Schlüsselkonzepte und die heutige Beschäftigung mit dem Thema näherzubringen. Der vielleicht wichtigste Punkt dieses Kapitels und dieses Buches ist jedoch, dass man die Kabbala am besten versteht, wenn man sie praktiziert, nicht nur, wenn man darüber liest.
Das Wort »Kabbala« basiert wie jedes hebräische Wort auf einer Wurzel. Diese besteht üblicherweise aus drei hebräischen Buchstaben, die als Basis vieler Wörter dienen. Jede Wurzel hat eine grundlegende Bedeutung; die Bedeutung der Wurzel von »Kabbala« ist »empfangen«.
Was empfängt der Mensch, der sich mit dem Studium der Kabbala beschäftigt? Die Antwort ist einfach und doch in gewissem Sinne unmöglich. Kabbalisten erhalten Wissen über Gott und Anleitung für das Leben.
Untersucht man die Wurzelbedeutung noch weiter, bedeutet das Wort »Kabbala« auch »die überlieferte Tradition«. Ich fragte einmal einen meiner Lehrer, wie man ein bestimmtes Ritual durchführt. Als er es mir erklärte, sagte ich ihm, ich hätte gehört, es gehe anders. Er antwortete: »Man kann es auch anders machen, aber ich mache es so, wie es mir mein Lehrer beigebracht hat. Das ist meine Kabbala!«
Um die Tradition der Kabbala zu empfangen, müssen Sie sich öffnen und in Ihrem Inneren Platz schaffen, damit Sie die Lehren aufnehmen können.
Der größte Mythos über die Kabbala – und einer, der sich bemerkenswerterweise in die Definition der Kabbala durch die meisten Autoren und Lehrer eingeschlichen hat, die die Kabbala von außen und nicht von innen betrachten – ist, dass die Kabbala jüdische Mystik sei. Wie Professor Joseph Dan erklärt, einer der weltweit führenden Experten für die Kabbala, gab es bis zum 19. Jahrhundert keine »jüdischen Mystiker«.
Der Begriff »Mystik« ist nicht einmal Teil der jüdischen Kultur oder Sprache. Vielmehr wurde er von einem Begriff aus dem christlichen Denken übernommen, dem der Unia Mystica, die mystische Vereinigung mit Gott. Verschiedene Gelehrte waren der Ansicht, dass einige der zentralen Ideen der Kabbala diesem christlichen Konzept entsprachen, und so entwickelte sich der Begriff »jüdische Mystik« und wurde mit der Kabbala verknüpft.
Eine der wichtigsten Verwendungen des Begriffs »Mystik« besteht beispielsweise darin, Vorstellungen und Erfahrungen zu beschreiben, die sich nicht in Worte fassen lassen. Da die Kabbala betont, dass Gott letztlich nicht beschreibbar ist, hat sich der Begriff »Mystik« durchgesetzt. Er wird auch verwendet, wenn es um Erfahrungen jenseits der Sinne geht. Da sich die Kabbala oft mit Glaubensfragen beschäftigt, erscheint es auch hier sinnvoll, sie als »jüdische Mystik« zu bezeichnen. In diesem Buch verwende ich den Begriff »Mystik« kaum, da er in der kabbalistischen Literatur selbst nie vorkommt.
Im Grunde ist die Geschichte der Kabbala die Geschichte des Judentums – beides lässt sich nicht trennen. Im Laufe der Jahrhunderte haben die größten Gelehrten des Judentums die Kabbala ernsthaft studiert. Sie fragen sich vielleicht: »Wenn Kabbala und Judentum dasselbe sind, was ist dann der Unterschied zwischen ihnen? Wozu braucht es überhaupt das Wort ›Kabbala‹, geschweige denn ein Buch über die Kabbala? Warum ist Kabbala für Dummie nicht einfach ein Buch über das Judentum?«
In diesem Kapitel gehe ich der Idee nach, dass die Kabbala ein theologischer Prozess ist, der im Judentum von zentraler Bedeutung ist. Das heißt, die Kabbala ist der Weg, auf dem die jüdische Tradition versucht, das Unendliche zu begreifen und jeder Generation die Art und Weise zu vermitteln, wie die Gelehrten das menschliche Leben – in Beziehung zum Schöpfer – verstehen.
