Kickersfluch - Thorsten Fiedler - E-Book

Kickersfluch E-Book

Thorsten Fiedler

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Beschreibung

Liegt ein Fluch über dem OFC? Verbrannt! Verloren! Verflucht! Eine Brandserie im Stadtteil Bieber. Eine Frau, die halbnackt über die Sprendlinger Landstraße rennt. Ein Kultverein, dessen größtes Ziel es ist, in die 3. Liga aufzusteigen. Ein Offenbacher Privatdetektiv, der völlig unerwartet von einem Trauma seiner Jugend eingeholt wird. Adi Hessberger, einer der größten OFC-Fans ever, steht in "Kickersfluch" gerade vor dem Abschluss einer nervenaufreibenden Regionalligasaison – da wird er in einen so grausamen wie undurchsichtigen Fall hineingezogen, der die Mainstadt in Staub und Asche zu legen droht.

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Seitenzahl: 210

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Thorsten Fiedler

Kickersfluch

Offenbach-Krimi

eISBN 978-3-911008-29-7

Copyright © 2025

mainbook Verlag

Sophienstraße 77

60487 Frankfurt

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Covergestaltung: Together Concept, Stephan Striewisch

Bildrechte: Thorsten Fiedler

Auf der Verlagshomepage finden Sie weitere spannende Bücher: www.mainbook.de

Inhalt

Das Buch

Vorwort von Dr. Felix Schwenke

12.03.2025, Offenbach

Rückblick

12.03.2025, Büro Adi Hessberger

12.03.2025, Wohnung Hessberger

15.03.2025, Hessberger junior

16.09.1999, Offenbach

29.09.1999, Box-Club

Oktober 1999, Vergeltung

November 1999, die Verhandlung

17.03.2025, Büro Hessberger

19.03.2025, Offenbach, Markthaus

20.03.2025, gegen 19.00 Uhr, Offenbach

22.03.2025, Fanmuseum von Kickers Offenbach

24.03.2025, Polizeipräsidium Südosthessen

25.03.2025, Uniklinik Frankfurt

27.03.25, 7 Uhr, Polizeipräsidium Südosthessen

29.03.2025, Stadion Bieberer Berg

31.03.2025, Uniklinik Frankfurt

01.04.2025, Wohnung von Lars Mühlbauer

03.04.2025, 22.30 Uhr, Offenbach-Bieber

05.04.2025, Stadion Bieberer Berg

07.04.2025, Gerichtsmedizinisches Institut, Frankfurt

09.04.2025, Polizeipräsidium Südosthessen

11.04.2025, SANA Klinikum, Psychiatrische Abteilung

11.04.2025, Fanmuseum von Kickers Offenbach

14.04.2025, Büro Hessberger

17.04.2025, Stadion Bieberer Berg

22.04.2025, Polizeipräsidium Südosthessen

23.04.25, 20.30 Uhr, Wohnung Hessberger

24.04.2025, SANA Klinikum

27.04.2025, Wohnung Hessberger

30.04.2025, 18.10 Uhr, Offenbach, Waldstraße

02.05.2025, Dämmerung, Offenbach-Bieber

03.05.25, Wohnung Hessberger

04.05.2025, Pfarrgasse in Bieber

05.05.25, Offenbach-Bieber

05.05.2025, Büro Hesseberger

07.05.2025, Wohnung Hessberger

08.05.25, Uniklinik Frankfurt

10.05.25, Göppingen, Stadion

13.05.2025, Büro Hessberger

14.05.2025

14.05.2025, gegen Mitternacht

15.05.2025, Brandort Offenbach-Bieber

16.05.2025 Büro Hessberger

17.05.2025, Stadion Bieberer Berg

19.05.2025. Büro Hessberger

20.05.2025, SANA Klinikum

20.05.2025, SANA Klinikum, in einem anderen Stockwerk

21.05.2025

22.05.2025, Polizeipräsidium Südosthessen

23.05.2025, Polizeipräsidium

24.05.2025, SANA Klinikum

25.05.2025 Wohnung von Rüdiger Salzmann

Thorsten Fiedlers 1. Krimi „Schlusspfiff“

Thorsten Fiedlers 2. Krimi „Nachspielzeit“

Thorsten Fiedlers 3. Krimi „Abseits“

Thorsten Fiedlers 4. Krimi „Haftbefehl“

Thorsten Fiedlers 5. Krimi „Bieberer Berg Blues“

DANK

Der Autor

Das Buch

Eine unbekannte Frau rennt mitten im Berufsverkehr nur mit Unterwäsche bekleidet auf die vielbefahrene Sprendlinger Landstraße. Der Stadtteil Bieber wird von einer Brandserie heimgesucht. Schreie aus brennenden Häusern ersticken im Rauch. Menschen sterben unter mysteriösen Umständen. Ein nie dagewesenes Verletzungspech schwächt den OFC auf seinem Weg in Richtung 3. Liga.

