Kirchengeschichten - Kurt Grobecker - E-Book

Kirchengeschichten E-Book

Kurt Grobecker

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Beschreibung

Wie immer man sich den lieben Gott der Elbhanseaten vorstellen mag - eine gehörige Portion Humor wird man ihm abverlangen müssen. Denn die Angewohnheit der Hamburger, sich in sehr direkten, nicht immer einfühlsamen, aber immer amüsanten Lebensweisheiten auszudrücken, hat auch den Allgewaltigen und Allgegenwärtigen nicht verschont. Dennoch konnten sie sich darauf verlassen, dass ER ihnen immer wieder verzeihen würde. Auch in schwierigen Situationen. Denn: »Bi Gott is allens möglich, sä de Buer, und güng mit den Wallach to'n Hingst.« Mit bewährt spitzer Feder hat Kurt Grobecker dieses Mal die Kirchen und ihre Protagonisten unter die Lupe genommen: ihre peinlichen erotischen Ausrutscher und ihre stets auf das eigene Wohl bedachte Geschäftstüchtigkeit ebenso wie ihre Randale um den »richtigen Glauben« und ihre waghalsigen Ritte auf dem heidnischen Pegasus. Wer Vergnügen an geschliffenen historischen Feuilletons findet, der wird auch die »Kirchengeschichten« des früheren NDR-Redakteurs Kurt Grobecker mit Genuss lesen!

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Kurt Grobecker

Kirchengeschichten

Unglaublich-Glaubwürdiges von gottesfürchtigen und unfrommen Hanseaten

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Titelabbildung:

Der Michel 1906 vom Bismarck-Denkmal aus gesehen (Staatsarchiv Hamburg)

© Edition Temmen 2014

28209 Bremen – Hohenlohestr. 21

Tel. 0421-34843-0 – Fax 0421-348094

[email protected]

www.edition-temmen.de

Alle Rechte vorbehalten

Herstellung: Edition Temmen

E-Book-ISBN 978-3-8378-8029-8

ISBN 978-3-8378-2033-1

Zur Einstimmung

»Man düchtig Meß ünner, sä de Buer, denn helpt dat Beden ook!« So lautet eine der vielen Volksweisheiten, mit denen die alten Hanseaten ihr Lebensschiff auf Kurs zu halten versuchten. Und hat es jemals ein noch so tiefgründiges Werk eines noch so tiefsinnigen Philosophen mit einer schlichten Lebensweisheit aufnehmen können, wenn es darum ging, eine einfache Wahrheit zu vermitteln?

Eine Lebensweisheit ist ja letztlich nichts anderes als ein Stück gefällig verpackten gesunden Menschenverstandes, der auf dem sicheren Boden unserer Alltagserfahrungen gewachsen ist.

So ist denn die eingangs zitierte Lebensregel nicht etwa als Misstrauensvotum gegen den lieben Gott zu verstehen. Im Gegenteil: Der Allgewaltige und Allgegenwärtige fordert seine Schäfchen dazu auf, sich gefälligst erst einmal selbst anzustrengen, bevor ER ihnen helfend unter die Arme greift.

Wie immer man sich den lieben Gott der Elbhanseaten denken mag – eine gehörige Portion Humor wird man ihm unterstellen müssen. Denn die Angewohnheit der Hamburger, sich in sehr direkten und manchmal plumpen, nicht immer einfühlsamen, aber meistens amüsanten Lebensweisheiten auszudrücken, hat auch den Allerhöchsten nur selten verschont.

In seiner grenzenlosen Güte hat ER es zugelassen und ihnen stets verziehen. Die Elbhanseaten wussten, dass sie sich immer auf ihn verlassen konnten. Auch das Unwahrscheinliche wurde so für sie zu einer realistischen Option. Sie fassten dieses unerschütterliche Gottvertrauen in die Erkenntnis: »Bi Gott is allens möglich, sä de Buer und güng mit den Wallach to’n Hingst.«

Mit einem Augenzwinkern und einem Hauch von Achselzucken mag es der liebe Gott zur Kenntnis genommen haben, wenn sich die alten Hamburger an seinem Bodenpersonal rieben. Und niemals würde er seine leitenden Angestellten hier unten auf Erden bevorzugt haben, weil das seiner göttlichen Gerechtigkeit widersprochen hätte!

