Kerzenschimmer -  - E-Book

Kerzenschimmer E-Book

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Beschreibung

Diese Anthologie ist eine Sammlung ausgewählter Werke der Autoren des Wismarer Schreibzirkels LeseZeichen. Sie enthält gefühlvolle Gedichte und Geschichten, aber auch humorvolle Texte rund um die Themen Weihnachten, Winter und Jahreswechsel. Lassen Sie sich in die Gedankenwelt ihrer Mitmenschen entführen und gönnen Sie sich immer mal wieder ein halbes Stündchen ausgezeichneter Literatur. Viel Freude beim Lesen wünschen Ihnen die Autoren dieses Buches.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhaltsverzeichnis

Die Nikolausstiefel

Adventszauber

Der unheilige Abend

Reisen auf Abwegen

H.C. Andersens Tannenbaum

Laura

Jonas

Der hungrige Wolf

Wundersame Nikolausnacht

In einer Dezembernacht

Wenn es Winter wird

Schlange & Maus

Die Schokotorte

Glücksbringende Zauberwurzel

Irgendwas ist immer

Advent

Jane und Erinnerungen

Das Weihnachtsschiff

Wo wohnt der Weihnachtsmann

Zur Weihnachtszeit

Am Ende des Jahres

Kaminfeuer

Kerzenflamme

Schlafendes Winterland

Der eingeschneite Weihnachtsmann

Eisnacht

Der Weihnachtsmann ist durchgedreht

Christine Berning

Die Nikolausstiefel

Ermüdet von einem nervigen Arbeitstag ging Lena durch die Altstadt nach Hause. Beiläufig schaute sie in die weihnachtlich geschmückten Auslagen der Geschäfte. Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Da, im Schaufenster des Schuhladens standen sie! Hohe Stiefel bis zum Knie mit Plateausohle und hinten mit einem neckischen Reißverschluss. Knallrot strahlten sie Lena an. Sie war aus dem Häuschen. Genau so sollten doch ihre Neuesten aussehen.

Nun standen sie vor ihr im Fenster eines noblen Schuhsalons. Ein Traum von Stiefeln. Lena sah sich schon damit durch die Straßen ihrer altehrwürdigen Stadt schreiten. Ein ganz besonderer Hingucker würden sie sein.

Also, rein ins Geschäft, anprobieren und kaufen, das ging sehr schnell. Beim Preis zuckte Lena kurz zusammen, aber das waren ihr die Schuhe wert. Stolz ging sie mit ihrer Neuerwerbung nach Hause. Heute Abend würde Lena diese wunderschönen Exemplare ihrem Mann vorführen, aber vorher war noch ein Probelaufen angesagt. Vorsichtig stakste sie in den weichen roten Lederstiefeln, die wirklich sehr hoch waren, durch die Wohnung. Lena wurde mutiger und ging auch ein paar Schritte vor die Tür.

Sie musste gut aufpassen, denn es war Anfang Dezember und Schneematsch bedeckte die Straße. Freudig erregt und in Gedanken schritt sie dahin. Plötzlich rutschten Lena die Beine weg und sie fiel sehr schmerzhaft auf ihren Allerwertesten.

Entgeistert rappelte sie sich vom Boden auf. Oh, tat ihr der Hintern weh! Sie besah sich das Malheur, ihre Jacke war verschmutzt. Die Leggins hatten einen Riss, die schönen neuen Stiefel zierten schwarze Schrammen und ein Reißverschluss war ausgerissen.

Traurig humpelte sie nach Hause. Die tollen Stiefel sahen sehr ramponiert aus. Wie sollte sie die schwarzen Riefen entfernen, und was machte sie nur mit dem kaputten Reißverschluss? Es war zum Heulen! Schon vor der Wohnungstür zog sie die Stiefel mit schmerzverzerrtem Gesicht aus. Sie setzte sich sehr vorsichtig auf das Sofa in der Stube und begann nachzudenken. Sie hatte ein Problem. Lena sinnierte und sinnierte und schlief darüber ein. „Da bin ich Liebling“, sagte ihr Mann. „Ich habe dich noch etwas schlafen lassen, du hattest wohl, genau wie ich, einen anstrengenden Tag? Übrigens, draußen standen so verdreckte und beschrammte rote, ausgerechnet rote, Stiefel! Sie sahen sehr gewöhnungsbedürftig aus. Da hat sich wohl jemand einen Scherz erlaubt, denn morgen ist ja Nikolaustag. Gerade kam die Müllabfuhr, ich habe ihnen diese schrecklichen Dinger gleich mitgegeben.“

Christine Berning

Adventszauber

Kalter Wind streift durch die Straßen,

gehe durch winterliche Gassen.

Goldene Strahlen treffen mein Gesicht,

Adventslichter bescheinen mich.

Schneekristalle leuchten im Laternenschein,

Kirchturmuhren läuten die Abendstunden ein.

Musikfetzen klingen durch die Luft,

in meine Nase steigt Mandelduft.

Schnelle Schritte führen mich zu den Aromen,

bin auf dem Weihnachtsmarkt angekommen.

Eine große Tanne steht im Rund,

ringsum ist alles hell und bunt.

Geschmückte Buden laden zum Kaufen ein,

Menschen lachen, trinken Glühwein.

