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Ursula ist 2001 im Alter von 51 Jahren allein nach Kanada ausgewandert. Sie hatte 1999 einen Kanada-Schweizer im Internet kennengelernt und daraus hat sich eine Beziehung entwickelt. In ihrem Buch: Kanada ist Bärenstark, schreibt Ursula über ihre ersten 14 Jahren in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache und einem Mann, den sie kaum kannte. Ihre Geschichten und Erlebnisse sind mit viel Liebe und Humor geschrieben. Es gibt Trauriges und Schönes, wie das Leben eben schreibt. Schnell merkt der Leser, dass Tiere in Ursulas leben sehr viel Platz einnehmen. Sie beschreibt auch, wie Urs und sie am Anfang auf dem Berg lebten. Da war nichts ausser Busch, alles haben die beiden mit ihren Händen geschaffen, Die ersten zwei Jahre hatten sie kein fliessendes Wasser, dafür einen Fernseher, ohne den - ein normaler Mensch - in Kanada nicht leben kann! Das Buch gibt keine Ratschläge oder Tipps zum Auswandern, dazu gibt es genug andere Bücher. Dieses Buch soll unterhalten und vielleicht manchmal zum Denken oder Mitfühlen anregen. Die Geschichten werden mit 55 Farbfotos unterstrichen. viel Spass!
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Seitenzahl: 366
Veröffentlichungsjahr: 2016
Copyright: © 2015 Ursula Thierwächter
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
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Ursula Thierwächter
KANADA
IST
BÄRENSTARK
Ausgewandert…
Inhalt
Du willst Auswandern?
Von der Schweiz nach Kanada!
Warum Kanada?
Urs
Wie geht es weiter?
Eine Alp
Wir ziehen nach Creston
Hubert und Maite
Wasser auf dem Sunny-Hill
Auswandern, eine Herausforderung
Sommer 2001
Unser Trailer
Wir heiraten
Das Haus ist verkauft!
Sharon
Weihnachten 2001
Schon ein Jahr
Mai, wir ziehen auf den Sunny-Hill
Der Container
Maite braucht eine Operation
Alles eine Frage der Organisation
Wäsche waschen
Dem Winter entgegen
Der Schnee kommt
Kia’s Geschichte
Der grosse Schreck!
Hubert
Klaus und Ilse
Sorry, ich hab noch nicht
Sommer 2003
Einen grossen Schritt weiter
Zahnschmerzen
Jakob und Erna
Zwetschgenzeit ist Bärenzeit
Noch eine Bärengeschichte
Winterfahrplan
Cougar kill
Der Streuner
Der Streuner
Spuren im Schnee
Maite und Gina
Gina holt Hilfe
Urs baut ein Grünhaus
Der Grufti
Grenzen
Wir brauchen mehr Platz
Der singende Elektriker
Mein Garten
Ein Feriengast
Noch eine Besucher-Story
Freunde in Smithers, BC
Lehman’s
Wie bisch Du?
Wir reden Schwenglish
Cindy, unsere Bernerin
Gina, Maite und Cindy
Mehr Vierbeiner auf dem Sunny-Hill
Aber so geht es nicht!
Noch einmal Gina
Turkeys
Arme Erna
Ein Trailer mit Anbau oder ein Anbau mit Trailer?
Mutter Bär und Kind
Ein Orkan
Die Pflege unserer Alpacas
Home made
Lake Louise
Heute ist Sonntag und da mache ich nicht’s!
Schock!
1. August, Nationalfeiertag
Unterwegs mit Marianne
Freunde und Geld
Flug verpasst
Noch mehr zu Freundschaft und Geld!
Proud to be Canadian … jetzt bin ich Kanadierin
Der Grizzly
Siesta - Meditation
Vier Teenies
Glück gehabt!
Sie kommen immer wieder!
Amy, mein süsses Mädchen
Die Gans Martha
Wenn endlich mal die Sonne lacht!
Zuviel Action auf dem Sunny-Hill
Die Grosskopferten
Meine neue Leidenschaft
Was ist nur mit Sämi los?
Scooter der Ausbrecher
Martha spürt den Frühling
Alpaca schären!
Schon wieder ein Patient
Es geht doch nicht so schnell
Trip zur Fiber-Mill in Carstairs
Christina kommt
Ich Spinne und das mit Begeisterung!
Besuch in Enderby
A pain in the neck!
Mir ist nicht ganz geheuer
Meine Hände
Ich fahre noch einmal nach Calgary
Operation, ja oder nein?
Es geht nicht mehr
Sorge um Cindy
Trauer um Cindy
Nutcracker weekend
Wieder bereit
Pax
Die ersten Wochen mit Pax
Die Zeit, meine Zeit
Die kleine Chica
Urs setzt seinen Traum um
Meine Schuld
Bitte etwas mehr Diskretion!
Georg und Erika
Rituale und magische Worte
Maite
Malen
Bärenstark
Der Boss vom Sunny-Hill
Das tut mir so leid
Chica?? ChicaNO!
„Nur“ eine Erkältung
Es ist doch immer was
Pax ist noch nicht über den Berg
Up-date zu Pax
Jetzt wird eingezäunt!
Was lange währt, wird bestimmt gut
Mein Weg, den Frust zu ertragen
Manchmal muss man seine Einstellung ändern
Lass den Blick schweifen
Erstens kommt es anders und zweitens auch
Dora und Chrischi
Ein Freund
Manu
Und … gefällt es dir immer noch in Kanada?
Vorwort
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Das Buch, KANADA IST BÄRENSTARK ist weder ein Reiseführer für Kanadareisende, noch gibt es Typs zum Auswandern. In diesem Buch finden Sie Geschichten aus meinem Alltag. Wie das Wort schon sagt: Alltag!
Auch als Auswanderer erlebt man nicht jeden Tag und pausenlos etwas Weltbewegendes. Was immer Sie denken wie es sein müsste in Kanada zu leben, oft ist es doch nur ein Klischee. Nicht jeder wohnt im tiefverschneiten Wald, abseits aller Zivilisation ohne Elektrizität und Wasser. Nicht alle Menschen die in Kanada leben suchen die eisige Kälte
und dennoch ist ihr Leben
kanadisch, typisch kanadisch!
Du willst Auswandern?
Als meine Auswanderungspläne konkreter wurden und ich begann, mit meinen Freunden und Verwandten darüber zu sprechen, erntete ich die unterschiedlichsten Gesichtsausdrücke und Argumente.
Da waren die Besorgten, wo jeder Satz mit: „Ja aber was wirst du machen, wenn“ … angefangen hat.
