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Der 1791 verstorbene Graf Bellegarde hatte bei der sächsischen Kavallerie die so genannten Unterhaltungsstunden eingeführt, um die militärische und sittliche Bildung sowie den äußeren Anstand der Unteroffiziere und Gemeinen zu heben. Diese 1809 in Leipzig erschienene Anleitung zu Unterhaltungsstunden gibt auch heute dem Interessierten eine ganze Reihe von Definitionen und Erklärungen, die für das Verständnis militärischer Beschreibungen der damaligen Zeit von großem Nutzen sein können, da die darin enthaltenen Begriffe heute nicht mehr oder in einem anderen Sinne gebraucht werden und daher wenig oder nicht verständlich sind.
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815
Heft 36
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Zeitz, am 10n Juni 1810
…
3) Die so genannten Unterhaltungsstunden sind von größtem Nutzen. Dies ist das beste Mittel zu mehrerer Ausbildung der Mannschaft, die beste Gelegenheit den Soldaten mit seinen Pflichten bekannt zu machen und ihm Vertrauen zu seinen Obern einzuflößen. Ein theoretischer Unterricht über das Exerzieren, über den Garnison- und Felddienst an die jüngeren Herrn Offiziers ist aber gewiß von eben so großen Nutzen…
von Sahr General Major
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Der 1791 verstorbene Graf Bellegarde hatte bei der sächsischen Kavallerie die so genannten Unterhaltungsstunden eingeführt, um die militärische und sittliche Bildung sowie den äußeren Anstand der Unteroffiziere und Gemeinen zu heben.
Auch sollte dadurch das gegenseitige Zutrauen zwischen dem Offizier und dem gemeinen Mann befördert werden. So lernte der Offizier den Mann früher und vollständiger kennen als nur im sonstigen Dienst. Der gemeine Mann verlor die Scheu, sich dem Offizier - in welcher Angelegenheit auch immer - zu nähern.
Der hier enthaltene, im Jahre 1809 in Leipzig erschienene Katechismus gliedert sich in folgende Abschnitte:
Der wiedergegebene Katechismus stellt im Frage-Antwort-Wechsel die genannten Aspekte dar und gibt auch heute dem Interessierten eine ganze Reihe von Definitionen und Erklärungen, die für das Verständnis militärischer Beschreibungen der damaligen Zeit von großem Nutzen sein können, da die darin enthaltenen Begriffe heute nicht mehr oder in einem anderen Sinne gebraucht werden und daher wenig oder nicht verständlich sind.
Es sei noch angemerkt, dass in den Unterhaltungsstunden der sächsischen Armee nicht nur die hier enthaltenen Themen sondern u.a. auch die theoretischen Grundlagen des Exerzierens und der Waffenkunde behandelt wurden.
Neben den Unterhaltungsstunden gab es für ausgewählte Subjekte sowie für die Unteroffiziere Unterricht im Schreiben, Lesen, Rechnen, Geometrie und sächsischer Geografie. Der Grund für diesen Unterricht war, dass ein sächsischer Unteroffizier in der Lage sein musste, einen Befehl lesen, einen Bericht verfassen, einen Plan aufnehmen und Abrechnungen für unter seinem Befehl stehende Kommandos erstellen zu können. Das Verhalten in diesem Unterricht und der – auch bei den Hausaufgaben – gezeigte Fleiß hatte einen direkten Einfluss auf anstehende Beförderungen.
Möge also dieses kleine Büchlein die militärische und sittliche Bildung sowie den äußeren Anstand der Offiziere, Unteroffiziere und Gemeinen der sächsischen Truppen im Reenactment heben.
Ihr
Jörg Titze
Bestimmung und Eigenschaften des Soldaten
Militärische Einrichtungen und Benennungen
Dienst im Lande
Verhalten auf Märschen
Dienst im Felde
Militärischer Anstand und Verhalten außer Dienst
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F. Welches ist die Bestimmung des Soldaten?
A. Das Land, dem er dient, gegen auswärtige Feinde zu verteidigen, auch die Ruhe und Ordnung im Innern des Landes zu sichern.
F. Warum heißt er Soldat?
A. Weil er vom Staate besoldet wird.
F. Was ist also ein Soldat?
A. Ein Mann, der zur Verteidigung des Vaterlandes und zur Erhaltung der Ordnung und Ruhe im Innern desselben vom Staate gehalten und besoldet wird.
F. Wenn ein Diener seinen Herrn nicht verlässt und dessen Bestes nach allen seinen Kräften zu befördern sucht: wie sagt man da, dass derselbe seinem Herrn diene?
A. Treu.
F. Welches wird nun wohl die erste Eigenschaft des Soldaten sein?
A. Die Treue.
F. Worin besteht insonderheit die Treue des Soldaten?
A. In der beständigen und festen Anhänglichkeit an den Fürsten und das Land, dem er dient und in dem eifrigen Bestreben, dessen Bestes nach allen seinen Kräften zu befördern.