Die Kabbala beschäftigt sich mit den grundlegenden Fragen des Lebens. Wenn ich mir zum Beispiel die Welt anschaue, sehe ich so viel Leid aller Art und frage mich, warum Gott eine Welt mit so viel Leid geschaffen hat. Oft scheint es, als würden gute Menschen leiden, während Menschen, die Böses tun, allzu oft Erfolg haben. Die Tradition des Judentums, die sich mit solchen Themen und Fragen beschäftigt, ist die kabbalistische Tradition.
Wenn Menschen erkennen, dass das Leben nur eine vorübergehende Reise ist und schmerzhaft und schwierig enden kann, fragen sie sich, worum es in diesem Leben eigentlich geht und wie dieser scheinbar verrückte Plan überhaupt Sinn ergibt. Die Kabbala ist der Teil des jüdischen Lebens und Glaubens, der solche Fragen erwägt und Antworten auf diese immensen Rätsel bietet (siehe Kapitel 5 und 6 für weitere Informationen).
Die Kabbala ist der Teil des Judentums, der sich mit der Natur des Lebens, der Seele und dem Sinn der menschlichen Existenz befasst. Sie kommt ins Spiel, wenn Menschen erkennen, dass sie nicht nur aus Fleisch und Blut bestehen, sondern einen Geist zu besitzen scheinen – einen Lebensfunken. Kabbalisten erkennen, dass sich die menschliche Erfahrung dank des freien Willens und des Selbstbewusstseins grundlegend von der von Pflanzen und Tieren unterscheiden kann. Kabbalisten erkennen auch, dass Menschen nicht nur einen vergänglichen Körper, sondern auch eine Seele haben, die viel langlebiger ist als materielle Dinge.
Die Kabbala versucht, die Metaphysik des Lebens zu verstehen und den Menschen beizubringen, die vorhandenen spirituellen Kräfte weise zu nutzen. Kabbalisten stellen fest, dass das Leben und die menschliche Existenz scheinbar einigen metaphysischen Prinzipien unterliegen, in denen manche Dinge gut und gesund, andere schlecht und zerstörerisch erscheinen, und manche Dinge den Menschen in erhabene Höhen erheben, während andere ihn zu erniedrigen scheinen.
Ein wichtiges Prinzip der Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte ihr Leben auf der Grundlage der Lehren der Kabbala gelebt haben, besteht darin, dass es unmöglich ist, diese Lehren zu verstehen, wenn man nicht an ihnen teilnimmt.
Nehmen wir zum Beispiel einen Kuss. Sie können über das Küssen lesen, wissenschaftliche Bücher über das Küssen studieren, alle Gesichtsmuskeln verstehen, die für einen Kuss erforderlich sind, und sich sogar Andy Warhols Film Kiss ansehen, in dem es extreme Nahaufnahmen von sich küssenden Menschen gibt. Aber der einzige Weg, etwas über das Küssen wirklich zu erfahren – und es wirklich zu erfahren – ist, zu küssen!
Der Schüler der Kabbala muss eine bestimmte Haltung einnehmen – keine körperliche, sondern eine innere. Ich nenne es »sich öffnen«. Damit meine ich, dass man offen bleiben muss. Man muss auch eine neue Idee ausprobieren. Denken Sie darüber nach. Gewöhnen Sie sich daran. Verwerfen Sie eine neue Idee nicht vorschnell. Geben Sie ihr eine Chance. Setzen Sie sich damit auseinander.
In der Thora (Exodus 24:7), als Gott den Kindern Israels die Gebote gibt, sagen sie: »Wir werden tun und hören.« Normalerweise ist es umgekehrt: Zuerst hören wir etwas und dann überlegen wir, es zu tun. Die Thora legt jedoch nahe, dass der beste Weg, etwas zu verstehen, darin besteht, es zu tun, sich darauf einzulassen und es von innen heraus zu lernen. Ich meine damit nicht, dass man etwas blind akzeptieren soll. Ich schlage vor, dass man sich auf eine neue Idee einlässt und schaut, wie sie sich anfühlt. Ein Physiker sagte einmal: »In der Physik versteht man eine neue Idee nie; man gewöhnt sich einfach daran.« Dasselbe gilt für neue Ideen aus der Kabbala. Verschränken Sie nicht die Arme vor der Brust und sagen Sie nicht: »Beweisen Sie es mir.« Öffnen Sie sich vielmehr der Kabbala, und sie wird langsam in Ihr Bewusstsein sickern. Und dann werden Sie sie von innen heraus kennenlernen.
