Kiss Me Lawyer - Lila Monroe - E-Book
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Lila Monroe

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Beschreibung

Wenn aus einer Nacht in Las Vegas so viel mehr wird ...

Namens-Tattoos, ein Brautschleier und ein attraktiver Mann in ihrem Bett? Liebesroman-Autorin Julia hofft inständig, dass alles was in Las Vegas passiert, auch tatsächlich in Las Vegas bleibt. Alles andere wäre eine Katastrophe. Ihr Besuch bei der Romance-Convention in Sin City sollte ein lustiges Wochenende mit ihren Freundinnen, Sonne und vielen Margaritas am Pool werden. Doch anstatt Leser zu treffen und Bücher zu signieren, muss Julia sich mit Nate Wexler herumschlagen. Dass der großspurige Scheidungsanwalt nicht nur gut aussehend zum Niederknien, sondern auch arrogant zum Davonlaufen ist, hat anscheinend nicht dazu geführt, dass Julia sich von ihm ferngehalten hat. Denn dem Zustand ihres Hotelzimmers nach zu urteilen war die letzte Nacht wild und romantisch - nur können sie sich beide an absolut Nichts erinnern.

"Ich habe noch nie soviel beim Lesen eines Buches gelacht! Es war wahnsinnig gut." SHAYNA'S SPICY READS

Band 1 der Lucky-In-Love-Reihe von Bestseller-Autorin Lila Monroe


Dieser Roman ist bereits in einer früheren Ausgabe bei LYX.digital unter dem Titel GET LUCKY - EINE HEISSE NACHT IN LAS VEGAS erschienen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 280

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

TitelZu diesem BuchJuliaNateNateJuliaJuliaNateJuliaNateNateJuliaNateJuliaNateJuliaNateJuliaNateJuliaNateJuliaJuliaNateJuliaNateJuliaNateJuliaDie AutorinImpressum

LILA MONROE

Kiss Me Lawyer

Roman

Ins Deutsche übertragenvon Antje Althans

Zu diesem Buch

Wenn aus einer Nacht in Las Vegas so viel mehr wird …

Namens-Tattoos, ein Brautschleier und ein attraktiver Mann in ihrem Bett? Liebesroman-Autorin Julia hofft inständig, dass alles was in Las Vegas passiert, auch tatsächlich in Las Vegas bleibt. Alles andere wäre eine Katastrophe. Ihr Besuch bei der Romance-Convention in Sin City sollte ein lustiges Wochenende mit ihren Freundinnen, Sonne und vielen Margaritas am Pool werden. Doch anstatt Leser zu treffen und Bücher zu signieren, muss Julia sich mit Nate Wexler herumschlagen. Dass der großspurige Scheidungsanwalt nicht nur gut aussehend zum Niederknien, sondern auch arrogant zum Davonlaufen ist, hat anscheinend nicht dazu geführt, dass Julia sich von ihm ferngehalten hat. Denn dem Zustand ihres Hotelzimmers nach zu urteilen war die letzte Nacht wild und romantisch – nur können sie sich beide an absolut Nichts erinnern …

Julia

In Las Vegas aufzuwachen war immer ein Highlight. Aber für Lola Sinclair, Industrie-Saboteurin und Sex-Abenteurerin, war die einzige Möglichkeit, den Tag in der Stadt der Sünde zu beginnen, aufzuwachen und einen stahlharten Arm um die Taille und eine anschwellende Erektion zu spüren, die sich gegen ihren Rücken presste. Sie schwelgte immer noch in einem wundervollen Traum, als seine Finger über ihren Bauch nach unten wanderten und sanft über ihre intimste Stelle strichen.

Hmm. Sanft strichen. Keine Ahnung, ob das der beste Ausdruck ist, aber egal. Ich kann es jederzeit noch mal umschreiben.

Lola lächelte beseelt, und ihre Lippen öffneten sich sinnlich, als Archer mit dem Daumen um ihre Klitoris kreiste. Als er seinen Finger in sie hineinschob, war sie sofort feucht. Sein steinharter Penis würde hoffentlich bald folgen.

Ja. Das ist gut. Vielleicht sollte ich etwas Anschaulicheres nehmen, zum Beispiel ein Simile? »Sie wurde sofort feucht, wie ein Strand in St. Tropez bei Flut.«

Äh, vielleicht lieber doch nicht.

Lola stieß ein kehliges Stöhnen aus, während er sie erregte und mit der anderen Hand zarte Muster auf ihren nackten Rücken zeichnete. »Verdammt«, dachte sie, »aus diesem Traum werde ich nur ungern erwachen. Ich –«

Moment mal.

Ich reiße die Augen auf. Nicht Lola Sinclair ist in Las Vegas, sondern ich. Nicht sie wacht auf, weil jemand ihrer Klitoris einen guten Morgen wünscht, sondern ich. Die BDSM-Sexpertin und internationale Spitzenspionin Lola Sinclair existiert nicht einmal; ich schreibe nur Bücher über sie. Und es ist nicht Archer Valmont, der sadistisch veranlagte Milliardär und meisterhafte Badmintonspieler, der seinen stahlharten Arm um meine Taille gelegt hat und dessen anschwellende Erektion an meinem …

Was zum Teufel geht hier vor? Mit wem liege ich hier im Bett?

Als ich mich umdrehe, sehe ich auf dem Kissen neben mir ein stoppeliges, markant-schönes Gesicht. Der Mann wacht langsam auf und sieht mich mit verträumtem Schlafzimmerblick an. Sein dunkles Haar ist nach einer mutmaßlich sportlichen Nacht verstrubbelt. Als er mich wahrnimmt, erlischt sein breites Lächeln, und seine Augen weiten sich vor Schreck.