Liegt ein Fluch über dem OFC, der Mainstadt und Privatdetektiv Adi Hessberger, der inmitten eines immer größer werdenden Chaos als Einziger einen klaren Kopf behält?

Doch dann kommt es zu einer Reise in die Vergangenheit des Ermittlers, die tiefe Einblicke in ein Trauma seiner Jugendzeit ans Tageslicht bringt. Womit das Verhängnis seinen Lauf nimmt …

Vorwort von Dr. Felix Schwenke

Liebe Freundinnen und Freunde des Offenbach-Krimis,

als Offenbacher Oberbürgermeister freue ich mich sehr, dass Sie heute nicht nur das zehnte Buch von Thorsten Fiedler in den Händen halten, sondern gleichzeitig auch seinen sechsten Offenbach-Krimi. Seit 2018 ermittelt Adi Hessberger bei uns in Offenbach, rund um den Bieberer Berg und die Offenbacher Kickers. Sie als Leserinnen und Leser fahren in den Krimis von Thorsten Fiedler über die Bieberer Straße und den Spessartring, besuchen das Polizeipräsidium, das Klinikum und den Wetterpark, sitzen bei einem Sauergespritzten am Wilhelmsplatz und fiebern im Stadion auf dem Bieberer Berg mit den Kickers um den Aufstieg – und manchmal nimmt Thorsten Fiedler uns auch mit zu einem Auswärtsspiel. Dabei treffen Sie bei der Lektüre seiner Bücher immer wieder auf bekannte Persönlichkeiten unserer Stadt. Und nicht zuletzt sind seine Texte immer ganz nah am Zeitgeschehen.

Thorsten Fiedler hat als überzeugter Offenbacher stets einen liebevollen Blick auf unsere Stadt, auf die Offenbacherinnen und Offenbacher und natürlich auf seine große Fußball-Liebe, die Offenbacher Kickers. Dabei richten sich die spannenden Geschichten nicht nur an Offenbacherinnen und Offenbacher und Kickers-Fans, sondern begeistern Leserinnen und Leser aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus. Damit sind die Offenbach-Krimis von Thorsten Fiedler eine hervorragende Werbung für unsere Stadt – lebensnah und für alle, die mit Offenbach und seinen Eigenheiten vertraut sind, voller Aha-Effekte und lebendiger Erinnerungen.

Thorsten Fiedler und mich verbindet die Liebe zu unserer Heimatstadt Offenbach ebenso wie die Begeisterung für die Offenbacher Kickers – und beides gilt selbstverständlich in guten wie in schlechten Zeiten.

Ich bin mir sicher, dass Thorsten Fiedler uns auch in Zukunft bestens mit seinen Offenbach-Krimis unterhalten wird, und wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude bei der Lektüre!

Herzliche Grüße

Dr. Felix Schwenke

Oberbürgermeister der Stadt Offenbach

*

„… meinst du, es hat mir Spaß gemacht, immer und immer wieder auf deinen Körper einzuschlagen, bis meine Klamotten voller Blut waren? Ich bin dazu auserkoren, dich auf den richtigen Weg zu bringen, und das werde ich tun bis zu deinem letzten Atemzug. Für dich gibt es keine Resettaste, die du einfach drücken kannst, denn ich bin unauslöschlich!“

*

ER SCHLÄFT GANZ ALLEIN ZU HAUS, DIE ELTERN, DIE SIND BEIDE AUS, EIN SCHATTEN SCHLEICHT SICH IN DEN RAUM, VERBORGEN, JA, MAN SIEHT IHN KAUM. DAS ZÜNDHOLZ HELLT KURZ SEIN GESICHT, DANN FLACKERTS UND EIN KLEINES LICHT ERFASST DIE WÄNDE, DAS GEMÄUER UND WIRD ZU EINEM GROßEN FEUER. DAS FOTOHANDY IN DER TASCHE, EIN BLICK ZURÜCK – ES BLEIBT NUR ASCHE