Die Ungläubigen: „Versteh ich überhaupt nicht, du hast doch hier alles, was willst du denn?“ …
Die Kritischen: „Von was rennst du denn weg? Es wird in Kanada nicht anders sein als hier!“
Besonders diese haben sich geirrt! Es ist hier, in Kanada anders, und wie!
Aber es gab auch unterstützende, aufbauende Gespräche, solche, die mir das Gefühl genommen haben, dass ich völlig „durchgeknallt bin und solche, die mich fast ein bisschen beneidet haben …
Klar, habe auch ich mir Gedanken gemacht, habe mich gefragt, was ist, wenn dieses Projekt absolut schiefgeht? Dann hat die andere Stimme in mir drin gesagt: „Ursi, wenn alles schiefgeht, du kannst immer in die Schweiz zurückgehen.“
Ich habe es als Chance genommen, eine Chance, die mir das Schicksal auf dem Tablett serviert hat. Wäre dieser Weg für mich nicht vorgesehen gewesen, dann hätte sich vieles – alles – gegen mich stellen können.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Kanada mich ablehnen könnte, war gross. Stattdessen bekam ich meine Papiere ohne Probleme, ohne eine Rückfrage, es musste einfach so sein.
Ich bin hier am richtigen Platz, kann mich entfalten und auf meine eigene Weise glücklich sein.
Urs und ich, (sind Beide Wassermänner!) wir leben eine etwas andere Beziehung, als ich das gewohnt war. Wir lassen uns gegenseitig die Freiheit, die wir brauchen. Damit meine ich nicht andere Partner oder so.
Nein, damit meine ich die Freiheit, kommen und gehen zu dürfen wie man möchte, sondern machen, auf was man Lust hat und was einem guttut. Der Spruch: „Wenn ich nicht kann, brauchst du auch nicht,“ hat bei uns keinen Platz! Dadurch habe ich eine ganz andere Lebensqualität kennengelernt.
Wir sind nicht rücksichtslos, nein, einfach nur erwachsen und frei! Erst jetzt merke ich, was ich wirklich brauche, wofür ich mir Zeit nehmen möchte.
Ich habe hier meinen Frieden gefunden … mit Urs, den Tieren und der Natur, die ich so liebe, die ich überall spüren und erleben darf. Dafür bin ich sehr dankbar!
Von der Schweiz nach Kanada!
Kurz nach meinem einundfünfzigsten Geburtstag, bin ich vom Bernischen Seeland, (Schweiz) nach BC Kanada, ausgewandert.
Das war jetzt nicht wirklich typisch für mich, nein, es hat sich so ergeben, hat einfach gepasst.
Die Schweiz als Land, hat mir immer gut gefallen und ich hatte auch sonst keine Probleme. Nur manchmal, da sehnte ich mich nach mehr Ruhe und Platz. Es leben so viele Menschen in der kleinen Schweiz. Das wird mir erst jetzt – nach fast fünfzehn Jahren in Kanada – so richtig bewusst. Vielleicht auch das „sich begrenzt“ und „eingeschränkt“ fühlen, hat mich gestört. So vieles ist in der Schweiz nicht mehr denkbar, nicht umsetzbar und schlicht nicht machbar, weil kein Platz, oder zu teuer.
Seit 2001 lebe ich nun mit Urs und meinen Tieren, auf einem grossen Grundstück in der Nähe von Creston, in der Province British Columbia. Hier komme ich voll auf meine Kosten, was die Ruhe und die Natur anbelangt. Mein Lebensstil hat sich um 180° verändert und mein Leben hat ganz andere Prioritäten bekommen, obschon, Probleme gibt es auch hier – davon aber später.
Seit sieben Jahren schreibe ich den Blog: „Kanada ist Bärenstark.” Im vorliegenden Buch sind auch ein paar Geschichten aus diesem Blog eingefügt.
Warum Kanada?
Im Internet habe ich 1999 in einem „Chat room,“ Urs – ein Kanada-Schweizer – kennen gelernt. Das sich Kennenlernen im Internet, ist heute ja gang und gäbe und kein Mensch wundert sich mehr darüber, dass es das gibt. Aber vor fast sechzehn Jahren, war das noch anders, eben nicht so alltäglich, schon gar nicht für eine Frau in meinem Alter!
Ich kürze die Geschichte des „sich Kennenlernen“ von Urs und mir etwas ab. Nach vielen Monaten des Chattens und Telefonierens, bin ich im September 2000, zum ersten Mal in meinem Leben nach Kanada geflogen, um Urs persönlich zu treffen. Ich hatte mir von meinem Arbeitgeber sechs Wochen Urlaub geben lassen, um Urs und das grosse Land ein wenig kennen zu lernen. Aufgeregt war ich, als ich im September 2000 die Empfangshalle am Flughafen in Calgary, betrat. Wir hatten am Telefon ausgemacht, dass Urs auf der linken Seite auf mich warten wird: „Kannst mich gar nicht verfehlen!“ Auf der linken Seite stand dann aber niemand, der nur ein bisschen Ähnlichkeit mit Urs gehabt hätte. Eine ganz kurze Splitt Sekunde schoss mir der Gedanke durch den Kopf: „Was würde ich machen, wenn“ aber weiter bin ich mit Denken nicht gekommen, denn Urs stand halt auf der rechten Seite!
Das erste Treffen war – trotz der vielen Telefonate – eher ein bisschen verklemmt! Wir waren uns halt doch fremd und Urs war anders als ich erwartet hatte. Er hatte ja immer mit aktuellen Bildern von sich gegeizt!
Nach einem guten Kaffee bei Tim Horton’s, konnten wir uns etwas beruhigen, dann unseren Camper abholen und den gemeinsamen Trip starten.
Das Land Kanada, hatte mich schon nach ein paar Tagen gefangen genommen: „Die Weiten, die Natur, die Wälder, Flüsse, Seeufer wo nicht alle paar Meter ein Haus steht, mit einem Schild: „Privat!“ Wir konnten an einem See sitzen, ohne dass ständig andere Menschen vorbeikamen! Sowas war für mich als Schweizerin, wirklich aussergewöhnlich, ein richtiges Highlight!
Um Urs kennen zu lernen, brauchte ich dann doch mehr Zeit. Als ich zu Besuch bei ihm war, konnten wir selten allein sein oder mal in Ruhe reden, immer war was los. Nachbarn und Freunde kamen zum Essen – Urs hat ständig eingeladen und gekocht – oder sie kamen einfach so, um mich, die „Internetbekanntschaft,“ kennen zu lernen.
Nach den sechs Wochen Urlaub, flog ich in die Schweiz zurück, ohne wirklich viel mehr über Urs zu wissen, als was ich schon vorher von ihm gewusst habe! Nur eines wusste ich sicher: „Ich würde gern zurück nach Kanada gehen und da meinem Leben einen neuen Sinn geben!“
Mit diesem Wunsch im Kopf und Herzen, kam ich in die Schweiz zurück und bereitete mich auf meine Auswanderung vor.