Oh Gott. Wo zum Teufel bin ich, und wer zum Teufel ist das?

»Was zum Geier …?«, knurrt der geheimnisvolle Fremde.

Ich will mich von ihm wegrollen, habe mich aber zu sehr in den Laken verheddert.

Deshalb falle ich aus dem Bett und lande unsanft auf dem Boden.

Nate

Logik ist mein Freund.

Wenn ich mit Klienten telefoniere und ihn oder sie beratend durch das Trauma einer strittigen Scheidung begleite, vergesse ich nie, dass ich der mit dem kühlen Kopf und dem wasserdichten Plan sein muss. Wenn mir Mandanten gegenübersitzen und eine ganze Schachtel Kleenex aufbrauchen, während sie sich flennend darüber auslassen, dass es vorbei ist, wie kann es nur vorbei sein, bin ich der Mann mit einer Kanne eiskaltem Trinkwasser und einer detaillierten Liste, warum sie verdammt nochmal froh sein sollten, dass es vorbei ist. Er hat Sie betrogen. Sie hat es auf das volle Sorgerecht und die Hälfte Ihres Jahresgehalts abgesehen. Warum sollten Sie auch nur einen Tag länger durch diese Hölle gehen wollen? Ruhige, geordnete Gedanken führen zu einem ruhigen, geordneten Leben. Keine Überraschungen bedeuten keine überraschenden Schlamassel.

Deshalb werde ich, als ich langsam aus einem Traum erwache, in dem ein runder, sexy Hintern an meine Morgenlatte gepresst ist, nur allzu gern schwach. Welcher Mann würde das nicht? Es hatte sich so echt angefühlt.

Wie sich herausstellt, fühlte es sich echt an, weil es echt war. Und als ich zu mir komme und mich in direktem Gegenüber mit riesengroßen blauen Augen und einer wirren, rotblonden Haarmähne wiederfinde, wird mir klar, dass ich keinen blassen Schimmer habe, wo ich mich befinde oder mit wem ich zusammen bin.

Konzentrier dich, Nate. Und zwar schnell, denn sie wirkt, als würde sie gleich losschreien.

Die Antwort auf die erste Frage fällt mir mühelos wieder ein. Ich befinde mich in Las Vegas im Hotel Bellagio in einer echt geilen, nun ja, Suite. Oberste Etage, Eck-Penthouse, Superblick auf den Strip bei Nacht. Nein, ich schwimme nicht in Geld, obwohl ich ganz bestimmt nicht am Hungertuch nage. Ich habe so viele prominente Milliardäre durch schmerzlose Scheidungsvereinbarungen gelotst, dass dabei ein paar Vergünstigungen für mich herausspringen. Gratis-Hotelzimmer in Las Vegas zum Beispiel, wann immer mir danach ist.

Okay. Wir sind also im Hotel. Das ist mir klar.

Aber die Rotblonde mit dem erschrockenen Ausdruck in den blauen Augen? Das ist nicht ganz so klar. Und wenn ich die Antwort auf eine sehr wichtige Frage nicht weiß, gefällt mir das gar nicht.

Locker bleiben, Nate. Geh mit Bedacht vor. Fang vielleicht an mit –

»Was zum Geier …?«

Okay, nicht sehr eloquent, aber ist es mir zu verübeln?

Die Frau dreht sich um und fällt aus dem Bett. Mist. Ich setze mich jäh auf und stelle fest, dass ich splitternackt bin. Super. Genau wie sie.

»Alles okay?«, frage ich und beuge mich über die Bettkante. Sie sieht zu mir auf, zwinkert sich wach und streicht sich die Locken aus dem Gesicht.

»Was mache ich hier?«, blafft sie mich an und hält die Laken umklammert, um ihre (üppigen) Brüste zu bedecken, als sie sich vom Boden aufrappelt. Was mich auf Frage drei bringt.

»Warum sind Sie nackt?«, frage ich.

»Warum sind Sie nackt?«

»Das ist mein Bett.« Ja! Mit Logik vernichtend geschlagen. Wenn man bedenkt, dass meine Erektion immer noch auf Halbmast ist, schlage ich mich bisher recht gut.

Ich reibe mir die Augen und angele nach meiner Hose. Wo zum Teufel ist meine Hose? Ich scheine sie quer durch den Raum geschleudert zu haben, wo sie dekorativ über dem Lampenschirm hängt. Meine Treffsicherheit gestern Nacht muss entweder spitze oder erbärmlich gewesen sein.

»Okay, warten Sie. Ich erinnere mich an Sie«, knurre ich und raufe mir die Haare. Langsam und verschwommen fällt es mir wieder ein. Ich schnipse mit den Fingern. »Jenny!«

»Julia«, korrigiert sie mich. Sie seufzt, verliert jedes Schamgefühl und lässt das Laken los. Und so erschrocken ich auch bin, ich genieße die Aussicht.

Sie saust durchs Zimmer und sucht ihre Klamotten zusammen. Was soll ich machen? Weggucken oder nicht? Was ist die beste Variante? Ich denke, ich sollte den Blick abwenden, aber als sie sich bückt, fällt es mir schwer, ihn von dem fantastischen Hintern loszureißen. Verdammt, ich bin auch nur ein Mensch. Und irgendwas fällt mir an ihr auf – oh Mist. Meine Augenbrauen schießen in die Höhe.

»Sie haben ein Tattoo«, stelle ich fest.

»Was?« Sie verrenkt sich den Hals, um über ihre Schulter zu schielen, aber sie kann nicht sehen, was ich sehe: einen merkwürdig aussehenden blauen Kasten mitten auf ihrem Kreuz.

»Was ist das?«, frage ich, während sie zum Spiegel an der Schranktür rennt und sich umdreht.