Kevin Waldmann lief es eiskalt den Rücken hinunter. Zuerst dachte er, es wäre nur Einbildung, die leisen Schritte, das Knarren des Holzbodens … Im Prinzip war er kein ängstlicher Typ, aber heute war das Haus leer und plötzlich erschien ihm sein vertrautes Zuhause unheimlich und verstörend. Sein Handy steckte auf der Ladestation. Vorsichtig erhob er sich von der Couch, als plötzlich der Fernseher und sämtliche Lichter ausgingen. Panik erfasste ihn. Er spürte, dass jemand im Raum war. Bildete er sich das nur ein oder waren da tatsächlich Atemgeräusche? Als sich seine Augen ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schlich er leise Richtung Ladestation. Er nahm sein Handy in die Hand und schaltete die Taschenlampenfunktion ein. Das Licht beruhigte ihn ein wenig. Er schwenkte das Handy in jede Ecke, aber der Raum war leer. Die Erleichterung durchflutete seinen Körper. Durch den Flur lief er zum Hauswirtschaftsraum, in dem der Sicherungskasten installiert war. Hinter ihm war ein leichtes Schaben zu hören. Blitzschnell drehte er sich um und leuchtete in Richtung des Geräuschs. Katzenaugen leuchteten unheimlich im Licht der Taschenlampe.

Nach dem ersten Schreck stieß er hervor: „Lucky, du hast mich vielleicht erschreckt!“

Davon ziemlich unbeeindruckt schnurrte der Kater und schmiegte sich an sein rechtes Bein. Waldmann schimpfte über seine übertriebene Ängstlichkeit und öffnete dabei den Sicherungskasten. Die Hauptsicherung war aus. Warum, konnte er sich nicht erklären, aber das war auch nicht wichtig. Hauptsache, das Licht ging wieder an.

Die grelle Lampe blendete ihn im ersten Moment, und dann hörte er die Stimmen. Er schalt sich selbst einen Idioten, denn natürlich war nicht nur die Beleuchtung wieder aktiv, sondern auch der Fernseher. Auf dem Weg zur Couch holte er sich eine Flasche Bier, um seine Nerven zu beruhigen. So viel Aufregung für nichts!

Lucky saß auf seinem Schoß und ließ sich den Kopf kraulen, als ein Schatten hinter Kevin auftauchte. Der Kater stieß ein entsetztes Fauchen aus, als der Schlag unvermittelt seinen Besitzer traf. Den einsetzenden Schmerz spürte er nur kurz, dann versank die Welt vor seinen Augen und alles wurde schwarz.

*

Als Kevin die Augen wieder öffnete, sah er alles wie durch einen Nebel. Aber es war kein Nebel. Dichter Rauch zog durch das ganze Zimmer. Etwas schrill Schreiendes, Brennendes rannte auf ihn zu und er fühlte sich wie in seinem schlimmsten Albtraum.

„Lucky“, flüsterten seine Lippen fast unhörbar.

Er wollte wegrennen oder zumindest laut um Hilfe rufen, aber ihm fehlte die Kraft dazu. Sein Körper wirkte wie betäubt und er merkte, dass seine Arme und Beine gefesselt waren. Er hustete wie wild, kriegte kaum Luft und fühlte unbewusst die Symptome der sich einstellenden Rauchvergiftung. Es muss ein Traum sein, dachte er, aber warum wache ich nicht auf? Gleichzeitig dröhnte das Knistern des Feuers in seinen Ohren. Dann kamen die Schmerzen. Zuerst spürte er die Flammen an seinen Füßen, dann schien das Feuer sich mit hoher Geschwindigkeit auf seinem Körper auszubreiten. Sinnlose Gedanken schossen wie elektronische Impulse durch das Unterbewusstsein, wie seine Trauer über die verbrennende Fahne und die Vorstellung, ohne sie zum nächsten Spiel gehen zu müssen.

Er schrie wie am Spieß. Niemand hatte solche Schmerzen verdient. Warum ausgerechnet er? Hinter dem Fenster sah er einen Schatten, aber er konnte nichts Genaues erkennen.

„Hilfe, Hilfe“, rief er wieder, so laut er konnte.

Warum kam ihm denn niemand zur Hilfe? Es roch nach verbranntem Fleisch, genau wie in einer Grillhütte, nur dass er das Grillgut war. Der Gedanke trieb ihn fast in den Wahnsinn.

