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David Thorne fand, dass Chiropraktiker ohnehin keine echten Ärzte seien, und sah es deshalb auch nicht ein, seine Rechnung mit echtem Geld zu bezahlen. Also schickte er seinem Chiropraktiker kurzerhand eine E-Mail mit dem Bild einer selbst gemalten Spinne, deren künstlerischen Wert er exakt auf den Rechnungsbetrag von 233,95 Dollar schätzte, womit er die Angelegenheit als erledigt ansah. Seine einzige Erklärung, warum der Chiropraktiker diese wundervolle Bezahlung nicht akzeptieren wollte, war, dass die Spinne lediglich sechs Beine hatte. Als er diese Korrespondenz online stellt, erhält seine Website 27bslash6.com so viele Besucher, dass der Server zusammenbricht. Als die Zeichnung der Spinne auf eBay einen Käufer findet, der sich danach weigert zu bezahlen, ist diese Meldung in allen Medien. Innerhalb kürzester Zeit hat er eine riesige Fangemeinde, die seine Kommunikation mit diversen Menschen online verfolgt. Mittlerweile hat David Thorne Kultstatus erreicht und seine Homepage verzeichnet gigantische Klickraten. Für dieses Buch hat er die besten E-Mails und Essays zusammengestellt, aber auch Material, das für das Internet zu heikel war.
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Seitenzahl: 234
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://d-nb.deabrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
1. Auflage 2012
© 2012 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,
Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096
© der Originalausgabe 2009 by David Thorne
Die englische Originalausgabe erschien 2009 bei Fontaine Press unter dem Titel The Internet is a Playground.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Max Limper Redaktion: Mareike Fallwickl Umschlaggestaltung: Maria Wittek, München
Umschlagabbildung: iStockphoto
Satz und EPUB: Grafikstudio Foerster, Belgern
ISBN EPUB 978-3-86413-176-9
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Für Holly und Seb
von Andrew Ramadge, IT-Redakteur bei news.com.au
Für Technikjournalisten sind dies gute Zeiten. Seit der Erfindung der Druckerpresse und des Telefons ist die Art, wie wir miteinander kommunizieren und in Kontakt treten, nicht mehr so drastisch verändert worden wie durch die technischen Mittel der letzten Jahrzehnte. Die Veränderungen geschehen so schnell, dass Gesetze und kulturelle Konventionen erst aufholen müssen. Wir sind immer noch dabei zu begreifen, welche Auswirkungen das Internet – und damit auch das World Wide Web, E-Mail und File-Sharing – auf unsere Lebenswelt hat.
Seit ich bei news.com.au den Aufgabenbereich Computertechnik leite, schreibe ich über Angelegenheiten wie die Einführung von Google Street View, einer virtuellen Repräsentation jedes einzelnen Straßenwinkels, die man sich vor nur zwei Jahrzehnten nur als Science-Fiction hätte vorstellen können; über die Datenschutzprobleme, die mit der Veröffentlichung unseres Privatlebens bei Facebook & Co. einhergehen; sowie über die Pläne der australischen Regierung für ein 43 Milliarden Dollar teures Glasfasernetz, das als größtes Infrastrukturprojekt der australischen Geschichte gilt.
Keines dieser unglaublich wichtigen und interessanten Themen erregte meine Leser jedoch so wie die ungelenke Zeichnung einer Spinne. Mein erstes Interview mit David Thorne fand statt, nachdem E-Mails, die seinen Versuch dokumentierten, eine Rechnung mit einer gezeichneten siebenbeinigen Spinne zu bezahlen, die ganze Welt umrundet hatten. Und dieses Interview war eine der beliebtesten Storys aus dem Technikressort, die je bei news.com.au erschienen sind. Der Spaßvogel spricht darin über seine amüsanten Streiche und darüber, dass er das Internet als »Spielwiese« betrachtet.
Unter Computer-Nerds gilt Thorne als der neue Star in der Disziplin des Trolling. Dabei provozieren technikversierte Querulanten aus Zeitvertreib und zum Spaß jene, die das Internet für eine »ernste Sache« halten. Nach der Sache mit der Spinne wollten alle – vielleicht zum ersten Mal – an dem Spaß teilhaben. Thornes Scherze richten sich nicht an das Nischenpublikum der Computerfreaks – sie sagen über das Alltagsleben etwas aus, das uns alle betrifft.
Thorne benutzt die digitale Technik, um mit seinen Streichen per E-Mail, Facebook oder MySpace unsere sozialen Normen zu unterminieren, sei es die Party-Etikette, die Haltung von Tieren in Mietwohnungen oder der Einkauf bei IKEA. Während wir uns gerade daran gewöhnen, dass E-Mails verbindlich sein können, ja dass sogar amtliche Benachrichtigungen auf elektronischem Wege zugestellt werden dürfen, erinnert uns Thorne auf mitunter grobe Weise daran, dass nicht alles, was wir im Internet lesen, wahr ist.
Bewahre Sie Gott davor, dass sein Name in Ihrem Posteingang auftaucht.