Mit denen, die in der Kirchenhierarchie etwas weiter unten standen, gingen die Hamburger noch einigermaßen glimpflich um. Die Küster mussten sich allenfalls ihr untrügliches Gespür für geschäftliche Vorteile ankreiden lassen, obwohl das ja unzweifelhaft als ein sehr hanseatisches Charakteristikum auch bei der niederen Gattung des Homo hamburgensis verbreitet ist: »Ei is Ei, sä de Köster un greep no’t Goosei!«, wurde schon mal gefrotzelt. Oder – nicht weniger deutlich: »Veel Kinner, veel Segen, sä de Köster, un steek den Döpschilling in de Tasch.« Sehr viel schlechter kam der Küster weg, wenn man ihn sprichwörtlich auf frischer Tat ertappte: »De Klocken lüüd ick sülven, sä de Buer und stött den Köster vun sien Olsch!«

Mit einem anschaulich gewählten Bild aus der Welt des kirchlichen Lebens verspottete man im alten Hamburg diejenigen, die sich mit fremden Federn zu schmücken trachteten, und hielt ihnen vor: »Vondoog hefft wi fein speelt, sä de Balgenpedder to’n Organisten.«

Was die alten Hamburger von ihren Pastoren hielten, ist vielfältig belegt: Sie hatten wenig Respekt vor ihnen und gewährten ihnen keinerlei Anspruch auf geistliche Immunität. Das ärgerlichste Vergehen, dessen sich einer der würdigen Herren mit der stets frisch gebügelten und gut gestärkten Halskrause schuldig machen konnte, war eine langweilige, lange Predigt. Gottes Wort liebten die Elbhanseaten kurz und knapp formuliert. Stand ein Geistlicher einmal zu lange auf der Kanzel und erwies sich dort oben in der Höhenluft seines Arbeitsplatzes als ausgesprochener »Drönbüdel«, dann lautete der treffende Kommentar: »Dat kümmt vun dat lange Predigen, sä de Paster, dor harr he in de Büx scheeten!«

Ein gewisses Maß an Respekt konnte sich der Herr Pastor – die Hamburger betonten stets die zweite Silbe – bei den alten Hanseaten dadurch verdienen, dass er sich als einer von ihnen zu erkennen gab und eine gesunde Portion an Erwerbsstreben mitbrachte. Solch löbliche Eigenschaft quittierte man hierzulande mit der Lebensweisheit: »Slechte Tieden, sä de Paster, dat kränkelt hier un dor, man dat starvt nich!«

Wenn es galt, sich die Erziehungsmaximen der Geistlichkeit zu eigen zu machen, standen unsere Herren Urgroßväter fest an der Seite des Herrn Pastors, der ihnen – zumindest verbal – vorlebte, wie die Sache funktionieren sollte: »Ick straf mien Fro mit goode Wör, sä des Paster, do hau he ehr mit de Bibel öber’n Kopp.«

Das war den alten Hamburgern so recht aus der Seele gesprochen. Ein solcher Mann war einer, mit dem man – gegen alle christlichen Gebote – Pferde stehlen konnte und dem man getrost auch seine Tochter anvertrauen mochte. Das sagte der Hamburger ganz unverhohlen und ließ auch die unbezahlbaren Vorteile einer solchen Liaison durchscheinen. Ins Poesiealbum der Junghanseatin schrieb er mit voller Überzeugung:

»Mien Dochter, wenn du freen wullt, So nimm die eenen Papen. De kann sein Brot mit Snack verdeenen und du kannst lange slapen.«

Ein solcher Ratschlag war keineswegs nur als feine Ironie gegen die hohe Geistlichkeit zu verstehen, sondern zugleich auch als entschiedene Absage an alles Verschroben-Intellektuelle. Wer sein Geld »mit Snack« verdiente, galt in der Hansestadt an der Elbe allemal weniger als einer, der sein Gegenüber bei Handelsgeschäften gehörig über den Tisch zu ziehen verstand. Dabei waren der Heilige Geist und der Geist des Handelns einander gar nicht so fremd, wie man vermuten möchte. Sie waren ja auch recht einträchtig in ihre gemeinsame Stadt hineingewachsen.