„Ich liebe dich“, flüsterten seine verbrannten Lippen tonlos. Dann war nur noch das Geräusch der Flammen zu hören, die einen rot-weißen Schal erfassten. Sekunden später war von dem Stoff mit OFC-Schriftzug nur eine Handvoll Asche übrig.

12.03.2025, Offenbach

Der Hund sprang durch das feuchte Gras und man konnte ihm die Freude anmerken. Adi schaute ihm lachend dabei zu. Es war herrlich. Die Sonne schien. Diese Spaziergänge an der frischen Luft taten ihm unendlich gut. Die kleine Fee schlief friedlich in ihrem Kinderwagen und Adi genoss die Stille des Augenblicks. Zweimal in der Woche arbeitete Sina wieder im Polizeipräsidium Südosthessen und an diesen Tagen nahm er seinen Sonnenschein mit ins Büro. Falls er spontan einen Termin hatte, kümmerte sich sein Mitarbeiter, der ehemalige Kommissar Lars Mühlbauer, um Fiona, die Adi aber nur Fee nannte.

„Lou, wir gehen wieder zurück, hieeeerr!“ Sofort kam der kleine Labradoodle angerannt. Ob es daran lag, dass Lou einfach fantastisch gehorchte oder doch nur an der Leberwurstpastete, die es zur Belohnung für das schnelle Kommen gab, war noch nicht abschließend geklärt. Adi beteuerte stets, dass der Hund auch ohne Belohnung sehr gut gehorchte, vorsichtshalber hatte er dieses Leckerli trotzdem immer dabei. Er lief den Waldweg entlang, bis er zum kleinen Parkplatz am Restaurant Waldeck kam. Dort stand sein Wagen. Er wollte gerade aufschließen, da klingelte sein Handy.

„Hallo Adi, in einer Stunde möchte ein Herr Waldmann gerne mit dir persönlich sprechen, passt dir das oder soll ich den Termin lieber auf den Nachmittag legen?“, hörte er Lars‘ Stimme.

„Nein, das geht in Ordnung. Ich bin rechtzeitig da.“

Adi überlegte kurz. Es wäre genug Zeit, um im Ring-Center vorbeizufahren und sich eine schnelle Currywurst mit Pommes zu genehmigen. Das ging ihm schon den ganzen Tag nicht aus dem Kopf und mit einer Kleinigkeit im Magen arbeitete es sich einfach besser.

Rückblick

Die Mutter stand am Herd und rief nach ihrem Sohn. Immer machte er irgendwelche Dummheiten. Es war nicht einfach, ein Kind ohne Vater großzuziehen. Obwohl sie froh war, dass er seinen leiblichen Vater nie mehr sehen würde. Die schrecklichen Ereignisse von damals versuchte sie zu verdrängen, aber immer noch wachte sie nachts schweißgebadet auf und auch tagsüber befielen sie aus heiterem Himmel öfter Panikattacken. Sie sah sich selbst in einem Film und die grauenvollen Bilder brannten sich in ihre Seele. „Ich werde immer da sein. Ich bin in deinem Kopf und du wirst mich nie wieder los. Du bist mir ausgeliefert bis an dein Lebensende.“

Sie schüttelte sich und versuchte, an etwas Schönes zu denken, aber er war tatsächlich in ihrem Kopf. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie wollte einfach nur endgültig frei sein.

Der Junge spielte währenddessen in der Garage mit einem Küken. Er träufelte eine Flüssigkeit auf das kleine Wesen, zuerst nur ein paar Tropfen, dann immer mehr. Schließlich griff er nach der Streichholzschachtel und nahm ein Hölzchen heraus. Gebannt schaute er auf die Flamme. Langsam näherte er sich dem Küken. Mit glänzenden Augen betrachtete er den gelben Feuerball. Es roch nach verbranntem Fleisch.

„Das Essen steht auf dem Tisch!“

„Ich komme, Mama. Ich räume nur noch auf!“

12.03.2025, Büro Adi Hessberger

„Hallo Adi, na, hast du alle deine Lieblinge dabei?“

Lou wedelte wie wild mit dem Schwanz, als er Lars Mühlbauer erblickte. Der ehemalige Kommissar des Polizeipräsidiums Südosthessen saß im Rollstuhl. Bei einem Schusswechsel war er so schwer verletzt worden, dass es kaum Aussichten gab, er könne jemals wieder laufen. Nachdem er seinen Job im Präsidium hingeschmissen hatte, war er nun Mitarbeiter der Privatdetektei Adi Hessberger und gemeinsam lösten sie Fälle rund um Offenbach.