Jetzt sieht sie es auch und flucht. Die Tätowierung sieht frisch aus, und auf ihrer Haut klebt ein Stück Plastikfolie, das sich zum Teil abgelöst hat. Sie muss das Tattoo erst seit gestern Nacht haben. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. In Las Vegas trifft man beschissene Entscheidungen.

»Ich hab’s getan. Ich hab mir wirklich die TARDIS auf den Po tätowieren lassen«, flüstert sie und sieht dabei entsetzt aus.

Tarte? Was?

»Einen Vollidioten-Arsch, wenn man so will.« Sie kichert ein bisschen. Dann verstummt die Frau – Julia – und sieht mich fragend an. »Warten Sie. Aufstehen und umdrehen.«

Mein Grinsen verflüchtigt sich. Oh Scheiße. Ich hab mich schon gefragt, was das kribbelnde Gefühl unten an meinem Rücken zu bedeuten hat. Ich steige aus dem Bett – gönne ihr eine Ganzkörper-Show – und sehe im Spiegel an der Badezimmertür nach.

Ach du Scheiße. Irgendein bizarres schwarzes Symbol, genau über meinem Arsch.

»Was ist das?«, knurre ich. »Chinesisch?«

Sie macht sich über meine Unwissenheit lustig. »Nein, Blödmann. Das ist das Symbol der Rebellen-Allianz aus Krieg der Sterne.«

Ach du Scheiße. Ich bin als Sonderling gebrandmarkt.

Okay, ganz ruhig. Damit kommst du klar. Zumindest hast du es nicht auf der Stirn. Oh mein Gott.

»Was zum Teufel haben wir gestern Nacht gemacht?«, frage ich.

Ganz ruhig. Ich muss jetzt ruhig bleiben, weil Julia so über mein Tattoo lacht, dass sie gleich hyperventiliert. Gott, wie nervig.

Das ist es, ein Anflug von Wiedererkennen – diese Frau nervt mich.

»Kannst du mal damit aufhören?«, sage ich. Sie hebt entschuldigend die Hände und reißt sich zusammen.

»Okay, letzte Nacht. Ich weiß nur, dass es Schnaps gab. Zu allem.« Sie reibt sich stöhnend das Gesicht. »Ich glaube, hauptsächlich Tequila. Mein Mund schmeckt wie ein Puff in Tijuana. Apropos, hast du noch mehr Schnaps?«

»Was?«, knurre ich. Sie zuckt mit den Achseln.

»Irgendwelchen Alkohol? Ich glaube, ein Katerbier würde jetzt helfen. Oder gleich der ganze verdammte Kater.« Sie blinzelt und verzieht schmerzlich das Gesicht. »Einen schweren Kopf hatte ich ja schon öfter, aber Herrgott!«

Da hat sie nicht unrecht. Mein Kopf fühlt sich an, als würde jemand von innen dagegen hämmern, um rausgelassen zu werden. Als hätte er seinen Schlüssel außerhalb meines Schädels vergessen und müsste ihn jetzt auf der Stelle haben.

»Sieh in der Küche nach. Dort sollte jederzeit eine Flasche Schampus vorrätig sein. Wie bestellt.« Ich atme tief durch. Alles ist gut. Weitestgehend. Ich bin nur nackt mit einer Fremden, laufe mit einem Arsch-Tattoo herum, und mein womöglicher-wahrscheinlicher One-Night-Stand besäuft sich schon am Morgen.

Vegas macht beschissene Sachen mit einem.

»Ooh, ein steter Champagnervorrat? Nobel. Dom Perignon? Mit was anderem gebe ich mich nicht zufrieden.« Sie klimpert übertrieben kokett mit den Wimpern.

Und ich kann nicht anders. Ich lache. Und davon kriege ich Migräne.

»An deiner Stelle würde ich mich mit einer Tasse Kaffee und Excedrin zufrieden geben«, sage ich und reibe mir den Kopf.

»Katerfrühstück? Behandelst du deine Dates immer so?«, fragt sie affektiert und schlängelt sich endlich in ihren schwarzen Spitzenslip. Ich bemühe mich, dem kleinen Tanz nicht zuzusehen, weil mein Schwanz wieder munter wird und ich das im Moment nicht gebrauchen kann.

»Du bist nicht mein Date.« Ich glaube, mein Schädel platzt gleich. Einen solchen Kater hatte ich seit dem Grundstudium nicht mehr.

Sie schiebt ihr Kinn vor. »Du bist echt ein Typ, der eine sichere Nummer total vermasselt. Ich meine, eine nackte Frau in deinem Bett? Die meisten Typen würden ihren Charme spielen lassen wie –« In ihren Augen blitzt etwas auf, und sie schnipst mit den Fingern. »Ich hab’s! Nate! So heißt du.«

»Du hast den Hauptgewinn gezogen.« Ich schnappe mir meine Hose von der Lampe.

Mir entgeht nicht, dass Julias Blicke über meinen Körper wandern. Sie beißt sich auf die Lippe – vielleicht gefällt ihr, was sie sieht. Ich bin versucht, mich umzudrehen und ihr die volle Vorderansicht zu präsentieren. Wieder steht mein Schwanz auf Startmodus. Hör auf mit dem Scheiß, Alter. Aber für kurvige Rothaarige hatte ich schon immer eine Schwäche. Selbst wenn sie mich beleidigen.

»Wir müssen gestern Nacht sternhagelvoll gewesen sein, oder?«, sagt Julia. Ihre Wangen färben sich rot. »Denn ich bin echt nicht der Typ, der morgens wie in Das verlorene Wochenende aufwacht.«

»Keine Sorge. Was uns zwei betrifft, ist das nie passiert.« Was auch immer passiert ist. Am liebsten würde ich sie fragen, ob sie sich erinnert, aber im Grunde will ich es gar nicht wissen.