Auf Ende März 2001, kündigte ich meinen Job bei der Versicherung, wo ich damals arbeitete, löste meine Wohnung auf und packte alles in einen Container, was mir wichtig schien.
Am 4. April 2001 flog ich nach Calgary wo Urs mich zum zweiten Mal abholte.
Ob dieser Aufbruch nach Kanada – in ein fernes, fremdes Land, eine Sprache die ich nicht gut spreche, zu einem Mann den ich kaum kenne – ob das besonders mutig, oder nur leichtsinnig war, ich kann es nicht sagen.
Auf Englisch würde man sagen: „Everything worked out well,“ und nur das zählt für mich heute!
In der Zwischenzeit habe ich die kanadische Staatsbürgerschaft und ich fühle mich gut und am richtigen Platz. Bin meinem Schicksal dankbar, diese Chance bekommen zu haben.
Obschon, es war nicht immer alles so, wie ich es erwartet hatte, oder wie es unser Plan war. Denn auch hier in Kanada – besonders in BC – kostet alles viel Geld und wenn man was haben will, muss man dafür Arbeiten, wie fast überall auf dieser Welt!
Eine gute Eigenschaft die mir sehr nützlich war und immer noch ist, heisst: „Flexibel bleiben!“
Urs
Urs hat in der Schweiz Metzger und anschliessend noch Koch gelernt und kam 1979 als junger Mann nach Kanada. Er hat hier in ein paar renommierten Hotels gearbeitet, meistens an Touristenorten. Am längsten war er im Chateau Lake Louise.
Er war dort verantwortlich für die Fleischküche. Als er 1991 seine Arbeit im Hotel Chateau Lake Louise aufgab, wollte er nicht mehr zurück in die Gastronomie. Urs war müde und ausgebrannt, heute würde man sagen, er hatte ein Burnout!
So kam Urs nach BC und fand in Radium Hotspring, einen Job in einer grossen Holzsägerei. Mir hat Urs erzählt, dass er diesen, für ihn ungewohnten Job in der „Sawmill,“ gern gemacht hat. Dort arbeitete er für ein paar Jahre, als er im Dezember 1997, einen schweren Arbeitsunfall erlitt. Urs hatte grosses Glück im Unglück. Bei diesem Unfall hätte er sein Leben verlieren können, glücklicherweise verletzte er „nur“ seinen rechten Arm und die Hand. Er musste sich verschiedenen Operationen unterziehen und so gut es eben ging, wurde sein Arm und seine Hand wieder „repariert.“ Aber es war für ihn nicht mehr möglich, zu einer regulären Arbeit zurück zu kehren. Urs braucht auch heute noch – nach all den Jahren – immer ein bisschen mehr Zeit beim Arbeiten und täglich muss er seine Schmerzmittel einnehmen.
Als wir uns kennen lernten, war Urs gerade mitten in den Verhandlungen mit der Versicherung – wie in der Schweiz die IV – um abzuklären, wieviel Rente ihm in Zukunft zustehen wird. Alles zog sich hin und er wusste lange nicht, wie sein Fall ausgehen wird. Diese Situation hat uns ziemlich belastet, bis sein Fall 2003 endlich abgeschlossen wurde. Es war immer klar, dass Urs eine Rente bekommt, aber nicht wieviel. Wir haben dann – als ich in Kanada war – einen Anwalt zugezogen, der sich auf Versicherungsfälle spezialisiert hat und die Investition hat sich gelohnt! Als Einzelkämpfer hat man einfach keine fairen Chancen.
Zurück zum Kennenlernen …
Für Monate, haben Urs und ich am PC, miteinander kommuniziert, über unsere Träume geredet, was wäre wenn … und was man noch so machen möchte im Leben.
Es dauerte eine ganze Weile, bis wir darüber sprachen, ob wir es vielleicht zusammen versuchen sollten.
Für mich wäre das Auswandern nach Kanada, „so“ nicht möglich gewesen. Ich hätte all die Auflagen, die das Auswanderungsprotokoll vorschreibt, nie erfüllen können. Weil Urs laut Versicherung, eine Hilfe im Alltag beanspruchen konnte – wegen seinem Unfall – planten wir, mich, als Hilfe anzugeben. So nahm unser Plan immer konkretere Formen an. Ich würde als Touristin nach Kanada kommen und dann von hier, den Antrag auf „Permanent Residence“ stellen. Urs meinte auch, wenn wir heiraten, würde der langwierige Prozess der Immigration wegfallen. So beschlossen wir, es einfach mal zu probieren und zu hoffen, dass es klappt.
Zu so einem Plan, braucht es wohl die „Leichtigkeit“ der Wassermänner!
Unser Pluspunkt war, dass der Versicherung mit diesem „Arrangement“ viel Geld eingespart würde.
So flog ich – als Touristin – am 4. April 2001 nach Calgary und von da, wollte ich dann ein Gesuch auf Immigration einreichen.
Viele Formulare zum Ausfüllen, wurden mir zugeschickt. Bei einem mir vorgeschlagenen Arzt, musste ich mich untersuchen lassen und ich musste zur Polizei in Creston, wo mir die Fingerabdrücke abgenommen wurden.
Natürlich kostete das auch Geld, das ganze Verfahren war für mich nicht anders, als für alle anderen, die nach Kanada immigrieren möchten. Einzig, dass ich in Kanada leben durfte, während mein Fall bearbeitet wurde und … es war mir nicht erlaubt das Land zu verlassen, solange mein Fall „hängend“ war.
Nach neun Monaten, konnte ich meine „Permanent Residence Card“ beim Immigration Office in Cranbrook, abholen. Der Beamte, der mich durch die ganzen Monate des Antrages begleitet hatte, freute sich richtig, als er mir die Karte aushändigen durfte.
Überhaupt, wann immer ich wegen meiner Einwanderung in ein Office musste, die Menschen waren freundlich und hilfsbereit.
Warum ich meine PR-Card so schnell hatte? Unser/mein Fall, wurde unter „hardship“ abgelegt. Unter den gegebenen Umständen – wegen Urs’s Unfall – wurde eine Ausnahme im Verfahren gemacht, sprich, eine schnellere Abwicklung wurde möglich.
Ich war den Behörden sehr dankbar, dass sie so viel Verständnis für unsere Situation aufgebracht haben und ich in Kanada bleiben durfte!
Nun war ich legal in Kanada und war erlaubt zu arbeiten, einen kanadischen Autofahrausweis zu machen, mich bei der Krankenkasse anzumelden und Steuern zu bezahlen!