„Herr Waldmann sitzt schon im Besprechungszimmer. Du kannst Fee und Lou bei mir lassen. Kaffee steht schon auf dem Tisch.“

„Danke, Lars. Weißt du, was er möchte?“ Mühlbauer schüttelte den Kopf, aber da war Adi schon hinter der Tür verschwunden.

„Guten Tag, Herr Waldmann, was kann ich für Sie tun?“

„Danke, Herr Hessberger, dass Sie sich Zeit für mich nehmen. Am besten komme ich gleich zur Sache. Sie haben sicher von dem Brand in Bieber gehört, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist. Das war mein Sohn, Kevin.“

Adi schaute Waldmann ernst an. „Das tut mir sehr leid. Es muss furchtbar sein, wenn man sein Kind auf so eine tragische Weise verliert.“

„Der Schmerz, den man empfindet, der ist unbeschreiblich. Meine Frau ist seitdem völlig apathisch. Sie nimmt kaum noch etwas zu sich, die Trauer zerfrisst sie innerlich. Zudem haben wir unser Zuhause verloren, in dem wir den größten Teil unseres Lebens verbracht haben. Wir wissen noch nicht, ob es überhaupt wieder aufgebaut werden kann und vor allem, ob wir das noch wollen. Wahrscheinlich werden wir dort die Bilder der Verwüstung und die Gedanken an unseren toten Sohn niemals aus dem Kopf bekommen. Es gibt nur eine Sache, die uns am Leben hält, und das ist die Suche nach dem Verantwortlichen.“

Adi war überrascht. „Bei einem solchen Fall ermittelt die Polizei in alle Richtungen, warum kommen Sie zu mir?“

„Wir möchten, dass der Tod unseres Sohnes von Anfang an mit höchster Priorität bearbeitet wird, das ist bei der Vielzahl der Straftaten für die Polizei kaum möglich. Und das ist genau der Knackpunkt, Herr Hessberger, für die Polizei ist es ein Fall von vielen. Dort stapeln sich die Fälle und mein Sohn ist nur eine Akte. Niemand wird seinen Namen, seine Geschichte oder sein Umfeld kennen. Aber Sie können diesem Brand ein Gesicht geben und dafür sorgen, dass seine Geschichte nicht unter einem vergilbten Aktendeckel verborgen bleibt. Wir wollen, dass der Mörder unseres Sohnes gefasst und mit aller Härte des Gesetzes bestraft wird!“

Nachdem die beiden sich geeinigt und Waldmann das Büro verlassen hatte, sprach Adi mit Lars über den Auftrag. „Dieser Brand und die emotionale Seite dürfen uns nicht dazu verleiten, die objektive Betrachtungsweise aus den Augen zu verlieren. Wir müssen unsere eigenen Gefühle außen vor lassen. Bitte such mir alle Informationen heraus, die zum Thema Brandstiftung in Offenbach und Umgebung zu finden sind. Die Priorität liegt auf Bränden, bei denen Menschen ums Leben kamen, allerdings sollten wir uns auch normale Brände anschauen. Außerdem möchte ich alles über unser Brandopfer wissen, von der Schuhgröße bis zu seinen Essgewohnheiten.“

„Warum fragst du nicht einfach seinen Vater?“

„Ich glaube, dass uns der Vater ein sehr positives Bild zeichnen wird, aber wir müssen uns eine eigene Meinung bilden.“

Gegen Nachmittag kam Sina ins Büro, um Fee und Lou abzuholen. „Alle meine Lieben in einem Raum, da geht mir doch das Herz auf.“ Lou überschlug sich mehrmals vor Freude. Nachdem Sina Fee gedrückt hatte, kam auch Adi an die Reihe. „Na Schatz, steckt ihr wieder mittendrin in einem spannenden Fall? Erzähl doch mal!“

Adi fasste die Ereignisse rund um den Brand mit Todesfolge kurz zusammen. „Jetzt könnten wir Hilfe gebrauchen. Vielleicht kannst du uns weitere Einzelheiten mitteilen, die nicht in der Presse zu finden sind, ein paar kleine Tipps unter ehemaligen Kollegen.“ Er zwinkerte ihr zu.