»Super. Toll.«

Zickt sie jetzt rum? War meine Reaktion ihr nicht schmeichelhaft genug?

»Tja, wie hieß es doch so schön im alten Hollywood? ›Rufen Sie uns nicht an. Wir verlegen Ihre Nummer und tun so, als hätten Sie nie existiert‹«, sagt sie.

»Das haben die nicht gesagt. Haben wir Nummern ausgetauscht?« Ich schnappe mir mein Handy und durchsuche die Kontaktliste, aber nö.

Julia verdreht die Augen. »Mach dich locker, du mit Sorgen Beladener. Du sollst unbehelligt bleiben. Zumindest wirst du nicht weiter behelligt werden.« Sie rümpft die Nase. »Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich muss zum Grey Havens.«

Sie zieht sich ihr Shirt über ihren lila Spitzen-BH. Ich bin ein bisschen traurig, ihn verschwinden zu sehen, auch wenn ich Julia gern loswerden will.

»Grey Havens. Ist das das Hotelcafé?«, frage ich.

Sie kriegt einen hysterischen Lachanfall. Sie muss sich kraftlos an die Wand lehnen, während ihr Gesicht vor Anstrengung rot anläuft. Offenbar bin ich amüsant.

»Ach, das hab ich gebraucht. Humor schützt uns davor, den Verstand zu verlieren. Wir sehen uns, Nate.« Sie wirft mir einen Luftkuss zu und schlüpft in ihre unpraktischen hohen Stöckelschuhe.

Ich bringe sie bis zur Eingangstür, wo sie herumwirbelt und eine dramatische Pose einnimmt. »Sag mir, dass du mich nie vergisst«, fordert sie, den Kopf in den Nacken gelegt und eine Hand in der Luft.

»Tschau«, antworte ich nur, schiebe sie hinaus und schließe die Tür hinter ihr.

Eine Sekunde lang lehne ich mich mit der Stirn an die Tür und atme tief durch. Okay. Ganz ruhig. Unter Kontrolle. Als Erstes muss ich ins Bad gehen, um zu duschen und den Gestank von Schweiß und billigem Fusel abzuwaschen.

Es klopft an der Tür. Mist, wahrscheinlich hat sie was vergessen. Als ich aufmache, steht ein Hoteldiener mit einem außergewöhnlichen Blumenstrauß vor mir. Und mit außergewöhnlich meine ich unfassbar kitschig. Knallbunte Rosen, Schleierkrautexplosionen und rosa und orangefarbene, mit Glitzer besprühte Tiger-Lilien, die hinten aus dem Arrangement rausragen, dazwischen sogar miniaturhafte Blumen aus mundgeblasenem Glas in Knallgelb und Neonblau. Ich reibe mir geblendet die Augen und schüttele den Kopf.

»Die Hochzeit findet im Pavillon statt. Bringen Sie den –«

»Hochzeit?« Der Hoteldiener blinzelt mich verwirrt an. Wenn ich ihm die Tür vor der Nase zuknalle, signalisiert ihm das vielleicht etwas.

»Ja, die Kaufman-Rosenbaum-Hochzeit.«

»Nate Wexler?«, fragt der Bursche mich jetzt. Oh, Shit. »Persönliche Zustellung. Die haben Sie gestern Nacht bestellt.«

Na klar hab ich das. Ich starre fassungslos auf den monströsen Strauß und würde ihm am liebsten mit der Faust in die blumige Visage schlagen. »Sie erinnern sich nicht zufällig an andere spektakulär lächerliche Dinge, die ich gestern Nacht getrieben habe, oder?«, brumme ich, während ich beiseitetrete und ihn reinlasse. Der Hoteldiener trottet ins Wohnzimmer und stellt den Strauß auf dem Couchtisch ab. Wieder blinzelt er, wie ein am Hotel abgestelltes Reh im Scheinwerferlicht.

»Ich liefere nur die Blumen aus«, murmelt er. Ich schnappe mir meine Geldbörse, gebe ihm ein Trinkgeld, und er geht, während ich entgeistert auf das gewaltige Blumenarrangement starre. Wenigstens steckt eine Karte drin. Ich schnappe sie mir und lese sie.

Julia,ich kann nicht glauben, dass wir das getan haben. Du bist so verdammt sexy.

Ich habe das Blumenarrangement also wirklich bestellt und die Floristin beauftragt, das auf die Karte zu schreiben. Aber das ist nicht mal das Schlimmste. »Ich kann nicht glauben, dass wir das getan haben?« Was zum Teufel haben wir getan?

Als ich ins Bad stolpere, das Wasser andrehe und in die Dusche steige, rasen meine Gedanken. Hatten wir wirklich Sex? Wo waren wir gestern Nacht, und was haben wir getan? Gehen diese hämmernden Kopfschmerzen je wieder weg?

Wann zum Henker habe ich mir das Tattoo stechen lassen?

Was haben wir getan, das ich nicht glauben konnte?

Jetzt mal im Ernst. Was zum Teufel ist gestern passiert?

Nate

Gestern, 15.02 Uhr

»Nate, der Held! Wie geht’s, Alter?« Tyler Berkley schiebt seine Ray-Bans hoch und klatscht mich ab, als ich die Hotellobby betrete. Mein Abklatschen fällt verhaltener aus als seins, aber wie Albert Schweitzer einmal sagte: Einen Bruder lässt man nicht hängen.