Wie geht es weiter?
Als ich nach Kanada kam, lebte Urs in Windermere, in einem gemieteten Trailer, der in einem Trailer Park stand. Vorerst war das o.k., aber für uns war von Anfang an klar, dass wir gern ein Stück Land kaufen möchten, ob mit oder ohne Haus, das würde sich zeigen. Wir wussten auch, dass wir in BC bleiben wollten, aber wo, das liessen wir offen. Ich sass für Stunden am PC, um mich durch den aktuellen Häuser - und Grundstücksmarkt zu klicken.
Einige Häuser haben wir uns in Radium Hotsprings angesehen. Aber eigentlich war mir das Klima in dieser Umgebung zu rau und die Preise für Land und Liegenschaften waren um einiges höher, als zum Beispiel in Creston und Umgebung.
Dann entdeckte ich ein „Log House,“ das mir sehr gut gefiel, genau so etwas hatte ich im Kopf!
Mein Blogeintrag:
An diesem Sonntag im Mai, waren wir mit Jerry Schmalz, einem Realtor aus Creston verabredet. Im Internet hatte ich ein Log House (Rundholz Haus) gesehen, das mir sehr gut gefallen hat. Alles was ich darüber lesen konnte, war super. Urs rief den Agenten an und machte einen Termin für eine Hausbesichtigung. Dieses Haus steht in der kleinen Gemeinde Yahk, 15Kilometer entfernt, von unserem jetzigen Grundstück.
Ich erinnere mich noch gut, als wir zum ersten Mal nach Yahk kamen. Bei der Durchfahrt entfuhr mir ein: „Oh jesses, hier möchte ich aber eigentlich nicht wohnen!“ Das Valley ist da ziemlich eng und Yahk, mit etwas mehr als hundert Einwohnern, nicht wirklich eindrücklich. Ausser zwei Tankstellen – eine mit einem kleinen Lebensmittelladen – und einem munzig kleinen Post Office, gibt es nicht viel mehr im Dorf.
Das besagte Haus, stand nicht in Yahk selber, sondern mehr Richtung Grenzübergang zu den Staaten (Idaho) und der Moyie-River fliesst direkt am Grundstück vorbei. Um zum Grundstück zu gelangen, musste man erst über eine etwas wacklige Holzbrücke fahren. Ich war erstaunt und besorgt zugleich, dass sich Jerry überhaupt mit seinem Auto über diesen „Steg“ wagte. So nebenbei meinte er nur dazu: „mmmmmm, dieser Übergang müsste dann vielleicht mal überholt werden!“ Aber alles in allem, hatten wir einen guten Eindruck, von Haus und Grundstück.
Zum Anwesen gehörte noch ein Stall und eine Werkstatt und etwa 40 Acre Land.
Als wir rund ums Haus gingen, machte ich plötzlich eine Entdeckung. Nicht mal 20 Meter vom Haus entfernt, sah ich ein Bahngeleis. Ich sagte zu Urs: „Schau mal, da fuhr früher ein Zug vorbei.“ Der Realtor drehte sich um und sagte: „ Oh, der fährt immer noch, zwei- bis dreimal am Tag kommt er hier vorbei. Man kann dann dem Zugführer seine Tasse mit Kaffee auffüllen!“
Das war wohl als Scherz gedacht, aber für mich war damit das Projekt „Rundholzhaus in Yahk,“ abgehakt. Leicht konnte ich mir vorstellen, wie es sich anfühlen muss, wenn der Zug – und kanadische Züge sind laaaaang – da vorbei rattert und nachts, womöglich noch so richtig laut hupt, weil ein Hirsch auf den Geleisen steht! No thank’s!
Eine Alp
Natürlich gab Jerry nicht so schnell auf, wir waren Suchende und er ein Verkäufer! So fuhren wir noch zu ein paar anderen Objekten, mehr in der Creston Gegend. Aber richtig überzeugt, hat uns nichts. Ich war müde und zum ersten Mal dachte ich, dass es vielleicht doch nicht so einfach sein würde, etwas zu finden das meinen … unseren Vorstellungen entsprach. Jerry sagte: „Bevor ich euch bei eurem Auto absetze, möchte ich euch noch ein Grundstück zeigen, es könnte sein, dass ihr Zwei das mögt, es sieht fast aus wie eine Alp!“ Bei der Bezeichnung „Alp“ wurde ich wieder munter!
Wir fuhren von Creston zurück, Richtung Yahk. Weil es aber unterdessen schon etwas spät geworden war, konnten wir nur einen ganz kleinen Teil, von diesem Grundstück sehen.
Jerry gab uns den Rat und die Erlaubnis, am Montag nochmal her zu kommen, um uns in aller Ruhe ein Bild vom Berg und der Umgebung machen zu können. Urs und ich übernachteten an diesem Abend in einem Motel in Creston, um am Morgen zeitig, noch mal rauszufahren, zu diesem „Alpgrundstück“. Als wir da ankamen, hat einfach alles gepasst!
Es war ein frühlingshafter, sonniger Tag, ideal um über den Berg zu Wandern. Die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite … die Birken hatten dieses zarte Grün der ersten Blätter, der Boden war bedeckt mit leuchtend gelbem Löwenzahn, der Himmel war blau und wolkenlos, die Luft so klar … es war einfach nur schön.
Das Grundstück soll – laut Jerrys Angaben – 150 Acre (etwa sechzig ha) sein. Ich konnte mir unter 150 Acre überhaupt nichts vorstellen, auch nicht, als wir es in Hektaren umrechneten. Mir schien es grenzenlos!
Mit einem kleinen „Lageplan“ in den Händen, marschierten wir kreuz und quer über den Berg und fragten uns immer wieder, ob das, wo wir geradestehen, wohl auch noch dazu gehören würde?
Egal, wir waren uns auch so einig, dieses Grundstück nehmen wir! Da ist genug Platz für unsere Ideen, viel gesunde Natur, keine direkten Nachbarn und der Blick vom Berg übers Valley, ist spektakulär!
Am Nachmittag riefen wir Jerry im Büro an um ihm zu sagen, dass wir das Grundstück kaufen möchten. Dieser Kauf war – und ist es immer noch – ein Abenteuer. Ich investierte fast mein ganzes Geld, (Altersvorsorge von der Schweiz) in diesen Landkauf. Aber wie sagt man: „Grund und Boden verlieren nicht an Wert!“
Viele Papiere musste ich unterschreiben – Urs sagte dabei: „you are signing your life away!“
Ich konnte nur hoffen, dass ich das, was ich hier mache, später nicht bereuen würde.