F. Wie müssen die Befehle, welche der Fürst eines Landes an seine Soldaten ergehen lässt, ausgeführt werden?
A. Pünktlich und schnell.
F. Wie nennt man diese genaue Befolgung der Befehle eines Höheren?
A. Gehorsam.
F. Der Fürst kann diese Befehle allen seinen Soldaten nicht immer unmittelbar geben, sondern lässt sie durch gewisse Vorgesetzte an dieselben ergehen. Wem ist also der Soldat Gehorsam schuldig?
A. Allen seinen Vorgesetzten.
F. Welches sind die Vorgesetzten des Soldaten?
A. Alle Generäle, Stabsoffiziere, Kapitäne, Offiziere und Unteroffiziere.
F. Wie nennt man denjenigen Soldaten, der im Kampfe mit dem Feinde, jede Gefahr verachtend, nur an den zweckmäßigen Gebrauch seiner Waffen und an die Erfüllung seiner Schuldigkeit denkt?
A. Tapfer.
F. Welches sind also die drei vorzüglichsten Eigenschaften des Soldaten?
A. Die Treue, der Gehorsam und die Tapferkeit.
F. Um die Soldaten leichter zu Beobachtung ihrer Schuldigkeit anhalten, sie im Ganzen und Einzelnen vorteilhafter zu gewissen Zwecken gebrauchen zu können, ist eine gewisse Ordnung und Einteilung notwendig. Was ist nun mit dem, der diese Ordnung verletzt?
A. Er bekommt Strafe.
F. Die Festsetzung dieser Ordnung und der Strafen gegen die Übertretenden nennt man Mannszucht, Kriegszucht oder Disziplin. Wer ist dieser unterworfen?
A. Alle Soldaten.
F. Was muss aber den Soldaten noch mehr als die Furcht vor der Strafe zur Erfüllung seiner Schuldigkeit antreiben?
A. Die Ehre; oder das Bestreben, den Beifall und die gute Meinung seiner Vorgesetzten zu erhalten.
F. Wenn ein junger Unteroffizier einem alten Soldaten etwas befiehlt, was diesem nicht ganz recht scheint, muss letzterer dennoch jenem gehorchen?
A. Ja.
F. Warum muss er dies?
A. Weil sonst großer Nachteil daraus entstehen würde, wenn jeder seiner eignen Meinung folgen wollte.
F. Diese unbedingte Unterwerfung unter die Befehle eines Höheren nennt man Subordination. Kann es davon Ausnahmen geben?
A. Nein, gar keine.
F. Wenn nun ein Soldat von einem seiner Vorgesetzten einen Befehl erhielte, wodurch er sich oder Anderen Unrecht getan glaubte: was hat er zu tun?
A. Er befolgt das, was ihm befohlen wird ohne Widerrede; hernach aber kann er, wenn er seiner Sache gewiss zu sein glaubt, sich deshalb bei einem höheren Vorgesetzten beschweren.
F. Wenn nun ja, in einem besonders wichtigen Falle, ein Soldat sich veranlasst fände, gegen den gegebenen Befehl eine Vorstellung zu machen: wie hat er sich da zu verhalten?
A. Er muss das mit der größten Vorsicht und Bescheidenheit tun, und wenn seine Gründe nicht angenommen werden sich sofort dabei beruhigen.
F. Das was ein Mensch tun soll, heißt seine Pflicht. Welcher ist nun ein guter Soldat?
A. Der alle seine Pflichten, die ihm als Soldat obliegen, aufs genaueste erfüllt.
F. Wo werden dem Soldaten seine hauptsächlichsten Pflichten vorgehalten und erklärt?
A. In dem Artikelsbriefe oder den Kriegsartikeln.
F. Was versteht man also unter den Kriegsartikeln?
A. Eine Sammlung der vornehmsten Pflichten, welche der Soldat zu beobachten hat.
F. Wodurch hat sich der Soldat zu Beobachtung dieser Kriegsartikel, oder zur Erfüllung seiner Pflichten verbindlich gemacht?
A. Durch den Eid oder Fahnenschwur.
F. Was verstehen wir unter diesem Fahnenschwur?
A. Eine Beteuerung bei Gott, und dem was uns das Heiligste ist, dass wir dem Fürsten und dem Staate, dem wir dienen, treu sein, alle uns als Soldaten obliegende, insonderheit die in den Kriegsartikeln vorgeschriebenen Pflichten gewissenhaft erfüllen, oder der auf die Verletzung derselben gesetzten Strafen gewärtig sein, und dass wir die Fahne, zu der wir schwören, nie verlassen wollen.
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F. Auf welche Art tritt jemand in den Soldatenstand?
A. Entweder aus freiem Willen oder weil ihn die Landesgesetze dazu bestimmen.
F. Wie lange muss er Soldat bleiben?
A. Solange er sich freiwillig dazu verbindlich gemacht hat oder, im zweiten Falle, solange ihn nach Verhältnis seines Alters das Gesetz zu dienen verbindet.
F. Gewöhnlich bekommt der Soldat hierüber einen von dem Regiments-Kommandanten unterschriebenen Schein. Wie heißt dieser?
A. Eine Kapitulation.