»Mir geht’s gut, abgesehen davon, dass mich immer noch ein Spitzname verfolgt, der schon vor zehn Jahren das Zeitliche gesegnet haben sollte«, murre ich, klopfe Tyler aber trotzdem auf die Schulter. Für Tyler sind zehn Jahre gar nichts. Während ich meine fleckigen College-T-Shirts längst gegen einen professionellen Anzug mit Krawatte eingetauscht habe, trägt Tyler immer noch Boardshorts und ein Tanktop wie im Abschlussjahr. Sogar Flipflops, Gott steh uns bei. Manche Dinge verlieren ihren Reiz nicht. Jedenfalls nicht für Tyler Berkley.

»Wo ist die Party?«, frage ich und sehe mich suchend in der trubeligen Hotellobby um. Sie ist riesig, in Cremefarben und Gold gehalten, mit gewaltigen bunten Blumen aus mundgeblasenem Glas, die einen Teil der Decke schmücken. Die Marmorböden sind auf Hochglanz gebohnert und poliert.

»Zur Party geht’s da lang, Alter«, sagt Tyler grinsend. Er steckt die Finger in den Mund und pfeift laut. Ein paar Frauen in leichten Sommerkleidern, schön wie Supermodels, laufen vorbei und beäugen uns geringschätzig.

Das tangiert Tyler nicht. »Hey! Nate ist an Bord!«, ruft er durch zum Trichter geformte Hände und macht den Vorgang so peinlich wie nur möglich. Dann fängt er an zu juchzen, und ich rolle seufzend meinen Koffer zur Hochzeitsgesellschaft. Tyler ist zwar Anfang dreißig, aber sein Alter spielt für ihn keine Rolle.

Jetzt entdecke ich Mark, den Bräutigam höchstpersönlich, der mit der Dame am Empfang verhandelt. Ich versuche, mich um eine Menschentraube herumzumanövrieren, die mitten in der Lobby rumsteht. Alle dort haben diesen verwirrten Touristenausdruck im Gesicht.

»Hoppla!« Eine Frau stürzt um das Rudel Menschen herum, stößt frontal mit mir zusammen und wirft mich fast um. Es gelingt mir, mich aufrecht zu halten, doch sie hat weniger Glück. Sie stürzt zu Boden, wobei ihr Koffer umkippt und der Plastikgriff ein lautes Klatschen von sich gibt. Ich reiche ihr die Hand, um ihr aufzuhelfen – dass ich eine Pfeife bin, weiß ich ja, aber ein Arsch bin ich hoffentlich nicht.

Trotz dieser galanten Geste kann ich nicht anders, als den Koffer kritisch zu beäugen. Er ist lila-glänzend. Ich selbst bevorzuge eine gediegenere Farbpalette.

»Danke«, sagt sie, nimmt meine Hand und zieht sich hoch. Sie lächelt mich breit und strahlend an, als wäre mit Leuten zusammenzustoßen ihre Art, guten Tag zu sagen. »Wahnsinn, hier ist ja was los!« Lachend hievt sie ihre Tasche auf ihre Schulter. Ihr Lachen ist irgendwie bezaubernd. Und auch wenn ich ihren Geschmack, was Gepäckstücke betrifft, hinterfrage, ertappe ich mich dabei, wie ich sie taxiere.

Sie ist klein und kurvig mit schwer zu bändigenden rotblonden Locken. Sie hat große blaue Augen und ein aufrichtiges, herzliches Lächeln. Niedlich und aufgeschlossen. Normalerweise wäre ich versucht, mich weiter mit ihr zu unterhalten, doch momentan muss ich mich um diesen Junggesellen-Abschied kümmern.

»Sie sollten nicht so kopflos durch die Gegend rennen«, sage ich zu ihr und sehe zu Mike rüber. Er winkt mir zu und zuckt mit den Achseln. Die Frau reagiert empfindlich.

»Danke, Dad«, murmelt sie eingeschnappt. Sie verdreht die Augen und schiebt ab, ihren Koffer hinter sich herziehend.

Weg ist sie. Wahrscheinlich wäre sowieso nichts draus geworden. Ich schneide tendenziell nicht gut bei Perlen ab, die auf Glitzerzeug stehen. Das sind Frauen, die auf Häkeln und Katzen abfahren. Und gern für ihre Katzen Sachen häkeln.

Endlich beende ich meinen Irrlauf durch die Lobby und geselle mich zu Mike und Tyler.

»Vegas, Baby!«, ruft Tyler und stößt mit der Faust in die Luft.

Jetzt geht’s los – noch ein Swingers-Zitat. Der Film ist Tylers Bibel, ich schwör’s.

»Glotz mich nicht so an, Wexler«, sagt er und zeigt mit dem Finger auf mich. »Du willst die Stripperinnen und den Alk genauso wie ich, Mann.«

»Auf dem Gebiet schlägst du mich mit ziemlicher Sicherheit«, sage ich zu ihm. Tyler lacht nur.

»Anstrengender Flug?«, fragt Mike, umarmt mich und schlägt mir auf den Rücken. »Oder bist du nur dein normales gutgelauntes Selbst?«

»Sorry, Jungs. Wahrscheinlich nur die Müdigkeit. Wo ist Stacy?«

Mikes Verlobte ist auch hier, mit ihrer eigenen Junggesellinen-Party im Schlepptau. So gern ich ihm auch vom Heiraten abraten würde (die Ehe ist eine aussterbende Institution, die funktionierte, als sie noch dafür benötigt wurde, um Ländereien zusammenzulegen und Viehhandel zu betreiben), für seine Auserwählte kann ich ihn nur bewundern. Andererseits sollte es mich nicht überraschen. Schon während unseres gemeinsamen Studiums hatte Mike eine Vorliebe für kluge, intelligente Frauen. So wie ich im Übrigen auch. Aber ich hab Vorlieben abgeschworen. Das ist ungefährlicher.