Blick vom Sunny-Hill
Rückblickend kann ich sagen: „Nein, wir habe nie bereut, diesen Berg gekauft zu haben, nie!
Übrigens, den Namen „Sunny-Hill“ haben wir dem Berg gleich nach dem Kauf gegeben. Heute wissen viele Leute von Creston und Umgebung, wo der Sunny-Hill ist, das finde ich eine positive Sache, macht mich ein bisschen stolz.
Wir ziehen um nach Creston
Nachdem wir das Grundstück gekauft hatten, pendelten wir mehrmals wöchentlich von Windermere nach Creston (320km). „Das macht so keinen Sinn,“ sagte ich zu Urs, „wir sollten Jerry fragen, ob er nicht ein Haus für uns hat das wir mieten und wo wir bis zum Frühjahr bleiben können.“ Dass wir den ersten Winter nicht auf unserem Berg verbringen können, war uns klar. Zuviel müsste gemacht werden und die Winter hier sind kalt und lang.
Also musste Jerry wieder aktiv werden und er fand ein Haus für uns! Es stehe schon seit vier Jahren leer und zum Verkauf ausgeschrieben. Bestimmt werde es in nächster Zeit auch keinen Interessenten finden – wenn doch, müssten wir wieder ausziehen, das war der Deal! Wir packten unsere wenigen Sachen zusammen – meine waren noch mit dem Container unterwegs – und im Juni zogen wir von Windermere nach Creston um.
„Unser Haus“ stand im Grünen, war von wild rankenden Reben eingewachsen, das gefiel mir an diesem Platz besonders gut. Wir nutzten nur den oberen Stock des Hauses: Zwei Schlafzimmer, Bad, Sonnenraum, Wohnzimmer und Küche. Für uns mehr als genug Platz, denn es gab noch eine grosse Terrasse, die wir – weil es Sommer war – fleissig nutzen wollten.
Ich bepflanzte viele Blumentöpfe und fühlte mich wie in einer Ferienwohnung, nur schöner, denn ich musste nicht nach zwei oder drei Wochen wieder weg!
Ein Wehrmutstropfen hatte diese wunderschöne Terrasse aber doch, es gab tonnenweise Mücken! Unser Haus stand gleich oberhalb des „wild life Center“ von Creston. Das ist ein wunderbarer Platz, mit vielen Wasserkanälen, wo die seltensten Pflanzen wachsen, sich Schildkröten vermehren können und viele Wasservögel einen geeigneten, geschützten Brutplatz finden. Aber das war auch für die Mücken ein idealer Brutplatz. Ohne Mückenspray konnte man sich keine fünf Minuten in Ruhe hinsetzen, ohne einer Attacke ausgeliefert zu sein. All die „Stinkkerzen“ Spiralen und was es sonst noch so auf dem Markt zu kaufen gibt, alles haben wir ausprobiert … schade ums Geld! Noch jemand freute ich über den zusätzlichen Auslauf auf der Terrasse, unsere kleine Maite, davon im nächsten Kapitel.
Umzug nach Creston
Hubert und Maite
Als Urs an diesem Nachmittag im Juli von seinem Arztbesuch zurückkam, hielt er eine Zeitung in seinen Händen. Kaum war er im Haus, erfuhr ich die Neuigkeit. In der Zeitung stand eine Anzeige: „6 month old Boxer puppy for sale!“ Die Anzeige hatte Urs dick mit Kugelschreiber umrandet. „Honey, ruf an, du wolltest doch schon immer einen Boxer haben.“ Meine Antwort war: „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt um einen jungen Hund zu kaufen“. Gute drei Monate war ich jetzt in Kanada und wir hatten keine Ahnung, wie wir in Zukunft leben werden. Würden wir überhaupt Platz und Zeit für einen jungen Hund haben? Überlegungen dieser Art, machte nur ich mir und das mit dem: „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt,“
kam noch sehr oft in den nächsten Jahren! Urs hat – meinen Bedenken zum Trotz – die Nummer angerufen, die bei der Anzeige stand und nach ein paar Sätzen stellte sich heraus, dass der Züchter, den er angerufen hatte, deutsch sprach. Urs rief mich ans Telefon, damit ich selber mit ihm sprechen konnte – es würde ja schliesslich mein Hund sein!
Der kleine Boxer der ein Zuhause sucht, ist ein Mädchen und Hubert – der Name des Züchters – möchte sie so schnell wie möglich verkaufen.
Über eine Stunde redeten wir am Telefon und nicht nur über Hunde. Hubert schien ein netter Mensch zu sein und dass er seine Hunde liebte, das spürte ich gleich. Richtiger Zeitpunkt hin oder her, ich liess mich überreden, dass wir uns ausserhalb von Calgary, mit Hubert treffen.
„Du kannst dir die Kleine einfach mal ansehen“ meinte er. Ich aber wusste ganz genau, wenn ich das kleine Boxermädchen sehe, dann werde ich mich auf der Stelle in sie verlieben und es wird kein Zurück mehr geben.
Am Bankautomaten holte ich mir – für alle Fälle – die 700.- Dollar, die Hubert für das Puppy haben möchte.
Als Treffpunkt hatte Hubert eine Tankstelle im „nowhere,“ in der Nähe von Black Diamond, Alberta, vorgeschlagen. Er meinte: „ Da ist sonst weit und breit nichts, da können wir uns nicht verfehlen“. Als wir mit unserem alten New Yorker bei der ausgemachten Tankstelle mit Restaurant ankamen, stand Huberts Van schon auf dem Parkplatz. Die Hunde waren noch im Van, als wir ausstiegen, um ihn zu Begrüssen. Ich musste lachen, an jedem Fenster klebte ein Boxerhundegesicht und die Fenster waren schon ganz blind, vom Ablecken und Nasereiben. Hubert musste seine Vierbeiner wirklich lieben! Dann öffnete er die Türe vom Van und fast gleichzeitig, sprangen die 5 Boxerhunde ins Freie. Die Kleinste im Rudel musste „mein Mädchen“ sein. Sie war ein dünner, rehbrauner Wirbelwind und sie gefiel mir ausnehmend gut – ich weiss nicht wie ein Boxer aussehen müsste, dass er mir nicht gefallen würde!
Als sich die Hunde ein bisschen ausgetobt hatten, nahm ich das kleine Mädchen in den Arm und die ersten Küsse nach Boxer Art wurden ausgetauscht. Hubert meinte nur: „Das passt!“
Als wir nach dem Spaziergang die Hunde wieder im Van untergebracht hatten und im Restaurant sassen, sah Hubert mich nur an und er wusste genau, ich würde die Kleine mitnehmen. Sein Kommentar und Frage: „Ich weiss, sie wird es bei dir guthaben, weisst du schon welchen Namen du ihr geben möchtest?“ Ganz spontan kam Meite, sie ist doch mein Meiteli (auf Deutsch Mädchen). Hubert hatte Mühe mit dem Aussprechen des Namens, er schaffte das „Meite“ nie richtig. Bei ihm hörte es sich mehr wie ein „Meti“ an. Später – er kam dann öfters zu uns – musste ich immer lachen, wenn Hubert nach Meti rief!