„Ich werde mal mit meinem Chef sprechen, was ich euch mitteilen darf, denn ich habe keine Lust, wegen der Weitergabe von Interna Stress zu bekommen. Das müsstet ihr am besten wissen. Vielleicht solltet ihr euch mal mit unserem neuen Gerichtsmediziner unterhalten, der ist nämlich sehr auskunftsfreudig. Dr. Hans-Dieter Wegemann, genannt Hansi und überzeugter Veganer.“

Adi fing schallend an zu lachen. „Ein Gerichtsmediziner, der den ganzen Tag mit Fleisch zu tun hat, ausgerechnet so einer ist Veganer, nicht zu fassen. Und wenn man ihn ruft, klingt das auch ein bisschen befremdlich: Komm, Hansi, komm!“

„Adi, du bist einfach unmöglich! Du machst dich über jemanden lustig, den du überhaupt nicht kennst.“

Hessberger lachte noch, als Sina sich schon längst auf dem Weg nach Hause befand. „Hansi, so heißt vielleicht ein Wellensittich, aber doch nicht ein eingefleischter Gerichtsmediziner. Den müssen wir uns ansehen, Lars. Meinst du, wir sollen ihm als Einstand ein paar Körnerbrötchen mitbringen?“

Als Adi sich endlich wieder beruhigt hatte, arbeiteten sie sich durch die Brandfälle der letzten Jahre. Es war erschreckend, was sie im Netz fanden.

Brandstiftung in Offenbach: War es ein Anschlag auf türkische Vereine? (op-online vom 02.11.2023, Anna Kirschner)

Der Staatsschutz ermittelt, nachdem jemand absichtlich ein Feuer in einem Haus an der Stadtgrenze zu Frankfurt gelegt hat.

In der Strahlenberger Straße in Offenbach ist in der Nacht zum Donnerstag (2. November) vorsätzlich ein Brand gelegt worden. Das teilt die Polizei mit. Den ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge wurde das Feuer in dem mehrstöckigen Firmengebäude gegen 1.30 Uhr nachts absichtlich gelegt. Eine politische Motivation kann die Polizei nicht ausschließen. In dem Haus an der Stadtgrenze zu Frankfurt haben unter anderem mehrere türkische Vereine ihre Geschäftsräume.

Lars schüttelte den Kopf. „Aus meiner Sicht passt der Fall nicht zu dem Brand, bei dem Kevin Waldmann ums Leben kam. Wir dürfen nichts ausschließen, aber ich finde hier keine Berührungspunkte.“ Er schaute Adi an. Der nickte zustimmend.

„Du hast recht, aber wie sieht es mit dieser Sache aus? Hier haben wir es mit ausgewiesenen Spezialisten zu tun. Wir müssten mal checken, ob die beiden noch einsitzen. Vielleicht wurden sie wegen guter Führung vorzeitig entlassen.“ Adi las sich den Artikel aus der Offenbach Post erneut durch.

Brandstiftung in Offenbach: Feuerwehrmänner müssen ins Gefängnis (op-online vom 21.07.2020)

Zwei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Rumpenheim waren wegen besonders schwerer Brandstiftung in Offenbach angeklagt. Nun wurde das Urteil verkündet.

Wegen schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung wurden die zwei Feuerwehrmänner zu je vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Sie hatten gestanden, in der Nacht zum 31. Oktober 2019 in Offenbach einen Brand im Keller eines achtstöckigen Hochhauses gelegt zu haben. Nach eigenen Angaben wollten sie „endlich mal an einem größeren Löscheinsatz teilnehmen“. Auch ein Überwachungsvideo existiert von der Brandstiftung in Offenbach.

Adi schaute Lars zweifelnd an. „Die Jungs wollten endlich mal einen Großbrand löschen und sich dann als Helden feiern lassen, aber unseren Brand hat man erst so spät bemerkt, dass es keine Lorbeeren zu ernten gab. Was sollte also die Motivation dahinter sein? Das scheint mir auch keine heiße Spur zu sein. Das einzige Argument ist der Umstand, dass sie ihre Strafe abgesessen haben und wieder auf freiem Fuß sind.“ Er nahm sich den nächsten Brand vor.

Für weitere Brände verantwortlich? Polizei nimmt mutmaßlichen Brandstifter fest (Hessenschau vom 27.06.2022, Jutta Nieswand)

Die Polizei hat im Landkreis Offenbach einen mutmaßlichen Brandstifter festgenommen. Er soll bei Obertshausen zwei Feuer gelegt haben. Die Ermittler prüfen, ob er für eine Serie von Bränden in der Region verantwortlich ist.