Man kann die Kabbala nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Im Gegenteil, in der Kabbala muss man Ideen entwickeln und sie zu größeren Ideen zusammenfügen. Vergleichen wir die Kabbala mit der Mathematik. Zuerst lernt man das Addieren und Subtrahieren; dann das Multiplizieren und Dividieren. Danach kann man mit einfacher Algebra beginnen, sich dann mit fortgeschrittener Algebra beschäftigen und so weiter.
Die erste, wichtigste und zentrale Idee der Kabbala ist Gott. Für Kabbalisten ist Gott übrigens kaum eine menschliche Idee. Tatsächlich würde ein Kabbalist sagen, dass der Mensch eine »Idee« von Gott ist. Gott zu »erkennen« ist das Hauptziel des Kabbalisten. Auf dem Weg, Gott zu erkennen – oder zu versuchen, ihn zu erkennen –, bilden mehrere Schlüsselkonzepte die Grundlage der jüdischen Theologie, der Kabbala.
Die oft gestellte Frage lautet: »Warum hat Gott die Welt erschaffen?« Die großen Gelehrten der Kabbala weisen darauf hin, dass Gott die Welt sicherlich nicht erschaffen hat, weil er sie brauchte. Zu sagen, dass Gott etwas braucht, impliziert, dass Gott einen Mangel hat, und eine der grundlegenden Vorstellungen der kabbalistischen Tradition von Gott ist, dass Gott ganz, vollkommen und makellos ist und nichts braucht. Übrigens hat Gott der Kabbala zufolge die Welt nicht in einem Moment erschaffen und dann aufgehört. Vielmehr lehrt die Kabbala, dass Gott die Welt jeden Moment weiter erschafft. Schöpfung ist eine fortwährende göttliche Aktivität. (Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in Kapitel 4.)
Warum erschafft Gott die Welt? Aus Liebe und weil Gott möchte, dass die Menschen empfangen. Kabbalisten sagen, Gott möchte, dass die Menschen die größtmögliche Freude empfangen: die Erkenntnis Gottes.
»Gott kennen?«, fragen Sie sich vielleicht. »Ist das die größte Freude?« Die Lehren der Kabbala erklären nachdrücklich, dass die größte Freude tatsächlich darin besteht, Gott zu kennen – Gott wirklich zu kennen.
Die Kabbala ist das System der Glaubenssätze, Ideen und Handlungen der jüdischen Tradition, das den Menschen hilft, das Göttliche wirklich zu erkennen. Wenn Sie an dieser Stelle kein Problem erkennen, sollten Sie es bald erkennen. Sie sind gerade auf ein Paradoxon gestoßen.
Die Kabbala ist voller Paradoxa. Ein Paradoxon ist eine Aussage, die sich selbst zu widersprechen scheint. Doch ein Paradoxon ist nicht absurd; es kann erstaunliche Wahrheiten enthalten. Das erste zu betrachtende Paradoxon ist die kabbalistische Ansicht, dass Gottkenntnis zwar die größte Freude ist, Gotteserkenntnis jedoch unmöglich ist.
Vielleicht ist es zutreffender zu sagen, dass vollständiges Wissen über Gott unmöglich ist. Die kabbalistische Tradition bietet Möglichkeiten, einen Blick auf Gott zu werfen – und selbst ein winziger Blick birgt tiefe Freude.
Eines der Grundprinzipien der Kabbala ist die unüberbrückbare Kluft zwischen Gott und den Menschen. Obwohl ein Mensch Kontakt zu Gott aufnehmen kann, kann dieser Kontakt letztlich nicht allein durch seine Bemühungen zustande kommen. Egal wie sehr sich ein Mensch bemüht, er kann Gott nicht erreichen. Die Kabbala lehrt, dass diese Kluft zwar überbrückt werden kann, aber nur durch Gott. Wenn diese Kluft überbrückt wird, geschieht dies, weil Gott sich ihm zuwendet.