»Sie und die Mädels machen das Casino unsicher«, sagt Mike grinsend.

»Einarmige Banditen, was?« Tyler lacht, als hätte er eine Zote gerissen.

»Nein, Blackjack. Stacy wird die bestimmt ausnehmen.«

»Dann kriegen wir Ärger mit dem Hotelmanagement.« Endlich erreiche ich die Anmeldung. Die Empfangsdame hat eine perfekte Frisur und ein perfektes Lächeln. »Die Spieltische sind alle manipuliert«, unke ich. »Hast du je von Jeffrey Ma gehört? Er hat MIT studiert und das Kartenzählen gelernt –«

»Nate. Kumpel. Nicht dieses Wochenende, okay?«, sagt Mike und klopft mir auf die Schulter. »Hier geht’s um Liebe, Mann. Nicht um Zahlen.«

Mike ist ein guter Kerl. Es gibt keinen Grund, warum er immer noch mit einer Pfeife wie mir befreundet sein sollte. Aber ich will nicht lügen; ich bin froh darüber.

»Guck mal«, sagt Tyler und versetzt mir einen Rippenstoß. »Ladys vor Backbordbug.«

Ich sehe zu den sonnengebräunten Frauen in leichten Sommerkleidern, die eben die Augen über uns verdreht haben. Als Tyler juchzt und sie bittet, zu uns rüberzukommen, machen sie es wieder.

Mike schüttelt den Kopf, und ich seufze.

»Vielleicht können wir später mit denen abhängen. Ich werde dich verkuppeln, Mann«, sagt Tyler und boxt mich auf den Arm. Verdammt, vielleicht muss ich echt lockerer werden. Schließlich ist es Mikes und Stacys Hochzeit, nicht meine.

Nicht meine Hochzeit. Der Gedanke durchbricht meine Schutzbarrieren und trifft mich wie ein Schlag in den Magen. Ich weiß, warum ich momentan besonders beschissene Laune habe, und das hat nichts mit Frauen zu tun, die mich halb umrennen, oder mit Tyler, der alles in Sichtweite anbaggert.

Es liegt an der Hochzeit. An der Frau, die ich nicht an meiner Seite habe. Nicht mehr.

Ach, scheiß drauf. Das ist Mikes und Stacys große Feier, und ich will sie ihnen nicht verderben. Ich darf mich nicht so hängen lassen.

Die Dame an der Rezeption schiebt mir einen Papierumschlag mit meinen Schlüsseln zu. »Angenehmen Aufenthalt, Sir. Willkommen im Bellagio«, sagt sie lächelnd.

»Danke«, sage ich. Ich ringe mir sogar ebenfalls ein Lächeln ab. Wer weiß? Wenn ich das oft genug tue, ist es vielleicht irgendwann echt.

Julia

Gestern, 15.02 Uhr

Auf die Romantic Style Convention freue ich mich immer schon das ganze Jahr. Wie könnte ich das nicht? Ein Wochenende vollgepackt mit Diskussionsforen, Piňa Coladas und fantastischen Gesprächen mit liebesromanhungrigen Leserinnen? Ich bin dabei. Und dass sie in Vegas stattfindet, der Hauptstadt des Entertainments und der Steaks, die keine fünf Dollar kosten, macht es nur noch verlockender. Tipptopp geschminkt und in High Heels bin ich jederzeit partybereit. Ich liebe meine Leserinnen, ich liebe meine Schriftstellerkolleginnen und ich liebe die Liebe. Was ich als Liebesroman-Autorin wohl auch besser sollte.

Dass die Convention dieses Jahr im Hotel Bellagio stattfindet, ist der Zuckerguss auf einer köstlichen Buttercremetorte. Oceans Eleven! Sabotage! In Tresorräume einbrechen! Nicht, dass ich irgendwas davon machen würde, aber ich bin in unmittelbarer Nähe von Leuten, die so etwas tun! Juhu!

Aber da ist immer die lästige Frage der Pünktlichkeit, und ich muss gestehen, dass ich darin nicht toll bin. Wie zum Beispiel gerade jetzt. Ich bin mit meiner Agentin auf einen Drink in der Bar verabredet.

»Arriba!«, rufe ich, hetze durch die Menschenmenge und peng. Ich renne in jemanden hinein, der groß und dunkel ist und zerknittert aussieht. Ich stürze, und mein Koffer plumpst mit mir hin. Nein! Verdammt, hoffentlich hat der Sturz nicht mein Häkelmuster ruiniert. Es soll ein Teewärmer werden, mit dem ich gerade besondere Schwierigkeiten habe.

Zum Glück ist der Typ ein Kavalier und hilft mir wieder auf die Beine.

»Wahnsinn, hier ist ja was los!« Lachend sehe ich hoch in sein Gesicht und ersticke fast an meinen Worten, weil der verträumte Typ ein Traumtyp ist.

Seine Augen leuchten dunkelblau, seine Kinnpartie ist markant und tadellos rasiert, die dunkelbraunen Haare ordentlich zurückgekämmt. Er trägt einen leicht zerknitterten Business-Anzug – wahrscheinlich in der Ersten Klasse frisch aus New York oder London eingeflogen. Sofort benutze ich sein aufreizend gutes Aussehen als Vorlage für meinen nächsten romantischen Helden. Clive Razor, ein sadistisch veranlagter Milliardär, der immer kriegt, was er will. Jedenfalls bis eine gewisse hartnäckige junge Frau in sein Leben tritt, die sich als seine neuste Squash-Partnerin ausgibt –

»Sie sollten nicht so kopflos durch die Gegend rennen«, sagte der Verträumte und klingt sauer. Sein attraktives Gesicht nimmt einen ablehnenden Ausdruck an. Und mir nichts, dir nichts platzt die romantische Blase. Ich brauche keine Traumbilder von mürrischen Trotteln in meinem Leben. Davon hab ich in der Realität schon genug.