An diesem Tag fand ich einen lieben Freund und es erfüllte sich für mich ein lang gehegter Wunsch … mein erster Hund … ein Boxerhund!
Auf der Karte beim Tierarzt wurde Meite dann zu einer Maite, was für mich aber nicht wichtig war. Meine Maite hat mich für die nächsten elf Jahre, auf all meinen Wegen begleitet.
Meine kleine Maite
Wasser auf dem Sunny-Hill
Das wohl Wichtigste, wenn man etwas abseits im Busch leben will, ist das Wasser. Hier in der Gegend ist es kein Problem Wasser zu finden, trotzdem, muss man es erst finden!
Wir bestellten eine „Drilling Crew“ aus Cranbrook, die sowas professionell macht. Die rückten ein paar Tage später mit einem Lastwagen und ihrer Ausrüstung, bei uns auf dem Berg an. Ich war an diesem „Wassersuchvorgang“ sehr interessiert und wich nicht von der Seite der Leute. Als sie dann aber ihre Wünschelrute auspackten, war ich doch überrascht. Dass man damit Wasser aufspüren kann, das wusste ich, aber trotzdem, war das denn auch verlässlich? Der junge Mann nahm die Rute in beide Hände und ging langsam, auf dem Stück Land wo wir gern eine Well gehabt hätten, im Kreis herum. Ruhig schritt er den Platz ab. Nach ein paar Minuten hatte er gefunden, wonach er suchte und markierte die Stelle. Der Lastwagen mit dem riesigen Bohrer wurde exakt dorthin parkiert und es konnte losgehen. Aber vorher wollte ich die Wünschelrute auch ausprobieren und ich liess mir zeigen, auf was ich achten muss. Sie hat dann auch bei mir ausgeschlagen, aber so sicher wäre ich mir nicht gewesen. Der junge Mann erklärte mir auch, dass er nur wisse, dass da, an diesem Platz wo die Rute ausgeschlagen hat, Wasser sein muss, aber er wisse natürlich nicht, wieviel. So, wenn wir Pech haben, stossen wir bloss auf ein kleines Rinnsal und müssen eine neue Ader suchen! Aber irgendwo muss man halt anfangen und hoffen, dass es beim ersten Versuch klappt.
An diesem Tag im Juli 2001 war es über 30° heiss, Gottseidank haben wir genug Bäume auf dem Berg, wo wir im Schatten sitzen konnten. Um nichts hätte ich es „missen“ wollen, dabei zu sein, wenn auf dem Sunny-Hill Wasser gefunden wird!
Der Bohrer wurde mit der ersten Röhre in Position gebracht und dann: Motor an!!
Ein ohrenbetäubender Lärm ging los, als der Bohrer sich langsam durch die Erde und das Geröll hämmerte. Durch einen dicken Schlauch wurde mit Druck rausgepumpt, was durch das Bohren aus der Erde gelöst wurde. Ich war beeindruckt, vom kompetenten Wissen der Crew. Anhand des aus dem Boden geholten Materials und der Erdstruktur, konnten sie ausmachen, wie die Chancen sind, bald Wasser zu finden. Die Luft war voller Staub und der Bohrer voller Schlamm, denn der musste immer wieder mit dem mitgebrachten Wasser, gekühlt werden.
Die Rohre, die in den Boden gehämmert wurden, waren ungefähr 6m lang und jedes Rohr kostete 500.- Dollar pro Stück. Jedes Mal, wenn ein neues Rohr angesetzt wurde, zählten wir mit. Die Bohrerei dauerte zwei Tage, bis der Schlauch endlich Wasser und nicht nur Staub und Lehm ausspuckte.
Kurz bevor das erste Anzeichen von Wasser kam, hatte der Chef der Crew etwas besorgt gesagt, dass sie nur noch zwei Rohre mehr nehmen. Wenn dann immer noch kein Wasser kommt, dann müsste man es an einer anderen Stelle probieren. Das ist nicht was man hören will – nicht, wenn schon neun Rohre im Boden stecken!
Die Crew hatte sich bei unseren Nachbarn, auf der anderen Seite der Highway erkundigt, wie tief ihre Wasserbrunnen sind, um eine Ahnung zu bekommen, wo in etwa der Wasserspiegel liegen wird.
Kaum war das nächste Rohr ein paar Meter nach unten geklopft, hörten wir ein gurgelndes Geräusch und es kam nur noch Luft aus dem Schlauch und dann, dann kam das Wasser!
Wir freuten uns alle wie kleine Kinder, denn auch für die Crew, ist es jedes Mal ein Erfolg!
Erst kam das Wasser ganz braun, mit viel Lehm und Dreck. Das sei ganz normal sagten die Männer. Nach etwa einer Viertelstunde – das Wasser kam mit viel Druck aus dem Boden – füllten wir ein Glas mit Sunny-Hill-Wasser. Es war sauber und klar und riechen tut es auch nicht!
Einer der Männer hielt mir das Glas hin und fragte mich, ob ich mich trauen würde, den ersten Schluck zu nehmen … es war mir eine Ehre! Dieses frische, kühle Wasser, schmeckte mir so gut.
Ich bin dankbar, dass wir eine so gute Quelle gefunden haben, die uns (hoffentlich) die nächsten Jahre mit gutem Wasser versorgen wird!
Endlich, das Wasser kommt!
Auswandern, eine Herausforderung
Jetzt lebe ich schon ein paar Monate in Kanada und noch immer habe ich Mühe zu realisieren, dass dieses neue Leben nicht Urlaub, sondern mein Alltagsleben ist. Irgendwie ist dieses „Umschalten,“ von einer engen Tagesstruktur, zu all der Freiheit, gar nicht so einfach!
Am Anfang fehlten mir diese Tagesstrukturen total. Wie oft hatte mich in der Schweiz, der tägliche Trott genervt und nun fehlte mir genau das, um mich wohl zu fühlen. Der Umgang mit der freien Zeit, musste ich lernen, damit ich nicht das Gefühl bekam, mein Leben läuft an mir vorbei.