Gott wendet sich einem Menschen zu, und er kann empfangen (denken Sie daran, dass »Kabbala« »empfangen« bedeutet). Die Rituale, Bräuche, Gesetze und Aktivitäten eines Menschen, der nach der kabbalistischen Tradition lebt, sollen ihn darauf vorbereiten, Gott zu empfangen, Gotteserkenntnis zu erlangen und größtmögliche Freude zu empfinden.
Angesichts der immensen Kluft zwischen Mensch und Gott fragt man sich vielleicht, was einem Kabbalisten die Zuversicht gibt, dass Gott diese Kluft überbrückt. Wenn ein Kabbalist die Thora liest, ist das beherrschende Thema, buchstäblich von Anfang an, dass Gott uns ständig sucht und möchte, dass wir ein göttliches Angebot aktiv annehmen. Er möchte, dass wir Gott bei uns ein Zuhause geben. Gott zu empfangen, wird zur größten Freude des Kabbalisten.
Die Kabbala ist die Tradition, die wir von den jüdischen Gelehrten erhalten haben, um den Menschen zu helfen, die Fülle der Gegenwart Gottes wahrzunehmen und in ihr zu leben.
Man könnte sagen: »Gotteserkenntnis ist nicht unbedingt die größte Freude.« Manche Menschen halten viel Geld für die größte Freude. Andere wiederum halten Sex für die größte Freude. Wieder andere wiederum meinen, Ruhm, Essen oder irgendetwas anderes gehöre zu den größten Freuden des Lebens. Doch die Kabbala lehrt, dass die tiefste Quelle der Freude die Erkenntnis Gottes ist.
Wie bereitet man sich darauf vor, Gotteserkenntnis zu erlangen? Viele haben gelehrt, der erste Schritt bestehe darin, Raum für dieses Wissen zu schaffen. Wenn man sich ganz verschlossen oder vollgestopft fühlt, kann Gotteserkenntnis nicht eindringen und keinen Platz mehr finden.
Wenn jemand an seinen aktuellen Vorstellungen und Überzeugungen festhält, ist es meist unmöglich, neue zuzulassen. Die biblische Sichtweise – erst tun, dann verstehen – ist jedoch ein nützlicher Ansatz. Man muss nicht alles tun, und schon gar nicht alles auf einmal. Doch Kabbala-Schüler haben festgestellt, dass sich durch ein wenig Studium, Gebet und rituelles Einhalten die Türen öffnen und wahres Lernen möglich wird.
Nachfolgend finden Sie eine Liste weiterer wichtiger Konzepte, die einer eingehenden Untersuchung bedürfen, um von der Kabbala als System täglicher Praktiken zu profitieren:
Gott ist unendlich:
Die Kabbala versteht Gott als ein vollkommenes, höchstes Wesen, das unendlich und zugleich formlos und unveränderlich ist. Mehr über die unendliche Natur Gottes erfahren Sie in
Kapitel 16
.
Göttliche Kontraktion
:
Eine der Fragen, die die Kabbala zu beantworten versucht, lautet: »Wenn Gott unendlich ist, wo ist dann Platz für Gottes Schöpfung?« Der kabbalistische Begriff für den Prozess, bei dem sich Gott zusammenzieht, um Platz für die Schöpfung zu schaffen, lautet
Tzimzum
. Die kabbalistische Sicht der Schöpfung geht davon aus, dass Gott eine Abwesenheit des Göttlichen veranlasste, wodurch ein »Raum« für die Schöpfung entstand.
Zehn Äußerungen: Die Kabbala lehrt, dass Gott die Welt durch die zehn Äußerungen erschafft, die durch ihre unendlichen Kombinationen alle Einzelheiten der Existenz bilden. Diese zehn Äußerungen stimmen auch mit einem anderen wichtigen Konzept überein, den zehn Sefirot (siehe Kapitel 4).