Verdammt. Eigentlich wollte ich später zu seinem Bild masturbieren. Dieser Traum ist jetzt gestorben.

»Danke, Dad«, murmele ich, schnappe mir meinen Koffer und haue ab. Tja, das war ein enttäuschender Zusammenstoß. Aber macht nichts. Ich hab meinen Schlüssel, und jetzt muss ich nur noch in die Bar. Mein Zeug kann ich später ins Hotelzimmer bringen – das ich mir mit Shanna teile.

Da ist sie, die Baccarat Bar. Sie grenzt gleich ans Casino, mit modernen grauen Sofas und Sesseln inmitten von niedrigen glänzenden Tischen und einem Strauß blauer Blumen aus geblasenem Glas, die in der Mitte des mit Teppich ausgelegten Areals aufleuchten. Die Vasen mit Blumen und der Konzertflügel bilden einen Kontrast zu der Umtriebigkeit und der Energie des Casinos, aber ich finde es toll.

Manche Leute hassen Las Vegas mit seinen blinkenden Lichtern und lärmenden Spielautomaten. Ich hingegen liebe die Energie.

Ich hab Shanna schon entdeckt. Mit den knallblau gefärbten Haaren und dem Sleeve-Tattoo aus japanischen Blumen auf dem rechten Arm ist sie nur schwer zu übersehen. Sie unterhält sich mit … ja. Das ist meine Agentin.

»Wen muss ich ficken, um hier bedient zu werden?«, ruft Meredith ungeduldig, die ihre inzwischen leere »Moscow Mule«-Kupfertasse in die Luft hält und damit rumwedelt. Meredith Chambers, die heißeste Liebesroman-Agentin in New York mit dem versautesten Mundwerk östlich des Mississippi. Oder auch westlich, wenn ich es mir recht überlege. Einige Frauen, die an uns vorbeikommen, sehen sie schockiert und irritiert an. Sie reagiert souverän. »Beine zusammen, Ladys. Ich hab keine Angst, Nektar zu naschen.«

»Dafür kannst du verklagt werden«, sage ich zu ihr, als ich auf die beiden zugehe.

Shanna umarmt mich strahlend, während Meredith gackernd den Kopf in den Nacken wirft. Sie ist immer noch wie aus dem Ei gepellt; ich sehe sie nie in etwas weniger Schickem als einem Chanel-Hosenanzug. Als sie auf die Uhr sieht, klimpert ihr Goldschmuck, und die Rolex an ihrem Handgelenk blitzt auf. Sie sieht kein Jahr jünger aus als ihre siebenundfünfzig Lenze, aber das Alter steht ihr.

Meredith schnipst so lange mit den Fingern, bis endlich ein nervös wirkender Kellner zu uns kommt.

»Darf ich Ihnen noch einen bringen?«, kiekst er.

»Einen Mule oder einen Orgasmus?«, fragt sie, während sie ihn von oben bis unten taxiert. Ich fürchte, er vergeht gleich vor Angst.

Okay, grenzt das an sexuelle Belästigung? Vielleicht. Aber ab und zu ein bisschen Doppelmoral bewirkt bei Frauen Wunder.

Meredith reicht ihm ihre Tasse, und ich setze mich. »Da ist ja mein umwerfendes Genie. Hör zu, das hast du nicht von mir«, sagt sie und sieht sich übertrieben geheimniskrämerisch um, »aber Verbotene Leidenschaft hat es auf die Times-Bestsellerliste geschafft. Du kannst es in etwa einer Stunde twittern. Auf Platz fünf.«

»Platz fünf?«, staune ich ungläubig und hocherfreut. Shanna umarmt mich noch einmal, und wir kippen fast um. Aber verdammt, spielt das eine Rolle? Die Bestsellerliste der New York Times!

»Das verlangt nach mehr Prosecco«, ruft Shanna und schenkt mir welchen ein.

Oh, sie hat eine Flasche und ein zusätzliches Glas, extra für mich.

»Du verwöhnst mich«, sage ich und stoße mit ihr an.

»Die Bürde der Busenfreundinnen. Außerdem gibt es heute noch mehr zu feiern.« Sie lächelt mich aufmunternd an. »Du musst glücklich sein, Jules.«

Ach so. Ja. Das. »Danke«, murmele ich.

»Was ist passiert? Hast du den Cabana-Boy gefickt?«, fragt Meredith, während sie durch die E-Mails auf ihrem Smartphone scrollt.

»Nein. Meine Scheidung ist ab heute rechtskräftig«, sage ich und bemühe mich, fröhlich zu klingen. Und das gelingt mir auch. Weitestgehend. Sogar Meredith verstummt. Wow, sie sieht regelrecht bedrückt aus.

»Sorry, Kleine. Ich hab eine große Scheißklappe.« Sie drückt meine Hand. »Gratuliere. Ich weiß, was für ein Arsch er war.«

An der Stelle sollte ich »Aber hallo!« schreien und, die Faust in die Luft gereckt, nach Superhelden-Art hochspringen. Dann könnten wir alle herumwirbeln, uns in Frauen mit Elasthan-Anzügen verwandeln und losziehen, um phänomenale Mengen an Verbrechen zu bekämpfen und Kuchen in Hülle und Fülle zu vertilgen.

Stattdessen lächele ich gezwungen und nicke. Ich war fünf Jahre mit Drew verheiratet. Vier Jahre lang war es eine Freude. Dann hat meine Karriere abgehoben, und er ist abgezogen.