Der festgenommene Verdächtige ist 45 Jahre alt, wohnsitzlos und kam in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Offenbach mitteilten. Er soll am Samstag bei Obertshausen (Offenbach) zwei Feuer gelegt haben. Die Ermittler werfen ihm vorsätzliche Brandstiftung vor.

Lars war auch hier skeptisch. „Der hat ein paar Müllcontainer angezündet. Das war es aber auch schon. Weitere Brände konnten ihm nicht nachgewiesen werden.“

Brand in Offenbach: 300.000 Euro Schaden – Brandstiftung nicht auszuschließen. (RTL, 21.12.2022)

In Offenbach kam es gestern Abend in einem Wohngebiet wegen eines verheerenden Brandes zu einem dramatischen Großeinsatz der Feuerwehr. Wie die Polizei mitteilte, stand dort die Außenfassade eines Mehrfamilienhauses in Flammen.

An den folgenden Brand konnte sich Lars sehr gut erinnern. Die Flammen waren bis zu seinem Büro zu sehen gewesen und die Nachricht, dass es Tote zu beklagen gab, hatte ihn sehr betroffen gemacht.

Zwei Tote und drei Schwerverletzte nach Wohnungsbrand (dpa, 13.12.2023 – 20.17 Uhr)

Offenbach – Beim Brand eines dreigeschossigen Geschäfts- und Wohnhauses in der Offenbacher Innenstadt sind zwei Menschen ums Leben gekommen, drei weitere sind schwer verletzt worden. Bei den Todesopfern handelt es sich um ein kleines Kind und einen noch nicht identifizierten Menschen, wie die Feuerwehr mitteilte.

Das Kind war am Dienstagabend zunächst von den Einsatzkräften aus dem brennenden Haus gerettet worden, starb jedoch später im Krankenhaus. Die Todesursache soll in einer Obduktion geklärt werden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten.

Das noch unbekannte Todesopfer hatte nicht mehr aus den Flammen gerettet werden können. „Es war so heiß, dass sich die Einsatzkräfte zurückziehen mussten“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. „So eine Situation ist auch für die Einsatzkräfte nicht einfach.“ Am Mittwochnachmittag wurde die Leiche, die sich in einer der oberen Etagen befand, geborgen. Auch sie soll obduziert werden. Weitere Bewohner wurden den Angaben zufolge gerettet.

Zum Zeitpunkt des Brandes hatten sich fünf Menschen im Haus befunden. Die drei Überlebenden, ein 14-Jähriger sowie zwei Frauen im Alter von 40 und 45 Jahren, wurden mit erheblichen Brandverletzungen und Rauchvergiftungen in Kliniken gebracht. Lebensgefahr bestand bei ihnen nicht.

Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) zeigte sich betroffen von den Folgen des Brandes: „Dieser Tag hat ein tragisches, ja ein unfassbar schreckliches Ende für die Familie des Kindes und der weiteren Opfer genommen. Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei allen Angehörigen. Ihnen gilt meine große Anteilnahme“, sagte er laut einer Mitteilung.

Adi brummte der Kopf. „Ich kann keine Verbindung zu unserem Opfer oder zu anderen Brandanschlägen entdecken. Vielleicht ist es etwas Persönliches. Es könnte sich um Rache handeln oder um einen Brandstifter, der wahllos zündelt. Allerdings vermute ich, dass mehr dahintersteckt. Lars, sammel einfach so viele Informationen über Kevin, wie du finden kannst. Im Anschluss können wir immer noch die Eltern zu weiteren Details befragen.“

12.03.2025, Wohnung Hessberger

Sina Fröhlich lief zum Kühlschrank. „Möchtest du noch ein Bier, Adi?“

„Da sage ich nicht Nein!“

Sie saßen gemütlich beim Abendessen und freuten sich, dass Fee endlich eingeschlafen war. Lou lag auf der Couch und blinzelte ab und zu aus einem offenen Auge zu den beiden rüber. Er wusste, dass er am Tisch nichts zu suchen hatte, und wartete auf den Augenblick, dass die beiden wieder aufstanden, um sie dann zum Spielen zu animieren.

Adi biss genussvoll in ein Brötchen mit ungarischer Salami und trank dazu sein Lieblingsbier „Kloster Andechs hell“. Sina hatte sich ein Käsebrötchen mit Gürkchen belegt und nippte an einem Glas Primitivo.