Meine Freundin Rita, hatte diese Erfahrung auch gemacht … wir haben oft darüber gesprochen.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das spürte ich jetzt am eigenen Leib. Es sind eigentlich die täglichen Kleinigkeiten, die ich aus meinem „alten Leben“ vermisse: „Zum Beispiel das morgendliche Kaffeetrinken mit Nelly, mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren, ein spontanes Gespräch mit einem anderen Menschen, mich mit meiner Freundin Irma – wir kennen uns schon seit Anfang der 70ziger Jahren – für einen Schwatz und ein Stück Kuchen im Migros zu treffen! Ich vermisse es, in einem Café zu sitzen, Zeitung zu lesen und unter Menschen zu sein!
Natürlich gibt es auch hier die Möglichkeit, in einem Café zu sitzen, eine Zeitung zu lesen und dabei kann man auch unter Menschen sein.
Aber ich muss erst 30 Kilometer fahren, um überhaupt in ein Café zu kommen und es ist die Leichtigkeit der Sprache, die mir am Anfang überall fehlte! Die Schlagfertigkeit, die ich sonst habe …
Die letzten Jahre habe ich mich ein bisschen entspannt, angepasst, mich eingefügt, was ich als positiv werte.
Heute, sind auch die 30 Kilometer kein Argument mehr – alles eine Einstellungssache – und das „unter Menschen sein“ fehlt mir auch nicht mehr wirklich. Die „zufälligen“ Begegnungen, sind hier eher selten. Ich verabrede mich jetzt gezielt, zum Lunch mit Rita oder Sharon, zum Poolspielen mit Georg, für verschiedene andere Sachen mit Dora oder Kaffeerunde bei Anna oder Chrischi. Auch das ist gut, da wir Hunde haben, müssen wir uns immer ein bisschen organisieren.
Ein grosser Verlust für mich ist – auch heute noch – dass ich keine Buchhandlung oder Bibliothek (mit deutschen Büchern) mehr besuchen kann. Das Stöbern nach Büchern ist eine grosse Leidenschaft von mir und so stöbere ich heute – online – bei Amazon, Thalia oder bei Stauffacher, Bern um mich auf dem Laufenden zu halten. Auch damit habe ich mich aussöhnen können. In Creston gibt es eine gemütliche Bibliothek mit Leseecke und da geh ich auch hin.
Die Sprache war am Anfang ein wesentlicher Faktor, für meine Unausgeglichenheit. Ich kommuniziere gerne, brauche den Austausch mit anderen Menschen, mein Englisch reichte aber nur für „small talk“. Ich vermisste Gespräche mit etwas mehr Tiefe. Um mich richtig Ausdrücken zu können, fehlten mir die Worte … die richtigen Worte! Oft fühlte ich mich sprachlich richtig amputiert!
Urs hat erst nicht verstanden was ich meinte, mit: „Mir fehlen die Menschen!“ Wir haben doch Nachbarn wo man sich austauschen kann! Ja schon, an Menschen fehlte es mir nicht. Es fehlte mir an den „passenden“ Menschen, Gleichgesinnten, vielleicht auch an Menschen, die wissen wer ich bin?
Wenn man über viele Jahre am gleichen Ort lebt – über 30 Jahre lebte ich mit meiner Familie am Bieler See – baut man ein soziales Netz auf. Über die Jahre ergeben sich Kreise zum Wandern, solche wo man ein Hobby teilt und solche wo man einfach nur gern zusammensitzt, einen Kaffee oder ein Glas Wein trinkt.
Dieses soziale Netz habe ich verloren, als ich von der Schweiz weggegangen bin. Hätte ich mir vorstellen können, dass mich das so treffen würde? Nein! Ich habe mir gedacht, dass ich sicher schnell neue Freunde finde, Bekannte und Gleichgesinnte. Das ist aber nicht so einfach in einer fremden Kultur, fremden Sprache und je älter man ist, desto schwieriger wird es. Ist man jünger, lernt man viele Menschen durch die Arbeit kennen oder durch die Kinder, beides hatte ich nicht.
Ich bin dankbar für meine Freunde in der Schweiz, die mich – auch nach all den Jahren – immer wieder mal anrufen und helfen, den Kontakt aufrechtzuerhalten.
Durch mein Weggehen, habe ich aber auch Freundschaften verloren, ich denke ab und zu an diese Menschen, bin dankbar für die Zeit, die wir zusammen hatten.
Heute, nach 14 Jahren, ist meine kleine Welt diesbezüglich wieder im Lot.
Mein Freundeskreis ist nicht so gross wie in der Schweiz, er ist klein aber herzlich und das ist gut so.
Ich habe auch wieder Freundinnen gefunden, mit denen ich gern zusammen bin und reden kann – meistens reden wir Schweizerdeutsch!
Aber auch das Englisch, geht mir heute viel leichter von der Zunge und kleine Gespräche ergeben sich nun auch beim Warten an der Kasse, oder wenn ich unterwegs bin. Die Leichtigkeit kehrt langsam in mein Leben zurück!
Habe sogar festgestellt, dass, wenn ich Selbstgespräche führe – beim Laufen tue ich das oft – dass ich dann English mit mir rede! :-)
Sommer 2001
In dem Sommer, wo wir das Grundstück kauften, gab es viel zu tun. Wir mussten einen Platz bestimmen, wo im Herbst unser Trailer stehen kann. Der „Busch“ (Wald und Gestrüpp) müsste etwas gerodet werden und ein kleines „Powerhouse“ müssen wir auch noch bauen. Dieses kleine Häuschen braucht es, um die Hauptleitung der Elektrizität und die Hauptsicherungen anbringen zu können. An den Strom, lassen wir uns aber erst im nächsten Frühjahr anschliessen, dann, wenn wir auf dem Sunny-Hill wohnen. Aber was gemacht ist, ist gemacht!
Wir waren oft auf dem Berg und genossen die Zeit um unser Grundstück kennenzulernen. Obschon, meistens waren Maite und ich allein unterwegs. Es machte mir nichts aus, allein über den Berg zu gehen. Im Gegenteil, die Zeit tat mir sehr gut und die Spaziergänge mit Maite, gaben mir viel Kraft. Ich hatte meine neue Tagesstruktur gefunden, die ich bis heute beibehalten habe. Jeden Morgen – bei fast jedem Wetter – gehe ich für ein bis zwei Stunden mit den Hunden über den Berg. Es gab – und gibt – so viel zu entdecken und es war auch die Zeit, wo ich angefangen habe, in der Stille der Natur zu meditieren und mir meine kleinen „Auszeiten“ zu nehmen. Das tue ich auch noch nach vierzehn Jahren sehr oft und gern, es tut mir einfach gut.
Ich freue mich auch an den vielen Begegnungen mit Rehen, Hirschen, Adlern, Bären und Kojoten, auch wenn es oft nur um ihre Spuren und Hinterlassenschaften geht.