Es ist absolut unmöglich, die Kabbala zu studieren, ohne die zehn Sefirot zu kennen. Die zehn Sefirot sind zehn göttliche Kräfte oder Kanäle oder Ströme göttlichen Reichtums, die die Schöpfung kontinuierlich erschaffen und nähren. Für den Kabbalisten ist die Beherrschung der zehn Sefirot eine wichtige Lebensaufgabe und ein wichtiges Werkzeug, um sich mit Gott zu verbinden. Die zehn Sefirot fließen von Gott abwärts zu seiner Schöpfung, und menschliches Handeln schickt den Fluss zurück »aufwärts« zum Göttlichen.
Das Zerbrechen der Gefäße: Das kabbalistische Konzept der Schöpfung beinhaltet Schevirat Ha-Kelim (das Zerbrechen der Gefäße). Manche bezeichnen es als das große katastrophale Ereignis, das stattfand, als Gott unendliches göttliches Licht in Gefäße goss, die dieses Licht nicht fassen konnten (siehe Kapitel 5).
Die durch dieses Zerbrechen entstandenen Scherben sind der Stoff der Schöpfung. Das göttliche Licht ist in jedem Aspekt der Schöpfung eingebettet, und die Aufgabe des Menschen ist es, das Göttliche, das in der gesamten Schöpfung wohnt, durch gute Taten, ein rechtschaffenes Leben und spirituelles Handeln freizusetzen.
Tikkun:
Aus der Vorstellung vom Zerbrechen der Gefäße folgt das kabbalistische Konzept des
Tikkun
(Reparatur). Tikkun ist der Sinn der menschlichen Existenz und der Weg zur Erkenntnis Gottes. Anweisungen zu dieser Reparatur finden sich in der Thora, insbesondere in den
Mitzwot
, den Richtlinien für ein gesundes Leben.
Halachah:
Halachah
(der Weg des Gehens) ist die Summe der Gesetze und Anweisungen der Thora, um die notwendigen Reparaturen vornehmen. Der Mensch muss sich an der Reparatur der Welt beteiligen und die richtigen Wege dazu erlernen, um Gut von Böse zu trennen und das Böse im Universum endgültig auszulöschen. Jeder Mensch ist verpflichtet, seinen Teil zur Vervollkommnung der Welt beizutragen (siehe die Kapitel in
Teil III
).
Mitzwot: Eine Mitzwa ist ein göttliches Gebot, und »Mitzwot« ist die Pluralform des Wortes. Diese Gebote lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: positive Gebote, die beschreiben, was man tun soll, und negative Gebote, die beschreiben, was man unterlassen soll. Almosen zu geben, ist beispielsweise ein positives Gebot; »Du sollst nicht töten« ist ein negatives Gebot.
Die jüdische Tradition lehrt, dass die Fünf Bücher Mose 613 Gebote enthalten. Doch diese Zahl ist irreführend, denn tatsächlich gibt es in der jüdischen Tradition Tausende von Lehren, die uns helfen, uns mit unserem höchsten Selbst in Einklang zu bringen. Alle Gebote dienen zwei Zwecken: den Menschen Gott als die einzige Wirklichkeit bewusst zu machen und die Welt zu verbessern. Ich beschreibe die Mitzwot in den Kapiteln von Teil III.
Alles ist zum Besten:
Eine der schwierigsten und tiefgründigsten Lehren aller kabbalistischen Traditionen ist die Ansicht, dass alles, was geschieht, zum Besten ist. (Was? Sogar der Holocaust? Sogar der Tod eines unschuldigen Kindes?) Kabbalisten leben in einem Paradoxon: Einerseits sind die Menschen verpflichtet, die Welt in Ordnung zu bringen, Leid zu lindern, die medizinische Wissenschaft voranzubringen, Krankheiten zu heilen, das Böse zu bekämpfen und um die Toten zu trauern. Andererseits haben die Menschen die ebenso große Verpflichtung, den Glauben zu pflegen, dass die Welt letztlich in Gottes Hand liegt, Gott weiß, was geschieht, und alles einen Sinn hat, der über alles hinausgeht, was sich Menschen vorstellen können. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in
Kapitel 5
.
Seelen
:
