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Der mächtigste Kaiser des Mittelalters und die Zeit, in der er lebte
Karl der Große ist die Schlüsselfigur des frühen Mittelalters. Mit seinem Frankenreich etablierte der sagenumwobene Herrscher nach dem Ende der römischen Herrschaft die erste neue Großmacht im Westen. Der im Jahr 800 zum Kaiser Gekrönte setzte Maßstäbe für die christliche Zukunft des Kontinents – auch in der mitunter blutigen Abgrenzung gegen östliche Heiden, Byzanz und den Islam. Karls Regierungsstil, sein politisches Kalkül und seine Entscheidungen hatten enorme Wirkung auf das geistig-kulturelle Fundament des Abendlandes. Obwohl Karl sicher nicht der Ahnherr Europas war, zu dem er heute oft gemacht wird, ist das Erbe der karolingischen Epoche bis in unsere Gegenwart spürbar. 1200 Jahre nach seinem Tod im Jahr 814 geben SPIEGEL-Autoren und Historiker spannende Einblicke in das Leben Karls des Großen und die Zeit, in der er herrschte.
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Seitenzahl: 279
Veröffentlichungsjahr: 2013
Dietmar Pieper und Johannes Saltzwedel (Hg.)
KARL DER GROSSE
Der mächtigste Kaiser des Mittelalters
Kian Badrnejad, Susanne Beyer, Felix Bohr, Ludger Bollen, Georg Bönisch, Sebastian Borger, Annette Bruhns, Angelika Franz, Rico Grimm, Till Hein, Uwe Klußmann, Romain Leick, Joachim Mohr, Thorsten Oltmer, Steffen Patzold, Mathias Schreiber, Matthias Schulz, Hans-Ulrich Stoldt, Steffen Winter, Helene Zuber
Deutsche Verlags-Anstalt
Die Texte dieses Buches sind erstmals im Heft »Karl der Große. Der mächtigste Kaiser des Mittelalters« (Heft 6/2012) aus der Reihe SPIEGEL GESCHICHTE erschienen.
1. Auflage
Copyright © 2013 Deutsche Verlags-Anstalt, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
und SPIEGEL-Verlag, Hamburg
Alle Rechte vorbehalten
Typografie und Satz: DVA/Brigitte Müller
Gesetzt aus der Rotation
ISBN 978-3-641-12861-6www.dva.de
Inhalt
Vorwort
TEIL I MYTHOS KARL
Der heilige Barbar
»Könige mussten siegreich sein«
TEIL II DAS REICH DER FRANKEN
Herrschaft der Monstersöhne
Razzia in Gallien
Bauern, Mönche und Dämonen
Umerziehung im Tann
Chrisam an den Händen
TEIL III KARL ALS KÖNIG
Der Riese mit der Fistelstimme
Der Badekönig
Widerstand aus den Sümpfen
Das eiserne Saatfeld
TEIL IV DER IMPERATOR
Geheimnis eines Weihnachtstages
Dickhäuter auf Weltreise
Von der Macht verblendet
Luxus hinter Dornen
Ein Ochse für den Hof
TEIL V GELEHRTE UND REFORMER
Goldstandard des Geistes
Normlettern auf Pergament
Der Gelehrte des Herrn
TEIL VI DER NIEDERGANG
Jäger des Verderbens
Der Bruderkrieg
Poetische Propaganda
Als Kaiser Karl zur Schule kam
Erben der Macht
ANHANG
CHRONIK 481 bis 923
Buchhinweise
Autorenverzeichnis
Dank
Personenregister
Vorwort
Der alte Kaiser kann nicht schlafen. Das Rheuma plagt ihn; mit dem Schreibenlernen will es nicht recht vorankommen. Dann muss er auch noch vom Fenster aus sehen, wie seine Lieblingstochter Emma, die er doch an den Kronprinzen von Byzanz hatte verheiraten wollen, einen jungen Mann durch den Schnee trägt, damit dieser keine Spuren hinterlässt. Karl der Große lässt die beiden abfangen. Schon sieht Emmas Geliebter, der Schreiber Eginhard, das Verbannungsurteil nahe. Doch dann zeigt sich der Kaiser gnädig und erlaubt, dass die beiden heiraten.
Eine schöne kleine Geschichte – so schön, dass der große Moralist Wilhelm Busch sie in herrlich frechen Bildern eingefangen hat: Da behält Karl selbst im Bett die gewaltige Krone auf dem Kopf, schellt im Schlafrock nach dem Hausdiener, der ihn frottieren muss, ein Wachmann nimmt Eginhard mit der Hellebarde am Kragen, und beim Schlusstableau mit kniendem Liebespaar vergießen alle dicke Tränen der Rührung.
Historisch wahr ist an der ergreifenden Story nichts. Aber Notker der Stammler, der sich die Anekdote um das Jahr 900 ausdachte – natürlich ohne Schlafrock und Hellebarde –, hat darin prototypisch festgehalten, was über Jahrhunderte von einem guten Herrscher erwartet wurde: Strenge und Milde, Befehlsgewalt und doch Einfühlsamkeit. Sein Karl ist ein menschlicher Regent, der sich Sorgen macht, Schmerzen hat, wütend werden kann, aber am liebsten gnädig ist; eine Vaterfigur fürs Herz.
War er das wirklich, der Frankenkönig und Ur-Kaiser des Abendlandes? Darf man Karl, den Einiger Mitteleuropas, als Visionär der Politik wie der Kultur feiern? Oder wäre es nicht eher angemessen, ihn als Haudegen zu porträtieren, der gnadenlos mit dem Schwert missionieren ließ, Verwandte beiseite schaffte, Herzogtümer vereinnahmte, schlau die Kirchenmacht nutzte und so mit Glück und Zähigkeit bis nach Rom gelangte?
Wichtig ist wohl vor allem, dass man von ihm erzählen konnte. Schon zu seinen Lebzeiten war er ein Mythos geworden; dem Hochmittelalter galt er als legendäre, ja heilige Gründerfigur, und wenn irgendwann seither ein wie auch immer geeintes Europa auftauchte, versuchte es sich auf ihn zu berufen. Gerade das aber macht ihn erst recht zu einem Rätsel.
Schicht um Schicht haben Historiker Verklärungen und Ideologien abzutragen versucht. Selbst Einhards ehrwürdige Biografie, Hauptquelle für den Menschen Karl wie für seine Zeit, ist dabei als absichtsvolles Konstrukt nach antiken Vorbildern enttarnt worden. Von der Gestalt, an deren Todestag vor 1200 Jahren Ende Januar 2014 mit musealer Akribie und Festreden erinnert wird, sind nur Umrisse greifbar: Verordnungen und Urkunden, Annalen-Notizen und Widmungsverse, die unzweifelhaft aus Karls Regierungszeit stammen, dazu ein paar erstaunliche Bauwerke wie der Aachener Dom.
Wenn dieses Buch es dennoch wagt, ein Porträt des wichtigsten frühmittelalterlichen Herrschers und seiner Epoche zu zeichnen, kann das ehrlicherweise nur in Mosaikform geschehen. Bäuerliche Fron oder Hofschule, die Pionierarbeit angelsächsischer Missionare oder die Kontakte nach Ostrom, jedes Indiz ist wertvoll. In Geschichten und Porträts, Nahaufnahmen und Dokumenten wird so eine Figur eingekreist, die bei aller Überlebensgröße selbst für heutige Experten mysteriös bleibt und die man darum laut der berechtigten Mahnung des Frankfurter Historikers und Karl-Biografen Johannes Fried lieber »nicht noch zum Symbol« aufbauen sollte.
Mit unvoreingenommenem Interesse haben SPIEGEL-Autoren geprüft, was an alten Schulbuchweisheiten – etwa Karl Martells Sieg über die Sarazenen bei Tours und Poitiers – wirklich dran ist. Sie haben sich durch das blutige Gewirr fränkischer Erbstreitigkeiten gearbeitet oder das erstaunlich komplexe Netzwerk der kaiserlichen Pfalzen erkundet. Ausführlich kommt der wissenschaftlich-kulturelle Elan zur Sprache, den Karl durch die Vereinheitlichung elementarer Dinge wie Kalender, Liturgie und Bibeltext in Gang brachte. Steffen Patzold, Historiker in Tübingen, demonstriert, wie viele Fragezeichen selbst die bekannteste Karl-Szene, die Krönung des Jahres 800, bei Fachleuten hinterlässt. Ein ganzes Kapitel endlich schildert, wie Söhne und Enkel die fragile Einheit zerfallen ließen – und wie sich gerade daraus entscheidende Strukturen des heutigen nationalstaatlichen Europas herausbildeten.
Eine Spurensuche also ist dieses Buch geworden, ein Panorama aus Aspekten und Durchblicken. Es will keine abgepackten Wahrheiten ausstellen, erst recht keine Lehrsätze servieren, sondern Neugier wecken: Neugier auf Zusammenhänge, die in der heutigen Informationsflut oft genug entgleiten, Neugier, die im Nachempfinden des Vergangenen vielleicht, ja hoffentlich den sachlich-kritischen Blick auf Gegenwart und Zukunft ein wenig schärfen hilft. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!
Hamburg, im Herbst 2013
Dietmar Pieper
Johannes Saltzwedel
TEIL I MYTHOS KARL
Der heilige Barbar
Noch wundersamer als das Leben Karls des Großen war und ist sein Nachleben.
Von Dietmar Pieper
Der Mann hat viele Leute aufgeregt, noch lange nach seinem Tod. Das ist bestimmt nicht das Übelste, was man über einen mittelalterlichen Herrscher sagen kann. Als Sachsenschlächter wurde Karl der Große angefeindet, als dekadenter Unhold, der in großem Stil Verderben über die Welt gebracht hat. Aber noch häufiger wurde er als Inbegriff eines vorbildlichen Monarchen verehrt, als Gründervater Deutschlands und Frankreichs, als wahrhafter Europäer. Er wurde zur Hölle gewünscht und heiliggesprochen (wenn auch nicht vom Papst persönlich).
Als Erster aus dem barbarischen Volk der Franken hat er die römische Kaiserwürde erlangt – und damit einen Reichsmythos begründet, der bis ins 20. Jahrhundert hinein wirkte. Der Weihnachtstag des Jahres 800, an dem der Papst den Frankenkönig zum Imperator erhob, ist ein Schlüsseldatum der Weltgeschichte. Aber wie und warum es geschah, ob mit strategischer Absicht, zufällig oder sogar gegen Karls Willen, das ist eine offene Frage. Niemand hat der Nachwelt den Gefallen getan, unparteiisch Protokoll zu führen. Was übrig blieb an Aufzeichnungen von damals, sind gewöhnlich Propagandawerke, die auch noch lückenhaft sind.
Natürlich gibt es sie, die Spuren seines herrschaftlichen Lebens: Urkunden auf Pergament, die von den Taten und Befehlen des mächtigen Mannes künden. Silberne Münzen mit seinem Bildnis, dessen Züge aber wahrscheinlich frei erfunden sind. Einige Prachtbauten in Aachen, ein paar Mauerreste in Ingelheim am Rhein und anderes mehr. Historiker und Archäologen haben mit viel Mühe allerhand Überreste und Dokumente aus der Zeit vor 1200 Jahren zusammengetragen. Aber eigentlich ist es furchtbar wenig. Das einzige Zeugnis, das mit Sicherheit von Karls eigener Hand stammt, ist ein keilförmiger Strich in seiner Signatur, ein Häkchen der Beglaubigung in der Mitte jenes berühmten Namenszeichens, das seine Schreiber für ihn angefertigt haben: Karolus.
Unterzeichnungssymbol Karls auf einer Urkunde von 779 über die Schenkung eines Waldes bei Saint-Denis. Nur der innere Haken in der Monogramm-Raute stammt vom Herrscher selbst, der Rest des Dokuments ist von Kanzlisten und Schreibern verfertigt.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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