Andrew Ramadge
27bslash6.com wurde ins Leben gerufen, um Leute zu nerven. 50 Aufrufe pro Woche verzeichnete ich im Durchschnitt, bis boredatwork.com Ende 2008 den Artikel »Wenn ich einen Affen hätte« verlinkte, wodurch die Besucherzahl auf etwa 5000 pro Woche stieg. In diesem Artikel erzählte ich von der Korrespondenz zwischen mir und Jane über die Frage, ob ich mit der Darstellung einer Spinne eine Rechnung begleichen könnte. Als er bei Digg und Reddit gepostet wurde, brachen meine Server unter dem Ansturm Tausender Besucher zusammen, und seitdem hat meine Website konstant hohe Besucherzahlen. Die Spinnen-E-Mail war als Format leicht zu kopieren und wurde daher über Nacht viral. In der Folge fachte ein Kollege von mir das Medieninteresse weiter an, indem er die Spinne bei Ebay einstellte. Patrick Munoz bot aus Jux 10 000 US-Dollar und hatte das Pech, die Auktion zu gewinnen. Über seine anschließende Zahlungsverweigerung berichteten sogar kommerzielle Nachrichtenportale wie nine.msn und news.com, was zur Beliebtheit und Persistenz der ursprünglichen Story beitrug. eBay hat Patrick, glaube ich, ein rotes Kreuzchen oder einen kleinen Stromschlag verpasst oder was immer eBay in solchen Fällen tut, aber das ist allemal besser, als 10 Riesen für etwas zu zahlen, was man nach Belieben kopieren kann. In der Story über die Auktion wurde ich mit dem Satz zitiert: »Das Internet ist eine Spielwiese, und genau das gefällt mir.« Damit kam ich cool rüber, erfreulicherweise.
Inhaltlich hat diese Sammlung keinerlei Sinn und mir ist klar geworden, dass darin offenbar ihr Charme liegt. Da ein Großteil davon aus dem Motiv heraus entstanden ist, mich abzulenken, sind meine Lieblingsbeiträge die, die mich am meisten abgelenkt haben. Besonders das Spiel mit erhitzten Gemütern hat mir manch unterhaltsame Stunde beschert, aber auch alle anderen Beiträge haben mir Freude bereitet, sonst gäbe es sie nicht. Wenn ich ganz ehrlich wäre, müsste ich zugeben, dass der Space-Commander-Artikel mein liebster ist, weil ich so gerne Astronaut wäre, aber weil ich dann wie ein Freak klingen würde, gebe ich es nicht zu.
Ich danke meinem Sprössling Seb für seinen Beitrag zu diesen Nichtigkeiten. Er nervt manchmal sehr, aber solange mir niemand einen wirklich guten Preis zahlt, behalte ich ihn. Ich danke Holly, sie ist auf der ganzen Welt mein Lieblingsmensch, obwohl sie Amerikanerin ist. Außerdem danke ich Ross, weil er so lustig und ein guter Freund ist. Ich danke Gina, Mark, Simon, Leith und Craig für gutes Bier und nette Gesellschaft und last but not least Bill dafür, dass er nie auch nur grinst, egal, was ich schreibe.
Ein großes Dankeschön gebührt auch all denen, die 27bslash6.com verlinken, tweeten, posten und besuchen.
Hallo Nachbar
Ich lade dich nicht zu meiner Party ein
Vor ein paar Wochen ist ein Typ in die Wohnung gegenüber eingezogen. Ich weiß kaum etwas über ihn, außer dass er Bambusmöbel besitzt, da ich gesehen habe, wie die Möbelpacker sie hochtrugen. Ich bin ihm einmal im Treppenhaus begegnet und habe ihn gegrüßt, aber da ich unmöglich mit jemandem befreundet sein kann, der Bambusmöbel besitzt, habe ich so getan, als müsste ich dringend meine Schildkröte füttern oder so.
Letzte Woche schaute ich in den Briefkasten und entdeckte einen Zettel von meinem neuen Nachbarn, auf dem er eine Party ankündigte und mich bat, Bescheid zu sagen, wenn es mir zu laut würde. Was mich an diesem Zettel stört, ist nicht die Tatsache, dass er eine Party schmeißt und mich nicht einlädt, sondern dass er als Hintergrund fröhliche Luftballons ausgewählt hat und damit de facto zum Ausdruck bringt, dass seine Party fröhlich sein wird und womöglich Luftballons da sein werden, ich aber nicht. Wenn ich meinen Nachbarn mitteilen müsste, dass ich eine Party feiere, zu der sie nicht kommen dürfen, würde ich auf den Zettel keine Fotos von Ecstasy-Pillen, Bier und Lucius, wie er mit Männern rummacht, drucken, um allen zu zeigen, was sie verpassen werden. Ich würde den Zettel schlicht und schmucklos gestalten, vielleicht sogar pietätvoll, damit keiner denkt: »So ein Arsch.«
Von:David ThorneDatum:Montag, 8. Dezember 2008, 11:04An:Matthew SmytheBetreff:U.A.w.g.
Lieber Matthew,
vielen Dank für die Einladung. Auf den ersten Blick dachte ich, es ginge um einen Kindergeburtstag, von wegen fröhlich und mit Luftballons, aber mir ist schon klar, dass du wahrscheinlich dein bestes gegeben hast mit den geringen dir zur Verfügung stehenden Mitteln. Ich möchte die Party um nichts auf der Welt verpassen. Zu welcher Zeit soll ich erscheinen?
Gruß, David
Von:Matthew SmytheDatum:Montag, 8. Dezember 2008, 13:48An:David Thorne
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