„Und wie war dein Tag im Präsidium?“, fragte Adi, als er zu Ende gegessen hatte.

„Irgendwie ist es nicht mehr dasselbe wie früher. Ohne Lars und dich macht die Arbeit weniger Spaß. Natürlich ist Rüdiger noch an Bord, aber unser gemeinsamer Austausch während der Arbeit fehlt mir. Unser neuer Chef gibt sich viel Mühe, aber er ist oberkorrekt und alles geht immer nur streng nach Dienstvorschrift.“

„Hast du mich nicht damals dafür kritisiert, dass ich immer gegen die Vorschriften verstoßen habe? Jetzt scheinst du das anders zu sehen.“

„Adi, es gibt einen Unterschied zwischen ‚streng nach Vorschrift‘ und ‚für mich gibt es keine Regeln‘. Die goldene Mitte wäre nicht schlecht.“ Lachend schaute ihn Sina an und küsste ihn auf den Mund. „Wollen wir die Gelegenheit nutzen, dass Fee ganz friedlich schläft?“

Adi war in Rekordzeit auf den Beinen und hauchte ihr entgegen: „Mit oder ohne Regeln …?“

15.03.2025, Hessberger junior

Sina lag auf der Couch und schaute ihn mit einem liebevollen Blick an. „Erzähl doch mal, Adi, wie war euer Spiel heute?“

„Leider hat es nur für ein Kack-Unentschieden gereicht. Eintracht Trier hat gut gespielt und wir haben es verpasst, die entscheidenden Chancen zu nutzen. Dima Nazarov und Valdrin Mustafa haben die Tore geschossen. Stell dir vor, es waren über 9.000 Zuschauer da. Immerhin sind wir noch mittendrin im Aufstiegskampf. Irgendwann muss es doch einfach klappen. Diese elendige vierte Liga ist wie ein Krake, der uns einfach nicht loslässt. Ich glaube, es liegt ein Fluch über uns, der dafür sorgt, dass wir miese Schiedsrichter, viele Verletzte und großes Pech haben. Wenn man es genau nimmt, gibt es wirklich nur einen Begriff, der unsere Situation beschreibt: „Der KICKERSFLUCH!“

„Adi, Adi, du mit deinen Verschwörungstheorien! Vielleicht solltet ihr einfach mal besser spielen, schneller rennen, mehr kämpfen und eure Chancen nutzen.“ Sina grinste.

„Ja, bestimmt machen wir zu viele Fehler, aber es hört leider niemand auf mich. Nimm mal zum Beispiel die gegnerischen Ecken. Elf OFC-Spieler stehen fast im Fünfmeterraum. Ich würde den Dima zwischen Sechzehnmeterraum und Mittellinie postieren und unseren schnellsten Stürmer am Mittelkreis. Wenn wir die Ecke klären, spielt Dima den Ball in die Spitze und schon wird aus der Ecke ein Konter. Außerdem würde der Gegner mindestens mit zwei bis drei Spielern hinten sichern und somit hätte unsere Mannschaft bei dem Eckstoß eine Überzahl.“

„Das klingt ziemlich logisch. Warum macht ihr das nicht?“

„Das werde ich Herrn Neidhart mal persönlich fragen, wenn er überhaupt noch da ist. Die Kickers-Gemeinde gehört nicht zu den geduldigsten im Land.“

„So, jetzt genug vom Fußball.“

„Du hast recht. Lass uns über etwas anderes sprechen. Heute gab es eine Schlägerei zwischen ein paar Jugendlichen und ich habe versucht zu vermitteln. In diesem Moment hab ich mich an meine Jugendzeit erinnert und an ein paar Situationen, auf die ich nicht unbedingt stolz bin.“

„Willst du darüber reden? Ich hör dir gerne zu, Adi. Wir haben doch heute Abend nichts Besonderes vor, wie wäre es, wenn du ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderst.“ Sina streckte die Beine aus und sah ihn erwartungsvoll an.

Adi schaute versonnen auf sein Bier. „Lange Geschichte. Eignet sich nicht als Gute-Nacht-Märchen, zumal es sich wirklich so ereignet hat.“

Doch so einfach ließ Sina ihn nicht da raus. „Mach es nicht so spannend. Es gibt zu viele Dinge, die du immer noch unter Verschluss hältst, aber als deine Frau sollte ich doch alles wissen.“