Kaum war der Mönch Ansgar 831 zum Bischof geweiht worden, da hatten sich die »Hammaburger« schon ihren ersten Mariendom gebaut. Unglücklicherweise aus Holz, was sicher recht gemütlich war, aber wenig praktisch. Denn als die Wikinger 14 Jahre später zündelnd und raubend die Elbe bis in die Alster hochsegelten, war es für sie ein Leichtes, das bescheidene Gotteshaus niederzubrennen.

Dem Erzbischof war der Boden im wahrsten Sinn des Wortes zu heiß. Er packte seine Sachen und verlegte sein Erzbistum nach Bremen. Weil aber das Domkapitel bei uns bestehen blieb, konnten die »Hammaburger« im 11. Jahrhundert einen neuen Anlauf riskieren und sich eine neue, dieses Mal steinerne Domkirche bauen, die bis 1248 mehrfach erweitert wurde. Nur einen Steinwurf von der Petrikirche entfernt, überlebte der Mariendom sogar die Reformation, die in Hamburg zwar recht zögerlich, aber ohne größere Randale und Bilderstürmerei vonstattenging.

Erst 1804 gerieten sie in Hamburg wieder massiv und deutlich erkennbar aneinander, die Kirche und der Kommerz. Als nämlich die Frage anstand, ob man ein so altehrwürdiges Bauwerk wie den (immer noch katholischen) Dom retten und in seine Sanierung investieren solle, entschieden sich die Hamburger angesichts der hohen Kosten gegen die Erhaltung des altersschwachen Gotteshauses und ließen es zwischen 1804 und 1807 schnöde abreißen.

Die 975 Jahre, die zwischen der Ansgar-Zeit und dem traurigen Ende des Doms liegen, markieren ein Jahrtausend hamburgischer Kirchengeschichte, das die Fachhistoriker ausgiebig und mit dem ihm gebührenden Ernst dokumentiert haben. Das ist spannend, aber nicht immer unterhaltsam. Es regt zum Nachdenken an, aber es dient nicht unbedingt der Belustigung. Es befriedigt unseren Wissensdurst, aber es vernachlässigt unser zutiefst menschliches Bedürfnis, die Sinne von Zeit zu Zeit in die Gefilde der heiteren Unverfänglichkeit zu entlassen.

Im Gegensatz zur schwergewichtigen »Kirchengeschichte« können unsere leichtfüßigen »Kirchengeschichten« einer seelischen Himmelfahrt den erforderlichen Auftrieb geben. Oft beleuchten sie einen Sachverhalt eindringlicher und geben einem Zusammenhang deutlichere Konturen, als es scharfsinnige Analysen und langatmige Essays zu tun vermögen. Sie stehen zwar immer nur für einen Teil der ganzen Wahrheit, aber sie garantieren ihren Lesern einen unterhaltsamen Zeitvertreib. Und das verdient unsere ganze Sympathie!

Durch »liebliche Worte bethört«:Erschröckliches Prasseln im Schornstein

Es war alles andere als christliche Nächstenliebe, die in Hamburg 1390 zu einem skandalösen Kriminalfall führte, der im Kirchenmilieu anzusiedeln ist. Ein sonst recht ehrbarer Küster von St. Jakobi verstrickte sich in sein Unglück durch eine Art von liebestoller Verblendung, vor der auch Kirchenleute offenkundig nicht gefeit sind.

Noch um das Jahr 1750, so wird von Chronisten glaubhaft versichert, seien über der Haustür der Küsterei unserer Jakobikirche zwei steinerne Menschenköpfe angebracht gewesen. Zur Warnung und Abschreckung für alle »auf bösen Wegen wandelnden Menschen«.

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