Er duftet, ist stark und heiß.

Karussells drehen sich schnell im Kreis.

Kinder reiten jauchzend auf Pferdchen in die Nacht,

es ist eine leuchtend schöne Pracht.

Diese Atmosphäre verzaubert mich,

ist ein Zeichen, es wird weihnachtlich.

Von dem Treiben gefangen,

bin ich spät abends gegangen.

In stillen Gassen strahlt Kerzenlicht,

jedoch die Ruhe ist trügerisch.

Eines ist doch klar,

Weihnachten wird, wie jedes Jahr,

ein Marathon mit Essen und Geschenken sein.

Und das besinnliche Fest?

Das stellt sich selten ein.

Christine Berning

Der unheilige Abend

Im Badezimmer flackert Kerzenschein,

sie lässt sich ein Schaumbad ein, trägt ein

Nichts von Negligé,

prüft das Wasser mit rot lackiertem Zeh.

Er hat ihr gesagt, heute käme er zur Zeit,

macht nun alles für ein Sinnenbad bereit.

Freudig erregt wartet sie auf ihn,

hoffentlich gibt es nicht noch einen Termin?

Die Zeit scheint nicht zu vergehen,

aufregend sexy ist sie anzusehen.

Im Bad schimmern die Kerzen,

ist so viel Liebe in ihrem Herzen.

Klopfen an der Tür, schnell eilt sie hin,

denkt dabei nur an ihn.

Dort steht der Weihnachtsmann,

in der Hand ein Strauß Tann.

Hat sich in der Etage geirrt, der Liebe,

in ihr regen sich wundervolle Triebe.

Später dann lustvolle Laute aus dem Badezimmer,

sinnlicher Duft und Kerzenschimmer....

Christine Berning

Reisen auf Abwegen

Ein nasskalter Dezembertag nahm seinen Anfang. Heute wollte Anne zu ihrer Tochter nach Hamburg fahren. Ein Weihnachtsmarktbesuch und ein Bummel durch die Geschäfte waren geplant.

Anne hatte den Wecker nicht gehört, war viel zu spät aufgestanden! Hektisch raffte sie ihre Sachen zusammen. Es blieb nicht mehr viel Zeit, denn der Zug sollte bald abfahren. Abgehetzt erreichte sie in letzter Minute den Bahnsteig. Der Regional-Express stand aber nicht dort. Eine elektronische Anzeige verkündete, dass er circa 15 Minuten Verspätung hätte. Grund: “Vandalismus im Zug“.

Nun hatte sie Zeit und konnte sich von dem Stress erholen. Anne ging zum Warteraum, wollte hier ausharren und sich aufwärmen, denn ein eisiger Wind pfiff über den Bahnsteig. Er hatte schon viele Wartende vertrieben. Sie konnte es nicht glauben, aber die Tür des Wartebereichs war geschlossen!

Ihr fiel ein, dass sonntags nie geöffnet war. So also sah Service der Deutschen Bahn aus! Sie ging zu dem kleinen Kiosk, um einen Kaffee zu trinken. Dieselbe Idee hatten auch viele andere. Eine Menschenmenge drängelte sich in dem winzigen Raum. Anne musste auf den zugigen Bahnsteig zurück.

Mit klammen Fingern ging sie auf und ab. Das nützte wenig, die Kälte kroch an ihr hoch. Anne begann fürchterlich zu frieren. Eine gefühlte Ewigkeit später kam endlich der ersehnte Zug. Rasch stieg Anne ein, wollte schnell ins Warme. Hoffentlich fuhr er bald ab, denn ihr blieben in Bad Kleinen nur wenige Minuten zum Umsteigen. Sie wollte noch ihre Tochter informieren und kramte in der Tasche nach dem Handy. Es war nicht zu finden. Sie hatte es zu Hause vergessen. Heute lief einfach alles schief!

Endlich verließ die Bahn Wismar und ratterte in Richtung Bad Kleinen. Die Zugbegleiterin begrüßte die Fahrgäste, entschuldigte sich für die Verspätung, auch der Hanse-Express nach Hamburg würde in Bad Kleinen nicht warten. Die Reisenden dorthin sollten bis Schwerin mitfahren. Auf dem gegenüberliegenden Gleis ginge es weiter.

Was kam nun noch? Anne reichte es! Endlich rollte der Zug in den Schweriner Bahnhof. Wie versprochen stand auf dem anderen Gleis ein ICE. Anne stieg ohne zu zögern ein. Eine wohlige Wärme umgab sie und zufrieden ließ sie sich in einen der komfortablen Sessel fallen.

Nun konnte die Reise nach Hamburg beginnen. Sanft rollte der Intercity aus dem Bahnhof. Eine sonore Männerstimme begrüßte die Reisenden auf ihrer Fahrt nach Berlin.

Wie war die Durchsage BERLIN? Und ohne Halt? Anne wollte nach HAMBURG! Mit klammem Gefühl kauerte sie in den Polstern. Nun hatte sie auch noch eine ungültige Fahrkarte! Was für eine verfahrene Situation! Bei der Kontrolle ließ der Zugchef Gnade walten, sie konnte ohne Zuzahlung mitfahren. Anne atmete tief durch. Dieser Tag war nicht mehr zu retten!