»Hey«, sagt Shanna, die mich sanft aus meinen Grübeleien reißt. »Wollen wir die Typen da zu uns winken?« Sie deutet auf drei Männer, die durch das Casino dackeln. Einer zieht einen Rollkoffer hinter sich her. Ich spüre deine Last, Bruder. »Es sind drei. Für jede einen.« Sie zwinkert mir verschwörerisch zu, und Meredith lacht schallend los.

»Ich könnte ihre Mutter sein«, sagt Meredith. »Also würde ich sie definitiv ficken. Machen wir’s.« Sie pfeift und winkt dem Männertrio zu. Einer von ihnen sieht nett und im Wesentlichen normal aus. Der andere hat gegeltes Haar, stinkt nach Axe-Bodyspray und hat was von einem Blödmann. Und der dritte, der mit dem Rollenkoffer, der ist …

Scheiße. Das ist der Große, Dunkle, Missmutige. Er mustert uns mit unübersehbar gelangweilter und verdrießlicher Miene.

»Was ist los? Du siehst aus, als hättest du einen Nuvaring verschluckt«, sagt Shanna beunruhigt.

»Mir geht’s gut«, antworte ich schnell, und verdammt, ich mein’s ernst. Scheiß drauf. Ich bin hergekommen, um viel zu trinken, viel zu lachen und in Maßen zu zocken. Mr Miesepeter kann mir nicht den Spaß verderben.

»Ladys«, sagt Axe Bodyspray und schiebt sich zu uns rüber. Er reißt sich die Sonnenbrille runter; warum zum Teufel trägt er sie hier drin überhaupt? »Dürfen wir uns auf einen Appetizer zu Ihnen gesellen?«

»Einen Aperitif?«, korrigiert Shanna ihn lachend. »Das ist wohl das, was Sie meinten.«

Dass er nicht verlegen oder unangenehm wird, spricht für ihn. Er lacht einfach mit. Hey, wenn ich eins schätze, dann einen guten Verlierer.

»Klingt gut. Wir tun uns zusammen und machen Wunder wahr.« Gott, was für ein Spruch. Er ist irgendwie liebenswert, wie ein verspielter kleiner Hund.

Axe Bodyspray nimmt zwischen Meredith und Shanna Platz. Der Normalo setzt sich etwas weiter weg, lächelt uns alle an, aber wendet sich uns nicht zu. Ich hab den Eindruck, dass er vergeben ist. Und so bleibt für Miesepeter nur noch der Platz neben mir frei.

»Hallo«, sagt der Blödmann höflich und freundlich. Er tut so, als sähen wir uns zum ersten Mal.

Toll, ich muss einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen haben, als ich ihn in der Hotellobby halb umgerannt habe und hingefallen bin. Er weiß nicht mehr, was vor drei Minuten war. Was okay ist. Ich will mich auch nicht daran erinnern. Selbst wenn er dieses gottgleiche Clive-Razor-Aussehen hat.

»Was treibt ihr Jungs hier so?«, fragt Meredith und lehnt sich zurück, um in Ruhe Axes Arsch zu betrachten. Das scheint ihn nicht abzuschrecken.

»Junggesellen-Abschied. Für mich«, erklärt Normalo mit einem Lächeln.

Da haben wir’s. Meine romantischen Instinkte trügen mich nie.

»Wer ist denn die oder der Glückliche?«, fragt Shanna.

»Die Glückliche. Meine Verlobte Stacy. Sie schwirrt hier irgendwo rum. Ich heiße Mike Rosenbaum.« Er gibt uns die Hand. »Das sind Tyler Berkley«, sagt er und deutet auf Axe, »und Nate Wexler.«

Das ist dann wohl Obermiesepeter.

»Julia Stevens«, stelle ich mich vor und halte ihm mit hochgezogener Augenbraue die Hand hin. »Wir sind uns an der Anmeldung begegnet.«

»Ich weiß«, sagt er und schüttelt mir schnell und fest die Hand. »Ich erinnere mich.« Er beäugt meinen Koffer mit so etwas wie Abscheu.

Wow. Mit dem Arsch spreche ich nicht mehr. Stattdessen lächele ich Mike an.

»Was macht ihr Hübschen ganz allein in Las Vegas?«, fragt Tyler Shanna und wackelt mit den Augenbrauen.

»Wir nehmen an der Romantic Style Convention teil. Sie dauert das ganze Wochenende«, sagt Shanna und nippt an ihrem Drink.

»Ihr seid Liebesroman-Autorinnen?«, fragt Mike mit einem Lächeln. Er scheint wirklich interessiert. »Das ist verrückt. Meine Verlobte ist besessen davon, vielleicht hat sie schon von euch gehört.«

»Ich schreibe unter A. M. Leroy«, erklärt Shanna. »Aber es würde mich nicht wundern, wenn sie noch nichts von meinen Büchern gehört hätte. Sie sind ein bisschen – äh – abgedreht. Ich habe ein Nischenpublikum.«

Shanna stellt ihr Licht immer unter den Scheffel. »Sie meint, dass sie Sci-Fi-Erotik mit fantastischem World-Building und echt perversem Sex schreibt«, sage ich. »Androiden-Bondage? Bisexuelle außerirdische Königinnen mit eigenem Harem? Das ist die Frau dafür.«

Shanna errötet. »Julia ist die Bestsellerautorin«, sagt sie grinsend. »Sie schreibt sogar unter ihrem richtigen Namen. Das ist in unserer Branche recht selten.«

»Dann kann ich Julia Stevens im Buchladen finden?«, fragt Mike. »Das gefällt mir.«

»Das kam mir am ehrlichsten vor«, sage ich lachend und zucke mit den Achseln.