Um eben diese Spuren und Hinterlassenschaften der Tiere besser analysieren zu können, hatte ich immer ein kleines Büchlein mit dabei. So vieles habe ich schon gelernt und als ich den ersten Bärenhaufen entdeckte, war ich erschrocken und glücklich zugleich. Auch meine ersten Funde von Hirschgeweihen, freuten mich sehr und ich trug sie voller Stolz nach Hause.
Ich bin so dankbar, hier leben zu dürfen …
Unser Trailer
Unser „Starterhaus“ auf dem Sunny-Hill, soll ein kleiner, gebrauchter Trailer sein. In Kanada leben viele Menschen in einem Trailer Haus, das ist nicht ungewöhnlich.
Ein Trailer Haus lässt sich auf einem grossen Laster auf dem Highway, von einem Ort zum anderen transportieren. Es ist geräumig und mit genau so viel Komfort ausgestattet, wie ein normales Haus. Vorteil: Es kostet weniger als ein „richtiges“ Haus, also gerade richtig, für uns und unsere Situation.
Unser Realtor Jerry, kannte eine Lady, die ihren kleinen Trailer verkaufen möchte, weil sie in ein Altersheim umziehen wird. Dieser Trailer steht in einem Trailer Park und wir mussten erst abklären, ob es überhaupt möglich ist, ihn da rauszuholen. Mir gefiel das kleine Haus, obschon es alt war und Jerry meinte, dass neue Kabel fürs Elektrische gezogen werden müssten und neue Fenster, wären wohl auch kein Luxus! Dafür war das Dach erst neu gedeckt worden und an den Trailer wurde erst kürzlich ein Anbau angebaut, der als Eingang und Abstellraum genutzt wird. Der Schreiner, der diesen kleinen Anbau machte, war auch da und er meinte mit fester Stimme: „Oh ja, dieser Anbau kann mit dem Trailer verladen und am Zielort neu angebaut werden, no problem!“
Etwas was ich hier ziemlich schnell gelernt habe ist, „NO PROBLEM“ heisst eigentlich: „Na ja, im Moment weiss ich noch nicht so genau wie was geht, aber es wird schon gehen!“
Wenn also jemand mit Überzeugung zu dir sagt: „No problem!“ dann frag lieber noch ein einmal nach! Das mein ich jetzt mehr, mit einem Schmunzeln! Als feststand, dass der Trailer transportfähig war, wurde organisiert und ich kam schon wieder in den Genuss eines: „Noch nie gesehen, kenn ich nicht,“ Erlebnis.
Eine Companie aus Cranbrook, (die nächst grössere Ortschaft) kam mit einem Sattelschlepper, um den Trailer im Trailer Park abzuholen. Die 30 Kilometer von Creston bis zu uns auf den Sunny-Hill, waren nicht das Problem, sondern, das Stück von dem Highway zu dem Platz, wo wir den Trailer haben wollten … oh Boy! Wir hatten ja noch keine richtige Einfahrtstrasse. Es sah immer noch eher wie ein Feldweg aus und mit diesem Laster!
Aber der Fahrer vom Sattelschlepper hatte sich vorher die Einfahrt angesehen und mit „no problem“ akzeptiert, was diesmal stimmte!
Alles ging gut und gegen Abend stand unser Haus genau da, wo wir geplant hatten. Diese Trailer stehen auf Stützen und nicht direkt auf dem Boden. Solche Stützen hatten wir schon vorher bereitgestellt und die mussten jetzt nur noch an den richtigen Stellen untergestellt werden.
Dann kam der Anbau … der wollte und wollte einfach nicht mehr passen. Mehrere Männer probierten das „Ding“ wieder an den Trailer zu stellen, no way. So blieb der Anbau halt 20cm von der Hauswand weg stehen … no problem! Der Schreiner war natürlich nicht mitgekommen, zum Glück für ihn! Der Anbau haben wir später zu einem Gartenschuppen umfunktioniert!
Meiner Tante Kläri aus der Schweiz, hatte ich mehrmals versucht zu erklären, wie so ein Trailer Haus aussieht und dass wir eigentlich „normal“ wohnen würden. Aber bei jedem Anruf hat sie mich doch wieder besorgt gefragt: „Sag mal Ursi, wohnt ihr eigentlich immer noch in diesem Container?“ Oder: „Ach du Arme … hast dir unter „Kanada“ auch was Anderes vorgestellt gell?“
Einfahrt auf dem Grundstück
Wir heiraten
Wie Urs schon angemeldet hatte, wir werden am 25. September 2001 in Creston heiraten und so taten wir es denn auch, es war ein Teil von unserem Plan. Wir hatten die Papiere zusammen und mussten uns nun bei der Lady melden, die uns trauen wird. Wir waren zu einem Gespräch bei ihr zuhause eingeladen und sie erzählte uns ein paar Dinge, über Gesetze und so. Zusätzlich gab sie uns ein Script mit, was sie uns bei der Trauung vorlesen wird – so, dass wir üben können! Für mich war das alles ein bisschen abstrakt, denn mit meinen Englischkenntnissen musste ich mir vieles zusammenreimen. Ich war richtig froh über das Script, dass ich mich ein bisschen darauf vorbereiten und mir die Ausdrücke ins Deutsche übersetzen konnte. Alle waren sehr verständnisvoll und geduldig mit mir. Wir wussten auch schon wo, wir gerne heiraten würden, im „Beltane Garden“ in Creston – ein kleiner Park mit wunderschönen Bäumen. Eine kirchliche Trauung kam für mich nicht in Frage und ich weiss, das war Urs recht. Nach der Zeremonie würden wir alle nach Radium Hotsprings fahren – Urs’s früherem Wohnort – für ein gemeinsames Abendessen.
Die meisten Gäste kamen aus der Gegend von Invermere und waren Freunde von Urs, ich kannte zwar auch alle, aber halt nicht so gut. Aus Creston kamen nur Jerry, seine Frau Roxan, Urs und ich. Da, wo wir für unser Abendessen reserviert hatten, konnten wir auch zwei Zimmer für uns und unsere Freunde aus Creston mieten. Das war super so, hat gepasst!
Urs hatte Jerry (unser Realtor in allen Lagen!) gefragt, ob er sein „Best Man“ (Trauzeuge) sein würde, was Jerry gerne angenommen hat.
Für mich übernahm die Funktion der Trauzeugin Barbara, eine Schweizerin aus Invermere. Wir waren nur eine kleine Gesellschaft, da unser Bekanntenkreis nicht gross war.
Urs und ich übten fleissig unseren Text für die Trauung und ich sah dem ganzen, ziemlich gelassen entgegen. Was kann schon passieren? Dass ich am Schluss nicht verheiratet bin?
